Die stillen Deutsch-Koreaner. Feiern wir ihr 50jähriges Jubiläum!

asienEtwa 31.000 Koreaner leben in Deutschland.

Überwiegend sind sie “Gastarbeiter” und ihre Nachkommen.

Martin Hyun, einer dieser Nachkommen, erinnert uns daran (im MiGAZIN):

Am 16. November 1963 trat das Anwerbeabkommen, eine „Vereinbarung über ein Programm zur vorübergehenden Beschäftigung koreanischer Bergarbeiter im deutschen Steinkohlenbergbau“ zwischen beiden Ländern in Kraft.

Die erste Gruppe von 263 koreanischen Bergarbeitern traf im Zeitraum zwischen dem 21. und 27. Dezember 1963 in Deutschland ein.

Rund 120 koreanische Bergarbeiter fanden bei Grubenunglücken den Tod.

Auch die Koreaner haben maßgeblich zum Beitrag des Wirtschaftswunders in Deutschland beigetragen.

Von 1963 bis zum Anwerbestopp 1977 kamen rund 8.000 koreanische Bergarbeiter nach Deutschland.

Weitere 10.000 Krankenschwestern folgten ihnen.

Vom allgemeinen Anwerbestopp ausländischer Arbeitnehmer, bedingt durch die Ölkrise im Jahr 1973, waren die Koreaner zunächst verschont geblieben.

Die Anwerbung weiterer koreanischer Gastarbeiter wurde damit begründet, dass Deutschland dadurch „technische Entwicklungshilfe“ leistet.

Im Jahr 2004 geht der letzte koreanische Bergarbeiter in Rente.

Im November gibt es also ein Jubiläum: 50 Jahre koreanische Gastarbeiter in Deutschland.

Martin Hyun beneidet ein wenig die Deutschtürken – wie wurde doch ihr 50jähriges Jubiläum 2011 gefeiert.

Er fragt sich, warum sich kaum jemand in Deutschland für die Deutsch-Koreaner interessiert. Er schlägt als Erklärung die Aspirin-Tabletten-Theorie vor:

Mein Freund der Rabbiner Yitzchak Mendel aus Krefeld sagte mir einmal, dass Integration nicht bedeuten darf, sich wie ein Aspirin in Wasser aufzulösen.

Die Koreaner in Deutschland haben sich gut, vielleicht zu gut, integriert, wie ein Aspirin, das sich in Wasser aufgelöst hat.

Doch mit der aussterbenden ersten Generation Koreaner in Deutschland wird spätestens nach der vierten Generation keine koreanische Kultur in Deutschland geben, wenn wir es weiter zulassen uns so zu formen, wie die Mehrheitsgesellschaft es will.

Mit lakaienhaften, lautlosen und schwachen Asiaten kann man das schließlich machen.

Martin Hyun begehrt dagegen auf:

Doch wenn laut- und teilnahmslos, sowie in einer parallelen koreanischen Infrastruktur zu leben Integration bedeutet, dann sollten wir diesen Begriff neu anfangen zu definieren.

Zudem sollten wir uns die Frage stellen, wenn die Koreaner in Deutschland so eine hohe Bildungsquote vorweisen, wo spiegelt sie sich in den deutschen Unternehmen wieder? Dort sehe ich kaum asiatische Gesichter.

50 Jahre der Stille und Lautlosigkeit sind genug. Jetzt ist die Zeit gekommen, die Stille und Lautlosigkeit in ohrenbetäubendem Lärm und Partizipation umzuwandeln.

 

Vielleicht wäre auch das ein Grund, sich durch einen Festakt zu bedanken:

Über 70% der zweiten Generation koreanischer Nachkommen in Deutschland haben schätzungsweise mindestens ein Abitur oder einen noch höheren Bildungsabschluss – im Verhältnis mehr als doppelt soviele wie in der übrigen Bevölkerung.

Wikipedia

In den letzten Wochen haben wir etwas erleben können, das uns beeindrucken könnte: Wie gelassen die Südkoreaner auf die atomaren Drohungen Nordkoreas reagiert hat.

Ein gespaltenes Land – das irgendwann einmal wohl eine Wiedervereinigung erleben wird. Das wäre gerade für uns spannend.

Wer ist Martin Hyun?

Martin Hyun wurde 1979 in der nordrhein-westfälischen Samt- und Seidenstadt Krefeld geboren.

Hyun ist Sohn koreanischer Gastarbeiter und studierte Politik sowie International Relations in den USA und Belgien.

Er war der erste koreanischstämmige Bundesliga-Profi in der Deutschen Eishockey Liga sowie Junioren Nationalspieler Deutschlands.

Seit 1993 ist er glücklicher deutscher Staatsbürger. Im Europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs engagierte er sich als Botschafter in Deutschland.

Er gehört dem Netzwerk von Führungskräften mit Migrationshintergrund der Bertelsmann Stiftung an und nahm als ein Vertreter der Koreaner in Deutschland 2008 am Forum Demographischer Wandel teil, das von Bundespräsident Horst Köhler initiiert wurde.

Seit 2010 schreibt er die Kolumne »Integration im 16:9 Format« für das Migrationsmagazin MiGAZIN. 2010 gründete er die interkulturelle Initiative Hockey is Diversity, um die Vielfalt, die im Sport schon lange als Bereicherung angesehen wird, auch in die Gesellschaft zu übertragen.

Sein Erstlingswerk »lautlos – ja, sprachlos – nein« über die Integrationsgeschichte der koreanischen Gastarbeiter in Deutschland verlieh den wegen ihrer Unauffälligkeit gern übersehen Grenzgängern zwischen Korea und Deutschland erstmals eine Stimme.

Sein aktuelles Buch: Ohne Fleiß kein Reis: Wie ich ein guter Deutscher wurde (Die Autoren-Bio stammt von der gleichen amazon-Seite)

Aus einer Rezension:

“Schon der Buchtitel kokettiert mit seiner Musterintegration.

Er packt, was er erlebt hat, in Anekdoten. Wenn er sie erzählt, spürt man, dass er stolz ist. Stolz darauf, seine Eltern stolz gemacht zu haben.

