Islamischer Religionsunterricht – nur mit Muslimas ohne Kopftuch?

kopftuchNiedersachsen. In einer staatlichen Schule in Hannover wird islamischer Religionsunterricht endlich Regelfach. Die Kultusministerin eröffnet ihn mit einer kleinen Pressekonferenz. Identitätsbildung, Integration, Toleranz – dafür steht das Projekt.

Aber es gibt ein Problem. Niedersachsen bräuchte 200 ausgebildete Lehrkräfte dafür. Und hat nur 25.

Denn auch Lehrerinnen für islamischen Religionsunterricht dürfen kein Kopftuch tragen.

Ein Gesetz auf Landesebene setzt dies fest. Lehrer im öffentlichen Schuldienst – selbst wenn sie glaubensorientierten Religionsunterricht geben (?!) – müssen als Vertreter des Staates  religiöse Neutralität wahren, so lautet die Begründung.

(Auch in NRW und Hessen wird dies bald zum Problem werden.)

Im Namen der Neutralität wird diskriminiert.

Es ist etwas ganz Normales, dass bei vielen Lehrern Bindungen durchscheinen und für die Schuler erkennbar werden – für eine Partei (ein Lehrer oder eine Lehrerin darf aktives Parteimitglied sein), für eine Religion (es darf durchaus allen bekannt sein, dass ein Lehrer oder eine Lehrerin engagiertes Kirchenmitglied ist), für Vegetarismus oder Veganismus, für einen Fußballverein, für eine Herkunftsgruppe, für amnesty international oder für einen Vertriebenenverein …

Es ist gut für die Schule und die Schüler, dass sie erfahren: Ihre Lehrer sind auch Teil der Gesellschaft. Dazu kann auch die Religion gehören. Dann sollen sie wissen, dass zum Beispiel der Englischlehrer zugleich aktiver katholischer Laie in der örtlichen Kirchengemeinde ist.

Es gibt in Deutschland tausende gute, geeignete junge Frauen für den islamischen Religionsunterricht. Aufgrund einer bösartigen Diskriminierungshaltung dürfen sie nicht als Religionslehrerinnen zum Zuge kommen.

Einmal angenommen, eine solche junge Frau sagt sich, ok, ich trage immer Kopftuch, aber am Schuleingang lege ich es ab – für die Zeit, die ich in der Schule bin. Das aber sage ich meinen Schülern auch, und ich sage ihnen, dass ich diesen Zwang für schlimm halte. – Was lernen die Schüler dann daraus? – Dass der Staat ein Feind des Islam ist. Sie lernen es ganz direkt, durch das für sie anschauliche Verhalten des Staates.

Mit seinem Kopftuchverbot fördert der Staat das, was er eigentlich verhindern möchte.

Vildan Aytekin

ist eine junge türkische potenzielle Religionslehrkraft in universitärer Ausbildung. In der ZEIT wird ihre Situation geschildet:

Sie trägt ein leuchtend blaues Kopftuch, dazu ein schwarzes Jackett. Sie glaubt nicht mehr recht daran, dass sie noch Lehrerin wird. Dabei war es das, was sie seit dem ersten Semester unbedingt wollte. “Ich bring den Leuten einfach gerne etwas bei, da geh ich drin auf”, sagt sie, und ihre Augen leuchten. Aber das Kopftuch dafür abnehmen – nein. Deshalb arbeitet sie an ihrem Plan B und setzt noch einen zweiten Master in interamerikanischen Studien drauf. Sie hofft, dass sich in der Wissenschaft eine Stelle für sie auftut.

“Das Verbot ist für mich Diskriminierung”, sagt sie, “ich werde aufgrund meines äußeren Erscheinungsbildes ausgeschlossen.” Es sei doch abstrus: Sie kenne Kommilitoninnen ohne Tuch, die konservativer dächten als sie. Viele in Deutschland sehen das Kopftuch als Zeichen einer gescheiterten Integration. Das trifft in manchen Fällen wahrscheinlich zu. Zutreffend ist aber auch: Ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen nimmt den jungen Frauen die Möglichkeit, sich über Bildung und diesen Beruf zu emanzipieren.

Ganz hat Vildan Aytekin die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich die Gesetze ändern, schließlich sollen dieses Jahr wieder zwei entsprechende Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelt werden. Gerade hat sie “NeLe” gegründet, ein deutschlandweites Netzwerk für angehende muslimische Lehrerinnen und Lehrer. Auf der Homepage steht, NeLe wolle ein Zeichen setzen, dass “Lehrerinnen mit Kopftuch genauso didaktisch, methodisch und sozial kompetent unterrichten können wie andere Lehrerinnen”.

Sie sieht das Tuch als Teil ihrer Identität. “So setze ich ein Zeichen, dass ich Muslimin bin, über meine inneren Werte erkannt werden möchte.” Leider musste sie oft erfahren, dass das Tuch das Gegenteil bewirkt: dass sich die Menschen mehr für das interessieren, was sie auf dem Kopf hat, als für das, was darin vorgeht.

Man kann das Kopftuch als Symbol für einen politischen Islam sehen und als Zeichen der Unterdrückung der Frau. Es gibt diese Fälle, in denen das zutrifft, mit Sicherheit. Aber hat man eine Stunde lang mit Vildan Aytekin geredet, kann man sich schwer vorstellen, dass diese selbstbewusste junge Frau gegen ihren Willen Kopftuch trägt. Das dürfte für viele Studentinnen gelten. Eine Studie der Bremer Erziehungswissenschaftlerin Yasemin Karakaşoğlu kommt zu dem Schluss, dass es falsch wäre, das Kopftuch grundsätzlich als Zeichen erzwungener Weltabgewandtheit zu sehen.

Vildan Aytekin muss los, das Studium wartet. Eine Frage noch: Ist eine Muslimin, die kein Kopftuch trägt, in ihren Augen weniger fromm? “Nein”, sagt sie ohne Zögern. Wenn eine Frau den entsprechenden Koranvers anders lese, dann sei das völlig in Ordnung.

Unter dem ZEITartikel reihen sich ca. 500 Lesermeinungen. Ich hab nur mal ein paar Seiten überflogen. Kotzbrocken-Deutsche jede Menge – das Pack, das unbedingt andern Kleidung und sonstwas vorschreiben muss. Dazu die üblichen rabiaten Religionsfeinde, die Religion generell aus der Schule drängen wollen, also diejenigen unter den Säkulargläubigen, die keinen anderen Glauben neben dem ihren als gleichberechtigt dulden wollen.

Kommentare

  1. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Es ist etwas ganz Normales, dass bei vielen Lehrern Bindungen durchscheinen und für die Schuler erkennbar werden etc.”
    Stimmt. Allerdings sollte dieses von Seiten der Lehrkräfte doch irgendwie dosiert weren. Ein Veganer, der von seinen Schülern ein bekenntnis zum Veganismus erwartet, sit doch eher eine Fehlbesetzung als Lehrer.

    “Dass der Staat ein Feind des Islam ist. Sie lernen es ganz direkt, durch das für sie anschauliche Verhalten des Staates.”
    Warum sollte sich der deutsche säkulare Staat umbedingt als Freund des Islams darstellen wollen? Es gibt doch einige Spielarten dieser Religion, denen dieser Staat mit recht kritisch bis feindlich gegenüber steht.

    “So setze ich ein Zeichen, dass ich Muslimin bin, über meine inneren Werte erkannt werden möchte.”
    Warum muss man durch äußere Zeuchen auf seine innerern Werte hinweisen? Ist doch irgendwie unlogisch.

  2. Korbinian meint:

    @conring

    Auf Deinen letzten Punkt wollte ich auch gerade hinweisen. Die Unlogik springt einem doch regelrecht ins Gesicht.

    Wie ist das eigentlich mit Ordensschwestern? Dürfen die in voller Tracht Religionsunterricht in staatlichen Schulen zum Besten geben?

