Dresdner PEGIDANER-Merkmale

rechtsDie Technische Universität Dresden hat sich angeschaut, wer pegidanisch auf die Straße geht. 65% derer, die man befragen wollte, lehnten ab. Die Selbstauskunft der 400 antwortenden Teilnehmer lautet:

1. Alter:

35% sind jünger als 40. 26% sind älter als 60. Durchschnitt: 48 Jahre.

2. Geschlecht:

75% sind Männer, 25% sind Frauen.

3. Bildungsabschluss:

28% haben einen Hochsuchlabschluss (einschließlich FHS); weitere 16% Abitur/Fachabitur; 5% nur einen Hauptschulabschluss.

4. Berufsgruppe:

47% sind Arbeiter und Angestellte, 20% Selbständige, 18% Rentner, 9% Studenten, 3% Beamte, 2% arbeitslos.

5. Durchschnittliches monatlisches Nettoeinkommen:

Leicht überdurchschnittlich.

6. Konfession

73% keine; 21. protestantisch, 4% katholisch, 2% andere.

7. Parteiverbundenheit

  • 62% keine,
  • 9% CDU,
  • 17% AfD,
  • 4% NPD,
  • 3% Linke,
  • 1% SPD, Grüne, FDP.

8. Herkunft:

Dresden und Umgebung: 36%; Sachsen außer Dresden: 38%; Ostdeutschland außer Sachsen: 9%; Westdeutschland: 6%.

9. Grund für die Teilnahme

(Die Befragten müssen sich für einen dieser Gründe entscheiden, auch wenn mehrere für sie zutreffen würden.)

  • 54% Unzufriedenheit mit der Politik
  • 20% Kritik an Medien und Öffentlichkeit
  • 15% Grundlegende Vorbehalte gegenüber Zuwanderern und Asylbewerbern
  • 5% Protest gegen religiös oder ideologisch motivierte Gewalt
  • 6% Sonstiges

10. Im Falle der Unzufriedenheit mit der Politik: Inwiefern?

(Die Befragten müssen sich für einen dieser Gründe entscheiden, auch wenn mehrere für sie zutreffen würden.)

  • 23% Distanz zwischen Volk und Politikern
  • 20% Unzufriedenheit mit der Asylpolitik
  • 18% Unzufriedenheit mit dem politischen System
  • 15% allgemeine Unzufriedenheit mit der Politik
  • 14% Unzufriedenheit mit der Zuwanderungs- und Integrationspolitik
  • 6% Unzufriedenheit mit der Wirtschafts- und Sozialpolitik
  • 4% Unzufriedenheit mit der Außen- und Sicherheitspolitik

11. Im Falle grundlegende Vorbehalte gegenüber Zuwanderern und Asylbewerbern

(Die Befragten müssen sich für einen dieser Gründe entscheiden, auch wenn mehrere für sie zutreffen würden.)

  • 42% Vorbehalte gegen Muslime bzw. den Islam
  • 20% Sorge um hohe Kriminalität von Asylbewerbern
  • 20% Angst vor sozioökonomischer Benachteiligung
  • 18% Angst vor eigenem Identitätsverlust und “Überfremdung”

12. Islam/Islamisierung als Grund genannt – oder nicht genannt:

Von 23% als Grund genannt; von 77% als Grund nicht genannt

Also: Wenn man das Ergebnis als repräsentativ nehmen will, geht nur ein Viertel der Teilnehmer wegen der im Namen PEGIDA angesprochenen Islamisierung mit.

Vielleicht liegt das aber auch an der Befragungsmethode: Siehe Punkt 9. Hätte man den Befragten die Möglichkeit der Mehrfachnennung gegeben, hätten sie vielleicht alle vier Punkte angekreuzt.

Zweifel habe ich auch bei einigen der Angaben zur Person. Was hindert einen Befragten, sich aufzuwerten oder zu verjüngen? Der “Lügenpresse” kann man doch ruhig eine Lüge vorsetzen.

Es kann auch sein, dass das Drittel, das zur Aussage bereit war, nicht charakterisch fürs Ganze war. Zum Beispiel scheint mir der Frauenanteil noch geringer zu sein als die hier angegebenen 25%.

Interessant dazu auch der Artikel bei telepolis.

