Roma in Duisburg (3): Das Problem wird weitergereicht.

romaWenn wir von Bulgaren und Rumänen sprechen, davon, dass jetzt viele nach Deutschland kommen, so ist – für Deutschland – das Problem nicht bei denen, die gut qualifiziert hierherkommen.

Da haben eher die Heimatländer ein Problem: Sie verlieren wertvolle Staatsbürger in so großer Zahl, dass man sich über die Zukunft dieser Länder Sorgen machen muss.

Bulgaren und Rumänen, die in Deutschland einwandern, bringen eher mehr Qualifikation mit als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung – sind also für Deutschland ein Gewinn.

Das Problem für Deutschland sind die Roma, die aus Bulgarien und Rumänien kommen.

Zahlen lassen sich dafür nicht finden. Seltsam, niemand zählt genau, wie viele der Einwanderer Roma sind – Roma aus Bulgarien, Rumänien und Ungarn vor allem.

Die Zahlen stecken in denen für die Nationen ununterscheidbar drin.

Fast nirgendwo in Deutschland fallen die einwandernden Roma sonderlich auf – weil  es am jeweiligen Ort so wenige sind. In München sind es ein paar Hundert – bei einer Millionenstadt führt das zu keiner Krise.

Einige Städte im Ruhrgebiet allerdings erleben das anders: Da sind es mehr, und da sie meist eng und problematisch untergebracht zusammenwohnen, fallen sie den Nachbarn auch auf.

So kam es letztes Jahr in Duisburg zu einem ernsten Konflikt rund um drei “Roma-Häuser” im Stadtteil Bergheim. (Dazu drei Artikel aus dem Jahr 2013 von mir: 123) Mehr als 1.000 Roma sollen zeitweise in diesen drei Mietshäusern gelebt haben.

Eins davon ist im Dezember geräumt worden – der Mietvertrag war ausgelaufen. Die zwei weiteren sollen bis zum Frühjahr entmietet werden.

Das geräumte Haus ist das in der Beguinenstraße 1: 13 Wohnungen, maximal 70 qm groß, bewohnt von ca. 160 Menschen.

Die Räumung hat der Vermieter, Branko Barisic, selbst vorgenommen. Der aber mahnt die Stadt, nun die Verantwortung für die weitere Unterbringung zu übernehmen.

Die Stadt wiederum ärgert sich über den Vermieter: Der habe die Notlage der Roma ausgenutzt, als er die drei Häuser an sie vermietet hatte. Der Landtag NRW wird darum ein neues Wohnungsaufsichtsgesetz beschließen, in dem Vermietern eine Strafe angedroht wird, wenn sie Überbelegung und andere Missstände zulassen. Die Wohnungsämter können außerdem Instandsetzungen anordnen, im Extremfall ein Gebäude für unbewohnbar erklären. (wdr)

Die Stadt stellt den auf die Straße gesetzen Roma keine kommunalen Ersatzwohnungen zur Verfügung.

„Wir gehen davon aus, dass die Bewohner auf Grund ihrer hohen Mobilität weiterziehen und die Stadt verlassen“, so Spaniel, der Sozialdezernent.

Die Beguinenstraße 1 ist wegen widerrechtlicher Besetzungen bereits zwangsgeräumt worden.

Das Nachbarhaus Beguinenstraße 3 will der Vermieter im Februar leerziehen lassen.

Auch das Hochhaus In den Peschen, in dem Hunderte Roma in katastrophalen Zuständen leben, steht vor einem Neuanfang. Die Mietverträge werden nicht erneuert.

„Hier gilt: Eine neue Wohnung muss sich jeder selbst besorgen“, so Spaniel, „das ist nicht unsere Aufgabe.“

Einen Notfallplan für die freigesetzten Bewohner will die Stadt nicht aufstellen – auch nicht vor dem Hintergrund, dass ab Januar 2014 möglicherweise weitere Armutsmigranten nach Duisburg strömen.

