Die Türkei heute (3): Wende in der Kurdenpolitik?

Als Reaktion auf den Bruch des Waffenstillstands durch die PKK im Oktober letzten Jahres hat die türkische Regierung auf der ganzen Front zurückgeschlagen, also nicht nur gegen die Terrortruppen der PKK in den Bergen, sondern gegen alle und alles, was zum kurdischen “Separatismus” im weitesten Sinne gehört.

In der Folge sitzen seither tausende von Kurden, die zwar die PKK zivil unterstützen, aber keine Terroristen sind, im Gefängnis, darunter gewählte Bürgermeister, gewählte Abgeordnete, Journalisten. Über 3.000 Verhaftungen allein in diesem Jahr!

Von den Kurden, die in der Türkei leben, dürfte die Hälfte eher AKP-orientiert sein, die andere Hälfte eher PKK/BDP-orientiert. Die Kurden, die in Südostanatolien, also zum Beispiel in Diyarbakir leben, haben bei Wahlen deutlich zum Ausdruck gebracht, dass sie mehrheitlich zur BDP tendieren.

Letztes Jahr haben geheime Verhandlungen der Regierung mit der PKK in Oslo stattgefunden, die von Teilen des Staatsapparats als Verrat angesehen worden sind … Das wurde als Machtkampf innerhalb der Koalition AKP-Gülen-Bewegung interpretiert.

Seit einigen Wochen gibt es nun aufregend Neues:

Die Regierung versucht eine neue Strategie.

Erdogan hat diesen Schritt ausdrücklich bestätigt.

Im Kern:

Der Staat wird nicht (mehr) mit der PKK verhandeln, sondern allein mit der BDP, um einen friedlichen Ausweg aus der verfahrenen Situation zu finden.

Man erkennt an, dass die BDP – obwohl der zivile Arm der PKK – immerhin demokratisch legitimiert sei, für einen Teil der Kurden zu sprechen.

Auch “Apo” Öcalan, der “megalomanische” Führer der PKK, wird künftig ignoriert werden.

Der militärische Kampf gegen die PKK in den Kandil-Bergen soll fortgesetzt werden, während gleichzeitig mit den zivilen Vertretern, mit der BDP verhandelt wird.

Man versucht also, zwischen die bewaffneten Kämpfer und die zivilen Vertreter des kurdischen Separatismus einen Keil zu schlagen, man versucht, die zivilen Sprecher der kurdischen Eigeninteressen von den mordenden Terroristen zu trennen.

Das ist die Strategie, die Leute wie ich seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten schon vorschlagen.

Es stimmt einerseits, dass diese zivilen Vertreter der Kurden – teils aus Überzeugung, teils aus Angst und Vorsicht – als verlängerter Arm der PKK agieren, die einen allerdings mehr, die andern weniger. Es stimmt andererseits auch, dass es beträchtliche Unterschiede zwischen ihnen gibt, Unterschiede, die der Staat bisher kaum genutzt hat.

Im Gegenteil, der national-bornierte Staat samt seiner vielen national-bornierten Anhänger in der Bevölkerung pflegt keinen solchen Unterschied zu machen.

Deshalb überrascht mich diese neue Strategie. Soviel Vernunft hätte ich der Regierung nicht zugetraut.

Eine solche Strategie braucht Zeit. Die Entwicklung des zivilen Arms der PKK zur Eigenständigkeit, zur Beschränkung auf den politischen Kampf, wird nicht auf Anhieb erfolgen. Aber sie wird unvermeidlich, sobald die zivilen Vertreter der kurdischen Autonomie oder Unabhängigkeit gesellschaftlich und politisch frei operieren können.

Es liegt nahe, dass die BDP jetzt noch nicht in der Lage ist, sich von Apo und den Terroristen in den Bergen deutlich zu distanzieren. Der türkische Staat selbst hat 30 Jahre lang für diese harte kurdische Einheitsfront gesorgt.

