Islamkonferenz 2013 – in Frage gestellt

islamAm 7. Mai findet das 8. Plenum der Islamkonferenz statt.

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Die offizielle Ankündigung lautet:

Am 7. Mai 2013 treffen sich die Teilnehmer der Deutschen Islam Konferenz zum letzten Mal in der 17. Legislaturperiode.

Das Plenum wird sich schwerpunktmäßig mit der Prävention von Extremismus und gesellschaftlicher Polarisierung mit Blick auf Muslimfeindlichkeit, Antisemitismus und Islamismus im Sinne eines religiös begründeten Extremismus befassen.

Im Mittelpunkt werden die Ergebnisse der AG ”Präventionsarbeit mit Jugendlichen” stehen. Diese hatte zu den Plenarsitzungen 2011 und 2012 bereits Zwischenberichte ihrer Arbeit veröffentlicht.

Im Mittelpunkt stehen also – wahlkampfgerecht – natürlich die Innere Sicherheit und Extremismus.

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Kritik

“Die Islamkonferenz ist in diesem Rahmen ungeeignet”, zitiert die Zeitung den Dialogbeauftragten des Verbandes Islamischer Kulturzentren (VIKZ), Erol Pürlü. Seine Organisation, die nach eigenen Angaben rund 300 Moscheegemeinden vertritt, werde der Einladung Friedrichs zwar folgen, aber hege nur geringe Erwartungen. “Die Konferenz ist nur sinnvoll als Dialog mit islamischen Religionsgemeinschaften – und nur mit diesen”, sagte Pürlü mit Blick auf weitere Beteiligte.

Ähnlich äußerte sich dem Bericht zufolge der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat. “Die Islamkonferenz braucht dringend eine Generalüberholung”, erklärte auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek. Der Zentralrat boykottiert derzeit die Konferenz. Er kritisiert das Gremium für den Dialog zwischen Staat und Muslimen als “Debattierclub”. Bisher habe kein gleichberechtigter Dialog stattgefunden, sagte Mazyek.

Der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya, bezeichnete die Islamkonferenz als “Zug, der in die falsche Richtung fährt”. Die Veranstaltung sei “auf Sicherheitsdenken und Misstrauen aufgebaut”. Der Islamrat ist von den Beratungen der Islamkonferenz ausgeschlossen, sein Mitgliedsverband Milli Görüs steht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes.

dw auf der Basis eines Artikels der SZ von heute

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Einen Überblick über alle mit der Islamkonferenz verbundenen politischen Aktivitäten gibt die Website der Islamkonferenz.

Die Islamkonferenz wird durch die Website zwar einseitig, aber doch gut repräsentiert. Einseitig? – Es fehlen die kritischen Kommentare.

Organisiert und geleitet wird sie vom Innenministerium, das auch einlädt und die Teilnehmer auswählt.

Die Deutsche Islam Konferenz ist ein Dialogforum zwischen Vertretern des deutschen Staates und Muslimen in Deutschland.

Ziel des langfristig angelegten Dialogs ist, das Miteinander und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.

Die Liste der Teilnehmer gibt es >>> hier.

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Eine säkularistisch orientierte Kritische Islamkonferenz ist für die Woche darauf in Berlin angesagt.

Die Stimme “liberaler Muslime” soll gehört werden. Ob Mina Ahadi oder Michael Schmidt-Salomon religiöse Menschen und speziell Muslime erreichen können?

Denn um die „offene Gesellschaft“ gegen die doppelte Bedrohung von politischem Islam und chauvinistischer Fremdenfeindlichkeit zu schützen, bedarf es eines breiten Bündnisses säkularer und liberal-religiöser Kräfte. Wir laden Sie herzlich dazu ein, daran mitzuwirken und mit uns darüber zu diskutieren, wie wir diese Gesellschaft im Sinne der Menschenrechte weiterentwickeln können!

Nicht verwechseln mit der Alternativen Islamkonferenz! Von der könnte sich die DIK etwas abschauen.

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Es gibt auch eine Junge Islamkonferenz – als Teil der offiziellen Islamkonferenz.

Der Bericht über das Planspiel aus dem Jahre 2011 ist halbwegs interessant – hier ein Absatz:

In Gruppen ringen sie nach Antworten auf Fragen wie “Spielt die (islamische) Religion überhaupt eine Rolle, wenn es um Integration geht?”

