Hunger-Honorare

geschrieben von Leo Brux


Es waren einmal fix und fest 23 Euro für die freiberuflichen Deutsch-Lehrkräfte. Vor 10 Jahren noch. Dann wurde die Integration der Migranten der (damals rot-grünen) Bundesregierung plötzlich wichtig. Das Mittel Nummer eins dafür ist natürlich, dass die Einwanderer Deutsch lernen – und so lag es nahe, nicht wahr, dass man das Honorar für die Lehrkräfte reduzierte, indem man die Honorare freigab und gleichzeitig die Deutschkursträger so unter Finanzdruck setzte, dass sie die Honorare drastisch senken mussten.

Je weniger man bekommt, desto höher die Leistung? – Schade, dass man das Prinzip nicht mal bei unseren bonusgeilen Bankern ausprobiert!

Auf durchschnittlich etwa 17 Euro sind diese Lehrerhonorare bundesweit gesunken. Minus 25%. Hatte ein Deutschlehrer für Migranten vorher für 80 Unterrichtsstunden pro Monat noch 1 840 Euro brutto bekommen, so waren’s plötzlich bloß noch etwa 1 400 Euro. (Und keine Honorarfortzahlung bei Krankheit oder Ausfallzeit, kein Urlaubsgeld, kein Arbeitgeberbeitrag für irgendwas …)

Ilse Kowatschewitsch und Miriam Herrmann sind ins Prekariat abgestürzte Opfer des BAMF (Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge). Die tz hat Ilse und ihr Schicksal im Juni 2009 portraitiert (3,55MB) – unter dem Titel: So wenig ist dem Staat die Integration wert. Die Frankfurter Rundschau zitiert Miriam Herrmann.

Lesenswert sind auch der Migazin-Beitrag zum Thema Integrationskurse und die detaillierten Infos der AKTION BUTTERBROT.

Die IG zahlt übrigens 21,60 Euro Honorar pro Stunde – deutlich über dem deutschen Durchschnitt, aber immer noch unter dem vor 10 Jahren üblichen Satz. Mit Inflationsausgleich sollte das Honorar heute bei 28 Euro brutto liegen.

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