Kinderbücher sind eigentlich schon immer recht multikulti-freundlich gewesen.

buchOder gibt es Ausnahmen?

Multikulti-freundlich war zum Beispiel Michael Endes Puppenspiele mit Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer – Jim Knopf und die Wilde 13.

Zwei Klassiker, in denen die Tatsache, dass Jim Knopf dunkelhäutig ist, nur am Anfang, als das Baby Jim nach Lummerland kommt, kurz thematisiert wird: “Ach, das Baby ist ja schwarz”. Nachdem dies festgestellt wurde, wird Jim adoptiert und als neuer Einwohner und Untertan des Königs aufgenommen. Seine Hautfarbe spielt im weiteren Verlauf der Geschichte keinerlei Rolle mehr.

Ich bin mit diesen Büchern aufgewachsen und habe sie geliebt, weil sie wunderbar fantasievolle Geschichten erzählen – ohne ein einziges Mal den pädagogischen Zeigefinger zu heben!

So ging mir das auch.

Also ich kann mich erinnern, dass Kinderbücher schon immer ein fröhliches Miteinander gepredigt haben. Vielleicht war der Fokus nicht nur auf Vorurteile gegenüber “Fremden” bzw. anders Aussehenden, aber Respekt für anderen Menschen im Allgemeinen war immer Tenor. Kinderbücher die dieses Thema behandeln sind heute wahrscheinlich nötiger als früher, aber ich möchte mich sassenach(Nr.7) anschließen. Man merkt als Kind oft ob ein Buch “erziehen” soll oder nicht.
Aber es ist ein guter Anfang, doch denke ich, dass der größte Einfluss durch die Eltern ausgeübt wird.
Auf das wir “Wir” werden!

Das sind zwei Leserposts zu einem Rezensions-Artikel der ZEIT von Katrin Hörnlein über Kinderbücher, die sich heute mit dem Thema des Miteinanders beschäftigen: Die = Wir.

Inzwischen gibt es bei uns eine Kinderliteratur, die pointiert, frech und mutig aufgreift, was in unserer Gesellschaft normal ist: dass Kinder unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Aussehens, Kinder, die verschiedene Sprachen sprechen und unterschiedlichen Glaubensrichtungen angehören, zusammenleben. In den vergangenen Jahren sind einige bemerkenswerte Kinderbücher von deutschen oder in Deutschland lebenden Autoren erschienen, die das Mit- oder auch Nebeneinander unterschiedlicher Kulturen ganz selbstverständlich literarisch aufgreifen. … … 

Mit Humor und Leichtigkeit zu erzählen, mit Klischees und Vorurteilen zu spielen – das sind wesentliche Merkmale, die den Umgang mit dem sperrigen Thema Integration in aktuellen Kinderbüchern auszeichnen.

Ausgrenzung, Diskriminierung gehören zum Alltag, also auch zum Alltag von guten Kinderbüchern. Wie geht man damit um? Kinder lernen nicht durch den moralischen Zeigefinger, sondern in und durch Situationen, die sie beeindrucken.

Die ersten Bücher, die wir lesen, sind Kinderbücher.

Natürlich ist das gute oder schlechte Beispiel der Eltern die Hauptsache. Aber Bucherlebnisse können mithelfen, sich zu orientieren und Handlungsmöglichkeiten zu entdecken.

Gibt es eigentlich auf dem Markt auch rassistische Kinderbücher? Kinderbücher, die Kindern beizubringen versuchen, dass Deutschland “überfremdet” wird und dass “fremde” Kinder “böse” sind?

Im Dokumentationszentrum Obersalzbert (bei Berchtesgaden) kann man ein sorgfältig gezeichnetes brutal antisemitisches Kinderbuch durchblättern.

Trauen sich diejenigen, denen das Hetzen gegen Minderheiten wichtig ist, heute nicht mehr, ihre Ressentiments auch mal in einem Kinderbuch zu präsentieren?

Vielleicht kauf ich mir demnächst mal ein Multikulti-Kinderbuch.

Vielleicht einen Band von Antonia Michaelis’ Kinderdetektivbandenreihe Kreuzberg 007.

Pelle und die Geschwister Bella und Max sind in dem »besonders bunten Stadtviertel« Berlin-Kreuzberg zu Hause, und so bunt wie ihr Kiez ist die Besetzung: Der Vater von Bella und Max hat dunkle Haut und schwarze Augen, kommt aus Indien und kennt sich gut mit Computern aus. Seine Frau hat grüne Augen, braune Haare und kommt aus Hamburg. Bella gleicht der Mutter, Max dem Vater. Pelle ist irritiert, als er die Geschwister kennenlernt: »Dein Bruder heißt Max? Er sieht so indisch aus, und Max ist ein ganz deutscher Name. Das passt doch nicht…« Bella fährt ihn daraufhin an: »Max ist deutsch. Wetten, er ist viel deutscher als du?«

Pelle mit seinem deutschen Vater ist in dem Kreuzberg 007-Kosmos derjenige, der anders ist. Die Bande lebt und bewegt sich ganz selbstverständlich in einem Kulturensammelsurium. Die Besitzerin des Cafés, in dem die Kinder häufig sitzen, heißt Maria und kommt aus Griechenland. Gegenüber verkauft der »Secondhand-Russe« mottenzerfressene Pelzmäntel, und ein Stückchen weiter hängt ein Araber immer getrocknete Pfefferminzbüschel vor seinen Laden. Am Ende des ersten Bandes taucht schließlich noch die Studentin Alberta auf, mit »schokoladenkuchenfarbener Haut« und wilden schwarzen Locken. »›Die kommt aus Afrika‹, wisperte Pelle. ›Wie – du meinst – jetzt gerade?‹, wisperte Max zurück.«

Kommentare

  1. Jakobiner meint:

    Viele Kinderbücher sind dies aber auch noch nicht. 5 Freunde, die Hardy-Boys, Hanni und Nanni,etc.–allessamt eine rein weisse Angelegenheit.Neben der Kinderliteratur sind auch viel prägender: die Fernsehsendungen. Vor allem die Walt Disneyproduktionen haben zumeist eine/n Schwarze/n, eine/n Asiat/in, eine/n Weißen als Protagonisten.Das hängt damit zusammen, dass die USA sich als multikulturell definieren und zum zweiten, dass diese Filme auch für den globalen Markt gemacht sind, also auch in China oder Afrika laufen können.Es gibt auch schon eine eigene indische Heldin “Sally Bollywood”.

