Kanada zum Vergleich. 1. Kapitel (Einleitung)

multikulturIn welcher Hinsicht können wir von Kanada lernen?

Ich habe mir vorgenommen, dies zu studieren. In lockerem Abstand werde ich einige Artikel dazu veröffentlichen.

Interessant sind für den Migrationsblog vier Themen:

1.

Kanada versteht sich als multikulturell. Es müsse diese Multikulturalität nicht herstellen, sie bestehe von vorne herein:

  • Es gibt die First Nations (Indianer, Inuit, dazu die Métis, also Mischlinge).
  • Es gibt die ethnisch auch nicht über einen Leisten zu schlagenden europäischen Einwanderer (Engländer, Schotten, Iren, US-Amerikaner, Deutsche, Italiener …).
  • Es gibt die Frankokanadier, die mit Quebec eine eigene Provinz prägen und auf ihre Eigenständigkeit pochen.
  • Es gibt die Einwanderer aus Afrika und Asien, die einen immer höheren Anteil an der Bevölkerung erreichen.
  • Es gibt in allen diesen Gruppen intern beträchtliche Unterschiede, was die Lebensform, was die starken Wertungen anbelangt, also zum Beispiel religiös gläubige und religiös gleichgültige oder agnostische Personen.

Multikulturalität ist also eine ganz selbstverständliche Gegebenheit, der sich Gesellschaft und Politik anpassen müssen.

Kanada versteht sich darum nicht als melting pot. Die Unterschiede werden nicht eingeschmolzen, man will keine Homogenität herstellen. Die Unterschiede bleiben bestehen – und werden in einem Verhältnis gegenseitiger Achtung bzw. Toleranz ausbalanciert.

2.

Kanada versteht sich als Einwanderungsland.

Wie sehen die Regeln aus? Was hat es mit dem Punkte-System auf sich?

Wie geht Kanada mit “irregulärer” Einwanderung um, etwa mit Flüchtlingen?

3.

Wie intergriert Kanada Einwanderer?

Was tun Staat und Gesellschaft, damit die Einwanderer Teil der kanadischen Gesellschaft werden?

Was leistet dabei das Bildungssystem?

Was leistet der Sozialstaat?

Welche Integrationshindernisse sind zu überwinden?

4.

Welche Reibungen, welche Widerstände gibt es?

- einerseits durch Einheimische, andererseits durch Einwanderer.

— — —

Vorab einige Zahlen. Ich entnehme sie (der englischen) Wikipedia.

According to the 2006 census, the country’s largest self-reported ethnic origin is

Canadian (accounting for 32% of the population), followed by
English (21%),
French (15.8%),
Scottish (15.1%),
Irish (13.9%),
German (10.2%),
Italian (4.6%),
Chinese (4.3%),
First Nations (4.0%),
Ukrainian (3.9%), and
Dutch (3.3%).

There are 600 recognized First Nations governments or bands, encompassing a total of 1,172,790 people.

Canada’s aboriginal population is growing at almost twice the national rate, and four percent of Canada’s population claimed aboriginal identity in 2006.

Another 16.2 percent of the population belonged to a non-aboriginal visible minority.  In 2006, the largest visible minority groups were
South Asian (4.0%),
Chinese (3.9%) and
Black (2.5%).

Between 2001 and 2006, the visible minority population rose by 27.2 percent. In 1961, less than two percent of Canada’s population (about 300,000 people) were members of visible minority groups.

By 2007, almost one in five (19.8%) were foreign-born, with nearly 60 percent of new immigrants coming from Asia (including the Middle East).

The leading sources of immigrants to Canada were China, the Philippines and India. According to Statistics Canada, visible minority groups could account for a third of the Canadian population by 2031.

Religion: 3,2% der Kanadier sind Muslime. Vor 10 Jahren waren es noch 2,0%.

Muttersprache: Von den ca. 33 Millionen Kanadiern sprechen knapp 7 Millionen eine andere Muttersprache als Englisch oder Französisch. Ein gutes Fünftel.

Vergleicht man mit Deutschland, erkennt man eine ausgeprägtere Vielfalt in Kanada.

Ein Deutschnationaler wird sich fragen: Ja, wie können die sich denn als EIN Volk und EINE Nation fühlen? Wie kommt es, dass das Gefüge nicht auseinanderbricht?

Offensichtlich “funktioniert” Kanada. Ich werde den Fragen dazu nachgehen.

Anmerkung:

Wer interessante Links findet, möge sie bitte im Diskussionsbereich anbieten.

Danke.

Fortsetzung: 2. Kapitel. Multikulturalismus.

Kommentare

  1. Interessantes Thema, Leo!
    Aber wo kommen denn diese Zahlen her?
    Canadian (accounting for 32% of the population), followed by
    English (21%),
    French (15.8%),
    Scottish (15.1%),
    Irish (13.9%),
    German (10.2%),
    Italian (4.6%),
    Chinese (4.3%),
    First Nations (4.0%),
    Ukrainian (3.9%), and
    Dutch (3.3%).
    Wenn ich das so überschlage, lande ich bei weit über hundert Prozent. Wie ist das zu verstehen? Was besagt das gegebenenfalls über die anderen genannten Zahlen?

  2. Man kann auch Vorfahren aus mehreren Ländern haben.

  3. Haben wir die nicht alle, wenn wir nur weit genug zurück gehen?

  4. Es geht doch darum, warum es mehr als 100% sind.

  5. Die Zahlen kommen von der englischen Wikipedia-Seite. Ich hatte nicht nachgerechnet.
    Vielleicht waren Doppelnennungen möglich?
    Es kann ja jemand sagen, er oder sie sei Sohn eines deutschen Vaters und einer englischen Mutter, zum Beispiel.

  6. Here’s a really interesting story of some native peoples and efforts going back to the 1960′s to integrate them into mainstream Canadian society; some of those efforts appear very wrongheaded by today’s standards, and many native peoples struggle to get by.
    http://www.vice.com/video/prohibition-in-northern-canada-284

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