Sarrazin kennt Muenchen nicht

(Bx – unterwegs geschrieben auf amerikanischer Tastatur und ohne Maus)

Muenchen ist anders. Als Muenchner wundert man sich ueber Berlin und ueber diejenigen, die zu glauben scheinen, Berlin sei Deutschland.

In Muenchen leben mehr als ein Drittel Migranten mit und ohne deutschen Pass, in Berlin liegt der Anteil weit darunter. 23% sind Auslaender in Muenchen - gegen 14% in Berlin. Das Problemviertel Friedrichshain/Kreuzberg hat nur etwa so viele Auslaender bzw. Migranten wie Muenchen insgesamt.

Warum gibt es in Muenchen die Berliner Probleme nicht? (Und ich nehme an: Muenchen steht hier eher fuer Deutschland als Berlin.)

Die SZ vom Mittwoch, den 1. September (nicht online) stellt sich diese Frage, Silke Lode und Sven Loerzer suchen und finden folgende Vorschlaege fuer Antworten:

Brigitte Meier, SPD-Sozialreferentin der Stadt:

“Man darf die sozialen Probleme nicht ethnisieren, man muss sie loesen.”

Und wie loest man sie? – Durch eine staedtische Wohnungsbaupolitik, die gezielt eine soziale Mischung in den Vierteln anstrebt.

Marian Offman, CSU-Stadtrat, gibt eine Anregung, der man nachgehen sollte und die auf eine andere Erklaerungsmoeglichkeit hindeutet. Er verweist auf eine Studie zu den Migrantenmilieus in Muenchen. Von diesen Daten aus stelle ein Beitrag wie der von Sarrazin eine ganze Bevoelkerungsgruppe in ein falsches Licht. In dieser Studie heisst es:

Muenchen hat eine positivere Struktur mit guenstigeren Voraussetzungen. Die problembehafteten Milieus sind hier nicht so stark vertreten.

Diese Studie lehnt sich an eine hoechst aufschlussreiche Migrantenmilieu-Studie fuer ganz Deutschland an, ueber die ich >>> hier berichtet habe. Acht verschiedene Migrantenmilieus werden unterschieden – in Muenchen zeigen sich drei guenstige Milieus besonders stark: das buergerliche, das intellektuell-kosmopolitische und das Performer-Milieu. Migranten in Muenchen haben ein uerberdurchschnittlich hohes Einkommen und Bildungsniveau. -  Ich werde ueber diese Muenchner Studie berichten, sobald ich wieder in Muenchen bin.

Nun wohnen Tuerken in Muenchen besonders in den Stadtvierteln Neuperlach, Am Hart und Hasenbergl – eben dort, wo auch der Bestand an Sozialwohnungen hoch ist. Der Migrantenanteil ist dort besonders hoch, er naehert sich 50% (der Auslaenderanteil liegt in Milbertshofen-Am Hart bei ueber 35%, der Migrantenanteil entsprechend hoeher.) Aber auch dort gibt es keine mit Berlin (Friedrichshain/Kreuzberg) vergleichbaren Probleme. Woran liegt nun das? Wohl eher nicht an den fuer Muenchen guenstigeren Milieus.

Brigitte Meier fuehrt es zurueck auf die generell bessere soziale Lage in Muenchen. Migranten (mit und ohne deutschen Pass) sind generell staerker von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen als Nicht-Migranten. Die Prozentzahlen fuer “Hartzer”:

Muenchen: 5% Nicht-Migranten, 9,8% Migranten beziehen Hartz-IV-Leistungen.
Berlin: 19,5% Nicht-Migranten, 32,1% Migranten beziehen Hartz-IV-Leistungen.

Es handelt sich also um ein soziales, nicht um ein ethnisches Problem, so, wie sich die beiden Staedte eben sozial unterscheiden und nicht ethnisch. Muenchen floriert oekonomisch, Berlin nicht. Wo die Wirtschaft gut laeuft und auch Migranten leicht Arbeitsplaetze finden, ergeben sich weniger soziale Probleme – weniger Anlaesse auch, soziale Probleme dummdreist zu ethnisieren – wie es Sarrazin und sein Fanclub machen.