  2. Jakobiner meint:

    Dazu halte ich es übertrieben, wenn jetzt jedes Kinderbuch eine multikulturelle Quotierung haben sollte.

  3. Jakobiner meint:

    Die als sozialdemokratische Reformerin und alternativpädagogische Kinderbuchautorin bekannte Astrid Lindgreen hat ebenso nur weiße Protagonisten, ob nun Pipi Langstrumpf, Karlson auf dem Dach, Michel aus Löneberga,etc.
    Bei Pipi Langstrumpf wird ja jetzt auch kritisert, dass es rassitsich sei, da Pipi von ihrem Vater in der Originalausgabe als “dem Negerkönig”sprach. Das wurde jetzt umgeschrieben in “Südseehäuptling”.

  4. Jakobiner meint:

    Ebenso sind bei Ottfried Preussler alle allesamt weisse Protagonisten: Die Kleine Hexe, Räuber Hotzenplotz, Das kleine Gespenst, Krabat,etc. Und auch Ottfried Preußler werden inzwischen schon Rassismusvorwürfe gemacht und es sollen seine Bücher umgeschrieben werden.Man kann es auch übertreiben!

  5. Das alles sind nicht unbedingt “rassistische” Beispiele, also Fälle, in denen Kinder zur Verachtung gegenüber “Fremden” aufgerufen werden. Es herrscht doch auch bei Lindgren oder Preussler Respekt vor den Mitmenschen, egal, welcher Herkunft und wie sie ausschauen und reden.

    Niemand, der vor 1970 “Neger” geschrieben hat, kann was dafür; man hat das Wort damals auch nicht unbedingt negativ konnotiert. Auch Martin Luther King hat kein anderes Wort verwendet.

    Man könnte eher an den Struwwelpeter denken.

  6. Jakobiner meint:

    Ich habe auch nicht behauptet,dass Lindgreen und Preußler Rassisten waren, eher das Gegenteil.Wie hätte wohl Erich Kästner sein “Emil und die Dedektive”in heutigen Berlin/Neuköln geschrieben? Die damaligen kleinen Dedektive waren ja alles deutsche Kinder.Wären Emil und die Dedektive dann heute auch eine Multikultitruppe? Und wollen die heutigen Multikultimenschen ihren KIndern dann Lindgreen, Preußler, Kästner, Hanni und Nani, 5 Freunde,etc. überhaupt noch zu lesen geben oder ist das dann schon politisch zu unkorrekt?

  7. Bitte lasst doch die Kinderbücher Kinderbücher sein!
    Ohne erhobenen pädagogisch erzieherisch multikulturell erhobenen Zeigefinger:
    wir sind eine multikulturelle Gesellschaft, deshalb müssen Kinderbücher auch pädagogisch multikulturell sein, um unsere Kinder pädagogisch auf die multikulturelle Gesellschaft vorzubereiten und darauf zu trimmen.

    Scheiß drauf! Lasst doch Kinderbücher einfach Kinderbücher sein, die den Kindern Spaß machen ohne pädagogische erzieherische Komponente.
    Ob weiß, ob schwarz ob bunt.
    Ich finde es ehrlich zum Kotzen, wenn Kinderbücher auch noch danach bewertet werden ob sie auch multikulturell sind.

    Also lasst Kinderbücher aus dem Spiel raus!

  8. Jakobiner,
    ich meinte nicht, dass du meinst, dass …

    Das Beispiel mit Kästner ist sehr gut. Er würde heute eine Multikultitruppe aufmarschieren lassen – es war ja auch damals in Berlin schon eine bunt zusammengesetzte Schar, klassenübergreifend, ganz unterschiedliche Typen und Milieus kommen zusammen und verbinden ihre Stärken miteinander.

    Was ich ebenso wie du ärgerlich finde, ist es, wenn jemand ahistorisch argumentiert. Wenn einer zum Beispiel Preußler oder Lindgren was unterstellt, nur weil sich der Wortgebrauch geändert hat.

    Stellen wir uns mal vor, in 50 Jahren sagen die Schwarzen, der Ausdruck Schwarze für sie sei diskriminierend, und der Ausdruck Afroamerikaner für amerikanische Schwarze ganz besonders … und sie bestehen drauf, dass ein anderer Ausdruck gebraucht wird – muss dann jeder Text, der heute geschrieben und in 50 Jahren noch gelesen wird, umgeschrieben werden?

    Ich hab schon Leute sagen hören, Martin Luther King zeige sich selber vom Rassismus infiziert, weil er Schwarze noch – wie damals üblich und ohne Alternative – Neger genannt habe.

  9. Klaro,
    natürlich stellt man an Kinderbücher Ansprüche.
    Ansprüche, die mit der Sprache zu tun haben, aber auch Ansprüche, die mit dem zu tun haben, was Kinder lernen sollen.
    Gibt es Kinderbücher, die ohne pädagogische Hintergedanken geschrieben werden? – Nicht dass ich wüsste.

    Allenfalls die Kinder selber könnten solche kind-authentischen Kinderbücher schreiben – wenn sie überhaupt Bücher schreiben könnten.

