Kanada zum Vergleich. 2. Kapitel: Multikulturalismus

multikultur

1. Fortsetzung. Davor: Einleitung

Mechthild und Konrad Opel haben ein Kanada-Lesebuch geschrieben, das ich empfehlen kann.

Ich zitiere hier ein kleines Kapitel daraus (Seiten 162-164); die Überschriften sind von mir, ebenso die Formatierung in kleinere Absätze.

Der Unterschied

Im Einwanderungsland USA spricht man vom “melting pot”, vom Schmelztiegel, wenn es um die Integration der verschiedenartigen Völker im Lande zu einer Nation geht.

Das ist ein ziemlich krasser Unterschied zum kanadischen Konzept des Multikulturalismus: Denn hier entsteht keine gleichförmige Suppe, in der die Ecken und Kanten. die Besonderheiten verloren gehen.

Stattdessen behalten die verschiedenen kulturellen Hintergründe der eingewanderten Bevölkerungsgruppen ihren Stellenwert, und die einzelnen kulturellen Praktiken und Sprachen werden nicht nur akzeptiert, sondern gezielt gefördert, denn sie werden als Bereicherung der Gesellschaft verstanden.

Historisch gesehen

Kanada ist also kein homogener Nationalstaat gemäß dem in Europa dominierenden “Westfälischen System”, auf einer gemeinsamen Sprache, einem gemeinsamen Mythos, einer gemeinsamen Kultur beruhend – Kanada kann und will das gar nicht sein.

Schon die “Väter” der kanadischen Demokratie, Baldwin und Lafontaine, hatten 1848 den Wert einer “fair society” mit dem Prinzip der Gleichheit und Teilhabe aller – ob anglophon, frankophon oder sonstiger Herkunft – an öffentlichen Gütern propagiert; gewaltsame nationalistische Attacken wurden verurteilt, und bereits damals wurde eine Einwanderungspolitik durchgesetzt, die Elemente des heutigen Multikulturalismus enthält.

Canadian Multicultural Act 1988

Die föderale Regierung Kanadas proklamierte erstmals 1971 den Begriff einer multikulturellen Politik, die die Gesellschaft in ihrer ganzen Breite von Ethnien, Bräuchen, Religionen etc. anerkennt und dabei Gleichheit und gegenseitigen Respekt einfordert.

Es wurden dann entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen erarbeitet und schließlich 1988 – unter der konservativen Regierung Mulroney – das “Canadian Multicultural Act” verabschiedet.

Vorgeschichte

Bereits mit der durch die Briten vorangetriebenen Besiedlung im 18. Jahrhundert und der Besiedlung des Westens im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert waren immer wieder Einwanderer aus der ganzen Welt nach Kanada gekommen – ob aus Deutschland, Polen, China, Island, der Ukraine, Skandinavien oder Portugal.

Dabei wurde anfangs – außerhalb von Französisch-Kanada – von den Fremden meist erwartet, dass sich sich der englischen Mehrheit unterordneten – doch allein durch die Anzahl der Zuwanderer änderte sich diese Betrachtungsweise allmählich.

Insbesondere seit ende des 2. Weltkriegs wurden durch den wirtschaftlichen Boom Arbeitskräfte unterschiedlicher Qualifikationen in großer Zahl benötigt.

Die neuen Immigranten hielten sich nicht mehr nur irgendwo auf dem Land, in entfernten Bergbaugebietgen oder in Holzfällerlagern auf, sondern lebten nun auch mitten in den Städten; zum großen Teil waren sie gut ausgebildet, arbeiteten in wichtigen Positionen der Gesellschaft und ließen sich eine rassische oder ethnische Diskriminierung nicht gefallen.

Vom Mosaik zur Multikulturellen Gesellschaft

Man sprach zunächst von einem Mosaik, in dem unterschiedliche Kulturen an einer gemeinsamen Gesellschaft arbeiteten, bis in den turbulenten 1960er und 1970er Jahren die multikulturelle Realität sich schließlich auch in der gestaltenden Politik wiederfand.

