NSU: Das Kiesewetter-Rätsel

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Bei Mundlos und Böhnhardt – in der Wohnung in Zwickau oder im Wohnmobil? – hat man im November 2011 die Dienstwaffe und die Handschellen von Kiesewetter gefunden. Auch die Mordwaffen. Und eine Jogginghose – immer noch mit Blutspuren des Opfers von 2007.

Das belegt: Die beiden NSU-Mörder sind auch die Täter von Heilbronn, 2007.

Oder etwa nicht?

Die Alternative: Die drei Gegenstände wurden – vom Verfassungsschutz? – in den Wagen oder die Wohnung hineingeschmuggelt?

(Die Umstände rund um den Tod der zwei Mörder sind dubios. Dazu zwei frühere Artikel von mir, 1 und 2!)

Unterstellt man das Hineinschmuggeln, wären andere die Täter in Heilbronn. Wer? Auf jeden Fall irgendwer in Verbindung mit Polizei oder Geheimdienst.

Die einen sagen, sowas sei natürlich ausgeschlossen, nichts weise darauf hin, die andern sagen, doch, darauf gebe es Hinweise, man könne oder müsse auch in diese Richtung forschen.

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Warum fahren die beiden Uwes nach Heilbronn und überfallen dort zwei Polizisten?

Die Bundesanwaltschaft sieht das Motiv darin, durch den Anschlag die Polizisten als Repräsentanten des verhassten Staates zu treffen. Das Erbeuten der Dienstwaffen sei für die Terroristen, die genug Waffen zur Verfügung gehabt hätten, eine zusätzliche Machtdemonstration gewesen.  FAZ

Aha. Bisher hab ich immer gehört, es sei dem NSU darum gegangen, Waffen zu erbeuten. Eine eher unplausible Erklärung angesichts des bereits vorhandenen Waffenarsenals und der für die Täter nicht ungefährlichen Umstände bei diesem Überfall. (Dazu später.)

Wieso soll sich der “verhasste” Staat getroffen fühlen, wenn ihm völlig unklar bleibt, wer den Mord begangen hat, und aus welchen Gründen?

(Das ist im Falle der Mordserie – ! -  an den türkischen Geschäftsleuten anders. Da wird das Ziel der Mörder deutlich.)

Fakt ist – und ich meine, dass die Staatsanwaltschaft und die Medien das offen zugeben sollten: Wir haben kein schlüssiges, kein plausibles Motiv für den NSU im Fall Kiesewetter.

Wenn jemand vorbringt, die beiden Mörder hätten ihre Waffensammlung erweitern wollen, oder sie hätten mal als Machtdemo und Staatshass auch Polizisten umbringen wollen, und dabei so tut, als seien das plausible Motive im vorliegenden Fall, dann unterstelle ich, dass das ein Ablenkungsmanöver ist.

Wir wissen den Grund für diesen Überfall nicht! Wir haben keine Ahnung!

Also sollte man sich offen halten für unterschiedliche Erklärungsansätze. Und in alle möglichen Richtungen ermitteln.

Auch gegen den Staat selbst.

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Es ist also nötig, sich Andeutungen von Spuren zu widmen.

Die eine:

»Wenn ein Killerkommando von Thüringen nach Süddeutschland fährt, um in einer Kleinstadt dort eine Polizistin umzubringen und ihr die Dienstwaffe abzunehmen – dann muss man schon von der Bundesanwaltschaft sein, um es für einen Zufall zu halten, dass diese Polizistin ausgerechnet aus der gleichen Thüringer Ecke stammt wie das Killerkommando selbst …«  (Zitat von Wetzel aus einem Krimi)

Wir haben keine Ahnung, was die Herkunft von Michèle Kiesewetter mit dem Mord zu tun haben könnte. Es ist aber schon ein seltsamer Zufall. (Wieder mal ein Zufall.)

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Die zweite sind die Umstände am Tatort und bei der Tat (ich zitiere Wetzel, MiGAZIN):

Selbst nach offizieller Version handelte der NSU sehr professionell und überlegt. Man hat in allen Fällen das Opfer sehr genau ausgespäht, den Ort, die Umstände, den richtigen Zeitpunkt, einen möglichen Fluchtweg genauestens erkundet.

Nichts, aber auch gar nichts spricht dafür, dass NSU-Mitglieder aus Zwickau anreisen, um Polizeibeamte umzubringen, die zufällig auf den Theresienwiese eine Pause machen – an einem Ort, der bestens einsehbar ist, an dem es viele Zeugen geben könnte und vor allem viele Variable, die man nicht vorher einkalkulieren kann.

Was tatsächlich dort passiert ist, weiß man bis heute nicht. Sicher ist jedoch, dass für die offizielle Version wenig bis gar nichts spricht, für einen anderen Ablauf sehr viel:

Die beiden Polizisten hatten am 25.4.2007 nicht zufällig Pause gemacht, sondern waren zu einem Treffen verabredet. Die Täter bzw. Beteiligten hatten zuvor Kontakt mit den Polizeibeamten. Dies zu verifizieren, wäre Aufgabe der Staatsanwaltschaft gewesen. Genau dies wurde vorsätzlich unterlassen. Das Handy von Michele Kiesewetter wurde nicht sichergestellt, die Verbindungsdaten (der letzten Anrufer, der letzten Telefonate) nicht dokumentiert und ausgewertet. Ebenso unterblieb die Auswertung ihres E-Mail-Verkehrs.

Der Tatort stand also fest und konnte den Umständen entsprechend abgesichert werden. Zeugen sprechen von mindestens sechs Personen, die sich in Tatortnähe aufgehalten haben: »Eine Frau berichtete der Polizei von einem Mann mit blutbeschmiertem Arm, der über die Kreuzung lief, ein weiterer Zeuge gab an, drei Verdächtige unterhalb der Theresienwiese gesehen zu haben, zwei Männer und eine Frau mit weißem Kopftuch. Er habe deutlich gesehen, dass einer der Männer Blut an den Händen hatte und sich die Hände im Neckar wusch.

Ein anderer Mann hat ein Auto warten sehen, auf das eine Person zurannte und hineinhechtete, ebenfalls mit blutbeschmiertem Arm. Das Landeskriminalamt stellte 2009 die Hypothese auf, an der Tat seien womöglich bis zu sechs Personen beteiligt gewesen. Es wurden auch zahlreiche Phantombilder erstellt, doch nie wurde mit einem von ihnen gefahndet. Die Ermittler hielten die Angaben für unglaubwürdig.« (welt.de vom 4.1.2014)

Wenn dort ein gezielter Mord geplant war, dann verlangt das ein planvolles und aufwendiges Vorgehen. Man muss den Weg dorthin sichern, man muss sichergehen, dass das Treffen unbeobachtet ist. Man muss vor allem dafür sorgen, dass man schnell vom Tatort wegkommt. Das muss hochprofessionell geschehen, wenn man in diesem Fall davon ausgehen darf, dass keine Pannen eine sofortige Fahndung nach den Tätern verunmöglichen würde.

Tatsächlich gibt es Zeugen, die sowohl ein Fahrzeug gesehen haben als auch einen Mann, der mit blutverschmierten Händen in das Auto stieg. Auch der Fahrer dieses Fluchtfahrzeuges ist beschrieben worden: Er rief mehrmals dawei, dawei, was auf russisch bedeutet: schnell, schnell…

Dass sich am und rund um den Tatort auch V-Leute und V-Mann-Führer aufhielten, ist ebenfalls belegt. Das spricht dafür, dass dieses Treffen sehr wohl bekannt war und möglicherweise auch von Staatsschutzseite abgesichert wurde. Was bei diesem Treffen geplant war, was möglicherweise schief lief, wissen die Ermittlungsbehörden bestens. Wären deutsche Behörden, V-Leute nicht in dieses tödliche Ereignis involviert, könnte man von einem ganz sicher ausgehen: Man hätte jede, auch die kleinste Chance genutzt, um die Täter zu finden.

Genau dies ist nicht passiert. Man hatte kein Interesse daran, die Mörder zu finden. Zu den wichtigsten Fahndungsmitteln zählen Zeugenaussagen und Phantombilder, die mit ihrer Hilfe angefertigt werden. Von diesen gibt es zahlreiche – auch welche, die mithilfe des schwer verletzten Polizisten Martin Arnold angefertigt wurden.

