September 2015: Merkel hat es richtig gemacht.

oesterreichBlick zurück zum mythischen Grenzöffnungsmoment Anfang September 2015.

Schlüsselfragen: Hat Angela Merkel damals richtig gehandelt? Und wie ist das Verhältnis Balkan-Grenzschließung / Türkei-Deal in dieser Sache zu sehen?

Der Standard interviewt dazu einen österreichischen Insider.

STANDARD:

ÖVP-Chef Außenminister Sebastian Kurz ist stolz darauf, die Balkanroute geschlossen zu haben. Aus Ihrer Sicht zu Recht?

Maier:

Ein Beamter des Innenministeriums hat kürzlich gemeint, die Balkanroute sei rhetorisch geschlossen worden.Fest steht, dass das Schlepperunwesen dadurch gefördert wurde. Durchlässig ist die Route noch immer.

Zehn Tage nach Schließung dieser Route im März 2016 trat die Türkei-Vereinbarung in Kraft. Das war das Glück und viel effizienter, denn ohne diesen Pakt zwischen Merkel, EU und Erdogan hätte es auf der Balkanroute ein noch größeres humanitäres Problem gegeben.

STANDARD:

Wie sehen Sie die Rolle von Angela Merkel?

Maier:

Sie hat vorbildlich agiert.

Am 5. September 2015, als die ersten Tausende Flüchtlinge in Nickelsdorf standen, gab es in Berlin eine Sitzung, bei der Merkel ihre Experten fragte, ob es rechtlich möglich sei, die Grenzen zu schließen.

Die Auskunft lautete: nein, eigentlich nicht – und obendrein gäbe es unschöne Bilder.

Man stelle sich vor, das wäre anders ausgegangen. Fast eine Million Menschen wären in Österreich geblieben – was hätten wir dann gemacht?

Notabene gab es im Herbst 2011 einen Bericht des Heeresnachrichtenamts, dass es aufgrund der politischen Verschiebungen in Nordafrika zu Wanderbewegungen kommen wird. Jetzt so zu tun, als wäre das Merkels Schuld, ist absurd.

Wer ist dieser Maier?

Ferdinand “Ferry” Maier (65), langjähriger ÖVP-Nationalratsabgeordneter und ÖVP-Generalsekretär sowie zwanzig Jahre lang Generalsekretär des Raiffeisenverbandes, war von September 2015 bis September 2016 als Generalsekretär des Vereins “Österreich hilfsbereit” neben Christian Konrad als Flüchtlingsbeauftragter der Bundesregierung tätig. Seine ÖVP-Mitgliedschaft hat er 2014 ruhend gestellt.

Wie gesagt, das ist einer, der es wissen muss – und der unabhängig urteilen kann und keine Propaganda machen muss.

Imam-Ausbildung (nur noch) in Deutschland?

islamSo weit möchte Benjamin Idriz nicht gehen. Immerhin plädiert er für die Imam-Ausbildung in Deutschland.

Die Ausbildung der Imame hier im Land sollte ein Kernanliegen der Muslime sein. Die Politik muss aber auch den entsprechenden Initiativen von Muslimen die Hand reichen.

Gemeinsames vordringliches Anliegen sollte deshalb die Schaffung von Ausbildungseinrichtungen nur für Imame sein.

Die kürzlich eingerichteten Lehrstühle wie in Münster, Osnabrück, Frankfurt, Erlangen, Tübingen für die Ausbildung von islamischen Religionslehrern, Islamwissenschaftlern und Theologen könnten Grundlagen für eine Imam-Ausbildung vor Ort sein – allerdings bilden diese Lehrstühle bislang keine Imame aus.

Eine spezifische Imam-Ausbildung mit staatlicher Kooperation und Förderung fehlt immer noch in Deutschland.

Ein entsprechendes Institut könnte zum Beispiel an der Ludwig-Maximilians-Universität in München eingerichtet werden, für alle deutschsprachigen Länder.

SZ

Beide Seiten, so Idriz, würden dabei gewinnen.

Von den Imamen, die in Deutschland und in deutscher Sprache ausgebildet sind, profitieren die Moscheegemeinden – weil so die Voraussetzungen für die Entwicklung des Islams im Lande geschaffen werden.

Eine Imam-Ausbildung würde nicht nur eine wünschenswerte Dynamik in die Entwicklung einer Theologie des Islams in Deutschland bringen, sondern auch gleichzeitig auf das religiöse Leben der Muslime reagieren, ihre Religion im Hier und Heute einbinden und dem Bedürfnis der Mehrheitsgesellschaft nach Aufklärung durch kompetente Multiplikatoren entgegenkommen.

Der Imam wird seine in der Akademie erworbenen Kenntnisse für das Zusammenwachsen der Gesellschaft fruchtbar einsetzen können, als Integrationsmotor sozusagen.

Im Bewusstsein, dass diese Einrichtung nur in längerfristigen Schritten ins Leben gerufen werden kann, müssen zunächst die bereits tätigen Imame in Deutschland an die Modalitäten in praktischer und theoretischer Fortbildung herangeführt werden.

Ein konstruktiver Ansatz. Aber:

(1) Die etablierten türkischen und arabischen Moscheevereine und Islamverbände werden ihn ablehnen. Sie bevorzugen die Abgrenzung, Einigelung, die sich verfestigende islamische Parallelgesellschaft. Jede Liberalisierung bzw. “Verwestlichung” des Islam lehnen sie ab.

(2) Die Mehrheit der gläubigen Muslime in Deutschland will ihre arabische bzw. türkische islamistische Gegenwelt bewahren. Sie will sich nicht integrieren. Ihr Primärbezug ist und bleibt die islamische Heimat. Deutschland ist und bleibt ihr fremd.

(3) Das türkische und das arabische Moschee-Milieu ist gefährlich. Es fördert den antiwestlichen Fundamentalismus und Fanatismus in der muslimischen Minderheit.

Idriz zeigt, dass es auch anders ginge. Wenn man wollte. Islam und Erdotürken marschieren aber lieber stolz und unbesonnen ins Ghetto.

Ich schließe daraus: Der Entfremdungsprozess wird fortschreiten und sich radikalisieren. Eine der Folgen: Es wird eines Tages zu einer gesetzlichen Regelung kommen, nach der nur noch in Deutschland ausgebildete bzw. zertifizierte Imame zugelassen werden.

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