Die bis dahin verbliebenen rassistischen Barrieren bei den Einwanderungsregeln wurden beseitigt; seit 1972 ist ein Minister für Multikulturalismus zuständig; es gibt Regierungsprogramme zur Förderung der multikulturellen Gesellschaft sowie auch zahlreiche soziologische Untersuchungen und Forschungen zu diesem Thema.

Dabei geht es nicht mehr nur darum, Vorurteile gegenüber den bestimmten Ethnien und ihren Besonderheiten zu überwinden, sondern auch um Maßnahmen zur Begleitung und Hilfe für neue Einwanderer und deren Zugang zu Bildung und Beschäftigung.

Multikulturelle Identität

Der Begriff Multikulturalismus steht inzwischen für ein neues Selbstverständnis der kanadischen Identität und der verschiedenen ethnischen Gruppierungen im Land.

Ob mit ihrer Sprache, ihren kulturellen Bräuchen und Festen, ihrer Religion, ihrer Musik, ihrer Kunst oder ihren Speisen – ethnische, kulturelle und religiöse Gemeinschaften in Kanada können ihre Traditionen leben und pflegen, soweit sie nicht gegen kanadische Gesetze verst0ßen, wie es zum Beispiel im Fall von Polygamie der Fall wäre -

auch muslimische Schiedsgerichte, die bei der Schlichtung ziviler Konflikte die Scharia anwenden wollen, haben sich dem kanadischen Recht zu unterzuordnen.

Religiöse Feiertage, spezielle Diätvorschriften oder traditionelle Bekleidung der verschiedenen Religionen und Ethnien werden respektiert; lediglich in Québec ist das Tragen von Gesichtsschleiern oder Burkas in Schulen oder medizinischen Einrichtungen nicht erwünscht.

Der 27. Juni wird seit 2002 als Kanadischer Multikulturalismus-Tag gefeiert.

Soweit das Kanada-Lesebuch mit seinem knappen Überblick.

Detuschland ist noch weit entfernt von soviel selbstverständlicher Multikulturalität, bewegt sich aber darauf zu.

Wir können immerhin aus dem Beispiel lernen: eine multikulturelle Gesellschaft und Nation ist keine Utopie, sondern ein in Kanada erfolgreich praktiziertes Modell.

— — —

Fortsetzung folgt.

Das Buch, das ich in den USA dazu bestellt habe, ist noch nicht angekommen. Ich möchte die Einwanderungsregelungen mal im Detail kennenlernen.

Kommentare

  1. Korbinian meint:

    Lustig immer Kanada, Australien und die USA mit europäischen Ländern vergleichen zu wollen. Aber ich hoffe doch die passen in Kanada ein bisschen besser auf betr. der Predigten gewisser Imame:

    http://tapferimnirgendwo.com/2015/02/02/wo-ist-der-aufschrei/

    Quod licet Imami, non licet Brüderli.

  2. Tja, Korbinian,
    in Deutschland gibt es auch ein paar tausend Salafisten. Wissen wir. Wir wissen auch, dass sie so denken und predigen wie dieser Imam.

    Ist das ein Grund für einen Aufschrei, wenn in einer obskuren Moschee einer dieses verbohrte Zeug predigt? In wie vielen Zimmern in Deutschland wird zum Beispiel rechtradikales Zeug “gepredigt”?

    Der Vergleich mit Brüderle im verlinkten Artikel hinkt dadurch, dass Brüderle Minister war und gewählter Abgeordneter. Von denen darf man eine Million mal mehr verlangen als von Stammtischdeppen und salafistischen Irrsinnspredigern.

    Predigen darf im Islam jeder, der meint, dazu befugt zu sein … und den man in die Moschee reinlässt, um zu predigen.

    Ich sehe die Gefahr nicht im Inhalt der zitierten Predigt, sondern darin, dass diese Salafisten in Deutschland sowas wie Durchlauferhitzer für jungen Dschihadistennachwuchs sind. So, wie Rechtspopulistische Plattformen wie PI Durchlauferhitzer für Leute wie Breivik sind.

    Ich tippe drauf, dass es inh Deutschland noch in diesem oder im nächsten Jahr Terroranschläge mit vielen Toten geben wird, von der einen oder von der anderen Seite oder von beiden.

