Über 250.000 Studenten aus dem Ausland studieren an deutschen Universitäten

Quelle: wissenschaft weltoffen – Daten und Fakten zur Internationalität von Studium und Forschung in Deutschland (PDF)

Die Zahl der ausländischen Studenten ist 2011 erneut gestiegen, wie auch die Zahl der deutschen Studenten (es sind jetzt 252.000 von insgesamt knapp 2 Millionen Studenten).

Der Anteil der ausländischen Studenten an den Studenten insgesamt bleibt damit etwa in der bisherigen Höhe: 11,4 Prozent

Hier werden Bildungsausländer (sie kommen aus dem Ausland: 185.000) und Bildungsinländer (sie gehören zu Familien, die in Deutschland leben, aber keine deutsche Staatsbürgerschaft haben: 67.000) zusammengerechnet.

Einen Rekord erreicht auch die Zahl der neu eingeschriebenen Studienanfänger aus dem Ausland: 66.400 waren es 2010.

Deutschland liegt weltweit auf dem 4. Platz, was Studenten aus dem Ausland betrifft: hinter USA, England und Australien. (Da wirkt sich u. a. die Weltsprache Englisch aus.)

Die Top 20 der Herkunftsländer ausländischer Studenten in Deutschland, 2011:

    1. China 22.828
    2. Russische Föderation 10.077
    3. Bulgarien 7.537
    4. Polen 7.463
    5. Österreich 7.072
    6. Türkei 6.575
    7. Ukraine 6.204
    8. Frankreich 5.523
    9. Kamerun 5.412
    10. Marokko 5.163
    11. Indien 4.825
    12. Spanien 4.485
    13. Italien 4.373
    14. Süd-Korea 4.224
    15. USA 3.763
    16. Iran 3.505
    17. Rumänien 3.053
    18. Luxemburg 2.826
    19. Vietnam 2.602
    20. Tunesien 2.567

Mit Abstand an der Spitze liegen also die Chinesen.  Das ist schon seit fast 10 Jahren so.

„Die Erfahrung eines anderen Verständnisses von Studium und Lernen ist für junge Chinesen eine große intellektuelle Bereicherung“, betont Professor Chen Hongjie von der renommierten Peking-Universität.

Eigenschaften der deutschen Wissenschaftskultur wie Selbstständigkeit, eine kritische Haltung, systematische Vorgehensweise sowie Gründlichkeit hinterließen einen tiefen Eindruck, so Professor Chen.

Ein Grund für die gestiegene Zahl liegt auch in den mittlerweile 750 Kooperationen zwischen deutschen und chinesischen Hochschulen.

„Immer häufiger geht es dabei nicht nur um den Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern, sondern auch um die gemeinsame Entwicklung von Curricula oder sogar den Export ganzer Studiengänge nach China“, erläutert der Leiter des Chinareferats im DAAD, Niels Albers.

40 Prozent der chinesischen Studenten  studieren bei uns Ingenieurswissenschaften.

Über 600.000 Chinesen haben im Jahr 2009 im Ausland studiert – die Zahl steigt ständig weiter an und wird wohl bald die Million erreichen.

Für Chinesen ist Deutschland allerdings nur die 7. Wahl – hinter den USA (133.000), Australien, Japan, Großbritannien,  Südkorea und Kanada. Deutschland fehlen die Top-Universitäten. Das Sprachproblem ist die wichtigste Hürde. Man lernt zu wenig Deutsch in China …

Andererseits sind viele deutsche Firmen in China aktiv – und brauchen junge Chinesen, die in Deutschland studiert haben und Deutsch können.

Was studieren die ausländischen Studenten?

An den Universitäten bleiben die Sprach- und Kulturwissenschaften sowie die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften die wichtigsten Fächergruppen für Bildungsausländer.

Während diese aber ihre Immatrikulationszahlen nur ungefähr halten können, steigen sie in den Ingenieurwissenschaften deutlich an. Rund 11% mehr Bildungsausländer als im Vorjahr haben sich in die Studiengänge dieser Fächergruppe eingeschrieben.

In keinem anderen Bereich kommt es zu einer solchen Entwicklung. Dies führt dazu, dass die Ingenieurwissenschaften mit 14,6% neben den künstlerischen und kunstwissenschaftlichen Fächern mit 14,9% auch den höchsten Anteil an Bildungsausländern aufweisen.

Unter den Universitäten liegen die von Berlin (FU, Humboldt und TU) sowie München (LMU und TU) an der Spitze, mit je etwa 4.000 bis über 5.000 Stundenten aus dem Ausland.

Bildungsinländer

Zu den nicht-deutschen Studenten gehören auch die sogenannten Bildungsinländer. Das sind Studenten aus Familien, die hier in Deutschland leben, aber keine deutsche Staatsbürgerschaft haben.

13.717 haben sich 2010 eingeschrieben, 5 Prozent mehr als im Vorjahr.

67.000 studieren zurzeit als Bildungsinländer an deutschen Unis und Fachhochschulen. Ihr Anteil wächst langsam an, wird aber wohl als Folge der Optionsregel (die meisten werden sich für den deutschen Pass entscheiden) bald sinken.

Deutsche studieren gern im Ausland

Anders als die drei englischsprachigen Spitzenländer (USA, England, Australien) gehen viele deutsche Studenten zum Studium gern ins Ausland: 115.500 waren es im Jahr 2009.

Sie gehen bevorzugt an Unis in Österreich (knapp 24.000), Niederlande,
Großbritannien, Schweiz und USA (knapp 10.000). In dieser Reihenfolge.

Man sollte diesen Artikel und zum Beispiel diesen über den Fachkräftemangel parallel lesen zu diesem hier: Unternehmen lassen Qualifikation von jedem fünften Mitarbeiter brach liegen

Nahezu jeder fünfte Erwerbstätige in Deutschland, der eine Berufsausbildung oder ein Hochschulstudium abgeschlossen hat, ist der Studie zufolge unterhalb seiner eigentlichen Qualifikation beschäftigt.

Gerade bei jungen Erwerbstätigen mit Studienabschluss sehen die Werte besonders schlecht aus. Anderthalb Jahre nach ihrem Abschluss finden sich demnach nur 53 Prozent aller Fachhochschulabsolventen des Jahres 2009, die einen Bachelor-Abschluss haben, in einem voll ihrem Ausbildungsniveau entsprechenden Arbeitsplatz wieder. 21 Prozent hingegen fristen ihr Dasein in einem komplett inadäquaten Arbeitsverhältnis.

Noch verheerender fällt das Ergebnis für junge Arbeitnehmer mit einem Universitäts-Bachelor aus: Nur 36 Prozent von ihnen sehen sich voll adäquat beschäftigt, während ganze 30 Prozent einen Arbeitsplatz haben, der ihrer Qualifikation in keiner Weise entspricht.

Wär schon interessant, mal zwei kompetente Kontrahenten über die Frage streiten zu hören, ob wir nun wirklich so viele Fachkräfte aus dem Ausland brauchen oder nicht, wie die Wirtschaft behauptet.

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