Sarrazins praktische Vorschlaege sind das Thema, das mich in dieser Debatte am meisten interessiert; Andreas schreibt darueber im Blog duckhome. Ich selber bin noch nicht bei diesem letzten Kapitel angekommen.

Kommentare

  1. Es ist vermutlich der Münchner Wohlstand, der einfach auf breiteren Beinen steht. In München gibt es acht DAX-Konzerne, da fallen einfach mehr Brosamen unter den Tisch der halb so großen Stadt. Ausserdem gibt es ein freundliches nicht so sehr von panischem pathologischen Geiz geprägtes Umland wie in Brandenburg. Überall auf der Welt an besonders harten Schnittpunkt von arm und reich gibt es Spannungen, das ist in Berlin vs. München sozusagen auf kommunaler Ebene zu beobachten.

  2. Da bestaetigst du mich. – Du warst uebrigens ueberraschend schnell mit deiner Antwort – du hast meine Ueberarbeitung (also die endgueltige Fassung) noch gar nicht mitkriegen koennen.

  3. Hat zwar nichts mit dem Thema zu tun, aber wo treiben Sie sich eigentlich herum? ;-) USA-Reise?

  4. Zauberschnee meint:

    Hallo,
    ich lese seit einigen Tagen Deinen Blog und verfolge alles was Du zu sagen hast mit großem Interesse.
    Ich bin auch im sozialen Bereich tätig und nicht immer, aber öfters einer Meinung mit Dir.
    Ich schreibe hier nun, weil mich dieses Thema angesprochen hat.
    Hier bei uns im Ruhrgebiet ist es leider nicht so wie in München. Hier kannst wirklich ganze Straßenzüge sehen, die wirklich, entschuldige, verkommen sind.Das tut mir im Herzen weh. Und da wohnen ich und mein türkischer Mann zur Zeit auch. Manchmal schreien die ” leider türkischen und arabischen” Kids hier im öffentlichen Garten dermaßen, daß man sein eigenes Wort im Wohnzimmer, geschweige denn auf dem Balkon, nicht verstehen kann. Besonders jetzt im Ramadan, wenn die Eltern wahrscheinlich schlafen und die Kinder sich selbst überlassen sind. Das ist manchmal so laut, daß mir die älteren Nachbarn über mir gesagt haben, sie würden lieber ausziehen, aber dafür reicht ihre Rente nicht.
    Gestern habe ich nach meiner Arbeit, als die Kids mir dann noch die gereiften Hagebutten an die Fenster geschmissen haben, versucht , mit ihnen normal zu reden.
    Das “Gespräch” verlief wenigstens so, daß wir um die Zeit des Iftahrs Ruhe hatten, eine Einsicht war aber nicht wirklich vorhanden.
    Mein Mann ist in der Türkei geboren und seit 6 Jahren hier in Deutschland. Er hat des öfteren versucht, mit den Kids vernünftig zu reden, aber es hilft nicht wirklich. Wenn er deren Väter in der Teestube trifft, redet er mit ihnen über das Problem. Aber diese wissen sich dann nicht anders zu helfen, als ihre Jungs zu schlagen. Das möchte mein Mann aber selbstverständlich auch nicht.
    Ich bin Sozialwissenschaftlerin, aber in dieser Diskussion möchte ich nicht wissenschaftlich argumentieren, weil ich der Meinung bin, daß es uns nicht weiter bringt, da muß man einfach mal “Tacheles” reden.Was soll ich sagen, wenn siebenjährige Kids vor meinem Wohnzimmer zu anderen Kindern sagen, ich ficke Deine Mutter und gar nicht wissen, was sie da eigentlich sagen? Ich habe es versucht , glaub mir, aber länger als eine Stunde haben meine “erzieherischen Privatversuche” nicht gefruchtet.
    Ich habe in die Augen dieser Kinder geblickt und meiner Meinung nach, möchten sie gerne etwas lernen, aber sie haben einfach nicht den nötigen häuslichen Rückhalt dazu.Und ich bin einfach nervlich nicht in der Lage, nach einem 9-Stunden Tag noch in meiner Freizeit den Sozislpädagogen raushängen zu lassen.
    Nicht falsch verstehen, bitte, ich liebe die Kids, aber manchmal weiß ich einfach nicht mehr weiter. In meinem beruflichen Umfeld habe ich wenigstens noch ein paar Möglichkeiten zu intervenieren, aber ich kann doch nicht Gott und die Welt retten. Ich möchte zwar, aber da sind mir doch wirklich Grenzen gesetzt.Mich kotzt es einfach an, wenn die Eltern sich nicht wirklich um ihre Kids kümmern.
    Egal, ob es Deutsche oder Migranten sind, aber leider sind es in meinem Wohnumfeld immer nur die Migrantenkinder.
    Eigentlich ist es ja der Hohn, wenn wir in der dritten Generation immer noch von der Migrantengeneration sprechen müssen.
    Mein Opa kam aus Polen, ich habe französische und italienische Verwandte und habe einen türkischen Ehemann und griechische Freunde.
    Mit anderen Nationalitäten habe ich wahrhaftig kein Problem.Aber ich verstehe einfach nicht, warum nur die türkischen und arabischen Leute, sorry, schätzungsweise 60 % davon, diese Integrationsprobleme haben.
    Das merke ich in meinem beruflichen Alltagsleben jeden Tag. Jugendliche der dritten Generation sprechen von sich immer noch als Ausländer und sprechen in der Pause immer noch nur türkisch miteinander und lassen die deutschen Kids außen vor.Das ist die Realität, die ich seit über 20 Jahren erlebe.Es wird zuhause weiterhin nur türkisch oder arabisch gesprochen.
    Das Gegenteil erlebe ich bei polnischen oder russischstämmigen Jugendlichen, die erst seit ca. sieben Jahren in Deutschland sind. Die sind scheinbar in ihren heimatlichen Schulen zu einer gewissen Disziplin erzogen worden. Wir haben keinerlei Probleme mit diesen Jugendlichen, sie sind stets die Besten in der Abschlußprüfung.
    Warum können die das und die Anderen nicht?
    Auf Deine Antwort bin ich ganz gespannt

