Das alte und das neue Deutschland. Klaus J. Bades Vision.

bade“Deutschland ist nach der ‘Sarrazin-Debatte’ ein gespaltenes Land.

Aber die Trennlinie verläuft nur oberflächlich zwischen den Muslimen und ‘dem Rest’ und nur temporär zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und denen ohne.

Die Trennlinie verläuft zwischen den ‘alten’ und den ‘neuen’ Deutschen und ihrer jeweiligen Vision von der Zukunft ihres Landes.

Es sind zwei unterschiedliche Vorstellungen von Deutschland, die hier aufeinanderprallen.

Das neue Deutschland wird sich in der Zukunft nicht mehr durch Herkunft, Genetik und Abstammungsstrukturen definieren können – dies erlaubt schon der demografische Wandel nicht mehr.

Es wird sich trotzdem nicht abschaffen – es wird nur ethnisch und kulturell vielfältiger sein.

Und Deutschsein gilt dann als Chiffre für die Zugehörigkeit zu einem gemeinsamen Land.”

(Der Autor zitiert hier Naika Foroutan.)

Wir werden also lernen, eine Einwanderungsgesellschaft zu sein. Wir sind schon auf dem Weg dazu. Trotz Sarrazin, Kelek, Broder, PI & Co.

Entwickeln wird sich

eine über die passive Toleranz hinausgehende aktive Akzeptanz von Zuwanderung als wirtschaftlichem Kräftezuwachs und als kultureller Bereicherung im Sinne des kanadischen Mottos ‘Vielfalt ist unsere Kraft’ (‘diversity is our strength’).

Das ist das Gegenteil von Xenophobie und Kulturrassismus, von ‘Islamkritik’ und ‘Islamfeindschaft’.

Klaus J. Bades Buch “Kritik und Gewalt” dreht sich um die Propagandisten des Kulturrassimus, einschließlich ihrer letzten Bastionen im Staat (etwa dem Verfassungsschutz und in einigen Innenministerien).

Seine Vision eines neuen Deutschlands der Vielfalt ist keine Utopie und verspricht kein Paradies.

Er zeigt, was ohnehin heranwächst – und wie destruktiv diejenigen reden und handeln, die um den Preis der Spaltung und des inneren Krieges den Prozess aufzuhalten und umzukehren versuchen.

Die Trennlinie verläuft zwischen den ‘alten’ und den ‘neuen’ Deutschen und ihrer jeweiligen Vision von der Zukunft ihres Landes.

Es ist kein Zufall, dass Breivik seine Waffen nicht auf Muslime gerichtet hat, sondern auf die ‘neuen’ Norweger, auf die jungen Norweger, für die Multikulturalität eine Selbstverständlichkeit ist.

So sehr Sarrazin, Kelek, Broder, PI & Co auch hetzen mögen gegen Muslime oder Türken – sie wissen, Muslime und Türken haben in Deutschland keine Macht. Der Feind der Desintegrationsphalanx ist die immer breiter, immer stärker werdende Phalanx derer, die das multikulturelle Deutschland fördern und leben.

Diese Phalanx reicht inzwischen bis zu Angela Merkel, sie reicht in München von den Antifaschisten von a. i. d. a. bis zum (aussichtsreichen!) CSU-Bürgermeisterkandidaten Josef Schmid, sie reicht von den Spitzen der Wirtschaft bis zu den bescheiden bezahlten Integrationsarbeitern in der InitiativGruppe.

Überall da, wo die Leute in der Sache Kompetenz haben oder sich auf die Kompetenz anderer verlassen müssen, wird integrativ gedacht, integrativ gearbeitet. Unabhängig davon, ob jemand eher links oder rechts oder in der Mitte steht.

Es ist kein Zufall, dass sich für Integrationspolitik heute in den Stadträten und Landtagen und im Bundestag überwältigende Mehrheiten finden, die in scharfem Gegensatz zu den Desintegrationspolemikern Politik, Integrationspolitik machen.

Lassen wir uns hier nicht in die Irre führen durch die Wellen, die BILD und PI oder Leute wie Sarrazin, Broder, Kelek, Balci, Giordano u. a. in der öffentlichen Meinung immer wieder erzeugen können .

Es gibt diese Gegenströmung, und einmal objektiv und gelassen von außen betrachtet, hat sie auch etwas Natürliches und Normales.

Der Lernprozess, der von der homogenen Nation zur Gesellschaft der Vielfalt führt – warum sollte er rasch und widerstandslos stattfinden?

Der Widerstand gehört dazu.

So unappetitlich, so gemein und destruktiv, auch so blutig er immer wieder wird, dieser Widerstand ist ein Teil des Prozesses.