Und gleichzeitig weiß er, dass er auch als Alibi herhalten muss, und will sich dafür nicht vereinnahmen lassen.

Seine Geschichten erzählen auch, dass gelungene Integration eben nicht genug ist. Für ihn nicht und erst recht nicht für alle, die nicht so leicht durchs deutsche Bildungssystem gleiten.

(Der Freitag)

Koreaner in München (von Lokalen abgesehen)

 

Kommentare

  1. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Martin Hyun beneidet ein wenig die Deutschtürken – wie wurde doch ihr 50jähriges Jubiläum 2011 gefeiert.”
    Liegt wahrscheinlich daran, dass die Deustchtürken die begabtesten Krachmacher sind. Irgendwelche italienischen etc. Jubiläen sind auch nicht gefeiert worden.

    “Dort sehe ich kaum asiatische Gesichter.”
    Liegt wahrscheinlich daran, dass die sich, da wenige, ziemlich gut verteilen. Ansonsten braucht Herr Hyun als Nachwuchs-führungskraft doch nur in den Speigel zu gucken.

    “…wenn wir es weiter zulassen uns so zu formen, wie die Mehrheitsgesellschaft es will.”
    Leicht paranoid. Was soll der große mehrheitsgesellschaftliche Formungsplan sein?

    “Jetzt ist die Zeit gekommen, die Stille und Lautlosigkeit in ohrenbetäubendem Lärm und Partizipation umzuwandeln.”
    Wo wird irgengjemand darin gehindert in diesem Land herumzukrakelen und zu partizipieren?

  2. Im Ernst, haben die Türken all die Jahrzehnte viel Krach gemacht?
    Sie waren bemerkenswert ruhig und leise.
    Erst als sich die conrings etc. über sie her gemacht haben, hat man sowas wie Lärm vernommen. Hauptsächlich von den urdeutschen Krachmachern. Logisch, dass die urdeutschen Krachmacher dann den Krach ihren Opfern in die Schuhe schieben.

    Für Sie, conring, ist nur Assimilation akzeptabel.
    Nicht für mich.

  3. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Für Sie, conring, ist nur Assimilation akzeptabel.”
    Was ist “Assimilation”?

  4. Jakobiner meint:

    Naja, die Südkoreaner wären wohl für Sarrazin der Beleg, dass asiatische Einwanderer eben muslimischen Einwanderern überlegen sind.Fügen sich brav ein, haben exzellente Bildung, sind Streberinnen, die Goethegedichte bei Sarrazinveranstaltungen zitieren, stellen den UNO-Generalsekretär, haben aus ihrem Herkunftsland eine der grössten Volkswirtschaften und Exportnationen der Welt gemacht, exportieren nicht nur Autos, Elektronik, Schiffe, Hightech,,sondern auch Gangnam Style und Korean Wave als Lifestylemodels–vile erfolgreicher als die Chinesen und zumal: alles im Gegensatz zu ihren Schmuddelbrüdern in Nordkorea. Gibt es eigentlich auch nordkoreanische Gastarbeiter als Überbleibsel der DDR?

  5. conring meint:

    Wie soll übrigens die Aspirin-Auflösung der Koreaner verhindert werden?
    Die Gruppe ist eben relativ klein. Weist in der zweiten und dritten Generation auch keine großen kulturellen und religiösen Unterschiede zur mehrheitsbevölkerung mehr auf.
    Will Herr Hyun die Deutschkoreaner per Gesetz in koreanische Kulturkurse zwingen oder ebenfalls per Gesetz Mischehen verbieten?
    Kleine Einwanderungsgruppen werden fast immer assimilert. Ist auch den Normannen in England und den Hugenotten in Preußen a la Longue passiert.

  6. Jakobiner meint:

    “Im Ernst, haben die Türken all die Jahrzehnte viel Krach gemacht?
    Sie waren bemerkenswert ruhig und leise.”

    Keineswegs. Der Fordstreik 1973, der Maßstäbe für die deutsche Arbeiterbewegung setzte,wurde von BILD als “Türkenstreik”denunziert. Der Hintergrund war, dass die linken, marxistischen Gruppen der türkischen Gastarbeiter sehr aktiv und kämpferisch waren, weit mehr als ihre deutsche Genossen beim DGB. Sie waren damals die Avantgarde und hier begannen Diskussionen, ob die türkischen Gastarbeiter zum deutschen Proletariat zählen oder nicht, bzw. wie der DGB mit diesen Gruppen umgehen solle.Integrieren, ausgrenzen? Deutsches Proletariat türkischen Gastarbeitern gegenüberstellen, den Fordstreik als “undeutsches Phänomen”behandeln oder aber Klassen-Solidarität zu üben.

  7. Jakobiner meint:

    “Wie soll übrigens die Aspirin-Auflösung der Koreaner verhindert werden?”

    Ja, bei den Asiaten reicht es ja kaum zum Chinatown, Little India oder Little Pakistan in den Metropolen–anders als in London oder den USA. Neukölln und München/Westend sind da eher muslimische Kepab-Hoheitsgebiete, die Mc Donalds verdrängen.Die Türken sind nun mal am zahlreichsten, anders eben als die Asiaten.

  8. conring meint:

    @ “Ja, bei den Asiaten reicht es ja kaum zum Chinatown,..”
    In Düsseldorf gibt es sowas wie ein “Japantown”. Die japanische Kolinie dort umfasst ca. 6500 Menschen. Wobei es meistens um Mitarbeiter japanischer Firmen und ihre Familien handelt. bei denen ist es klar, dass sie anch ein paar Jahren wieder nach Japan zurückkehren.

  9. Jakobiner meint:

    Und wenn man sieht, dass es türkische Organisationen waren, die Sarrazin vor den UNO-Menschenrechtsaussuchuss gezerrt haben, kann man wirklich nicht sagen, dass türkische Gruppen nicht die lautstarkesetn wären.Auch der türkische Politiker, der meinte, man solle jeden Hausbrand in Deutschland auf türkische Häuser erst mal unter Rechtsradikalenverdacht stellen. Die Türken sind sehr wohl sehr lautsark. Aber dagegen habe ich nichts.Man muss sie nur mal wieder einbremsen und auf die deutschen Realitäten zurückstutzen.

