Endlich! Das Bundesverfassungsgericht kippt das pauschale Kopftuchverbot

multikulturEs war schon immer mein Argument: Unsere Verfassung kann das Kopftuchverbot, das einige Länder in ihre Landesgesetze geschrieben haben, nicht gutheißen. Es sind Gesetze speziell gegen Muslime, noch dazu hysterisch-populistisch motiviert.

Religionen sind gleichberechtigt. Der Islam darf nicht benachteiligt werden. Punkt.

Punkt, sage ich. Diejenigen, die sich um das Gleichberechtigungsgebot herumwinden möchten, können das privat tun, so wie sie lustig sind – aber der Staat kann und darf es nicht.

Muslimische Lehrerinnen dürfen also nun in der Schule Kopftuch tragen, wenn sie dies möchten.

Der Schulfrieden ist durch Kippa, Nonnenhabit oder Kopftuch nicht automatisch gefährdet, ebensowenig wie die staatliche Neutralität.

Ich darf als Lehrer ein Christ SEIN, ich darf es auch SAGEN, ich darf es ZEIGEN. Zum Beispiel. Genauso, wie ich ein Atheist sein darf, und es sagen und zeigen darf. Oder eben ein Muslim. Der Schulfrieden und die Neutralität sind dadurch solange nicht gefährdet, als ich dabei zurückhaltend auftrete und keine Auseinandersetzung provoziere.

Ich hoffe, die Landesregierungen und Landesparlamente – darunter das von Bayern – setzen den Spruch des Bundesverfassungsgerichts rasch und vollständig um.

Lässt die Formulierung des BVG ihnen die Möglichkeit, erneut zu tricksen? Spiegel Online:

Ein Kopftuchverbot an Schulen ist nach Ansicht der Richter nur dann gerechtfertigt, wenn durch das Tragen eine “hinreichend konkrete Gefahr” für den Schulfrieden oder die staatliche Neutralität ausgeht. Eine abstrakte Gefahr reiche nicht aus.

Die Richter korrigierten damit ihr sogenanntes Kopftuchurteil von 2003. Damals hatten sie den Ländern vorsorgliche Verbote erlaubt. Mehrere Bundesländer erließen nach dem Richterspruch Schulgesetze, die Lehrerinnen und Erzieherinnen das Tragen von Kopftüchern untersagen.

Im Kopftuchverbot sehen die Verfassungsrichter

einen schweren Eingriff in die Glaubensfreiheit der Klägerinnen. Sie hätten plausibel dargelegt, dass das Kopftuchverbot ihre persönliche Identität berühre und ihnen sogar den Zugang zu ihrem Beruf erschwere. Damit sei auch der Gleichheitsgrundsatz berührt.

Ausgangspunkt für die erneute Befassung des BVG mit den Kopftuchverboten war eine Verfassungsbeschwerde aus NRW.

Gekippt hat das BVG in diesem Zusammenhang auch eine Formulierung im Schulgesetz des Landes,

nach der “christliche und abendländische Bildungs- und Kulturwerte” bevorzugt werden sollen. Die Erlaubnis, eine Ordenstracht oder eine Kippa tragen zu dürfen, benachteilige andere Religionen und sei daher nichtig.

Zurück zur Frage, ob speziell Bayern nun erneut einen Trick suchen und finden wird, das Kopftuch zu verbieten.

Ich nehme an, dass man es riskieren wird, und bin gespannt auf die Drehungen und Windungen und Heucheleien und Gemeinheiten und Inkonsistenzen, die man sich dabei leisten wird.

Die Rechts-Populisten unter unseren Politikern werden sich anstrengen, einen Weg zu finden und das “gesunde Volksempfinden” weiter über die Verfassung zu stellen versuchen.

Und natürlich nicht zugeben, dass es ihnen um die Diskriminierung geht. Dass sie die Diskriminierung wollen. Die Ungleichbehandlung, die das GG verbietet.

Ob man das schulische Kopftuchtragen in einem Problemgebiet wie Berlin-Neukölln anders regeln kann und anders regeln sollte als etwa in München, werden wir auch einmal überlegen und diskutieren müssen.

