Migrationsbericht 2014 – Teil 6: Kriminalität

migrationDer Migrationsbericht 2014 erklärt zunächst ausführlich, wie die Kriminalitätsstatistik zu lesen sei – und mahnt zur Vorsicht.

Steigen wir hier ein:

Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen ist von 2012 auf 2013 gestiegen: von 24,0% auf 25,7%.

Der Anteil an allen Verurteilten liegt bei 22,9% – bei einem Ausländeranteil von 8,9%.

Ein solcher Vergleich ist aber aufgrund mehrerer Faktoren nicht zulässig.

Zum einen sind in der Bevölkerungsstatistik nicht alle Ausländerinnen und Ausländer enthalten, die in der PKS als Tatverdächtige erfasst werden.

So werden bestimmte Ausländergruppen wie Migrantinnen und Migranten ohne legalen Aufenthaltsstatus, Touristen/Durchreisende, Besucherinnen und Besucher, Grenzpendlerinnen und Grenzpendler und Stationierungsstreitkräfte sowie deren Angehörige in der Bevölkerungsstatistik nicht mitgezählt.

Wenn Angehörige dieser Gruppen jedoch der Begehung einer Straftat verdächtigt werden, werden sie in der PKS aufgeführt.

Es wäre statistisch aber nicht zulässig, eine Gruppe (hier die durchreisenden Ausländerinnen und Ausländer, Touristinnen und Touristen, Grenzpendlerinnen und Grenzpendler, Illegale etc.) in Relation zu einer Gesamtgruppe (hier die Wohnbevölkerung) zu setzen, der sie nicht angehört.

Darüber hinaus erschwert die strukturelle Zusammensetzung (Alters-, Geschlechts- und Sozialstruktur) einen Vergleich:

Die Zuwanderinnen und Zuwanderer ohne deutsche Staatsbürgerschaft sind im Vergleich zur deutschen Wohnbevölkerung deutlich jünger und der Anteil von Frauen ist geringer.

Sie leben vermehrt in Großstädten, gehören eher unteren Einkommensschichten an, das Bildungsniveau ist insgesamt deutlich niedriger, die Arbeitslosigkeit hingegen höher.

Diese Faktoren führen eher dazu, als Tatverdächtige polizeiauffällig zu werden.

Schließlich darf der beachtliche Anteil ausländerspezifischer Delikte – also Straftaten gegen das Aufenthalts-, das Asylverfahrens- und das Freizügigkeitsgesetz/EU – nicht vergessen werden, die fast ausschließlich von Ausländerinnen und Ausländern begangen werden können.

Hierzu zählen Verstöße gegen die Residenzpflicht für Asylbewerberinne n und Asylbewerber, Verstöße gegen Visabestimmungen, unerlaubte Einreise, unerlaubter Aufenthalt etc.

Ohne ausländerspezifische Delikte reduziert sich der Tatverdächtigenanteil Nichtdeutscher im Jahre 2013 um 3,1 % auf 22,6 %.

Diese Hinweise kommen vom BKA selbst.

Würde man alles einrechnen, käme bei einer wirklich vergleichbaren Gruppe von Deutschen ungefähr eine ähnlich hohe oder niedrige Kriminalitätsbelastung heraus.

Hinzuzufügen wäre, dass die Kriminalitätsbelastung in Deutschland – trotz Zunahme der Migration – sinkt und ohnehin historisch und international gesehen sehr niedrig ist.

Der Migrationsbericht informiert danach über einzelne Aspekte der Kriminalität. Einer sei herausgegriffen.

Gab es bis 2007 eine Zunahme bei der Registrierung von Jugendgewalt seitens ausländischer Jugendlicher, so nimmt sie seither ab. Schwere Körperverletzung zum Beispiel um über 17%. Das entspricht dem generellen Rückgang von Jugendgewalt. Das wird besonders deutlich an den Schulen.

Trotzdem, der Anteil von Migrantenjugendlichen bei krimineller Gewalt ist höher:

Die höhere Gewaltbelastung bei Jugendlichen aus Zuwandererfamilien wird oft mit ihrer sozialen Benachteiligung, insbesondere im Hinblick auf die sozioökonomische Lage ihrer Familien sowie ihre Bildungschancen, erklärt.