    Zum Beispiel bin ich mir sicher, dass man den Kindern keinen Hardcore Porno anbieten möchte. Also, Josephine Mutzenbacher ist ein ErwachsenenPorno, auch wenn die ersten 300 Seiten oder so die Josephine eine Minderjährige ist. Da hätten Sie, Klaro, einen Kinderbuchtext, der gewiss ohne erzieherische Komponente ist.

    Generell, Kinderbücher empfehlen den jungen Lesern nicht, Bildung zu vermeiden, Lehrer zu verprügeln, Eltern zu verachten, Freunde zu belügen, Kameraden zu bestehlen, Schwächere niederzumachen, gegen Minderheiten zu hetzen, Morde als Heldentaten zu verehren, …

    Lauter pädagogische Vorentscheidungen.

    Bei Romanen für Erwachsene sind das nicht unbedingt geltende Vorentscheidungen.

  10. Jakobiner meint:

    “Generell empfehlen Kinderbücher nicht…Morde als Heldentaten zu verehren, …”

    Naja, ich habe als Kind auch begeistert die Nibelungen gelesen. Das strotzt ja voll Intrigen und Mord- und Totschlag.Fand ich aber superspannend, als diese erlesen harmlose Literatur. Die Frage ist aber, ob Kinder überhaupt noch soviel Bücher lesen–seit Nintendo und Gameboy ist der Griff zur Videospielekonsole wohl näherliegend–vor allem bei den Kindern der Unterschichten oder wie es so schön heißt “bildungsferner Schichten”.

  11. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Ich hab schon Leute sagen hören, Martin Luther King zeige sich selber vom Rassismus infiziert, weil er Schwarze noch – wie damals üblich und ohne Alternative – Neger genannt habe.”
    Bei King würde mich auch mal interessieren, was die N-Wort-Alamisten jetzt mit seiner Dream-Rede machen. Die steht samt N-Wort in vielen deutschen Lehrbücher. Muss die jetzt raus? Oder wird “Negros” durch “People of Color” ersetzt? Letzteres würde allerdings den schönen Prosarythmus zerstören.

  12. conring meint:

    “Zum Beispiel bin ich mir sicher, dass man den Kindern keinen Hardcore Porno anbieten möchte. Also, Josephine Mutzenbacher ist ein ErwachsenenPorno,..”
    wahrscheinlich von selbem Autor wie Bambi.
    Beim pädagogischen Anspruch von Kinder- und Jugendlieratur ist doch auch sehr die Frage, was da jetzt vermittelt wird und wie. Aus der Lindgreen-Lektüre kann man doch eigentlich immer die Lehre ziehen, dass man als junger Mensch irgendwelchen erwachsenen Autoritäten mißtrauen soll.
    Desweitreren ist auch die Frage, ob die Kinder den Autoren immer auf den pädagogischen Leim gehen. So ist das große Thema der erfolgreichen Jugendbuchreihe “Twilight”, dass man keinen Sex vor der Ehe haben darf. Ich glaube nicht, dass viele Leserinnen da der Autorin folgen.

    “Alice in Wonderland” wäre übrigens ein Kinderbuch ohne jeden pädagogischen Anspruch.

  13. “Gibt es Kinderbücher, die ohne pädagogische Hintergedanken geschrieben werden?”

    Astrid Lindgren hat also nach Ihrer Meinung Pippi Langstrumpf Bücher mit pädagogische Hintergedanken geschrieben?
    Michael Ende hat also nach Ihrer Meinung Bücher mit pädagogischen Hintergedanken geschrieben?
    Otfried Preussler hat also nach Ihrer Meinung Bücher mit pädagogischen Hintergedanken geschrieben?

    Nein.

    Welcher Vollidiot kam eigentlich auf den Gedanken, diesen Autoren Rassismus zu unterstellen?

  14. Ich dachte immer, Alice in Wonderland ist DAS Kinderbuch mit dem gelungensten pädagogischen Anspruch. Was setzt die logische Phantasie eines intelligenten Kindes mehr in Bewegung als dieses Buch? Leider bin ich erst als Erwachsener drauf gestoßen.

    In meinem Fall haben Das Neue Testament, Karl May, die Klassischen Sagen des Altertums (in der Schwab’schen Fassung) sowie der Film “Der Dieb von Bagdad” und der Kästner-Film Das doppelte Lottchen besonders stark gewirkt. Auch Fury, Am Fuß der Blauen Berge, Bonanza

    Insgesamt kann man sagen, das Angebot war nicht zufriedenstellend.

    Martin Luther King als negro:

    Man kann von der Rede lernen, dass negro kein pejorativer Begriff sein muss.

    Es gibt einen Typus von Mensch, der seltsam empfindlich reagiert auf sowas Oberflächliches wie einen Begriff. Der Begriff ist für diesen Typus schon fast die ganze Realität. Er fragt nicht, was meinst du, wenn du den (eventuell umstrittenen) Begriff B gebrauchst? Für diesen Typus ist die Sache schon immer entschieden. X gebraucht B, B gilt hier und heute als rassistisch, ergo ist X ein Rassist.

    Da kann man nichts machen.

    Begriff und Realität liegen in den Köpfen dieser Leute nicht weit genug auseinander, beides verschmilzt. Das erzeugt den notorischen Kurzschluss.

    Analog geht es bei denen, die glauben, ich müsste immer von AusländerInnen und MigrantInnen und TürkInnen (und DeutschInnen?) sprechen. Sie sind ernsthaft überzeugt, dass es zur Diskriminierung des weiblichen Geschlechts wesentlich beiträgt, wenn ich Türken Türken nenne und nicht TürkInnen.

    Jemand sagt hier und heute Neger - und es ist nichts Rassistisches in ihm. Die Frau respektiert voll und ganz die Schwarzen. Aber sie ist 85 jahre alt und hält sich an den gewohnten Sprachgebrauch und versteht nicht recht, wo hier das Problem ist.