Verhältnissen wie In den Peschen kann die Stadt in Zukunft allerdings schneller einen Riegel vorschieben: „Das neue Wohnungsaufsichtsgesetz lässt es zu, dass wir Quartiere bei Verdacht auf Mängel kontrollieren dürfen“, erklärt Spaniel, „zurzeit können wir nur tätig werden, wenn Mieter uns alarmieren.“

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Duisburg versucht also das Problem zu “exportieren” – wegzuschieben. Eine Stadt, die (anders als München zum Beispiel) kein Geld hat und von Bund und Land in Sachen Armutseinwanderung nicht unterstützt wird, hat kaum eine andere Alternative.

Der Sozialdezernent von Duisburg, Reinhold Spaniel, sieht die Zusammenhänge:

Ich kann nachvollziehen, wenn betroffene Anwohner emotional reagieren, auch wenn ich sagen muss, dass in Duisburg die meisten Anwohner sehr besonnen mit der Situation umgehen.

Was ich nicht gutheiße, ist wenn Politiker, die eine Verantwortung für die Gesellschaft tragen, leichtfertig mit Stammtischparolen agieren.

Mich stören vor allem diese Verallgemeinerungen. Es gibt nicht „die Rumänen“ oder „die Bulgaren“.

Hier leben beispielsweise viele hochqualifizierte bulgarische Krankenschwestern oder bestens ausgebildete rumänische Ärzte. Das sind Fachkräfte, die wir dringend brauchen.

Noch einmal hingewiesen auf die Armutsflüchtlinge:

Ich habe großes Verständnis für jeden Familienvater aus Rumänien, der seine vier Kinder ernähren muss und nach Deutschland geht, weil er das zuhause nicht mehr schafft. Ich würde das an seiner Stelle genauso machen. Das soziale Gefälle ist enorm. Aber auch hier gilt: Dieses Problem haben nicht die Städte zu verantworten, sondern nationale Regierungen.

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Die Roma aus Bulgarien und Rumänien sind vorzugsweise nach Duisburg und Dortmund gezogen, nicht etwa nach München.

Während München zum Beispiel fast ausschließlich die qualifizierten Rumänen und Bulgaren anzieht, gehen viele Roma dorthin, wo sie bezahlbaren Wohnraum und Roma-Verwandte finden.

Während München also nur sehr wenige Einwanderer aus Rumänien und Bulgarien hat, die Hartz IV beziehen oder sonstige Hilfeleistungen brauchen, kapitulieren Duisburg und Dortmund vor der – eigentlich auch nicht besonders großen Zahl. (1.000 Roma in Duisburg – oder sind es 2.000? -, einer Stadt mit einer halben Million Einwohnern, das sollte doch wohl zu verkraften sein, auch wenn dort das Budget von Haus aus klamm ist.)

Wie viele werden noch kommen?

Es sollen ca. 8 Millionen Roma in den Staaten der EU leben. Die größere Hälfte davon wohl durchaus unauffällig, integriert oder assimiliert. Aber einige Millionen leben am Rand, diskriminiert von den Nachbarn und von den Regierungen. Rumänien und Bulgarien haben nur etwa 1 Zehntel der EU-Mittel abgerufen, die ihnen für Hilfs- und Integrationsmaßnahmen zur Verfügung stünden. Der Verdacht darf geäußert werden, dass diese Länder die Integration der Roma nicht wollen und das Abwandern ganz gerne sehen.

Dass die zu uns kommenden Roma sich nicht ins soziale Netz legen, sondern heiß sind darauf, Arbeit zu finden, zeigt eine kleine Reportage in der AZ.

„Ich mag vielleicht ungebildet sein, aber hier gibt es doch auch einfache Arbeit. Ich kann doch Kartoffeln ernten.“ Er sei kein Schmarotzer, das will Stefan deutlich machen. „Wenn jemand hier in den Hof kommt und Arbeit anbietet, würden sich alle darum reißen. Nur kommt niemand.“

In Duisburg gibt es zur Not Wohnungen, aber keine Arbeit. In München gibt es zur Not Arbeit, aber keine Wohnungen.