  10. Jakobiner meint:

    “Will Herr Hyun die Deutschkoreaner per Gesetz in koreanische Kulturkurse zwingen oder ebenfalls per Gesetz Mischehen verbieten?
    Kleine Einwanderungsgruppen werden fast immer assimilert. Ist auch den Normannen in England und den Hugenotten in Preußen a la Longue passiert.”

    Völlig richtig beobachtet von Conring. Man schaue mal, wie der laotiosche Stamm der Hmong in Deutschland inzwischen assimiliert ist.Siedlungsgebiet vor allem Stuttgart. Damals noch nützliches Kanonenfutter für die CIA gegen den Vietcong, wurden die Hmongs Immigranten in Deutschland, den USA,etc. In Deutschland haben sie sich völlig aufgelöst, nichts mehr ist von ihren Bräuchen existent. In den USA konnte man die Hmongs noch in Clinton Eastwoods Film “Gran Torriono”sehen mit allen Assimilierungs- und Zerfallserscheinungen.

  11. Jakobiner meint:

    Zu den Hmongs, deren Assimilation noch eine Filmkritik zu Eastwoods “Gran Torrino”:

    Filmkritik: Gran Torino–Amerikas Wiedergutmachung für den Vietnamkrieg–Suizid als Reaktion auf Asiens Aufstieg
    Kaum ein Krieg hat in den USA solch ein Trauma hinterlassen wie der Vietnamkrieg. Während die Great Generation noch auf den 2.Weltkrieg stolz war, Korea noch eine Art Patt war, stellte Vietnam die ultimative Niederlage dar und demoralisierte die US-Nation bis in die Grundfesten. Seitdem gab es zahlreiche Filme, die den Vietnamkrieg versuchten zu verarbeiten.Während der erste kritische Film mit „Hanoi“-Jane Fonda das Schicksal eines Vietnamsoldaten, der zum Krüppel geschossen wurde, thematisierte, brachte Deer Hunter von John Milius ( auch Regisseur von”Conan, der Barbar”) mit Robert de Niro eine eher patriotisch-proletarisch-rassistische Darstellung des Vietcong. Bei Francis Coppolas “Apocalypse Now” ist man sich nicht klar, ob dies ein Antikriegsfilm sein soll, da die Szene einer Napalmbombadierung eines vietnamesischen Dorfes mit der Musik von Wagners Walkürenritt schon kriegsästethisch-verherrlichend ist wie Ernst Jünger, der einst meinte, dass ein gutes Glas Champagner vor dem Hintergrund einer brennenden Stadt im Kriege sehr schön sei, da sich die Feuersbrunst in den Sektperlen wiederspiegelten.Auch wird gerade diese Szene heute schon bei dem US-Militär zur Anheizung der Soldaten als Propagandafilm gebracht.”Rambo”mit Sylvester Stallone war auch mal wieder eine Trauerapologie auf den gefallenen Vietnamveteranen, der in den USA seine Achtung erkämpfen muss, wobei er dann aber in den darauffolgenden Teilen wieder heldenhaft für US-Kriegsgefangene in Vietnam, für Djihaddsiten in Afghanistan und dann gegen die Militärjunta in Burma kämpft.”Full Metal Jacket”von Stanley Kubrich ist bestenfalls ambivalent.

    Der Filmemacher, der in den 90ern das Vietnamtrauma am dominierendsten aufarbeitete war Oliver Stone. Sein mehrteiliger Epos zog sich über “Platoon” zu „Born on the 4th of July“ bis zu „Zwischen Himmel und Erde“. Während die ersten beiden Vietnamfilme immer nur die US-Perspektive der poor US-boys hatten, war „Zwischen Himmel und Erde“ das erste Mal, dass die Lebensgeschichte eines konvertierten Vietcongmädels erzählt wurde—erstmals eine vietnamesische Sicht des Krieges, wenngleich mit buddhistischem Vergebungskitsch. Der Film kam in die Kinos nachdem Clinton erstmals versuchte, die Beziehungen mit Vietnam wieder zu normalisieren.

    Ich lernte 1992 Clintons Agrarexperten in Saigon kennen, der mit einem französischen Landwirtschaftfachmann nach Vietnam gekommen war, um das Potential Vietnams als zukünftigem Reisexporteur auszukundschaften und neben einem Friedensmarathon in Ho-Chi- Minh-City von US- und Vietcong-Kriegsveteranen erste Kontakte anzubahnen. Dies waren die ersten Vietnamkontakte des damaligen Gouverneurs von Arkansas, Clinton, der damals noch gar nicht als US-Präsident gehandelt wurde, aber ein wesentlicher Antreiber des Aussöhnungskurses wurde. Es war ein Indikator, dass es in den USA Kräfte gab, die eine Wiederherstellung der Beziehungen mit Vietnam suchten. Unter Clinton wurde dies auch Regierungspolitik und Oliver Stones Film war hierzu die propagandistische Begleitung, die in der Filmindustrie diesen aussenpolitischen Wandel reflektierte. Südvietnamesische Oppositionsgruppen drohten US-Kinos damals noch mit Bombenanschlägen falls sie „Zwischen Himmel und Erde“ zeigten, was dann aber nicht geschah. Aber es war ein Zeichen, dass Amerika mit Vietnam und Asien „ins Reine“ kommenwollte.

    Ähnlich ist auch der Hintergrund von Grand Torino. Es ist ein patriotischer Wiedergutmachungsfilm, der die Grenze zum Symbolkitsch deutlich überschreitet.Das kollektive Unterbewusstsein Amerikas spiegelt sich hier wieder: Während des Vietnamkrieges hatte die CIA im Regierungsauftrag den Minderheiten- und Bergstamm der Hmong gegen den Vietcong aufgerüstet und diesen dann ebenso schnell fallen lassen, als der Erfolg ausblieb. Dies wird heute noch von US-Patrioten und Hmong-Vertretern als Verrat der USA an den Hmong gesehen, der für diese tödliche Folgen hatte.

