Aktuelle München-Statistik – Ausländer und Armut in einer reichen Stadt

statistikThemen:

  1. München wächst. Vor allem durch Ausländer.
  2. Es fehlen (bezahlbare) Wohnungen
  3. Armut in München
  4. Umland und Eingemeindung
  5. Dritter Arbeitsmarkt als ein Ansatz, das Problem zu mildern?
  6. Die Stadt ist relativ reich

München wächst. Vor allem durch Ausländer.

2011 ist die Einwohnerzahl auf 1,4 Millionen gestiegen, 2015 oder 2016 rechnet man mit 1,5 Millionen.

Das jährliche Wachstum beträgt zurzeit ca. 2 Prozent. Im Jahr 2011 waren es + 28.468.

Zwei Drittel des Wachstums bringt der Zuzug von Ausländern – Einwohnern ohne deutschen Pass.

337.735 Einwohner Münchens haben keinen deutschen Pass. Das sind 23,7 Prozent. Tendenz steigend.

Ebenso der Prozentsatz derer, die man unter den Begriff Personen mit Migrationshintergrund zusammenfasst. Der Prozentsatz nähert sich nun den 40 Prozent.

Die größten Kontingente derer ohne deutschen Pass stellen (2011)

  1. die Türken (40.452)
  2. die Kroaten (23.935)
  3. die Griechen (23.276)
  4. die Italiener (22.316)
  5. die Österreicher (21.162)
  6. die Polen (17.724)
  7. die Bosnier (15.714)
  8. die Serben (14.168)
  9. die Rumänen (11.700)
  10. die Irakis (10.194)
  • Aus afrikanischen Ländern (arabischen und schwarzafrikanischen zusammen) kommen 11.859 Einwohner ohne deutschen Pass.
  • Aus asiatischen Ländern stammen 41.707 ausländische Einwohner (ein Viertel davon sind die Irakis).
  • Aus Nord- und Südamerika leben 12.877 Ausländer in München.

Die Geburtenzahl übersteigt die der Sterbefälle: 14.714 – 10.790 = + 3.924.

Es gibt ein ständiges Zu- und Wegziehen, das jährlich über 10 Prozent der Bevölkerung betrifft; dabei überwiegen die Zuzüge:

117.947 – 84.206 = + 28.741

Bei Ausländern ist die Bilanz noch höher im Plus:

58.956 – 37.091 = + 21.965

Es fehlen (bezahlbare) Wohnungen

2011 wurden 1.828 neue Gebäude hochgezogen, 6.671 neue Wohnungen zur Verfügung gestellt. (Vermutlich gingen auch einige Wohnungen, vor allem bezahlbarer Altbau, verloren.)

Bei einem Einwohnerplus von 28.468 und bei einer Annahme von 2 Personen pro Wohnung sieht man mit freiem Auge, dass zusätzliche 6.000 Wohnungen nicht genügen. Vom Preis einmal abgesehen.

Arme Familien in München müssen im Schnitt etwa die Hälfte ihres Einkommens für die Kaltmiete ausgeben.

Da München kaum noch Platz hat für größere Neubausiedlungen und eine Bebauungsverdichtung höchst unpopulär bei den davon mitbetroffenen Nachbarn ist, steht die Stadt vor einem Problem, das mit der Einwohnerzahl und der Nachfrage nach Wohnraum wachsen wird.

Die Zahl der Wohnungslosen beträgt inzwischen mehr als 3.000 und steigt rasch an.

Inzwischen sind fast zwei Drittel davon Ausländer. Iraker führen diese Liste an, gefolgt von Bulgaren, Somaliern, Greichen und Serben.

Der Druck auf die Behörde, die die Notunterbringung zu organisieren hat, wächst.

Auf jeden Fall will die Stadt die Sozialwohnungen, die im Zentrum der Stadt liegen und natürlich höchst gewinnträchtig veräußert werden könnten, behalten – um der sozialen Mischung willen.