Die taz hat Zweifel wegen der Auswahl, die sich für die Umfrage ergeben hat. Ihr Eindruck: Es werden wohl eher Eloquente und Gebildete unter den 400 sein.

Und das ist interessant:

Vermutlich aber würde auch deren Einbeziehung nichts an der zentralen Aussage ändern, dass vor allem die Frustration über die politische Klasse und deren angeblichen Handlanger in den Medien diese Bürger auf die Straße treibt.

Angst vor Islamisierung und Asylbewerbern sind dabei zweitrangig.

Hier demonstrieren Bürger, die mit Demokratie nichts oder wenig anfangen können und nie versucht haben, sich mit ihren Überzeugungen zivilgesellschaftlich zu organisieren oder parteipolitisch einzubringen.

Stattdessen haben sie das dringende Bedürfnis sich zu beschweren.

Kommentare

  1. Ich habe den Eindruck, dass es sich bei den Befragten hauptsächlich um Leute handelt, die mit der heutigen Meinungspluralität in Politik und Gesellschaft überfordert sind.

  2. Nach der Untersuchung von Rucht und seinen Kollegen aus Chemnitz und Bochum besteht die Pegida-Bewegung gerade nicht aus den angeblichen «Normalbürgern». Rucht widersprach damit ausdrücklich einer kürzlich in Dresden vorgelegten Studie.

    Allerdings gaben die Forscher zu, ihre Ergebnisse seien nicht repräsentativ und nur unter Vorbehalt anzuwenden. Letztlich nahmen nur 123 Teilnehmer der Pegida-Demonstration vom 12. Januar an der Internet-Umfrage teil. Das seien deutlich zu wenig, um die Resultate auf die gesamte Bewegung zu übertragen, betonte Rucht mehrfach. «Wir können nichts über den typischen Pegida-Demonstranten sagen.»

    Allerdings gingen die Wissenschaftler davon aus, dass sich eher Menschen mit gemäßigteren Einstellungen und weniger die auch vertretenen Rechtsextremisten beteiligten. Es lasse sich feststellen, dass Pegida männerdominiert sei, meist aus Angestellten mit guter Bildung bestehe, kein Vertrauen in staatliche Institutionen habe, der AfD zugeneigt sei und teilweise rechtspopulistischen bis zu rechtsextremen Thesen anhänge.

    Die Teilnehmer der Umfrage, zu 80 Prozent Männer, hätten sich selbst politisch in der Mitte und Rechts eingeordnet. Bei der letzten Landtagswahl habe laut eigenen Aussagen etwa die Hälfte AfD gewählt. Die klassische Sonntagsfrage nach einer nächsten Wahlentscheidung beantworteten 89 Prozent mit der AfD.

    Ein großer Teil der Befragten (81 Prozent) stimmte Aussagen zu einem starken Nationalgefühl zu. Deutlich mehr Befragte als im Bevölkerungsdurchschnitt schlossen sich Thesen mit ausländerfeindlichem Tenor an (41 Prozent).

    Verwundert äußerte sich Rucht zu den von der Polizei veröffentlichten Teilnehmerzahlen. Nach Zählungen und Schätzungen seiner zum Teil erfahrenen Teams seien es in Dresden zuletzt 18 000 und nicht 25 000 Teilnehmer gewesen und in Leipzig 2000 statt 4000.

    http://www.mz-web.de/politik/protestforscher–pegida-bewegung-hat-hoehepunkt-ueberschritten,20642162,29607712.html

  3. “na dann sollte er wissen was für viehzeug hier wirklich ankommt und das es aus GUTEM GRUND bewacht werden muss”

    “anstatt 2 sicherheitsleuten hat das sozialamt mittlerweile 7! um die mitarbeiter vor dem viehzeug zu schützen. UND NEIN, ES GIBT KEINE ECHTEN KRIEGSFLÜCHTLINGE!”

    usw.

    https://mopo24.de/nachrichten/bachmann-pegida-dresden-facebook-3958#!nachrichten/bachmann-pegida-dresden-facebook-3958

  4. Korbinian meint:

    Was hat Sigmar Gabriel falsch gemacht und was Claudia Roth richtig?

    Eine wichtige Frage in der deutschen Medienlandschaft:
    http://tapferimnirgendwo.com/2015/01/26/sigmar-gabriel-vs-claudia-roth/

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