Italien hat aus “Lampedusa” gelernt. Die EU noch nicht.

asylSie lässt Italien allein.

Innenminister Angelino Alfano im April vor dem Parlament:

“Wir sind ein ziviles Land und lassen nicht Tausende im Meer ertrinken.”

Wütende Proteste bei der Lega Nord.

Alfano:

“Menschenleben sind uns mehr wert als ein paar Wählerstimmen für die Lega.”

“Mare Nostrum” heißt der neue Ansatz. Er verabschiedet den alten – der es sogar unter Strafe gestellt hat, wenn Fischerboote den Ertrinkenden zu Hilfe gekommen sind. Der rein auf Abwehr und Abschreckung gesetzt und zu den fatalen Verhältnissen auf und im Meer vor Lampedusa geführt hat.

Alfano:

“Es ist klar, dass unsere Schiffe nicht zu Fähren für Migranten werden dürfen. Aber wir haben 19.000 Menschen aus dem Meer gerettet.”

Klar stellt Alfano aber auch: Auf die Dauer geht das so nicht weiter.

Im Jahre 2013 kamen bis zum 15. April ca. 2.500 Flüchtlinge in Süditalien an Land. Im Jahre 2014 sind es bis zum 15. Apil schon fast 21.000.

Sie werden zu provisorischen Lagern in Sizilien gebracht. Viele verschwinden von dort und versuchen sich durchzuschlagen.

Geld ist viel zu wenig vorhanden, um den campierenden Flüchtlingen hinreichend zu helfen. Die Unterkünfte sind zum Teil problematisch, es fehlt an fast allem. Auch an Übersetzern. Italien ist völlig überfordert von der großen Zahl an Flüchtlingen.

In Libyen sollen ca. eine halbe Million Afrikaner und Syrer auf eine Gelegenheit zur Überfahrt warten.

Alfano fordert die EU auf, für mehr Schutz an den Außengrenzen zu sorgen. Was meint er damit?

Er fordert außerdem, dass anerkannte Flüchtlinge sich in der EU frei bewegen und ihren Aufenthalt bestimmen können. Nur so hätten sie eine Chance, bei Angehörigen und Freunden unterzukommen.

Soweit Gerhard Mumelters Bericht in derstandard Ende April.

Fortsetzung heute (derstandard):

Innerhalb der letzten zwei Tage sind über 2.000 weitere Flüchtlinge in Sizilien eingetroffen.

Am Freitag waren es im sizilianischen Augusta (38.000 Einwohner) 1.170 Flüchtlinge, 200 davon Minderjährige ohne Begleitung.

Der Protest in Sizilien wird heftiger.

Der katholische Verband ANCI klagte über “riesige Probleme” im Zusammenhang mit der Flüchtlingswelle und forderte den Einsatz des Innenministeriums.

Besorgt zeigt sich auch Palermos Bürgermeister Leoluca Orlando. “Palermo ist eine Stadt, die offen und hilfsbereit ist. Europa sollte jedoch auch ihren Beitrag leisten”, protestierte Orlando.

Nach ihrem Eintreffen auf Sizilien wandern die Migranten durch Städte und Dörfer, in denen sie aufgenommen wurden, auf der Suche nach Wegen, um die Insel zu verlassen. Die meisten von ihnen wollen Angehörige in Norditalien, Deutschland oder Frankreich erreichen.

Einige Auswanderer berichteten, aus Libyen abgefahren zu sein und Schlepperbanden bis zu 1.000 Euro pro Kopf für die Überfahrt nach Sizilien gezahlt zu haben.

“Mare Nostrum” soll dem italienischen Staat ca. 9 Millionen Euro pro Monat kosten. Der Artikel sagt leider nicht, was darin enthalten ist. Ich vermute, es ist nur das See-Rettungsprogramm selbst.

Kommentare

  1. Ein neuer Tiefpunkt in Europas Migrationspolitik:

    http://derstandard.at/2000005592998/Fluechtlingsschiff-vor-Malta-gesunken?ref=nl

    Wenn sich diese Befürchtungen bestätigen, dann sind um die 500 Menschen im Mittelmeer elendig ersoffen!

    Was können wir dafür? Was haben wir damit zu tun? Geht uns nix an?
    Ich denke doch…

  2. Nachdem ein Schiff im Mittelmeer gesunken ist, werden bis zu 500 Tote befürchtet. Das teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Montag in Rom mit.

    Bei den 500 verunglückten Flüchtlingen soll es sich vor allem um Syrer, Palästinenser, Ägypter und Sudanesen handeln. Nach Angaben von IOM hatte das Schiff vor mehr als einer Woche im ägyptischen Hafen Damietta abgelegt. IOM beruft sich auf zwei palästinensische Flüchtlinge, die am Samstag gerettet und nach Sizilien gebracht worden waren.
    “Akt des Massenmords”

    Die beiden Überlebenden gaben an, dass Schlepper das Schiff versenkten, nachdem sich die Flüchtlinge geweigert hatten, auf hoher See in ein anderes Schiff umzusteigen. Sie seien danach mindestens 36 Stunden schiffbrüchig gewesen, bevor sie gerettet wurden.

    Wenn das stimmt, dann müsste man auch diese Schlepper zur Verantwortung ziehen. Anklage: Massenmord.

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