Mit der provokanten Frage, ob eigentlich Deutschland oder “die Deutschen” zu “dem Islam” passe, haben so manche ihre Probleme. Was ist deutsch und was muslimisch?

Hüda Sag, Studentin der Erziehungswissenschaft, Psychologie und Soziologie in Bielefeld bringt es auf den Punkt: “Die Frage spaltet mich von Deutschland.”

Ein anderer Teilnehmer formuliert es so: “Deutschland ist ein Mosaik und der Islam ist eine Farbe davon.”

Der Bericht der Jungen Islamkonferenz vom Februar 2013 gibt nicht viel her.

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Worüber hätte eine – sinnvolle – Islamkonferenz zu reden?

Zu allererst über die noch defizitäre institutionelle Integration des Islam (Status als Religionsgemeinschaft, Religionsunterricht an staatlichen Schulen, Feiertage, u. a.).

Dann über die Diskriminierung, die Hetze, die Islamophobie – manchmal auch durch Personal des Staates.

Drittens über die interkulturelle Öffnung aller öffentlichen Einrichtungen.

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Wer sollte dabei sein?

Bei allen Themen wird man staatlicherseits drauf achten müssen, dass die Bandbreite des Islam in Deutschland berücksichtigt wird. Es gibt auch liberale Muslime. Auch die Aleviten haben hier ihren Platz. – Darauf wird zurecht geachtet.

Warum aber sollte man in den Dialog diejenigen einbeziehen, die keinen Dialog wollen? So wenig, wie die Salafisten im Verhältnis Islam- Staat & Gesellschaft dialogfähig sind, so wenig sind es die erklärten Islamfeinde.

Unangemessen ist es auch, eine so wichtige und für die Integration interessante – und durchaus dialogfähige – Gruppe wie Milli Görüs auszuschließen.

BlogIG zu den Islamkonferenzen

 

 

Kommentare

  1. Jakobiner meint:

    “Aber auch die Vielfalt der Muslime in ethnischer und religionspolitischer Hinsicht sollte noch stärker berücksichtigt werden. Somit sind auch wieder säkulare Muslime vertreten. Als neuer Verband nimmt die Türkische Gemeinde Deutschlands (TGD) teil, die zwar kein islamischer Verband ist, aber insbesondere türkisch-stämmige säkulare Muslime über die Einzelpersonen hinaus repräsentieren soll.”
    http://www.deutsche-islam-konferenz.de/DIK/DE/DIK/UeberDIK/Teilnehmer/teilnehmer-node.html;jsessionid=CE7176391231BB5C65567982DE42FCE6.1_cid294

    Säkulare Muslims waren also bisher scheinbar auf der Islamkonferenz gar nicht vertreten. Wird also Zeit, daß man diese auch beteiligt, was ja zu befürworten ist, vor allem auch die Türkische Gemeinde Deutschlands.Auf Mili Görus kann man gerne verzichten.Der Brückenschlag zwischen Islamkonfeenz und der Kritischen Islamkonferenz scheint durch die Person Hamed Adbel-Samads garantiert, der ja einen sehr vernünftigen Eindruck macht, selbst mal Muslimbruder war und die Religiösen daher auch von innen kennt.

    “Mitwirkende: Hamed Abdel-Samad, Mina Ahadi, Lale Akgün, Seyran Ates, Ali Dogan, Necla Kelek, Hartmut Krauss, Philipp Möller, Volker Panzer, Michael Schmidt-Salomon, Markus Tiedemann, Arzu Toker, Ali Utlu, Wolfgang Welsch u.v.m.”

    Über Necla Kelek als Mitglied der Kritischen Islamkonferenz kann man streiten, der Rest ist mir nicht bekannt.Sehr viele Deutsche dabei. Doch die Zielsetzung ist ja durchaus zu begrüssen:

    “Die Kritische Islamkonferenz ist ein alternatives Dialogforum, das 2008 in bewusster Abgrenzung zur Deutschen Islamkonferenz des Innenministeriums ins Leben gerufen wurde. Kamen in der ersten öffentlichen Tagung der Kritischen Islamkonferenz 2008 vor allem religionsfreie Islamkritiker und Ex-Muslime zu Wort, sollen 2013 verstärkt auch liberale Muslime Gehör finden. Denn um die „offene Gesellschaft“ gegen die doppelte Bedrohung von politischem Islam und chauvinistischer Fremdenfeindlichkeit zu schützen, bedarf es eines breiten Bündnisses säkularer und liberal-religiöser Kräfte.”

