EU-Flüchtlingstheater. Das Sterben geht weiter.

asylLampedusa – und nichts ändert sich, titelt die Süddeutsche Zeitung in der Printausgabe.

Die EU hält an ihrer Flüchtlingspolitik fest, Innenminister Friedrich nennt Forderungen nach mehr Solidarität “unbegreiflich”.

Die bestehenden Regeln zur Aufnahme von Flüchtlingen blieben “selbstverständlich” unverändert, sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) am Dienstag in Luxemburg bei einem Treffen der EU-Innenminister.

Ist Italien mit Flüchtlingen überlastet?

Friedrich rechnet vor: In Deutschland kommen ca. 950 Asylbewerber auf 1 Million Einwohner, in Italien knapp 260.

2012 sind Italien – nach dem Wegzug der allermeisten, die an den südlichen Küsten gelandet sind – weniger als 16.000 im Lande geblieben. Für die gibt es allerdings kaum (anders als in Deutschland) Unterkünfte und Versorgungsangebote, viele landen ganz auf der Straße.

Italien beherbergt 80.000 Asylbewerber, Deutschland 650.000.

Wieso soll Deutschland da größere Solidarität zeigen?

Vielleicht, weil wir mehr Ressourcen haben, um Flüchtlinge aufzunehmen.

Vielleicht, weil wir es nicht auch falsch machen müssen, nur weil andere es falsch machen.

Vielleicht, weil wir hauptverantwortlich sind für den Tod auf dem Meer von so vielen Flüchtlingen. WIR, die Deutschen, stehen hinter Frontex. WIR, die Deutschen, finden es bequem, wenn die südlichen Grenzländer die ganze Abwehrlast tragen sollen.

Europa zahlt natürlich, zum Beispiel an Italien. Vielleicht sogar großzügig. Wohin geht das Geld? Kontrolliert das jemand?

Italiens Umgang mit den Flüchtlingen ist auf fast allen Ebenen schlimm. Ein Gesetz, das die Hilfe für Flüchtlinge in Seenot unter Strafe stellt; völlig unzureichende Logistik von Lampedusa bis Bozen, ein Staat, der so tut, als gehe es ihn nichts an, eine Bevölkerung, die überwiegend allergisch reagiert auf Flüchtlinge.

Die beste Idee, die Italien hatte: Flüchtlingen 500 Euro in die Hand zu drücken und ihnen Papiere zu geben, die es ihnen erlauben, nach Norden abzuhauen.

Was ist für Friedrich unbegreiflich?

Dass das reiche Europa sich nicht total abschotten kann gegen die Flüchtlingsströme?

Dass Dublin II nicht funktioniert?

Dass die Gesetze etwa Italiens die Rettung von Flüchtlingen aus Seenot unter Strafe stellen?

Dass die Italiener selber ums Überleben kämpfen, weil sie erstens berlusconisch gewirtschaftet haben, zweitens in der Euro-Struktur krass benachteiligt werden (weil für ihre Wirtschaft der Euro zu hart ist)?

Dass die Flüchtlinge vernünftigerweise Länder ansteuern, in denen sie eine Chance zum Arbeiten haben?

Es ging beim Treffen der EU-Innenminister auch um deutsche Klagen über die Belastungen, die aus dem angeblichen “Sozialtourismus” von EU-Bürgern resultieren. Leistungserschleichung – sei in Problem, so Friedrich.

Wen meint er damit? Die paar Roma, die aus Rumänien, Bulgarien, Ungarn nach Deutschland kommen.

Die würden aber schon gern arbeiten …

EU-Justizkommissarin Viviane Reding bescheinigte Friedrich “Bierzelt-Aussagen” – etwa, um am Stammtisch Wähler zu begeistern. In der politischen Debatte seien aber Sachargumente gefragt.

Reding ergänzt: Es gebe schon auch mal einen Fall von Missbrauch der Freizügigkeit, aber die Zahl der dokumentierten Fälle sei gering und kein Grund zur Klage.

Außerdem: EU-Bürger können aurchaus ausgewiesen werden, wenn sie ihre Lebensunterhalt nicht aus eigener Kraft bestreiten können.

Zurück zu den Flüchtlingen

Die SZ berichtet von Lampedusa:

Die Zustände im Auffanglager haben sich noch mal verschlechtert. Es regnet seit Sonntagmorgen. Die meisten der momentan mehr als 1000 Flüchtlinge lagern ja draußen, auf einfachen Schaumstoffmatten, schließlich gibt es hier nur Platz für 300 Menschen. In den Regennächten haben die Leute in Bussen, Toiletten, der Eingangshalle Schutz gesucht, die Matratzen und all ihre Habseligkeiten sind jetzt aber durchnässt. Erzürnt, übermüdet, durchfroren haben einige Männer am Dienstagmorgen ihre Matten über den Zaun geworfen.

Die Regierung in Rom ist nicht fähig und nicht willens, das zu tun, was praktisch nötig wäre: Lampedusa die nötige Infrastruktur zu liefern.

Die 155 Überlebenden der Katastrophe werden von der Staatsanwaltschaft in Agrigento wegen “Verstoßes gegen das geltende Migrationsgesetz” belangt.

Die ca. 300 Toten hingegen sollen, so Premierminister Letta, posthum die italienische Staatsbürgerschaft verliehen bekommen.

Wer kann sich da den Satz verkneifen: Nur ein toter Flüchtling ist ein guter Flüchtling.

Geier steuern Lampedusa an.

Überflutet wird Lampedusa nicht nur von Flüchtlingen, sondern auch von Journalisten. Überall lungern sie herum auf der Suche nach dekorativen Leichen.

Als einige der Journalisten über die europäische Flüchtlingspolitik reden, sagt ein französischer Fotograf:

“I don’t give a fuck about Bossi, Eritrea, the EU and all that. All I want is a good shot of dead bodies.” Alles was ich will, sind gute Bilder von toten Körpern.

Andererseits:

Ein Rai-Reporter, der auf Sizilien viel über Schlepperbanden recherchiert hat, sagt vor dem Eingang des Flüchtlingslagers: “90 Prozent von dem, was mir Flüchtlinge in Sizilien so erzählen, darf ich nicht senden.” – “Warum denn nicht?” – “Ich bin beim Staatsrundfunk. Die Leute erzählen unglaubliche Sachen über Misshandlungen durch Polizisten. Ich glaub’ ihnen, aber das darf nicht über den Sender des staatlichen Rundfunks gehen.”

Misshandelte Flüchtlinge – wär das nicht ein besseres Fotomotiv?

Grundsätzlich zur Flüchtlingssituation nimmt ein eigener Artikel von mir Stellung.

Anmerkung zu Schweden: Das Land nimmt ca. 3x so viele Flüchtlinge auf wie Deutschland – gemessen an der Einwohnerzahl. Nicht ohne Probleme, aber es geht.

Ich schließe daraus, dass wir hier in Deutschland 3x so viele Flüchtlinge aufnehmen könnten. Und sollten.