Man wird das mit Achselzucken übergehen und schauen müssen, ob und in welchem Maße die BDP trotz ihrer Verbindung mit PKK und Öcalan zu verhandeln bereit ist. Man wird geduldig dran arbeiten müssen.

Beide Seiten werden hinnehmen müssen, dass die PKK versuchen wird, verhandlungswillige Kurden einzuschüchtern und eventuell auch umzubringen.

Dieser strategische Schritt reicht nicht aus

Ohne minimale Rechte für die Kurden, die Kurdisch sprechen und Kurdisch lernen und Kurdisch publizieren und kommunizieren wollen, wird man nicht weiter kommen.

Anfänge dazu sind schon gemacht, aber es sind nur kleine Schritte bisher.

In der neuen Verfassung müssen die Eigenrechte der Kurden und ein erhebliches Maß an Autonomie in den mehrheitlich kurdischen Vilayets festgelegt werden.

Das klingt allerdings utopisch. Die heftig antikurdische Stimmung in der türkischen Bevölkerung wird es schwierig machen, verfassungspolitisch so vernünftig zu werden.

Man muss eher damit rechnen, dass es zu nationaltürkischen Pogromen gegen Kurden kommt, wenn man den Weg beschreiten will, den die Regierung soeben vorgeschlagen hat.

Bleibt zu hoffen, dass die CHP nicht den ungeheuerlichen (ihr aber leider naheliegenden) Fehler begehen wird, in diesem Fall national-borniert die antikurdische Karte zu spielen.

Die Türkei hat weniger ein Kurden- als ein Türkenproblem: Die generationenlange Gehirnwäsche vor allem in der Schule und durch alle staatlichen Institutionen und überwiegend durch die Medien – diese Gehirnwäsche hat die Phantasie der türkischen Einheit & Reinheit erzeugt – es darf in der Türkei eigentlich keine Aleviten geben, keine Kurden, keine Nicht-Muslime – keine identifizierbaren eigensinnigen Minderheiten. Die Einheit & Reinheit soll mit aller Staatsgewalt durchgesetzt werden …

Das ist es vor allem, warum die Kurdenfrage nicht so schnell gelöst werden wird. Man sollte der Regierung, solange ihre Schritte in die richtige Richtung weisen, nicht zu große Vorwürfe machen, wenn sie vorsichtig bleibt.

Büşra Ersanlı

Hinweisen möchte ich auch noch, dass Büşra Ersanlı nach wie vor im Gefängnis sitzt.

Sie ist Professorin für Politische Wissenschaften an der Marmara-Universität, gehört zur BDP und ist zuständig für Verfassungsfragen. Sie sitzt im Gefängnis einfach nur deshalb, weil sie sich in einer Weise mit den kurdischen Interessen beschäftigt, die von den Terrorstaatsanwälten als verboten angesehen wird. Weil sie öffentlich das Ziel der kurdischen Eigenständigkeit (in Form von Autonomie oder Unabhängigkeit) vertritt.

Özlem Ağuş

Kürzlich hat ihre Reportage über die systematische brutale Misshandlung und über den sexuellen Missbrauch kurdischer Kinder, die als Terroristen (!) ins Gefängnis von Pozanti, Adana, gesperrt worden waren, auch in der Türkei einige Erschütterung ausgelöst.

Für ihre Reportage ist die 21jährige kurdische Journalistin verhaftet worden. Als Terroristin.

Welchen Sinn macht die neue Strategie, wenn sie nicht umgehend in Form einer Freilassung aller zivilen Inhaftierten (also aller derer, die nur wegen ihrer Äußerungen verhaftet worden sind) glaubwürdig gemacht wird?

Solange Büşra Ersanlı und Özlem Ağuş im Gefängnis sitzen, sollten Verhandlungen vorrangig darum gehen, diese Gefangenen zu befreien.

Internationale Aspekte der Kurdenstrategie

Im Irak ist ein unabhängiger Kurdenstaat im Entstehen. Die Türkei ist mit seinem Führer, Massoud Barzani, im Gespräch. Sie braucht ihn, um die PKK in den dortigen Rückzugsgebieten zur Niederlegung der Waffen zu bringen; zumindest dazu, künftig Kampfoperationen der PKK aus dem irakisch-kurdischen Gebiet heraus in die Türkei hinein zu unterbinden.