    Die Islamkonferenz bewegt sich also auf die säkularen Menschen zu, die Kritische Islamkonferenz bewegt sich auf die liberalen Muslime zu.Dadurch werden die konservativen Muslime etwas zurückgedrängt,was zu befürworten ist.Eine doch eher positive Entwicklung.

  2. Jakobiner meint:

    ““Die Konferenz ist nur sinnvoll als Dialog mit islamischen Religionsgemeinschaften – und nur mit diesen”, sagte Pürlü mit Blick auf weitere Beteiligte.”

    Damit sind wohl die säkularen Muslime und die Kritische Islamkonferenz gemeint, die der muslimische Vereinsvertreter völlig ausschließen möchte. Was viel über die Art Dialog sagt, die er zu führen gedenkt.Völlig richtig, dass Friedrichs diesem Ansinnen erst gar nicht nachkommt und hier klare Zeichen setzt.

  3. Die Muslime in der “Diaspora” haben grundsätzlich ein Problem: Sie sind nicht als Religionsgemeinschaft förmlich organisiert. Alle anderen schon. Es ist mir auch noch nie ganz klar geworden – trotz einiger Versuche – warum sie es nicht schaffen, die vereinsrechtlichen Voraussetzungen dafür zu erfüllen. Hier nähere ich mich an.

  4. Jakobiner meint:

    Der Motor und as personelle Bindeglied zwischen Islamkonferenz und Kritischer Islamkonferenz ist Hamel Abdel Samad, Autor des Buchs “Der Untergang der islamischen Welt”. Er ist ein Schüler Oswald Spenglers und dessen “Der Untergang des Abendlands”, das er auf den Islam überträgt.Er fordert eine Erneuerung und Modernisierung des Islam. Anders als Neclec Kelak hat er ein holistisches Weltbild und konzentriert sich nicht nur auf Einzelphänomene. Meiner Ansicht nach ein äußerst kompetenter und weltoffener Mann, der die Brücke zwischen Islam und Moderne, zwischen säkularen und liberalen Moslems herstellen kann.

  5. Hab das Buch gelesen und im Januar 2011 einen langen Artikel drüber geschrieben.

    Hamed Abdel-Samad passt nicht in das Schema der Islamophoben und Islamfeinde. Diese nehmen an, der Islam sei ungeheuer stark und vital und würde uns überwälten – er nimmt genau das Gegenteil an. Er untergräbt damit die Grundannahme der Islamophoben. Was Madrasa of Time dazu wohl sagen würde?

    Unter meinem Rezensionsartikel gibt es eine interessante Debatte …

  6. Jakobiner meint:

    Ein hervorragender Artikel, den ich Freunden auch zum Lesen empfohlen habe.Ich sehe auch noch nicht den Untergang der muslimischen Welt. Im Gegenteil. Muslimbrüder in sunnitischen Staaten. Al Kaida ist auf dem Vormarsch, es ist auch ein Trugschluss anzunehmen, ein Islam könnte nur aufgrund einer Position der Schwäche sich nicht weiter ausbreiten.Dennoch finde ich nicht wie Leo Brux, dass Andel-Samad aus einer Position des Hasses und der Verachtung argumentiert. Es ist eher eine klare Abgrenzung zu seiner ehemals eigenen Muslimbruderschaft, die ihn so kompromisslos werden lässt.Falsch finde ich auch nicht, dass er die Koexistenz von Atheismus und Islam/Religion fordert. Dies ist eine Mindestbedingung für jegliche Aufklärung.ER hat ja nicht gesagt, dass alle Muslime Atheisten werden sollen, sondern nur dass die Muslime ebenso die Atheisten/Agnostier akzeptieren und respektieren sollen.

  7. Jakobiner meint:

    Was MoT wohl sgaen würde? Zum einen würde er sich die Passagen über die SChwäche des Islam raussuchen, um eine moralische Verurteilung draus zu machen und dann die von Abedl-Samad aufgestellte These, dass die Schwäche des Islam ihn aggressiv macht.Aber ist MoT jemals auf dieses Buch eingegangen?

  8. Ich weiß es nicht. Ich hab nie viel gelesen bei MoT.

    Dem traditionalen und dem fanatischen Islam bringt Abdel-Samad durchaus Hass entgegen, und ich hab auch geschrieben, dass man das selbst dann verstehen können sollte, wenn man selber Muslim ist. Was jemanden, der religiös ist, so unter der Religion, zu der man gehört, leiden macht, das erzeugt Hass.