  3. conring meint:

    @ Korbinian
    “Dürfen die in voller Tracht Religionsunterricht in staatlichen Schulen zum Besten geben?”
    Ja , warum nicht? Bei mir an der Schule unterricht auch ein Jesuit katholische Religion. Der Mann ist auch kleidungsmäßig als solcher erkennbar. Übrigens ein sehr netter Kollege.
    Allerdings lehrt der Mann eben nur katholische Religion und dieses auch nur nebenberuflich. Hauptberuflich ist er Professor für katholsiche Religionsdidaktik.
    Dass eine muslismiche Religionslenerin mit ihrem Kopfputz auftritt, kann ist auch in Ordnung. Das problem der Dame im Artikel und grüdsätzlich entsteht dadurch, dass Lehrer an deutshcen Schulen normalerweise immer zwei Fächer unterrichten. Wovon dann eines bei Religionslehrern eben nichtreligiös ist.

  4. conring,

    bezüglich der Bindungen und der Dosierung:

    Generell ist es Lehrern untersagt, für irgendwas aktiv zu werben, was in der freien Entscheidung der Schüler bzw. der Familien liegen sollte, außer — nun ja, es gibt dann doch einiges unter dem Gesichtspunkt der Werte und der Demokratie und der Menschenrechte, die Lehrer werbend verkörpern SOLLEN.

    Darüber hinaus:

    Wäre ich jetzt Deutsch-, Geschichts- und Sozialkundelehrer an einer Münchner Realschule, würde jeder wissen, der Leo ist ein aktiver Grüner, ein Alt68er, ein leidenschaftlicher Multikultureller, ein Verteidiger des Islam als integraler Teil der deutschen Gesellschaft, etcetera.

    So, das alles würden meine Schüler so nebenbei schon mitbekommen, und noch einiges mehr. Dafür stehe ich, ich mache kein Geheimnis daraus, und da ich immer wieder mal in der Klasse debattiere, erleben die Schüler auch meinen Standpunkt und meine Positionierung.

    Sie lernen, u. a.: ein Erwachsener steht für was; und wenn er Demokrat und Pluralist ist, dann lässt er auch andere Standpunkte gelten, die er nicht teilt; und schließlich zeigt er allen Schülern, wie sie ihre jeweiligen Standpunkte gewinnen und verteidigen können.

    Jugendliche neigen oft dazu, recht einseitig und sozusagen romantisch zu urteilen. Es ist schon gut, wenn sie – spielerisch – konfrontiert werden mit der Argumentationserfahrung des reifen Erwachsenen.

    Wenn man glaubensorientierten Religionsunterricht lehrt, wird man eine noch stärkere Positionierung erlebbar machen: Ein guter Religionsunterricht überzeugt durch die Glaubwürdigkeit und Achtung, mit der die Lehrkraft ihre Religion verkörpert. Bei der Ausbildung von Religionslehrern wird darauf, vermutlich, wenig Gewicht gelegt.

    Religion, Islam, Staat, Freund & Feind:

    Indem der Staat an staatlichen Schulen auch entsprechend dem GG konfessionsgebundenen Religionsunterricht anbietet, angeleitet durch die Religionsgemeinschaften, drückt er seine grundsätzliche Befürwortung von Religion aus. Religion ist für diesen Staat des Grundgesetzes etwas Gutes.

    Schüler islamischen Glaubens werden das anerkennen, einerseits. Andererseits, wenn sie die für sie empörende Diskriminierung von Frauen erleben, die aus religiösen Gründen meinen, Kopftuch tragen zu sollen, werden sie sich einen unfreundlichen Reim darauf machen.

    Äußeres Zeichen, innere Werte:

    conring, ist Ihnen noch nie aufgefallen, dass sich der islamische Glaube vom heutigen (!) christlichen Glauben auch dadurch unterscheidet, dass er als Glaube mehr Wert legt auf gewisse sichtbare Verhaltensweisen?

    Wie hängen innere Werte und äußere Zeichen miteinander zusammen?

    Das kann für verschiedene Menschen und verschiedene Kulturen durchaus verschieden miteinander verknüpft sein.

    Warum sollte nicht jemand auch so denken und handeln dürfen, dass er sagt: Den Muslim erkennst du nicht daran, was er sich im stillen Kämmerlein denkt, sondern daran, dass er die fünf Grundpflichten sichtbar erfüllt, außerdem auf Alkohol und Schweinefleisch konsequent verzichtet.

    Was sich in uns abspielt, das kann sich in äußeren Zeichen repräsentieren lassen.

    Das ist auch in nicht-religiösen (oder quasi-religiösen) Bereichen deutlich. Wenn ich im Stadion unter den Fans bin, wirkt es etwas deplatziert, wenn ich kühl und meditierend dem Spiel folge und dann sage, meine Leidenschaft für 1860 München bleibe ganz verschlossen in mir, äußerliche Zeichen (wie Fan-Accessoires, Jubel, Parolen, parteisches Reden) lehne ich ab. Nein, conring, ein 60er Fan ist nur jemand, der das auch öffentlich zeigt.

    Es mag ja nun sein, dass jemand wie ich selbst keinen Geschmack an einer zwingenden äußeren Form der Religion finde, an Regeln, die die Religionsgemeinschaft nach außen kenntlich machen. Aber muss ich MEINE MENTALITÄT dann etwa den Muslimen oder Buddhisten oder Griechisch-Orthodoxen VORSCHREIBEN?

    Zu meiner “Religion” gehört auch Toleranz. Die zeigt sich dann allerdings in der Debatte um so etwas wie das Kopftuch. Da wird dann der innere Wert auch öffentlich sichtbar und politisch bedeutsam.

  5. conring meint:

    “Dafür stehe ich, ich mache kein Geheimnis daraus, und da ich immer wieder mal in der Klasse debattiere, erleben die Schüler auch meinen Standpunkt und meine Positionierung.”
    Meine Schöler wissen auch recht deutlich, wofür ich stehe. Dieses heisst allerdings nicht, dass ich in Diskussionen, etwa beim Thema Reformation, nicht auch mal die historischen Akteuere verteidige.

    “Andererseits, wenn sie die für sie empörende Diskriminierung von Frauen erleben, die aus religiösen Gründen meinen, Kopftuch tragen zu sollen, werden sie sich einen unfreundlichen Reim darauf machen.”
    Ein kluger muselmanischer Leherer oder auch eine Lehra könnte ja mit seinen/ihren Schülern mal über die Gründe dieser Ablehnung reflektieren.

    “Das kann für verschiedene Menschen und verschiedene Kulturen durchaus verschieden miteinander verknüpft sein.”
    Stimmt. Aber die junge Dame im Zeit-Artikel beansprucht für sich doch eine eindeutige Zeichensetzung. Diese kann sie ja auch gerne im muslimsichen Religiosnunterricht verwirklichen. Aber in ihren anderen Fächern Englsich und Geschichte sollte sie doch ihre nichtmuslischen Schüler damit nicht behelligen.

  6. Wieso wäre das eine Behelligung?
    Gradeso könnte man sagen, indem ich als notorischer Grüner und Alt68er bekannt bin, behellige ich konservativ gestimmte Schüler.

    Für die Schüler interessant und lehrreich ist es, wenn ihr Lehrer es schafft zu zeigen, dass in der Geschichte ALLE Handelnden GUTE Gründe für ihr Handeln hatten. Die Geschichte zeigt dann allerdings hin und wieder, dass die GUTEN Gründe sich nicht als GUT GENUG erwiesen haben. Ob GUTE Gründe sich in der Realität und Zukunft als GUT GENUG erweisen, ist in der Regel nur schwer vorherzusehen …

    Selbstverständlich haben diejenigen, die auf das islamische Kopftuch mit Paranoia, Ressentiment, Vorurteil oder wenigstens Misstrauen und ästhetische Abwehr reagieren, GUTE Gründe dafür. Ich kann mich in sie hineinversetzen, ich kann sie von innen her verstehen. Wenn sich die Situation ergibt, kann ich diese GUTEN Gründe auch schauspielerisch so vorführen, dass man glauben würde, ich würde diese GUTEN Gründe (der Kopftuchfeinde) tatsächlich auch für mich selbst als gültig erachten.

