Flüchtlingssturm auf Ceuta und Melilla

asylCeuta und Melilla sind zwei spanische Enklaven am afrikanischen (marokkanischen) Ufer des Mittelmeers mit je ca. 80.000 Einwohnern.

Sechs Meter hohe Drahtzäune schützen die spanischen Frontstädte, in drei Reihen angeordnet. Infrarotkameras überwachen die Anlage, außerdem wurden Bewegungs- und Geräuschmelder installiert. Mit Hightech-Zäunen will Spanien afrikanische Flüchtlinge abschrecken. (Spiegel Online)

Schon 2005 gab es mal den Ansturm von tausenden von afrikanischen Flüchtlingen auf die beiden Städte. Spanien hat daraufhin die Barrieren verstärkt – die Mauer der Schande.

Hunderte, manchmal Tausende kampieren vor dieser Mauer und warten auf ihre Chance.

Manche riskieren es schwimmend. Über den Grenzzaun hat es allerdings seit 2007, so heißt es, niemand mehr geschafft.

Gestern, am Dienstag, kam es aber dann doch zu einem neuen Sturm auf die Festung.

Hunderte Flüchtlinge haben am Dienstag die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla an der marokkanischen Küste gestürmt. Wie das spanische Innenministerium mitteilte, hätten rund 300 Afrikaner versucht, die Stacheldrahtbarrikaden in Melilla zu überwinden. Etwa hundert von ihnen sei es gelungen, sie sollen in ein Auffanglager gebracht werden. In Ceuta hätten es zudem mindestens 80 Afrikaner schwimmend an den Strand der Exklave geschafft.

In Melilla hätten die Afrikaner “sehr gewalttätig” agiert, hieß es weiter. Die Flüchtlinge hätten einen sechs Meter hohen Zaun niedergerissen und marokkanische und spanische Polizisten mit Steinen und anderen Objekten beworfen. Sechs Beamte und ein Flüchtling seien dabei verletzt worden. (Spiegel Online)

Viele andere versuchen es über die Straße von Gibraltar. Am Montag ist dort ein Flüchtlingsboot untergegangen – 12 Flüchtlinge werden noch vermisst, sie sind wahrscheinlich ertrunken.

Pro Asyl berichtet und analysiert ausführlich bezüglich der Situation in Ceuta und Melilla.

Kommentare

  1. Wenn der Westen weiterhin das südliche Mittelmeer-Ufer so demokratisiert, wie dies gerade verdeckt in Syrien geschieht, dann werden wir uns bald sehnsuchtsvoll an jenes “laue Lüftchen” erinnern, als einmal ein paar hundert Flüchtlinge nach Ceuta und Melilla durch kamen. Wenn die verzweifelten Araber losziehen, dann hat die EU keinerlei humanitäre Möglichkeiten diesen Flüchtlingszug zu stoppen. Dann stellt sich kein Innenminister leutselig vor die TV-Kameras um einmal hundert Asylanten gnädig willkommen zu heissen…

  2. Korbinian meint:

    @almabu

    In Syrien “demokratisieren” aber auch der Iran und Russland kräftig mit. Nicht vergessen.
    Und wie die Araber in Libyen mit Schwarzafrikanern umgingen konnte man während des Bürgerkriegs gegen Ghaddafi gut beobachten.

  3. Die Flüchtlinge, die über die spansichen Besitzungen in Marokko in die EU kommen wollen, sind hauptsächlich Schwarzafrikaner, viele aus dem Kongo. Und gegen die dortigen Zustände ist der Bürgerkrieg in Syrien doch ein eher “laues Lüftchen”.

  4. Jungs, hier geht es nicht um’s Recht haben! Um die Südostecke der EU verläuft schon jetzt ein Viertelkreis von “failed states” mit einem Flüchtlingspotential, das mit polizeilichen Mitteln nicht aufzuhalten ist!

    Eine menschliche Woge, eine Million oder mehr verzweifelter Menschen und die ganze EU wird ein einziger “failed state” sein. Ich sehe kein Konzept außer diesem dämlichen, untauglichen FRONTEX-Programm und vor allem keinen humanitären Weg mit diesem humanitären Problem umzugehen…

  5. Melilla: Zum zweiten Mal in 24 Stunden stürmten rund 300 zentralafrikanische Migranten das Zaunsystem der EU-Grenze!

    Fünf Guardia Civiles und fünf Migranten wurden dabei verletzt. Die Delegation der spanischen Regierung als höchste Institution Spaniens in der Exklave an der marokkanischen Mittelmeer-Küste hob dabei besonders die Gewaltbereitschaft der verzweifelten Angreifer hervor, die mit Steinen, Prügeln, Messern, Haken und Seilen auf die Wachen losgegangen seien.

    Etwa die Hälfte der Afrikaner hing stundenlang auf den Zäunen, Nur Dreien gelang es sie zu überwinden. Ihnen droht nun erstmalig eine Anzeige der Guardia Civil wegen Attentates und Widerstandes gegen die Staatsgewalt, die ihre Chancen auf Asyl nicht verbessern dürfte?