Anmerkung:

Ein Kopftuch-Verbot in Schulen gibt es aktuell in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und im Saarland.

Besser kann man es nicht sagen:

Heribert Prantl, SZ

Das Kopftuch ist ein Kopftuch. Es ist nicht aus gefährlichem Stoff. Es ist klein, es wickelt nicht die ganze Frau ein; es dient nicht der Verschleierung. Es ist ein kleines Bekenntnis, ein religiöses Symbol. Es ist nicht aggressiv, es bedroht niemanden.

Das Verfassungsgericht hat richtig entschieden: Es ist über seinen Schatten gesprungen und hat das von Landesgesetzen geforderte pauschale Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen aufgehoben.

Muslimische Lehrerinnen dürfen grundsätzlich Kopftuch tragen. Diese Karlsruher Entscheidung ist eine Entscheidung gegen die Hysterie. Sie ist eine Entscheidung gegen Berufsverbote, also für Integration. Und sie eine Entscheidung für die Gleichbehandlung von Religionen.

Es geht nicht, dass eine Ordenstracht erlaubt ist, das Kopftuch aber nicht. Wenn eine muslimische Lehrerin, die für diesen Staat und seine Grundordnung einsteht, ein Kopftuch trägt – dann ist das eine gute Botschaft. Sie widerlegt “durch sich selbst die Vorstellung von der im Islam unterdrückten Frau”. So hat das schon vor Jahren der Rechtsgelehrte und frühere Bundesverfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde formuliert.

Seine Kollegen hatten 2003 ein windelweiches Urteil gefällt: Sie hatten es den Ländern anheimgestellt, “im Rahmen ihrer Schultraditionen” Regelungen zu finden. Jetzt haben die Richter das gesagt, was das Grundgesetz gebietet.

Kommentare

  1. Ein schwerer Rückschlag mit verheerender Signalwirkung. Es lohnt sich auch, das Minderheitenvotum zum Urteil genauestens zu lesen.

    Der appellative Charakter dieses (politischen und/oder religiösen) Symbols wirkt auf die in diesen Fragen noch nicht gefestigten Kinder auf entsetzliche Weise. Es ist für sie jetzt geradezu staatlich sanktioniert, dass Islam (oder Religion allgemein) etwas Gutes sei. Das darf ein Staat aber genau nicht tun, wenn er auch nur ansatzweise den Ruf rechtfertigen will, in religiösen Fragen neutral zu sein – ebenso wie er zurecht verbietet, dass an öffentlichen Schulen Werbung für politische Parteien gemacht werden darf.

    Ein weiterer Schritt in Richtung Gottesstaat – auch wenn das erneut einen Zornausbruch des Blogwarts provozieren wird. :-)

  2. Hier mein Zornausbruch:

    Als notorischer Islamist ärgert mich das Urteil des BVG mächtig. Ja, ich bin richtig wütend. Das ist ein brutaler Schlag gegen uns, die wir den Gottesstaat Deutschland errichten wollen.

    Der Appell, der vom Kopftuch der Frauen ausgeht, wäre gefährdet, wenn dieses Urteil umgesetzt werden sollte!

    Das Kopftuchverbot war und ist ein hervorragendes Mittel, genau die von uns benötigte religiöse Bedeutung des Kopftuchs hochzuspielen und die Frauen, die es tragen, zu radikalisieren, indem man sie stigmatisiert und zu kleinen Martyrern des Alltags macht. Ausgrenzung, Leiden, Opferstatus, das ist es, was wir Islamisten brauchen.

    Ohne unsere Islamfeinde ginge alles seinen friedlichen, alltäglichen Gang; man würde das Kopftuch als so normal und alltäglich empfinden, dass man es kaum noch bemerkt.

    Dank an die Islamfeinde, die jetzt hoffentlich nicht resignieren, sondern noch mächtiger draufhauen und für die richtige Hitze sorgen, die wir Radikale brauchen.

