Düstere Gedanken zum Neuen Jahr (2)

(Bx)

Dass 2010 ökonomisch und sozial schwierig werden wird, sagen fast alle voraus. Die Welt-Finanzkrise ist noch nicht ausgestanden – ein Rückfall jederzeit möglich. Viele Städte und Gemeinden werden an den Rand der Zahlungsunfähigkeit geraten, alle werden ihre Leistungen einschränken müssen. Die Arbeitslosigkeit wird steigen. Der Sozialstaat wird reduziert, weil die Einnahmen zurückgehen, weil die Schulden zum harten Sparen zwingen, weil die Noch-Mittelschichtler die Unterschicht gern abkoppeln würden.

Mit der sich verschärfenden sozialen Krise steigt der Anteil
- derer, die spüren, dass sie etwas zu verlieren haben,
- derer, die tatsächlich etwas verlieren und in die Zone der prekären Verhältnisse absinken,
- derer, bei denen sich die Armut verfestigt.
Das wird die politischen Verhältnisse drastisch ändern.

Der Anteil derer,

  • die den “Versagern” in der Unterschicht – ohnehin fast zur Hälfte Migranten -  nichts mehr gönnen und ihnen gern den Sozialstaat aufkündigen würden (Sarrazin),
  • die in ihrer Angst vor Verlust und Abstieg um sich schlagen und zunächst einmal Muslime und “Ausländer” treffen wollen (Moschee-Streit),
  • die als Ausgeschlossene kriminell werden (männliche Unterschicht-Jugend),
  • die nach einer heroischen Führerautorität verlangen (dafür fehlt noch das aktuelle Beispiel),

wird dramatisch anwachsen.

Das wird nach und nach unser bisher relativ gesundes politisches Klima vergiften. Der Gegner wird allmählich zum Feind, die Konkurrenz der Parteien und politischen Strömungen wird zum Krieg.

2010 kommt das sicherlich noch nicht voll zur Geltung. Wir werden aber merken, dass es anfängt. Die mentale Aufrüstung zum Glaubens- und Sozialkrieg ist ja bereits jetzt spürbar.

Noch geht die Erschütterung nicht tief genug, noch wiegt die Erwartung, dass es bald wieder aufwärts geht, vor. 2010 wird für das rechtspopulistische Lager nur mal ein gutes Sammlungs- und Übungsjahr werden, für das Lager der Demokratie und der Liberalität eines der Defensive – einer Defensive, die anfangen wird, Bruchstellen zu zeigen.

Das Unfassbare, Unerträgliche – und doch Unvermeidliche – könnte nun begonnen haben: das Ende des Fortschritts – der Anfang des Abstiegs.

Darauf sind wir nicht vorbereitet. Ob uns Morgensterns Palmström-Prinzip da helfen kann?

Und er kommt zu dem Ergebnis:
«Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil», so schließt er messerscharf,
«nicht sein kann, was nicht sein darf.»

Kommentare

  1. fareus (politically correct)
    hat einen Absatz daraus als “Zitat des Tages” auf sein Blog gesetzt.

    http://fareus.wordpress.com/

  2. Teky Nockof meint:

    Also ich vermute das war eh lediglich ne kurzfristige Trendgeschichte

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