Barzani könnte im Falle einer effizienten Hilfe die türkische Duldung für die Unabhängigkeit seines Teils des Irak zu bekommen.

Verkompliziert wird das alles noch durch den Bürgerkrieg in Syrien. Auch dort gibt es ein kurdisches Gebiet. Die PKK ist in Syrien stark und stützt das Assad-Regime.

— — —

Ich entnehme die Infos und Überlegungen für diesen Artikel Dailyzaman, dem englischsprachigen Organ der Gülen-Bewegung, hier vor allem dem Artikel von Lale Kemal.

Es gibt dort mehrere ausgesprochen vernünftige, nicht-nationalistische, lösungsoffene Beiträge zum Thema.

Da ich annehme, dass sich hinter der Gülenbewegung und hinter Dailyzaman eine Organisation – de facto eine Partei – verbirgt, die ein Programm hat, die Strategien entwickelt, die Sprachregelungen herausgibt, schließe ich von diesen Artikeln auf die Programmatik der Bewegung.

In diesem Falle zustimmend.

Daran, dass ich mich über die Geheimorganisations-Strategie  der Gülenbewegung ärgere, ändert das nichts.

Ich versäume nicht darauf hinzuweisen, dass auch ich, wäre ich ein Türke, unter den Terrorgesetzen der Türkei wegen Förderung der PKK ins Gefängnis geworfen werden könnte.

Ein vierter Artikel wird morgen folgen: Das Syrien-Dilemma der Türkei

Die Türkei-Serie im Februar:

Nachtrag 18. April

andalusian hat eine milde, nicht unplausibel klingende Interpretation der Vorgänge um die Verhaftung von Sik und die Rolle der Gülen-Bewegung dabei.

Ich werde drüber nachdenken – und diese Möglichkeit der Interpretation künftig berücksichtigen.

Noch ein Nachtrag zum 18. April

Ganz so eindeutig scheint die von mir beschriebene Wende in der Kurdenpolitik nicht zu sein.

Spiegel Online spricht von einem scharfen Gegensatz zwischen dem Innenminister (dem Hardliner Idris Naim Sahin) und dem stv. Regierungschef Basir Atalay (der für den Dialogversuch steht).

Des Innenministers

Sondereinheiten der Anti-Terror-Polizei haben mittlerweile mehr als 4000 kurdische Kommunalpolitiker und Mitglieder kurdischer NGO verhaftet. Ihnen wird vorgeworfen, sie versuchten im kurdisch besiedelten Südosten des Landes eine autonome Parallelstruktur zum Staat aufzubauen.

Außerdem wurde bekannt, dass viele kurdische Jugendliche, die der Staat oft jahrelang ins Gefängnis steckt, obwohl sie lediglich bei Demonstrationen ein paar Steine geworfen hatten, im Knast regelmäßig von Erwachsenen missbraucht wurden.

Weil die Opposition sich dieses Skandals annahm, musste die Regierung reagieren: Justizminister Sadullah Ergin veranlasste eine Untersuchung und entschied, die Jugendlichen aus dem Normalvollzug herauszunehmen und in ein Jugendgefängnis in Ankara unterzubringen.

Das hinderte seinen Kollegen, Innenminister Sahin, allerdings nicht daran, ausgerechnet die beiden kurdischen Journalistinnen, die den ganzen Skandal aufgedeckt hatten, verhaften zu lassen. Vorwurf: Unterstützung einer terroristischen Vereinigung.

Man muss die Regierung an ihren Taten messen. Nachwievor kann jeder unter dem Terrorismusvorwurf eingesperrt werden, dessen Standpunkt und Tätigkeit die Regierung stört.