Nachtrag genau dazu:

Soll Deutschland mehr Flüchtlinge aufnehmen?

Nur 51% sagen nein. Zwar noch die Mehrheit, aber nur knapp. Früher wäre die Mehrheit wohl deutlicher gewesen, vor allem in einem Jahr der Verdoppelung der Flüchtlingszahlen. 43% sind dafür! Eine starke, superstarke Minderheit. Bei den Grünenanhängern sind es 72%, bei den Unionsanhängern immerhin auch 34%. – Tagesschau

Der Kommentar von Irene Brickner.

Jetzt oder nie!

Die Politikerinnen und Politiker nämlich schlossen Einreiseerleichterungen und solidarisches Handeln der europäischen Nationen in Flüchtlingsfragen aus. Statt dessen kündigten sie an, noch härter als bisher gegen Schlepper vorgehen zu wollen. Das wiederum ist bei diesen, seien es nun simple Fluchthelfer oder menschenverachtende Kriminelle, offenbar als klares Signal angekommen: jetzt oder nie!

Anscheinend versuchen sie, derzeit so viele Menschen wie möglich nach Europa zu verschiffen, um den in Aussicht gestellten Verschärfungen zuvorzukommen. Diese werden wohl mit der ganzen Wucht technischer Überlegenheit von Frontex- und europäischen Küstenwacheinheiten auf See abgesichert sein. Schnellboote, Hubschrauber, Sateliten, vielleicht gar Drohnen: eine kriegsähnliche Aufrüstung, geeignet, die Lampedusa-Flüchtlungsroute zum Erliegen zu bringen.

Um jeden Preis

Aktuell heißt das: Noch mehr Menschen als in den Wochen und Monaten davor setzen sich auf den Seelenverkäufern akuter Lebensgefahr aus. Mehr Menschen drohen zu ertrinken. So schauen die Folgen der immer martialischeren Migranten- und Flüchtlingsabwehr an den europäischen Außengrenzen aus, so droht es weiterzugehen: Dass die, die um jeden Preis nach Europa wollen, noch mehr Risiken auf sich nehmen.

Das hat damit zu tun, dass Personen, die den Bürgerkriegen des Nahen Ostens, menschenrechtsverachtenden Staaten der Subsahara oder den dort spürbaren Folgen des Klimawandels entfliehen, außer ihr Leben nichts mehr zu verlieren haben. Tatsächlich dürfte der Anteil so genannter Wirtschaftsflüchtlinge, die auf ein besseres Leben im reichen Europa spekulieren, auf den seeuntüchtigen Booten überschaubar sein.

Es ist anzunehmen, dass die, die die Flüchtlingsabwehrmaßnahmen planen, das wissen – und sich auf einen lange andauernden Konflikt einstellen. Der europäischen Öffentlichkeit jedoch, die durch den Massenertrinkungstod vor Lampeduas aufgeschreckt wurde, ist anscheinend aber noch nicht ganz klar, was auf den Kontinent der Menschenrechte zukommt, wenn von der Abschottungsstrategie kein Abstand genommen wird: zunehmender Gewalteinsatz gegen Wehrlose ohne jede Lösungsperspektive.

Kommentare

  1. Und wenn Deutschland drei mal so viele Flüchtlinge aufnimmt ist damit auch nichts gewonnen (außer evtl. derm Hochkommen einer wirklich rechtspopulistischen Partei, wie es sie bisher bei uns noch nicht gibt) . Dreißig mal so viele oder mehr warten darauf, nachzukommen.

    Für mich ist diese oberflächliche Denke schlicht unfassbar, als wenn sich alle Probleme der Welt durch Migration lösen ließen.

    Einen ganz guten Hinweis, in welcher Richtung eine durchgreifende Lösung zu suchen wäre, bietet dieser Artikel:

    http://www.welt.de/kultur/article118718883/Warum-die-Weissen-nach-Afrika-zurueckkommen-sollen.html

  2. Im verlinkten Artikel wird eine wirtschaftliche Aufbaupolitik der westlichen Staaten gefordert. Davon sprechen viele Leute ja bereits ewig. Das Interesse in den Industrieländern ist aber nur gering, weil es halt teuer wäre, auch wenn es die Ursache an der Wurzel packen würde.

  3. Nein, es wird eine Re-Kolonialisierung gefordert:

    “Interviewer: “Sie wollen also, dass der Weiße Mann zurückkommt?” Antwort: “Das koloniale Projekt war viel erfolgreicher, als seine Initiatoren es je vermutet hatten. Als es nicht mehr als akzeptabel galt, ein Kolonist zu sein, sprang der Pilot mit dem Fallschirm ab. Ein anderer übernahm das Steuer – er hat jetzt alles unter Kontrolle –, aber er ist inkompetent und hat noch nicht einmal einen Flugplan. Er behauptet, im Cockpit zurechtzukommen, doch in Wahrheit ist er auf einem Egotrip. Sein einziges Ziel ist es, zu seinem eigenen Wohlbefinden Ressourcen auszubeuten, die der Allgemeinheit gehören. Wir müssen die Uhr bis zu dem Punkt zurückdrehen, wo die Dinge anfingen schiefzulaufen, zu dem Punkt, als die Lügen und die Heuchelei begannen.”

    Schließlich haben die afrikanischen Regierungen kein Interesse an der Änderung von Verhältnissen, von denen sie profitieren. Man müsste wirklich diese Regierungen beseitigen und durch eine effektive Verwaltung ersetzen. Und natürlich müsste sich auch die Mentalität der Menschen dort verändern, auch die der Flüchtlinge.

    In der Praxis sicher sehr schwierig, aber einen anderen Weg sehe ich nicht.
    Immer nur mehr und mehr Zuwanderung nach Europa wird das Problem nicht lösen können, im Gegenteil.

  4. Nein, es wird eine Re-Kolonialisierung gefordert:

    Nein, Sie sollten schon genau lesen: “Zweifellos wollte Bekolo mit diesem Interview provozieren. Mit seiner Kritik an den herrschenden afrikanischen Eliten aber ist es ihm zweifellos ernst.”

    Ansonsten sind die Aussagen eindeutig: “Es ist überdeutlich geworden, dass wir unser Ziel nicht erreichen werden, wenn wir darauf beharren, alles alleine zu tun.”, “Wir brauchen alle Hilfe von außen, die wir bekommen können.”

  5. Eine Re-Kolonisierung ohne Ausbeutung und Unterdrückung … ist ein Widerspruch in sich selbst.
    Als Provokation nicht schlecht. Der Artikel bzw. die Feststellungen der afrikanischen Intellektuellen, über die er berichtet, diese Position hat viel für sich.

    Aber es hilft nix. Die Afrikaner finden entweder selber einen Weg aus ihrer Misere, oder sie kommen nicht raus. Europäer, Amerikaner, Chinesen — sind alle knallharte Egoisten, die nur was tun, wenn es in IHREM Interesse ist, und das wird immer (immer!) so interpretiert, dass die Schwachen entmündigt werden und bluten müssen.