Was in jeden anderen Fall ein Glücksfall ist, wurde in diesem Fall mit Vorsatz unterlassen: Die Staatsanwaltschaft gab die irrsinnige Anweisung, mit diesen Phantombildern nicht zu fahnden. Für diese absichtliche Verhinderung der Aufklärung gibt es eine vernünftige Antwort: Die Fahndung mithilfe dieser Phantombilder würde zu den Tätern führen, die bis heute gedeckt werden sollen.

Warum fahnden die Behörden nicht heute mithilfe dieser Phantombilder? Warum ließen Freunde von Martin Arnold durchblicken, dass ihr Kollege Angst vor noch lebenden Täter habe?

Martin Arnold hat allen Grund, diese Angst zu äußern. Denn die Phantombilder weisen auf einige Neonazis, die der Polizei und dem Verfassungsschutz sehr wohl bekannt sind. Auch eine weitere Annahme ist gewagt: Würde es sich nur um Neonazis handeln, würde man sie im Fall eines Polizistenmordes – bei aller Sympathie für neonazistische Ideologien – opfern. Anders verhält es sich jedoch, wenn ihre Festnahme, ihre Anklage dazu führen würde, dass sie sich als V-Leute outen würden/könnten. Dann wäre es mit dem Korpsgeist, der auch in Baden-Württemberg sehr gepflegt wird, vorbei.

Dann stände die Frage im Raum: Warum wurde dieser Mordanschlag nicht verhindert?

Stimmen alle Details, die Wetzel präsentiert? Leuchten seine Schlüsse und Unterstellungen alle ein? Ich würde Abstriche machen. Aber manches erscheint mir plausibel.

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Die dritte ist die Ku-Klux-Klan-Spur (Zitat Haller Tagblatt):

Von 2000 bis 2003 hatte der deutsche Ableger des Klans seinen Mittelpunkt in einem Haller Teilort. Es kam zu mehreren Treffen und Kreuzverbrennungen auf Ruinen wie der Limpurg und der Geyersburg. Rund 20 Personen aus dem ganzen Bundesgebiet mischten mit. Der Verfassungsschutz hatte mindestens zwei Informanten in den Reihen: den Klanchef selbst, Achim Schmid, Tarnname „Radler“, sowie Thomas Richter alias „Corelli“, der direkte Bezüge zum Nationalsozialistischen Untergrund hatte. Clemens Binninger (CDU) vom Berliner NSU-Untersuchungsausschuss mutmaßte, dass der Klan gezielt vom Verfassungsschutz gegründet wurde, um Neonazis anzulocken.

2002 flogen so zwei Polizisten aus Böblingen auf, die im Klan mitwirkten. Ein Disziplinarverfahren wurde eingeleitet und erst 2005 beendet – zwei Jahre nachdem sich der Klan aufgelöst hatte. Timo H. und Jörg W. sind noch heute im Dienst, wurden lediglich gerügt – die „schwächste Form“ einer Konsequenz, sagte Innenminister Reinhold Gall 2012. Abgelaufene Fristen hätten härtere Sanktionen verhindert.

Grund für die milde Strafe könnte auch sein, dass die Affäre nicht öffentlich werden sollte. Doch genau das geschah 2012, als bei Ermittlungen zum NSU und Polizistenmord in Heilbronn Akten an Medien gelangten. W. und H. waren Kollegen der 2007 getöteten Beamtin Michele Kiesewetter. Einer der beiden war am Tattag ihr Gruppenführer. Es gibt Verbindungen zwischen NSU und KKK. Es gäbe aber keine Hinweise, dass der Klan etwas mit dem Mord zu tun hat, meint Generalbundesanwalt Harald Range.

Zu H. und W. heißt es heute, sie hätten nicht gewusst, dass der KKK eine rassistische Organisation ist. „Ich frage mich, wie viel Dummheit oder Weltfremdheit in einem Polizeibeamten stecken darf, ohne dass er aus dem Dienst entfernt wird“, kommentierte André Schulz, Bundesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, die offenkundige Ausrede.

Also, einer der beiden KuKluxKlan-Polizisten war am Tattag Gruppenführer der überfallenen Beamten.

Und der NSU hatte gemeinsam mit dem Verfassungsschutz über die V-Leute Corelli und Radler zwei Leute in dem KKK-Ableger, in dem der Gruppenführer von Kiesewetter Mitglied war.

Vorsicht: Was sind die direkten Bezüge von Corelli (und Radler) zum NSU?

Radler (Achim Schmid) war der Clanchef. Den werden die NSUler gekannt haben müssen, wenn sie Beziehungen zum KKK in Baden-Württemberg gehabt haben sollten.

Corelli ist Thomas Richter und steht auf der Adressenliste, die man gleich nach dem Untertauchen des Trios gefunden – und seltsamerweise nicht ausgewertet hat:

Richter war Chef der NPD-Jugendorganisation in Halle und Mitglied des deutschen Ku-Klux-Klan-Ablegers, dem auch Polizeibeamte aus Baden-Württemberg angehörten. Der KKK könnte das Bindeglied zwischen den NSU-Terroristen und dem Mordfall in Heilbronn sein. Damit nicht genug: Richter arbeitete unter dem Decknamen “Corelli” auch für das Bundesamt für Verfassungsschutz. (Kontext)

Der Klanführer ist also V-Mann des Verfassungsschutzes, und eines der (ca. 20) Mitglieder ist ebenfalls V-Mann und dazu noch jemand, den das NSU-Trio aus dem Thüringer Heimatschutz kennt.

Kommt noch dazu, dass der Rechtsextremist und V-Mann Tino Brandt, der vom Verfassungsschutz Thüringen 200.000 DM bekommen hat, um den Thüringer Heimatschutz aufzubauen, ein Haus bei Schwäbisch Hall, nicht weit von Heilbronn besaß. Hatte er auch direkte Beziehungen zum dortigen KKK? Gekannt wird er ihn haben durch seinen Thüringer Kollegen Corelli.

Interessante Verbindungen.

Aber alles natürlich nur Zufall, ohne Bedeutung.

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Wer sich nun zwar wundert, aber doch sagt, dass die Ermittlungsbehörden keine Tatbeziehung erkennen können und dass man den Ermittlern schon glauben könne, den möchte ich erinnern an seinen gesunden Menschenverstand:

WER ermittelt hier gegen WEN?

Die Polizei ist Landessache untersteht dem jeweiligen Innenminister. Der Verfassungsschutz des Landes untersteht ebenfalls dem jeweiligen Innenminister. Die Ermittler im Fall Kiesewetter (wie im Fall Temme etc.) unterstehen ebenfalls dem jeweiligen Innenminister.

Es sind alles Staatsorgane.

Der Staat ermittelt also gegen sich selbst.

Logisch, was dabei herauskommt:

Was er verschleiern kann, das verschleiert er.

JEDE Organisation operiert so, nicht zuletzt strategisch operierende Organisationen tun das.

Im Fall Kiesewetter liegt staatlicherseits kein Aufklärungsinteresse, sondern ein Verschleierungsinteresse vor.

Das ist meine Hypothese.

Es ist die Hypothese des gesunden Menschenverstandes.

Im übrigen weiß ich nicht, was die drei von mir hier präsentierten Ungereimtheiten wirklich wert sind.

Ich weiß nicht, warum Michèle Kiesewetter ermordet wurde.

Nachtrag:

Gerade schickt mir almabu einen Link mit weiteren Infos zum Fall Kiesewetter.

Es gibt noch mehr Andeutungen von Spuren.

Noch ein Nachtrag:

Gab es eigentlich einen Hinweis auf Kiesewetter im Bekennervideo des NSU?

Und stimmt es, dass man bei der Recherche nach 2011 entdeckt hat, dass in der Umgebung von Heilbronn ein Wohnmobil aufgefallen sei, bei dem sich dann rausgestellt hat, dass es von Mundlos und Böhnhardt angemietet worden sei?

Die beiden Angaben bringt en passant ein Artikel in der SZ.

Wieder fällt mir auf, dass weder die Polizei noch die Politik noch die Medien mal den Versuch machen, alles zu diesem Fall systematisch und nach Gewicht und Verlässlichkeit analysiert zu präsentieren.