Kommentare

  1. Diese sehr differenzierten Feinheiten der türkischen Innenpolitik übersteigen bei Weitem meinen Kenntnisstand. An dieser Diskussion kann ich mich deshalb nicht beteiligen:-((

  2. Wenigstens kommen Erdogan und die Gülen-Bewegung diesmal gut davon. :)

  3. Muss für die Hardliner und Bescheuklappten seltsam sein. Mal wird Erdogan bzw. die AKP bzw. Gülen gelobt, mal kritisiert. Vom binären Standpunkt aus weiß ich nicht, was ich will – oder ich täusche nur.

    Dabei ist das so klar wie Bergquellenwasser: Ich will eine liberale Türkei haben. Eine demokratische, eine soziale und eine liberale Türkei. Die darf ruhig religiös sein. Die muss nicht genau das machen, was ich für richtig finde. Aber ohne liberalen Pluralismus ist heute kein anständiger Staat zu machen.

    Das gilt für Deutschland, für Russland, für Palästina, für Indien, für die USA …
    Nur – ob es auch für China so ohne weiteres gilt und kategorisch so, wie ich es für uns meine, bin ich mir nicht sicher.

  4. Muss für die Hardliner und Bescheuklappten seltsam sein. Mal wird Erdogan bzw. die AKP bzw. Gülen gelobt, mal kritisiert.

    _____

    Genauso muss es sein, mein Lieber. Das macht Dich glaubwürdiger.
    Wenn die Oppositionspartei CHP auch nur ein bisschen was von Dir hätte, wäre sie für viele Menschen in der Türkei glaubwürdiger und würde auch mehr Wähler bekommen. Nur sind die so dämlich, dass sie selbst in Gesetzesvorlagen im Rahmen der europäischen Annäherung und Vorgaben der EU, die Erdogan dann umsetzt, die schleichende Islamisierung zu erkennen glauben. Und somit machen sie sich immer wieder selbst lächerlich.

  5. @InitiativGruppe

    Da ich annehme, dass sich hinter der Gülenbewegung und hinter Dailyzaman eine Organisation – de facto eine Partei – verbirgt, die ein Programm hat, die Strategien entwickelt, die Sprachregelungen herausgibt, schließe ich von diesen Artikeln auf die Programmatik der Bewegung.

    Ich glaube sie machen den Fehler, das sie jeden Kolumnisten der Todayszaman und Zaman als Mitglied der Bewegung sehen. Da sind viele Kolumnisten, die von anderen Zeitungen kommen und wahrscheinlich auch irgendwann mal wieder die Zeitung wechseln.

  6. Serdar, das weiß ich. Ich nehme aber an, dass sich die Macher von Zaman gut überlegen, wen sie schreiben lassen und was sie schreiben lassen.

    Einige Autoren meine ich als Kerntruppe auszumachen, Emre Uslu oder Gülerce zum Beispiel. Lale Kemal nicht. Aber auch andere haben Kommentare geschrieben, die in die Kerbe hauen, in die Lale Kemal gehauen hat. Da kommt eine Linie zum Vorschein.

    Daraus ziehe ich meinen Schluss.

    Bei Geheimorganisationen muss man von der sichtbaren Oberfläche auf das, was in der Tiefe vor sich geht, schließen. (Bei Parteien überhaupt. In der Politik sind Worte schon interessant – aber die Taten sind es, die zählen. Und die Taten werden machmal schamhaft versteckt, auch von Parteien, die mir sympathisch sind.)

    Dass die Hizmet-Bewegung in der Türkei nicht politisch organisiert sei, macht mir niemand weis. Ich weiß nicht, wer da im “Politbüro” sitzt. Aber ich denke, in 10 Jahren werden wir es wissen.

  7. @leo

    autonomie hin oder her. ich hatte in meinem vorletzten post an dich schon mal weitläufigere themen gepostet worauf ich leider keine antwort erhielt. an alle, die nach autonomie schreien: WAS machen mit den kurden, die im westen leben, diese zahl ist nicht zu unterschätzen? zwangsumsiedeln? diese auch zu autonomiegebieten erklären? allein die anzahl der bevölkerung kann ja kein indikator für autonomie sein… und weiter: heute kurden, morgen schreit der nächste nach autonomie…

  8. Cenki,
    für die Kurden, die in Gebieten leben, in denen sie eine Minderheit sind, schafft man Minderheitenrechte. Zum Beispiel in Istanbul Schulen, in denen man auch Kurdisch sprechen kann. Wieso Umsiedlung? Jeder darf doch wohl wohnen, wo er will! Was spricht dagegen, in Istanbul ein paar Schulen einzurichten, die zweisprachig sind, Türkisch und Kurdisch?