Zum anderen zeigt sich, dass junge Menschen aus Zuwanderer familien häufiger im familiären Nahraum mit Gewalt konfrontiert werden, sowohl in Form der Beobachtung elterlicher Partnergewalt als auch selbst als Opfer elterlicher Gewalt.

Als eine wichtige Einflussgröße wurden darüber hinaus Männlichkeits- und Ehrenkonzepte identifiziert. Ein überdurchschnittlicher Anteil der Jugendlichen aus Zuwanderfamilien demonstriert in dieser Hinsicht sehr traditionelle, mit Dominanzstreben und Gewaltlegitimation verbundene Männlichkeitskonzepte, die ihrerseits einen engen Zusammenhang mit Gewalthandeln aufweisen.

Kriminologische Untersuchungen haben gezeigt, dass sich bei einem Vergleich von Gruppen mit gleichen familiären, schulischen und sozialen Rahmenbedingungen sowie übereinstimmenden Werteorientierungen keine höhere Gewaltkriminalität von ausländischen Jugendlichen feststellen lässt.

Vergleichbare Lebensumstände bedingen also ein vergleichbares Gewaltniveau, wobei die genannten Rahmenbedingungen ihrerseits wiederum durch kulturelle und traditionelle Prägungen der Herkunftsregion beeinflusst sein können.

Auch erste Zwischenergebnisse der Langzeitstudie „Kriminalität in der modernen Stadt“ zeigen, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund nicht häufiger an Gewaltdelikten beteiligt sind als Jugendliche ohne Migrationshintergrund.

Die Studie belegt, dass vor allem eine stärkere Bildungsbeteiligung ein wesentlicher Schlüssel zur Verringerung der Straffälligkeit von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist.

Zudem zeigt die Studie, dass sich die erhöhte Kriminalität im Jugendalter im Zeitverlauf auswächst. Der Delinquenzrückgang geschieht dabei weitgehend ohne Intervention von Polizei und Justiz.

Vielmehr spielen die erfolgreiche Vermittlung von Normen und Werten durch Familie und Schule, stabile soziale Bindungen sowie der erfolgreiche Übergang in das Erwerbsleben eine entscheidende Rolle.

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Kommentare

  1. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik 2013 haben 34,1% aller nichtdeutschen Tatverdächtigen keinen festen Wohnsitz in Deutschland. Das steht auf Seite 103 http://www.bka.de/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/pks__node.html

  2. Diese Zahl muss man sich merken. Ein Drittel gehört also nicht zu den Migranten, von denen wir reden. Ein Drittel von den knapp 26% (das ist der Anteil an Ausländern an den Verdächtigen) reduziert diesen Prozentsatz immerhin schon mal auf 15 oder 16%. Da sind wir den knapp 9% schon näher. Dazu kommen dann noch die anderen vom Migrationsbericht genannten Punkte.

  3. Ich habe zum Vergleich noch einmal in die PKS 2010 geschaut. Damals hatten 26,6% der nichtdeutschen Tatverdächtigen keinen festen Wohnsitz in Deutschland. Das steht dort auf Seite 136.

    Damit gab es 2010 etwa 346300 nichtdeutsche Tatverdächtige MIT festem Wohnsitz in Deutschland. 2014 gab es etwa 354800 nichtdeutsche Tatverdächtige MIT festem Wohnsitz in Deutschland. Der Anstieg beträgt hier also etwa 2,5%.

    Die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer stieg von 2010 von etwa 6,75 Millionen auf etwa 7,63 Millionen. Das ist ein Anstieg von etwa 13%.

    Somit sind heute hier lebende Ausländer relativ gesehen weniger oft Tatverdächtige als noch vor vier Jahren.

  4. Löffler, Udo meint:

    Korrekt ist jedoch, was hier auch beachtet werden muß, die straffällig gewordenen Migranten mit erhaltenem Deutschen Paß findet man in der Statistik Deutsche wieder und wird dann fällschlicherweise den Deutschen zugeordnet! Desweiteren sollte man hier auch die Herkunft der Ausländer mitberücksichtigen. Also hier würden folglich noch ca. 12 % hinzukommen. Wenn man den Migranten- Anteil zum Anteil der Deutschen ins Verhältnis nimmt, so ist in der Gesamtheit der straffällig gewordenen Ausländer und Migranten korrekterweise doch viel höher und somit hinken die nicht der Wahrheit entsprechenden Vergleiche!