  5. Zauberschnee meint:

    Ach so, hab ich noch vergessen zu sagen:
    ich würde gerne praktische Tipps hören, hochwissenschaffentliche Äußerungen helfen mir in meiner Sizuation nicht wirklich weiter, die kenn ich schon selbst und mit denen kann man als Praktiker nicht viel anfangen.
    Vielleicht hilft der Austausch ja
    Übrigens, viel Spaß in Amerika

  6. Berlin hat als Stadt sicherlich alle Fehler gemacht die man nur machen konnte, wenn es un Integration geht. Die Abreibung wird aber noch kommen. Das ganze Thema schreit nach innerer Unruhe und das nicht nur in Berlin, sondern Deutschlandweit. Ist schon komisch. Die Allierten mussten garnicht so viel machen. Das Staatsvolksbewusstsein löst sich auch so mit den Folgen des 2. Weltkrieges Stück für Stück auf.

  7. Sarrazin hat eine Eigendynamik in seiner “ich lege meine Finger in Wunden und spreche ungefiltert darüber”-Rolle entwickelt, die dazu führt, dass er jeden zu beschreibenden Zustand immer extremer machen muss, um immer “offener” darüber reden zu müssen! Das ist wie eine Droge. Er braucht immer mehr, um den Kick zu bekommen. Und man stelle sich mal vor, er würde milder und konstruktiver. Jeder würde sagen und schreiben, er wäre alt und schwach geworden, seine Kraft wäre gebrochen. Da hört er als 65er doch lieber, was für ein harter Hund er ist. Nimmt dann seinen Rucksack, Ausdruck von adoleszenter Kraft, Unabhängigkeit und Flexibilität und zieht zur nächsten “Baustelle” in Deutschland.

    Eine so dezidierte Betrachtung, wie Du Sie hier anstellst, wäre für Sarrazins “Pauschalproblemtourismus” viel zu weich”!