    Der Gedanke an Minderheiten mit ganz natürlichen Minderheitsrechten ist für die Türkei halt noch ein bisschen fremd.

    Man könnte auch einige kurdische Feiertage zu nationalen Feiertagen erklären. Man wird natürlich kurdischen Sendern gestatten, die Welt und die Türkei mit kurdischen Augen zu sehen und mit kurdischen Ohren zu hören – ohne dass das immer gleich als staatsfeindlicher Separatismus gewertet werden muss.

    Dass es nicht leicht ist, sieht man an den verwandten Fällen in Europa, also da, wo es größere ethnische Minderheiten gibt: Die Slowaken haben Ungarn im Lande, die Rumänen auch, und in beiden Fällen gibt’s auch Spannungen. Problemlos gelöst ist die Sache in Finnland (für die dortigen Schweden und für die Lappen), in Spanien (Basken), in Italien (Südtiroler). Die Griechen machen ihre Sache meines Wissens nicht gut: türkische und albanische Griechen haben es nicht leicht. Interessant sind die Fälle Estland und Lettland. Beide haben beträchtliche russische Minderheiten – der Umgang, die Integration lassen zu wünschen übrig. Es läuft aber besser als in der Türkei. Die Russen in Estland und Lettland haben immerhin guten Grund, nicht zu Russland gehören zu wollen.

    Die Vergleiche hinken natürlich alle mehr oder weniger. Die Kurdensituation ist schon speziell. Aber ein bisschen lernen kann man von den europäischen Beispielen schon.

    Außerhalb Europas bzw. der westlichen Nationen gibt es fast nur negative Beispiele. Ethnische Minderheiten werden in der Regel unterdrückt und diskriminiert. Wenn es nicht noch schlimmer läuft …

    Zwei Fragen, Cenki:

    Was würdest du dir wünschen, wenn du stolzer Kurde in der Türkei wärst und dich zuerst einmal als Kurde und erst in zweiter Linie als türkischer Staatsbürger sehen würdest?

    Sind wir uns wenigstens einig, dass das legitim ist: sich primär als Kurde und erst in zweiter Linie als Türke zu sehen, wenn man türkischer Staatsbürger ist?

  9. serhat meint:

    Es ist inzwischen ein Volkssport geworden, den Türken mittels erfundenen Armenische-, Grichischemaerchen ans Beinzupinkeln.

    Ich empfehle den folgenden Artikel in NRW-Nachrichten

    …Alle Welt redet über die angebliche Diskriminierung der armenisch-christlichen Minderheit in der Türkei, dazu wird von einigen westlichen Politikern gefordert, den verlorenen Unabhängigkeitskrieg der Armenier, in dem hunderttausende Türken (Männer, Frauen und Kinder) von ihnen massakriert wurden als „Völkermord an den Armeniern“ anzuerkennen.
    Dass dutzende türkische Städte jedoch von armenischer Seite – welche sich dank des Segens und der Waffen des russischen Zars – aus dem Hinterhalt angegriffen und samt zivilen Bewohnern niedergemetzelt wurden wird meist verschwiegen.

    weiterlesen:
    http://www.nrwnachrichten.de/Wirtschaft/338.html

  10. Serhat,
    Sie sind Türke.
    Also erwarte ich von Ihnen nicht eine Verteidigung der Türkei oder der Türken, sondern einen selbstkritischen Blick auf die türkische Geschichte.

