NSU: Eine weitere Zeugin hatte die Polizei auf die Täter hingewiesen.

rechtWir kennen die Aussage der Nürnbergerin, die beim Mord an Ismael Yasar die beiden Radler beim Hinfahren und beim Zurückfahren gesehen und der Polizei beschrieben hat. Und die dann auf den Videoaufzeichnungen von der Kölner Keupstraße die beiden identifiziert hat. Sie war sich sicher, das waren die beiden. Die Ermittler haben sich geweigert, die Aussage ernst zu nehmen – denn diese Radler waren nicht verdächtig, weil sie offensichtlich Deutsche und keine “Südländer” waren.

Polizei-Rassismus? – Wie soll man den seltsamen Mangel an Professionalität anders interpretieren?

Es mussten unbedingt Türken sein, die hier morden und bomben. Man wollte, dass es Türken sind. Weil man sie nicht leiden konnte.

Diese Fälle haben den Türkenfeinden bei der Polizei eine Möglichkeit eröffnet, nun ihrerseits die türkische Minderheit in Deutschland zu terrorisieren – vor allem die Angehörigen. Aber auch, indem man Misstrauen unter den Türken in Deutschland und Misstrauen gegen sie erzeugt.

Nun erfahren wir von einer zweiten Zeugin, einer aus Köln selbst: Auch sie hat auf einen der Radler hingewiesen.

Die Bombe explodierte ein paar Meter entfernt vom Schmuckgeschäft vor einem türkischen Friseursalon. Eine Rentnerin berichtet vor Gericht, dass sie kurze Zeit vor dem Anschlag einen Mann gesehen habe, der ihr auf dem Fußweg entgegenkam. Sie wunderte sich über ihn, weil er ein Fahrrad äußerst vorsichtig neben sich herschob. “Das Rad war ganz neu, die Speichen blinkten, es hatte keinen Platten. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen”, sagt Gerlinde B., die in der Nähe ein Fitnessstudio besuchte.

Gerlinde B. ist heute überzeugt davon, dass der von ihr beobachtete Mann der NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt war, der auf dem Rad die Bombe transportierte. Der schlanke Mann sei etwa so alt gewesen wie ihr Sohn, habe Sportkleidung getragen und einen angespannten Eindruck auf sie gemacht. Die Polizei fragte sie damals, ob der Mann ein Türke oder Kurde gewesen sein könnte. Das verneinte die Zeugin.

Auf dem Gepäckträger habe sich eine schwarze Box befunden. Nach den Erkenntnissen der Polizei befand sich in dieser Box – einem Hartschalenkoffer – die Sprengvorrichtung aus einer Camping-Gasflasche und mehr als 700 Zimmermannsnägeln.

Allerdings gehen die Ermittler davon aus, dass nicht Böhnhardt, sondern Uwe Mundlos das Rad mit der Bombe schob und schließlich vor dem Friseursalon abstellte. Böhnhardt soll in sicherer Entfernung auf Mundlos gewartet haben; die Bombe wurde per Fernzündung zur Explosion gebracht. Die beiden Terroristen sollen mit eigenen Fahrrädern geflüchtet sein.

Ein weiterer Zeuge beschreibt im Gericht, dass ihm nach der Explosion ein Radfahrer entgegengekommen sei, in großem Tempo, mit “Panik im Gesicht”. Möglicherweise war das einer der flüchtenden Täter.

Tanjev Schulz, SZ

Immer wieder ein, zwei junge, schlank-athletische deutsche Männer mit dem Fahrrad. Bei vielen der Mordfälle tauchen sie in den Zeugenaussagen auf, bei fast allen der 13 Banküberfälle, bei der Keupstraße. Immer wieder diese Radler.

Und nie macht die Polizei was draus. Weil diese Radler offensichtlich Deutsche sind – und deshalb nicht in Frage kommen. Von vorne herein. Kategorisch. Auch Rechtsextremisten machen sowas nicht. Nie!

Einmal angenommen, ein Zeuge hätte unmittelbar einen der Morde beobachtet und die beiden Täter genau beschrieben. Was wäre dann passiert? – Nichts. Die Polizei hätte dem Zeugen nicht geglaubt, sie wäre dem Hinweis nicht weiter nachgegangen. Denn es konnte und durfte kein Deutscher sein, es konnte und durfte kein rechtsradikaler Hintergrund sein, es musste auf jeden Fall ein “Südländer” sein.

Auch wenn man in dieser Richtung keinerlei konkrete Anhaltspunkte hatte. So wenig, wie man konkrete Anhaltspunkte hatte, dass es rechtsradikaler Terrorismus war.

Es spricht nicht für unsere Polizei und für die politisch Verantwortlichen, dass man es nach wie vor strikt vermeidet, diesen seltsamen Ausfall von Professionalität anders zu erklären als immer nur damit, dass da halt mal ein Fehler gemacht worden sei.

Immer wieder derselbe. 10 und mehr Jahre lang. An allen Orten derselbe Fehler. Bei allen Fällen derselbe Fehler.