  5. Ein Deutscher ist ein Deutscher, lieber Udo Löffler.
    Wieso soll ein Deutscher nicht als Deutscher in die Statistik eingehen?
    Gibt es Deutsche zweiter Klasse?

    Du vertrittst den völkischen Standpunkt, Udo. Der gilt aber nicht mehr. Der ist in der Politik nicht mehr vertreten. Die Nazizeit ist vorbei, und damit auch die Nazi-Form des deutschen Selbstverständnisses.

    Insofern bist jetzt eigentlich eher du ein Fremder, ein Un-Deutscher. Ihr bildet sozusagen eine völkische Parallelgesellschaft.

    Es gibt keine Statistik, die ausweist, wie hoch die Kriminalitätsbelastung der Eingebürgerten ist. Es gibt aber auch keine Statistik darüber, wie hoch die Kriminalitätsbelastung der völkisch Denkenden ist. Wollen wir eine solche Statistik haben? Wie kriminell waren und sind die Pegidaner, zum Beispiel? Ihren Häuptling, Herrn Bachmann, eingeschlossen …

  6. Herr Löffler, wenn man die Herkunft berücksichtigt und nicht nur die Staatsangehörigkeit, dann müssen auf der Seite der Ausländer und Migranten natürlich auch noch alle Menschen berücksichtigt werden, die Deutschland im Laufe des Jahres durch- oder bereisen (über 70 Millionen Übernachtungen pro Jahr bei den Touristen, dazu kommen die ganzen Meschen, die Deutschland beruflich durchqueren).

  7. Sebastian meint:

    Lieber Leo,
    “Ein Deutscher ist ein Deutscher” Ja. Vor dem Gesetz vielleicht und das ist auch gut so. Aber wie sieht es denn bitte schön mit der eigenen Identität aus? Glaubst Du tatsächlich, dass die Ursachen für die erhöhte Kriminalität unter Migranten-Jugendlichen, wie die hier erwähnten “Männlichkeits- und Ehrenkonzepte” in den Familien sowie in anderen Quellen zu findende Identitätskonflikte, die oftmals in übersteigertem Nationalismus oder Religiosität münden, mit dem deutschen Pass abgestellt sind, der seit geraumer Zeit qua Geburt verliehen wird? Jemand der einen Ehrenmord begeht (nur um die Spitze des Eisberges zu nennen) tut dies mit oder ohne deutschen Pass, wenn die gegebenen identitären Voraussetzungen erfüllt sind.

    Udos Vorwurf, dass in diesen Statistiken Migration keine Rolle spielt, sondern lediglich Staatsbürgerschaft, trifft genau ins Schwarze, weil die Zahlen diese Einflußgrößen für Gewaltdelikte verschleiern bzw. abschwächen. Die Folge ist logischerweise das verzerrte Bild eines Integrationsfortschritts, der u.a. mit zurückgehender Ausländerkriminalität erklärt wird und als Konsequenz auch eine Abnahme der Bemühung die genannten Ursachen zu bekämpfen.

    Und genau darum geht es: Ursachenbekämpfung! Wer die Ursachen, die nunmal nicht nur sozialer sondern auch kultureller Natur sind, nicht kennt, nicht wahrhaben will, oder sie kleinredet wird auch das Problem nicht lösen – am allerwenigsten aber mit hohlen Nazi-Vorwürfen.

  8. Sebastian,
    dein ethnisch vergiftetes Hirn lässt es nicht zu, das Soziale und das Ethnische auseinanderzuhalten und zu erkennen, dass es weniger mit dem Ethnischen und sehr viel mehr mit dem Sozialen zu tun hat, wenn junge Leute kriminell werden.

    Wenn wir in dieser Sache was kritisieren müssen, dann ist es unser (gemeinsames) soziales Versagen. Wir tun zu wenig dafür, dass Migranten (auch der zweiten Generation) teilhaben können an unserer Welt.

    Im übrigen: Wie kommt es nur, dass bei uns seit Jahren alles in allem die Jugendgewalt eher zurückgeht?