    Sie könnten zum Beispiel einen solchen Blick auf das Endergebnis werfen:
    Die allermeisten Armenier tot (Frauen und Kinder eingeschlossen; der kleinere Rest vertrieben),
    die allermeisten Türken lebendig und Herren des Landes.
    Wenn man da mal die Untaten beider Seiten miteinander bilanziert, sieht man: Die Armenier waren die Opfer, die Türken die Täter.

    Oder wollen Sie behaupten, die Armenier hätten die Türken besiegt und vernichtet?

    Es gibt nationalistisch rechtsorientierte Deutsche, die wollen immer nur über die deutschen Opfer des 2. Weltkriegs reden. Man kann in der Tat endlos Beispiele aufzählen, in denen Deutsche Opfer der Russen oder der Bomberflotten des Westens geworden sind.
    Na und?
    Ändert das was daran, dass wir Deutsche die Täter waren? Und dass die deutschen Opfer eine Folge der deutschen Politik waren?

    Wir Deutsche müssen über unsere Verbrecherrolle sprechen, finden Sie nicht auch? In die Opferrolle zu schlüpfen ist – unangemessen.

    Das gilt für die Türken als Sieger in diesem Krieg um Anatolien auch.

  11. “Sie könnten zum Beispiel einen solchen Blick auf das Endergebnis werfen:

    Die allermeisten Armenier tot (Frauen und Kinder eingeschlossen; der kleinere Rest vertrieben),
    die allermeisten Türken lebendig und Herren des Landes.
    Wenn man da mal die Untaten beider Seiten miteinander bilanziert, sieht man: Die Armenier waren die Opfer, die Türken die Täter.

    Oder wollen Sie behaupten, die Armenier hätten die Türken besiegt und vernichtet?”

    ——————-

    Hätte man die Russischen Truppen nicht zurückgeschlagen wären die Türken in der Tat besiegt gewesen, dann gebe es dort auch keine Türken mehr, das steht mit Sicherheit fast.

    Dazu muss man nur einen Blick auf die Gebiete des ehemaligen Osmanischen Reiches werfen z.B. die Krim Halbinsel. Dort gibt es noch nicht mal mehr Spuren davon, dass dort Türken gelebt haben.

    Sie wurden allesamt vertrieben und ermordet, das gleiche Spiel sehen sie auf dem Balkan.

    Es ist doch klar, dass die Armenier mit Ihren Ethnischen Säuberungen, schließlich nicht die ganze Türkei im Visier hatten, sondern Süd-Ost und Nord-Ost Anatolien. In diesem Gebiet gab es hunderttausende von Türkischen Toten, meist kurdischer Absatmmung die in Massengräbern verschart wurden.

    Was sie vergessen ist, dass die Türkei erheblich größer als Armenien ist, somit gab es auch genug Türken, die wieder in dem Gebiet ansiedelten oder dorthin zurückgekehrt sind.

    Der Exodus der Armenier aus dem besagten Gebiet ist wiederum selbstverschuldet. Hätten die Armenier keine Rassistischen Träume von einem christlichen Groß Armenischen Reich gehegt, würden sie immer noch auf dem Gebiet leben können.

    Es ist eher so, dass die Armenier sich wie die Nazis benommen haben, einen Angriffskrieg geführt haben und letztendlich geschlagen wurden. Genauso wie die Deutschen aus Böhmen, Möhren und Schlesien vertrieben wurden, genauso hat man auch die Armenier aus der Türkei vertrieben.
    Und nun beschwehren sie sich über die Opfer auf ihrer Seite genauso wie ihre Nazideutschen 2. WK Veteranen, die einzig und allein die Deutschen Opfer beklagen.

    Ihr Vergleich zwischen NAZI Deutschland, welches einen totalen Angriffskrieg gegen die ganze Welt geführt hat und dem zerfallenden Osmanischen Reich, dass nur noch versucht hat einen Bruchteil seines Staatsgebietes gegen Invasoren zu verteidigen hinkt gewaltig.

    Ich wette sie fühlen sich ganz besonders schlau wenn sie den Oberlehrer spielen und Türken in Bezug auf Nationalismus, Kurdenpolitik und Armenier “erziehen” möchten.