    Ich erinnere mich mit Vergnügen, wie ich in den 80er Jahren zum Training für andere den Ausländerfeind gemimt habe, um ein paar Leute auf den zu erwartenden Straßenstreit vorzubereiten.

    Später hab ich versucht, das in Internet-Foren mit meinen Streitpartnern zu machen: Mein Gegner sollte versuchen, einmal meine Position zu vertreten, und ich habe das mit seiner Position vorgeführt. – Ich glaube, ich kann das ziemlich gut. Aber ich habe im Internet noch nie jemand getroffen, der auf meinen Vorschlag des Seitentausches eingegangen wäre. Ich merke, es ist den Leuten unangenehm, ja geradezu unheimlich, wenn einmal jemand SPIELERISCH, aber ganz authentisch klingend, einen Standpunkt vorträgt, der dem tatsächlich vertretenen entgegengesetzt ist.

    Für die Debatte auch hier bei BlogIG hat das Folgen. Ich versuche mir immer vorzustellen, inwiefern mein Kontrahent GUTE Gründe haben könnte, und das heißt, ich übernehme für einen Moment die von mir abgelehnte Sicht, um diese GUTEN Gründe (wie sie der andere sieht) wahrzunehmen.

    ANGEBOT: Wenn hier jemand, der gegen das Kopftuch eingestellt ist, einmal stark und glaubwürdig das Kopftuch verteidigen würde, würde ich ebenfalls stark und glaubwürdig die Kopftuchgegnerschaft verteidigen. – Es wäre ein Spiel, aber ein gesundes und lehrreiches.

  7. Heinz Rudolf meint:

    “…dass in der Geschichte ALLE Handelnden GUTE Gründe für ihr Handeln hatten…”

    Wie bitte ? Also auch Adolf-Nazi , oder Stalin für seine Todeslisten ?

    Und DAS würden Sie als Lehrer ( Sie machen das offensichtlich schon heute, bei den Ihnen zugeteilten Migranten so) Ihren Schülern vermitteln ?

    Für Leute wie Sie MUSSTE es den Radikalen-Erlass geben, und, wie man sieht, auch heute noch geben. Ich werde Ihre “Art der Pädagokik” an die
    entsprenden Stellen weiterleiten….

  8. conring meint:

    Warum sollten Lehrerinnen eigentlich kein Kopftuch tragen?
    Objektiv betrachtet spricht nichts dagegen.
    Eine Kleiderordnung für LehrerInnen an öffentlichen Schulen gibt es nicht. Kopftücher gehören auch zum vertrauten Straßenbild in vielen deutschen Städten und sind in vielen anderen Berufsfeldern (Ärzte etc.) anzutreffen. Irgendein schlagendes Argument, warum ausgerechnet Lehrerinnen kein Kopftuch tragen sollten, gibt es nicht.
    Das meist vorgebrachte Argument von der religiösen Neutralität des Staates und seiner Diener ist in der BRD nicht stichhaltig. Die BRD ist kein laizistischer Staat. Christliche Symbole findet man in vielen deutschen Schulen und Gerichten.
    Religion ist in der BRD vielmehr ein selbstverständlicher Bestandteil des öffentlichen Lebens. Dies sollte auch für muslimische Religionsgebräuche gelten.
    Das ansonsten oft zu hörende Argument, dass das Kopftuch das Symbol eines fundamentalistischen Islamverständnisses sei, ist auch nicht stichhaltig. Wenn man hier die kopftuchtragenden Frauen selber befragt, wie es der oben zitierte Zeit-Artikel tut, findet man in den Aussagen der Befragten wirklich keinerlei Hinweiss auf irgendwelchen Religionsfundalismus.
    Oft hört man ja auch, dass kopftuchtragende Lehrerinnen ihre muslimischen Schülerinnen zum Kopftuchtragen hindrängen würden. Dieses ist absoluter Quatsch. LeherInnen dienen für Jugendliche nicht als mapgebliche Rollenmodelle.
    Und in einem Kollegium von 40 LehreInnen findet man auch genug andere Vorbilder.
    Zusammenfassen möchte ich nochmal betonen, dass es wirklich kein stichhaltiges Argument gegen kopftuchtragende Lehrerinnen, weder auf der instituionellen noch auf der individuellen Ebene. Der hiesige Staat sollte hier einfach über seinen Schatten springen und die unsinnigen Kopftuchverbote abschaffen.

  9. Auch Sie, Herr Rudolf, haben jetzt GUTE Gründe, das alles so zu sehen, wie Sie es hier formulieren.
    GUTE Gründe sind es für SIE, nicht für mich. So wie es für Hitler GUTE Gründe gab für die Verfolgung der Juden und den Krieg für den “Lebensraum im Osten”. Damit ist gesagt: Er war überzeugt von seinen Gründen. So, wie Sie und ich von unseren jeweiligen Gründen überzeugt sind, aus denen wir handeln.

    Es gehört zum zwischenmenschlichen Respekt und Verständnis, dass man immer davon ausgeht: Der andere, der dumm, falsch, kriminell, mörderisch, massenmörderisch handelt, ist selbst davon überzeugt, das Richtige zu tun.

    Der Nutzeffekt einer solchen Betrachtungsweise besteht u. a. darin, dass man selber vorsichtig wird bezüglich der eigenen Überzeugungen; dass man sich selbst gegenüber skeptisch wird, weil man merkt, dass es nicht genügt, einfach nur überzeugt zu sein. Man wird dann, wenn man das begreift, dafür sorgen, dass man anderen aufmerksamer zuhört und mögliche Inkonsistenzen und übersehene oder unzureichend verstandene Fakten dadurch erkennt, dass es einem von anderer Seite aus vorgehalten wird.

    Was ich also hier darstelle, ist eine der Grundlagen selbstkritischen und skeptischen Denkens.

    Im übrigen:
    Wie will man Hitlers Untaten verstehen, wenn man nicht annimmt, dass er selber sie keineswegs als Untaten gesehen hat, sondern überzeugt war, dafür GUTE Gründe zu haben? Das, was für Hitler GUTE Gründe waren, kann man in Mein Kampf nachlesen bzw. bei der Lektüre erschließen.

    Der nächste Schritt könnte dann sein zu fragen, wie ein Mensch dazu kommt, das als GUTE Gründe zu sehen.

    Ein weiterer Schritt wäre dann zu fragen, was man tun könnte, um solche destruktiven Überzeugungen erst gar nicht entstehen zu lassen.

    Schließlich könnte man frage, wie man mit Menschen umgehen sollte, die GUTE Gründe wie Hitler hegen.

    Zu allererst muss man sich aber darüber klar werden, warum Hitlers GUTE Gründe nicht meine eigenen GUTEN Gründe sind und sein können; also was an ihnen falsch ist, aber falsch nicht nur deshalb, wie ich sie für falsch halte, sondern warum sie objektiv falsch sind. Da muss ich also über meine Subjektivität hinausgelangen.

    Das setzt voraus, dass man GUTEN Gründen grundsätzlich skeptisch begegnet – auch den eigenen – und sich der Kritik durch die Mitmenschen öffnet. Ohne den kritischen Blick der anderen hat man kaum eine Chance, die subjektive Enge der GUTEN Gründe zu überwinden.

  10. Überzeugende Darstellung, conring.
    Sie ist allerdings zumindest teilweise nicht in Ihrem Stil geschrieben, auch nicht mit den vielen Tippfehlern ausgestattet, die sonst Ihre posts charakterisieren (es sind nur 3!). Also, so nehme ich an, zum Teil zumindest ein copy-paste-Produkt. Sehe ich das richtig – oder werde ich damit Opfer einer, ähem, schon etwas paranoisch ausufernden Verdachtshaltung?
    Trotzdem: Danke.