    Oder – Fritz – mach mal aus der Metapher, die du zitierst, ein politisches Programm!

    Wir müssen die Uhr bis zu dem Punkt zurückdrehen, wo die Dinge anfingen schiefzulaufen, zu dem Punkt, als die Lügen und die Heuchelei begannen.”

    Also, was genau soll getan werden? Sollen die großen Mächte militärisch einmarschieren, die korrupten Regierungen absetzen, schwarze Marionettenregierungen einsetzen, die vom Westen kontrolliert werden, damit sie die Tradition der Korruption und Ineffizienz nicht fortsetzen?

    Interessant ist der anti-nationale Aspekt der Kritik, die von schwarzen Intellektuellen kommt: Die Nation ist einfach keine vernünftige Einheit mehr heutzutage, und war es eigentlich auch nie seit der Unabhängigkeit. Man muss Abschied von der Nation und dem Mythos der Nation nehmen.

    Rückkehr des Weißen Mannes. Um das einmal konstruktiv zu denken: Sagen wir, ein afrikanisches Land will ein funktionierendes Gesundheitssystem aufbauen. Es lädt nun ein europäisches Expertenteam ein, das ins Land kommt, es ein paar Jahre auf die Gegebenheiten hin analysiert, dann einen vorläufigen Plan entwirft – und um ihn umzusetzen und ggfs. anzupassen, übernehmen die europäischen Experten auch einige der Schlüsselpositionen im Ministerium und in den auf das Gesundheitssystem bezogenen Leitungsfunktionen, immer so, dass dabei einheimisches Personal geschult wird, auch mit dem Ziel, am Ende die Sache ganz in die Hände der Einheimischen zu legen. Sagen wir also mal, Kenia lädt 1.000 Europäer ein, diese Rolle für 30 Jahre für das kenianische Gesundheitssystem zu spielen. Damit das nicht isoliert ist, wird auch das Finanzministerium europäischen Experten übertragen, ebenso das Landwirtschaftsministerium …

    Ich glaube nicht, dass das funktionieren kann. Politik ist immer Machtkampf, Konkurrenz um Macht. Weiße Experten werden in die binnenafrikanischen Machtkämpfe hineingezogen, und am Ende werden sie die Sündenböcke sein für alles, was schief läuft.

    Warum sollten sich die korrupten schwarzafrikanischen Eliten von europäischen Experten die Butter vom Brot nehmen lassen? Und für die Nicht-Eliten stellt es eine Beleidigung dar, wenn man weißen Experten echte Macht überträgt.

    Nun ja, in kleinem Maßstab könnte es trotzdem schon auch mal funktionieren.

  6. Und wenn Deutschland drei mal so viele Flüchtlinge aufnimmt ist damit auch nichts gewonnen (außer evtl. derm Hochkommen einer wirklich rechtspopulistischen Partei, wie es sie bisher bei uns noch nicht gibt) . Dreißig mal so viele oder mehr warten darauf, nachzukommen.

    Für mich ist diese oberflächliche Denke schlicht unfassbar, als wenn sich alle Probleme der Welt durch Migration lösen ließen.

    Du missverstehst den Ansatz, Fritz.

    Man muss nicht Probleme lösen, die man nicht lösen kann – aber man sollte so viel tun, wie man tun kann.

    Beispiel: Der Kutter mit 500 Flüchtlingen an Bord geht vor Lampedusa unter. Du bist mit einem kleinen Fischerboot unterwegs, du kannst maximal 20 Flüchtlinge darin aufnehmen.

    Wirst du nun drauf verzichten und abdrehen, nur weil du nicht die Hunderte retten kannst, die alle verzweifelt um ihr Leben schwimmen?

    Du wirst tun, was du tun kannst, du wirst 20 in dein Boot reinnehmen und dann ans Ufer steuern.

    Wäre es eine Ausrede, wenn ein Kapitän sagen würde: Damit gefährde ich mein Boot und meine Mannschaft und mich selbst, denn andere, die ich nicht mehr reinnehmen kann, hängen sich vielleicht an mein Boot und bringen es zum Kentern. Also lasse ich lieber die Finger davon?

    Wenn Deutschland 3x so viele Flüchtlinge aufnähme wie jetzt, würde Deutschland das globale Flüchtlingsproblem nicht lösen – aber es würde tun, was es tun kann.

    Wichtig dabei ist auch: Man muss es nicht nur MACHEN, man muss es auch RICHTIG machen. Also schauen, wie man die Flüchtlinge möglichst gut integriert. Je besser man sie intergrieren kann, desto mehr kann man aufnehmen.

    Die Xenophoben legen darum großen Wert darauf, dass man Flüchtlinge nicht integriert und für nicht-integrierbar erklärt.

  7. Korbinian meint:

    Mag sein dass diese Flüchtlinge gern arbeiten wollen, aber als was? Mich würde mal interessieren wieviel von denen ungelernt sind und welche nur aufgrund falscher Versprechungen nach Europa kommen.

  8. conring meint:

    @ Korbinian
    “Mag sein dass diese Flüchtlinge gern arbeiten wollen, aber als was?”
    Meister Brux würde hier antworten, dass man die Leute dann eben qualifizieren muss, damit sie einen Beruf ergreifen können. Damit hätte er ja auch recht.
    Übrigens würde ich mal vermuten, dass die Leute durchaus Qualifikationen besitzen. Vielleicht nicht formeller Art, aber viele, die einfach so hierher kommen, um Harzt IV abzugreifen wird man nicht finden. Meistens haben diese Menschen zuhause auch eine Familie, die sie unterstützen müssen und wollen.
    Ich kenne auch über meine Frau ziemlich viele Schwarzafrikaner in Frankfurt. Deren Berufsspektrum reicht vom Kinderarzt bis zum Müllmann.

  9. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Wenn Deutschland 3x so viele Flüchtlinge aufnähme wie jetzt, würde Deutschland das globale Flüchtlingsproblem nicht lösen – aber es würde tun, was es tun kann.”
    Da haben Sie sicher recht. Allerdings werden, auch wenn die BRD so handelt, weiterhin Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken. Es sind einfach zu viele. Und unter den EU-Staaten werden sie nicht viele finden (wahrscheinlich nur die BRD und Schweden, vielleicht noch die Niederlande und Dänemark), die mehr Flüchtlinge aufnehmen würden.

    So zeigt ja das Zitat des RAI-Reporters, dass mit der italienischen Flüchtlingspolitik an sich irgendetwas nicht stimmt. Und die dortigen “Clowns” werden es sicher nicht ändern.

  10. Ja, LÖSEN kann man das Flüchtlingsproblem nur, wenn wir global einen Sozialstaat einführen, global faire ökonomische Verhältnisse herstellen, global über eine UN-Polizei verhindern können, dass failed states entstehen, global einigermaßen solide Verhältnisse herstellen, die es den Menschen erlauben, in ihrer Heimat zu bleiben (was allgemein wohl dem natürlichen Bedürfnis fast aller Menschen entspricht).