  8. Genau. Der Ex-Senator hat in Berlin gern seine Finger in allerlei soziale Wunden gelegt, auch in vermeintliche.

    Ein Abgesang:

  9. Dietmar Krafft meint:

    Das Bedauerlichste an dem ganzen Vorgang ist, dass auf einen Menschen, der die wahren Zustände in Deutschland beschreibt, eine von Parteien und Medien gesteuerte Hetzjagd veranstaltet wird, obwohl 2/3 der Bevölkerung ebenfalls dafür sind, endlich einmal die Probleme offen auf den Tisch zu legen, damit sie auch offensiv angegangen werden. Dies ist für eine echte Integration Voraussetzung.

  10. Sorry, dass ich erst jetzt antworten kann – ich bin eben erst zurück nach Hause gekommen.
    Und Danke für diese anschauliche Schilderung. Sie unterscheidet sich sehr von den Hetzreden, die oft von Leuten kommen, die nur vom Hörensagen etwas zu wissen meinen.

    Das Problem, das du beschreibst, halte ich nicht für ein in erster Linie ethnisches, sondern ein Unterschichtsproblem, das von beiden Seiten ethnisch noch angeheizt wird.

    Wenn man es primär als ethnisches Problem betrachtet, würde es nur noch schlimmer werden – und man könnte nichts Vernünftiges dagegen tun.

    In ihrer Heimat kümmert sich eine in der Regel recht strenge Ortsgemeinschaft darum, wie sich die Kinder aufführen, und die Autorität der Eltern und der Älteren ist noch intakt. Nun kommen diese Familien nach Deutschland – und die örtliche Gemeinschaft existiert kaum und die autoritätskritische Atmosphäre des Landes tut ihr übriges, sodass diese Unterschichtskinder außer Rand und Band geraten.

    Das von dir meines Wissens präzise und fair beschriebene Problem gibt es gottseidank nur an wenigen Orten in Deutschland. Und trotz des Beitrags dieses verwahrlosten Unterschichtsmilieus zur örtlichen Kriminalität bleibt die Kriminalitätsrate in diesen Städten noch – im europäischen Vergleich – recht niedrig.

    Das wird diejenigen, die unmittelbar mit der verwahrlosten Jugend zusammenleben müssen und die den Verall ihrer Straße ansehen müssen, nicht trösten. Für eine Gesamtbetrachtung ist es aber wichtig.

    Was kann eine Gemeinschaft, eine Gesellschaft und ihre Politik in dieser Lage tun?

    Ich habe das immer wieder auf diesem Blog geschrieben:
    Diese Familien müssen verpflichtet werden, ihre Kinder ab dem 3. Lebensjahr in eine Ganztags-Kindertagesstätte zu geben, von Mo – Fr, 8 – 18 Uhr. Die Arbeit in diesen Ganztagsstätten muss so gestaltet werden, dass diese Kids am Ende so gut Deutsch können wie die aus muttersprachlich deutschen Familien und dass sie die Regeln des Lebens in Deutschland verinnerlichen. Dafür braucht man entsprechend ausgebildetes Personal und ein geeignetes Konzept.

    Das Ganztagsprogramm wird dann fortgesetzt in der Schule bis zur 10. Klasse.

    So ein Ansatz ist eine Investition in die Zukunft: anfangs hat man hohe Kosten, am Ende kommen Menschen heraus, die erstens integriert sind und zweitens durch ihre relativ hohe Arbeitsqualifikation so viel zum BSP beitragen, dass ein Vielfaches von dem Geld, das man investiert hat, wieder hereinkommt.

    Ich glaube, Sarrazin stimmt in seinem Buch einer solchen Strategie zu. Nur glaubt er, dass es auch an den Genen liegt, und er glaubt, man könne dieses vewahrloste Milieu durch Entzug von Stütze austrocknen. In diesen beiden Hinsichten hat er meines Erachtens Unrecht. Aber ersteren Vorschlag findet man auch in seinem Buch, wenigstens annähernd, und man fragt sich, warum die Politik nicht in dieser Richtung aktiv geworden ist. Vermutlich aus ideologischen Gründen: das wär ja ein massiver Eingriff in die Familie, wird man von konservativer Seite als Einwand hören.