Für jemanden wie mich wird der Versuch eines Überblicks dann schwierig. Haben denn Polizei, Politik und Medien nicht die Pflicht, uns auch über die sachgemäße Gesamtdarstellung der Sache aufzuklären?

Nachtrag zu diesem Nachtrag: Bei Lichtstadt finde ich Antworten:

BM reißen die beiden Türen des BMW auf, wobei A. aus dem Wagen fällt und auf den Boden stürzt. B und M entwenden die beiden Dienstwaffen vom Typ HK P2000, die Magazine, die Handschellen und weitere Ausrüstungsteile wie etwa eine Taschenlampe. Allerdings läuft manches in diesem Moment nicht so, wie die beiden Terroristen es zuvor wochenlang geplant hatten, vor allem, weil sie nach neun Morden in Folge ohne Körperkontakt ihre Opfer zum ersten Mal anfassen müssen und die Situation, sich dabei mit Blut zu besudeln, offenbar völlig unterschätzen.

Anschließend flüchten beide auf ihren Fahrrädern, ziehen sich um und packen die blutverschmierte Kleidung ein, damit sie in Heilbronn keinerlei DNA-Spuren hinterlassen. Schon damals sahen einige Ermittler die Tat “als eine solche, bei der den Tätern die Wegnahme der Gegenstände ebenso wichtig war, wie der Schusswaffenangriff selbst.” Das BKA konnte auf der Festplatte des “NSU”-Rechners einen Ordner wiederherstellen, der von BMZ “aktion polizeipistole” betitelt wurde. Über seinen Inhalt gibt der Generalbundesanwalt bis heute keine Auskunft. In dem Bekenner-Video “Frühling” ist jedoch eine Luftbildaufnahme mit den eingefügten Textfeldern “Tatort” und “Heilbronn”, ein Foto von der Spurensicherung am Trafohäuschen sowie Szenen der Trauerfeier für Kiesewetter eingebaut. Am Ende des Videos ist schließlich die Dienstpistole von Martin Ahlendorf mit der Seriennummer 116-010514 zu erkennen. Doch kann man wirklich rekonstruieren, wer sie ihm abgenommen hat? War es “Max”, der Rechtshänder oder “Gerry”, der Linkshänder?

Der abschließende Ermittlungsbericht des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg vom 29.04.2010 besagt: Beide beschmierten sich bei der Tat mit Blut. Nur so sei es ihnen gelungen, die beiden Dienstpistolen an sich zu nehmen, denn die Waffen steckten in Holstern, die mit Sicherungsbügeln versehen waren. Es wird davon ausgegangen, dass B auf Ahlendorf geschossen hat, denn dessen Polizei-Waffe wurde mit großer Gewalt samt einer massiven Befestigungsschraube aus dem Lederholster gerissen. Bei  Kiesewetter ergaben die Untersuchungen, dass deren Oberkörper an der Schulter- und Halspartie gepackt und so lange hin und her gezogen wurde, bis die Waffe mühelos aus dem Holster genommen werden konnte. Dies deutet nach Feststellungen von Profilern auf M als Täter hin. Dies hat sich inzwischen insoweit bestätigt, denn an einer, in der Zwickauer Wohnung in der Frühlingsstraße gefundenen, Joggingshose von M konnte, selbst fünf Jahre nach dem Mord an Michelé Kiesewetter, tatsächlich deren DNA gesichert werden.

Wieder zurück im Wohnmobil mit dem Kennzeichen “C – PW 87″ fahren BM nach Norden, geraten jedoch schnell in die sofort angelaufene Ringfahndung der Heilbronner Polizei und werden um 14 Uhr 37 kontrolliert.

Dort sagen sie auf die Frage, wohin sie wollen, dass sie nach Heilbronn-Stadtmitte fahren würden, was sie anschließend auch tun, denn die beiden Mörder erregen offensichtlich keinen Verdacht und dürfen weiterfahren; lediglich das Kennzeichen des Wohnmobils wird registriert. Vor Ringfahndungen nehmen sich BM allererdings zukünftig in Acht. Denn durch die Ringfahndung hätten die Ermittlungsbehörden dem “NSU” schon 2007 auf die Spur kommen können – die Gründe hierfür sind folgende: …

Damit fallen alle Spekulationen darüber, dass Mundlos und Böhnhardt nicht die Täter sind, in den Papierkorb.

Thomas Moser, Teil 1Teil 2Teil 3: die beste Zusammenfassung zum Thema NSU-Verfassungsschutz, die ich bisher gelesen habe. Ich werde darauf zurückkommen. 

 Wolf Wetzel hat seine Darstellung zum Fall Kiesewetter aktualisiert. Da gibt es hochinteressante Punkte, die ich in meinem Beitrag noch nicht drin habe.

Ein Auszug:

Im August 2003 traf sich der Referatsleiter für Rechtsextremismus Günther Stengel vom LfV Baden-Württemberg mit einem Informanten bzw. Hinweisgeber: Dieser gab an, dass es eine neonazistische Terrorgruppe namens ›NSU‹ gäbe. Auch einige ihm bekannte Mitglieder nannte er beim Namen: u.a. Uwe Mundlos, Alexander Neidlein, Daniel Peschek, André Kapke sowie Thomas Richter. Stengel verfasste am Ende dieses Gespräches einen umfangreichen Bericht. Als dieser auf dem Tisch des Präsidenten des LfV Baden-Württemberg landete, wurde Stengel einbestellt und angewiesen, diesen Bericht zu vernichten. Übrig bleiben sollte nur einen Vermerk über ein ergebnisloses Treffen mit dem Informanten – was nichts anderes ist, als eine rechtswidrige Anweisung, Beweismittel zu manipulieren.

Von diesem Hinweis aus dem Jahr 2003 erfuhr die Öffentlichkeit erst, als der damalige Referatsleiter Stengel im Untersuchungsausschuss am 13.12.2012 befragt wurde. Zum Ärger aller Vorgesetzten erinnerte er sich an diesen Vorgang.

Nachdem nicht mehr aus der Welt zu schaffen war, dass deutsche Behörden seit 2003 von der Existenz des ›NSU‹ wussten, also auch von der starken Einbindung neonazistischer Kader in Baden-Württemberg, setzte die Maschinerie der Verschleierung abermals in Gang: Man behauptete, der Informant sei unglaubwürdig, die Hinweise wären nicht tragfähig gewesen und das Erinnerungsvermögen des ehemaligen Referatsleiters Stengel sei eine Belastung …. »Er wurde observiert. Und zwar so, dass er es bemerken sollte. Er kennt das, er hat selber für das LfV jahrelang Observationen durchgeführt und geleitet. Sein Telefon wurde abgehört, sodass er es merken sollte. An seinem Auto klemmten an der Windschutzscheibe unter den Wischern Zettel mit Sätzen wie ›Reden ist Silber, Schweigen ist Gold‹. Er geht davon aus, das waren seine Exkollegen … Stengel bekam Beförderungsstopp und wurde ernstlich krank. Er schied aus dem Dienst aus, 55 Jahre alt.« (Doppelspiel der Schlapphüte, Kontext Nr. 112/ 22.05.2013)

Unbestreitbar ist eines: Die Nennung einer neonazistischen Terrorgruppe namens ›NSU‹ war keine Erfindung des Informanten, sondern eine Tatsache. Auch die genannten Namen der ihm bekannten Mitglieder sind weder zufällig, noch willkürlich. Alle spielen nachweislich eine nicht unbedeutende Rolle im NSU-Netzwerk. Mehr noch: Bereits 2003 war bekannt, dass der NSU aus mehr als drei Mitgliedern bestand. Zu ihnen gehörten nicht nur Kader aus der Neonaziszene, sondern auch ein V-Mann: Thomas Richter. All diese Hinweise waren also weder vage noch wenig belastbar, sondern sehr belastend: für den Geheimdienst.