    Hat schon mal jemand, der davon spricht, dass man die Probleme in den Ursprungsländern der Flüchtlingsbewegungen angehen muss, verraten, WIE DAS GESCHEHEN SOLL?

    Es ist nur Geschwätz. Ablenkung. Täuschung.

    Wer da wirklich rangehen will, muss an die Wurzeln gehen, die Welt und die Menschheit ziemlich radikal umbauen. Die Vorstellung ist utopisch, aber als Gedankenspiel sollten wir sie uns zumuten.

  11. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Die Vorstellung ist utopisch, aber als Gedankenspiel sollten wir uns sie zumuten.”
    In der Science-Fiction gibt es sowas. In “Star Trek” ist die Weltregierung auch eine ziemlich harmonissche Sache. Da gibt es ja sogar eine “Konföderation der Planeten”. Allerdings wir nie so richtig erklärt, wie sich das alles entwickelt hat.
    Die “World Controller” bei Huxley sind ja auch schon von anderem Kalliber.

  12. In Filmen wird so extrem vereinfacht, dass man sich nicht zu wundern braucht, wenn Millionen von Bürgern glauben, dass Politik und Krieg eigentlich ganz einfache Sachen sein müssten, überschaubar, leicht zu verstehen, leicht zu beurteilen.

    Man will dem Publikum nichts Unverständliches zumuten.

    Es gibt so gut wie keinen Film, der einmal die Komplexität einer Schlacht darstellt. (Gettysburg könnte eine Ausnahme sein.) Es gibt auch kaum einen Film, der es sich zur Aufgabe macht, die Komplexität einer politischen Aktion wie, sagen wir, einer Koalitionsverhandlung, darzustellen. Immer geht es ums genaue Gegenteil: Um die radikale Vereinfachung und Reduzierung auf irgendwas handgreiflich Menschliches. Auf diese Weise arbeitet die Unterhaltungsindustrie an unserer Verdummung.

    Immerhin arbeitet sie manchmal daran, dass wir Verschiedenheit akzeptieren und sogar interessant finden. Etwa bei “Star Trek”, nehme ich an.

  13. conring meint:

    @ Leo Brux
    Es gibt auch kaum einen Film, der es sich zur Aufgabe macht, die Komplexität einer politischen Aktion wie, sagen wir, einer Koalitionsverhandlung, darzustellen.
    Ziemlich gut ist in der Hinsicht Spielbergs “Lincoln”.

  14. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Etwa bei “Star Trek”, nehme ich an.”
    “Star Trek” reflektiert in seinen diversen Reinkarnationen immer ziemlich genau den Toleranz-Stand der liberalen westlichen (US) Gesellschaft.
    Lieutenant Uhura war im Original ein Ereignis. Aus heutiger Sicht ist sie nur die Telefonistin von Captain Kirk.

  15. fantomas007 meint:

    @ Leo

    “Immerhin arbeitet sie manchmal daran, dass wir Verschiedenheit akzeptieren und sogar interessant finden. Etwa bei “Star Trek”, nehme ich an.”

    Genauso ist es. Star Trek, vor allem die Folgen mit Patrick Stewart (Jean- Luc Picard) haben mich teilweise geprägt. Ehrlich gesagt kann ich kaum jemanden verstehen, der ein Fan der Serie ist und trotzdem andere Kulturen geringschätzt.

  16. “Europäer, Amerikaner, Chinesen — sind alle knallharte Egoisten, die nur was tun, wenn es in IHREM Interesse ist.”

    Also ich habe als Europäer durchaus ein Interesse daran, die Verhältnisse in Afrika zu ändern, nicht nur aus Solidarität, sondern auch aus Eigennutz. Funtkionierende Staaten, die sich selbst ernähren könnten und von denen keine Flüchtlingsströme mehr ausgehen, wären nur von Vorteil, für alle.

    Das Haupthindernis sind die lokalen Regierungen in Afrika, denen es unter den gegenwärtigen Verhältnissen blendend geht, und die sich jeder Veränderung unter Berufung auf ihre Souveränität widersetzen werden.
    Hinzu kommt die Mentalität der Leute dort: Jeder sucht nur eine Lösung für sich bzw. für sich und seine Familie. Das gilt für die Flüchtlinge, die in erster Linie Geld an ihre Familie zu Hause schicken wollen genauso, wie für die Mächtigen, die Mitglieder ihrer Familie an alle Schlüsselstellen in Politik und Wirtschaft setzen. Der Gedanke des Gemeinwohls ist denn allermeisten Menschen fremd, es geht immer nur um mich, meine Familie oder meinen Clan. Deswegen wird aus den Ländern auch nichts.

    Wie kann man das ändern? Ich sehe keinen anderen Weg als irgendeine Form von Re-Kolonialisierung, und finde es ermutigend, dass auch Afrikaner anfangen, das so zu sehen.

  17. Korbinian meint:

    bei Star Trek fällt allerdings auf dass unterschiedlichen Kulturen die Lichtjahre voneinander entfernt leben doch irgendwie humanoid aussehen und auch so geprägt sind.
    Warum dem so ist wurde allerdings auch mal aufgelöst aber psst… das wird nicht verraten ;-)

  18. Korbinian meint:

    @Fritz

    Global gesehen sieht es aus dass es den Menschen die in Stammes- und Clanstrukturen denken und leben am Schlechtesten geht. Es mag Ausnahmen geben, aber die bestätigen oft die Regel.

  19. Fritz,
    du solltest uns einmal erklären, WIE du dir die Re-Kolonisierung vorstellst.
    Was sollen wir tun?

  20. Wenn ich diese Beiträge zur Flüchtlingsaufnahme – pathetisch anklagend, fordernd, Konsequenzen ignorierend – so lese, zweifle ich immer wieder am gesunden Denken -entschuldigen Sie, aber es ist so – des Verfassers und der mit in die Bresche springenden Kommentatoren.

    Natürlich ist dieses Blog – wie oft erwähnt – ein Blog PRO Migration, aber man muss doch trotzdem noch in der Lage sein, etwas, was unmöglich ist, als solches zu begreifen?!

    Ein Punkt wurde bereits aufgeführt in den Kommentaren. Sie, Herr Brux fordern, dass wir aufgrund unserer Größe weitaus mehr Menschen aufnehmen, als Italien. Dies ist rein vom logischen Standpunkt Größe – Verpflichtung zwar nachvollziehbar, aber weiter geht das Denken nicht – da wird dann zufrieden die “Senden”-Taste gedrückt, da man erneut eine vorbildliche und absolut menschliche Meinung unters Volk gebracht hat und fertig.

    Der Punkt ist aber, wie eben bereits aufgeführt, selbst wenn Deutschland 1.000.000 Flüchtlinge, nein 2.000.000 aufnimmt – und Italien gemäß seiner Größe entsprechend, und alle anderen EU Staaten ihrer Größe entsprechend… dann rücken wieder weitere nach.
    Himmelherrgott in Afrika leben 1.1 Mrd Menschen (wer sich nie mit Zahlen beschäftigt hat – mit deren Natur selbst, nicht mit bestimmten, 1 Mrd. sind 1.000.000.000 – also tausend Millionen), von denen einfach mal die meisten in Armut leben.