  11. Praktische Tipps – für deine spezielle Lage? Ich hab da nichts in petto. Ich kann mir zwar vorstellen, in einer solchen Umgebung zu wohnen, aber da wirklich zu wohnen ist etwas anderes, als es sich vorzustellen.

    Nun, lärmempfindlich bin ich nicht, aber die Verwahrlosung um mich herum würde mich motivieren, auf lokaler politischer Ebene aktiv zu werden. Das würde mir liegen. In meiner politischen und sozialen Beschäftigung mit den Zuständen meines Viertels würde mir möglicherweise einiges einfallen.

    Die Frage ist also, gibt es ein paar Leute im weiteren Umkreis deiner Wohnung, die sich bereits Gedanken gemacht haben darüber – oder die vielleicht schon etwas Praktisches anzubieten haben?

    Es mag seltsam erscheinen, aber ich glaube, am ehesten könnten die Moscheevereine, die in der Gegend aktiv sind, etwas Konstruktives beitragen. Das wäre also einer der praktischen Schritte, den ich unternehmen würde: mit den Moscheevereinen reden. Egal, welchem Dachverband sie angehören.

  12. Ich bin heilfroh, dass uns das arrogante “Staatsvolksbewusstsein” durch den Verlauf der deutschen Geschichte ausgetrieben worden ist. Wenn ich mal denke, wieviel Mord und Elend es über Europa gebracht hat …

    Dass Deutschland innere Unruhen zu erwarten hat, halte ich für Wunschdenken. Ja, Wunschdenken. Ein im Grunde marginales Problem wird aufgeblasen zu einer Katastrophe. Die wirklichen Probleme geraten aus dem Blick.

    Übrigens hätte ich nichts dagegen, wenn sich die Unterschicht in Deutschland mal zu Unruhen aufraffen würde — aber dann bittte gegen die, die mit ihrer Politik die Armen immer ärmer, die Reichen immer reicher werden lassen.

  13. Hab grade mal kurz dein Blog besucht und über deinen witzigen Sarrazin-Artikel gelacht. Besonders gut hat mir dieser Satz gefallen:

    “Wenn man in seiner Stadt lebt und mit Migranten null Probleme hat, ist man doch erleichtert, wenn einem eine statistische Bedrohung ans Herz gelegt wird und man sich wieder ein wenig fürchten kann.”

  14. Könnte es sein, dass Leute, die sich professionell mit dem Thema befassen, aufgrund von Einsicht in die Sachlage zu anderen Ergebnissen kommen als Sarrazin?

    Eine Hetzjagd veranstaltet doch erst einmal Sarrazin – nämlich auf alle genetisch-bedingt Unintelligenten und auf Migranten, die aus muslimisch geprägten Ländern kommen.

    Wer eine Hetzjagd betreibt, wie Sarrazin und sein Fanclub, der sollte sich mal nicht beklagen, wenn diejenigen, die eine solche Hetzjagd auf Menschen abscheulich und für Deutschland schädlich finden, sich heftig gegen den Hetzjäger wenden.

    Sarrazin bekämpft die Integration mit seiner biologistischen und neoliberalen Argumentation. ICH will nicht in einem Land leben, in dem man nicht auch schwach sein kann, ohne gleich ausgegrenzt zu werden.