Thomas Richter war einflussreicher Neonaziaktivist aus Sachsen-Anhalt. Unter dem Decknamen ›Corelli‹ lieferte er von 1997 bis 2007 dem Bundesamt für Verfassungsschutz Informationen, unter anderem aus einem deutschen Ableger des rassistischen Ku-Klux-Klans. (taz vom 9.10.2012). Thomas Richter (in Neonaziskreisen auch HJ Thommy gerufen), war auch Herausgeber des ›Nationalen Beobachter‹ und Betreiber von mehreren neonazistischen Internetseiten. Nach dem Abtauchen der späteren NSU-Mitgliedern 1998 kamen diese für mehrere Wochen bei HJ Thommy unter. »Thomas R. engagierte sich (…) bei dem rechten Fanzine ›Der Weiße Wolf‹ in dessen Ausgabe Nummer 18 im Jahr 2002 ein interessantes Vorwort erschienen ist. Fettgedruckt, ohne nähere Erläuterung, heißt es da: ›Vielen Dank an den NSU‹. Es ist die erste bekannte Erwähnung des NSU in der Öffentlichkeit, neun Jahre bevor die einzigartige Mordserie aufgedeckt wird.« (Spiegel-online vom 18.9.2012)

Thomas Richter findet sich auch auf der Adress- und Telefonliste der späteren NSU-Mitglieder, die in der Garage in Jena 1998 gefunden wurde.

Kommentare

  1. Gleich in den einleitenden Sätzen stosse ich auf eine Unklarheit: Es ist von einer Jogginghose die Rede, mit dem Blut von Kiesewetter befleckt. In ihrer Tasche ein Taschentuch, benutzt von Uwe Mundlos. Soll hier suggeriert werden, dass es sich um seine Jogginghose handelt. Können an einer ungewaschenen, getragenen Hose keine DNA-Spuren gefunden werden, die beweisen, dass es sich um seine Hose handelte? Musste dazu ein benutzes Taschentuch herhalten? Das könnte ja auch im Nachhinein in die Hosentasche gesteckt worden sein…

  2. Thymian meint:

    Hier sind die Phantombilder von Heilbronn. Die Stuttgarter Zeitung schrieb schon lange, dass niemand wie Mundlos, Böhnhardt oder Zschäpe aussieht.
    http://www.kontextwochenzeitung.de/pulsschlag/120/die-vertuschten-phantome-von-heilbronn-1297.html

    Wenn es diese Bilder seit 2007 gibt, warum hat man nie nach diesen Leuten gefahndet? Was ist mit Mevlüt Kar?

    Erinnert sich noch jemand an die DNA-Proben im Fall Kiesewetter?
    “Suche nach dem Heilbronner Phantom[Bearbeiten]→ Hauptartikel: Heilbronner Phantom
    Die von der Spurensicherung am Polizeifahrzeug gefundene DNA einer Frau galt lange Zeit als das am ehesten Erfolg versprechende Resultat der Ermittlungen. Nachdem diese DNA an vierzig Tatorten nachgewiesen werden konnte, waren fünf Sonderkommissionen, sechs Staatsanwaltschaften in drei deutschen Bundesländern und Polizisten in Deutschland, Österreich und Frankreich mit der Aufklärung beschäftigt.[4] Der vermeintlichen Täterin, die man Heilbronner Phantom nannte, wurden sowohl vor als auch nach dem Polizistenmord eine Reihe von Verbrechen unterschiedlicher Schwere an verschiedenen Orten in Österreich, Frankreich und Deutschland zugeordnet. Ende März 2009 wurde bekannt, dass die gefundene DNA aus einer Verunreinigung der für die Spurensicherung verwendeten Wattestäbchen herrührte; sie stammten von einer Verpackungsmitarbeiterin eines an der Herstellung beteiligten Unternehmens. Daraufhin endete die Fahndung nach dem Phantom.[5]”

    Vermutlich hat man diesen Mord, in den auch Geheimdienste verwickelt waren, schnell dem NSU untergeschoben, damit er “geklärt” ist.

    Übrigens gibt es einen Hauptzeugen für den Heilbronner Mord bzw. dessen Hintergründe, Florian Heilig. Er wurde am Tag eines Vernehmungstermins bei LKW verbrannt in seinem Auto gefunden. Im Netz findet sich ein Interview mit seinen Eltern. Alles sehr dubios.

  3. Hier gleich noch ein Artikel und Links unter einem neuen Gesichtspunkt:
    http://www.barth-engelbart.de/?p=8605

  4. Mit dem Text konnte ich nicht so viel anfangen.

    Ich fasse aber mal die drei möglichen und einander ausschließenden Erklärungsstränge zusammen – wohlgemerkt, keiner davon kann bisher die Sache wirklich erklären, es sind nur Ansätze, die in sich selbst wiederum viele Varianten haben.

    1. Die beiden Uwes sind die Mörder, und sie haben es aus Gründen getan, die wir nicht genau kennen, die aber irgendwo im Umkreis der Waffenbeschaffung und des Hasses auf den Staat liegen müssen. (Bessere Variante davon: Wir haben ehrlich gesagt keine Ahnung, warum sie es getan haben; allen möglichen Gründen scheint es an Plausibilität zu fehlen, aber sie werden schon ihre Gründe gehabt haben.)

    2. Die beiden Uwes sind die Mörder, aber in irgend einer Weise dabei verwoben mit Verfassungsschutz, Polizei, anderen Geheimdiensten, der KKK-Vergangenheit des Einsatzleiters, der Herkunft Kiesewetters aus der NSU-Gegend. Irgendwie. Wie, wissen wir nicht. Aber die KKK-Sache und die Herkunftssache sind am Ende doch kein Zufall. (Vielleicht war es ein Auftragsmord?)

    3. Die beiden Uwes sind nicht die Täter, und die Herkunft Kiesewetters und die KKK-Connections sind tatsächlich reiner Zufall. Die Opfer wurden an eine Stelle gelockt und umgebracht – aus Gründen, die wir nicht kennen, von Personen, die wir nicht kennen (Andeutungen gibt es allerdings über die Phantombilder und die eine oder andere Zeugenbeobachtung.) Die Tat muss vertuscht werden, weil irgendwie staatliche Behörden mit drinstecken. Möglich ist auch, dass da den Geheimdiensten was aus dem Ruder gelaufen ist. Die “Beweisobjekte” wurden dem NSU dann zum geeigneten Zeitpunkt untergeschoben.

    Gibt es einen vierten Erklärungsansatz?

    Mir scheint Ansatz 2 am nächsten zu liegen, ich würde aber auch Ansatz 3 nicht ausschließen. Mit Ansatz 1 kann ich einfach nichts anfangen. Ich wüsste nicht, wie da Sinn reinkommen könnte. Was nicht heißt, dass die drei vom NSU nicht auch mal was ziemlich Sinnloses getan haben könnten. Ausschließen kann man also Ansatz 1 auch nicht.

    Wir haben also die wunderbare (und für viele unerträgliche) Situation, dass wir total schwimmen.

    Und wir haben das faszinierende Schauspiel eines Staates, der trotzdem so tut, als ob der Fall Kiesewetter im Wesentlichen (über Ansatz 1) geklärt wäre.

  5. Klaus Klein meint:

    Ich klemme hier mal einen Kommentar rein den ich im ‘neues deutschland’ geschrieben hatte :
    3 fragen

    Ein gezielter Anschlag hätte wahrscheinlich Michele Kiesewetter gegolten, denn Martin A. hatte gerade erst seinen Dienst angetreten.
    Einen möglichen Berührungspunkt mit dem Klan, oder dem was daraus geworden sein könnte, hätte Kiesewetter dadurch das sie als verdeckte Ermittlerin im Drogenbereich eingesetzt wurde. Denn laut dem Anführer Achim S. war eine Bürgerwehr geplant die sich um Dealer kümmern und der Polizei zuarbeiten wollte. Das sagte S. der Bild. Zwar sollen die Klan-Treffen nach der Ansprechaktion des VS nicht mehr stattgefunden haben, aber der VS will nach eigenen Angaben danach auch keine Informationen mehr erhalten haben. Da es laut S. aber schon 10-20 weitere Interessenten aus den Reihen der Polizei gegeben haben soll(laut UA-Bericht) hätten die Bürgerwehrpläne auch ohne das Abhalten gewandeter Versammlungen umgesetzt werden können.
    Kiesewetter könnte auch etwas in ihrem Heimatort Oberweißbach aufgeschnappt haben. Dort fand ’06 eine NPD-Veranstaltung statt bei der Frank Rennicke auftrat, in einem Gasthof der vom Schwager von Ralf Wohlleben betrieben wurde. Als Veranstalter war Patrick Wieschke eingetragen. Mehrere Einwohner wollen ’05 in dem Ort Uwe Mundlos gesehen haben. Rennicke wohnte bis ’05 in Ehningen, dem Nachbarort von Böblingen, in dem Kiesewetters BFE stationiert ist. Nach Angaben von Petra Se. alias VP Krokus soll Wieschke einer der vier Personen gewesen sein die sie ’12 auf einem Schiessstand in ihrem Heimatdorf bedrohten.
    Dann wäre da noch die Frage ob die BFE523 an der Überwachung der Sauerland-Gruppe beteiligt war. Immerhin sollen dafür mehreren 100.000€ in die technische Ausstattung der Baden-Württembergischen Polizei investiert worden sein. Das DIA-Gutachten in dem Mevlüt Kar erwähnt wird gilt zwar als gefälscht, aber wissen kann ja nicht schaden. Eine gewisse Ähnlichkeit zwischen K. und den auf Angaben von Martin A. basierenden Phantombildern besteht :
    http://www.facebook.com/photo.php?fbid=172539266286413&l=8bf703c814

  6. Danke für die Info.

    Lecorte hat meine letzten drei posts immer noch nicht freigeschaltet, auch nicht beantwortet.