    Dass dies AUCH durch die Kolonisation bedingt ist, mag ich gar nicht bestreiten, aber so leid es mir tut, durch blindes Aufnehmen des ganzen Kontinents schafft man nur absolutes Chaos.

    Ihr Verurteilen der Abschreckungspolitik mag dahingehend auch auf den ersten Blick moralisch ganz wundervoll sein, aber wie bereits angeführt nach der ersten Million kommt die zweite, dann die dritte, es wird ja auch bekannt, dass das Tor nunmehr weit offen ist, wenn es das ist…

    Die Alternative ist einfach unmöglich für die Sozialsysteme Europas zu verkraften – ES GEHT EINFACH NICHT…

    Ich möchte noch weitere Punkte anführen und weise darauf hin, dass diese natürlich absolut verwerflich in unserer heutigen Zeit der politischen Korrektheit sind – aber deswegen nicht weniger von Bedeutung…

    Ein großes Problem der gesamten Menschheit ist es, dass heutsotage die Kraft, die eben diese Menschheit erst möglich gemacht hat, völlig ausgehebelt wird – (achtung böse) die Evolution und deren Mittel, alles in einer Balance zu halten. Alles und jeder MUSS überleben.
    In Afrika wird von einer Zahl Hilfsorganisationen geholfen, die ich nicht ansatzweise abzuschätzen in der Lage bin, jedoch reicht es aufgrund der schieren Zahl der Menschen halt gerade knapp zum Überleben und wird NIE zum Aufschwung reichen – auch wenn nochmal 100x soviel reingesteckt würde.

    Dies hängt auch mit der Mentalität der Menschen zusammen – wird zuviel geholfen, verlässt man sich darauf.

    Warum ich so ein böses Thema anschneide ist einfach – wäre dies nicht der Fall, so würde sich die Anzahl der Menschen auf der Erde auf ein gesundes Maß einpendeln und nicht bereits jetzt – geschweige denn in 50, 100, 200? Jahren für die Erde als System massiv gefährlich/tödlich.
    Vor allem Afrika ist hier eine Triebfeder.
    http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/un-studie-weltbevoelkerung-waechst-auf-9-6-milliarden-menschen-bis-2050/8345514.html

    Natürlich wird das Gegenargument sein, dass ich als deutscher Wohlsituierter mir ja leicht tue, sowas zu schreiben und klar würde ich als Afrikaner auch sehen, dass ich ins schöne Deutschland komme, wenn das mein Über- oder besser Leben sichert, aber das macht ja die Aussagen zur Weltbevölkerung (es sterben nicht mehr genug Menschen, die es normalerweise nicht schaffen KÖNNEN) nicht weniger wahr…

    Übrigens bekommt kein Tier quasi als Protest, wenn es ihm an Nahrung und allem anderen auch mangelt, Abkömmlinge über Abkömmlinge über Abkömmlinge. Das ist eine Neuentwicklung bei den Menschen und konnte aufgrund der heutigen Einstellung (Hilfe durch Geld, Ärzte, Brunnenbau, usw. etc) bislang nicht als ineffizient wieder verworfen werden…
    Und NEIN – ich bezeichne keinen Afrikaner als Tier – ich benutze diese Analogie um die ausgehebelte Evolution zu unterstreichen…

    Und bevor sie fragen:

    Natürlich KANN und WIRD kein Mensch, kein Land und auch ich nicht, sagen, dass man alles einstellen soll und Afrika sich gesundsterben lassen – ich möchte nur zeigen, dass ihre Forderungen einfach unmöglich sind – wir haben hier ein Dilemma, das man über viele Generationen nicht lösen können wird, aber jeden, der das möchte, nach Europa zu lassen, würde lediglich ein gleichmäßiges, zugegebenermaßen kleineres, aber zumindest vorläufig gleichmäßiges Elend, verteilt über EU und Afrika schaffen…

    Aufnahmen in der geforderten Form würden jedes Sozial- UND Gesellschaftssystem zerstören. Nicht in der Forderung und Höhe, die momentan von Ihnen auf dem Blog beschrieben wird, aber wie gesagt:
    Sobald die geforderte Zahl in Europa aufgenommen wäre, würde sich herausstellen, dass gerade mit einem Yoghurtbecher aus einem Stausee geschöpft worden war und neue Zahlen würden nötig usw. usw.

    Nochmal:
    Ich möchte nicht, dass irgendwas eingestellt, dem Schicksal überlassen oder sonstwas wird…
    Ich möchte nur, dass ein klitzeklein wenig Logik und das Bewusstsein für möglich/unmöglich mit in solche Überlegungen einfließt…

  21. knuzi,

    ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass es die Armen auf dieser Welt sind, die die vielen Kinder bekommen, und dass sich mit der Urbanisierung und der Annäherung an die Mittelschicht (oder wenigstens die obere Unterschicht) das Bevölkerungsproblem löst? Dann geht die Kinderzahl auf etwa 2 pro Frau zurück. Oder sogar darunter.

    Ihre Perspektive scheint eher darin zu liegen, die Massen von afrikanischen Armen sterben zu lassen, auch wenn sie sich verbal und vordergründig davon distanzieren. Denn das Sterbenlassen ist die Konsequenz aus Ihrer Art der Betrachtung des Problems.

    Ein weiterer Punkt ist Ihre Paranoia. Als ob 1 Mrd Afrikaner nach Europa kommen wollten.

    Schließlich: Wir sind uns einig, dass es für die Einwanderung Grenzen gibt. Die Diskussion müsste sein, wo diese Grenze liegen sollte. Ich sage, wir könnten mehr aufnehmen, als wir bis jetzt aufnehmen, und wir könnten geschickter mit der Einwanderung umgehen.

    Wenn unsere Sozialsysteme unter Druck sind, dann gewiss nicht wegen der paar Flüchtlinge. Wieso erlauben wir es, dass der private Reichtum der 10% Oberschicht ständig und drastisch steigt, während die öffentlichen Haushalte ständig sparen sollen und die Mittelschicht unter Druck gerät und die Unterschicht weiter verarmt? DA liegt das Problem.

  22. fantomas007 meint:

    “Und NEIN – ich bezeichne keinen Afrikaner als Tier – ich benutze diese Analogie um die ausgehebelte Evolution zu unterstreichen…”

    Vielleicht solltest Du mal darüber nachdenken, dass genau die besagte Evolution, die den Menschen hervorgebracht und ihm die Fähigkeit gegeben hat ein mitfühlendes Wesen zu sein, der Grund dafür ist, dass es eben nicht mehr bereit ist seinesgleichen einfach sterben zu lassen. Die besagte Evolution, die Du in deinem Kommentar immer wieder als die größte Instanz hinstellst will das vielleicht so, oder besser begünstigt dies durch (natürlich ohne Absicht) die Fähigkeit des Menschen, mitzufühlen.