    Was ist eigentlich dein Handlungsvorschlag? Was sollte die Politik machen?

  9. Beitrag vonLEO BRUX,
    kann ich absolut nicht teilen. Die Kriminalität der Ausländer/Deutschen
    ist nun mal höher. Ursachen sind vielschichtig, Bildund/Sprache/Kultur/Glauben/Willen zu Integration, usw.

    Du kannst Löwen in ein Elefantengehege einsperren und den Löwen schriftl. bescheinigen, ab jetzt seid Ihr Elefanten. Lächerlich, einfach lächerlich, ein Vietnamese bleibt immer ein Asiate, ein Türke wird niemals ein Deutscher, nur wegen eines Dokumentes. (Pass) Politik möchte es gerne und macht es auch, nur in Wirklichkeit geht es nicht. Völkisch oder die Nazikeule als Argumentation ist absoluter Quatsch. Menschen sind wir alle, keine Frage, auch das man Menschen helfen sollte in Not, auch richtig.
    Deutschland auf Dauer zu vermischen, ist fatal. Das funktioniert nicht.
    Siehe Forschung bringt man das mit dem NS im Zusammenhang. Schlaue Menschen bringen auch schlaue Menschen hervor. In der Natur ist es nicht anders. Der bessere überlebt. Totschlagargument “Nazi” + das ist eine Sackgasse. Wir brauchen schlaue Menschen, der Rohstoff der Zukunft.
    Nenne mir mal ein arabisches Musikorchester oder Chor ?
    völkisch ? ihr lebt alle noch in Vergangenheit.

  10. Der Vietnamese ist von einem Deutschen kaum zu unterscheiden, lieber Witt.
    Beide können sich problemlos paaren und eine stabile Familie mit ihrem auch weiter fortpflanzungsfähigem Nachwuchs gründen.
    Also von wegen Löwen und Elefanten …

    Schon bei Hitler (in Mein Kampf) findet sich das dumme Muster:

    “Meise geht zur Meise, Fink zu Fink, der Storch zur Störchin, Feldmaus zu Feldmaus, …”

    Hitler dient das als Beleg für seine rassistische Intuition.

    Deutscher geht zu Vietnamesin, das ist real wie Meise geht zu Meise. Wir passen zusammen.

    Der Vietnamese bleibt immer ein Asiate …

    Na, wenn er als Erwachsener nach Deutschland gekommen ist, dann wollen wir das doch großzügig zugestehen. Wie sieht es mit seinen Kindern aus? Im Durchschnitt gehören sie zu den schulisch erfolgreichsten hierzulande. Sind Abitur-Einser asiatisch?

    Deutschland zu vermischen funktioniere nicht …

    Deutschland ist sowieso vermischt. Schon mal ganz ohne Einwanderer sind wir ein Gemisch. Krasse Unterschiede überall! Sowohl äußerlich wie charakterlich wie kulturell wie wirtschaftlich.

    Schlaue Menschen bringen auch schlaue Menschen hervor …

    Durch schlaue Erziehung. Durch gute Erziehung. Durch anregende Erziehung. Dafür könnten wir mehr tun.

    Der bessere überlebt …

    Wer aber ist der Bessere? Derjenige, der am besten lernt und der am besten kooperiert.
    Menschliche Gemeinschaften waren schon immer durch Solidarität stark. Heute ist – infolge der Globalisierung – die ganze Menschheit unsere menschliche Gemeinschaft. Das erkennt der schlaue Deutsche. Der dumme Deutsche erkennt es nicht.

  11. Sebastian meint:

    Leo, Du hast offenbar immer noch nicht verstanden, dass es einen Unterschied zwischen Ethnie/Abstammung und Kultur gibt. Ich beziehe mich ausschließlich auf eine kulturelle Komponente, die natürlich mit sozialökonomischen Faktoren einhergeht. Beides ist aber nicht voneinander zu trennen. Dein Vietnamesen-Beispiel belegt dies übrigens vortrefflich: Eine vorwiegend arme, ungebildete Schicht, die wie keine andere über wenige Generationen den sozialen Aufstieg geschafft hat. Man vergleiche sie mit anderen Minderheiten. Ja, woran liegt das wohl, lieber Leo?

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