    Und ich würde raten, dass WIR uns dazu ganz ruhig und gelassen verhalten. Denn diese Reaktion würde den Terroristen am wenigsten gefallen.

    Kanada zeigt zumindest,
    dass Multikulti recht gut funktioniert.
    Dass es auch ein konservatives Projekt sein kann.
    Dass eine Nation sich stolz als multikulturell verstehen kann.

    Das ist schon was, findest du nicht?

  3. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Denn diese Reaktion würde den Terroristen am wenigsten gefallen.”
    Die Reaktion dürfte schwer davon abhängen, was für ein Ziel sich die Herren ausgucken. Mir fallen da schon enige Dinge ein, auf die die Regierung nicht ruhig und gelassen reagieren kann.

  4. Korbinian meint:

    Also für amerikanische Verhältnisse ist das kanadische Konzept bemerkenswert, da sich ja alle an die Spielregeln zu halten scheinen.

  5. conring meint:

    Kanada hat, man schaue mal in einen Atlas, auch den großen Vorteil, dass für illegale Einwaderer nur sehr schwer erreichbar ist.
    Die Armutsflüchtlinge aus Lateinamerika landen in den USA, die aus Afrika in der EU. In Kanada kommen aus diesen Ländern nur Leute an, die eben genug Punkte in dem kanadischen Einwanderungssystem erreichen.

  6. conring meint:

    @ Leo Brux

    §Ist das ein Grund für einen Aufschrei, wenn in einer obskuren Moschee einer dieses verbohrte Zeug predigt?”
    Sind die Ansichten des Imans eihenlich so verbohrtes Zeug?
    Das ist doch, global gesehen, eher islamischer Mainstream.
    Der im sunnitischen Beritt sehr beliebte Islamgelehrte Yusuf al-Qaradawi dürfte den Ausführungen vollkommen zustimmen…

  7. conring,
    du nimmst also an, dass der mainstream in der islamischen Welt salafistisch ist? Talibanistisch?
    Den Eindruck machen Marokko, Tunesien, Jordanien, Iran, Indien, Indonesien, Malaysia, Bangla Desh oder Ägypten oder die Türkei eigentlich nicht – die Verhältnisse dort sind weniger streng als dieser Imam mit seinen Regeln.

    Dass es eine starke Strömung ist, stimmt natürlich.

  8. Korbinian meint:

    Naja, den Iran nehmen wir von dieser Liste mal runter, die fahren eher so unter dem Kaliber Golftstaaten, Saudis, Pakistan und Afghanistan. Wenn auch unter etwas anderen Vorzeichen.

  9. Korbinian meint:

    @conring

    Jetzt kriegt er wohl Ärger vom Staatsanwalt:
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article137084396/Frauenfeindliche-Sex-Tipps-in-Islamisten-Moschee.html

    Mich würde aber mal so interessieren generell so auf Arabisch und Türkisch in den Moscheen gepredigt wird. Gibt es da belegbare Aussagen und Studien drüber?

  10. conring meint:

    @ Leo Brux
    “du nimmst also an, dass der mainstream in der islamischen Welt salafistisch ist?”
    Da müßte man erstmal defnieren, was “salafistisch” eigentlich in der Diskussion bedeuten soll.
    Dass die allermeisten sunnitsichen und auch schiitischen Mainstreamislamgelehrten mit den Ausführem von Sheik Abdul Muschi (oder wie der Knaller heisst) kein Problem hätten und ihnen sogar zustimmen würden, glaube ich schon…

  11. conring meint:

    @ Korbinian
    “Jetzt kriegt er wohl Ärger vom Staatsanwalt:”
    Warum?
    In der BRD gibt es sowas wie Meinungsfreiheit. Da darf dann auch ein islamischer Gelehrter mal vor sich hin spintisieren.

  12. @ Korbinian

    Bei DITIB wird der Freitags-Predigttext von Diyanet vorgeschrieben. Er ist dann in allen ca. 800 oder 900 DITIB-Moscheen der gleiche. Da kann man sich ziemlich sicher sein, dass nix für DITIB Gefährliches gepredigt wird. Andere Prediger kommen – meinen Informationen nach – nicht zum Zuge, außer, sie werden von oben her genehmigt.