Die Zitate stammen aus Bades neuem Buch “Kritik und Gewalt”. S. 370.

Ich habe ein Vorausexemplar bekommen und es gestern zuende gelesen. Ein fulminanter Angriff auf die Desintegrationsarbeiter!

Ich hab’s gelesen wie einen Thriller.

Das Buch erscheint heute, es wird heute Abend in Berlin vorgestellt:

Aydan Özoguz, Cem Özdemir u. a. bei der Buchvorstellung „Kritik und Gewalt“ in Berlin
um 19:00 Uhr,
ProjektZentrum Berlin der Stiftung Mercator, Neue Promenade 6, 10178 Berlin.

Aydan Özoguz diskutiert auf dem Podium mit Cem Özdemir und anderen zum Thema des Buches „Kritik und Gewalt“ von Klaus J. Bade u.a. über Islamkritik und die Einwanderungsgesellschaft und stellt sich anschließend Fragen aus dem Publikum.

Morgen schreibe ich eine “Rezension”. Da ich rundum einer Meinung bin mit dem Autor und schon vorab über die Inhalte geschrieben habe und andere das Buch schon gut zusammengefasst haben, was mache ich da?

Ich werde über die Nuancen schreiben, in denen ich etwas abweiche.

Meine bisherigen Beiträge zu Klaus J. Bade und seinem Buch finden sich, wenn man auf der obersten Menüleiste auf Bade klickt.

Kommentare

  1. Jakobiner meint:

    “Entwickeln wird sich “eine über die passive Toleranz hinausgehende aktive Akzeptanz von Zuwanderung als wirtschaftlichem Kräftezuwachs und als kultureller Bereicherung im Sinne des kanadischen Mottos ‘Vielfalt ist unsere Kraft’ (‘diversity is our strength’).Das ist das Gegenteil von Xenophobie und Kulturrassismus, von ‘Islamkritik’ und ‘Islamfeindschaft’.”

    Da sollte man erwähnen, dass zu dem Sinne des kanadischen Motto auch das kanadische Immigrationsgesetz gehört, das streng nach der Nützlichkeit von Immigranten für das eigene Land selektiert.Oder ist das kanadische Immigrationsgesetz auch xenophob und keine Willkommenskultur–wäre also mal näher zu klären, was man eigentlich will.

  2. Solche Prozesse funktionieren aber nur, wenn sie nicht nur in einer Richtung stattfinden, sondern in beiden. Im Weltbild von Herrn Bade et.al. gibt es keine Salafisten, keine muslimischen Familien, die ihre Töchter ermorden, wenn diese eine Beziehung zu einem deutschen Mann haben, keine muslimischen Eltern, die ihre Töchter von der Schule nehmen, damit sie nicht am Schwimmunterricht teilnehmen müssen usw.

    All das ist natürlich auch “Kulturrassismus”.

  3. Seltsame Unterstellung, Fritz.

    Wie kommen Sie darauf, dass es “im Weltbild von Herrn Bade et al.” keine Salafisten gebe, keine “Ehrenmorde” oder dergleichen?

    Können Sie das irgendwie belegen?

    Wie ist es bei BlogIG? Gilt das “et al.” auch für mich?

    Bade hat 2009 den Festvortrag bei der Verleiung eines Preises für Seyran Ates gehalten – zum Beispiel. http://kjbade.de/bilder/auszeichnung_fuer_seyran_ates
    Hier noch ein Vortrag von Bade, in dem es über die Extremfälle geht:
    http://kjbade.de/bilder/DokumentationLKA_NRW.pdf

    Salafisten sind ein Randproblem. Man sollte das auch so behandeln. Aber die Salafisten werden sicher dankbar sein, wenn Fritz sie zu einem Hauptproblem erklärt.

    Fritz, befass du dich doch mal mit der millionenfach gelingenden Integration!

  4. So so, Herr Bade propagiert also Mord und Islamismus als Teil des neuen Deutschland. Manchmal kann man sich hier bei einigen Kommentatoren nur noch an den Kopf fassen.

  5. Jakobiner meint:

    “Es gibt diese Gegenströmung, und einmal objektiv und gelassen von außen betrachtet, hat sie auch etwas Natürliches und Normales.Der Lernprozess, der von der homogenen Nation zur Gesellschaft der Vielfalt führt – warum sollte er rasch und widerstandslos stattfinden? Der Widerstand gehört dazu.”