    Wenn die Menschen sich an die Evolution gehalten hätten, wie du sie interpretierst, hätten sie nie angefangen Krankheiten zu heilen und würden wahrscheinlich noch in Höhlen wohnen und jeden der irgendwie von einem gesunden Menschen abweicht, krepieren lassen. Und das sie genau das nicht gemacht haben, hat überhaupt erst den Fortschritt gebracht.

    Die ungesunden, armen und unzufriedenen Menschen sind die Treibfeder für den technischen, medizinischen und sozialen Fortschritt. Gäbe es nur zufriedene und gesunde Menschen, würden wir immer noch in Höhlen wohnen und selbstzufrieden vor uns grunzen. Es gibt kein Fortschritt ohne die unzufriedenen an dem herrschenden Zustand und der Mensch ist angehalten immer nach der Illusion zu streben, die Vollkommenheit zu erreichen, die nicht erreicht werden kann. Das ist die Triebfeder des Menschen- hervorgebracht durch die Evolution.

    Und sonst: Nein, wir können natürlich nicht jeden aufnehmen. Und ich denke nicht, dass wir so viele aufnehmen können, wie Leo sich das gerne vorstellt. Aber vielleicht irgend eine Zahl dazwischen. Wichtig dabei ist nur, dass man die Menschen, die es versuchen, versteht. Wie kann man Menschen hassen, die aus ärmlichsten Verhältnissen fliehen. Auch wenn ich irgendwann strikt gegen die Einwanderung sein sollte, lege es bestimmt nicht daran, dass ich die Flüchtlinge hasse, sondern weil ich der Meinung bin, dass es uns überfordert. Ich würde sicher nicht gegen die Menschen hetzen, in dem ich ihre Kultur schlecht mache, sondern viel mehr den Leuten klar machen, dass eben nicht mehr geht.

  23. @Fantomas und Leo:

    zu allererst – dann nennen Sie beide – vor allem Herr Brux doch einfach mal eine fixe Zahl – ab der Sie zufrieden sind und aufhören nach oben zu korrigieren – wenn Sie nochmal lesen (nochmal vor allem Herr Brux), dann sehen Sie, dass ich vor allem daran anstoß nehme, dass ohne Obergrenze mein angeführtes Szenario sehr wahrscheinlich ist…

    Zum Thema Evolution – ich fange aufgrund bestehender Konventionen nicht an irgendwelche Grenzen zu ziehen – schon allein, um mich so wenig wie möglich angreifbar zu machen… ich möchte meinen Blick auf die Evolution vielmehr anders herum beachtet bekommen:

    Denken Sie beide wirklich, dass es Millionen von Jahren in der Entwicklung hin zum Menschen (lesen Sie mal über die Wahrscheinlichkeiten Umweltbedingungen-Bakterien-Mikroben… usw etc) so gelaufen wäre, nur um dann 20 Mrd. Menschen 2200 die Erde ersticken zu lassen? ;) Eher nicht oder?

    Es geht auch nicht um die Triebfeder, die von Fantomas erwähnt wurde – es geht nicht um Krankheit A oder B, sondern um 1,1 Mrd Menschen, die ALLE überleben müssen – ALLE!!!! UND ihre Kinder und Kindeskinder… denken Sie beide das mal durch… logisch…

    Und Herr Brux – beleidigen Sie mich nicht dauernd (haben Sie schon bei vorherigen Posts von mir), indem sie “populistisch” werden… natürlich kommen nicht 1.1 Mrd Afrikaner auf einen Hopps nach Deutschland/Europa – aber 5% davon reichen völlig aus, um alle Sozialsysteme zu sprengen – wer das bestreitet ist entweder völlig wahnsinnig oder einfach nur ignorant…
    Vor allem, weil wir ja unser wundervolles Bevölkerungswachstum noch überhaupt nicht berücksichtigen…

    Sie sprechen von Städtewanderung und dass dann alles gut wird – ööööhm ich bitte Sie inständig – von den 1.1 Mrd. wandern vllt 10-hööööchstens 20% mit der Absicht, sich zu modernisieren in die Städte – mehr packen diese auch nicht ohne wiederum zusammenzubrechen… der Rest bleibt bei seinen 5-x Kindern…

  24. Noch ein Nachtrag zu ihrer Anmerkung “Oberschicht, 10% usw etc” – nochmal Zeit ein wenig nachzudenken – und zwar objektiv und nicht “von unten aus Neid” – genauso, wie ich betont habe, dass ich als Afrikaner sicher anders schreiben würde…

    Nehmen wir den “reichen”, die sowieso schon 60% der Last tragen noch mehr, meinen sie dann geht in Zukunft noch jemand Risiken ein, um neuen Reichtum zu generieren, den dann jemand anders umverteilen kann?

    Meinen Sie, dass beispielsweise Herr Schlecker, der gewiss eine Menge Risiken eingegangen ist viele Jahre lang und der seine Angestellten dermaßen über Tarif bezahlt hat, dass sich Lidl, Aldi und Co schlapplachten, als die sog. Schleckerfrauen kamen und ihren bisherigen Lohn wollten, nochmal anfangen würde/ein gutes Beispiel für zukünftige Investoren bietet?

    Er wurde – ganz nach Umverteilungsgusto dafür beschimpft, dass er Profit hatte aus Jahrzehnten erfolgreichen Unternehmentums…

    Irgendwann macht das eben keiner mehr – von wo soll denn dann zu den armen Flüchtlingen umverteilt werden?

  25. knuzi,
    mit keinem Wort gehen Sie ein auf das von mir erwähnte Faktum, dass sich die Kinderzahl pro Frau auf 2 oder darunter reduziert im Falle von Urbanisierung + materieller Sicherheit. Siehe Europa.
    Warum spielt diese Überlegung bei Ihnen keine Rolle?
    Wir hätten da auch eine Lösung für Afrika, die nicht darin bestünde, eine halbe Milliarde sterben zu lassen.
    Auch darauf gehen Sie nicht ein: Wie denn aus Ihrem Ansatz kein Massenmord folgen soll.

    Wieviele Afrikaner würden nach Europa kommen, wenn sie könnten und dürften?
    Schon möglich, dass es ein paar Prozent wären, je nach Entwicklung dort.
    Seltsamerweise lesen Sie aber nicht, was ich geschrieben habe: dass auch ich eine Grenze sehe, was die Möglichkeit des Aufnehmens (also auch des Hereinlassens) angeht.
    Wieder frage ich: Warum nehmen Sie das nicht zur Kenntnis, sondern unterstellen einfach – und wahrheitswidrig, dass ich für bedingungslos offene Grenzen hier und heute bin?
    (Ich würde mir freilich wünschen, dass man global dazu kommen könnte, indem man so viel globales Gleichgewicht im Ökonomischen und Sozialen hinbekommen könnte, dass es auch realisierbar wäre.)

