Der Zwitter “Triton” ersetzt das menschliche “Mare Nostrum”.

asylTriton ist ein Meeresgott der griechischen Mythologie, zentaurenartig, im Oberkörper Mensch, unten halb Pferd, halb Delphin. Mit seinem Tritonshorn wühlt er das Meer auf – oder beruhigt es wieder. Kein Bösewicht.

Triton – als FRONTEX-Mission – soll uns unser schlechtes Gewissen vom Leibe halten; soll uns aber auch die Flüchtlinge, die übers Mittelmeer zu kommen versuchen, vom Leibe halten.

Und rettet mal Flüchtlinge, und rettet sie mal auch nicht.

Triton – der Begriff passt: das Wesen ist halb Mensch, halb Tier, und ein Gott, der über Leben und Tod verfügt.

Der Unterschied zum menschlichen “Mare Nostrum”: Das war die Antwort der Italiener auf die moralisch unerträglich gewordenen Schiffskatastrophen, die Antwort auf “Lampedusa”.

Die Italiener hatten sich im Oktober 2013 dazu entschlossen, den Schwerpunkt aufs Retten zu verlegen und die vorherige Strategie, die aufs Absaufen gesetzt hat, zu beenden.

Mehr als 100.000 Flüchtlinge haben im “Mare-Nostrum-Jahr” Italien erreicht – die Zahl der Opfer auf See ist stark zurückgegangen.

Die Italiener hatten diese Mission selbst finanziert. Nachdem die EU es abgelehnt hat, dazu einen Beitrag zu leisten, hat Italien “Mare Nostrum” aufgegeben und mit Bedauern beschlossen, die Sache wieder der EU, also FRONTEX, zu überlassen. (Vgl. SZ)

Seit Anfang November 2014 geht es also nach den Regeln der EU und ihrer Flüchtlingsabwehr-Organisation namens FRONTEX.

Jetzt steht wieder das Absaufenlassen im Vordergrund.

Sicherlich ganz im Sinne derer, die hier bei uns behaupten, Deutschland und Europa ließen beliebig Wirtschaftsflüchtlinge einwandern.

Natürlich rettet man auch gelegentlich mal welche. Schulterzuckendes Zuschauen leistet man sich durchaus nicht.

Aber man investiert nur noch ein Drittel von dem, was die Italiener aufgebracht haben, in die gesamte Aktion: 3 Millionen statt 9 Millionen pro Monat. (Das FRONTEX-Jahres-Budget liegt bei 80 Millionen Euro; das macht fast die Hälfte.)

Monat für Monat ist ein anderes EU-Land zuständig und muss Personal und Schiffe einbringen.

Man beschränkt sich auf den küstennahen Einsatz. Wenn weiter draußen im Meer eine Katastrophe passiert, ist man darauf absichtlich unvorbereitet.

Größere hochseetüchtige Schiffe stehen beim Einsatz oft nicht zur Verfügung.

Weiter draußen im Meer lautet die Regel: Alle Schiffe, die sich in der Nähe des in Seenot befindlichen Flüchtlingsbootes befinden und die Gefahr erkennen, sind verpflichtet, zur Hilfe zu kommen.

Seit November sind 19.000 Flüchtlinge in Italien angekommen – 6.000 gerettet durch FRONTEX. (Im Januar sind 3.500 Flüchtlinge in Italien angelandet – im Januar vor einem Jahr waren es noch 2.200.)

Die ersten Katastrophen sind geschehen:

Bei extremen Wetterbedingen sind vor der italienischen Insel Lampedusa mindestens 29 Flüchtlinge ums Leben gekommen. Sie starben während der Überfahrt von Libyen nach Italien in einem kaum seetüchtigen Boot an Unterkühlung, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Nach Angaben der Küstenwache geriet das Boot mit mehr als 100 Menschen an Bord in der Nacht zu Montag in Seenot und setzte einen Notruf ab.

Zwei Motorboote der Küstenwache eilten den Menschen zur Hilfe und brachten die Flüchtlinge in Sicherheit. 29 von ihnen waren da bereits an Unterkühlung bestorben.

“Unsere Leute sind am Ende, sie kämpfen gegen mehr als neun Meter hohe Wellen”, sagte der Sprecher der Küstenwache, Filippo Marini, der Ansa. “Bei solchen Bedingungen zu agieren, ist fast unmöglich. Dass einige Menschen gerettet werden konnten, grenzt an ein Wunder.”

Die Einsatzkräfte riskierten auf dem Meer ihr eigenes Leben. Sanitäter Pietro Bartolo sagte der Zeitung La Repubblica: “Es ist schrecklich, es sind viele junge Menschen dabei. Sie sind komplett nass, sie sind alle erfroren.”

Frontex hat auch klargemacht, dass der Fokus auf der Grenzsicherung und nicht auf der Rettung von Flüchtlingen liegt.

SZ

Das ist die bekannt gewordene Katastrophe. Zwei weitere können wir uns nur denken:

Auf zwei weiteren Booten seien insgesamt mehr als 210 Menschen gewesen. “Von diesen überlebten nur neun”, erklärte UNHCR-Sprecherin Carlotta Sami. ”

Sie wurden nach vier Tagen auf dem Meer gerettet. Die anderen 203 hat das Meer verschluckt.”

Die Überlebenden berichteten von dem vierten vermissten Boot mit mehr als 100 Menschen an Bord. Ihr Schicksal ist ungewiss.

SZ

Auch die Schlepper passen sich an. Sie verwenden jetzt manchmal größere Schiffe – und kümmern sich noch weniger als früher ums Überleben der Flüchtlinge, die sich ihnen für viel Geld anvertrauen mussten.

Dass das Katastrophenschiff überhaupt bei den winterlich schlechten Wetterbedingungen losgefahren ist, ist neu und ein Beleg dafür.

Was tun?

Sollen wir dem Ruf der Hartherzigen folgen und ganz auf Abschreckung setzen?

Experten sind sich einig, dass Abschreckung nicht hilft, den Flüchtlingsstrom aus Afrika und Krisengebieten wie Syrien oder dem Irak einzudämmen.

“Flüchtlinge werden ihr Leben immer weiter aufs Spiel setzen, wenn es keinen anderen Weg gibt, einen sicheren Platz zu erreichen”, zitiert die Deutsche Presse Agentur den Generalsekretär des Europäischen Flüchtlingsrats.

SZ

Kommentare

  1. conring meint:

    “Mit seinem Tritonshorn wühlt er das Meer auf – oder beruhigt es wieder. Kein Bösewicht.”
    Griechische Götter sind nie Bösewichte, sondern haben wie Menschen schlechte und gute Seiten. Gerade die griechischen Meeresgötter sind wie das Meer sehr wankelmütig und nur schwer berechenbar.
    Den Seefahrern und Schifftbrüchigen ständig nur wohlgesinnt sind nur Amphitrite, Frau des Poseidon, und ihre Schwestern, die Nereiden.

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