30.000 kommen, 50.000 gehen. Die türkische Rückwanderung schadet Deutschland.

tuerken-in-deIn den Jahren 2007 bis 2011 sind 193.000 Türken aus Deutschland in die Türkei ausgewandert, etwas mehr als 120.000 Türken aus der Türkei in Deutschland eingewandert.

Das macht ein Minus von 70.000 in diesen vier Jahren.

Es gehen nicht zuletzt gut ausgebildete junge Deutschtürken, die auf dem rasant gewachsenen türkischen Arbeitsmarkt gute Chancen haben. 30.000 Deutschtürken mit Abitur sollen es pro Jahr sein … (Eine Zahl, die ich nicht recht glaube.)

In vielen Fällen ist es eine Zirkulation. Sie kommen und gehen – und kommen wieder.

Viele dynamische junge Leute wollen die Türkei mal ausprobieren. Sie loten ihre Chancen aus. (Das spricht für sie!)

Es kommen natürlich auch noch Familiennachzüge – Heiratspartner vor allem. Viel weniger als früher. (Ich merke es auch direkt als Integrationskurslehrer. Jetzt kommen die meisten vom Balkan: Rumänien, Bulgarien, Ex-Jugoslawien; wenige Türken.)

Ein Hauptgrund für die Abwanderung: Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Ein zweiter Grund: die Verunsicherung durch die rechte Hasswelle seit Sarrazin. Der dritte Grund ist natürlich, dass die Türkei inzwischen viele einigermaßen attraktive Arbeitsplätze anzubieten hat.

Diese Abwanderung von qualifizierten Arbeitskräften schadet uns wirtschaftlich. Es wird Zeit, etwas dagegen zu tun. Zum Beispiel wird die Anerkennung der doppelten Staatsbürgerschaft es vielen leichter machen, nach Deutschland zurückzukehren, wenn sie in der Türkei ihre Erfahrungen gemacht haben.

Ich nehme auch an, dass die Türkei in absehbarer Zeit wirtschaftlich in Schwierigkeiten geraten wird. Dann wird sich das Wanderungssaldo wieder ändern.

Insofern könnte man einfach abwarten.

Unsere Wirtschaft ist Jahr für Jahr stärker daran interessiert, unter qualifizierten Arbeitskräften eine Auswahl treffen zu können. Wenn das so ist, dann steht sie in der Pflicht: sich zu engagieren gegen Diskriminierung, gegen Türkenfeindlichkeit, gegen Xenophobie, gegen die Hetze von rechts außen und dafür zu sorgen, dass sich unser Status als Einwanderungsland mit Willkommenskultur auch bei der Polizei, beim Verfassungsschutz, bei den kommunalen Behörden herumspricht.

Quellen:

Türkisch-Deutsche Nachrichten 2. Artikel

Türkisch-Deutsche Nachrichten 1. Artikel

Hürriyet

almabu

almabu stützt sich auf den (englisch geschriebenen) Artikel in Hürriyet, dieser wiederum vor allem auf Angaben, die Faruk Şen (TAVAK, Türkisch-Europäischen Stiftung für Erziehung und wissenschaftliche Studien) gibt.

Meine Verwirrung bezüglich einiger Zahlen von Faruk Şen liegt vielleicht am etwas unachtsam formulierten Hürriyet-Artikel, aber auch die Forderung Şens, Kurzarbeiter und Halbtagskräfte sowie Arbeitskräfte in der Weiterbildung zu den Arbeitslosen zu zählen, leuchtet mir nicht ein.

almabu weist auch richtig darauf hin, dass der Artikel (oder Faruk Şen) vergisst, die im Vergleich zur Türkei erheblichen Sozialleistungen zu erwähnen, die es für arbeitslose und für trotz Arbeit arme Türken gibt.

Der Hürriyet-Autor kommt bei den Zahlen durcheinander:

Deutschland zählt nicht 9 Millionen Ausländer, sondern 7,3 Millionen; von denen sind 1,9 Millionen Türken (ohne deutschen Pass); das macht 26 Prozent, nicht 31 Prozent.

Zählt man alle mit Migrationshintergrund zu den Migranten, kommt man auf ca. 16 Millionen Personen, von denen ca. 3 Millionen entweder Türken oder Deutsche mit türkischer Herkunft sind. Das sind weniger als 20 Prozent. Und nicht 31 Prozent …

Die Arbeitslosenquote in Deutschland liegt nicht bei 5,9 Prozent, sondern bei 7,4. Die Arbeitslosenquote bei Türken in Deutschland liegt nicht bei 30 Prozent, sondern etwa bei 14 Prozent.

Wie weit ist Faruk Şen selber verantwortlich für das Zahlenchaos?

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*