So funktioniert der “Arbeiterstrich”

soziale-frage“Wer betrügt, der fliegt!”

Schauen wir mal, WER hier betrügt.

Ein Bauunternehmer möchte superbillige Bauarbeiter haben, ein Hotel superbillige Zimmermädchen, eine Reinigungsfirma superbillige Putzfrauen, ein Restaurant superbillige Abspülhilfen.

Ein kleiner Trick, und es geht:

Die allermeisten Rumänen und Bulgaren haben eine recht gute – oft sogar eine sehr gute – Ausbildung, wenn sie nach Deutschland kommen. Durchschnittlich deutlich besser als die Deutschen. Die gehen nicht auf den Arbeitsstrich.

Es gibt aber auch einige, die kaum Bildung und Ausbildung genossen haben und trotzdem (und verzweifelt) Arbeit und Lebensunterhalt bei uns suchen.

Da greifen die Ausbeuter zu.

Sie unterlaufen Gesetz und Mindestlohn, indem sie solche arbeitsuchenden Einwanderer zu – Selbständigen machen. Indem sie sie zwingen, als Scheinfirma und Sub-Unternehmer aufzutreten.

Der Arbeitsuchende wird von der Firma zum Gewerbeamt begleitet. Dort meldet er sich als eigene Firma an, mit 1 Beschäftigten, sich selber. Er wird dann Schein-Sub-Unternehmer bei seinem Arbeitgeber.

Damit werden Gesetz und Mindestlohn und Sozialabgaben elegant umgangen.

Jetzt kann der Arbeitgeber den Mann als superbilligen und total abhängigen Tagelöhner beschäftigen.

Die Rechnungen, die der angebliche Sub-Unternehmer beim Gewerbeamt einreicht, schreibt der Arbeitgeber selbst (der “Sub-Unternehmer” kann nicht so viel Deutsch.)

Wer betrügt, der fliegt?

Die Masche funktioniert nur, weil die Behörden die Masche nicht unterbinden. Weil die Parlamente gerne arbeitgeberfreundliche Gesetze machen.

Verbinden wir das Thema nun mit dem, das gerade heiß diskutiert wird:

Soll ein so ausgebeuteter Arbeitsstrichler oder Tagelöhner (oder Scheinselbständiger) Hartz IV beziehen dürfen?

Er müsste dann seine Unterlagen vom Gewerbeamt einschließlich seiner früheren “Rechnungen” und dem “Sub-Unternehmer”-Vertrag dem Jobcenter vorlegen.

Dann käme heraus, dass sein “Kontraktpartner” (de facto sein Arbeitgeber) betrogen hat.

Wer betrügt, der fliegt?

Warum fliegen die betrügerischen Arbeitgeber nicht (auf)?

Und die Politiker?

Jetzt möchte die CSU – die CSU! – den Arbeitgebern das nächste Schlupfloch aufmachen:

Mindestlohn ist vereinbart, da beißt die Maus keinen Faden mehr ab – aber es soll bitte arbeitnehmerfreundliche Ausnahmen geben: Praktikanten sollen keinen Mindestlohn bekommen.

Rechnen wir also damit, dass es bald eine Praktikantenschwemme geben wird. Dass auf den Baustellen, in den Hotels und Restaurants bald lauter “Praktikanten” arbeiten werden.

Die CSU lädt die Unternehmer zum Schwindeln ein. Beschimpft aber werden dann die falschen Praktikanten – weil sie Ausländer sind und Objekt dumpfer Ressentiments vieler CSU-Wähler.

Der Artikel basiert auf einem Interview, das die SZ (10.01.2014) mit Michael Kanert, Sozialrichter in Berlin, gemacht – aber nicht frei online gestellt hat.

Die Zahl würde mich interessieren. 2013 gab es 27.000 Klagen mit Bezug auf die Hartz-IV-Gesetze. Einige wenige – 12? oder 120? – Klagen kommen von der Gruppe, über die wir hier sprechen. Und über die sich die CSU aufregt.

Siehe auch

Kommentare

  1. Wenn diese armen Leute also so relativ leicht als Scheinselbständige identifiziert werden können, dann sind normalerweise aber die Auftrags- bzw. Arbeitgeber dran und müssen Strafe und Sozialabgaben nachzahlen?
    Es bestünde dann durchaus eine gegenseitige Abhängigkeit und wer hat wirtschaftlich mehr zu verlieren? Ein riskantes Spiel von “Unternehmern”…

  2. Korbinian meint:

    Das Problem wird sich wohl nur lösen lassen wenn der Arbeitnehmermarkt kleiner wird und sich nicht genug Leute finden die für jeden Hungerlohn arbeiten.

  3. Das wird erst dann passieren können, wenn man nicht mehr gezwungen werden kann, zu solchen Löhnen arbeiten zu müssen.

  4. Konsequente Umstetzung und Durchsetzung von Mindestlöhnen – das wäre ein Mittel.

  5. das habe ich über die NachDenkSeiten gefunden:
    http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2014/ausgebeutet.php5

  6. Ein SuperBeitrag!

    Den sollte man bei der CSU-Tagung in Kreuth allen Anwesenden mal vorführen.

    Wer betrügt, der fliegt!
    Es wäre gut, wenn das auch für die CSU, führ Seehofer & Co gelten würde.

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