Rechtsradikale Hooligans in den Fußballstadien auf dem Vormarsch

sportEin kleiner, feiner, interessanter politischer Nebenschauplatz: das Fußballstadion.

Ein Ort, an dem Rechtsextremisten Dominanz zu gewinnen versuchen.

  • Duisburg.
  • Aachen.
  • Düsseldorf.
  • Rostock.

In Duisburg haben dieses Wochendene die rechtsradikalen kampfsporterprobte Hooligans die Ultragruppe “Kohorte” überfallen – als Fortsetzung ihrer Einschüchterungsmaßnahmen.

Division Duisburg, Proud Generation, Nationaler Widerstand Duisburg, Nationaler Widerstand Dortmund: so nennen sich die beteiligten Hooligangruppen.

In den vergangenen Monaten sind sie zu Kompromissen gezwungen worden, die ihnen eigentlich gegen den Strich gehen: Wenn sie darauf verzichten würden, sich mit Transparenten oder Gesängen gegen rechts zu positionieren, werde man gnädigerweise davon absehen, sie zu verprügeln. Das wiederum erinnert weniger an Schulhof – als an Mafiamethoden.

Auch am Samstag haben die Duisburger Ultras das Schweigegelübde eingehalten, das ihnen alte und junge Hooligans abgerungen haben. Sie hissten aber ein Transparent, in dem sie sich solidarisch mit einer antirassistischen Braunschweiger Ultra-Gruppe erklärten, die im September zur Zielscheibe rechter Gewalt wurde.

Auch bei Fortuna Düsseldorf und bei Hansa Rostock wurden Ultras, die sich gegen rechtsaußen positionieren, eingeschüchtert. In Aachen gab eine Ultragruppe deshalb sogar auf und überließ den Rechten die Fankurve.

Martin Endemann, Sprecher des Fanzusammenschlusses “Bündnis Aktiver Fußballfans” warnt dann auch vor einem bundesweiten Trend: “Rechtsradikale Hooligans wollen ihre Sichtweise der gesamten Fanszene aufzwingen und versuchen, die einzige Gruppe, die sich offen dagegen wehrt, zu zerschlagen, auch mit körperlicher Gewalt.”

Am Duisburger Angriff sollen auch zwei Wortführer der 2012 verbotenen Neonazikameradschaft “Nationaler Widerstand Dortmund” beteiligt gewesen sein. Die beiden sind Fans von Borussia Dortmund und der Dortmunder Polizei leidlich bekannt. Für BVB-Spiele haben sie Stadionverbot.

SZ

Mich wundert das Verhalten der Polizei.

Wo ist die eigentlich in solchen Fällen?

Man stelle sich einmal vor, gewalttätige Islamisten oder linksextreme Autonome würden im zivilen Raum so aggressiv auftreten. Da wär Schluss mit lustig im Nu.

Nicht dass ich unterstelle, Polizei und Innenminister würden mit den Hooligans sympathisieren.

Aber man sieht sie offensichtlich nicht als so gefährlich an wie linksextreme Autonome oder gewalttätige Islamisten.

Dabei geht Gefahr für die Bürger vor allem von denen aus, die auf Alltagsgewalt abzielen, um Bürger einzuschüchtern.

Und die Vereine?

In Aachen hat man den Rechten ganz das Stadion überlassen.

Anders in München, bei den 60ern.

“Löwenfans gegen Rechts” gehören seit langem zur Fanszene.

Der TSV 1860 München hat auch einen Passus gegen Rechtsextremismus in die Vereinssatzung aufgenommen.

Im Block 132 treffen sich noch immer bei jedem Heimspiel die stadtbekannten Nazis. Im Stadion verhalten sie sich ruhig, um den Rausschmiss zu vermeiden. Auf dem Weg zum Stadion oder zurück vom Stadion grölen sie in der U-Bahn volksverhetzende Lieder.

Dass die Nazis es schwer haben bei den 60ern, hat sich beim Spiel zur Einweihung des renovierten Grünwalder Stadions erwiesen. Der ganze Fanblock ist ihnen entgegengetreten mit dem Chor: “Wir sind Löwen – und ihr nicht!”

(SZ, 23.10.2013)

Kommentare

  1. Christoph meint:

    “Wo ist die eigentlich in solchen Fällen?”

    Die Polizei ist außerhalb des Stadions, da für die Sicherheit im Stadion die Vereine zuständig sind und nicht die Polizei. Außerdem müssen die Vereine die Polizeieinsätze im Stadion bezahlen.
    Wahrscheinlich sind eigene Sicherheitskräfte billiger. Nur bei Risikospielen ist die Polizei gleich im Stadion. Aber auch nur für die Trennung Heim-Gäste.

    Ich weiß aber nicht, wo die Angriffe stattgefunden haben. Außerhalb des Stadions ist die Polizei wieder zuständig. Dabei konzentriert sich diese allerdings auf die Trennung von Heim- und Gästefans. Daher haben es die Rechten leichter, sich in der Masse zu verstecken.

    Hier sind vor allem die Vereine gefragt. Eine klare Positionierung gegen Rechts und Zusammenarbeit mit der Polizeit sind gefragt.

  2. Es war außerhalb des Stadions, vor dem Stadion.

  3. Christoph meint:

    Das ist sch… Hier muss die Polizei Hilfe leisten gegen den rechten Mob.

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