    Ob das Beispiel Deutschland auch für ganz Europa gilt, wenn man sich Front Nationale, Flämischer Block, Wahre Finnen, Fidesz und Jobbik, Morgenröte in Griechenland (der Ministerpräsident sprach von “Weimarer Verhältnissen”) , etc. ansieht?Vor allem in Ländern, in denen es wirtschaftlich bergab geht oder die vielleicht noch stärker in den Sog der Eurokrise kommen? Oder wird die demograpghische Lücke in allen europäischen Ländern dazu führen, dass man die Integrationspolitik als einzige Option sehen wird?Wie weit kann man da der Ratio trauen und inwieweit können nicht wieder die Emotionen Oberhand bekommen? Ist Musterknabe Deutschland mehr die Avantgard und der Wegbereiter oder mehr die Ausnahme (wie bei der Energiewende)?

  6. Jakobiner meint:

    Mich würde einmal interessieren, wie Bade, IG Blog und andere zum kanadischen Einwanderungsrecht stehen? Ist das auch xenophob und kulturrasiistisch? Ich glaube nicht.Im übrigen ist Paul Scheffer in den Niederlanden ein Vertreter der Forderung nach einem kanadischen Einwanderungsrecht für Europa. Scheffer hatte eine ausführliche Debatte mit Sarrazin darüber. Sarrazin kam da in einige Bedrängnis, vor allem mit seinen kulturalistischen Thesen.Als Tip die Diskussion zwischen Sarrazin und Scheffer —auf englisch und 3 Stunden–lohnt sich aber:

  7. Jakobiner meint:

    Noch ein Detail aus dieser interessanten und inhaltsreichen Diskussion. Sarrazin reitet auf den Muslimen als Unterschichten- und Kulturphänomen rum, Scheffer wiederum zeigt, dass es nicht die Kultur, sondern die Schicht ist, ebenso der Umgang mit niedereren Schichten, den Anreize zu Integration und verweist auf die USA und deren viele erfolgreiche Muslime und den vielen Unterschichtenmuslimen, die es in die Mittel- und Oberschicht schaffen. Trotz 9-11 gelten die Muslime in den USA nicht zu den loosern der Gesellschaft.

  8. Wär schon schön (und vor dem Hintergrund unserer Geschichte auch besonders verdienstvoll), wenn wir, ausgerechnet wir die Avantgarde, der Musterknabe in der Integrationspolitik werden würden. Davon sind wir noch ein gutes Stück entfernt. Aber es kann schon noch werden …

    Hat man sich einmal auf das Faktum der Einwanderungsgesellschaft eingelassen, wird es verschiedene – politisch umstrittene und politisch zu entscheidende – Konzepte geben, wie man diese Einwanderungsgesellschaft gestaltet.

    Es wird eine Richtung geben, die entschieden darauf beharrt, möglichst nur ökonomisch nutzbare Einwanderer zu bekommen. Es wird eine andere Richtung geben, die diese Fixierung für nicht machbar bzw. nicht wirklich optimal hält, weil zu stark sozial ausgegrenzt wird – und sich Integrationsprobleme dann zu sehr an der sozialen Grenze (unabhängig von ethischen Unterschieden) entzünden.

    Wir sind in Deutschland noch nicht ganz so weit. Wir sind noch dabei, überhaupt erst einmal zu lernen, wie eine Einwanderungsgesellschaft mit ihren Einwanderern umgeht. Und es gibt Teile in Deutschland, da kannst du als Ingenieur kaum arbeiten, wenn du aussiehst wie ein Japaner oder ein Afrikaner oder ein Inder.

    Ein Einwanderungsland darf dem Rassismus nicht so viel freie Hand geben, wie das in Deutschland immer noch der Fall ist – bei Behörden und Polizei, bei Arbeitgebern, die vor türkischen Namen zurückschrecken, bei dem xenophoben Pöbel, der überwiegend ein Produkt unserer neoliberalen Verirrung ist.

    Ein Land, das Einwanderungsland ist, wird – in Europa zumindest – auch halbwegs sozial sein müssen. Es ist genau so, wie Scheffer und du sagen: Es sind Schichtprobleme, und die muss man auch als Schichtenprobleme verstehen, man darf sie nicht ethnisieren.

    DAS zum Beispiel muss die Bevölkerung in einem Einwanderungsland wie Deutschland erst einmal lernen. Das braucht schon noch eine Generation. Man lernt es durch Erfahrung. So, wie man bei uns durch Erfahrung gelernt hat, dass auch Frauen Auto fahren und prima Chefs sein können. Und dass man Angela Merkel nicht als Frau, sondern als Politikerin angreifen muss.