    Ich habe meinem Artikel noch einige Nachträge hinzugefügt.
    Ceterum censeo … Wieder und wieder frage ich, warum sich unsere Behörden nicht bemühen, die kritischen Fragen zu beantworten – so zu beantworten, dass die Antwort zugänglich ist, dass man sie bei Bedarf finden kann.

    Wann immer man kritisch fragt, wird man nicht ernst genommen, wir man manchnal sogar verächtlich gemacht: Verschwörungstheorie!

  7. Thomas Moser wies auch darauf hin, dass es kein “Übertöten” gab. Nach meiner Einschätzung war keine unbedingte Tötungsabsicht hier vorhanden. Im Gegensatz zu den “Ceska-Morden” gab es jeweils einen Kopfschuss. Warum wenn die Täter wirklich aus Hass gegen Polizisten handelten? Vielmehr erscheint es, dass die Polizisten “ausgeschaltet” und beraubt werden sollten. Warum nahmen die Täter die Schusswaffen, Pfefferspray, Handschellen mit?
    Über die Antworten kann nur spekuliert werden. Könnte es sein, dass Kiesewetter und Kollege nicht zufälligerweise auf der Theresienwiese waren, sondern in einem Einsatz?

  8. Klaus Klein meint:

    Schätze mal das wird Lecorte irgendwann zuviel. Es ist natürlich schön das er sich die Mühe macht, er schaut da ja (meistens) tatsächlich nach, aber teilweise kann ich es nicht nachvollziehen warum welcher Punkt nichts zu sagen haben soll. Es ist aber auch etwas ernüchternd festzustellen, das man ohne Akteneinsicht keine Chance hat das mit den Alibis von Temme einzuschätzen, Lecorte schrieb dazu :
    ” Das LfV korrigierte diese Darstellung aber bereits Anfang Mai 2006 dahingehend, man habe sich geirrt, es sei tatsächlich VM 6625 getroffen worden, während der Treff mit VM 650 am 5.4.2006 stattgefunden habe…Auch der Treff Temmes mit VM 6623 am 4.4.2006 wurde vom LfV der Polizei bereits im Mai 2006 mitgeteilt. ”
    Also hat Temme einiges an Alibis, es hat nur ab seiner Festnahme ca 2 Wochen gedauert bis die richtig sortiert waren.
    Das Böhnhardt bis 2007 und nicht bis 2003 zur Fahndung ausgeschrieben war hat einfach keine Bedeutung. Der Zeuge von 2003, der Böhnhardt gesehen hat, ist unglaubwürdig weil das mit dem roten Hyundai zu auffällig wäre. Ich denke das kann man auch als Hinweis darauf sehen das Böhnhardt sich darauf verlassen konnte das er gedeckt wird, oder es überprüfen wollte. Die Befragung Temmes durch eine Kollegin verlegte Lecorte vom 10. auf den 17. verlegt und sie wird zu einem normalen Gespräch.
    (tauchte nicht alles in der Diskussion auf)
    Die Einschätzung bei diesen Angaben hier handele es sich um eine frühe Hypothese kann ich nichr ganz nachvollziehen :
    ” Wieder zurück im Wohnmobil mit dem Kennzeichen “C-PW 87″ fahren BM nach Norden, geraten jedoch schnell in die sofort angelaufene Ringfahndung der Heilbronner Polizei und werden um 14 Uhr 37 kontrolliert. Dort sagen sie auf die Frage, wohin sie wollen, dass sie nach Heilbronn-Stadtmitte fahren würden, was sie anschließend auch tun,…Der Autovermieter muss daraufhin persönlich nach Heilbronn fahren und dann sein Fahrzeug nach Chemnitz überführen. Dies verärgert in so sehr, dass er danach nie wieder ein Fahrzeug an BMZ vermietet. “[1]
    Im UA-Bericht steht was ganz anderes :
    ” Bei der Kontrollstelle Oberstenfeld, die ca. 25 bis 30 Minuten beziehungsweise 20 Kilometer vom Tatort entfernt ist, wurde unter anderem ein Wohnmobil registriert. Eine Kontrollliste zum Kontrollpunkt LB 3 bestätigt, dass ein Wohnmobil mit dem Kennzeichen C-PW 87 an diesem Kontrollpunkt erfasst wurde…Dem Ermittlungsbericht lässt sich entnehmen, dass das Wohnmobil die Kontrollstelle zwischen 14.30 Uhr und 14.37 Uhr passierte. “(UA-Bericht S.647/pdf695)
    Der Zeitpunkt ist der gleiche, aber der Kontrollpunkt ist von Norden nach Süden gewandert. Das könnte eine Ungenauogkeit von ‘Lichtstadt’ sein, eine frühe Hypothese aber wohl kaum. Problematisch ist dabei das Daten zur Kontrolle verschwanden :
    ” Einige Datensätze seien „komplett“ verschwunden, etwa die Zulieferung der Polizeidirektion Böblingen, deren Beamte am Tag des Mordes zehn Kontrollposten besetzt hatten. “[2]
    Also eben jene von Kiesewetters Kollegen. Ich denke das müsste eigentlich überprüft werden. Wieso sollte man eine Hypothese dazu machen was der Fahrer den Polizisten gesagt hat, da könnte man doch die Kollegen einfach fragen…
    Und der Vermieter erzählt vor Gericht komplett eine andere Geschichte :
    ” Am 25. April 2007 sei er unterwegs gewesen, um sich ein gebrauchtes Wohnmobil anzuschauen, es könne sein, dass das “in der Ecke” Heilbronn gewesen sei…Auf Frage von RA Behnke sagt H., sein Vater sei bei der Fahrt nach Heilbronn dabei gewesen. “[3]
    Ich denke die Angaben auf Lichtstadt wären für eine Hypothese recht phantasievoll, wozu sollten die Ermittler spekuliert haben ob sich der Vermieter geärgert hat ? Das hört sich eher so an als ob diese frühere Version auf Angaben des Vermieters und denen von Polizisten basierte. Man hat hier völlig unterschiedliche Angaben, in Verbindung mit verschwundenen Datensätzen. Für meinen Geschmack ist das etwas viel.

    [1] http://lichtstadt.blogspot.de/2012/08/inside-nsu-details-aus-der-anklage-was_13.html
    [2] http://www.focus.de/politik/deutschland/nazi-terror/report-im-pappkarton-begraben_aid_755331.html
    [3] http://www.nsu-watch.info/2013/11/protokoll-54-verhandlungstag-12-november-2013/

  9. Der Link zu Lichtstadt ist wertvoll! Danke dafür!

    Lichtstadt beschreibt genau die Vorgänge, so, wie sie die Polizei rekonstruiert hat.
    Ich füge einiges davon in meinen Artikel ein.

