Migrationsbericht 2014 – Teil 5: Religionen

migrationEs ist nur eine Auswahl, die ich treffe. Der Migrationsbericht 2014 ist umfangreich … über 600 Seiten.

Katholiken (24,2 Mill. Einwohner):

Derzeit gibt es über 400 muttersprachliche Gemeinden in ca. 30 Sprachgruppen, in denen fast 500 Priester und Ordensleute als Seelsorger wirken.

Die größten Gruppen unter den Katholiken ohne deutsche Muttersprache sind polnisch-, kroatisch-, italienisch-, spanisch – und portugiesischsprachige Gläubige.

Die Bedeutung der muttersprachlichen Gemeinden als wichtige Anlaufstellen für Neuzuwanderer ist mit dem Beitritt der neuen EU-Staaten gestiegen.

Sie hat sich weiter erhöht, seit auch aus den von der Wirtschafts- und Finanzkrise besonders betroffenen katholisch geprägten südeuropäischen EU–Staaten eine deutlich stärkere Zuwanderung zu verzeichnen ist.

Zentral: die Regeldienste der Caritas für die katholischen Migranten sowie die kirchlichen Beratungsstellen.

Evangelische Kirche (23,7 Mill. Einwohner):

Verlässliche Zahlen zum Anteil der evangelischen Christen mit Migrationshintergrund liegen der EKD nicht vor.

Als wichtigste Publikation im Sinne einer grundsätzlichen Positionierung der EKD in der Integrationslandschaft gilt der Text “(…) denn ihr seid selbst Fremde gewesen – Vielfalt  anerkennen und gestalten“ von 2009.

Darin wird eine Neuausrichtung der Evangelischen Kirche skizziert, in deren Mittelpunkt der  Öffnungsprozess für die Einwanderungsgesellschaft steht.

Kernanliegen der Diakonie ist es, notleidenden oder in sozial schwierigen Verhältnissen lebenden Menschen zu helfen.

Ihr gehören als Mitglieder die Diakonischen Werke der 20 EKD-Gliedkirchen, neun Freikirche n mit ihren diakonischen Einrichtungen sowie 81 Fachverbände an.

Ihre Mitglieder arbeiten in über 27.000 selbstständigen Einrichtungen unterschiedlicher Größe und Rechtsform – u.a. als Träger der bundesgeförderten migrationsspezifischen Beratungsdienste und von Integrationsprojekten zur gesellschaftlichen und sozialen Integration.

Orthodoxie (1,5 Millionen Einwohner):

Es handelt sich zum größten Teil um Zuwanderer griechischer, russischer, serbischer, rumänischer, bulgarischer, georgischer und ukrainischer Herkunft und deren Nachkommen.

Zentrales Bindeglied der orthodoxen Kirchen ist die am 27.02.2010 gegründete  “Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland”.

Es gibt die Griechisch-Orthodoxe Metropolie (60 Kirchen), die (Moskauer) Russisch-Orthodoxe Kirche (ebenfalls 60 Kirchen).

Juden

Etwa 101.000 Juden in Deutschland sind eingeschriebene Mitglieder der Jüdischen Gemeinde. Die meisten sind Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion.

Nicht alle dieser Einwanderer haben sich der Israelitischen Kultusgemeinde angeschlossen. Die Zahl der Einwanderer aus der SU 1993-2012 beträgt immerhin fast 206.000.

Islam

Die Zahl der Muslime in Deutschland exakt zu bestimmen, ist kompliziert, da es kein Register dafür gibt.

Auch der Migrationsbericht bezieht sich darum auf die einzige seriöse Untersuchung, die es dazu gibt, “Muslimisches Leben in Deutschland”, die für das Jahr 2009 die Zahl von etwa 4 Millionen Muslimen in Deutschland angibt.

Davon sind 74% Sunniten, 12,7% Aleviten, 7,1% Schiiten. Kleinere Minderheiten wie die Ahmadis machen zusammen ca. 3% aus.

Belegt ist die Zahl von rund 2.350 Moscheegemeinden und alevitischen Cem-Häusern in Deutschland.

In ca. 2.180 islamischen Gemeinden ist ein Imam oder, im Falle der Aleviten, ein Dede tätig.

Dies ist insoweit wichtig, als islamischen Gemeinden und ihren Religionsbediensteten bei der Integrationsförderung eine Schlüsselrolle zukommt.