    Ich kann mir vorstellen, wie ein katholisch erzogener Junge, der von einen Priester sexuell missbraucht wurde, diese Religion zu hassen beginnt. Aber auch, wenn man in Gottes Namen !! verprügelt wird, gedemütigt wird, … Sobald eine Kultur alternative Wege zur Religion bereit stellt, werden die alten autoritären Methoden kontraproduktiv.

    Respekt: Ich fordere von den Atheisten bzw. Agnostikern Respekt vor der Religion. Den Respekt fordere ich auch umgekehrt von den Religiösen. Der Respekt besteht nicht nur in formalen Gesten oder in Worten – er besteht in Taten: Man setzt sich ein für die Freiheit und Würde des anderen. Das fällt den gläubigen Atheisten ebenso schwer wie den religiösen Gläubigen.

  9. erez meint:

    Bei der Kritischen Islamkonferenz der Giordano Bruno Stiftung befinden sich fragwürdige wissenschaftsferne Hetzer/-innen, wie Necla Kelek und Hartmut Krauss, die in neu-rechten Kreisen hochbeliebt sind und unendlich viel Porzellan in der Einwanderungsgesellschaft zerschlagen haben. Hartmut Krauss ist bei der Bürgerbewegung Pax Europa gerngesehener Gast und bietet bekanntlich Neuen Rechten wie Conny Axel Maier eine Autorenplattform in seinen Büchern. Für diese Veranstaltung zu werben, passt so garnicht in diesen Blog.

  10. pinetop meint:

    Sehr geehrter Herr Brux,
    Sie fordern von Atheisten Respekt für die Religion. Nun, diesem Wunsch kann ich nicht nachkommen. Ich habe Respekt für individuelle Menschen und versuche ihre Ansichten so gut wie möglich zu verstehen. Aber ich habe keinen Respekt für Religionen. Sie basieren auf Annahmen, die jeden naturwissenschaftlich geprägten Menschen erschaudern lassen. Und mit ihrer arroganten Gewissheit haben sie bisher eine Tradition der Menschenrechtsverletzungen erzeugt. Außnehmen möchte ich hiervon das Judentum, welches nicht missioniert und damit seine Mitmenschen nicht belästigt.
    Die Welt wäre besser, wenn Religionen ausschließlich private Veranstaltungen wären. Wenn ihr Anspruch die Gesellschaft zu beherrschen, und damit auch das Leben des Atheisten, endlich ein Ende hätte. Der Staat sollte aufhören kirchliche Einrichtungen zu fördern, Einrichtungen in welchen das allgemeine Arbeitsrecht keine Gültigkeit hat. Religiöser Bekenntnisunterricht hat an Schulen keine Existenzberechtigung. Und wenn die Religionsfreiheit ernstgenommen würde, müsste der Gesetzgeber dafür sorgen, dass nur Religionsmündige in eine Religion eintreten können.
    Islamkonferenzen könnten wir uns sparen, wenn sich alle Religionsgemeinschaften privatrechtlich organisierten, wie z. B. Karnevalsvereine.
    Ich gehöre zu jenen 38% der Bevölkerung in Deutschland, die an keinen Gott glauben, und wir haben schlicht und einfach alle religiösen Anmaßungen satt.
    Mit freundlichen Grüßen

  11. pinetop,
    Sie tragen Ihren Atheismus und Ihre Ablehnung von aller Religion mit quasi religiöser Inbrunst vor – und missionarischem Eifer. Sie sind also selber ein Opfer unserer Tradition religiöser Intoleranz, gerade indem Sie jetzt mit areligiöser Intoleranz, areligiöser Verachtung, areligiösem Missionarismus Religionen pauschal angreifen.

    Wir wäre alle besser dran, wenn sich eine Tradition freundlicher und freundschaftlicher Akzeptanz bilden würde – einmal zwischen den Religionen und ihren Angehörigen, zum andern zwischen den Religiösen und den Atheisten.

    Sie, pinetop, haben alle religiösen Anmaßungen satt, und ich könnte sagen, ich habe alle antireligiösen Anmaßungen satt.

    Hab ich aber nicht, denn ich bin nicht wie Sie.

