Mhallami. Miri. Das Individuum, das Kollektiv und die Kriminalität.

kriminalitaetSozusagen in Parallelgesellschaft leben 8.000 in Berlin, 2.600 in Bremen, 2.000 in Essen.

Ein Teil von ihnen ist in Deutschland als Familien Union e. V. organisiert und bemüht sich um die Integration, schafft selber Integrationsangebote (Sport, Nachhilfe, Freizeittreffs …)

Die Mhallami sind sunnitische Muslime, sprechen ein Arabisch, das stark mit kurdischen Elementen durchsetzt ist (weshalb Araber sie nicht als Araber anerkennen und Kurden nicht als Kurden), stammen ursprünglich aus der türkischen Provinz Mardin, sind von dort aber in den Atatürk/Inönü-Jahren in den Libanon geflohen und in den 70er Jahren als Bürgerkriegsflüchtlinge von dort u. a. nach Deutschland. (Ausführlich dazu: Ghadban)

Wieviele sind sie insgesamt? – Man weiß es nicht, aber die Größenordnung könnte sein: bis zu 50.000 im Libanon, um die 40.000 in Europa, um die 60.000 in der Türkei (Mardin, Batman).

Sie leben in Clans. Jeder hat mehrere 1.000 Mitglieder, die Großfamilien zwischen 50 und 500. (Miri ist ein Clan der Mhallami in Bremen.)

Bei uns werden sie als “libanesisch-kurdische” Großfamilien registriert.

Auch auf die Mhallami bezieht sich Joachim Wagner mit seinem Buch “Richter ohne Gesetz” – islamische “Paralleljustiz” gefährde den deutschen Rechtsstaat.

Sie haben einen schlechten Ruf: Drogenhandel, Vergewaltigung, Raub, Mord … Einige Familien haben einen kriminellen Zweig.

Heißt das, DIE Mhallami sind kriminell?

Die allermeisten Familien und Familienmitglieder sind NICHT kriminell. Aber der Prozentsatz ist relativ hoch.

Ulrike Heitmüller (bei telepolis) knüpft daran eine Reflexion über die Frage an: “Gibt es Ausländerkriminalität?”

In dieser Pauschalität macht die Frage wenig Sinn, stellt sie fest. Aber wenn man die Frage zuspitzt auf eine spezielle Gruppe – etwa die Mhallami – macht sie dann mehr Sinn?

Man kann es noch mehr einengen: Ist der Miri-Clan in Bremen kriminell? – Er soll nach Polizeiangaben pro Jahr 50 Millionen Umsatz (?) im Rauschgifthandel machen.

Beate  Krafft-Schöning hat recherchiert und schreibt dagegen an in ihrem Buch “Blutsbande“. Nicht unbedingt mit Erfolg, wie die Amazon-Rezensionen zeigen.

Diese Leser ziehen es vor, sich die ganze Gruppe, das ganze Kollektiv als kriminell vorzustellen, wenn ein Teil davon kriminell ist.

Wir ziehen es als moderne, aufgeklärte, an unserer Verfassung sich orientierende Menschen vor, jeden Menschen für sich zu sehen, auch wenn er Teil eines Kollektivs ist, und auf dieser individualisierenden Grundlage klare Unterschiede zu machen.

Die grobe Pauschalisierung, wie sie zum mörderischen Antisemitismus und schließlich zum Holocaust geführt hat, verbietet es uns, der Neigung zu kollektiven Schuldzuweisungen, ja überhaupt zu Urteilen über Kollektive naiv nachzugeben.

Es gibt allerdings einen intelligenten Einwand gegen diese Individualisierung.

Im Positiven gewähren wir uns das Recht auf Kollektivqualifikationen und -urteile durchaus. Schwarze bewegen sich  gut, Deutsche organisieren gut, Chinesen sind fleißig, chinesische Schüler pauken wie toll, Isländer lesen viel, … Gern identifizieren wir Leistungen von Deutschen als UNSERE Leistungen: WIR gewinnen, wenn UNSERE Nationalmannschaft ein Spiel gewinnt. Im Sport lebt die Kollektiv-Identifikation ungebrochen weiter. Im Wirtschaftsvergleich auch – DIE Griechen versagen, und WIR schmeißen ihnen UNSER Geld nach …

Die Neigung zu Kollektivbetrachtungen dürfte allenfalls bei extrem Libertären völlig ausgeschaltet sein.

Wir Menschen sind Gesellschaftswesen, die Neigung, Kollektive zu beurteilen und dabei den Einzelfall außen vor zu lassen, ist einfach menschlich.

Ich werde es den Polen auch nicht vorwerfen, wenn sie sagen, 1939 seien DIE Deutschen in Polen einmarschiert.

Wie geht man vernünftig mit dem Kollektivurteil um? Wie wird man beidem gerecht – dem Individuum und dem Kollektiv?