    Jemand anderes sagt hier und heute Schwarze - und vibriert dabei vor rassistischer Verachtung und Abgrenzung. An der Oberfläche ist aber alles in Ordnung.

  15. “Fury, Am Fuß der Blauen Berge”

    Nicht zu vergessen Rin-tin-tin!

    Ach, Am Fuß der Blauen Berge…
    Das bringt mir meine Kindheit zurück!

  16. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Ich dachte immer, Alice in Wonderland ist DAS Kinderbuch mit dem gelungensten pädagogischen Anspruch.”
    Liegt vielleicht auch daran, dass Carroll einfach keinen pädagogischen Anspruch hatte. Die Geschichten hat er sich nun wirklich aus eher zwilichtigen Motiven ausgedacht. Er wollte eben in Kontakt mit den pubertierenden Töchtern seiner Kollegen, vor allem Alice Liddell, treten. Die hat er zu Picknicks eingeladen und ihnen dann seine Storys erzählt.

  17. conring meint:

    @Leo Brux
    “Sie sind ernsthaft überzeugt, dass es zur Diskriminierung des weiblichen Geschlechts wesentlich beiträgt, wenn ich Türken Türken nenne und nicht TürkInnen.”
    Das Binnen I ist nun wirklich eine Erfindung des Teufels. Ich stehe damit auch auf Kriegsfuß.
    Dass “Negro” und seine deutsche Form rassistisch sind, habe ich persönlich erst bei der Kinderbuchdebatte mitgekriegt. Vorher dachte ich immer, dass das pejorative N-Wort das mit Doppel G sei.

  18. Jakobiner meint:

    Was ich mich aber frage ist, ob die pädagogisch wertvolle Kinderliteratur überhaupt eine Chance gegenüber den ausufernden Videospielen hat. In den meisten Videospielen bekämpfen sich ja Rassen, wird kolonialisiert und erobert, gemordet und gemetztelt–und meist zählt nur der höchste Killerscore.

  19. Das ist die traurige Wahrheit.

    Unsere Rechtspopulisten und Rassisten haben damit einen großen Vorsprung.

    Gut möglich, dass Sozialforscher eine starke Korrelation zwischen Videokillern und rechtspopulistischer Jugend feststellen können.

    Wir hatten hier ja auch schon mal einen, der einen aktuellen Thriller mit hochkonstruiertem und paranoid zugespitztem Drehbuch für “realer” hält als unsere tatsächlichen Erfahrungen und als die Statistik.

  20. Jakobiner meint:

    Es wäre auch einmal interessant nachzuforschen, ob es auch antiislamische Video(killer)spiele gibt. Und nicht nur der 96-Psycho ist von diesem Brutaloscheiß angetan, sondern auch Maddrassa of Time: Die “Orks”stammen ja aus Tolkiens Herr der Ringe. Wäre mal zu untersuchen, inwieweit Tolkiens Werke Rassismus und Brutalität begünstigen. Umgekehrt sind aber die zwergwüchsigen Hobbits da die eigentlichen Helden.Man sollte also auch sehen: Bei vielen Medienproduktionen sucht sich der Leser, Zuschauer,etc. die ihm genehmen Sachen raus. Ich kenne auch sehr viele friedliche und antirassistische”Herr der Ringe”-Konsumenten.

  21. Ich hab mich weder mit der Figuren- noch mit der Handlungswelt von “Herr der Ringe” je anfreunden können.
    Vielleicht hätte ich das lesen sollen, als ich noch Jugendlicher war. Aber war es für mich nicht verfügbar.

    Ab ca. 12 hab ich wöchentlich mein PerryRhodanHeft verschlungen. Eine bescheuerte Lektüre, wie ich mit ca. 17 schließlich gemerkt habe … Aber immerhin hat diese Serie eine ganz selbstverständlich kosmopolitische und multikulturelle Welt zur Grundlage. Höchst fremdartig aussehende Wesen konnten “gut” sein. Wirklich Fremdartiges und Herausforderndes kam aber kaum vor. Dem bin ich dann (ab 17) beim Lesen von Tolstoi, Hemingway, Brecht, Kafka begegnet. Das Fremde ist in unserem banalen Alltag zu finden – und in unseren eigenen Köpfen.

  22. Jakobiner meint:

    Die Pherry Rhodanhefte der 50er Jahre wurden dann ja abgelöst durch die TV-Sere “Raumschiff Enterprise”–eine Oneworldserie.Chef ein Ami, zusammen mit Russen,Chinesen,Schwarzen (Ohura) und in Kooperation mit Vulkaniern und Romulanern gegen die bösen kriegerischen Klingonen auf der Mission ist, neue Welten und Lebensformen zu entdecken. In den 70ern dann Mondbasis Alpha 1, Starwars und in den 80ern Battlestar Galactica.Bei Star Wars geht es aber wie beim Herrn der Ringe um “die Macht”, die korrumpiert.Battlestar Galactica war dagegen sehr einfach gestrickt und eher reaktionär.

  23. conring meint:

    @ Jakobiner
    Tolkiens “Herr der Ringe” kann man schon als reaktionär bezeichnen. Die dortige Welt ist klar in Gut und Böse unterteilt, wobei die Guten (Gandalf, Elfen, Aragon) eben auch schon gut aussehen und die Bösen (Orks, Schwarze Reiter) echt scheiße. Dass “Herr der Ringe” zum Hippie-Kultbuch geworden ist, zeigt eben, dass der Autor die Leserrezeption seines Werkes nicht vollständig bestimmen kann.
    Die amerikanische Philosophin Ayn Rand hätte sich wahrscheinlich auch nicht vorstellen können, dass sie als militante Atheistin und praktizierende Bisexuelle mal als Ikone reaktionärer Christen enden würde.