    “Gran Torino“ ist die filmische Wiedergutmachung für diesen „Verrat“, in dem ein rassistischer US-Kriegsveteran—gespielt von Clint Eastwood-, der ein leidenschaftlicher Asiatenhasser ist, sich zum Guten wendet, Gefallen am Volk der Hmong findet und letzlich für die Hmongs den Opfertod stirbt. In der Schlussszene liegt er mit waagrecht ausgebreiteten Armen wie der gekreuzigte Jesus am Boden und wird somit symbolisch zum Märtyrer erhoben. Gran Torrino ist der Alternativ-Dirty Harry, nur eben mit dem Unterschied, dass er die Bösewichte am Ende nicht abmetzelt, sondern dies indirekt und subtiler tut, in dem er sich von ihnen erschiessen lässt und diese somit lebenslänglich hinter Gitter bringt.

    Law and Order bleibt wie bei Dirty Harry, aber diesmal streng rechsstaatlich und vornehmlich anitrassitisch. Dass dies eine Hmonggang ist, die ihn erschiesst, soll wohl eher die Unterscheidung zwischen guten und schlechten Asiaten aufmachen—die Hmonggang steht eher für den Vietcong und wird als solche besiegt.Es ist auch bezeichnend,dass der Koreaveteran seine Vorliebe nicht für die mächtigen Chinesen, Japaner oder Japaner hat,sondern für die kleinen, von den USA verratenen Hmong.Im ganzen Film wird jedoch auf den Aufstieg Asiens und die Auseinandersetzung der absteigenden Weltmacht Amerika mit dem aufstrebenden Asien immer wieder angespielt, der Katalysator manch rassistischer antiasiatischer Einstellungen in den USA ist. So war im Film der US-Koreaveteran, den Clint Eastwood spielt, (wohlgemerkt: ein Koreakriegsveteran und kein Vietnamkriegsveteran–Korea als der saubere Krieg, bei dem die USA noch nicht ihre Verbündeten wie die Hmongs verrieten und alle amerikanischen Autos noch reinrassig amerikanisch waren–er verkörpert das noch “unschuldige” und gute Amerika der 50er Jahre) noch US-Autohändler in der Zeit als alle Autos noch “Made in USA” waren und es hiess: “Was gut ist für Generral Motors ist auch gut für Amerika”—so eben sein Gran Torino, der dann von einem Asiaten gestohlen wird und Auslöser dieses Kleinkrieges wird. Sein Sohn arbeitet ebenso als Autohändler, aber vertreibt unpatriotisch japanische Autos und hat auch keinen Familiensinn mehr, sondern möchte ihn, seinen Vater, in ein Altersheim abschieben, um dessen Haus zu erben.Eine wirkliche Famile und Heimat findet der US-Veteran dann bei dem Volke der Hmong, die in seiner Nachbarschaft wohnen und gegenüber denen er zuvor Vorurteile hegte, die sich langsam abbauen, bis er sich eben sogar für sie opfert.Paternalistisch und patriachalisch bleibt dieser Film allemal: Hmongs oder Asiaten können ihre Probleme nicht selber lösen, es braucht immer den US-amerikanischen Grossen Bruder dazu–und halt in diesem speztiellen Fall einen echt harten Mann alter Schule wir Dirty Harry und Clint Eastwood, bei dem rassitsiche Kommentare, die gegen die Political Correctness verstossen (“Schlitzaugen”, “Bambusratten”,”Reisfresser”,etc.) natürlich nur gut und nie ernst gemeint sind und nur auf den edlen Charakter seines Schöpfers hinweisen sollen.Dirty Harry versucht zig Umerziehungsversuche, um das Hmong-Weichei in einen echt stahlhaften US-Krieger umzumodelln, aber am Ende traut er es sich und seiner eigenen Intelligenz nur selbst zu stellvertretend für die Hmong seinen Feldzug zu führen.Die guten Hmongs : zu doof und/oder zu sanft, um selber ihre Probleme zu lösen.

    Alternative Freunde meinten, dass dieser Film ein zu lobendes antirassistisches Meisterwerk sei. Ich halte ihn eher für ein recht durchschaubaren patriotisch-kitschigen Wiedergutmachungsfilm, der aber einen guten Einblick in die Verfasstheit der USA gibt. Die neue Achtung der US-Amerikaner vor den Asiaten dürfte wohl eher von deren steiler wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte resultieren, denn auf Humanität oder Antirassismus von US-Hardlinern. Dass ein Gran Torrino heute gar nicht mehr und wenn zumeist in China und Japan gefertigt wird, ist das herausstechende Symbol.Von daher ist es für US-Hardliner schwer sich vorzustellen, dass das Nationalsymbol General Motors ein sinoamerikanisches Joint Venture und die erste wirklich globale Automobilfirma werden könnte, wie dies etwa der US-Amerikaner John-Milligan-Whyte vorschlägt.Ein reinrassiger Grand Torrino soll wohl ein reinrassiger Grand Torrino bleiben, aber verschwindet halt wie der US-Veteran Clint Eastwood, wenn er sich mit den Asiaten einlässt.Scheinbar fällt US-Hardlinern nichts mehr anderes ein als der Opfertod anstatt sich mit den neuen asiatischen Mächten zu arrangieren.Für diesen Machismus: Auto, Frau, reinrassig USA steht Grand Torino und Clint Eastwood.Freilich opfert sich der “Made in the USA”-Gran Torino-Fanatiker aus quasirationalen Gründen, da er Lungenkrebs hat und nicht mehr lange zu leben hat. Für Asiaten opfert man sich nicht einfach so, sondern nur wenn man nichts mehr zu gewinnen hat. Allen anderen US-Amerikanern sei empfohlen vielleicht doch über eine langlebigere Kooperation mit den Asiaten nachzudenken.