    Dabei machen sie sich von Artikel zu Artikel unglaubwürdiger.

    Der Grund wieso ich hier schreibe ist, dass dieser Blog inzwischen von vielen Menschen besucht und verfolgt wird. Ich sehe es auch als meine Pflicht eine Gegendarstellung zu ihren Ansichten zu veröffentlichen. Ich stelle bei ihnen immer größere Tendenzen zu Meinungsmache und einseitigen Artikeln f

  12. fest.

    Auch wenn es natürlich ihr persönlicher Blog ist und sie schreiben können was sie wollen, ist es auch meine Aufgabe, meine Meinung auf einer weitestgehend öffentlichen Platform zu teilen.

    Es ist eher so, wenn ihnen meine Meinung nicht gefällt, können sie sie gerne löschen.

    Danke!

  13. Die Armenierdiskussion werden wir zu einem anderen Zeitpunkt, zu einem anderen Artikel fortsetzen.
    Hausaufgabe: Als Türke sollten Sie sich mehr für die Fehler der Türken interessieren. Nur so lernt man was.

    Ein Türke, der die Türkei verteidigt – was ist das? Jedenfalls einer, der nur verlieren kann in einer Auseinandersetzung über die Türkei. Erst einmal muss man die Schwächen der eigenen Seite verstehen, damit man glaubwürdig argumentieren, auch glaubwürdig verteidigen kann.

    Sie glauben, wie viele andere, dass man immer und total oben auf sein muss. Vielleicht ist das in der Türkei so. Nicht in Deutschland. Da gewinnt der, der sich seiner Schwächen, und der Schwächen seiner eigenen Nation, bewusst ist.

    Im übrigen: JEDE Position lässt sich zu 100 Prozent verteidigen, wenn man unbedingt drauf aus ist, sie zu 100 Prozent zu verteidigen. JEDE. Drum setzt sich der ins Unrecht, der sich einbildet, es genüge schon, irgendwelche Argumente für seine Selbstverteidigung zu finden.

    Sie, hanoi, müssten also was tun, was Ihrem Naturell, Ihrer Erziehung widerspricht: auch mal ein bisschen demütig und selbstkritisch die eigene heilige Nation zu betrachten. Dazu sind Sie nicht bereit, dazu sind Sie nicht fähig.

    Wozu soll man dann mit Ihnen diskutieren?

    Im übrigen bin ich Lehrer …
    Aber niemand hier geht auf dem Blog in die Schule. Zwinge ich jemanden, etwas zu lernen?

    Dabei machen sie sich von Artikel zu Artikel unglaubwürdiger.

    Für Sie war ich nie glaubwürdig, kann ich nie glaubwürdig werden, will ich auch nicht glaubwürdig sein, hanoi. Wir haben einander nichts zu sagen. Es gibt zwischen uns keine Brücke des Verstehens.

    Ich bin Deutscher und stelle ständig Deutschland und die Deutschen in Frage.
    Sie sind Türke – und unfähig, ihre Heilige Türkei in Frage zu stellen.

    Insofern würde ich Ihnen empfehlen, Webseiten von deutschen Rechtsradikalen und Rechtspopulisten zu besuchen. Die sind so deutsch-borniert wie Sie türkisch-borniert. Ihr seid aus dem gleichen Holz geschnitzt: blinde Nationalisten.

  14. Es lohnt sich, den andalusian zu lesen.
    Islam und Aufklärung gehen da Hand in Hand.

    Bezüglich der Debatte um Gülen:

    Hier bietet der andalusian eine milde, nicht unplausibel klingende Interpretation der Vorgänge um die Verhaftung von Şık und die Rolle der Gülen-Bewegung dabei an.

    Ich werde drüber nachdenken – und diese Möglichkeit der Interpretation künftig berücksichtigen.

  15. siwan meint:

    Kurden werden immer noch verfolgt. Hier sind aktuelle beiträge zum Thema Menschenrechtsverletzungen in der Türkei: http://www.migrants.de/kurden

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*