    Bei DITIB käme also wohl schnell raus, wenn da was wirklich Problematisches gepredigt würde. Ob das noch so ist, und ob es so bleibt, wenn Sultan Erdogan auch die theologische Leitung übernimmt?

    Bei den anderen Moschee-Verbänden bin ich skeptisch. Beim VIKZ gibt es wohl auch eine bundesweit oder europaweit einheitliche Predigtlinie, und die TheoDiplomaten, die den Text jede Woche entwickeln, werden schon nichts anbrennen lassen.

    Beim Islamrat (Milli Görüs) könnte ich mir schon mal radikale Ausreißer vorstellen; im Zentralrat sind recht unterschiedlich ausgerichtete Moscheevereine drin, da gibt es meines Wissens auch keine Vorgaben von oben. Also dürfen wir annehmen, dass es auch mal einen problematischen Fall geben kann.

    Die Extremfälle, die uns gelegentlich auffallen, sind wohl allesamt Moscheevereine, die nicht einem dieser vier großen sunnitischen Dachverbände unterstehen.

    Ob der Verfassunsgschutz, der doch mit Vorliebe V-Leute einsetzt, auch hier V-Leute auf den Weg schickt? Ich glaube nicht. Denn die Sache mit den V-Leuten macht der Verfassungsschutz nicht primär GEGEN diejenigen, die er zu überwachen hat, sondern, um diese Gruppen auch zu unterstützen. V-Leute sind die Form, in der unser rechtslastiger Verfassungsschutz die rechte Szene fördert, sponsert, schützt.

    Der hat keine Lust, gläubige Muslime oder echte Linksradikale mit Staatsgeld zu alimentieren und sie auch noch vor der Polizei zu schützen. Das Privileg ist den Rechten vorbehalten.

    Ok, ich übertreibe, es wird schon auch jetzt noch einen linksextremen und vielleicht auch einen Islamisten unter den V-Leuten geben. Aber denen würden sie dann wohl viel zu wenig trauen. Würde ich auch nicht. Die Verlässlichkeit der Angaben von Spitzeln wird in der Öffentlichkeit vermutlich sehr überschätzt. V-Leute sind entweder total überzeugte Typen mit dem Ziel, abzukassieren und nichts Wesentliches zu verraten und den Staat in die Irre zu führen, oder sie sind pathologische Fälle, und dann sowieso unzuverlässig.

  13. conring,
    ich glaube es nicht. Im Gegenteil, die meisten (in Europa) wären entsetzt. In Saudi-Arabien natürlich nicht. Für Ägypten würde ich auch meine Hand nicht ins Feuer legen. Aber in der Türkei oder in Tunesien oder in Marokko oder in Indonesien wäre eine solche Predigt ein Randphänomen, marginal. Der mainstream sieht anders aus. Das kann man auch am realen Verhalten der gläubigen Muslime in Europa oder in den von mir genannten Ländern erkennen.

    Zur Meinungsfreiheit:
    Die hat schon Grenzen. Vor allem, wenn wir berücksichtigen, dass so ein Prediger ein Durchlauferhitzer zur Erzeugung von Dschihadisten sein kann.

    Einmal angenommen, ein junger Mann fängt an, sich von dem, was dieser Prediger von sich gibt, begeistert zu sein – und vergleicht dann das, was (angeblich) gottgewollt ist mit dem, was real der Fall ist. Ein Schritt noch, und er wird Dschihadist.

    Zumindest eine genaue Beobachtung derer, die diesem Prediger zu folgen scheinen, wäre angebracht.

    Vor allem die Muslime müssten hier aufpassen und sich überlegen, was zu tun ist.