    Ich würde noch hinzufügen: Das Kopftuchverbot in einigen deutschen Ländern entspringt einer spezifisch antimuslimischen Einstellung. Einmal angenommen, es wären in Deutschland nicht so viele Muslime, die fair und gleichberechtigt behandelt werden müssten, sondern Buddhisten oder Juden, wäre man auf Bekleidungsvorschriften erst gar nicht gekommen. (Die Religionsfeinde natürlich schon. Aber die Regierungen und Parlamente, die das Kopftuch verboten haben, haben nicht aus Religionsfeindschaft gehandelt, sondern dezidiert eine Religion diskriminiert. Es ist schon ein Witz, wenn man das Kopftuch als Neutralitätsverstoß sieht, aber das Kreuz im Klassenzimmer nicht.)

    Und wie ist es damit: Ein Lehrer ist bekennender Muslim und trägt einen Vollbart – als Zeichen dafür … Müsste er nicht aufgefordert werden, sich zu rasieren? Denn er verstößt nun durch den Vollbart gegen das Neutralitätsgebot.

  11. conring meint:

    “Also, so nehme ich an, zum Teil zumindest ein copy-paste-Produkt.”
    Nein. Wieso?
    Habe ich mir alles selber ausgedacht. Ist doch auch nicht so schwer.
    “Ich würde noch hinzufügen: etc.”
    Würde ich weglassen. Sie argumentieren da mit zu vielen Vermutungen.
    Ultraorthodoxe JudInnen als Lehrer an deutschen Regelschulen dürften äußerst schwierig sein.
    Wollten Sie mich nicht noch widerlegen?

  12. Die Widerlegung ist unmöglich. Aber den Gegenstandpunkt kann ich präsentieren. Eigentlich zwei.

    1. (CSU, christlich-konservativ):

    Man darf nicht den Fehler machen, unser Christentum mit dem Islam auf die gleiche Stufe zu stellen; das Christentum ist Teil unserer Kultur und Identität, es gehört zu Bayern wie das Oktoberfest oder die Alpen. Wenn christliche Zeichen in der Schule auftauchen, ist das etwas ganz Normales und Dazugehöriges. – Im Gegensatz zu islamischen Formen und Zeichen. Die sind nun mal fremd. Anders. Sie gehören nicht wirklich dazu. Bayern ist ein christliches Land, kein muslimisches.

    Also, davon muss man schon mal ausgehen. Dann kommt noch was dazu: Das Kopftuch ist etwas provokant Muslimisches. Provokant! Es repräsentiert eine Gegenwelt. Wollen wir, dass unsere Kinder oder auch die Kinder aus muslimischen Familien islamistisch parteilich agitiert werden? Das Kopftuch, das ist ja doch vergleichbar mit, sagen wir, Hammer und Sichel. Es spricht für die Unfreiheit der Frau, für die Unterwerfung der Frau unter den Mann. So reaktionär denken wir moderne Bayern nicht, und so ein Denken wollen wir auch nicht in propagandistischer Kopftuchform in unseren staatlichen Schulen haben.

    Man kann das natürlich jetzt etwas zurückhaltender, politischer, diplomatischer ausdrücken und vom “Neutralitätsgebot” sprechen. Ich kann nicht mit CSU-Abzeichen vor die Schüler treten. Also auch nicht mit dem Kopftuch oder einer jüdischen oder buddhistischen Bekleidung. Bei christlichen Priestern im Habit oder bei Nonnen sollten wir eben die Ausnahme machen, falls es noch nötig sein sollte, eine Ausnahme, die ich oben begründet habe. Ebenso bei Kreuzen im Klassenzimmer oder um den Hals hängend. Lehrer sollen sich normal und unauffällig kleiden, damit die Kleidung nicht ständig ablenkt vom Unterricht. Auch müssen wir jede explizite Parteinahme bei Lehrkräften unterbinden. Außerhalb der Schule dürfen die Lehrer schon ihrer politischen oder religiösen Leidenschaft nachgehen. In der Schule muss das ausgeklammert werden. Dem widerspricht dann halt das Kopftuch.

    Soweit die eine Fassung. Sicherlich nicht die Ihre, conring, das Sie ja Atheist sind. Meine atheistische Rede kommt am Freitagnachmittag.

  13. pinetop meint:

    @ Leo Brux

    “Es ist schon ein Witz, wenn man das Kopftuch als Neutralitätsverstoß sieht, aber das Kreuz im Klassenzimmer nicht.”

    Das mag schon richtig sein, ich möchte aber eine andere Konsequenz ziehen. Wir könnten uns allen Streit ersparen, wenn wir grundsätzlich alles Religiöse aus staatlichen Schulen heraushalten würden. Ich werde es auch nie einsehen, warum der Staat im Auftrag der Religionsgemeinschaften für einen bekenntnisorientierten Unterricht sorgen soll. Das müssen die Religionsgemeinschaften schon selbst erledigen.

    Ich könnte es akzeptieren, wenn der Staat die Schüler werturteilsfrei über die verschiedenen Religionen unterrichtet. Werturteilsfreie Religionssoziologie wie wir sie von Max Weber kennen, könnte der Ausgangspunkt für einen altersgerechten Unterricht sein. Und gerade dass alle Schüler gemeinsam an diesem Unterricht teilnehmen, kann eine Integration nur befördern. Natürlich sollten auch religionsferne Weltanschauungen nicht fehlen.

  14. Nun also die 2. Version der Kopftuchablehnung, die anti-religiöse:

    Wenn jemand unbedingt meint, an einen oder viele Götter oder ans Fliegende Spaghettimonster oder an sonst welche metaphysische Wesenheiten glauben zu müssen, möchte ich ihn nicht davon abhalten. Privat kann er das halten, wie er will, und schreiben und filmen und von mir aus auf einem Infostand propagieren – da hab ich nichts dagegen. Aber der Staat und alle staatlichen Organe haben in ihrer amtlichen Tätigkeit Distanz dazu zu wahren. Das ist wie mit den sexuellen Präferenzen. Ein Polizist oder eine Lehrerin wird nicht bei der beruflichen Tätigkeit durch eindeutige Zeichen signalisieren dürfen, dass er oder sie vielleicht Hetero oder Homo oder Retro oder Sado oder Pädo präferiert.

    Also raus mit dem ganzen religiösen Unsinn aus dem staatlichen Bereich: weg mit dem bekenntnisorientierten Religionsunterricht an staatlichen Schulen, weg mit dem religiösen Eid, weg mit dem institutionellen Einfluss der Kirchen auf die Staatsmedien, weg mit dem Kreuz in katholisch-bayerischen Schulräumen, weg mit der mit Staatshilfe eingesammelten Kirchensteuer … (Mit den Kirchenbauten können wir gut leben. Die gehören zum Ortsbild und richten keinen Schaden mehr an. Im Einzelfall kann der staatliche Denkmalschutz noch staatliche Mittel zur Erhaltung begründen.)

    Aus diesem Zusammenhang ergibt sich von selber: Keine religiösen Kennzeichen bei denen, die gerade eine staatlich finanzierte Dienstleistung – etwa Unterricht – verrichten.

    Da braucht man jetzt gar nicht die speziellen antimuslimischen Argumente vorzubringen, etwa auf die problematische Rolle der Frau im Islam hinweisen und wie das durch das Kopftuch signalisiert wird. Man kann das zur Ergänzung heranziehen, aber auch wenn alle Argumente der Verteidigung des Kopftuchs zutreffen sollten – es ist egal. Das Kopftuch ist ein religiöses Zeichen, wird auch so verstanden, also hat es im Staatsdienst nichts zu suchen.

    Man sieht schon, es gibt noch eine 3. Variante der Kopftuchablehnung, die speziell antimuslimische, die uns an den Antisemitismus früherer Zeiten erinnert, und die ganz aus dem Ressentiment und der Xenophobie erwächst. Auch in diese leicht bräunliche Ablehnungshaltung werde ich hier noch schlüpfen müssen …

  15. das habe ich eben gefunden:
    http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/deutschland/ob-das-wirklich-in-allahs-sinne-ist–82988073.html
    “”Warum der Zulauf zu den Salafisten in einem nichtislamischen Land wie Deutschland so hoch ist, liegt am Bedürfnis vieler muslimischer Jugendliche nach Religiosität. “Als Minderheit in einem Einwanderungsland stiftet sie Identität und ein Gefühl von Zugehörigkeit”, stellt das Zentrum Demokratische Kultur fest. “Und das Bekenntnis zur Religion wächst, je stärker diese von der Gesellschaft in Frage gestellt wird”, heißt es in einer aktuellen Publikation der gemeinnützigen Gesellschaft, die sich mit Extremismusphänomenen auseinandersetzt.”"