  24. Ich denke dieser rote Faden Kampf zwischen Gut und Böse zieht sich durch alle Epochen. Gerade die Bibel ist sozusagen eines der Urbücher über den Kampf zwischen Gut und Böse.

    Ich glaube wir Menschen mögen dieses Schwarz/Weiß Denken.
    Vielleicht sind die meisten in einer Welt aus Grautönen, in dem die vermeintlich Guten auch zugleich die Bösen sein können, überfordert? Zumindest eignet sich das nicht sonderlich als Material für gute Filme, das ist wahrscheinlich dem Medium Film geschuldet.

    Gerade differenzieren zu können, die Motive zu hinterfragen, kritisch auch gegenüber dem “Guten” zu sein, ist eine Errungenschaft die mehr und mehr in den Hintergrund rückt. Zumindest kommt es mir so vor, oder vielleicht ist es auch nur das Überangebot, wenn jeden Monat zig Filme/Bücher auf den Markt geworfen werden, kann man nicht erwarten, dass die Qualität und der Anspruch hoch sind.
    Man muss sich die Perlen heutzutage schon mühsam raussuchen.

    Früher hat man auf das Buch eines bekannten Autoren sehnsüchtig gewartet, es wurde viel Ehrgeiz und Zeit in diese Bücher gesteckt.

    Heute sind sie reiner Konsum. Alleine die Tatsache, dass wir teilweise 200-300 Jahre alte Bücher lesen und es uns beim ersten mal wie eine Offenbarung vorkommt, zeigt doch, dass die Anzahl an qualitativ hochwertigen Medien schrumpft, auch wenn sie vielleicht in absoluten Zahlen gleich geblieben ist.

    Das soll keine Anklage sein, es ist wahrscheinlich völlig natürlich. Wir leben in einer Informationsgesellschaft und jeder ist irgendwie unter Stress und Zeitdruck, zumindest kommt uns das so vor. Die Zeiten in denen man sich wirklich intensiv mit einer Materie auseinandergesetzt hat scheinen vorbei zu sein. Wir sind vielleicht die nächste Stufe auf der Evolutionsleiter der “Homo Generalis”.
    Der Alleskönner, der von allem ein bischen weiß, aber von nichts alles.

  25. conring meint:

    @ Norbi
    “Früher hat man auf das Buch eines bekannten Autoren sehnsüchtig gewartet, es wurde viel Ehrgeiz und Zeit in diese Bücher gesteckt.”
    Sowas gibt es heute auch noch. Der Fantasy-Autor Georg R. R. Martin schreibt jetzt seit über 20 Jahren an seinem Epos “A Song of Ice and Fire”.
    Der arme Mann kriegt von seinen Fans echte Hass-Mails, weil er nicht schnell genug vorankommt. Für den letzten Band hat er acht Jahre gebraucht.

  26. @Conring

    Ja sicher, ich glaube nur früher war das vielleicht eher die Regel? Ich will nicht in Abrede stellen, dass heute nicht auch Qualität sowohl in Büchern als auch in Filmen produziert wird, auch besonders aus Hollywood.

    Mir fehlen nur die bedeutenden Werke wie sie ein Edward Gibbon geschrieben hat, die noch Jahrunderte nach dem Erscheinen diskutiert werden und Menschen faszinieren.

    Vielleicht gibt es sie, nur ich kenne sie nicht?

  27. conring meint:

    @ Norbi
    “Mir fehlen nur die bedeutenden Werke wie sie ein Edward Gibbon geschrieben hat, die noch Jahrunderte nach dem Erscheinen diskutiert werden und Menschen faszinieren.”
    Da gibt es einfach das Problem: Keiner weiss, welche Kulturprodukte der jetzigen Zeit in der Zukunft noch interessieren.
    Paul Heyse (Literatur-Noibelpreis 1910) liest heute niemand mehr.
    Und auch Göthes Schwager Christian August Vulpius liest niemand mehr. Obwohl der Mann zu seiner Zeit mehr verkauft hat als Göthe.

  28. Schwer zu sagen, was man in 100 Jahren, in 300 Jahren für gut finden wird, wenn man die Film- und Literaturproduktion unserer Zeit anschauen wird.

    Es muss auch durchaus nicht sein, dass die in 300 Jahren recht haben mit ihrer Wahl, recht haben mit ihrer Bewertung der Qualität.

    Von meinem Sprachgefühl her würde ich sagen, dass die deutsche Literatur heute spürbar schwächer ist, als sie es bis in die 50er Jahre hinein war. Aber das ist kein Urteil, das ich mit Überzeugung und großer innerer Sicherheit fällen könnte.

    Kürzlich hab ich mal eine amerikanische Liste angeschaut: die 100 Top Musik-LPs des 20. Jahrhunderts. Alle in den Top 10 stammen aus den 60er und 70er Jahren (einige Beatles-Alben, dazu Rolling Stones, Doors, Dylan, Beach Boys …). Waren diese zwei Jahrzehnte (genau die, in denen auch ich als junger Mensch leidenschaftlich mit dieser Musik mitgegangen bin) wirklich so überragend?

  29. Die amerikanische Philosophin Ayn Rand hätte sich wahrscheinlich auch nicht vorstellen können, dass sie als militante Atheistin und praktizierende Bisexuelle mal als Ikone reaktionärer Christen enden würde.

    conring,
    das ist ein Satz, der trifft ins Schwarze.
    Man könnte ihn auch auf Jesus anwenden, wenn man sich die Kreuzzüge oder die heutigen US-Evangelicals vor Augen hält.

    Bei Ayn Rand würde ich aber, anders als bei Jesus, sagen: Sie hat es sich redlich verdient.
    Als Leiche kann es ihr aber egal sein.