  10. ADAC & NSU/Verfassungsschutz:

    (1) Der ADAC manipuliert. Jahrelang. Niemand merkt es.
    (2) Der SZ wird ein Papier zugespielt, von jemand im ADAC, der Bescheid weiß. Das Papier beschreibt und belegt die Manipulation.
    (3) Eigentlich ist schon klar, dass die Manipulation aufgedeckt ist – und dass es Zeit ist, sie zuzugeben. Aber der ADAC-Chef zieht es selbst jetzt noch vor, sich tiefer hineinzureiten: Er leugnet öffentlich mehrfach, macht sich sogar über die SZ lustig.
    (4) Der Druck ist groß, das vorliegende Dokument aussagekräftig, die Forderung nach Überprüfung von außen unwiderstehlich. Da knickt einer der Manipulateure ein und gesteht.

    Alles an diesem Vorgang ist typisch. Es braucht einen whistleblower (oder im Fall NSU-Verfassungsschutz wohl mehere), die Reaktion wird dann dennoch unverschämtes Leugnen (vielleicht auch, je nach Situation, verzweifeltes Leugnen) sein. Aber jetzt endlich hat die Öffentlichkeit Lunte gerochen … der Druck wird größer und größer … irgendwann knicken einige verantwortliche Politiker ein …

    Mein Wunsch, es möge so kommen.

    Wie im Fall Mollath, wie im Fall ADAC, wie im Fall Siemens (Bestechungsskandal), wie immer, wie jedes Mal: Die Organisation betrügt bewusst, von außen gibt es keine Möglichkeit oder keinen Willen, dem Betrug auf die heiße Spur zu kommen, die Organisation lügt und betrügt also weiter in der Gewissheit oder Hoffnung, dass es ihr gelingt, mit dem Betrug davonzukommen. Wehe aber, wenn jemand von innen aufschlussreiche Infos an die Öffentlichkeit gibt! — Für den Staat wird es eine seiner Hauptaufgaben sein, solchen Verrat (!) von vorne herein zu verhindern.

    Hat jemand den Eindruck, der Staat würde einen seiner Beamten ehren, der jetzt etwa die Aktivitäten des Verfassungsschutzes offen legen würde?

    Genau das wäre er, der whistleblower: ein Verräter. Und so würde er behandelt. Aber bevor die Öffentlichkeit dem Verräter glaubt, kommt erst eine Phase des Lächerlichmachens und des Charaktermords, eine Phase des Abwiegelns und der Nebelwolken.

    Ein “Verräter” des Verfassungsschutzes müsste gute Nerven, Standfestigkeit und einigen Idealismus haben. Er müsste wissen, dass unser Staat die Aufklärung braucht, und dass es auch für den Staat besser wäre, die Verwicklung des Verfassungsschutzes käme heraus.

    Es ist so herzzerreißend typisch. Personen handeln so, wenn sie Dreck am Stecken haben und befragt werden, Vereine und Institutionen, Firmen und Ämter – alle reagieren so. Es ist natürlich, dass sie so reagieren. Wir sollten darüber nicht ärgerlich sein – wir (ich und du und Sie) sind auch nicht anders.

    Nur: Wir alle sollten so klug, so erfahren sein, einer Abteilung des Innenministeriums nicht zu glauben, wenn sie die möglichen Schweinereien einer anderen Abteilung des Innenministeriums zu untersuchen hat. Wir WISSEN, dass dann das Wesentliche nicht herauskommt.

  11. Klaus Klein meint:
  12. Herzlichen Dank für diese zwei super links. Brisante Details.
    Hoffentlich schreibt jemand mal bald ein Buch, in dem alle diese Details gesammelt und analysiert werden.

    Wichtig ist, dass dabei die harten, von der Bundesanwaltschaft nicht oder nur schwer bestreitbaren Fakten deutlich von den eher vagen unterschieden werden, dass erstere herausgestellt und immer und immer wieder wiederholt werden. Man muss das machen wie im Fall Mollath. Wiederholung, Wiederholung – nur damit prägt sich ein Faktum ins Bewusstsein eines wachsenden Kreises von Menschen ein.

  13. Helene Ungerl meint:

    Aus meiner Sicht wird der Fall des “NSU” inzwischen benutzt, um Deutschland moralisch erpressbar gegenüber ausländischen (vornehmlich türkischen) Forderungen zu machen.

    Über die beinahe wöchentlichen Übergriffe auf Deutsche aus deutschfeindlichen Gründen wird hingegen kaum berichtet. Das gibt höchstens eine Kurzmeldung auf Seite 3, bei der man die Täterbeschreibung aus dem Polizeibericht (“dunkelhäutig”, “südländisch” etc.) gerne noch streicht, um die P.C. zu wahren – auch wenn hiermit die Fahndungschancen herabgesetzt werden. Ekelerregend.

  14. Die übliche Verkehrung der Fakten und Zusammenhänge.
    Sie haben kein Interesse an der Aufklärung der Vorgänge rund um den NSU, da Sie selbst Rassistin, Türkenfeindin und xenophob sind und den Tätern bzw. denen, die sie direkt oder indirekt bei den Taten unterstützt haben, nahe stehen.

    Übergriffe aus “deutschfeindlichen” Gründen gibt es so gut wie nie in Deutschland. Jemand, der als Ausländer wirklich “deutschfeindlich” wäre, würde das Land verlassen. Was es gibt, sind Verwahrlosungserscheinungen in der Unterschicht, die natürlich nicht zuletzt auch ethnische Farben haben, aufgrund der Zusammensetzung der Unterschicht in Deutschland. Es handelt sich also um ein soziales Problem, das sozial gelöst werden kann.

  15. Klaus Klein meint:

    Am Do den 23. soll auf WDR5 um 11:30 ein Beitrag von T. Moser zum Anschlag in der Keupstrasse kommen, kann man live hören.

  16. Helene Ungerl meint:

    Übergriffe aus “deutschfeindlichen” Gründen gibt es so gut wie nie in Deutschland.

    Bei Ihnen gilt offenbar: Es kann nicht sein, was nicht sein darf…

    Ihre Beleidigungstriade spricht für sich und lässt Sie in keinem gutem Licht darstehen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

  17. Belegen Sie doch mal die spezifische Deutschfeindlichkeit eines Übergriffs, und zwar nicht als Form der Selbstverteidigung gegen einen ausländerfeindlichen Angriff, sondern als puren Angriff!
    Es genügt dann nicht, einfach nur zu sagen: Der Täter ist Türke, das Opfer ist Deutscher.
    Der “Türke” ist außerdem ja auch ziemlich oft ein Deutscher, das nur mal nebenbei.

    Die Beleidigung geht von Ihnen aus, Helene Ungerl. SIE beleidigen Migranten, und zwar massiv und mit politisch-diskriminierender Absicht. Merken Sie das nicht? Wer so übel beleidigend schreibt wie Sie, der sollte sich nicht wundern, wenn er etwas davon zurückbekommt.

  18. Helene Ungerl meint:

    Es genügt dann nicht, einfach nur zu sagen: Der Täter ist Türke, das Opfer ist Deutscher.
    Der “Türke” ist außerdem ja auch ziemlich oft ein Deutscher, das nur mal nebenbei.

    Wenn bei solchen Übergriffen das Opfer mit deutschenfeindlichen Parolen belegt oder als “Christenschwein” u.Ä. beschimpft wird, dürfte ziemlich klar sein, wo die Motivation des Täters liegt. Das ganz nebenbei auch noch das Handy oder der MP3-Player den Besitzer wechselt, überrascht da nicht.
    Das nicht JEDER Angriff, wo der Täter z.B. Türke ist, einen deutschfeindlichen Hintergrund hat, sollte ebenfalls selbstredend sein.

    Es ist im übrigen nicht meine Intention, Migranten zu beleidigen. Warum auch? Ich weise nur auf einwanderungsbezogene Probleme hin, die Sie offenbar gerne ausblenden.