Armut in München

In München leben zurzeit ca. 253.000 Menschen, die entweder arm (über 200.000) sind oder am Rande der Armut (ca. 50.000). Das sind 18 Prozent der Einwohner, also fast jeder 5. Münchner. Bei den Kindern sieht es günstiger aus: jedes 10. lebt in armen oder armutsnahen Verhältnissen.

Fast 120.000 beziehen staatliche Unterstützungsleistungen. Über 12.000 sind arme Rentner, ihre Zahl wächst besonders schnell.

Die Armutsrisikoschwelle in München beträgt 1.000 Euro für den Einpersonenhaushalt. Wer weniger verdient, ist arm. (Bundesweit gelten dafür die 952 Euro.)

Bei zwei Erwachsenen müssen schon 1.500 Euro verdient werden, kommt noch ein Kind hinzu, sind es 1.800 Euro.

Der Vergleich zu früher ist schwierig, weil sich die Bezugszahlen geändert haben; der Armutsbericht von München schätzt aber, dass sich die Zahlen seit 2005 etwa gleich geblieben sind.

Andererseits habe sich die Schere zwischen Reich und Arm weiter geöffnet. Das reichere Fünftel hat in den letzten 5 Jahren seinen Anteil am monatlichen Gesamteinkommen von 36 Prozent auf 46 Prozent erhöht.

(Wenn das so weiter geht, was folgt daraus? – Und wie könnte man diese albtraumhafte Entwicklung stoppen und umdrehen?)

Die Armut bzw. der Bezug staatlicher Unterstützungsleistungen verteilt sich unterschiedlich auf die 25 Stadtviertel. Am besten dran ist die Altstadt (3,4 Prozent), am schlechtesten die Stadtrandviertel Ramersdorf-Perlach (12,3 Prozent) und Milbertshofen-Hart (11,9 Prozent).

Der einkommensschwache Teil der Bevölkerung wird mehr und mehr an den Stadtrand gedrängt.

Ca. 14.000 München sind dauerarbeitslos und leben von Hartz IV.

Die Arbeitslosenrate lag im Dezember 2011 bei 4,6 Prozent (34.425 Personen). Davon waren 13.967 Ausländer (= 40 Prozent der Arbeitslosen).

(Arbeitslosigkeits-Vergleich zwischen den deutschen Städten, Juni 2012: München ist Nummer 1 mit der niedrigsten Quote.)

In den fünf Landkreisen rund um München liegt die Arbeitslosenquote unter 3 Prozent, im Landkreis München selbst bei 2,8 Prozent, Top ist der Landkreis Erding mit 1,8 Prozent.  Oberbayern kommt auf insgesamt 3.3 Prozent. Im Landkreis Eichstädt sind des rekordverdächtige 1,1 Prozent.

97.000 Münchner sind überschuldet (sie schulden insgesamt 3 Milliarden Euro, 3.000 Euro pro Person im Durchschnitt; überschuldet ist, wer Zins und Tilgung nicht mehr aus seinem Einkommen oder Vermögen bezahlen kann).

Umland und Eingemeindung

München müsste sich auch stadtpolitisch ins Umland ausdehnen können. Früher mal hat man das mittels Eingemeindung gemacht. Die Stadtrandgemeinden haben es damals akzeptiert, manchmal etwas unwillig, manchmal auch mit großen Feiern – der Wert der Grundstücke ist damals mit der Eingemeindung gewachsen.

Rechnet man heute das Umland Münchens hinzu, kommt nochmal eine Million Einwohner dazu. Allein der Landkreis München hat schon 320.000. Die Umlandbewohner orientieren sich zumeist nach München, was Arbeit, Unterhaltung, Einkaufen und zum Teil auch die Bildung betrifft. Aber sie zahlen ihre Steuern nicht der Stadt, sondern der Gemeinde, die damit von der Nähe zu München profitiert, ohne zur Leistung viel beizutragen.

