“Ich lass mein Kind nicht mehr quälen!”

(Bx)

Christian Füller hat mich ein bisschen heruntergeputzt, nachdem ich die Behauptung aufgestellt habe: Wir knacken die Eltern-Nuss nicht. Eisenhart, so meinte ich, würden die Eltern des Bildungsbürgertums Gymnasium & Privilegien ihrer Kinder verteidigen, diese Eltern hätten gar nicht vor, Konkurrenz von unten und Chancengleichheit zuzulassen. “Die andern müssen unten bleiben, damit MEIN KIND oben ankommen kann.”

“Hören wir mal auf zu jammern!” sagte Füller da und schaute mich dabei an. Auch die Eltern des Bildungsbürgertums hätten mit ihren Schulkindern existenzielle Probleme, auch die Eltern des Bildungsbürgertums würden neugierig, wenn sie mal die attraktiven Alternativschulen von innen erleben – wie da die Kinder Spaß am Lernen haben, wie sie nachhaltig lernen, wie sie freudestrahlend nach Hause kommen.

Runde Tische bräuchten wir, empfahl Christian Füller gestern im Stemmerhof auf einer Veranstaltung der SPD-München Süd. Runde Tische, an denen alle unter der heutigen Schule leidenden Elterngruppen säßen und sich austauschen könnten: die des gymnasiumsfixierten Bildungsbürgertums ebenso wie etwa die Migranteneltern und die Eltern behinderter Kinder.

Es gebe doch nur wenige Eltern, die nicht unter der Schule ihrer Kinder leiden würden.

Die SPD hat gestern in Sendling eine intensive und offensive Bildungsdebatte hinbekommen, ein prima Podium mit Christian Füller, MdL Adelheid Rupp und MdL Isabel Zacharias und BLLV Karin Leibl, mit souveräner Moderation – und einem kompetenten Publikum, das sich leidenschaftlich, sachkundig, aber auch ziemlich frustriert austoben konnte .

  • Problem Nummer 1: Der Lernstil aus dem 19. Jahrhundert. Frontal.
  • Problem Nummer 2: Der falsche Leistungsbegriff, die Noten-Unkultur.
  • Problem Nummer 3: Die Trennung in drei Säulen, mit dem Absacken der Hauptschule zur Schule der Hoffnungslosigkeit, mit der unsittlich frühen Auslese, der “Gymnasialisierung der 3. Grundschulklassen”.
  • Problem Nummer 4: Wir brauchen flächendeckend Ganztagsschulen, und davor Kinderkrippen und Kindergärten für alle Kinder aus bildungsschwachen Familien.
  • Problem Nummer 5: Das Produzieren von Bildungsarmut. Die Zementierung des Unten und Oben. Die Migrantenkinder haben in diesem System kaum eine Chance.
  • Problem Nummer 6: Das fehlende Geld. Zu wenig wird in Bildung investiert.
  • Problem Nummer 7: Schule sollte denen gehören, die sie machen.

Es hängt einem zum Hals heraus. Tausendmal sind diese Probleme festgestellt und als lösbar erkannt worden, millionenfach werden sie jedes Jahr durchlitten. Und kaum etwas ändert sich. Die Kultusminister winken ab, die Abitur-Eltern wachen über ihr Privileg und blockieren jede substanzielle Reform, und Deutschland bleibt in Sachen Bildung im 19. Jahrhundert stecken.

Was tun?

“Ich lass mein Kind nicht mehr quälen!” – Das könnte zum verzweifelten, entschlossenen Ruf von Millionen von Eltern werden. Das könnte zum Feuer werden, das die seit Jahrzehnten überfällige Bildungsreform voran bringen könnte. Die Bewegung muss von den Eltern selber kommen, aus der Mitte der Gesellschaft. Der Leidensdruck ist groß und wird immer noch größer …

Christian Füller hat ein besuchenswertes Blog: Er ist der Pisaversteher.

Siehe auch BlogIG-Artikel Bürger gegen Integration (Fortsetzung) mit weiteren Links.

Kommentare

  1. Genau so empfinde ich es. Warum stecken wir unsere Kinder eigentlich in Schulen und lassen Sie nicht gleich von Anfang an viel mehr an unserem direkten Leben teilnehmen? Einen Schritt in Richtung Naturvölker machen!

  2. Jona,
    ideologisieren wir es nicht!
    Übertreiben wir nicht!

    Es kann nicht um eine Abschaffung der Schule gehen. Und bei der gegebenen Zahl von Menschen und der gegebenen kulturellen Prägung ist die Welt der Naturvölker nicht unbedingt ein guter Orientierungspunkt. Obwohl, wir könnten auch von ihnen das eine oder andere lernen.

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