    ..dieser letzte Satz im Zitat ist wohl bemerkenswert…

  16. noch ein Zitat aus dem Artikelİ
    “”Ceylan plädiert dafür, dass schon im Kindergarten über den Ramadan gesprochen wird und Moscheen besucht werden. “Wenn Kinder spüren, dass ihre Religion einen Platz in der Gesellschaft hat, sind sie später am besten geschützt vor den Fängen der Salafisten”, sagt der Islamwissenschaftler. Für überfällig hält er einen flächendeckenden islamischen Religionsunterricht – eine Forderung aus den siebziger Jahren, die bis heute nicht umgesetzt wurde. Die wirksamste Prävention sei nichts anderes als “echte Integration”. “”

  17. Das Grundgesetz, die Grundrechteartikel, unterstützen diese Sicht der Dinge: Der Staat MUSS dafür sorgen, dass es ein flächendeckendes Angebot gibt – gemäß der Grundsätze der Religionsgemeinschaften.

    Artikel 4

    (1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
    (2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

    Artikel 7

    (2) Die Erziehungsberechtigten haben das Recht, über die Teilnahme des Kindes am Religionsunterricht zu bestimmen.
    (3) Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt. Kein Lehrer darf gegen seinen Willen verpflichtet werden, Religionsunterricht zu erteilen.

    Artikel 4.2 macht auch klar, dass die Religionsausübung nicht auf den Privatraum begrenzt werden, sondern sich auch im öffentlichen Raum stattfinden darf. Auch öffentlich sichtbar machen darf man seine religiöse Bindung.

    Dass die Religionsausübung im Grundrechteteil des GG hervorgehoben wird, zeigt: Das Grundgesetz hält Religion (unabhängig davon, welche es im einzelnen ist) für wichtig und gut.

  18. conring meint:

    Artkel 4 (2) ist aber kein Supergrundrecht, dass jedes andere bundesrepublikanische Recht automatisch bricht.
    Und für Lehrer an öffentlichen Schulen gibt es eben auch ein religiöses Nutralitätsgebot außerhalb des Religionsunterrichts.
    Die enfachste Lösung für die armen Islamleherinnnen wäre doch wirklich ihren Religionsfetisch nur im Religionsunterricht zu tragen.

  19. Was aber, conring, wenn sie meinen, ihrer Religion nur dann genüge tun zu können, wenn sie ihr Haar IMMER in der Öffentlichkeit verbergen?

    Einmal angenommen, wir hätten nicht 3 Millionen Türkischstämmige, sondern 3 Millionen Sikhs bei uns in Deutschland, die Männer samt ihren ewigen Bärten und ihrem unvermeidlichen Turban — müssten wir dann einem Englischlehrer unter den Sikhs aufgrund des Neutralitätsgebots die Rasur und die Turbanlosigkeit vorschreiben?

    Welches Grundrecht bräche denn das Kopftuch einer Englischlehrkraft?

  20. conring meint:

    “Was aber, conring, wenn sie meinen, ihrer Religion nur dann genüge tun zu können, wenn sie ihr Haar IMMER in der Öffentlichkeit verbergen?”
    Dann müßten die Damen einfach abwägen: Religionsfetischismus vs. Unterricht in einem anderen Fach.

    Mit den Sikhs gäbe es sicher auch Probleme. Aber da müßte ich erstmal die Argumente der Sikhversteher und der Sikhcommunity in Germany hören, bevor ich da eine klare Stellung beziehe.

    “Welches Grundrecht bräche denn das Kopftuch einer Englischlehrkraft?”
    Es würde einfach gegen geltendes Schulrecht verstoßen. Da steht immer was, wie in Niedersachsen, von weltanschaulicher und religiöser Neutralität der Lehrkräfte.
    Und ob die Berufung auf GG 4.2 das Schulrecht bricht, müßten Juristen beurteilen.
    Ansosnten kann doch die Englischlehrkraft einfach auf ihr Religionssymbol verzichten. Für jemanden, wie der Dame im Zeitartikel, die doch sowieso nur nach ihren inneren Werten beurteilt werden will, dürfte dieses doch kein Problem sein.

  21. So wenig wie der Sikh auf Bart und Turban verzichten kann, so wenig die Muslima (die sich dafür entschieden hat) auf ihr verdecktes Haar.
    Warum machen WIR daraus einen Grund zur Diskriminierung?
    Es ist entweder eine Blödheit oder eine Gemeinheit. Je nach Motivation.

    Ich sehe die Neutralität der Schule nicht verletzt durch ein ein bayerisches Wappen am Revers, ein Priestergewand, ein sichtbares Kreuz, ein dass Haar verbergendes Kopftuch, einen Sikhbart oder legere Blue Jeans.

  22. conring meint:

    @ Leo Brux
    Sikhs lehnen allgemein den Verzehr von Kutha Meat ab. Dazu gehört auch der ganze Halal-Zirkus. Dürfte ein Sikh-Lehrer sowas in der Schule propagieren?

    “Ich sehe die Neutralität der Schule nicht verletzt etc.”
    Dann hätten Sie wahrscheinlich auch keine Probleme mit einem Sarrazin-T-Shirt, Springerstiefeln und ähnlichen Dingen.
    Daneben ist Ihre Position eben eine Mindermeinung.

  23. Anders als das Grundgesetz und der Bundestag sind Sie halt nicht imstande, eine Religion als Religion zu begreifen, conring.

    Und würde ein Sikh, der Englischlehrer wäre, nun wegen seines Bartes und Turbans oder durch sie Sikh-Lehren verbreiten?

  24. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Anders als das Grundgesetz und der Bundestag sind Sie halt nicht imstande, eine Religion als Religion zu begreifen, conring.”
    Das GG kennt nicht nur religiöse, sondern auch weltanschauliche Bekenntnisse.
    Und wenn man da schon großzügig inkludierend denkt, sollte man es doch auch für alle machen und nicht nur für die Religionsfreaks.

    Und nochmal:
    Der Artikel 4 ist kein Ring der Macht, der alle anderen teutschen Gesetze automatisch beherrscht.

  25. Reden Sie halt mal mit dem Verfassungsgericht über das Thema, conring. Oder mit den Bundestagsparteien. Außer bei der Linken werden Sie da wenig Zuspruch bekommen.

    Artikel 4 ist halt auch nicht etwas, das man mal so links oder rechts liegen lassen kann, wenn man missionarischer Atheist ist.

  26. conring meint:

    Das VG hat gezeigt, dass es auch nichtrelgiöse Weltanschauungen gegen staatliche Zumutungen verteidigt. Oder wie interpretieren Sie das Kruzifixurteil?
    Daneben haben viele Bundesländer Bestimmungen, die das Tragen religiöser Symbole für Lehrer nicht erlauben. Sind überall missionarische Atheisten an der Macht, die böswillig Artikel 4 ignorieren?
    Ich bewege mich voll im Rahmen der FDGO.

  27. conring meint:

    Hier noch ein sehr schöner Link zum Karfreitag:

  28. Als Individuum dürfen Sie durchaus Meinungen außerhalb des GG haben und uns kund tun. Es ist auch niemand verpflichtet zu verstehen, was Religion ist und was nicht.

    Als Partei oder in politischen Amt und Würden hingegen würden Sie sich mit Ihrer Religionsfeindschaft schwer tun.

    Das Kruzifix-Urteil ist salomonisch. Bezüglich des Tragens religiöser Symbole in der Schule hat das Verfassungsgericht der Politik einen Spielraum eingeräumt. Das aber hat mit Ihrer Religionsfeindschaft nichts zu tun.