    Zu den Reichen: Die tragen keine 60% der Last, sondern erheblich weniger als Mittelschicht und Unterschicht. Sie schaffen auch nicht gesellschaftlichen Reichtum, sondern behindern eher eine solche Entwicklung. Nun, kunzi, Sie sind also dafür, dass die Reichen immer Reicher werden. Wohin führt das am Ende?
    Was hat es mit Neid zu tun, wenn man nicht möchte, dass die Reichen auf Kosten von uns allen immer reicher werden und das viele Geld, das sie kassieren, nicht mehr ausgeben können, sondern im Finanzkasino spekulativ anlegen müssen, womit sie die Weltwirtschaft zu ruinieren drohen.

    Eine Gesellschaft ist so stark wie ihre Mittelschicht – nicht wie ihre Superreichen.

  26. conring meint:

    @ Fantomas007
    “Ehrlich gesagt kann ich kaum jemanden verstehen, der ein Fan der Serie ist und trotzdem andere Kulturen geringschätzt.”
    Bei den Borgs hört es doch auch bei Picard mit der Toleranz auf.
    Ich mochte bei “Next Generation” immer die Cardassianer am liebsten.

  27. Leo, ich habe keine konkrete Vorstellung, wie die Rekolonialisierung stattfinden könnte. Evtl. über die UNO? Allerdings haben dort die betroffenen Kleptokraten aus der III. Welt die Mehrheit, und die werden den Teufel tun, ihre Stellung zu gefährden. Afrikanische Diktatoren vor dem internationalen Gerichtshof stehen allen vor Augen, sowas wird man sicher vermeiden wollen.

    Ansonsten ist ihre Position nach wie vor von bestürzender Naivität, alles wird auf die moralische Schiene und apelllieren.

    Weiterführend ist allerdings der Hinweis auf die Evolution. Wie es kommen konnte, dass sich bei in erster Linie auf Selbsterhaltung ausreichteten Wesen wie uns altruistische Verhaltensweisen entwickeln konnten, hat zuerst Robert Trivers 1971 untersucht, sein Aufsatz ist immer noch höchst lesenswert: http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=3&ved=0CEkQFjAC&url=http%3A%2F%2Feducation.ucsb.edu%2Fjaneconoley%2Fed197%2Fdocuments%2FtriversTheevolutionofreciprocalaltruism.pdf&ei=iTddUpiDD8TctAbDkYDICw&usg=AFQjCNFtDJZHv26UNTN_gE-cNHVsLRnlEw&bvm=bv.53899372,d.Yms&cad=rja

    Altruismus kann sich durchsetzen, wenn er allen nutzt. Eine Gesellschaft (oder auch nur eine Untergruppe wie. z.B. die Religionen), in der alle einander helfen, ist stärker als ein Haufen von Einzelkämpfern, völlig klar.
    Das gilt allerdings nur so lange, wie auch alle (oder doch die allermeisten) einen Vorteil davon haben. Und das ist eben im Fall der Massenflucht nicht gegeben, zumindest nicht auf kürzere Sicht.

    Wikipedia sagt zum gleichen Thema: ” “Evolutionäre Stabilität erfordert gegenseitige Kontrolle und den Ausschluß (oder die Bestrafung) von nur egoistischen Nutznießern, denn letztere besäßen sonst einen reinen Vorteil aus einer Versorgung ohne Gegenleistung. Als solche besäßen sie einen Selektionsvorteil, der zum Verschwinden der Altruisten führte, auch wenn danach möglicherweise die ganze Population, da nur altruistisch organisiert überlebensfähig, unterginge.”

    Genau das passiert psychologisch für die Mehrheit der Europäer, da kommen Menschen und verlangen Hilfe von ihnen, ohne eine Gegenleistung zu erbringen bzw. erbringen zu können, denn es glaubt niemand ernsthaft, dass die alle hier Arbeit finden werden. Es sei denn, wir stellen Leute ein, die an der Supermarktkasse die Waren in Tüten verpacken, wie es in Südamerika üblich ist (und dort bekommen die häufig keinen Lohn und leben nur von Trinkgeldern der Kunden).

  28. Übrigens fände ich es interessant, wie du was zu den mentalen Hindernissen der wirtschaftlichen Entwicklung in der III. Welt sagen würdest. Ich habe oben ja was dazu geschrieben: Die Fixierung auf die eigene Familie oder Gruppe, den Mangel an Individualismus usw.

  29. Mentale Hindernisse sind in der Regel Folge von strukturellen Deformationen, und an den strukturellen Deformationen in der 3. Welt sind wir von der 1. Welt maßgeblich beteiligt.

    Von einer Rekolonialisierung hat NIEMAND eine konrete Vorstellung; es kann gar keine konkrete Vorstellung dazu geben. Es handelt sich um eine rein abstrakte Politprovokation. (Die als solche durchaus nützlich sein kann, nämlich zum Denken anregt.)

    Was die “bestürzende Naivität” angeht, so scheint mir, dass eher mein Standpunkt hart realistisch ist und sich nichts vormacht. Es wird keine nachhaltig erfolgreiche Abschottung gegen die Globalisierung insgesamt, gegen die Globalisierung des Arbeitsmarktes im Speziellen, gegen die Flüchtlingsströme aus Katastrophenländern geben. Man mag es hier und da begrenzen können – die Globalisierung ist unser Schicksal, und zwar aufgrund der technologischen und ökonomischen Verhältnisse. Sie SCHAFFEN die EINE Welt, ob wir wollen oder nicht, und jeder Standpunkt, der das nicht erfasst, ist naiv.

    Für die Selbsterhaltung der Menschheit ist ein konstruktiver Umgang mit der Globalisierung das, was geschehen muss, aber vielleicht nicht geschehen wird, weil die Menschheit die Abschottung und Abgrenzung und Ausgrenzung vorzieht. Sie schaufelt sich damit das globale Grab.

    Wirklich pervers in deiner Argumentation ist die Behauptung, die Flüchtlinge KÖNNTEN keine Gegenleistung erbringen. Sie DÜRFEN keine erbringen. Wir verbieten es ihnen. Weil es eine win-win-Situation wäre – die Flüchtlinge würden was gewinnen, und wir würden was gewinnen. Gegen ersteres haben wir was.

    Die Flüchtlinge als “egoistische Nutzer” zu bezeichnen, dazu gehört schon einige Bösartigkeit. Da kommt der Unmensch heraus, Fritz. Menschen fliehen zurecht aus unerträglichen Verhältnissen – du würdest es tun, ich würde es tun, es ist einfach menschlich und klug, es zu tun. Und mutig. Die, die fliehen, sind überwiegend tüchtige, starke, lernbereite Menschen, die sich nach Arbeit sehnen und die alles dafür tun würden, sich nützlich zu machen. Wir aber lassen sie nicht.

    Global gesehen bestehen die “egoistischen Nutzer” eher aus Leuten wie du es bist, Fritz. Aus Leuten, die sich der globalen menschlichen Solidarität entziehen.

    Globale menschliche Solidarität ist aber eine Bedingung für das Überleben der Menschheit.

