Jugendliche Flüchtlinge in der Bayernkaserne: München contra Bayern

asylDas Land Bayern kaserniert über 140 Jugendliche in einem Block der Bayernkaserne.

Dass das Ärger schafft – ist das der Staatsregierung egal?

Passt ihr das vielleicht grade mal in den Wahlkampf?

Eigentlich sollten in Haus 58, das die Regierung im Dezember von der Stadt übernommen hat, maximal 120 “unbegleitete minderjährige Flüchtlinge” übergangsweise untergebracht werden. Derzeit sind es 138, dazu sieben junge Männer über 18 Jahre, die insgesamt auf 42 Zimmer verteilt leben. Sie sollten, sagt Stefanie Weber, so schnell wie möglich auf Jugendhilfeeinrichtungen verteilt werden, spätestens nach drei Monaten. Denn eine vernünftige Betreuung, die traumatisierte junge Menschen dringend bräuchten, gibt es hier nicht.

(SZ)

Der örtliche Bezirksausschuss, die Innere Mission (die etwas Betreuung vor Ort macht), die Grünen im Stadtrat und im Landtag – und nun auch die Stadt München offiziell fordern Bayern auf, alle Jugenlichen endlich die die Obhut von Jugendämtern in Bayern zu geben. Es zu machen, wie es auch einige andere Bundesländer machen: die Jugenlichen in Jugendhilfe-Einrichtungen unterzubringen.

Die Jugendlichen brauchen qualifizierte Betreuung, keine Bewachung durch einen Sicherheitsdienst, dessen Personal nicht gelernt hat, wie man mit traumatisierten jugendlichen Flüchtlingen umgeht.

Die Probleme in der Bayernkaserne kann man nicht den Jugendlichen anlasten.

Alleingelassen, so fühlen sich viele Jugendliche hier. Einige warten seit sieben Monaten, dass irgend etwas passiert: dass sie einen Deutschkurs belegen können, dass sie das Lagerleben endlich hinter sich lassen können. Die Regierung sagt, sie will jetzt die Zahl der Jugendlichen in Haus 58 auf 50 bis 70 reduzieren. “Ich will, dass die Jugendlichen hier rauskommen”, sagt Stefanie Weber. Nur wie, das weiß sie auch nicht so recht.

Immerhin sucht ihre Behörde nun einen neuen Sicherheitsdienst, von dem bisherigen will man sich trennen. Bis dahin hofft sie einfach auf besseres Wetter, damit sich die Jugendlichen im Freien aufhalten können: “Im Sommer”, sagt sie, “ist die Situation hier viel entspannter.”

In München leben zurzeit mehr als 1.200 Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Eltern oder sonstige verwandtschaftliche Begleitung hierher geflohen sind.

Das Jugendamt ist an sich berechtigt – und durch die UN-Kinderrechtskonvention auch verpflichtet – diese Kinder und Jugendlichen in Obhut zu nehmen.

Die Staatsregierung sieht das für die 16-18jährigen nicht ein.  Für sie sind die 16-18jährigen “asylmündig”. Bayern WILL, dass sie wie die Erwachsenen zunächst im Lager hausen müssen – entgegen dem Kinder- und Jugendhilferecht.

Sven Loerzers Kommentar in der SZ ist auf der Seite des Bayerischen Flüchtlingsrats digital zu bekommen:

Süddeutsche Zeitung, 19.03.2013

Junge Asylbewerber: Staatlich gewollte Kasernierung

Ihre Eltern sind weit weg, möglicherweise gar nicht mehr am Leben. Die Jugendlichen, die vor allem aus Afghanistan und Somalia nach München kommen, haben oft furchtbare Kriegserlebnisse hinter sich, haben Gewalt erlitten und sind unter lebensbedrohenden Umständen geflüchtet. Der Staat steckt die jungen Asylbewerber, die kein Wort Deutsch sprechen, erstmal in eine seiner Aufnahmeeinrichtungen, die tatsächlich Abschreckungseinrichtungen sind: Kasernierung hinter Stacheldraht, ein Sicherheitsdienst, der durch rassistische Äußerungen von sich reden macht – alles scheint darauf angelegt zu sein, nur möglichst unangenehme Erinnerungen zu wecken.

Es bedarf keines Studiums der Sozialpädagogik, um zu erkennen, dass eine solche Umgebung alles andere als der richtige Platz für psychisch hoch belastete Jugendliche ist, die häufig traumatisiert sind von Kriegs- und Fluchterlebnissen. Das enge Zusammenleben unter schwierigsten Bedingungen schafft zusätzlichen Stress, obwohl eigentlich ein stabiles soziales Umfeld nötig wäre, um das Erlebte aufzuarbeiten.

