Geld kann stinken

(Bx)

Islamische Banken richten sich nach Koran und Sunna – und machen keine Geldzinsgeschäfte. Finanzdienstleistungen werden zinsfrei angeboten. Profit in Form von Mietzins und Kalkulationszins, im Rahmen von Sachmittelkrediten z. B.,  ist erlaubt, verboten sind reine Geldgeschäfte. Da stinkt das Geld, sozusagen.

In einem langen Interview erklärt ein Herr el-Mogaddedi, wie Islamic Banking geht, wie es begründet wird, worauf es hinausläuft. Ganz hab ich’s noch nicht verstanden, aber neugierig hat es mich gemacht.

Der Umgang der Banken mit Geld wird an Regeln gebunden, die neuerdings auch unabhängig von aller Religion einleuchten, wenn man sich nämlich anschaut, was unsere deregulierten Bankster angerichtet haben und wohl weiter anrichten werden.

Ganz anders Herr el-Mogaddedi, der am Ende geradewegs religiös-sozialistisch klingt:

Es gibt einen Hadith, dem zufolge es heißt: „Ibn Abbas berichtete: Ich hört Allahs Gesandten sagen: „Derjenige ist nicht gläubig, der sich satt ißt, während sein Nachbar an seiner Seite hungert.“ und den bekannten Hadith „Keiner von euch ist gläubig, bis er für seinen Bruder wünscht, was er für sich selbst wünscht“.

Als Muslime sind wir also verpflichtet, uns um die Bedürfnisse unserer Mitmenschen zu kümmern und dazu gehört aus meiner Sicht auch der Abbau von Regeln, die andre deutlich benachteiligen.

Das Entscheidende für mich ist bei diesem Hadith, das es nicht ‚muslimischer Nachbar’, sondern ‚Nachbar’ heißt. Das ist das soziale Element der islamischen Lehre: Wir sollten immer überlegen, ‘Gebe ich etwas noch ab? Gibt es nicht einen in meinem Umfeld, dem ich etwas abgeben kann’ …

Auch unsere säkularen Banker haben ihre Religion, aber eine ganz andere: die des persönlichen Gewinns. Seltsam, wie wir den Ego-Fundamentalismus des Großen Geldes ganz selbstverständlich dulden und fördern und für beinahe normal halten.

Eine Schattenseite gibt’s aber auch in der Grünen Geldwirtschaft. Der hier interviewte muslimische Banker ist so ehrlich und geht auf den gigantischen Yimpas-Betrugsfall ein, einem ponzi scheme, Schnellballsystem. Da wurden Deutschtürken unter dem Vorwand schariakonformer Anlage mindesten 5 Milliarden Euro aus der Tasche gezogen. — Es ist nicht alles grün, was grün ausschaut.

Dennoch, der Zentralrat der Muslime erwartet einen Boom für die Islamischen Banken. Es sei auch nur noch eine Frage der Zeit, bis deutsche Banken das Islamic Banking für sich entdecken würden.

Kommentare

  1. Dass el-Mogaddedi (der Clan Mogaddedi ist arabischer Herkunft und ist nach Afghanistan ausgewandert) Werbung für Islam Banking macht, dürfte niemanden überraschen – er hat sein Institut für Islam Banking gegründet mit dem Ziel, damit Geschäfte zu machen.

    Von allen 57 Staaten der Welt, in welchen die Ideologie der Unterwerfung herrscht, gibt es nur in vier Staaten Islam Banking mit Zinsenverbot – nur, dort ist fast alles andere auch verboten. Zum Beispiel als Frau in Saudi-Arabien dürfen Sie keinen Führerschein machen, unterliegen Sie einer männlichen Vormundschaft, dürfen Sie ohne Genehmigung Ihres Vormunds das Land nicht verlassen etc. Die Vorstellung, dass die einheimischen Frauen Bankgeschäfte abwickeln würden, ist natürlich absurd.

    Ich weiß nicht, ob Ihr Blog auch weitere Leser und Leserinnen hat, aber mich können Sie mit Ihrer Werbung für Islam Banking nicht begeistern.

  2. initiativgruppe meint:

    Ich bin ja auch noch nicht so ganz überzeugt. Es ist halt interessant und wert, dass man es sich mal anschaut. Klar bleib ich bei der Münchner Sparkasse!

    Dagegen, dass eine Bank auch Geschäfte macht, hab ich nix. Solange beide Seiten UND die Gesellschaft insgesamt bei dem Geschäft verdienen. Das internationale Finanzcasino scheint nur für den privaten Profit von Spekulanten da zu sein.

    Islamic Banking könnte eine gesunde Ergänzung für den deutschen Bankensektor sein.
    Könnte.
    Ich schau mir das noch mal genauer an. Die erwähnten Skandale mit türkischen Anlagegeschäften sind schon eine wirksame Warnung.

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