  12. Jakobiner meint:

    Dazu: Wenn türkische Vertreter so lautstark Präsenz von internationalen Medien beim NSU-Prozess fordern, sollen sie gefälligst einmal für eine ebenso internationale Präsenz beim Jahrhundert-Ergenkon-Prozess in der Türkei fordern. Da werden die lautstarken Türken auffälligerweise sehr kleinlaut!!!

  13. fantomas007 meint:

    “Man muss sie nur mal wieder einbremsen und auf die deutschen Realitäten zurückstutzen.”

    Stutz Dich lieber selber und komm mit der Realität klar. Du und Menschen wie Du sind es, die mit der Realität nicht klarkommen.

    “Und wenn man sieht, dass es türkische Organisationen waren, die Sarrazin vor den UNO-Menschenrechtsaussuchuss gezerrt haben, kann man wirklich nicht sagen, dass türkische Gruppen nicht die lautstarkesetn wären”

    Und das schreibt Jakobiner als Antwort an Leo, der zuvor geschrieben hat (leicht verändert) :

    “Erst als sich die conrings und sarrazins etc. über sie her gemacht haben, hat man sowas wie Lärm vernommen. Hauptsächlich von den urdeutschen Krachmachern. Logisch, dass die urdeutschen Krachmacher dann den Krach ihren Opfern in die Schuhe schieben.”

    Lest ihr überhaupt, was Leo schreibt. Ich hab eher das Gefühl, dass ihr den Text einfach nur überfliegt.

  14. conring meint:

    @ Fantomas007
    “Erst als sich die conrings und sarrazins etc. über sie her gemacht haben, hat man sowas wie Lärm vernommen. Hauptsächlich von den urdeutschen Krachmachern. Logisch, dass die urdeutschen Krachmacher dann den Krach ihren Opfern in die Schuhe schieben.”
    Wo soll ich mich jetzt eigentlich über irgendjemanden “her gemacht haben”?
    Ich kommentiere hier nur. Und wenn Sie mich mit Sarrazin gleichsetzen, dann sind Sie, mit allen Respekt, ein Idiot.

    Gegen den Plural conrings von Herrn Brux würde ich auch einwenden, dass ich eigentlich überall hier in meinen Kommentaren immer gesagt habe, dass ich meine Meinung vertrete. Ich spreche nicht für eine wie immer geartete scweigende Mehrheit.

  15. @ conring:

    Was ist “Assimilation”?

    Wenn man das Fremde gar nicht mehr merkt. Wenn das Fremde, das Eigene und Besondere untergegangen ist.

    Hyun sagt es doch deutlich genug, conring.

    @ Jakobiner:

    Schön, du kannst aus 40 Jahren türkischer Stille gewiss vier oder fünf Momente herausfischen, bei denen es auch mal einen Ton gab.
    Und?

    40 Jahre lang weitgehendste Zurückhaltung, fast völlige Stille, von wenigen Momenten mal abgesehen.
    Es ist schon gut, dass sich die Deutsch-Türken in den letzten 10, 15 Jahren bemerkbar gemacht haben.

    Mich freut das sogar dann, wenn ich mal inhaltlich nicht einverstanden bin. Fehler gehören auch dazu, und aus Fehlern lernt man; lernt wenigstens die nächste Generation.

    Zu den Hmong:

    Gefällt dir das etwa, Jakobiner, wenn so ein Volk sich praktisch auflöst? – Mir nicht.

    Und wär ich ein Betroffener, also ein deutscher Emigrant irgendwo in der Welt, ich würde mit leidenschaftlichem Engagement die deutsche Kultur leben und hochhalten und verteidigen und pflegen und anderen schmackhaft machen. Ich würde einen großen Teil meines täglichen Lebens der deutschen Gemeinschaftspflege widmen. Ich bin eben ein patriotischer Deutscher.

  16. @ Jakobiner:

    Dazu: Wenn türkische Vertreter so lautstark Präsenz von internationalen Medien beim NSU-Prozess fordern, sollen sie gefälligst einmal für eine ebenso internationale Präsenz beim Jahrhundert-Ergenkon-Prozess in der Türkei fordern. Da werden die lautstarken Türken auffälligerweise sehr kleinlaut!!!

    Das könnte ICH fordern, weil ich auf der Seite der Türken stehe.
    Bei dir wirkt die Forderung eher schief und peinlich.

    Natürlich ist der Ergenekon-Prozess hauptsächlich eine juristische Peinlichkeit. Ich habe xMal hier geschrieben, dass es in der Türkei keinen Rechtsstaat gibt. Der Prozess ist rein politisch.

    Dass er – nebenbei bemerkt – die richtigen trifft, also die kriminellen Militär-Kemalisten, freut mich trotzdem. Ich hab die immer in die Hölle gewünscht, und wenn sie jetzt im Gefängnis schmoren, ist es mir recht.
    Freilich, ich wünsch mir auch ihre Richter und die neu entstehende Macht-Mafia hinter Gittern. Wer weiß, vielleicht kommt das auch noch. Vor 15 Jahren hat noch keiner auch nur geahnt, dass die großmächtigen Militärkemalisten mal so im Staub liegen würden. Auch ich hab mir das nicht träumen lassen. Nun schauen wir mal, was man in 50 Jahren über Erdogan & Co sagen wird. (Dieses Schauen muss ich einer jüngeren Generation überlassen.)

    Aber lassen wir bitte dieses Thema hier – es ist der falsche Artikel, DARÜBER zu diskutieren.

  17. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Ich würde einen großen Teil meines täglichen Lebens der deutschen Gemeinschaftspflege widmen. Ich bin eben ein patriotischer Deutscher.”
    Können Sie doch gerne tun. Wenn aber Ihre emigrantischen Enkel und Urenkel auf die Deutschtumspflege keinen Bock mehr haben? Was dann?
    Und Her Hyun hindert auch in der BRD überhaupt niemand sein Südkoreanertum auszuleben. Kann der Mann doch. Wenn er Gleichgesinnte findet: Umso schöner für ihn.
    Die Ausführungen bleiben aber trotzdem paranoid:
    “…wenn wir es weiter zulassen uns so zu formen, wie die Mehrheitsgesellschaft es will.”
    (Herr Hyun scheint doch übrigens ein ziemlich stromlinienförmiger Karrierist zu sein)
    Und nochmal: Kleinere Einwanderungsgemeinschaften werden eben assimiliert. das ist der Luaf der Dinge.