    Die 6-Meter hohen Zäune seien in dem Grenzabschnitt beschädigt und teilweise zerstört worden.

    Verschiedene Quellen vermuten, dass die Afrikaner illegal ausgewiesen worden seien, da die Zäune, von denen sie nach bis zu 6 Stunden erschöpft „gepflückt“ worden seien, an dieser Stelle vollständig auf spanischem, bzw. europäischen Territorium lägen und sie deshalb Anspruch auf Behandlung als Asylanten hätten.

  6. Heute, Freitag, der 31. Oktober, um 06:30 Uhr versuchten erneut rund 200 Afrikaner die EU-Schandgrenze zwischen Marokko und Melilla zu überwinden.

    Bis zum 15. Juli 2014 gelang es 3.500 Afrikanern in Melilla einzudringen, 1.000 mehr als im gesamten Vorjahr 2013!

    Inzwischen, Ende Oktober, ist die Zahl derer, denen es gelang nach Melilla einzudringen auf jetzt 4.000 gestiegen. Von ihnen haben aber nur rund die Hälfte den spektakulären Weg über den gestaffelten Dreifachzaun genommen. Das bedeutet, nur jeder Siebte der ca. 14.000 „Zaunkletterer“ schaffte es nach Melilla.

    Der Rest kam über das Mittelmeer, schwimmend, zum Teil mit Schwimmhilfen wie Schwimmbretter, Spielzeugschlauchbooten, oder sich an Äste, Paletten und Holzbalken klammernd.
    Dieser Weg ist wegen der Strömungen womöglich noch gefährlicher, als der über die Zäune…

  7. Die EU-Kommissarin für Innere Angelegenheiten, Cecilia Malmström, hat ihrem spanischen Kollegen, Jorge Fernández Díaz, einen Brief mit deutlicher Kritik geschickt und ihre Besorgnis über die Ereignisse vom 15. Oktober am Dreifachzaun-System von Melilla klar formuliert zum Ausdruck gebracht. Sie gehe davon aus, dass dabei EU-Recht verletzt wurde und fordert von Spanien Aufklärung.

    Bei diesem Zwischenfall waren Afrikaner vom Zaun geprügelt, zum Teil bewusstlos geschlagen und dann an Marokko zurück geliefert worden.

    Die spanische Regierung hatte die Guardia Civil danach nicht nur vollumfänglich in Schutz genommen, sondern auch einen Gesetzesentwurf eingebracht, der diese seit 2005 heimlich praktizierte Auslieferungspraxis künftig legalisieren soll.

    Begründung: Die Exklaven seien die einzigen Landgrenzen der EU mit Afrika und hier gälten andere Regeln, als z.B. das Schengen-Protokoll vorsehe.

    Malmström sieht hingegen durch Spanien die Schengen-Vereinbarung, das Asylrecht und die EU-Grundrechte verletzt.

    Der EU Menschenrechtskommissar Nils Muiznieks forderte eine Untersuchung der Gewalt, welche durch die Guardia Civil gegen wehrlose Menschen ausgeübt worden sei.

    Cecilia Malmström hat eine Zeit in Barcelona gelebt, spricht Castellano und Catalán und kennt die Mentalität der Spanier recht genau…

  8. Mehr als 15.000 Flüchtlinge kamen bisher in 2017 übers Meer nach Spanien. Anzahl hat sich gegenüber 2016 verdoppelt (104%)!

    Die größte Zahl sind Marrokaner, aber die „Ausweicher“ die es statt über Libyen nun weiter westlich versuchen nehmen stark zu.

    Die Einwanderung über die Exclaven Ceuta und Melilla hat um ein Drittel (33%) zugenommen. Über 1.000 schafften es dabei über die 5m hohen Grenzzäune, die zunehmend ihre Funktion einbüßen. In 9 Wellen stürmten kanpp 9.000 Flüchtlinge die Zäune und 1.000 schafften es hinüber, mit steigender Tendenz. Sie stammen mehrheitlich aus Guinea und Kamerun. Dazu kam die „terrestrische Einreise“ mit gefälschten Papieren oder in doppelten Böden von Pkws und Lkws. Die maritime Einreise in die Exklaven, mittels Schlauchbooten, überfüllten Kähnen oder auch Rettungsringen und Luftmatrazen käme dazu, spiele aber eine nachrangige Rolle.

    Die Flüchtlinge nutzten inzwischen schweres Werkzeug gegen die Grenzzäune und Stahltüren und träten gegenüber den Polizeikräften in großer Überzahl und Entschlossenheit auf.

    in diesem engeren Sinne würden die Grenzanlagen ihre Funktion nicht mehr erfüllen und müssten überdacht werden. Dies sei bereits angelaufen. Die Zäune und Absperrungen würden höher, länger, weiter und vont mehr Kameras und Hubschraubern unterstützt werden.

    Diese Informationen gabe der spanische Innenminister Juan Ignacio Zoido vor dem Innenausschuss des Kongresses auf Bitten von Ciudadanos und der PSOE.

    ––––––
    http://www.20minutos.es/noticia/3132248/0/entradas-inmigrantes-ceuta-melilla-aumentan-segun-interior/

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