So gab es Hungerstreiks, Suizidversuche und zuletzt eben die wüste Schlägerei. Nun hat der Freistaat wieder ein bisschen mehr soziale Betreuung zugestanden, doch die Lebensverhältnisse in der Jugendkaserne kann das nicht zum Besseren wenden. Die Jugendlichen sollen da ja nicht lange bleiben, heißt es beschwichtigend.

Ein solches Lagerleben dürfte das Jugendamt niemals akzeptieren, nicht für Jugendliche, die hier aufgewachsen sind und nicht bei den Eltern leben können, aber auch nicht für junge Flüchtlinge. Doch weil das Amt kaum hinterherkommt, Plätze für jene zu schaffen und zu finden, die aus der Bayernkaserne ausziehen dürfen, hält es still. Auf diese Weise aber macht es sich mitschuldig an der staatlich gewollten Kasernierung.

Sven Loerzer

Kommentare

  1. Hagspiel Marion meint:

    Wer auch immer diese Email bekommt und eventuell dahin weiterleitet wo sie hin gehört

    ich habe sehr lange im Internet gesucht und diese Anschrift erschien mir als die, die am ehesten weiter führt.

    Ich habe über einige Zeit einige Artikel und TV Reportagen über die Probleme der jungen Asylsuchenden in München in der Bayernkaserne verfolgt.
    Seit vielen Jahren habe ich für internationale Unternehmen gearbeitet, spreche Englisch und Französich fliessend und würde gerne den Jugendlichen, die dort untergebracht werden mit Rat und Tat zur Seite stehen. Sie brauchen Perspektive, sie brauche Verständnis und das Gefühl angenommen zu werden. Ich arbeite seit 5 Jahren in einem internationalen Unternehmen, wo vom Bangladeshi, über den Philippino zum Inder und Pakhistani oder Somali alle angestellt sind. Ich habe von all diesen Menschen erfahren, wie sie leben, wie der poitische Hintergrund in ihrem Land ist und was sie sich vom Leben wünschen usw.
    Was mich auszeichnet ist Verständnis für Menschen, die alles hinter sich lassen, weil sie ein besseres Leben suchen, oder weil sie keine andere Chance sehen. (Wieviel Mut braucht man dazu)

    Natürlich habe ich einen Beruf, der mich sehr in Anspruch nimmt – und habe nur wenig Zeit, die ich regelmässig in München verbringen kann, aber meine Kollegen in Indien nennen mich: Lioness, Tiger, Matachi (Mutter). und kaum hab ich sie verlassen, um meinem Job im Anlagenbau eines DAX30 Unternehmen in München wieder aufzunehmen, schon kommt das:’Medem, when do you come back`?’
    Ich denke, ich habe ein Händchen für junge Menschen…

    Na , wie auch immer, sollten Sie Bedarf sehen, dass jemand mit Sinn und Verstand und Einfühlungsvermögen für Ihre Schützlinge da ist, würde ich gerne einspringen.

    Mit freundllichen Grüßen
    Marion Hagspiel

  2. Hallo, ich habe gerade Ihren Kommentar gelesen. Ich bin ehrenamtlich in der Bayernkaserne tätig (allerdings vorwiegend im Familienbereich). Wenn Sie dort ehrenamtlich tätig werden wollen, setzen Sie sich doch bitte mit der Inneren Mission in Verbindung. Frau Schlüter koordiniert die Ehrenamtlichen im Erwachsenenbereich und kann Sie ggf. an die Kollegin im UMF-Bereich weiterleiten, T: 089 1433224-43.
    Viele Grüsse!

Trackbacks

  1. [...] Januar 2013 waren 190 unbegleitete Minderjährige in der Erstaufnahmeeinrichtung “Bayernkaserne” untergebracht, einer früheren Kaserne, die nur über 90 Plätze verfügt. Das bedeutet, dass bis [...]

  2. [...] “Die Jugendlichen brauchen qualifizierte Betreuung, keine Bewachung durch einen Sicherheitsdienst, dessen Personal nicht gelernt hat, wie man mit traumatisierten jugendlichen Flüchtlingen umgeht.” http://blog.initiativgruppe.de/2013/03/21/jugendliche-fluchtlinge-in-der-bayernkaserne-stadt-contra-… [...]

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*