  18. Jakobiner meint:

    “Und wär ich ein Betroffener, also ein deutscher Emigrant irgendwo in der Welt, ich würde mit leidenschaftlichem Engagement die deutsche Kultur leben und hochhalten und verteidigen und pflegen und anderen schmackhaft machen. Ich würde einen großen Teil meines täglichen Lebens der deutschen Gemeinschaftspflege widmen. Ich bin eben ein patriotischer Deutscher. ”

    Ich wurde mal in Australien von den Auslandsdeutschen in ihren Club Concordia eingeladen: “Deutsch denken, deutsch fühlen”war da der Slogan.Was man zu sehen bekam, war ein völlig vergreister Haufen, der in nostalgischen Erinnerungen vor sich hinschwelgte und die Realität der modernenen Welt scheinbar nicht wahrhaben wollte.Die”next generation”war von dieser Art Heimattümelei gar nicht begeistert und blieb fern, worüber auch ausgiebig geklagt wurde. Das einzige Highlight war das Little Oktoberfest, bei dem sich dann auch jüngere Auslandsdeutsche einfanden, weil es gesellig war und zu Essen und Trinken gab und das mal wieder sehr bayrisch geprägt war.

  19. Jakobiner meint:

    “Und wär ich ein Betroffener, also ein deutscher Emigrant irgendwo in der Welt, ich würde mit leidenschaftlichem Engagement die deutsche Kultur leben und hochhalten und verteidigen und pflegen und anderen schmackhaft machen.”

    Das stell´ ich mir bildlich vor: Jodelnder Auslandsdeutscher Leo Brux mit Seppelhut, Gamsbart,Lederhose, immer geleerten Maßkrug und FC Bayern-Fanschal, der als Autohändler seine Opfer mit überteuerten BMWs übers Ohr haut und sie danach zum Goaßlschnalzen und bayerischen Volkstanz einlädt.

  20. Glaubst du, Jakobiner, bei mir würde die deutsche Kultur in einer vergreisenden Form präsentiert werden? Oder als Heimattümelei? Mein Verständnis von Deutschsein ist kosmopolitisch.

    Gibt es hier auf dem Blog eine deutschtümelnde Art und Weise, mit dem Migrationsthema umzugehen? – Doch wohl gerade nicht.

    Ein Problem vieler Deutscher scheint zu sein, dass sie Deutschsein nur nationalistisch und folkloristisch und heimattümelnd verstehen und leben können. Das ist bei mir anders. Wie man hoffentlich merkt.

  21. Jakobiner meint:

    “Glaubst du, Jakobiner, bei mir würde die deutsche Kultur in einer vergreisenden Form präsentiert werden? Oder als Heimattümelei? Mein Verständnis von Deutschsein ist kosmopolitisch.”

    Dann also Auslandsdeutscher Leo Brux, der in der Altstadt von Jerusalem Goethe- und Struck-Barre-zitierend eine Loveparade im nabelfreien Top abhält oder wie darf man sich dann die kosmopolitische Form des Deutschtums vorstellen? Im übrigen wurde ich mit der Frage, was Deutschtum denn darstelle bei der Kulturarbeit auch schon im Rahmen meiner Tätigkeit im Goethe-Institut konfrontiert, wobei es hier Traditionalisten und Reformer gibt.

  22. Verwende deine Phantasie doch mal dazu, dir selber eine vernünftige Form vorzustellen.

    Ein Punkt zum Beispiel ist, ehrenamtlich Deutschunterricht zu geben, Deutschunterricht zu organisieren. Eine weitere Form ist, auf Deutsch und in der Landessprache gleich fit zu sein und für wechselseitiges Übersetzen und Informieren zu sorgen. Einmal angenommen, ich würde in Melbourne leben – könnte ich dort nicht eine Veranstaltungsreihe über den NSU und alles drum herum organisieren? Dito als Blogger in der Landessprache ein Blog über Deutschland schreiben? Ich könnte die Geschichte der Deutschen in diesem Land studieren und sie dokumentieren. Ich könnte mir vorstellen, dass ich einen deutschen Diskussionsclub machen würde. Natürlich würde ich wert drauf legen, dass die Geschichte des 3. Reiches und ihrer Aufarbeitung in Deutschland eine prominente Rolle spielt. Ich würde mir genau überlegen, wie man Deutschland, die Deutschen, die Geschichte und das aktuelle Geschehen, im Lande so spannend und interessant darstellt, dass es Aufmerksamkeit und Nachdenken nach sich zieht.

    Immer würde ich darauf achten, ALS DEUTSCHER und als EINWANDERER und BÜRGER DES LANDES zugleich präsent zu sein. Auch wenn ich Australischer Staatsbürger wäre – ich würde immer sagen, dass ich zugleich Deutscher mit Haut und Haar wäre, dass ich mich mit Deutschland identifizieren würde – vielleicht noch mehr als mit Australien. Warum? Weil es so wäre. Ich bin nun mal ein Deutscher – und ich bin es gerne. Sogar mit Leidenschaft.

    Wie du mir sicherlich zugestehen wirst: Mit NATIONALISMUS hat das bei mir nichts zu tun. Mir gefällt es auch, wenn ein Franzose wirklich Franzose ist, und das kann man sein, wenn man zugleich wirklich Senegalese ist.

    Es sagt schon einiges über dich, dass du dir selber nur alberne Formen vorstellen möchtest. Nun, jeder nach seiner Art!

  23. Jakobiner meint:

    “Es sagt schon einiges über dich, dass du dir selber nur alberne Formen vorstellen möchtest. Nun, jeder nach seiner Art!”
    Und es sagt auch einiges über dich aus, wenn du so bierernst reagierst.Aber vielleicht ist dies ja der gesuchte deutsche Charakterzug, den du als deutsche Volksmentalität vermitteln möchtest–Stichwort: der humorlose Deutsche. Ein Brite hätte da vielleicht mehr mit british humor geantwortet.