    Interessant, dass soeben ein Gericht festgestellt hat: Religionsunterricht anzubieten ist verpflichtend, Ethikunterricht aber nicht. (Ein Urteil, das ich für problematisch halte.)

    Worum ging es in unserer Debatte zuletzt? – Darum, dass Sie wie so viele missionarische Atheisten nicht wissen, was Religion ist. Dass sie glauben, wenn jemand “Glauben” als sarkastisches Spiel vorführt, dies zeigen könne, was Religion und religiöser Glaube ist.

    Ergänzend:
    http://www.heise.de/tp/artikel/41/41535/1.html

    Ich schließe mich dem Tenor dieses Artikels an.
    Er macht aber auch klar, in welchem Maße das GG die Religion und die Glaubensvermittlung privilegiert gegenüber dem Agnostizismus oder der Bekenntnislosigkeit.

  29. wolfrathherbert meint:

    Gestern Abend im WDR Fernsehen. Erschütternd. Was Religionen (insbes. die monotheistischen, die auf Allmacht aussind) mit Menschen machen können:

    Barbara kommt 1947 mit ihrer Familie als Serbien-Vertriebene nach Bayern. Sie leben am Rand des Existenzminimums. Die Versprechungen der Zeugen Jehovas sind verlockend.

    Von nun an bestimmt die Glaubensgemeinschaft mit ihren strengen Regeln und Pflichten ihr Leben. Mit 19 Jahren heiratet Barbara einen besonders engagierten Zeugen. Doch alles verändert sich, als ihre drei Kinder sich nacheinander von der Wachtturmgesellschaft lösen. Denn laut den Glaubensregeln müsste Barbara den Kontakt zu ihnen abbrechen. Für sie ein innerer Konflikt, an dem sie zu zerbrechen droht.

    Durch ihren Sohn angestoßen, erkennt sie immer mehr Widersprüche in den engen Regeln der Gemeinschaft. 2009 wagen sie und ihr Mann den Ausstieg. Plötzlich muss die Siebzigjährige ihre innersten Werte infrage stellen und sich selbst grundlegend neu bestimmen. Wieso habe ich es zugelassen, dass ich immer klein gehalten wurde, und warum habe ich meine Kinder so sehr ins System gepresst?

    http://www1.wdr.de/fernsehen/dokumentation_reportage/menschen-hautnah/sendungen/sbalsichzudenkenbegann100.html

    http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/lebenslinien/lebenslinien-als-ich-zu-denken-begann102.html

    Gruppendruck. Auch in der türkisch/islamischen Community, auch durch die Verbände

  30. Dürfen wir als Gegenbeispiele Geschichten anführen, die die schrecklichen Abwege von Atheisten oder Agnostikern zeigen?

    Dürfen wir als Gegenbeispiele auch Geschichten anführen, die zeigen, wie Religion Menschen in der Not helfen kann?

  31. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Darum, dass Sie wie so viele missionarische Atheisten nicht wissen, was Religion ist.”
    Wer weiß denn, “was Religion ist”?
    Warum bin ich eigentlich ein “missionarischer” Atheist?
    Weder fordere ich die Abschaffung des Religionsunterrichtes noch sonst irgendwas.

    Dem Artikel schließe ich mich auch an. Ethikunterricht in der Grundschule kann man nicht per Gericht erzwingen. Hier müßten die Eltern, die dieses wollen, einfach Druck auf die Politik ausüben.
    Allerdings ist die Teilnahme am Religionsunterricht in der Gegenwart auch für Nichtreligiöse keine Katastrophe. Religiöse Indoktrination wird da nicht betrieben.

    Die Zuegen Jehovas sind übrigens in einigen Bundesländern eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.

  32. conring,
    so, wie Sie gelegentlich über Religion reden, MÜSSEN Sie die Abschaffung des Religionsunterrichts fordern. Es wäre unverantwortlich, den Kindern etwas so Dummes wie Religion zuzumuten.

    Im konfessionellen, im glaubensorientierten Religionsunterricht wird die jeweilige Religion positiv dargestellt. Von außen und atheistisch betrachtet ist das doch “Indoktrination”, oder?

  33. conring meint:

    @ Leo Brux
    “so, wie Sie gelegentlich über Religion reden, MÜSSEN Sie die Abschaffung des Religionsunterrichts fordern. Es wäre unverantwortlich, den Kindern etwas so Dummes wie Religion zuzumuten. ”
    Tue ich nicht und habe ich auch noch nie getan.
    Drei Gründe:
    a) Ein sinnloses Unterfangen, da es in der Elternschaft eine Nachfrage nach diesem Fach gibt. Daneben sind auch die politisch-verfassungsrechtlichen Hürden derzeit nicht überwindbar. Außer vielleicht in der Links-Partei gäbe es keine Unterstützung in der Politik für dieses Vorhaben. Daneben müßte die Verfassung geändert werden.
    b) Der Religionsunterricht spielt im Hinblick auf die Ausprägung von Religiösität bei den jeweiligen Individuen keine große Rolle.
    c) Der Religionsunterricht ist ein gut eingeführtes Fach, dass seinen Besuchern eine gute ethische Orientierung vermittelt. Daneben halte ich auch gewisse Kenntnisse der religiösen Traditionen für wichtig, wenn man die abendländische Kultur und Gesellschaft verstehen will. Daneben unterrichte ich selber mit Latein auch ein Fach, dass von fortschrittlichen Bildungsstrategen für “dumm” gehalten wird und habe von daher Symphatie für dumme Fächer.

    “Von außen und atheistisch betrachtet ist das doch “Indoktrination”, oder?”
    Von außen und religiös betrachtet gibt es auch Strategen, die Sexualkundeunterricht für “Indoktrination” halten.
    Wenn man sich die Religionslehrpläne, Schulbücher und didaktische Lietratur anguckt, wird man da “Indoktrination” nicht finden. Daher ist hier meine persönliche Antwort: Nein.
    Eine persönliche Erfahrung: In der 10. Klasse (G 8) wird in Hessen die Reformation wiederholt. Die Schüler, die in der 9. dieses Thema im katholischen Religionsunterricht behandelt haben, haben ein viel positiveres Luther-Bild, als die, die ihn aus der evangelischen Veranstaltung kennen.

  34. Jetzt muss ich Sie doch einmal loben, conring.
    Stellen Sie sich vor, wie ich auf den Bildschirm gucke, Ihre letzte post lese und immer wieder mit dem Kopf nicke.

    Ich habe den Eindruck, es gibt zwei conrings. À la Dr. Jekyll & Mr. Hyde oder so …

    Wie ich andernorts und schon oft geschrieben habe: Wir sind ein freies Land, das höchst unterschiedliche und gegensätzliche Lebensformen erlaubt – aber auch, das füge ich nun hinzu, multiple Identitäten. Leo Brux ist EINER und VIELE zugleich. Dito conring. Es ist interessant, auf wie viele verschiedene Weisen man VIELE sein kann. Die conring-Variante hab ich jetzt kennengelernt.

  35. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Ich habe den Eindruck, es gibt zwei conrings. À la Dr. Jekyll & Mr. Hyde oder so …”
    Wieso dieses?
    Meine Argumentationen sind meistens ziemlich stringent.
    Der oben von mir vorgebrachten Pro-Kopftuch-Meinung würde ich auch sofort zustimmen, wenn sie von den einschlägigen ReligionspropagandstInnen glaubhaft vorgebracht würde. Leider kommt ja dann meistens noch irgendwelches Gerede von Frömmigkeit und moralischer Überlegenheit (wie im Zeit-Artikel).
    Um nochmal zum Thema dieses Threads:
    Religiöse Symbole (Ordenstracht oder Kopftuch) sind im Religionsunterricht in Ordnung, außerhalb von diesem jedoch nicht.
    Dem stehen die einschlägigen Schulgesetze (Gott sei geprießen) entgegen.