Schuldige müssen sich nicht selber bloßstellen. Man schützt sich selbst, so gut es geht. Das darf man. –

Aber warum spielt die Öffentlichkeit dieses Spiel mit? Warum insistiert die Öffentlichkeit nicht darauf, in den dunklen Hintergrund für diese an sich doch unverständliche Unprofessionalität unserer Polizei hineinzuleuchten?

Vielleicht aus dem selben Grund, aus dem auch schon die Polizei ihren “Fehler” begangen hat?

Zugabe, aus dem selben SZ-Artikel:

Der Geschäftsmann Arif S., in dessen Laden Nägel einschlugen, sagt am Dienstag, er habe nach dem Anschlag “immer Angst” gehabt. Er könne oft nachts nicht schlafen, er sei nervös, er könne nicht in ein Flugzeug steigen und nicht Fahrstuhl fahren. Enge Räume bereiten ihm Schwierigkeiten.  … …

Arif S. sagt, die Polizei habe ihn schlecht behandelt. Auch deshalb habe er Angst gehabt. Er habe schon damals die Meinung vertreten, dass Neonazis die Täter seien, aber ein Beamter habe daraufhin einen Finger an den Mund gehalten und “Pssst!” gesagt. Sollte sich dies tatsächlich so zugetragen haben, ließe dies abgrundtief blicken auf die Arbeit der Ermittler.

Das ist einer der tausend Momente, in denen der uneingestandene Zweck offensichtlich wird, der hinter dem angeblichen Fehler der Polizei steckt. Es ging darum, Türken zu belästigen.

Hat die Polizei hier mit ihren Mitteln dasselbe Ziel verfolgt wie die Mörder?

Ich hoffe, es schreibt jemand mal ein Buch, in dem über den Polizeiterror gegen die Opfer und Opferangehörigen en detail berichtet wird.

In der taz wird die Zeugenaussage so wiedergegeben:

Die Rentnerin sagte, ihr sei auf einem Trampelpfad auf einem brachliegenden Grundstück unmittelbar bei der Keupstraße ein Mann entgegengekommen, der ein nagelneues Fahrrad geschoben habe. Das sei ihr „sehr aufgefallen, weil er das Fahrrad so behutsam geschoben hat“ – fast so, als trage er es.

Außerdem habe sie auf dem Gepäckträger eine auffallend große Kofferbox gesehen, die eher zu einem Motorrad gepasst habe. Genau so sah das Fahrrad aus, auf dem der Sprengsatz montiert war. Der Mann sei schlank und sportlich gewesen, sagte die 63-Jährige. Er habe eine Radlerhose und ein T-Shirt getragen. Sie habe für einen Moment auch sein Gesicht gesehen.

Als nach dem Auffliegen des NSU im November 2011 Bilder von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos im Fernsehen gezeigt worden seien, habe das Foto von Böhnhardt bei ihr eine „wirklich heftige emotionale Reaktion“ hervorgerufen. Bereits unmittelbar nach dem Anschlag habe sie der Polizei gesagt, es habe sich nicht um einen Türken oder Kurden gehandelt, sondern eher um einen Osteuropäer.

Es gibt eine weitere Zeugenaussage kommt dazu:

Der Feuerwehrmann, der sich damals privat in der Nähe der Keupstraße aufhielt, sagte im Zeugenstand, er habe unmittelbar nach der Explosion einen Mann auf einem Fahrrad fliehen sehen. Er selber sei gerade mit seinem Motorrad losgefahren, als der Radfahrer „wie von der Tarantel gestochen“ aus der Keupstraße gehetzt sei. Er habe ausweichen müssen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden.

Am Abend sei er von der Polizei vernommen worden. Er habe sich gewundert, dass die Beamten ihn gedrängt hätten, in dem Radfahrer einen Ausländer zu sehen. „Das war ein Deutscher, eindeutig“, sagte er vor Gericht.

Wenige Tage später habe er den Mann auf Zeitungsfotos wiedererkannt, die von einem Überwachungsvideo stammten. Er habe erwartet, dass die Polizei ihn dazu noch einmal befragt, dann habe er aber nie wieder etwas von den Ermittlern gehört. Auf den Videos, die vom Gebäude des Fernsehsenders „Viva“ aufgezeichnet wurden, ist mutmaßlich Mundlos zu sehen, der das Fahrrad vor der Explosion abgestellt haben soll.

Natürlich, Leute, es ist schon klar, dass die Polizei in solchen Fällen sehr sehr viele Zeugenaussagen bekommt, und dass 99% davon Schrott sind.

Trotzdem geht sie normalerweise solchen Aussagen nach. Fügt sie zusammen. Bemerkt, dass die Aussage der Rentnerin und die Aussage des Feuerwehrmanns zusammenpassen.

Normalerweise. Warum hat man das, was man normalerweise macht, hier nicht gemacht?

Verdammt noch mal, weil man die Tat unbedingt Türken anhängen wollte.

Ich sage, wenn die Polizei sowas mit Absicht macht, und wenn sie dabei auch von der Politik noch unterstützt wird, wie das im Fall Keupstraße offensichtlich geschehen ist, dann ist das K R I M I N E L L.

Wollen wir darüber keine Debatte führen?

Weder die Polizei noch der Staat stehen über dem Gesetz!

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*