    Da ich auch an keinen persönlichen Gott glaube, könnte man mich als Atheisten oder Agnostiker bezeichnen. Ich schätze aber diejenigen, die an einen persönlichen Gott glauben, ebenso wie diejenigen, die an keinen persönlichen Gott glauben, dennoch so etwas wie religiöse Emfpindungen haben (wie ich), und ich schätze lebensfreundliche, menschenfreundliche Atheisten bzw. Agnostiker, die vielleicht in religiösen Dingen ganz “unmusikalisch” sind, Menschen, die religiös sind, aber dennoch zu respektieren geneigt sind.

    Ich sehe keinen Grund, warum wir uns auf dieser Ebene und bei diesen Fragen gegenseitig ins Gehege kommen müssten.

    Unser gemeinsamer Feind sind — die Fanatiker. Seien es muslimische, christliche, kommunistische, libertäre oder atheistische Fanatiker.

    So sind wir beide, pinetop, Feinde in Fragen der Religion, und dies, obwohl wir beide, Sie und ich, nicht an einen (persönlichen) Gott glauben.

  12. pinetop meint:

    Sehr geehrter Herr Brux,
    ich denke Sie übertreiben, wenn sie mir quasi antireligiöse Inbrunst vorwerfen. Ich bestehe aber darauf, dass ich für meine Überzeugungen in einer freien Gesellschaft politisch wirken kann.
    Zunächst wäre es sinnvoll zwischen philosophischen und politischen Überlegungen zu trennen. Ich lehne jede Religion ab, aber ich nehme es hin, wenn einige meiner Mitmenschen an einer Gottesillusion festhalten wollen. Vor einigen Jahren war ich mit einem eritreischen Flüchtling befreundet, der mir erklärte, dass er keine Religion ernstnehmen könne. Da dachte ich mir: “der Typ ist okay”. Lerne ich einen Menschen kennen, der mir sogar sympathisch ist, und der mir verkündet, dass er an den einen Gott glaubt, bin ich menschlich enttäuscht. Dann denke ich: “Das hätte nicht kommen dürfen, schon wieder so ein religiöses Arschloch.” Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass die Nationalität dabei überhaupt keine Rolle spielt. Und damit hat es dann auch sein Bewenden.
    Ganz anders sieht die Sache aus, wenn religiöse Menschen der Auffassung sind, dass sie auf Grund ihres Glaubens besondere Ansprüche an Staat und Gesellschaft anmelden könnten. Wenn sie politischen Bedingungen so beeinflussen wollen, dass auch meine persönliche Freiheit berührt ist.
    Es ist nicht hinzunehmen, wenn Christen ihre Moralvorstellungen so durchsetzen wollen, dass hierbei auch die Ungläubigen betroffen sind.
    Z.B. bei der Präimplantationsdiagnostik oder der Sterbehilfe. Wieso müssen die Kirchen als Körperschaft des öffentlichen Rechts organisiert sein? Ist es für sie eine Zumutung, wenn sie sich privatrechtlich organisieren sollen? Es kann überhaupt keine Rede davon sein, dass die Kirchen damit aus der Öffentlichkeit verbannt werden. Karnevalsvereine dürfen sich auch in der Öffentlichkeit zeigen. Wieso können die Kirchen ihre “Hauptamtlichen” nicht selbst ausbilden? Wieso muss dies an einer staatlichen Hochschule geschehen? Wissenschaftliche Hochschulen sind sind dem wissenschaftlichen Ethos verpflichtet, welches besagt, dass Forschung ergebnisoffen sein muss. Theologie an staatlichen Hochschulen ist nichts anderes als religiöse Dogmen gegen Kritik zu immunisieren und sie mit dem modernen Weltbild einigermaßen erträglich zu gestalten. Wieso ist es möglich, dass das Arbeitsrecht in kirchlichen Einrichtung, welche zwischen 90% und 100% staatlich finanziert sind, ausgehebelt ist?
    Die US-Amerikaner sind wesentlich gläubiger als wir Europäer, aber in den USA ist es nicht möglich, dass Gläubige den Staat so erobern wie hier in Deutschland. Ist es wirklich eine Zumutung und zeugt es etwa von Fanatismus, wenn man die hier lebenden Gläubigen auffordert sich privat zu organisieren und darauf beharrt, dass der Staat weltanschaulich neutral zu sein hat?
    Und noch ein Gedanke am Ende. Lag hier Karl Marx, in der Beurteilung der Religionen, gar nicht so falsch?
    mit den besten Grüßen

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