  36. fantomas007 meint:

    “Ich habe den Eindruck, es gibt zwei conrings. À la Dr. Jekyll & Mr. Hyde oder so …”

    Mir geht es nicht anders. Ich hab den Eindruck schon viel länger. Das letzte mal vor ungefähr zwei Wochen und jetzt wieder. Weiß nicht mehr welches Thema, aber es ging glaube ich auch um Religionen. Ich hab einen seiner Beiträge dreimal gelesen, um sicher zu sein, dass er nicht jemanden zitiert und dabei die Anführungsstriche vergessen hat, sondern tatsächlich seine Meinung kund tut. Ich hab tatsächlich gewartet, dass er noch ein Kommentar absetzt, in dem er erklärt, dass sein zuvor getätigter Kommentar nur ein Zitat war auf das er nun eingehen möchte.

  37. conring meint:

    @ Fantomas007
    Hier würde mich auch mal eine genauere Konkretisierung interessieren.
    Da Sie den Beitrag dreimal gelesen haben, dürfte ein Wiederfinden auch nicht so schwer sein.
    Ich argumentiere eigentlich immer von einer ziemlich eindeutigen Position heraus.


  38. Gott sei geprießen

    das ß ist hier eine Freudsche Fehlleistung, die es in sich hat, conring.
    Ich denke da sofort, dass sich in Ihrem Kopf (bzw. in Ihren Fingern) die Assoziation “Preußen” durchgesetzt hat, gegen Ihren Willen. Preußen = einerseits rigorose gewalttätig vom Staat durchgesetzte Ordnung. Preußen = andererseits fritzisch “jeder nach seiner façon …”
    Sehen Sie, die Fehlleistung mit dem ß ist geradezu genial in ihrer Ambivalenz.

    Das Schulgesetz kann auch so vom Landtag beschlossen werden, dass man das Kopftuch oder Priestergewand erlaubt. Das GG privilegiert ausdrücklich – durch die besondere Würdigung des bekenntnisorientierten Religionsunterrichts – die Religion, das religiöse Bekenntnis.

    Man kann das durch eine Zweidrittel-Mehrheit im Bundestag ändern. Gäbe es nicht die Meute der Religionsfeinde, würde ich eine solche Änderung auch befürworten. Ich glaube aber, dass man im heutigen Deutschland die Religion schützen muss. Darum gefällt es mir, dass das GG die Religion nicht nur schützt, sondern sogar etwas privilegiert, also höher stellt als den Agnostizismus.

    Als Verfassungsrichter würde ich das zum Anlass nehmen, die Kopftuchverbotsgesetze einiger Länder zu kassieren. Sie sind ohnehin nur islamfeindlich und politisch populistisch motiviert.

    Vom islamischen Interessenstandpunkt aus sind solche diskriminierenden Gesetze übrigens durchaus förderlich: Der Zusammenhalt einer Religion wird durch Angriffe gefördert. Sie fördern ganz hervorragend das Gemeinschaftsgefühl. Auch religiöse hardline-Strategen, lieber conring, können gut über die Bande spielen: Sie klagen das Kopftuchverbot an – wohl wissend, dass sie sich nichts besseres wünschen können als eben dieses Verbot, wenn es ihnen darum geht, ihre Herde beisammen zu halten. Eher komme ich als Agnostiker und Stratege der liberalen, pluralistischen Gesellschaft in den Genuss ihres Misstrauens, denn mein Standpunkt könnte dazu beitragen, die nützliche harte Abgrenzung aufzuweichen und die Gläubigen zu mehr Offenheit zu verführen.

  39. fantomas007 meint:

    “Hier würde mich auch mal eine genauere Konkretisierung interessieren.
    Da Sie den Beitrag dreimal gelesen haben, dürfte ein Wiederfinden auch nicht so schwer sein.”

    Da müsste ich alle Threads durchwühlen und das ist mir zu mühselig. Vielleicht hilft das weiter. Auch Leo hatte sich über den Beitrag gewundert und geschrieben, dass er mit Dir in der Hinsicht absolut konform geht.

  40. fantomas007 meint:

    “Gäbe es nicht die Meute der Religionsfeinde, würde ich eine solche Änderung auch befürworten”

    Geht mir genauso. Ich bin ja eigentlich laizistisch eingestellt.

    Wenn ich mir die Türkei anschaue, stelle ich fest, dass Erdogan niemals diesen blinden Zuspruch hätte, wenn die kemalistischen Eliten nicht zuvor die Religiösen massiv behindert hätten.

  41. conring meint:

    @ Leo Brux
    Das ß mag ich einfach.
    Der “Alte Fritz” war, so meine Meinung, ein ganz übler Menschenfeind und hat die Bezeichnung der “Große” überhaupt nicht verdient. Seine Judenfeindschaft st da nur ein Beispiel.
    Ich mag da eher so jemanden wie General Johann Friedrich Adolf v. der Marwitz. Den Mann hat der grosse Friedrich im Siebenjährigen Krieg beauftragt ein Schloß des sächsichen Feindes gründlich zu plündern. Marwitz hat es nicht gemacht. Ist dann in königliche Ungnade gefallen.
    Auf seinen Grabstein hat er den schönen Spruch geschrieben:
    “Sah Friedrichs Heldenzeit und kämpfte mit ihm in all seinen Kriegen. Wählte Ungnade, wo Gehorsam nicht Ehre brachte.“

  42. Ja, fantomas,
    das denke ich mir auch immer parallel zu meinem Ärger über Erdogan: Es ist die Fortsetzung des Militärkemalismus mit islamistischem Inhalt. Erdogan = Anti-Atatürk. Aber als solcher auch Atatürk II.
    Die autoritären kemalistischen Hardliner, die es immer noch zuhauf in der CHP gibt und die für viele die CHP unwählbar machen, tragen die Mitverantwortung für das Debakel.

  43. @conring

    Ich beurteile die Menschen der Vergangenheit nicht einfach entlang unserer heutigen Maßstäbe. (Oder gar meiner eigenen.)
    So, wie ich von den Toten auch nicht gemäß deren Maßstäben beurteilt werden möchte. (“Eure Welt existiert nicht mehr”, würde ich ihnen zurufen, wenn sie mich aus der Gruft heraus anklagen wollten.)
    Ich würde auch gegenüber den Menschen des Jahres 2300 (falls noch welche existieren) Wert darauf legen, mit den Maßstäben Europas rund um das Jahr 2000 beurteilt zu werden und nicht mit denen des Jahres 2300.

    Warum? – Ich bitte mir Respekt aus!
    Da ich selber gern respektiert werden möchte, und dies so wie ich bin, gewähre ich dies den Menschen der Vergangenheit und Zukunft und den Zeitgenossen, die andere Lebensformen präferieren als ich und die insofern auch andere Wertmaßstäbe haben. (Was mich offensichtlich nicht unkritisch macht, conring, wie man an meinen ständig kritischen Einlassungen erkennen kann.)

    Wenn ich mir mögliche bzw. sinnvolle Urteile über Friedrich II von Preußen überlege, dann versuche ich ihn mit den Augen der Menschen seiner Zeit und im Rahmen der Denk- und Handlungsmöglichkeiten seiner Zeit zu sehen. Auch auf diese Weise kann man durchaus kritisch werten. Aber man vermeidet moralischen Anachronismus. Und hat eine bessere Chance, fair zu urteilen. Ich vergesse nicht, dass Immanuel Kant seinen Fritz durchaus geschätzt hat.

    Worum es aber in der Debatte mit Jakob Licht gegangen ist, ist die (implizite) Anwendung des Ausdrucks Faschismus auf Friedrich II. Da gehen mir die Schuhbandl auf, wenn ich so einem Begriffsgebrauch begegne.

  44. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Warum? – Ich bitte mir Respekt aus!” (Ihre Diskussion mit Herrn Licht verfolge ich nicht)
    Haben Sie mir nicht das fritzianische Preussen eben als großes Vorbild ans Herz gelegt?
    “Wenn ich mir mögliche bzw. sinnvolle Urteile über Friedrich II von Preußen überlege, dann versuche ich ihn mit den Augen der Menschen seiner Zeit und im Rahmen der Denk- und Handlungsmöglichkeiten seiner Zeit zu sehen.”
    General v. Marwitz war doch ein Zeitgenosse. Der Typ ist doch einfach symphatischer als sein König.