    Das Beispiel zeigt: Niemand, der als Berühmtheit stirbt, kann sich sicher sein, vor dem Ayn Rand’schen Schicksal verschont zu werden.

    Unter den aktuellen spektakulären Fällen möchte ich noch Mao nennen: Auch heute noch der Abgott der rabiat kapitalistischen KPCh.

  30. Jakobiner meint:

    Ein auch völlig faszinierendes Buch, das ich gerade lese, war in den 20er Jahren noch sehr beliebt, in den 50er Jahren sogar Abithema und sehr viel gelesen, spielt aber heute keine Rolle mehr und ist völlig in Vergessenheit geraten: “Der Untergang des Abendlands” von Oswald Spengler. Was mir da sehr gut gefällt daran,, ist, dass er Weltgeschichte nicht eurozentrisch begreift und auch die griechisch-römische Kultur, auf der die Generationen von Humanisten aufbauten, als beschränkt und ahistorisch auffasst.Über die Ansicht, dass eine Kultur ein Organismus mit Lebensphasen sei, kann man sich streiten, aber ich finde diesen Gedanken lesenswert. Ich glaube solch grundsätzliche Werke sind heute nicht mehr Abithema–das Abi scheint mehr zu verflachen.

  31. Wenn schon viele Germanistikstudenten – wie man hört – kaum noch Bücher lesen wollen …

    Eine der schönsten Fehlleistungen Sarrazins war, uns weismachen zu wollen, es wären die in 50 Jahren bei uns überwiegenden Muslime, die Goethes “Unter allen Gipfeln ist Ruh …” aus unserem Kanon verdrängen würden.

    Es sind die Mittel- und Oberschichten von heute, urdeutscher Herkunft und muttersprachlich deutsch, die schon heute kaum noch einen Bezug zur klassischen Literatur haben.

    Der Spengler hat fast 1000 Seiten, und die sind ganz schön anspruchsvoll. Wieviel Prozent der Abiturienten mit Leistungsfach Deutsch sind in der Lage, MIT VERGNÜGEN ein 1000Seiten-Sachbuch zu lesen? (Denn nur wenn’s auch Spaß macht tut man sich das an.)

  32. “Der Untergang des Abendlandes” steht schon seit längerem auf meiner Liste zu lesender Bücher. Ein Buch mit großem Anspruch, das gewissermaßen die Zeichen des Verfalls aufzeigen möchte.
    Soweit ich weiß nicht unumstritten enthält es wohl auch viele Ansichten die heute wie damals auf viel Abneigung gestoßen sind? Das Inhaltsverzeichnis hat mich dann doch bischen abgeschreckt.

    Wichtig finde ich neues zu produzieren, wenn es in 50 Jahren einen Dichter in Deutschland gibt, der auf einem ähnlichen Niveau wie Goethe schreibt, was wäre dagegen einzuwenden.
    Gut ist es auch nicht, in der Vergangenheit zu leben, ständig auf den Leistungen der Vorfahren aufzubauen. Das heißt zum Beispiel konkret, die tausendste Wagner Oper zu besuchen oder das millionste Beethoven Konzert.

    Aus Deutschland kommen leider kaum noch Kulturgüter, das ist schade. Ich frage mich woran das liegt? Ist es unser Bildungssystem oder das die die Gesellschaft auf Produktivität und nicht auf Kreativität getrimmt wird?

    In dieser Hinsicht bewundere ich die Amerikaner, wie sie neue Erzählformen erfinden, bereits vorhandene Sachen weiterführen. Seien es banale Sachen wie Filme oder Comics. Das sind teilweise riesige Industrien, die weltweit exportieren und die Menschen in anderen Ländern prägen.

    Vielleicht ist es garnicht so wichtig, dass man Goethe auswendig kennt und Romeo und Julia zig mal gelesen hat. Vielleicht ist es viel wichtiger, die Menschen so weit zu bringen, dass sie selbst anfangen Kultur zu produzieren, auch wenn man hier in Deutschland, die USA in der Hinsicht eher belächelt. Ich frage mich, worüber man wohl nach 300 Jahren reden wird als prägende Kultur im 20. Jahrhundert? Was können wir als Deutschland da vorweisen, die Konservierung von Kompositionen und Dichtungen?

  33. conring meint:

    @ alle Spengler-Fasionados
    Wenn Ihr wirklich ein kulturpessimistisches Werk mit echten Tiefgang lesen wollt, dann würde ich doch Jacob Burckhardt, Griechische Kulturgeschichte empfehlen. Ist um einiges tiefsinniger als Spengler und auch pessimistischer. Kommt aucvh auf fast 2000 Seiten.

  34. Jakobiner meint:

    Zu Norbi:

    “Wichtig finde ich neues zu produzieren, wenn es in 50 Jahren einen Dichter in Deutschland gibt, der auf einem ähnlichen Niveau wie Goethe schreibt, was wäre dagegen einzuwenden.
    Gut ist es auch nicht, in der Vergangenheit zu leben, ständig auf den Leistungen der Vorfahren aufzubauen. Das heißt zum Beispiel konkret, die tausendste Wagner Oper zu besuchen oder das millionste Beethoven Konzert.Aus Deutschland kommen leider kaum noch Kulturgüter, das ist schade. Ich frage mich woran das liegt? Ist es unser Bildungssystem oder das die die Gesellschaft auf Produktivität und nicht auf Kreativität getrimmt wird?In dieser Hinsicht bewundere ich die Amerikaner, wie sie neue Erzählformen erfinden, bereits vorhandene Sachen weiterführen. Seien es banale Sachen wie Filme oder Comics. Das sind teilweise riesige Industrien, die weltweit exportieren und die Menschen in anderen Ländern prägen. ”