  24. Jakobiner meint:

    Im übrigen halte ich kosmopolitisches Denken und Deutschsein für einen Widerspruch.Der Kosmopolit betont den Weltbürger und in den 70er Jahren lernte er neben Englisch auch noch Esparanto als Weltsprache.Der Kosmopolit möchte ja gerade von den Nationen und den engen,kulturellen Beschränktheiten weg und eine Weltgesellschaft, Weltstaat und Weltkultur entwickeln.

  25. Das woll’n wir der Welt doch mal zeigen, dass es einige DEUTSCHE Charakteristika gibt, und dazu gehört auf jeden Fall die Humorlosigkeit.

    Es würde mich aber schon interessieren, wie du es sehen würdest, wenn du es ernst nähmest.

    Ständig hackt man auf Deutschtürken herum, wenn sie ihr Türkischsein hervorkehren. Mich pisst diese bescheuerte Kritik an, weil ich – und das muss ich wohl immer wieder und immer wieder noch einmal von Neuem deutlich machen:

    ICH als Deutscher würde bei jeder Auswanderung und Übernahme einer anderen Staatsbürgerschaft immer ein Deutscher bleiben, und dies wäre nicht zum Nachteil des Landes, das mich aufgenommen hat. Denn man kann sehr wohl seine Liebe teilen; man tut das ja auch zwischen Vater und Mutter und Geschwistern und Ehepartner und eigenen Kindern. Wieso soll ich nicht voll und ganz zu zwei Nationen, zwei Kulturen (oder drei) gehören können? Es handelt sich ja wohl nicht um ein Eigentumsverhältnis, sondern eines von Liebe und Respekt.

    Das Thema ist politisch ernst, und jedem, der mich hier ärgert, tippe ich was Kräftiges auf seinen Bildschirm!

    Man MUSS in Deutschland das Recht haben, rund und voll und prächtig Türke sein zu können UND zugleich voll und ganz Deutscher. Rund und voll und prächtig Muslim sein zu können UND zugleich voll und ganz Deutscher. Etcetera, was die Herkünfte und Religionen angeht.

    Will sich jemand assimilieren, bittesehr. Dem steht nichts im Wege. Aber ich sag: Schade! Es geht dir und mir was verloren, wenn du dich assimilierst, und ICH würde das nie und nimmer machen. Und ich würde grade, wenn mein Lebensmittelpunkt nicht mehr in Deutschland läge, mein Deutschsein pflegen und außedem schauen, wie ich meinem Nachwuchs das Deutschsein schmackhaft machen könnte. Zweisprachigkeit wär auf jeden Fall das Ziel.

    Als Individuum kann man nichts Gesellschaftliches erzwingen – aber man kann tun, was man tun kann.

  26. Kosmopolit und Deutschsein: Wie war das mit Goethe? Zum Beispiel. Oder Heine?

    Was du da sagst – dass es ein Widerspruch sei – glauben viele Menschen. Aber ich bin doch selber ein lebendiges Beispiel dafür, dass es kein Widerspruch ist!

    Ich kann doch Münchner sein, Lokalpatriot, UND Weltbürger, oder?

    Ein Widerspruch wär’s nur, wenn ich sowas wie Exzeptionalismus und Privilegierung mit dem Deutschsein verbinden würde. Tu ich aber nicht.

    Ich bin sehr dafür, dass wir die nationalen Beschränkungen überwinden, so, wie wir den Provinzialismus überwunden haben, oder den Stammesegoismus, oder das Clandenken.

    Deswegen kann mir meine Provinz, mein Stamm, mein Clan immer noch wichtig sein.

    Da ich Deutsch rede und denke und fühle, bin ich mit dem Deutschsein verbunden, und das ist nicht an die nationalen Grenzen gebunden, nicht an den Nationalstaat. Und es bedeutet nicht im geringsten, dass ich etwa die Franzosen deshalb unterhalb von mir sehen würde. Ich weiß doch, wär ich Franzose, wär ich grade so gern Franzose, wie ich jetzt gern Deutscher bin.

    Fremd sind mir nicht diejenigen, die solche Identitäten leben, sondern diejenigen, die bindungslos bleiben. Denen sich alle kollektiven Bindungen aufgelöst haben: die Egozentriker, die Egomanen, die Egoisten, die Libertären, die Autisten. Diejenigen, die NUR noch das Individuum kennen und kein Kollektiv mehr spüren, zu dem sie gehören und dem gegenüber sie auch Verantwortung erkennen könnten.

    Ich bin ein Deutscher, der weiß, dass er zuerst und vor allem ein Mensch ist. Wie jeder andere Mensch auch, egal, welcher Zugehörigkeit, aber immer mit spezifischen Zugehörigkeiten.

  27. Jakobiner meint:

    Nun, dass du wie der wilde Watz auf Witze auf deinen Lokalpatriotismus reagierst, zeigt mir, dass dies doch eine doch bierernstere Angelegenheit, als du selbst behauptest.Quod est demonstrandum!Was mich interessieren würde: Was unterscheidt dich denn überhaupt von einem CSUler. Die CSU redet auch von sich als Dreiklang von Bayern (mit dem 4.Stamm der Sudetendeutschen–so stehtst im CSU-Parteiprogramm), Deutschen und Europäern.Dann müsstest du ja auch für den CSU-Vorschlag sein, ein Heimatsministerium zu gründen.Mal abgesehen davon, dass das Heimatsminsiterium ein Euphemismus ist um den Staat zu verschlanken,d.h. den Kommunen mehr “Rechte”zu geben, aber sie finanziell gleichzeitig auszutrocknen und die Ehrenamtlichkeit als Quasipflicht zu etablieren, erwarte ich mir dadurch doch nur mehr Bayerntümelei.

