Sie nicht, aber …

(Bx)

Der Islam ist eine Religion der Intoleranz.

Was schätzen Sie, wie hoch ist der Prozentsatz in Europa, der dieser Aussage zustimmt?

Das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld hat 2009 in acht europäischen Ländern durchgeführt und je 1000 Menschen befragt (nicht nur zu diesem Thema).

Jeder zweite in Europa stimmt dieser Aussage zu. Jeder zweite in Deutschland. (Bericht: taz)

Die Studie untersucht Vorurteile auch gegenüber Juden, Homosexuellen, Einwanderern und zeigt,

dass unterschiedliche Vorurteile in einem “Syndrom der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit” zusammenhängen. Wer also für ein Vorurteil anfällig ist, ist dies mit großer Wahrscheinlichkeit auch für andere. Denn der Kern, so die Wissenschaftler, sei “eine Ideologie der Ungleichheit”.

…   Zu den Ursachen für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gehören nach Ansicht der Wissenschaftler autoritäre Einstellungen, ein subjektives Gefühl der Bedrohung durch Fremde und die Zurückweisung von kultureller Unterschiedlichkeit.

Philipp Gerster kommentiert dies – ebenfalls in der taz:

Europa, dieses faszinierende Konglomerat ganz unterschiedlicher Kulturen, ist nicht per se tolerant, im Gegenteil. Der Kontinent scheint sich vielmehr zu vereinen in Angst: Angst vor dem Fremden und dem Neuem. Und Angst vor dem Feind früherer Jahrhunderte, dem Islam.

Bei keinem anderen Vorurteilskomplex sind die Zahlen der einzelnen Staaten so einheitlich wie bei der Furcht vor den Muslimen. Und bei fast keinem anderen auch so hoch. Europa ist aufgefordert, dieses Vorurteil so ernsthaft zu bekämpfen wie den Antisemitismus – bei dem die Zahlen meist niedriger, aber auch alarmierend sind: auf dass die fortschreitende Einigung des Okzident nicht im Kontrast zum Orient entstehe.

“Das beweist gar nichts? DER ISLAM ist eben so! Hier ist Zitat X!”

Nun, ich weiß, wenn ich hier vorführen würde, dass die meisten Muslime hier in Europa Koran und Sunna und Scharia recht anders verstehen, als es  die “Islamkritiker” in engster Hautfühlung mit islamistischen Fundamentalisten zu tun belieben, hätte ich keine Chance, diese “Kritiker” überzeugen zu können. Denn es handelt sich hier nicht um Kritik, sondern um eine Phobie.

—–

Wikipedia gibt einen guten Überblick über die “gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit” und zur Islamophobie.

Zur Konzeption “gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit” gibt es einen Beitrag im “Parlament”.

HeitmeyerDtZ8Heitmeyers Taschenbuchserie “Deutsche Zustände” verfolgt die Entwicklung seit 2001. In der Folge 8 (Februar 2010) wird wohl das hier angerissene Forschungsergebnis dokumentiert werden.

Kommentare

  1. Interessant sind immer – falls von der Redaktion nicht zensiert – die Leserkommentare, z.B.:

    http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/kommentarseite/1/kontinent-der-angst/kommentare/1/1/
    14.11.2009 13:19 Uhr:
    Wieso VORURTEIL?

    Die Angst vor der Islamisierung ist durchaus begründet.
    Wo bitteschön existiert ein islamisch dominiertes Land, in welchem Toleranz herrscht?
    Warum flüchten die dortigen Muslime lieber ins “intolerante” Europa?
    Hier wiederum habe einige dieser Muslime nichts Besseres zu tun als die gleichen Strukturen zu etablieren, vor denen sie in der Summe geflohen sind.
    KEINE Toleranz der Intoleranz.

    http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/kommentarseite/1/europa-der-vorurteile/kommentare/1/1/
    13.11.2009 20:59 Uhr:
    Es ist kein Vorurteil, sondern eine Tatsache, dass in allen Ländern und Regionen, wo in den letzten Jahrzehnten Mohammedaner die Macht ergriffen haben, die Freiheit und die Menschenrechte eingeschränkt oder gar weitgehend zerstört worden sind: Iran, Sudan, Somalia, talibanisch beherrschte Gebiete Afghanistans und Pakistans… (Ebenso war es hierzulande, als hier vor ca. 1800 Jahren die Christen die Macht ergriffen: Bodenständige Kulturgüter wurden zerstört.)

