Für Dominik Brunner

geschrieben von Leo Brux

Wäre es nicht das angemessene Gedenken an ihn,  wenn wir uns in einem ähnlichen Fall genau so verantwortungsbewusst und mutig verhalten würden wie er?

Trotz der Gefahr.

Was ihm passiert ist, hätte auch mir passieren können. Ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich so viel Zivilcourage gehabt hätte wie er, aber ich will es doch hoffen.

An alle diejenigen, die jetzt erschrecken und noch ängstlicher geworden sind, als sie es ohnehin schon waren: Dominik Brunner hat uns ein Beispiel gegeben, und es wäre doch geradezu eine Entehrung, wenn wir uns nun aus Angst so verhielten wie die Dutzende, die dabeistanden und wegschauten und den Mann allein ließen bei seinem Versuch, vier Kinder vor Verbrechern zu schützen.

Apropos Verbrecher:

In den 60er Jahren gab es den Fall Bartsch.

Vier Buben hat er ermordet -

– alle etwa in dem Alter, in dem ich zur Zeit ihres Todes war. 1967 stand er vor Gericht, 19 Jahre alt, und Familie Brux saß vor dem Fernseher und sah in den ARD-Nachrichten einen kurzen Bericht davon. Schweigend. Dann sagte meine Mutter hinein in die betroffene Stille diesen einen Satz: „Was muss der Junge in seiner Kindheit gelitten haben, dass er so etwas tun konnte.“

Meine Mutter, ein einfaches Mädchen vom Lande mit wenig Bildung, garantiert keine Intellektuelle, christlich-konservativ und CSU-Wählerin, ohne Ahnung von Soziologie, hatte damit umstandslos das Wesentliche in diesem Fall erfasst.

Da stehen wir also jetzt zwei Mördern gegenüber, Markus und Sebastian. Mich interessieren die Ursachen. Wie wird man so? Was für eine Umwelt ist das, die Menschen hervorbringt, die solche monströsen Taten begehen?

Härtere Strafen müssen her, so lese ich. Im Moment der Erregung vermutlich ein fast universaler Schrei.

Als ob die beiden ihr Opfer nicht totgetreten hätten, wenn ihnen dafür die Todesstrafe oder die Folterkammer gedroht hätten.

Diese Jugendlichen denken im Rausch ihres destruktiven Handelns nicht an die Folgen, nicht an das Morgen. Sie agieren im Jetzt.

Man kommt ihnen nicht bei mit härteren Strafen. Wenn man überhaupt etwas tun kann, dann präventiv: Wir könnten versuchen, den Anfängen zu wehren, und die liegen in einer katastrophalen Erziehung – und den Umständen, die zu einer katastrophalen Erziehung führen.

Es ist keine Frage des Intellekts und der Bildung, das zu erkennen. Es ist eine Frage des Respekts vor allen Menschen, auch vor den Bösartigen. Ich denke an das Beispiel meiner Mutter.

Kommentare

  1. Die beiden Mörder sollen nach Erwachsenenstrafrecht behandelt werden. Mir wäre es recht, wenn sie den Rest ihres kaputten Lebens im Gefängnis verbringen würden.

    Aber ich weiß auch, dass das den Ursachen nichts ändert.

    Ich bin auf jeden Fall schockiert und mir nicht mehr sicher, ob ich eingreifen würde.

  2. Was sind die Ursachen, und wie kann man da was ändern?

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