  30. Ich habe vor einiger Zeit das Buch “The Time Traveler’s Guide to Medieval England” von Ian Mortimer gelesen, s. hier: http://www.amazon.de/Time-Travelers-Guide-Medieval-England/dp/B00BP0NBQO/ref=la_B001HOEHI4_1_3/280-5753339-9141109?s=books&ie=UTF8&qid=1381927051&sr=1-3

    Sehr interessante Lektüre, ist geschrieben wie ein moderner Reiseführer, nur nicht für ein fremdes Land, sondern für das 14. Jahrhundert, also für eine Zeitreise. Die beschriebenen Verhältnisse gleichen der heutigen III. Welt: überall Krieg, Warlords und Lokalfürsten herrschen, Armut und Hunger, dabei große Religiosität. Das gab es bei uns also auch alles. Warum hat sich das in Europa geändert und in Afrika nicht?

    Die Leute dort sind nicht so, weil wir sie so gemacht hätten, sondern weil sie so geblieben sind. Der Kolonialismus war da nur eine Episode und hat grundlegende Veränderung von Mentalitäten und Traditionen gebracht. Man hatte daran ja auch kein Interesse und wollte die Länder nur ausnutzen.

    Aber Europa geht es heute auch nur besser, weil die Europäer selber die Verhältnisse geändert haben, weil sie Aufklärung und Revolution gemacht und Kirchen und Fürsten in die Schranken gewiesen haben. Und das müssen die Völker der III. Welt auch leisten, für sich selber, sonst wird sich nichts ändern. Der Zusammenhang zwischen ökonomischer Entwicklung und Individualisierung, Säkularisierung und Rationalisierung ist schon seit Max Weber bekannt.
    Das bedeutet natürlich eine fundamentale Änderung der kulturellen Identität der Menschen, und wenn man ihnen wegen ihrer wunderbaren Kulturen und religionen den bauch pinselt, trägt man dazu nichts bei. Aber manche von ihnen haben das schon erkannt. Z.B. Leo Igwe aus Nigeria, ein Tapferer Kämpfer für die Vernunft gegen den Aberglauben, der in Afrika verfolgt und angegriffen wird: http://de.wikipedia.org/wiki/Leo_Igwe, wirklich ein bewundernswerter Mann. Sehr gut ist dieser Artikel von ihm: http://ieet.org/index.php/IEET/more/igwe20130911a . Zitat: „I am deeply persuaded that until the people in Ghana and Africa begin to cast doubt or disbelieve in the existence of their numerous gods. Until they begin to question and freely examine the so called divine revelations and pronouncements through and by their soothsayers and priests who front and play god, until freethinkers begin to speak out and challenge local cultural narratives and other entrenched dogmatic and paranormal notions of the world, we are not seeing an end yet to witchcraft accusation in the region.”

  31. Und wenn du über die Globalisierung sprichst, meint man, die Unternehmerverbände zu hören, die sagen auch immer, es gäbe dazu keine Alternative.

    Das ist natürlich Unsinn, die Globalisierung ist kein Schicksal, sondern von Menschen gemacht, und sie kann auch von Menschen gestaltet und wo nötig rückgängig gemacht werden. Natürlich fehlt dazu aktuell der politische Wille, Kapitalisten und Politiker bis hin zu den Grünen wollen daran nichts ändern, weil sie dadurch Vorteile haben.

  32. Das Beispiel mit der Evolution des Altruismus habe ich gebracht, um zu zeigen, dass die Ablehnung der Einwanderung eben nicht nur auf Ressentiments und Rassismus beruht, sondern auf einer durchaus rationalen (wenn auch verkürzten) Wahrnehmung der eigenen Interessen.

    Wenn da jemand zu mir kommt, sich hinsetzt und sagt: Ernähr mich, sonst bist du schuld an meinem Tod, motiviert das nicht unbedingt zur Solidarität mit ihm.

    Wie gesagt, das ist nicht meine Position, aber ich kann sie verstehen. Den Leuten, die so denken, würde ich sagen: Ihr müsst könnt nicht einfach gleichgültig sein gegen das, was in der III. Welt passiert. Wenn ihr euch nicht darum kümmert, tun das die falschen Leute, und die Entwicklung läuft in die falsche Richtung, nämlich nach rechts, indem die, die kein Kapital besitzen und von ihrer Arbeitskraft leben, gegeneinander ausgespielt werden.

  33. … dass die Ablehnung der Einwanderung eben nicht nur auf Ressentiments und Rassismus beruht, sondern auf einer durchaus rationalen (wenn auch verkürzten) Wahrnehmung der eigenen Interessen.

    Eben, Fritz. Einer verkürzten Wahrnehmung der eigenen Interessen.

    Die Verkürzung passiert vor allem auf diese Weise:

    Und wenn du über die Globalisierung sprichst, meint man, die Unternehmerverbände zu hören, die sagen auch immer, es gäbe dazu keine Alternative.

    Das ist natürlich Unsinn, die Globalisierung ist kein Schicksal, sondern von Menschen gemacht, und sie kann auch von Menschen gestaltet und wo nötig rückgängig gemacht werden. Natürlich fehlt dazu aktuell der politische Wille, Kapitalisten und Politiker bis hin zu den Grünen wollen daran nichts ändern, weil sie dadurch Vorteile haben.

    Die Globalisierung ist die zwingende Folge der sich ständig revolutionierenden Technologie, die dann wiederum die Ökonomie gobalisiert, wodurch wiederum die Politik sich globalisiert …

    Die Globalisierung kann nicht rückgängig gemacht werden – es sei denn, wir verzichten auf unsere modernen Technologien, also die heutigen Kommunikationsmedien, die heutigen Transportmittel, den globalen Austausch, und ziehen uns wieder zurück in eine technologische und ökonomische Welt wie die um 1900 herum.

    Wenn Deutschland seine Autos in Indien verkaufen will, dann heißt das: Indien ist unser Nachbar, und Indien muss seine Grenzen für unsere Autos öffnen, und Indien muss genug Menschen haben, die genug Geld verdienen, um unsere Autos kaufen zu können, und Indien muss sich kulturell und infrastrukturell so einstellen, dass die Leute dort unsere Autos kaufen können und kaufen wollen. Die Grenzen müssen also undicht werden. Anders geht das nicht. Wer sich abschottet, schneidet sich vom Welthandel und vom Innovationsprozess ab – und bleibt zurück.

    Wenn da jemand zu mir kommt, sich hinsetzt und sagt: Ernähr mich, sonst bist du schuld an meinem Tod, motiviert das nicht unbedingt zur Solidarität mit ihm.

    Diese Leute würden sich schon gern selber ernähren, wenn wir sie nur lassen würden.

    Also, geben wir ihnen Arbeit hier in Europa!
    Und sorgen wir dafür, dass sie auch in ihren Herkunftsländern arbeiten und genug Geld verdienen können – indem wir unsere rücksichtslose Ausbeutungspolitik beenden. Es wäre in unserem eigenen langfristigen Interesse!

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