  15. Danke für die netten Worte!

  16. Zauberschnee meint:

    Hallo Leo, erstmal herzlich willkommen zuhause!
    Über Deine Eindrücke in Amerika ( auch interkulturell ) wird man hoffentlich in einem Deiner nächsten Blockbeiträge etwas lesen können
    .
    Ich bin erfeut darüber, daß Du meinen Beitrag positiv aufgenommen hast, man hätte ihn ja auch falsch verstehen können.
    Zu Deinem Tipp mit den Moscheen Kontakt aufzunehmen, kann ich leider in unserer Situation nichts Gutes berichten.
    Mein Mann hat einmal versucht ,mit dem Hodscha zu reden, aber da ist nichts Positives rausgekommen.
    Ein Beispiel: Mein Mann hat den Hodscha gefragt, warum seine 5-jährige Tochter denn schon in diesem Alter mit Kopftuch und Mantel bekleidet ist. Die Antwort von dem Hodscha war :das Mädchen könnte ja bei Männern sexuelle Gedanken hervorrufen. Daraufhin hat mein Mann geantwortet,ob der Hodscha der Meinung wäre, daß Männer auf Kindersex stehen.Damit war die Diskussion (nicht unbedingt positiv )beendet.
    Ich muß dazu sagen, daß mein Mann in Anatolien geboren ist, aber sein späteres Leben an der ägäischen Küste der Türkei verbracht hat, wo eine ” modernere” Lebensweise den Alltag bestimmt.
    Seine älteren Familienmiglieder tragen zwar Kopftuch, eher so ein ein Bauernkopftuch, aber keinen “Türban”.Hoffentlich wissen Du und die anderen Leser was ich damit meine.
    Heute habe ich,-eine neue Gruppe von Jugendlichen hat vor einer Woche bei uns angefangen- mit Menschen aus wirklich vielen Ländern ( deutsch, marokanisch, türkisch, russisch, italienisch, libanesisch) in der Pause auf dem Hof gestanden und wir haben uns einfach nur gut verstanden und eine Menge Spaß gehabt. Und außerdem haben wie seit zwei Tagen auch eine neue Kollegin, die ursprünglich aus Kasachstan stammt und die einen supernetten Eindruck macht.
    Ich glaube, ich schweife hier an dieser Stelle zwar sehr vom Thema ab, aber was ich damit sagen will ist Fogendes:
    Redet einfach miteinander!!!
    Manches kann man vielleicht nicht ändern, aber wenn man versucht zu verstehen, ( aber von beiden Seiten) kann man Kompromisse finden.
    Mal sehen, was jetzt für Antworten auf meinen Beitrag kommen, da bin ich sehr gespannt und auch offen für Diskussionen

  17. Da kann man schon Pech haben mit einem Moscheekontakt. Es gibt einige Hodschas und Imame, die wirklich mitten in Deutschland irgendwie in der Türkei zu leben glauben, die kaum Kontakt zu Deutschen pflegen, die keinen Sinn für ihre deutsche Umwelt entwickeln wollen …

    Es gibt aber auch viele andere. Von München her meine ich das sagen zu können.

    Wäre ich im Stadtrat oder im Stadtviertelparlament deiner Stadt oder sonstwie einschlägig aktiv, würde ich mir diese Szene genau anschauen.

    Es geht einerseits nicht, dass ein Moscheeverein sich vor der deutschen Umwelt abschließt und anti-integrativ arbeitet, es geht aber auch andererseits nicht, dass Moscheevereine nur deshalb, weil sie ein zwar deutschland-orientiertes, aber auch konservatives muslimisches Programm verfolgen, vom Verfassungsschutz verfolgt werden. Das konservative Programm mag uns liberalen Deutschen nicht zusagen, es kann aber in Bezug auf die Jugendlichen starken positiven Einfluss entwickeln. Ich denke da an VIKZ und Milli Görüs. Beide haben eine lebendige und gute Jugendarbeit. Ebenso die MJD, die Muslimische Jugend Deutschlands.

    DIESE Organisationen könnten viel bewirken. Natürlich wollen sie Mitglieder gewinnen – aber das ist legitim, und wenn sie es mit einer Jugendarbeit verbinden, die die Jugendlichen zur Verantwortung und zur Bildungsbereitschaft erzieht, tun sie etwas Gutes für uns alle.

    Ich selber sympathisiere natürlich mehr mit Lamya Kaddor und einem liberal-aufgeklärten Islam. Siehe dazu meinen Artikel Mohammed und die Kultur: das Polygamie-Problem. Sowie die vielen Kommentare dort. Aber ich finde auch die eher konservativen Moscheevereine sympathisch, wenn sie Deutschland-orientiert arbeiten, das heißt Integrationsarbeit auf ihre konservative Weise betreiben. Das ist bei vielen der Fall – schon deshalb, weil ihnen ja die alten Mitglieder langsam wegsterben und sie jungen Nachwuchs brauchen – und der ist unbedingt deutsch.

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