  9. Fatima Özoguz meint:

    Erinnert mich irgendwie an das hier:

    https://www.youtube.com/watch?v=ZygK3yvUee4

    aber mal ernst: Dass jedes Land selber bestimmen kann, wen es reinlässt und wen nicht, sehe ich genauso. Allerdings was ist mit denen, die schon hier sind? Darum geht es doch. Man kann doch jetzt nicht alle rauswerfen. Er meint weiter später, dass man die integrieren soll, ok,. Aber “assimilieren”, das will ich nicht.

    Weltgeist…ist das was zum Trinken?
    Ich weiß nicht, wie er darauf kommt, dass die Migranten mit christlichem Glauben besser integriert sind. Hier in Delmenhorst gibt es sehr viele Aramäer. Auch da sprechen die älteren Leute kaum Deutsch und bleiben unter sich, die Kinder gehen häufig auf die Hauptschulen, selten auf Gymnasien.
    Und seine Argumentation, dass die Abwanderung aus Afrika nicht den Völkern hilft, ist auch nicht so richtig. Viele unterstützen ihre Familien mit einem Teil des Geldes, das sie hier verdient haben. Es ist allerdings eine Art “Brain-Drain”, wenn Gutausgebildete ihr Land verlassen, genauso wie viele deutsche Ärzte lieber in Schweden oder in der Schweiz arbeiten, obwohl sie hier gebraucht werden. Aber hier sind die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern auch grauenhaft, wie ich von befreundeten Ärzten weiß.
    Tja, es blüht neues Leben aus den Ruinen…aber wohl anders, als er sich das vorstellt, glaube ich. Erst mal bis hierhin.

  10. Jakobiner meint:

    Man könnte Italiens Wahlergebnisse ja auch mal positiv sehen. Ob Beppe Grillo oder Berlusconi, egal welcher der beiden “Clowns”, sie haben jedoch keine xenophobe Propaganda gemacht. Es sei denn man sieht Kritik an Merkels Euro-Kurs als xenophob an.Jedenfalls haben weder Berlusconi, noch Beppe Grillo, noch Ex-MSI-Fini Propaganda gegen Ausländer oder Flüchtlinge gemacht, schon gar nicht gegen Immigranten.

  11. conring meint:

    @ Jakobiner
    “Ob Beppe Grillo oder Berlusconi, egal welcher der beiden “Clowns”, sie haben jedoch keine xenophobe Propaganda gemacht.”
    Da kann vielleicht auch einfach der durch die deutschen Medien vermittelte Eindruck trügen. Berlusconi kann, wenn er will wie auch sein Bossi von der Lega Nord, ziemlich xenophob sein:
    Ein Beispiel von 2011:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/wahlkampf-in-mailand-berlusconi-warnt-vor-islamischer-stadt-voller-zigeuner-a-764407.html

  12. Jakobiner meint:

    “Hat man sich einmal auf das Faktum der Einwanderungsgesellschaft eingelassen, wird es verschiedene – politisch umstrittene und politisch zu entscheidende – Konzepte geben, wie man diese Einwanderungsgesellschaft gestaltet.Es wird eine Richtung geben, die entschieden darauf beharrt, möglichst nur ökonomisch nutzbare Einwanderer zu bekommen. Es wird eine andere Richtung geben, die diese Fixierung für nicht machbar bzw. nicht wirklich optimal hält, weil zu stark sozial ausgegrenzt wird – und sich Integrationsprobleme dann zu sehr an der sozialen Grenze (unabhängig von ethischen Unterschieden) entzünden. ”

    Zumindestens in Deutschland sehe ich einen weitgehenden Konsens für eine Willkommenskultur, jedenfalls mehr als in jedem anderen europäischen Staat.Es wird auch die Diskussion geben: Mehr sozialdarwinistisch oder mehr sozial, aber ich glaube man wird einen Konsens finden, der sich in einem Mittelweg zwsichen jetzigem Einwanderungsrecht und kanadischem Einwanderungsrecht befinden wird.Widerstände gegen europäische Migranten aus Südeuropa und Osteuropa–daran glaube ich nicht. Schwerer vermittelbar werden Leute aus Afrika und den Unruhen des Arabischen Frühlings.Aber auch diese muss man integrieren. Es geht ja nicht nur um Manager der 30 Dax-Konzenrne, sondern eben auch um Pflegekräfte,etc. Wobei aber eben schon die alles unterlegene Frage sein wird: Wieviel Einsicht wird in Europa hergestellt über die demographische Lücke. Bisher geht ja die ganze Propganada darauf, dass einzelne Krisenstaaten schuld sind und man mittels Euroschirmen alles abdeckt. Aber selbst wenn wir zur DM zurückkehren: Die demographische Lücke bleibt trotzdem bestehen. Hierzu haben alle rechtspopulitischen Parteien bisher nichts gesagt. Und selbst die NPD konnte mich nur auf ihr Familienprogramm verweisen. Auf den dezente Hinweis, dass selbst wenn die NPD 2-3 Kinder/pro Frau in naher Zulunft wegen ihres Familienprogramms zustande bekäme, erhielt ich doch keine Antwort darauf, wie man die demograpsiche Lücke der nächsten 40 Jahre überbrücken wolle.Genau diese demopgraphische Lücke und deren Beantwortung ist für mich ein Hauptgrund, eine Partei ernst zu nehmen. Und dass man ohne Immigration auskommen könne, ist für mich der Mythos des 21. Jahrhunderts.Aber wie gesagt: In ökonomischen Verelendungszuständen wählen Leute da Parteien, die nicht so grundsätzlich und mittel- oder langfristig denken.