    Dem stimme ich völlig zu. In Europa hat sich ein gewisser Kulturchauvinismus breit gemacht, der meistens nur auf Nostalgie der Klassik setzt und nichts mehr Modernes von Qualität hervorbringt, sondern Konformität und Faulheit begüsntigt–immer mit dem Fingerzeig auf das böse”kulturlose Amerika”.Wie hochnäsig und arrogant. Ebenso wird die anglosächsische Popkultur gar nicht als Kultur wahrgenommen, obwohl viele der jüngeren Generation davon geprägt sind (seien es nun die Marvelcomics, die moderne mythische Superhelden kreiiern, die die alten griechischen Götter ersetzen). Aber wann war denn mal ein deutscher Philosoph der Neuzeit so prägend wie Marx, Hegel, Spengler,etc? Aber die stehen alle unter Ideologieverdacht und Sloterdijik ist ja wohl erbärmlich und Habermas auch kaum ein Name von Weltrang. Und der letzte deutsche Schriftsteller, der den Nobelpreis erhielt war Günther Grass und das ist schon einige Zeit her. Die letzte musikalisch prägende deutsche Bewegung war die Technomusik, die aus Berlin hervorging und die Loveparade wurde international bekannt und war das grösste weltweite Open-Air-Konzert.Inwiefern man das als Kultur bezeichnen kann—umstritten.

  35. Jakobiner meint:

    Die letzte deutsche Philosophin, die in den USA und weltweit Furore machte, war Hannah Arendt und das ist auch schon lange her.Als Lesetip:

    Hannah Arendt, die deutsche Philosophie und der US-Pragmatismus

    Ich war heute abend im Kino “Hannah Arendt” von Magarethe von Trotha. Ich habe von MvT bisher die Filme Bleierne Zeiten (über die RAF), Rosa Luxenburg und Hildegar von Bingen gesehen. Trotha ist ein bißchen feministisch und möchte uns die grossen Frauen der deutschen Geschichte näherbringen. Diese gefielen mir aber alle mal besser als der Arendt film. Meine Kritik: Der Film bleibt oberflächlich und inhaltlich sehr fragmentarisch. Ellenlange nebensächliche Szenen aus dem Leben Arendts werden gezeigt, aber der Eichmannprozess und die Diskussion darum kamen erst im letzten Viertel und gerade als es mal interessant zu werden droht, bricht der Film gerade ab.Man hätte aber schon nach dem ersten Viertel die inhaltlichen Diskussionen um die “Banalität des Bösen” bringen sollen, dann wäre er interesant und anregend gewesen.Zumal auch mir auffiel, dass der Einfluss Heideggers auf Arendt überhaupt nicht kam, nur dass es eben mal eine Liebesaffäre zwischen beiden gab.Man erfährt nichts über Heideggers Denken und seine Philosophie und den Einfluss auf die gute Hannah.Hannah Arendth ist bekennend in die Heideggerseminare gegangen, um “das Denken zu lernen” und ihre Hauptkritik an Eichmann und dem Nationalsozialismus ist “die Unfähigkeit zu denken”. Inwieweit dies ein Seitenhieb auf ihren ehemaligen Ideengeber und Geliebten Heidegger war, bleibt ungewiss. Aber sie springt immer wieder gerne zwischen “Denken”, bzw. der “Unfähigkeit zum Denken” und “dem Bösen”, bzw.der “Banalität des Bösen”. Ein Wechselbad zwischen Moralkritik und Rationalitätskritik, die da vermengt wird, als hänge Denken und Moral so ursächlich miteinander zusammen und erschliesse die Ratio die Moralität.Zudem Arendth eben auch alle Fronten zwischen Gut und Böse, Tätern und Opfern verschwimmen lässt, wenn sie die Judenräte als für den Holocaust mitverantwortlich macht, bzw, die Ausdehnung “der Bösen” auf alle Lebensbereiche und Menschengruppen so abstrakt aufmacht. Aber hier hat Magarethe von Trotha nicht weitergebohrt. Das wäre aber die eigentliche Leistug eines solchen Filmes gewesen. Kurz: Der Film blieb weit unter meinen Erwartungen und unter dem Potential, das das Thema hat.Hannah Arendt operiert selber mit metaphsisch-religiösen Begriffen wie “das Böse”, abstrahiert den ganzen Holocaust philosophisch und verwechselt auch noch die Ursache und Wirkung, wenn sie den Judenräten eine Mitschuld am Holocaust gibt. Da kann ich sehr wohl verstehen, dass die jüdische Gemeinschaft und Israel gegen diesen krassen Vorwurf heftigen Protest artikulierte.Die eigentliche Kritik kommt von der Assistentin vom New Yorker-Herausgeber Shawn, die eben meint “Wieder so eine europäische Philosophin!”. Gemeint ist damit wohl, dass in den USA als Kernland des Positivismus und Pragmatismus die deutsche Philosophie sehr kritisch beäugt wird, da sie eben nicht so sehr fakten und ergebnisorientiert ist, sondern gerne metaphysische Modelle und Weltbilder entwirft und zur Abstraktion neigt.Karl Popper hat ja die deutsche Philosophie von Marx bis Heidegger immer daraufhin kirtisiert, dass sie mit ihren Begrifflichkeiten und Wortschöpfungen und philosophisch-abstraktem Konvult mehr verdecke, verschleiere, Begriffe und Zusammenhänge verwirre als aufklärerisch zu sein, ja daher immer unter Ideologieverdacht stehe. Und dies alles trifft eben nicht nur auf Heidegger, sondern eben auch auf Hannah Arendt zu.