    Ich denke mir das so:

    Da haben wir eine Gruppe von 10 Personen. 9 davon vertreten brav ihre brave Meinung, einer in der Gruppe weicht davon ab und äußert sich spektakulär und unüberhörbar laut und droht, ebenso spektakulär zu handeln. Die braven Neun schütteln den Kopf und sagen, nein, so denken wir nicht wie der, und seine Handlungsvorschläge lehnen wir ab. Der Aufreger aber sagt, seine extreme Sicht der Dinge und seine Handlungsperspektive folge zwingend aus dem Programm der Gruppe. Er vertrete leuchtende die Wahrheit. Er lasse sich nicht aufhalten.

    Was bleibt dem Beobachter im Gedächtnis? – Die spektakuläre Äußerung.

    Auch wenn die braven Neun nun sagen, dieser wilde Typ gehört nicht mehr zu uns. Das hilft ihnen nur wenig. Der Wilde dominiert die Wahrnehmung beim unbedarften Publikum – weil er wild ist. Das Brave & Normale wird kaum wahrgenommen.

    So ist das beim UNBEDARFTEN Publikum. Ich hoffe doch, dass die Leser dieses Blogs nicht mehr zum UNBEDARFTEN Publikum zu zählen sind.

  14. Da es im Moment keinen passenderen Thread hier zur angeblichen Islamisierung Deutschlands gibt, erlaube ich mir, hier einen Link auf meinen heutigen Artikel zum Thema zu setzen: “Islamisierung” I (der zweite Teil folgt in den nächsten Tagen) http://www.wissenbloggt.de/?p=26998

    PEGIHIER – PEGIDA – PEGIDORT haben zum Glück keine Dauer-Chance :-)

  15. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Zur Meinungsfreiheit:
    Die hat schon Grenzen.”
    Sicher. Die hat der islamische Frauenversteher nicht aber nicht überschritten. Man darf solche recht wüsten Gedanken öffentlich äußern.
    Von den hiesigen Islamverbänden gibt es übrigens eine recht umfangreiche Widerlegungsliteratur zu Prof. Khorchide. Mit so Leuten wie dem angeführten Sheik setzt man sich da nie so offensiv auseinander…

  16. Fantomas007 meint:

    Wenn ein DITIP- Imam so predigen würde, wäre er die längste Zeit Imam gewesen. Wie Leo bereits geschrieben hat, hat der Staat(Türkei) immer ein Auge darauf, was dort gepredigt wird. Die Diyanet, dem die DITIP untersteht, wurde von Atatürk gegründet, um die Religion zu kontrollieren. Dabei war es besonders wichtig, Staat und Religion auseinanderzuhalten.

    Und solche notgeilen Schwachmaten, dessen Frau ihn wohl nicht ranlässt und er seinen ganzen Frust mit der Predigt rausschreit und den Starken markiert, hätten nicht die geringste Möglichkeit dort zu predigen. Selbst in der Türkei wäre ihm das nicht gegönnt. Das kann höchstens in Moscheen passieren, die nicht unter der Kontrolle des Staates stehen.

    Ich habe ein DITIP- Moschee besucht, als ich noch klein war und kann guten Gewissens sagen, dass das, was dort gelehrt wird, nicht das geringste mit dem Islam zu tun hat, was sich die Islamfeinde davon vorstellen.

    Man kann der DITIP höchstens vorwerfen, dass sie türkische Interessen vertritt, aber niemand wird in einer DITIP Moschee gegen den Staat predigen, auch nicht gegen den deutschen und schon gar nicht zu irgendeinem Djihad aufrufen.

    Auszug:

    Trotz allen Versuchen, die Bedeutung der Religion für die Gesellschaft auf der Laienebene zu schwächen, blieb der Glaube ein wichtiger Bestandteil der türkischen Gesellschaft. Die Gefahr stieg sogar, dass die Religion durch Kreise instrumentalisiert werden könnte, auf die der Staat keinen Einfluss hatte. Daher wurde 1924 das Amt für Religiöse Angelegenheiten gegründet. Mit dieser Institution wollte der Staat die Religion kontrollieren. Daher ist die türkische Form des Laizismus keine Trennung zwischen Staat und Religion, sondern vielmehr eine Unterordnung der Religion unter den Staat.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Diyanet_İşleri_Başkanlığı

  17. Korbinian meint:

    @Fantomas

    Also wenn so lese was Leute wie der Erdoganist Bülent Arinc (die Frau soll zum Lachen in den Keller gehen) von sich geben dann ist es bis zum Frauenversteher-Imam auch kein so weiter Weg mehr.