  13. Jakobiner meint:

    Bester Conring,

    da war ich vielleicht zu naiv und optimistisch. Vor ihrem Link habe ich in deutschen <Medien niemals gehört, dass Berlusconi xenophon wäre. Aber eine islamische Zigeunerstadt–das ist wohl der Gipfel an Xenophobie und vielleicht sollte sich Berlusconi dann mit dem Orban-Ungarn zusamentun, um die "Addenmenschen" und Muslime zu bekämpfen. Jedenfalls ist mir von Beppe Grillo nichts derartiges bekannt, aber sie können mich gerne belehren.

  14. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Und es gibt Teile in Deutschland, da kannst du als Ingenieur kaum arbeiten, wenn du aussiehst wie ein Japaner oder ein Afrikaner oder ein Inder.”
    Gilt diese Aussage nicht auch für ein “klassiches Einwaderungsland” wie die USA? Die Bewohner sind da auch teilweise ziemlich xenophob. Waren sie übrigens auch schon immer. Und als Angehöriger einer rassischen oder religiösen Minderheit werden sie auch heute in Gegenden wie East-Texas nicht so richtig gemocht.
    Diskussionen a la “Das Boot ist voll” und “wie können wir uns von der Überfremdung schützen” gehören einfach zu einer “Einwanderungsgesellschaft”. Die gab es in Deutschland auch schon früher. Im Kaiserreich haben viele Leute (u.a. Max Weber) vor den Gefahren der Polonisierung gewarnt.

    Was ich mich frage ist, was haben die Leute, die Sie mit Bade unter dem Begriff “Alte Deutsche” subsumieren eigentlich gemeinsam?
    Giordano und Broder z. B. artikulieren immer nur ihre Bedenken im Hinblick auf den Islam als Religion und Ideologie. Was ist daran falsch?
    Keiner von beiden fordert irgendwo, dass man Leute wieder ausbürgern soll oder dass man Einwaderung prinzipiell unterbinden sollte.

    Und was ist das “Neue Deutschland”. Doch nur der Name einer ziemlich alten Zeitung.

  15. conring meint:

    @ Jakobiner
    “aber ich glaube man wird einen Konsens finden, der sich in einem Mittelweg zwsichen jetzigem Einwanderungsrecht und kanadischem Einwanderungsrecht befinden wird.”

    Dass wird man tun müssen. Wobei Kanada, ähnlich wie Australien, einwaderungsrechtsmäßig geographisch ziemlich begünstigt ist. Für Armutseinwanderer ist das Land ziemlich schwer zu erreichen. Die ganzen illegal aliens aus Lateinamerika versacken alle in den USA.

  16. Jakobiner meint:

    Zu Fatima Özuguz:

    “Weltgeist…ist das was zum Trinken?
    Ich weiß nicht, wie er darauf kommt, dass die Migranten mit christlichem Glauben besser integriert sind. Hier in Delmenhorst gibt es sehr viele Aramäer. Auch da sprechen die älteren Leute kaum Deutsch und bleiben unter sich, die Kinder gehen häufig auf die Hauptschulen, selten auf Gymnasien.”

    Weltgeist ist bester Hegel und eine metaphysische Sicht der Geschichte, wonach sich immer ein herrschendes Volk, das den Weltgeist oder inhrem Sinne Allahs an die Spitze der Weltgeschichte stelle. Das sah Hegel damals im protestanisch-preussischen Staat und sie wahrscheinlich in der Islamischen Republik des Iran und die USA als God´s Own Country. Beides war und ist Schmarrn.Aber die meisten Christen, die nach Europa kommen werden, kommen aus Südeuropa, Osteuropa und sind allemal eher zu integrieren als muslimische Zuwanderer.Vor allem, da sie sich weniger als Christen sondern als säkular und modern ansehen und dies zumeist auch sind.Das heisst nicht, dass ich die Integration muslimischer Zuwanderer ablehne, sondern eher die Anerkennung des Faktums, dass da mehr kulturelle Hürden bestehen als bei vorgenannten Immigrationsgruppen werden, die man aber bei mehr Aufwand in der Integrationsarbeit auch abbauen kann.Und jetzt machen Sie bitte nicht aus den paar Aramäern Orban-ungarische “Affenmenschen”. Ansonsten schliesen sich der Berlusconibewegung an, die islamische Zigeunerstädte bekämpfen will.