  19. Klaus Klein meint:

    Ich sage ja, bei den Kontrollpunkten ist der Wurm drin. Und heute zeigte er sich in voller Pracht :
    ” 13:29 Uhr: Minutenlang liest Richter Manfred Götzl die drei Seiten lange Aussagegenehmigung des Hauptkommissars vor. “Was hat Ihre Vorgesetzten dazu bewogen, eine solche Aussagegenehmigung zu verfassen”, sagt er unter dem Gelächter seiner Mitrichter, als er fertig ist. Die Genehmigung sei so im Innenministerium verfasst worden, antwortet der Beamte. Das Gelächter im Gerichtssaal wird noch lauter…Er recherchierte zu dem Wohnmobil, dass am 25. April 2007 gegen 14.35 Uhr an der Kontrollstelle Oberstenfeld…
    13:48 Uhr:…Dabei war auch ein Ludwigsburger Kennzeichen aufgefallen, bei dem kein Halter ermittelt werden konnte. “So etwas kann mal bei einer Ringfahndung vorkommen, wenn man zweieinhalb Stunden Kennzeichen notiert”, erklärt er den Umstand. Er erwähnt nicht, dass dieses Kennzeichen in den ersten sieben Minuten notiert wurde… ”
    http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.nsu-prozess-aktuell-im-februar-sagt-v-mann-brandt-aus.692d5e95-1c5b-4947-9bd0-17730b2361b6.html
    ( eine gute gelegenheit sich zu fragen wo der mp3-player abgebieben ist)

  20. Nehmen wir mal den Ausdruck “Christenschwein”.
    Also, zum Beispiel, drei türkische Jugendliche sind schlecht drauf, sie ärgern sich über einen ethnodeutschen Jugendlichen, pöbeln in ein bisschen an, klauen ihm sein Handy und beschimpfen ihn dabei als “Christenschwein”.

    Damit, dass der ethnodeutsche Junge ein Christ ist, hat es nix zu tun: es ist ja eher unwahrscheinlich, dass das Opfer hier wirklich religiös bzw. christlich-religiös ist. (Das sind ja wohl kaum mehr als 10% der jungen Leute heute). Genauso könnten die türkischen Jungs sagen: “Nazischwein!” Sie klauen dem Jungen nicht deshalb das Handy, weil der Junge Christ oder Nazi ist.

    Ein Türke ist aber wirklich ein Türke.

    Der NSU hat Türken bewusst einfach nur deshalb umgebracht, weil sie Türken waren. Das hatte seinen strategischen Sinn (in den Augen der Mörder).

    Es gibt noch einen zweiten Faktor:
    Kleine Minderheiten bedrohen Mehrheiten weitaus weniger als Mehrheiten Minderheiten. Das liegt an der Zahl und der Macht der Mehrheit. Wenn also eine Minderheit aggressiv wird, ist das weniger gefährlich als wenn eine Mehrheit aggressiv wird. Was die Aggressivität auf Seiten einer Minderheit nicht rechtfertigt. Relativierend kommt hinzu: Die Aggressivität der Minderheit ist in der Regel eine Gegenreaktion auf die Aggressivität der Mehrheit. Die wertet zunächst die Minderheit ab, grenzt sie aus – und die Minderheit reagiert dann in manchen Fällen aggressiv.

  21. Helene Ungerl meint:

    Wenn also eine Minderheit aggressiv wird, ist das weniger gefährlich als wenn eine Mehrheit aggressiv wird.

    Grundsätzlich richtig. Anders sieht es aus, wenn die Mehrheit gar nicht agressiv ist (NSU ist nicht gleich Mehrheit), die Minderheit hingegen schon (es gibt weitaus mehr Fälle deutschenfeindlicher Übergriffe – z.T. mit Todesfolge – als NSU-Morde).

    Der “typische Deutsche” ist nicht aggressiv, er ist heutzutage eher auf die Opferolle abonniert. Das liegt daran, dass den Kindern schon von kleinauf vermittelt wird, dass Gewalt böse ist usw. – dummerweise gilt Gewalt bei vielen Vertretern der “Minderheit” durchaus als legitimes Mittel, ist oft Erziehungstil (Vater schlägt Sohn).

    Weshalb rasten denn beispielsweise “südländische” Jugendliche so schnell wegen Bagatellen aus? So etwas passiert fast jedes Wochenende in den Discos unserer Städte, dokumentiert in zahlreichen Polizeiberichten. Ich pflege viele Kontakte, auch zu jungen Leuten. Sie sollte mal mehr dem deutschen Volk aufs Maul schauen und hinhören, statt sich einseitig für die (vermeintlichen) Interessen von Minderheiten einzusetzen.

  22. Helene Ungerl meint:

    Noch zu Ihrem Beispiel: Ich schrieb bereits, dass nicht jeder Übergriff einen rassistischen/deutschfeindlichen Hintergrund hat. Oftmals sind es auch “nur” Raubdelikte, bei denen diverse Beschimpfungen quasi nebenbei anfallen, um das Opfer einzuschüchtern oder als Machtdemonstration. Es gibt jedoch auch die anderen Fälle, wo der Raub eher ein praktischer “Nebeneffekt” ist. Hin und wieder liest man davon in der Presse. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein.

  23. Also, ich beschäftige mich mit den Einwanderern seit ca. 1971. Jahrzehnte der Ablehnung, der bösen Worte, des Mobbings, der Verachtung … Was da an völkischer Aggressivität zu erleben war, etwa für die Türken in Deutschland, das hab ich hautnah mitbekommen.

    Männliche Unterschichtsjugendliche rasten generell schnell aus. Das hat mit Ethnie oder Herkunft nicht viel zu tun.

    Es genügt übrigens, wenn 10% Ihnen gegenüber aggressiv sind. Dann bekommen Sie jeden Tat einen Angriff zu spüren, oder zwei. Dabei sind die 10% gar nicht typisch.

    Welche türkischen Jugendlichen gehen rum und ermorden kaltblütig planend Deutsche, weil sie Deutsche sind?

    Welche explizit deutsch-feindlichen Morde hätte es denn überhaupt in Deutschland gegeben? Totschlagsszenen aus aufgeputschten Situationen heraus zählen hier nicht, aber selbst da werden Sie allenfalls mal drei pro Jahr finden.

    In Deutschland gehen die Mordzahlen Jahr für Jahr zurück. Bedeutet das nichts für Sie? Wir sind inzwischen bei ca. 700-800 pro Jahr angekommen, bei einer Bevölkerung von 82 Millionen. Das ist extrem wenig, im internationalen und im historischen Vergleich. Vor 20 Jahren waren es, wenn ich mich erinnere, noch fast doppelt so viele.

    Auch die schweren Körperverletzungen gehen zurück, so teilt uns Kriminologe Pfeiffer mit.

    Wieso tun so viele Leute ständig so, als ob es bei uns gefährlicher und gefährlicher würde?
    Warum diese ständige Manipulation?

    Offensichtlich WOLLEN einige Leute, dass es gefährlicher wird. Damit sie ihr Ressentiment dahinter besser verstecken können.

  24. Helene Ungerl meint:

    Wen interessiert denn heute, was für Erfahrungen einige Türken in den 70iger oder 80iger Jahren gemacht haben? Deutschland ist heute ziemlich ausländerfreundlich, ziemlich weltoffen. Das ist grundsätzlich auch gut so. Allerdings sollte Einwanderung zahlenmäßig stark begrenzt sein – und kriminelle Ausländer sollten schneller abgeschoben werden können.

    Es ist keine Manipulation, wenn ich Tatsachen benenne. Sie bräuchten bloß mal aufmerksam die Polizeiberichte lesen (viele Meldungen schaffen es nicht in überregionale Medien). Sie werden staunen, wie oft dort Begriffe wie “Südländer”, “südländisches Aussehen”, “Osteuropäer”, “Akzent” etc. auftauchen. Da hilft es auch nicht, wenn Sie erneut darauf hinweisen, dass die Kriminalität insgesamt erfreulicherweise sinkt. Die Rate könnte ohne diese Personengruppen wohl noch um viele Prozentpunkte niedriger sein.

    Soviel von mir zu diesem Thema.
    Leider muss ich mein Engagement aus zeitlichen Gründen hier einschränken – aber ich bin sicher, dass wird Sie nicht stören. Unter Gleichgesinnten macht so eine Diskussion sicher mehr Freude ;-)

  25. Die Polizeiberichte besagen – über die Jahre verglichen – vor allem das: Die Kriminalität geht deutlich zurück, die Zahl der Verurteilungen, die Zahl derer, die im Gefängnis sitzen (sie ist insgesamt von 2007 bis 2012 von 63.000 auf 51.000 zurückgegangen!) …

    Und besonders drastisch ist die sog. Ausländerkriminalität zurückgegangen, ja, noch stärker als die Kriminalität insgesamt.

    Aber das darf nicht sein, ich weiß, und weil es nicht sein darf, kann es auch nicht sein.

    Wir sind also auf einem guten Weg, oder?