Wie es in Dortmund, dem zweiten Ruhrgebiets-Schwerpunkt, aussieht, darüber informiert ein Artikel von Bernd Dörries in der SZ. Dort kommen sie vorwiegend aus Plovdiv und sagen, sie seien “türkischer Herkunft” – um dem Ressentiment gegen Roma zu entgehen.

Einen Überblick über die wichtigen Fragen zum Thema Roma liefert der Medien-Dienst Integration.

►Wer sind “die Roma”?
►Sinti? Roma? Wie bezeichne ich die Gruppe richtig?
►Wie viele Sinti und Roma leben in Deutschland?
►Als nationale Minderheit anerkannt: was heißt das?
►Antiziganismus in Deutschland
►EU-Fortschrittsbericht zu Roma
►Die Roma-Dekade: 2005 bis 2015
►Untersuchung zu Roma im Bildungsbereich
►Ansprechpartner zu Roma & Sinti

Aus Roma-freundlicher Sicht stellt ein Artikel der Ruhrbarone die Situation in Duisburg dar. Und kritisiert Stadt und Polizei für ihre unangemessenen Einsätze.

Kommentare

  1. Tanja Schulz meint:

    Bürgerin aus Duisburg.

    Problematik Roma in Duisburg, gibt es eigentlich nur eine Sache wer sich nicht benimmt der Fliegt, den der Schmusekurs Roma in Watte zu Packen bringt nichts, es wird viel für die Bevölkerungsschicht getan mehr als in einigen anderen Eu-Länder. Sie bekommen hier zu Essen, Wohnungen, es wird sich um die Kinder gekümmert. Wie wird es uns gedankt klauen, betteln, große schnauze , sozialbetrug. Wenn ich als Deutsche nach Schweden auswanderen würde müßte ich mich auch an die Schwedischekultur anpassen. Und noch was ich Höre immer Roma sind Wirtschaftsflüchtlinge. Ich mein unsere Deutschewirtschaft ist nicht gerade sehr gut. Deutscherwirtschaftflüchtling wandert aus nach Schweden die würden ein auslachen. Von wegen vereintes Europa.
    Mehr habe ich dazu nicht mhr zu sagen.

  2. Wieso leben die Roma in Duisburg dann in so schlechten Verhältnissen, wenn sie doch so gepampert werden?

    Zweitens: Wieso schätzen Sie Hilfsbereitschaft als etwas Negatives ein?

    Drittens: Wieso jammern Sie hier herum? Wenn Sie selber zu den Anpassungsfähigen gehören sollten, dann wäre das ein Grund, sich den deutschen Verhältnissen anzupassen und nicht herumzujammern. Außerdem ein Grund, froh zu sein, dass Ihnen ein gütiges Geschick die Anpassungsfähigkeit verliehen hat.

    Viertens: Der deutschen Wirtschfaft geht es B L E N D E N D. Weniger gut geht es der Mittelschicht, und noch weniger gut der Unterschicht. Aber die Wirtschaft B R U M M T, und die Elite kassiert prächtig.

    Tja, und Sie, Frau Tanja Schulz, beschimpfen — die Ärmsten der Armen.

    Nach oben buckeln, nach unten treten.

  3. Tanja Schulz meint:

    Herr Leo Brux.

    1. Viele Roma wollen sich nicht anpassen.

    2. Es gibt viele Deutsche die Hilfe brauchen, nur das wird durch die Roma nicht gesehen, weil es ja so gut Menchen wie Sie gibt.

    3. Sie können sich nur durch Schriften anpassen, Sie gut Mensch.

    4. Sie gut Mensch gehören doch zur Elite.

    Ein Hoch auf die gut Menschen.

  4. Ich sehe schon, Sie verstehen sich selbst als Schlechtmensch. Oder Bösmensch. Im Gegensatz zu mir, dem Gutmenschen.

    Ich kenne Sie nicht, aber von Ihren Äußerungen her könnte ich mir vorstellen, dass Sie mit Ihrer hier geäußerten Selbsteinschätzung recht haben.

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