  28. Jakobiner meint:

    Dazu: Kosmopoliten wollen die Weltregierung, die Weltgesellschaft, die Weltkultur–sie wollen ein neues Kollektiv namens Weltbürgertum schaffen, wobei man sehen muss, dass die Globalisierung diese globale neue Mittelkalsse ja schafft.Mit Egomanik, Libertären und sonstigen Individualismusnomaden hat dies nichts zu tun und das sollte man klar unterscheiden können. Derartige Denunzierung des Kosmopolitentums als kleinbürgerlichem Individualismus und Egoismus könnte den Stalinschen “Kosmopolitenprozessen”der 30er Jahre entnommen sein.

  29. Jakobiner,
    ich fände es toll, wenn die CSU sich endlich meinem Heimatbegriff und meiner Art von deutschem Patriotismus anschließen würde – auch in der Gesetzgebung und beim Regieren!
    Ich würde zum zweiten Mal in meinem Leben die Partei wechseln.

    Das Heimatministerium hat gewiss nix, aba scho gor nix mit dem zu tun, was ich hier propagiere. Das wirst auch du mir nicht unterstellen wollen.

    Dass auch unsere Konservativen schon etwas von der Globalisierung und der daraus fließenden Weltbürgerlichkeitsgesinnung geschmeckt haben, spricht nicht gegen sie. Die haben aber noch einen weiten Weg zu gehen, bis sie bei mir ankommen.

    Zum Weltbürgertum:

    Man kann es nicht schaffen.
    Es existiert, oder es existiert nicht.

    Einer der ersten, der erkannt hat, dass es existiert, war – so scheint es jedenfalls – Jesus.
    ALLE Menschen sind Kinder Gottes, und er liebt sie alle gleich … So sprengt er die völkische Enge des jüdischen Glaubens.

    Auch im Ummah-Gedanken des Islam, auch in der Sicht des Menschen im Buddhismus und Taoismus (zumindest in den reifen Formen davon) lebt dieses Wissen, dass wir — MENSCHEN — sind.

    Ich brauche nur zu erkennen, dass ich ein Mensch bin, um auch schon zum “Kollektiv” der Weltbürger zu gehören. Denn Mensch ist jeder Mensch – und jeder in gleichem Maße – mit gleichen Rechten: Bürger dieser Erde.

    Diese Idee liegt den Menschenrechten zugrunde.

    So, wie es die Idee und den Anspruch des freien, selbstbewussten, Mitbestimmungsrecht fordernden Bürgers lange vor dem Tag gab, als er per Revolution und neuer Verfassungsordnung in seinem Bürgersein institutionalisiert wurde, so ist das heute mit dem Weltbürger.

  30. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Einer der ersten, der erkannt hat, dass es existiert, war – so scheint es jedenfalls – Jesus.”
    Die ersten, die das “Weltbürgertum” propagiert haben waren die hellenistischen Philosophenschulen (vorallem die Stoiker). Erfunden hat den Begriff der Kyniker Diogenes von Sinope (4. Jahrhundert v. Chr.).

    Und ist der Ummah-Gedanke jetzt wirklich weltbürgerlich? Die dortige Weltgemeinschaft umfasst doch nur die Muslime und nicht alle Menschen.

  31. Der Grundgedanke ist schon, conring, dass alle Menschen eigentlich von Haus aus Muslime sind.
    Man kann das in einer liberalen Weise weiter denken … wenn Gott/Allah der Schöpfer aller Menschen ist, dann ist jeder Mensch so, wie er ist, Geschöpf Gottes, also gut …

    Außerdem: Es fällt Muslimen oft leichter, den Nationalwahn hinter sich zu lassen.

    Und schließlich … denken Sie an Thomas Bauer!

    Ich spreche vom konstruktiven Potenzial des Islam.

    Ja, die Stoiker hatte ich vergessen. Die muss man natürlich in diesem Zusammenhang zuerst nennen.

  32. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Außerdem: Es fällt Muslimen oft leichter, den Nationalwahn hinter sich zu lassen.2
    Den “Nationalwahn” lassen teilweise auch echte Rassisten hiner sich. Da wird dann (z.B. die “White Supremacy” Bewegung in den USA) die inertnatioanle Solidarität der Weissen im Kampf gegen alle anderen Rassen beschworen.
    Und wenn der Natonalwahn nur durch Religioanswahn ersetz wird, kann ich da auch keinen so großen Frtschritt erkennen. Die beiden Bostoner Jungjihadisten haben ja auch gemeint, dass die Umma rächen müßen, in dem sie ein paar nichtmuslime in die Luft jagen.
    Und Prof. Bauer und sie sollten doch ihre Ideen lieber den Muslimen verkaufen und nicht mir.

  33. Ja, Nationalwahn und Religionswahn – es sind zwei sehr verschiedene Dinge, monströs sind allerdings beide, gefährlich sind beide.

    Eine rassistische Internationale kann man sich auch vorstellen. Fügen wir den Rassenwahn also hinzu.

    Aber blicken wir mal auf die milderen Formen. Gemäßigter Nationalismus, gemäßigte Religionssolidarität. (Beim Rassismus ist sowas nicht drin.)
    Da hat die Religionssolidarität mehr konstruktives Potenzial als der gemäßigte Nationalismus.

    Beispiel Türkei: Der jetzt doch ernsthafte Versuch der Türkei, über den völkisch-türkisch Schatten zu springen und eine Befriedung des Jahrhundertkonflikts mit den Kurden zu suchen, kommt von einer Seite, der die religiöse übernationale Solidarität näher liegt als die national-chauvinistische der säkularen Kräfte in MHP und CHP. (Es gibt auch in der CHP sozialdemokratische Leute, die den Friedensprozess grundsätzlich begrüßen.)

  34. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Da hat die Religionssolidarität mehr konstruktives Potenzial als der gemäßigte Nationalismus.”
    Allerdings aktuell auch mehr zerstörerisches. Wenn man eben meint, dass man, weil die Religionsbrüder in Dingsbums von der hiesigen Politik geknechtet werden, sich befugt fühlen kann dieses an der hiesigen Bevölkerung abzureagieren.
    Und wenn man gerne von der Umma erzählt, darf man sich auch nicht wundern, wenn man nach den Saudis oder den freundlichen Herren im Iran (nur zwei Beispiele) gefragt wird.

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