  17. Jakobiner meint:

    “Was ich mich frage ist, was haben die Leute, die Sie mit Bade unter dem Begriff “Alte Deutsche” subsumieren eigentlich gemeinsam?Giordano und Broder z. B. artikulieren immer nur ihre Bedenken im Hinblick auf den Islam als Religion und Ideologie. Was ist daran falsch?
    Keiner von beiden fordert irgendwo, dass man Leute wieder ausbürgern soll oder dass man Einwaderung prinzipiell unterbinden sollte.”

    Als “alte Deutsche” würde ich Giordano und Broder auch nicht bezeichnen. Sie sind halt Juden und deswegen etwas übersensibel bezüglich Islam. Aber ein Feind des Islam ist er nicht, ja er hat auch einen Muslim dabei auf seiner “Deutschlandsfari”im ARD. Und Feinde der Immigration sind sie beide nicht.Broder befürwortet ja eher ein kanadisches und US-amerikansiches Immigrationsrecht, dass sogenannt faule Muslime raushält, da sie in seiner Ansicht nach nur zu sozialem Bodensatz werden, der sich dann als youth buldge und Terrorismus der Minderbegünstigten und Ewigbeleidigten niederschlägt. Da kritisiere ich ihn eher dafür, dass er Sozialdarwinist ist, aber nicht als Islamfeind. Aber ich habe beim polnischstämmig-schwulen Broder noch nie gehört, dass er etwas Immigration oder Homosexualtität oder andere Formen deutschen Daseins jemals etwas gesagt hätte.Broder gehört wie Giordanno für mich zum neuen Deutschland.

  18. Jakobiner meint:

    Zu” conring meint:
    19. März 2013 um 20:05

    @ Jakobiner
    “aber ich glaube man wird einen Konsens finden, der sich in einem Mittelweg zwsichen jetzigem Einwanderungsrecht und kanadischem Einwanderungsrecht befinden wird.”Dass wird man tun müssen. Wobei Kanada, ähnlich wie Australien, einwaderungsrechtsmäßig geographisch ziemlich begünstigt ist. Für Armutseinwanderer ist das Land ziemlich schwer zu erreichen. Die ganzen illegal aliens aus Lateinamerika versacken alle in den USA.”

    Dazu zum ertsen: Es wird keine islamische Einwanderungswelle geben, da eben die meisten Leute aus christlich-säkularen und modernen Staat in unserer unmittelbaren Umbegung kommen und zumal meistens einen Hocjhschulabnschluss besitzen.In de USA sieht es vielleicht da anders aus als in Kanada und Asutralien, da eben die Lationos und die Mexikaner da vor allem reinkomen werden. Aber es ist interessant, dass der Autor des “Clah of Civilizations”-Samual Huntington, in dem er die weltweite >Gefahr für den Kampf der Kulture in einem islamo-konfuzianischen Bündnis zwischen China und den Islamisten aufmachte, ein Buch nachschob; “Who we are?”. Hierin wird nicht der Islamismus oder das islmaisch-konfuzianische Bündnis alas Hauptegfahr aufgemacht, sondern der Katholizismus der mexikanischen und lateinamerikanischen Immigranten, die zumal auch nur der Unterschiht entstammen und die White AngloSaxon Protestant (WASP)-USA infrage stellen würden. Ich glaube jedoch, dass sich nach Mitt Romneys Wahldebakel,das die Minderhieten ignorierte auch der letzte Republkianer nach Wahl des ersten schwarzen und asiatisch-pazifischen Präsidenten wohl bewusst sind, dass man mit dem Idealbild des WASP-Americas nicht mehr eine zukunftsfähige Wahlbasis und Existenzbasis für das Land aufstellen wird.

  19. conring meint:

    @ Jakobiner
    “…dass man mit dem Idealbild des WASP-Americas nicht mehr eine zukunftsfähige Wahlbasis und Existenzbasis für das Land aufstellen wird.”
    Obama spricht, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, das Englisch eines Ostküsten-WASPs. Und inszeniert sich (Fottball-Fan, Christ, familienmensch,Barbecue etc.) auch so.