Sie nehmen die Funktion von Multiplikatoren ein und genießen als religiöse Autoritäten in der Regel das Vertrauen ihrer Gemeindemitglieder.

Auch stellen sie oftmals ihre Gemeinde nach außen dar.

Daneben ist belegt, dass fast alle islamischen Gemeinden mehr als  religiöse Dienstleistungen anbieten.

Orientierungshilfen in der deutschen Gesellschaft (z.B. Sozial-, Erziehungs- und Gesundheitsberatung, Hausaufgabenhilfe) nehmen einen breiten Raum ein, ein knappes Drittel bietet außerdem deutsche Sprachkurse an.

Der Migrationsbericht verweist auf seinen Vorgänger, den 9. Lagebericht. Der Staat müsse

„allen Religionsgemeinschaften neutral gegenüberstehen. Diese Neutralität ist als eine offene, die Glaubensfreiheit für alle Bekenntnisse fördernde Haltung zu verstehen (…)“.

Diese erlaubt staatliche Förderungen unter Wahrung des Gleichbehandlungsgrundsatzes.

Die Religionsgemeinschaften als Gemeinschaft der Gläubigen können mit dem Staat in verschiedenen Bereichen kooperieren und unter bestimmten Voraussetzungen eigene grundgesetzlich geschützte Ansprüche herleiten, wie zum Beispiel den Anspruch auf Religionsunterricht.

Insgesamt gesehen sind bzgl. der Gleichbehandlung der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften im Hinblick auf den Islam in Deutschland wichtige Fortschritte erzielt worden.

Zu einigen Entwicklungen:

Muslimischer Religionsunterricht:

Insgesamt gesehen befindet sich die Entwicklung noch im Anfangsstadium:

In Nordrhein-Westfalen etwa gab es bei der Einführung nur 40 Religionslehrerinnen und -lehrer für die muslimischen Schulkinder.

Sie rekrutierten sich aus den bisherigen Lehrkräften für Islamkunde und unterrichten 2.500 der landesweit insgesamt rd. 320.000 muslimischen Schulkinder.

Anerkennung als Religionsgemeinschaft:

Auch hinsichtlich der Anerkennung muslimischer Verbände als Religionsgemeinschaften gem. Art. 7 Abs. 3 GG oder etwa der Regelung wichtiger Alltagsfragen sind positive Entwicklungen festzuhalten, wie das nachfolgend dargestellte Beispiel der Freien und Hansestadt Hamburg belegt.

Großen Raum nimmt der Bericht über die Beschneidungsdebatte ein: Seite 284-287. Darauf gehe ich an dieser Stelle nicht näher ein.

Auch nicht auf die Deutsche Islamkonferenz (im Migrationsbericht Seite 280-284.

Bedenkenswert für Agnostiker und Atheisten ist die folgende generell religionsfreundliche Aussage des Migrationsberichts:

Religion und Glaube sind für viele Menschen – ganz gleich, ob mit oder ohne Migrationshintergrund – u.a. wegen der Vermittlung von Werten, Orientierungen und Lebenseinstellungen in hohem Maße sinn- und identitätsstiftend.

Durch die in Kirchen, Synagogen, Moscheen oder Moscheevereinen in der Gemeinschaft praktizierte Pflege von Gebräuchen und Feiertagen wird überdies ein Gefühl der Solidarität und  Zusammengehörigkeit gepflegt und gestärkt.

Dieses vermittelt vielen Gläubigen Halt und Stabilität. Dies ist insbesondere für Neuzuwanderinnen und Neuzuwanderer von Belang, da diese in Deutschland als neuem Lebensumfeld zumindest in der Anfangszeit häufig auf Unterstützung und Hilfestellungen angewiesen sind.

Die Beauftragte anerkennt daher die große Bedeutung der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften im Integrationsprozess.

Sie weiß um deren Engagement für Solidarität, Menschenwürde und gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt.

Und sie weiß um die Leistungsbereitschaft und das Engagement der vielen bürgerschaftlich engagierten Gläubigen.

Vor diesem Hintergrund hegt  die Beauftragte keinen Zweifel daran, dass die Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften auch in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Integration und Partizipation der Menschen mit und ohne Migrationshintergrund leisten werden.

Migrationsbericht 2014 – Teil 1Teil 2Teil 3Teil 4Teil 5Teil 6 - Fortsetzung folgt

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