    Es ist kein Vorurteil, sondern eine Frage der Logik, dass eine Ideologie, die sich “Islam” nennt und diesen Begriff als “Unterwerfung” definiert, Unterwerfung hervorbringt, im Alltag wie in der Politk. Es ist auch kein Vorurteil, sondern eine Frage der Logik, dass Unterwerfung das Gegenteil vom Geist der Aufklärung um vom Geist Europas ist.

    Wann endlich wird die taz sich klar auf die Seite derjenigen Leute stellen, die sich aus “selbstverschuldeter Unmündigkeit” (I.Kant) befreien wollen? Freigeisterverbände und Verbände von Ex-Muslimen gibt es als Ansprechpartner ebenso wie Psychologen, die den einzelnen betroffenen Menschen therapeutisch helfen, aus den tiefen neurotisierenden Verstrickungen von Religion herauszufinden.

    Auch Karl Marx nahm zum Thema vor ca. 160 Jahren Stellung:
    http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/kommentarseite/1/europa-der-vorurteile/kommentare/1/1/
    “Der Koran und die auf ihm fußende muselmanische Gesetzgebung reduzieren Geographie und Ethnographie der verschiedenen Völker auf die einfache und bequeme Zweiteilung in Gläubige und Ungläubige. Der Ungläubige ist “harby”, d.h. der Feind. Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen”. (Karl Marx. Die Kriegserklärung – Zur Geschichte der orientalischen Frage, Marx-Engels-Werke, Band 10, S. 170)
    http://www.mlwerke.de/me/me10/me10_168.htm

  2. initiativgruppe meint:

    Ich soll Ihnen ein herzliches Dankeschön von den Taliban ausrichten, Herr Ludmil!

    Es ist sehr anerkennenswert, dass Sie Islam und Islamismus gleichsetzen, und dass Sie nur einen fundamentalistischen Islam kennen. Das haben Sie mit den Taliban und den wahhabiten gemeinsam.

    Dschihad und Kreuzzug – das käme Ihnen entgegen, Herr Ludmit, und es würde ebenso die Islamisten freuen, wenn wir alle gläubigen Muslime dazu kriegen würden, Islamisten zu werden.

    Islam bedeutet “Unterwerfung unter Gott” – das ist etwas anderes als “Unterwerfung” – unter Irdisches, unter Menschen. “Unterwerfung unter Gott” ist die Definition von Religion – auch für einen Christen. Die Frage ist dann, was man unter “Gott” versteht … da erkennt man beträchtliche Unterschiede zwischen den Menschen.

    Kants Aufklärungsbegriff – die Befreiung aus selbstverschuldeter Unmündigkeit – ist durchaus vereinbar mit Religion, mit tiefem Glauben. Die Unmündigkeit bezieht sich auf Unterwerfung unter irdische Autoritäten. Zumindest die protestantische Theologie, aber auch ein Teil der katholischen könnten Ihnen zeigen, wie Aufklärung und Glauben miteinander vereinbar sind. (Papst Benedikt gehört wohl eher ins anti-aufklärerische Lager.)

    Die muslimischen Länder haben alle einen mehr oder weniger großen kulturellen Abstand zu denen des “Abendlandes”, aber was den wirtschaftlichen Erfolg anbelangt, so wird sich das wohl allmählich ändern; es wird interessant sein, wie sich das auch kulturell auswirken wird.

    In Pakistan, Afghanistan, Somalia etc. haben nicht “die Mohammedaner” die Macht ergriffen – es waren immer muslimische Länder mit muslimischen Regierungen (ok, in Afghanistan gab’s mal eine säkulare Unterbrechung). Sie meinen also: Islamisten haben die Regierung ergriffen.

    Aber ich weiß schon, den Unterschied gibt es für Sie nicht. Deshalb ja auch das Dankeschön der Taliban, das ich Ihnen übermitteln durfte.

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