  20. Wenn man 4 Millionen Muslime im Lande hat und die unter Pöbeldruck setzt, den Mob auf sie loslässt, in pauschalisierender Hetze auf sie los geht – macht man das, weil man für Religionsfreiheit, für Pluralismus, für ein multikulturelles, vielfältiges Deutschland ist?

    Sich von den Muslimen in Deutschland bedroht zu fühlen, das hat etwas Paranoisches. So, wie wenn jemand Deutschen begegnet und immer gleich denkt, das sind eigentlich doch alle Nazis und die wollen wieder Krieg und Holocaust. Gewaltgeile Salafisten sind für die nicht-salafistischen Muslime grade so eine – punktuelle, terroristische – Bedrohung wie für alle andern auch – und in der Zuständigkeit der Polizei. Wie gewaltgeile Neonazi-Gruppen auch. Die gewaltgeilen Rechtspopulisten sind noch nicht hinreichend im Polizei-Visier, aber das kommt hoffentlich noch.

    Vor dieser Kulisse: Stehen Broder oder Giordano für das multikulturelle, vielfältige Deutschland? – Wer da einfach 5 Prozent ausgrenzt (so, wie die Nazis 1 Prozent ausgegrenzt haben), der steht für das Gegenteil. Auch wenn er sagt, gegen Polen habe er nichts. Seine Fußtruppen würden, sobald die Muslime “ausgeschafft” wären, auf die nächste Minderheit losgehen. Denn die Leidenschaft strebt nach Homogenität, und davon kriegt man nie genug. Immer gibt es Abweichler, Außenseiter – und die braucht dieser Typus für die eigene Identität so unbedingt wie den eigenen Namen.

  21. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Vor dieser Kulisse: Stehen Broder oder Giordano für das multikulturelle, vielfältige Deutschland?”
    Wo fordern Broder oder Giordano die “Ausschaffung” von Muslimen?
    Broder gibt hier übrigens eine gute “neu-deutsche” Miniatur:
    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/wenn_man

    Und nochmals: Wer steht jetzt so konkret für das “neue Deutschland”?
    Sie selber und Herr Bade sind doch auch eher alt.
    Nennen Sie mal Namen.

  22. Das neue Deutschland wird sich in der Zukunft nicht mehr durch Herkunft, Genetik und Abstammungsstrukturen definieren können – dies erlaubt schon der demografische Wandel nicht mehr.
    —————-
    Selten so einen Quark gelesen. Jeder Mensch frägt irgendwann in seinem Leben nach seiner Herkunft, seiner Identität. Das mussten auch kürzlich die Samenbanken feststellen. “Ich will wissen, wer mein Vater ist” [ also von wem ich abstamme ] und zum Glück hat ein hohes deutsches Gericht gesagt, ja Du hast das Recht, dies zu erfahren. Ein Schlag ins Gesicht für die Gleichmacher, wo Familie doch für die “Phalanx-Fraktion” dort ist, wo Kinder sind.
    Ich kann mich glücklich schätzen, zu einem der wenigen Menschen zu gehören, der dem linken Phalanx-Lehrer schon vor vielen Jahren beim Lügen ertappt hat. Dieser meinte, der demographische Wandel werde dafür sorgen, daß es immer weniger Länder gebe. Nach meinem Einwand, daß doch in den letzten Jahren die Zahl der Länder ( und damit der Identitäten) gestiegen wird, wußte der Professorendummk… keine logische Erklärung und versuchte es auf einen Zufall zurückzuführen.

  23. Das ist kein Quark. Gerade die fast vollständige Individualisierung der Gesellschaft spricht dagegen. Der Wunsch zu wissen, wer der biologische Vater ist, hat eher mit dem Grundrecht auf Schutz der Familie zu tun und die damit zusammenhängende Gleichbehandlung mit anderen Menschen, die ihre Eltern kennen. Es geht auch nicht um Gleichmacherei sondern um Gleichberechtigung, was gerne verwechselt wird, aber einen erheblichen Unterschied ausmacht.

  24. Die einzelnen Menschen bzw. Familien werden sich durchaus noch ihrer Herkunft bewusst sein,
    probayern.
    Sie verfehlen den Punkt in dieser Argumentation: Als Deutsche werden sie sich nicht mehr durch Herkunft, Genetik und Abstammungsstrukturen definieren. Als Deutsche! Denn Deutscher wird man sein durch die deutsche Staatsbürgerschaft – egal, ob die Eltern und Großeltern auch schon Deutsche waren oder ob sie Chinesen oder Türken waren.

    Man könnte meinen, für Sie gibt es nur die nationale Identität und sonst keine. Millionen Zeitgenossen beweisen Ihnen, probayern, bereits heute, dass das nicht stimmt. Und dass man in unserer Welt der Vielfalt multiple Identitäten ausbildet.