Der telepolis-Artikel gibt keine Antwort auf die Frage, er endet aber immerhin mit einer praktischen Aufgabe:

Bremen hat eine eigene Datenbank zum Thema Mhallami aufgebaut, die “Informationssammelstelle ethnische Clans” (ISTEC).

Eine wichtige Frage im Zusammenhang mit der Miri-Kriminalität ist die nach der Berechtigung besonderer Ermittlungsmaßnahmen für ausgewählte ethnischer Gruppen. Die Kriminalitätsrate bei Mhallamiye ist anscheinend höher als bei Menschen anderer Herkunft. Weiß eine Behörde, wer mit wem verwandt ist, kann etwa die Erschwindelung eines Zeugnisverweigerungsrechtes leichter verhindert werden. Und da nur vier ISTEC-Beamte diese Datenbank überhaupt einsehen dürfen, sollte Missbrauch der Daten verhindert werden können.

Also hängt die Frage nach der Berechtigung einer solchen gesonderten Betrachtung arabischer Großfamilien bei Polizei und Medien eher mit der Frage nach ihrem Sinn zusammen: Hilft sie, Verbrechen zu verhindern und aufzuklären? Zumindest soll sie das: “Sowohl bei Ermittlungen, wie auch bei Einsatzvorbereitungen sind Kenntnisse über etwaige Zusammenhänge der beteiligten Personen in der jeweiligen Großfamilie von Belang (Hierarchie, Familienoberhaupt als Ansprechpartner u. v. m.).” – So die Pressestelle der Polizei Bremen.

Ob dazu die “normale” Polizeidatenbank nicht genügen würde?

Da es aber letztlich immer wieder darum geht, einzelnen Menschen einzelne Straftaten nachzuweisen, fragt man sich, ob die Zusammenfassung zu ethnischen Clans nicht eine ganz bestimmte Interpretation voraussetzt: Dass nämlich Gruppen wie zum Beispiel (arabische Groß-) Familien automatisch eine kriminelle Ausrichtung haben und als solche beobachtet werden müssen.

Vielleicht stimmt es ja – aber es wäre eigentlich Sache einer unabhängigen wissenschaftlichen Institution, das herauszufinden.

Zu dieser Aufgabenstellung gibt es zwei hysterische Antworten.

Die eine: Das ist doch krasse Diskriminierung! Eine ganze Ethnie wird hier pauschal verdächtigt und kriminalisiert!

Die andere: Raus mit allen diesen Kriminellen! Raus mit allen Mhallami-Clans! Wir lassen uns nicht schariasieren und mit Kriminalität überziehen!

Bleibt man auf dem Boden der Sachlichkeit und Menschlichkeit, wird die praktische Antwort komplex ausfallen.

Wie fällt die philosophische Antwort aus?

Unser Geschick, Kollektiv und Individuum in Balance zu halten, lässt zu wünschen übrig. Mal vergessen wir das Kollektiv über dem Individuum, mal vergessen wir das Individuum über das Kollektiv.

Kommentare

  1. Scharifa meint:

    Sehr geehrter Herr Brux,
    ich danke Ihnen für die gute Zusammenstellung des Themas – leider wird dieses Thema in Deutschland weitgehend ignoriert oder völlig aus dem Zusammenhang gerissen und auf das niedrigste Niveau gestellt. Völlig aus dem Leben gerissene Menschen, die nur die niedrigsten Bedürfnisse stillen und dies auch auf Kosten der Allgemeinheit – Schuld sind nach Krafft-Schöning natürlich nur die Anderen. Die Medien tun ihr selbiges und hauen drauf. Ich versuche seit einiger Zeit eine Seminararbeit über das Thema Mhallamiye zu erstellen, aber leider sind ausschliesslich verzehrte Informationen zu bekommen. Es gibt in Deutschland keine vernünftige Übersicht zu den Mhallamiye, deren Familienverbünde, die Herkunft, die religiöse Ausrichtung, usw.
    Vielleicht können Sie – oder einer ihrer Leser – vernünftige Quellen nennen, die nicht unbedingt durchsetzt sind von Gutmenschentum oder radikaler Ablehnung.
    Danke

  2. Ursula Becker meint:

    So wie die Mhallamis jetzt gesehen werden, so wurden früher die Zigeuner heute Rom a und Sinti, gesehen. Als ich Kind war, waren sie alle Betrüger und Schläger, ab und zu auch Musikanten. Wenn wir Kinder nicht artig waren, hieß es: Die Zigeuner stehlen Kinder. Wenn du nicht lieb bist, holen sie dich. Zum Glück hat sich das geändert, wenn auch nicht bei jedem. Hoffentlich wird der Ruf der Mhalladis bald verbessert. Viele sind vielleicht auch nur kriminell, weil sie nicht anerkannt sind. Was haben sie zu verlieren, wenn ihr Ruf sowieso schlecht ist?

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