Heute ist die Eingemeindung als politisches Thema tabu. Die Randgemeinden wollen ihr Privileg nicht aufgeben.

München geht es im Vergleich zu den meisten anderen Großstädten Deutschlands gut.

Dritter Arbeitsmarkt als ein Ansatz, das Problem zu mildern?

Die Zahl der Menschen steigt, die auf dem Arbeitsmarkt kaum noch vermittelbar sind.

Was tun?

Menschen brauchen (und wünschen sich!) eine tagesstrukturierende, als sinnvoll empfundene Arbeit.

Es wäre klug, allen, die staatliche Unterstützungsleistungen beziehen, sozial geförderte Beschäftigungsverhältnisse zu verschaffen.

Statt jemanden einfach nur zu alimentieren, würde das Geld als Ergänzung zum Lohn kommen.

Als Angebot wäre das gut; als Zwang würde es zu krassem Missbrauch und zur Entstehung einer neuen Art von Zwangsarbeit führen.

Die Stadt ist relativ reich

Das zeigen zum Beispiel der Zuzug und die geringe Arbeitslosenzahl. München ist attraktiv.

Das zeigen auch die Schulden. Waren es 2005 noch 3,4 Milliarden, so sind es jetzt nur noch knapp 1,6 Milliarden. Der Schuldenabbau kann dieses Jahr weiter gehen, weil weiter die Steuereinnahmen sprudeln. Das kommende Jahr hingegen wird knapp und keinen weiteren Abbau möglich machen.

Das Stadtbudget liegt bei 5,7 Mrd. Euro.

Bezogen auf das Stadtbudget machen die Schulden weniger als ein Drittel aus – eine beneidenswerte Ausgangssituation heutzutage.

Allein die Gewerbesteuer macht dieses Jahr 1,9 Mrd. Euro aus. 300 Millionen davon kommen von BMW, dem größten Steuerzahler der Stadt.

8 Dax-Unternehmen sind in München angesiedelt – leider zahlen nicht alle ihre Steuern in München.

Trotzdem, München hat vom Exportboom enorm profitiert – und davon, dass es eine für die internationale Wirtschaft attraktive Stadt ist.

Dazu tragen gerade auch die vielen Ausländer in München bei.

Quelle: 

Süddeutsche Zeitung
3.9.2012,
20.21.10.2012,
30.10.2012

Abendzeitung

Als Extra-Kommentar empfehle ich Heribert Prantls Leitartikel in der SZ: Reichtum verpflichtet

Zu den Vorzügen des Reichtums gehört, dass man damit viel gegen die Armut tun kann.

Auch das wäre zu berücksichtigen: Mit einem Einkommen, mit dem man in München hinten und vorne nicht ausreicht, kann man an manchen Stellen Deutschlands gut leben:

Um nackte Armut geht es da nicht, sondern um die Gefahr, arm zu werden. Ich halte von bundesweit erhobenen Armutsquoten gar nichts. Wir haben unterschiedliche Kaufkraft. Man kann nicht die Messlatte von München auf Mecklenburg-Vorpommern übertragen. Das sagt nichts aus. Wer auf dem Land von Hartz IV recht gut leben kann, weil Mieten und Dienstleistungen billig sind, kann davon in München nicht leben. Punkt. Ich halte auch den bundeseinheitlichen Hartz-IV-Satz für Quatsch. Der müsste regional nach der Kaufkraft differenziert werden. Aber das ist den Behörden offenbar zu mühsam.

Klaus Schröder, SZ

Der Armutsbericht für die Bundesrepublik zeigt, dass nicht nur in München, sondern überall die Reichen massiv reicher geworden sind. Mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit steigern sie ihren Anteil am Volksvermögen.

Es sind besonders die obersten 0,1 Prozent, die absahnen.

Das verändert zunehmend die Machtverhältnisse in Deutschland. Das Land wird nicht mehr von der Mitte aus regiert; die Superreichen bestimmen immer mehr, wo’s lang geht.

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