    Was die Zahl der Länder angeht – ich als Linker hab schon immer Sympathien für Sezessionen gehabt. Ich finde, die Tschechen und die Slowaken haben es gut gemacht. Und im Falle Jugoslawiens war ich vom 1. Tag des Konfliktes an der Meinung, das beste sei es, die “Länder”, aus denen Jugoslawien besteht, trennen sich, und zwar entlang der offiziellen Provinzgrenzen, bei starkem Minderheitenschutz, für den Europa garantieren sollte. Ich war auch für die Unabhängigkeit des Kosovo. Da, wo die “Ehe” unverträglich wird, ist Scheidung angebracht.

    Wie Sie sehen, kann man als Linker durchaus die Unabhängigkeitsbestrebungen von Regionen für eine erfreuliche Entwicklung halten. Man kann sich ja danach wieder – als selbständige Einheit – in größere Zusammenhänge einbringen, etwa in die EU.

  25. Jakobiner meint:

    Bester Conring:
    “conring meint:
    19. März 2013 um 21:06

    @ Jakobiner
    “…dass man mit dem Idealbild des WASP-Americas nicht mehr eine zukunftsfähige Wahlbasis und Existenzbasis für das Land aufstellen wird.”
    Obama spricht, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, das Englisch eines Ostküsten-WASPs. Und inszeniert sich (Fottball-Fan, Christ, familienmensch,Barbecue etc.) auch so.”

    Das ist ja möglich, aber sie unterschätzen da die Symbolwirkung, dass ein Schwarzer US-Präsident werden konnte, was seitens der Demokraten schon einigen Mut erforderte. Die Republikaner jammern ja jetzt, dass Romney vor allem einen WASP-Wahlkampf führte, der Minderheiten, Junge und Frauen ausschloss. Angesprochen wurde der weisse, ältere WASP-Mann.Zudem: Die ganzen WASSP-County-Clubs und Boheme-Societies waren früher für Schwarze, Juden, Frauen und Minderheiten off limits. Das hat sich in den USA geändert. Wo sie wohl nicht ganz unrecht haben, ist, dass die sich emanzipierenden Minderheiten den bürgerlichen Stil der ehemligen WASP-Society nachahmen.Aber dieses Phänomen hat man überall. Man siehe die deutschen Proletarier, die sich sonntags in bürgerliche Kleidung zwängten mit Anzug, Schlips und Krawatte.So wollte man dokumentieren, das man dazugehört.

  26. conring meint:

    “Die Republikaner jammern ja jetzt, dass Romney vor allem einen WASP-Wahlkampf führte, der Minderheiten, Junge und Frauen ausschloss.”
    das stimmt. allerdings gibt es jede Menge Republikaner (Santorum etc.), die meinen man weg vom Wasp-Image und mehr hin zu den Rednecks.
    Und eine Politik, die sich auf Bibel, Pump-Gun und Dosenbier stützt, dürfte für Minderheiten und Frauen auch nicht so atraktiv sein.

    Daneben halte ich von diesen ganzen sozio-kulturellen Wahlergebnisdeutungen nicht so viel. Obama hat z.B. auch viele Stimmen von weißen Mittelstandhausfrauen (den Soccer Moms) bekommen. Die sind auch ziemlich WASPig.

    Übrigens hat man auch nach dem Sieg von Bush II über Kerry überall lesen könnne, dass die politische Hegemonie der Republikaner auf Jahre hinasu gesichert sein.

  27. David Carbone meint:

    “So sehr Sarrazin, Kelek, Broder, PI & Co auch hetzen mögen gegen Muslime oder Türken.”

    Ich wüsste gerne mal, wann Broder und Kelek gegen Muslime und Türken gehetzt haben.

  28. Hat Broder nicht damals behauptet, dass der Völkermord an den Armeniern Hitlers Vorlage für die Endlösung der Judenfrage war? Und Kelek hat erzählt, dass muslimische Männer sich ständig entleeren müssen.

  29. conring meint:

    @ KM
    “Hat Broder nicht damals behauptet, dass der Völkermord an den Armeniern Hitlers Vorlage für die Endlösung der Judenfrage war? ”
    Unser Führer hat wahrscheinlich gesagt dass sich für die Ermordung der Juden durch uns auch keiner mehr interressieren, ähnlich wie bei der Armeinier-Beseitigung in der Türkei.
    Aber Sie können sicher da Broder-mäßig da doch irgendein Zitat herbei mit der “Vorlage” bringen.?
    Und “Kelek hat erzählt, dass muslimische Männer sich ständig entleeren müssen.”
    Eiine gute Verdauung ist doch positiv.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*