  45. conring meint:

    @ Leo Brux et Fantomas007
    Wo gibt es denn die “Meute der Religionsfende”?
    Nirgends.

  46. conring meint:

    Um nochmal zum Thema zurück zu kehren:
    LehrerInnen sollten offensichtliche Bekundungen ihrer Religiösität und Weltanschauung auf den Religionsunterricht und ihr Privatleben beschränken.
    Gibt es da irgendwelche Einwände?

  47. fantomas007 meint:

    “Wo gibt es denn die “Meute der Religionsfende”?”

    An Islamfeinden mangelt es nicht in Deutschland und Europa.

  48. Auch nicht an Religionsfeinden.
    Selbst ein conring schließt sich dem (verbalen virtuell operierenden) Mob schon gerne mal an, wenn er tobt.

    Apropos Friedrich und von der Marwitz:
    Ein schönes Beispiel, wie man in der Zeit bleiben und doch kritisch urteilen kann. Ich denke aber doch, dass auch von der Marwitz gut über seinen König gedacht hat – trotz der einen großen Zumutung und Enttäuschung. Man wird schon noch mehr zeitgenössische Kritiker Friedrichs befragen müssen – aber auch die Verteidiger! – um zu einem fairen angemessenen Urteil zu kommen.

  49. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Man wird schon noch mehr zeitgenössische Kritiker Friedrichs befragen müssen – aber auch die Verteidiger! – um zu einem fairen angemessenen Urteil zu kommen.”
    Stimmt. Allerdings kann man doch sagen, dass sein Verhältnis zu seinen jüdischen Untertanen alles andere als aufgeklärt war. Der königliche Befehl, das Juden bei diversen Anlässen (z. B. eheschließung) zwangsweise Porzellan zu deutlich überhöhten Preisen bei der KPM kaufen mußten, war eine reine Schikane.

  50. Trotzdem hat Friedrichs für seine Zeit relativ aufgeklärte Religionspolitik den Juden die Tür einen Spalt weit geöffnet. Man vergleiche mal mit dem gleichzeitigen Kurfürstentum Bayern. Zu Friedrichs Zeiten durfte sich noch KEIN Jude in München ansiedeln. Fortschritt kommt in der Regel schrittweise, nicht in revolutionären Sprüngen.

    Es braucht einen gewissen Relativismus, wenn man Historiker ist.
    Sklaverei können wir heute nur als verbrecherisch bezeichnen, als unmenschlich in Potenz.
    Heißt das, dass die gesamte Antike – Griechen, Perser, Ägypter, Römer, Germanen – Verbrecher waren, unmenschlich in Potenz, alle, ausnahmslos alle, Männer und Frauen, Cäsar und sein Koch, Aristoteles und Sinuhes Tochter?

    Ähnlich werden wir unsere Vorfahren entschuldigen müssen, wenn es um die Gleichberechtigung der Frau oder um die Emanzipation der Juden oder um das Verprügeln der Kinder oder um die Lernmethoden in den damaligen Schulen geht.

  51. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Trotzdem hat Friedrichs für seine Zeit relativ aufgeklärte Religionspolitik den Juden die Tür einen Spalt weit geöffnet.”
    Wage ich zu bezweifeln. Die Judengesetzgebung dürfte unter den teutschen Fürsten jeweils stark variieren.
    Kaiser Joseph II. war da doch weiter wesentlich weiter. Der Mann hat sogar eine Gedenkveranstaltung der Prager Juden für seine Mutter in einer Synagode besucht.

    “Heißt das, dass die gesamte Antike etc.”
    Cäsar schreibt die schönste lateinische Prosa aller Zeiten.
    Man sollte bei der Lektüre seiner Prosa allerdings auch nie vergessen, wer da und warum er schreibt…

  52. Ich werde mal bei Gelegenheit die Moses-Mendelssohn-Biografie lesen.

    Man vergleiche die Situation von Juden vor Friedrichs Herrschaft mit jener während seiner Herrschaft. Fritz braucht Geld und versteht, dass reiche Juden gute Melkkühe sind. Das öffnet den Juden die Tür, die schon der Große Kurfürst aufgemacht hat, noch ein bisschen mehr. Natürlich war das von Judenemanzipation und Gleichberechtigung noch weit entfernt. Von fritzischen antisemitischen Zynismen und Sottisen mal ganz abgesehen. Aber so geht das halt in der Geschichte – Schrittchen für Schrittchen. Hauptsache in die richtige Richtung, würde ich sagen.

    Cäsar: ein Mensch einer Zeit und einer Welt, für die unsere heutigen Werte und Normen nicht gelten, auf die sie darum auch nicht “moralisch” anwendbar sind.

  53. conring meint:

    “Man vergleiche die Situation von Juden vor Friedrichs Herrschaft mit jener während seiner Herrschaft.”
    Hat sich in Preußen verändert. Lag aber nicht an dem “großen” Friedrich, sondern eher an seiner Beamtenschaft. Die Sache mit dem “Judenporzellan” hat der Chef der KPM Friedrich Anton von Heinitz nach des Großen Tod aus der Welt geschafft.

  54. conring meint:

    Hier haben Verwaltungsrichter in Bayern gerade auch wieder zu Ungunsten der Religionsfreiheit entschieden:
    http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/schleier-urteil-schuelerin-in-bayern-darf-nicht-mit-niqab-in-schule-a-966179.html

  55. Nein, conring, das ist kein Urteil gegen die Religionsfreiheit. Ich hätte da als Richter genauso entschieden, und ich bin doch nun wirklich – das werden Sie nach allem, was ich hier vertreten habe, wohl glauben – ein Vertreter der Religionsfreiheit.

    Wenn jemand hier bei uns Klitorisbeschneidung betreiben will oder Schulverweigerung oder totale Gesichtsverhüllung in der Schule, dann geht das nicht, auch nicht mit dem Hinweis auf Religion.

    Klar, dass die Grenze, die man da zieht, immer etwas Unsicheres hat. Es gibt eine Grauzone, und ich sag, da sollte man klug und großzügig sein.

    Man muss nicht unbedingt einem Schüler die Punkfrisur verbieten, zum Beispiel, oder einem Sikh den Turban, oder einer Muslima das Kopftuch. Auch wenn die drei Erscheinungsformen in unserer Kultur etwas gewöhnungsbedürftig sind.

    Aber mit vollständiger Gesichtsbedeckung in schulischen Kommunikationssituationen auftreten zu wollen, geht meines Erachtens einen Schritt zu weit. Genauso wie der Bikini. Oder die Ratte auf der Schulter.

  56. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Nein, conring, das ist kein Urteil gegen die Religionsfreiheit.”
    Die Klägerin dürfte es doch verstehen. Es zeigt allerdings, dass Religionsfreiheit eben nur ein Rechtsgut ist, das immer gegenüber anderen Rechtsgütern abgewogen werden muß.

    “Es gibt eine Grauzone, und ich sag, da sollte man klug und großzügig sein.”
    “Klug und großzügig” könnten ja auch die Religiösen sein…

  57. E.Lämer meint:

    @ CONRING

    Religionen? Die sind , insbesondere der Islam, und da insbesondere der, der von den türk./isl. Verbänden vertreten wird , eher rückwärts gewandt und dogmatisch. Und noch dazu politisch aus den “Herkunftsländern” gesteuert.

  58. conring meint:

    @ E. Lämer
    Über das Wesen von “Religionen” kan man lang und breit diskutieren. Wobei man je nach eigenem Blickwinkel und Untersuchungsthema zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen kommen kann.
    Tatsache ist doch, dass viele Menschen ein derartiges Ordnungssystem benutzen und man es von daher nicht per se verteufeln sollte.
    John F. Kennedy hatte übrigens auch einigen Ärger, weil viele Amerikaner meinten, dass er als Katholik irgendwie vom Vatikan fremdgesteuert würde.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*