    Mit dieser Institution wollte der Staat die Religion kontrollieren. Daher ist die türkische Form des Laizismus keine Trennung zwischen Staat und Religion, sondern vielmehr eine Unterordnung der Religion unter den Staat.

    Eben, Fantomas, eben! Und da Erdogan bald der Staat ist, ist das Schlimmste zu befürchten.

  18. Fantomas007 meint:

    Ich glaube, Arinc hat seine Lektion gelernt. Er war sehr lange Zeit die Lachnummer der Nation. Ein regelrechter Shitstorm ist wegen seiner Aussage ausgebrochen und nicht nur seitens der Kemalisten. Ich denke nicht, dass er diesen Unsinn nochmal von sich geben würde.

  19. conring meint:

    “Mal sehen, was draus wird.”
    Hoffentlich nichts. Mann hat schon das Recht, Blödsinn öffentlich zu sagen.

    Die Mannen von der Al-Nur-Moschee haben den armen Migranten jetzt schon Moscheeasyl verweigert und ihn abgeschoben:
    “Inzwischen gab der Vorstand der Moschee, Izzeldin Hammad, bekannt, dass der Prediger nicht mehr in der Al-Nur-Moschee auftreten werde. Hammad ließ offen, aus welchen Gründen die Gastpredigten von Sheikh Abdel Moez al-Eila in Berlin beendet sind. Er kehre nach Italien zurück.”
    http://www.sueddeutsche.de/politik/al-nur-moschee-in-berlin-tuerkischer-bund-zeigt-islamistischen-prediger-an-1.2335549

    Scheinen echte Weicheier zu sein, die bei jedem kleinen Mediengewitter gleich den Schwanz einziehen.

  20. conring,
    sie waren blöd genug, diesen Prediger überhaupt auftreten zu lassen.

    Ich vermute, dein Kommentar hat einen versteckten Sinn: Je freier die Hassprediger und Extremisten sich äußern können, um so besser – weil um so schlechter für den Islam insgesamt.

  21. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Ich vermute, dein Kommentar hat einen versteckten Sinn:”
    Da hast du nicht unrecht. Allerdings nicht ganz in den bösartigen Sinne, den du suggeriest.
    Ich finde es einfach besser, wenn solche Sachen mal öffentlich diskutiert werden- da haben dann auch die Islamverbände die Chance sich zu positionieren-, als wenn jeder irgendwie ahnt, dass es sowas wohl gibt, aber keiner darüber reden will.
    Ähnliches gilt auch für Pegida. Dass es in den östlichen Landen ein eher rechtsextremes Potential in der Bürgerschaft gibt, konnte man sich auf grund des relativ konstanten Auftauchens der NPD in den dortigen Landtagen schon denken. Jetzt hat sich das ganze eben mal für die Öffentlichkeit deutlicher manifestiert. Und die Politik muss darauf reagieren und kann nicht nur, wie sie es bei den NPD-Erfolgen bislang meistens getan hat, nebulös von ProtestwählerInnen sprechen.

  22. conring meint:

    @ Lleo Brux
    “sie waren blöd genug, diesen Prediger überhaupt auftreten zu lassen.”
    Sie haben den Mann doch selber eingeladen. Da kann man schon davon ausgehen, dass es zwischen seiner Islaminterpretation und der in der Al-Nur-Moschee herrschenden gewisse Übereinstimmungen gibt.
    Die dortigen Vereinsgewaltigen scheinen eher das Licht der Öffentlichkeit zu scheuen. Dem Mann haben sie nach seinem medialem Coming-Out auch gekündigt:
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/der-imam-aus-guenther-jauch-al-nur-moschee-und-kamouss-trennen-sich/10863004.html

  23. Korbinian meint:

    @conring

    Die bei Al-Nur testen gern mal aus wie weit sie gehen können. Falls es schief wird dann herumgedruckst und beteuert: Davon wussten wir ja vorher nix.

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