  36. Jakobiner meint:

    “Es sind die Mittel- und Oberschichten von heute, urdeutscher Herkunft und muttersprachlich deutsch, die schon heute kaum noch einen Bezug zur klassischen Literatur haben. ”

    Dem würde ich mal widersprechen. Gerade die Ober- und Mittelschichten stopfen doch ihre Kinder in die Klassik hinein , machen da konfuzianische Zitierroboter ala KM , Nachäffer und Kopierer draus, anstatt sie -wie Norbi richtig bemerkte-dazu anzuhalten, selbst mal Eigenständiges zu produzieren.
    Mit Anzug und Krawatte auf ein Wagnerkonzert, eine Lesung, eine Oper und ein Klavierkonzert zu gehen, wird da kulturchauvinistisch als Bildung und alles andere als bildungsfern definiert.

  37. Jakobiner meint:

    Loriot hat ja in seinem Papa Ante Portas dieses saturierte Bildungsbürgertum bestens portraitiert–vor allem die Lesung eines Dichters–Rabel, rabel!!! Und ich lese auch lieber das Kleine Arschloch von Walter Moers als Sloterdijiks neuesten sozialdarwintischen Philosophenerguss!!!

  38. Jakobiner meint:

    Zu Norbi:

    “Der Untergang des Abendlandes” steht schon seit längerem auf meiner Liste zu lesender Bücher. Ein Buch mit großem Anspruch, das gewissermaßen die Zeichen des Verfalls aufzeigen möchte.
    Soweit ich weiß nicht unumstritten enthält es wohl auch viele Ansichten die heute wie damals auf viel Abneigung gestoßen sind? Das Inhaltsverzeichnis hat mich dann doch bischen abgeschreckt. ”

    So ging es mir am Anfang auch und vor allem am Anfang bei Spengler, als er sagt er sei Metaphysiker, wo ich doch Materialist bin.Aber man sollte sich mal auf andere Gedankenwelten und Sichtweisen einlassen,zumal eben Spengler nicht eurozentrisch, sondern sehr kosmopolitisch argumetiert und zugleich einmal die humanistische Dokrtrin von den angeblich so allesgescheiten Griechen und Römern anzweifelt und diese beschränkt und ahistorisch–wie die indische Philosophie-nennt. Man kann sich gar nicht mehr vorstellen wieviel Ärger sich Spengler seitens der humanistisch geprägten Menschen seiner Zeit eingefangen hat. Und heute gilt Spengler als political incorrect, was ja auch wieder seinen Reiz ausmacht. Die Zeiten, als man der Geschichte noch eine innere Logik zugestand gilt heute als tabu.Natürlich existiert Geschichte nicht als Organismus, sondern wird von Menschen, die Gesellschaften machen und deren Handlungen gemacht, aber ob diese Menschenansammlungen eben nicht kollektiv gewisse Trends haben, ist eben schon überlegbar. Ich würde es nicht so metaphysisch wie Spengler analysieren, aber in der Phänomologie scheint er ja recht zu haben.

  39. conring meint:

    @ Jakobiner
    Spengler lohnt sich heute auch schon dadurch nicht mehr so richtig, da der Mann, änhlich wie Dr. Sarrazin, sich als Hellseher betätigt. Das “Abendland” dürfte es anch Spengler längst nicht mehr geben.

  40. Jakobiner,
    möchtest du jetzt BlogIG ganz übernehmen?
    Man liest nur noch Jakobiner, Jakobiner, Jakobiner.

  41. conring meint:

    Mit dem Verlesen der Martin Luther King-Rede kann man übrigens in taz-Leser-Kreisen einen echten Skandal auslösen und sich als Rassist profilieren:
    http://www.taz.de/Kolumne-Besser/!114947/

  42. conring,
    danke für die Verlinkung – ich stehe da ganz auf Deniz Yücels Seite und hab ja auch hier schon zweimal einen fight gehabt, in dem mir Rassismus vorgeworfen wurde.

    Es handelt sich bei den gehirnamputierten Antirassisten nicht unbedingt um taz-Leser. Das sollte schon allein Deniz Yücels Artikel in der taz hinlänglich zeigen.

    Warum sollte es auf der linken Seite nicht auch Spinner geben?
    Die taz macht sich durchaus nicht gemein mit ihnen.

  43. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Es handelt sich bei den gehirnamputierten Antirassisten nicht unbedingt um taz-Leser.” Ich weiß nicht. In den wie immer bei Yücel sehr zahlreichen Kommentaren wird doch auch wie immer wieder sehr oft mit der taz-Abokündigung gedroht.

  44. Es gibt schon mal ein paar. Na und? Wenn’s für die taz gefährlich viele wären, würde sie einen Artikel wie den von Yücel nicht bringen, oder nur mit einem Konterartikel gepaart.

  45. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Wenn’s für die taz gefährlich viele wären, würde sie einen Artikel wie den von Yücel nicht bringen, oder nur mit einem Konterartikel gepaart.”
    ich wage mal die Behauptung, dass Yücel gegenwärtig der beste taz-Autor ist. Und irgendwelche Kommentatorenunmut weckt der Mann immer.Die einen drohen mit der Abo-Kündigung und die anderen wollen den Flörsheimer gleich nach Ankara ausweisen.

  46. Es freut mich und versöhnt mich (ein wenig) mit Ihnen, dass Ihnen Deniz Yücels Artikel gefallen.
    Ich bin nicht immer seiner Meinung, aber man hat immer bei ihm ordentlich was zum Beißen. Tatsächlich also ein guter Kommentator!

  47. Hier ist noch ein sehr multikulti-freundliches Kinderbuch! Das Kinderbuch “Bunt, gleich und anders … wie Du und ich“ von Temu Diaab, öffnet den Blick für die Vielfalt der Welt und fördert unsere Menschlichkeit. Besonders für Kinder im Alter von 3-6 Jahren ist es am einprägsamsten, diese Vielfalt zwischen den Menschen, Pflanzen und Tieren als Normalität näher zu bringen. via http://www.diaab.de

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*