    Sie werden staunen, wie oft dort Begriffe wie “Südländer”, “südländisches Aussehen”, “Osteuropäer”, “Akzent” etc. auftauchen.

    Merken Sie nicht, wie Sie hetzen? Die allermeisten, die “südländisch” aussehen, haben mit Kriminalität nichts am Hut. Aber Sie, Frau Unger, hetzen pauschal gegen “Südländer”. Das ist eine Sauerei. Das ist Rassismus. Auch “Südländer” sind in Deutschland kaum kriminell und brauchen sich von Ihnen nicht unterstellen zu lassen, sie wären kriminell, und nochdazu deshalb, weil sie “Südländer” seien.

    Ich hab Ihnen zum Verständnis der Logik gezeigt, dass es eigentlich viel näher läge, pauschal die Männer, das männliche Geschlecht zu attackieren, wenn man schon unbedingt pauschalieren möchte. MÄNNER sind kriminell, nicht Frauen, statistisch gesehen. Also schämt euch, ihr Männer, und wir Frauen müssten schauen, wie wir ohne euch leben können – oder wie wir euch zu unserer Sicherheit in Käfigen halten könnten. Das ungefähr entspräche Ihrer Logik der Pauschalierung und des pauschalierenden Vorwurfs. Bei Männern machen Sie das nicht, mit Recht machen Sie das nicht – aber übertragen Sie die Logik doch mal auf die “Südländer”!

  26. Klaus Klein meint:

    @Helene Ungerl : Wieso wünschen sie sich das die Berichterstattung über eine Mordserie in Kombination mit Staatsversagen der über etwaige Beschimpfungen bei Handy-Klaus weicht ? Meinen sie das müsste man miteinander verrechnen, halten sie die NSU-Anschläge gar für angemessen ? Oder wie ist ihre Argumentation zu verstehen ?

  27. Der KulturSPIEGEL Heft 2, Februar 2014 berichtet ab Seite 8 über Theaterprojekte, die in diesem Jahr zum Thema NSU auf die Bühne kommen und titelt “Beate und wir”.

    07.02. Frankfurt, “Der weisse Wolf”
    29.03. Karlsruhe, “Rechtsmaterial”
    10.04. München, “Urteile”
    09.06. Köln, “Die Lücke”
    xx.10. Berlin, “NSU for you/ Ein Abend mit Beate”

  28. Beate Zschäpe pflegte eine Brieffreundschaft mit einem Häftling der JVA Bielefeld-Senne. Dieser Robin S. sitzt dort eine Strafe von acht Jahren ab für einen Überfall in Dortmund bei dem ein Tunesier niedergeschossen worden war. Sein Komplize bei diesem Überfall, Sebastian S, ist längst wieder auf freiem Fuß und wurde als IM des Verfassungsschutzes angeblich inzwischen mit einer neuen Identität ausgestattet! Dieser Zschäpe-Kontakt Robin S. war bis Januar 2014 Freigänger, wie heute in der Lippischen Landeszeitung auf S. 1 gemeldet wurde. Es gibt also vermutlich einen Draht, eine Kommunikation aus der Zelle von Zschäpe bis in Dortmunder Neonazi-Kreise und diese wurde erst unterbrochen, als man bei Robin S. bei Zellendurchsuchungen harte Indizien dafür fand, dass er weiterhin gewaltbereit und NSU-Sympathisant “sein könnte”!
    Ein Nebenklägeranwalt, der Hamburger RA Thomas Bliwier, will deshalb Robin S. und Sebastian S. als Zeugen im NSU-Prozess verhören lassen und hat dies beantragt.

    Robin S. wurde mehr als ein halbes Jahr nach dem ersten Verdacht in eine geschlossen

  29. Fortsetzung:
    …Robin S. wurde mehr als ein halbes Jahr nach dem ersten Verdacht in eine geschlossen Haftanstalt nach Werl verlegt.

    Ein Kontakt zwischen dem NSU und der Dortmunder Neonazi-Szene scheint damit belegbar und wieder hat anscheinend der VS seine Hände im Spiel…

  30. Was ist mit Sebastian Edathy, EX-MdB der SPD, los?

    Vorige Woche legte er aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung sein Bundestagsmandat nieder.

    Gestern Nachmittag haben die Staatsanwaltschaft Hannover, das LKA Niedersachsen sowie die örtliche Polizei Nienburg-Schaumburg sich mit Hilfe eines Schlossers Zugang zu seiner Wohnung verschafft und diese durchsucht. Gleichzeitig wurde auch sein Abgeordnetenbüro durchsucht.

    Für heute wird mit einer Stellungnahme der SPD-Niedersachsen gerechnet. Sebastian Edathy hatte zuletzt den Vorsitz im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages geführt.

    https://www.dieharke.de/Artikel/Lokales/31076/Staatsanwaltschaft_ermittelt_gegen_Edathy/

  31. Traurig.

    Meine spontanen Gedanken dazu:

    a) Für Kinderpornografie sind manche Männer recht anfällig. Bei vielen – vielleicht den meisten – Männern nimmt die Sexualität gelegentlich mal eine etwas perverse Seite an. Das ist in der Regel harmlos. Der eine lässt sich ans Bett fesseln, der zweite … ok, ich lass mal eure Erfahrung und Phantasie damit alleine.
    Bei Kinderpornografie sind wir aber zurecht weniger tolerant. Wer damit erwischt wird, ist raus aus der Politik. Das muss so sein. Obwohl ich diese problematische pädophile Neigung nicht moralisieren möchte. Wir sind alle so, wie wir nun eben sind. Ich hab sogar Respekt für Mörder. Zum Beispiel auch für Mundlos oder für Breivik. Und verurteile sie nicht naiv moralisch. Oder für massenmörderische Politiker wie Hitler, Stalin, Mao.

    b) Ich traue unseren Geheimdiensten nicht und nehme an, dass sie hinter jedem herspionieren, der ihnen links und (aus ihrer rechtsgestrickten Gesinnung heraus) gefährlich erscheint. Ich könnte mir gut vorstellen, wie man sich beim BND oder Verfassungsschutz mal den Edathy vorgenommen hat, eventuell, um etwas zu finden, womit man ihn erpressen kann. Dabei sind sie fündig geworden …
    Natürlich hab ich dafür keinerlei Beleg. Mein Verdacht entspricht nur meinem Wissen darüber, dass bei uns BND und Verfassungsschutz außerhalb der politischen Kontrolle arbeiten, und dass die Politik keineswegs vorhat, das zu ändern und die demokratische Kontrolle sicherzustellen, und dass beim Verfassungsschutz eigentlich nur Rechte arbeiten und der Feind grundsätzlich links steht.
    Eine Verschwörungstheorie? – Nein. Ich behaupte nicht, dass der Verfassungsschutz hier in der Weise tätig geworden ist. Ich rege nur an, dies als Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Verschwörungstheoretiker sind diejenigen, die sich ihrer Theorie sicher sind, obwohl die Basis ihrer Infos schimärisch oder brüchig ist.

  32. Thymian meint:

    Das Schlimme ist, dass man in unserem Land eigentlich mit allem rechnen muss: sowohl mit pädophilen Politikern als auch damit, dass jemand gezielt abgeschossen wird.

    Was für den geäußerten Verdacht spricht ist, dass Edaty, der Aufsteiger und Goldjunge der SPD, der Vorsitzende des Innenausschusses (das ist ja nicht irgendwas), KEINEN Posten in der Großen Koalition bekam, nicht mal Staatssekretär o.ä. Die Ermittlungen gegen ihn waren vermutlich nicht neu.
    Dass er mit sofortiger Wirkung sein Bundestagsmandat abgelegt hat, war schon sehr sehr ungewöhnlich. Damit ist er dem Aufhebungsverfahren seiner Immunität zuvorgekommen. Und so etwas macht man nicht einfach ohne jeden Grund. Aus “gesundheitlichen Gründen” muss man nicht sein Mandat aufgeben, wenn man sich im September noch hat wählen lassen.

    Leider haben aber die Umtriebe vor einigen Jahren in Hamburg und um Ole van Beust gezeigt, wie Politiker sich erpressbar machen oder gezielt erpressbar gemacht werden, um sie politisch gefügig zu machen – gerade im sexuellen Bereich.
    Alles ist möglich – leider!

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