    Wir haben es wirklich nicht leicht. Die meisten Muslime in Deutschland leben ihren Glauben so lau, dass man sie trotz ihrer gelegentlichen Gebete und trotz des Fastens und trotz des Kopftuchs als Ungläubige bezeichnen muss. Sie werden in der Hölle landen. Die degenerierte Religionstoleranz des deutschen Staates und so vieler Bürger fördert eine Entwicklung, die diese Abflachung der Religion, diese teuflische Milde, diese Gleichgültigkeit fördert, die dem Wahren Glauben so schadet.

    Starker Glaube braucht Widerstand, braucht Feinde, braucht Hitze, braucht Kampf. Wahrer Glaube gedeiht im Krieg. Der Krieg ist der Vater der Unbedingtheit, der Kompromisslosigkeit, der Entscheidung zwischen Gut und Böse, Gott und Teufel.

    Wir gedeihen im Krieg.

    Der Spruch des BVG kommt darum vom Teufel. Der Scheitan ist raffiniert und hat einen spektakulären Sieg errungen.

    Aber unsere Verbündeten, die fundamentalistischen Atheisten und die fanatischen Rechtspopulisten und Islamfeinde werden weiter zu uns und unserer großen Aufgabe stehen. Sie werden uns weiter durch ihren erbitterten Kampf gegen uns stärken. Sie werden weiter zum Krieg aufrufen und aus den Menschen Soldaten machen. Zu Soldaten gegen die Lauen, gegen die Großzügigen, gegen die Kompromissler, gegen die Dulder und Geduldigen.

    Ja, Frank, ich, der Islamist, ich BIN zornig.

    Wo kommen wir denn mit unserer Unbedingtheit hin, wenn diese demokratischen Schweine uns durch ihre beschissene Toleranz den Fundamentalismus vermasseln?

  3. Endlich darf nun auch der Lehrer aus Papua-Neuguinea, der sich seit Jahren darum bemüht, den Schuldienst antreten.

    Bisher fand man in Bayern, dass sein aus religiösen Gründen vorgeschriebener Penisköcher eher verwirrend sein könnte.

    Aber das hat sich ja nun zum Glück erledigt.

  4. “…Bisher fand man in Bayern, dass sein aus religiösen Gründen vorgeschriebener Penisköcher eher verwirrend sein könnte…”

    Dafür haben die Bayern doch in weiser Voraussicht vorne diesen Latz an ihren Lederhosen, da klappt’s auch mit dem Penis-Köcher ;-)

  5. Frank,
    ich würde dir empfehlen, deine missionarische und fanatische Atheismus-Truppe als Religionsgemeinschaft anzumelden.

    Was Papua-Neuguinea angeht, so solltest du dich über youtube mal optisch neu orientieren.

    Dein Argument erinnert mich daran, dass man in den 50er Jahren noch Schwarze als Halbaffen angesehen hat, die am Dschungelbaum hängen und ne Banane in der Hand halten.

    Der Lehrer aus Papua-Neuguinea dürfte dort in die Schule gegangen sein … bis zum Abitur und zur Uni … Die youtube-Videos zeigen uns, dass man dort in den Schulen “anständiger” gekleidet ist als bei uns.

    Und vielleicht sogar anständiger IST als du mit deinem Vergleich Kopftuch – Penisköcher.
    Wie kommt einer auf solche Vergleiche – und schreibt sie dann auch noch hin, so dass jeder lesen und sehen kann, was für ein perverser Typ der Autor ist.

    Offensichtlich merkst du nicht, wie du dir und deiner Sichtweise schadest.

  6. Korbinian meint:

    Der Schulfrieden und die Neutralität sind dadurch solange nicht gefährdet, als ich dabei zurückhaltend auftrete und keine Auseinandersetzung provoziere.

    Wer definiert denn ab wann der Schulfrieden gefährdet ist? Mann kann es jetzt so auslegen dass wenn es genug Leute/Schüler gibt die ein Kopftuch vor ihrer Klasse gutheißen dass dann die Frauen (alle) auch ein Kopftuch tragen, wer weiß irgendwann könnte es dann auch ein Hijab oder eine Burka sein. Wenn sich jemand vom lehrerenden Personal nicht daran hält dann gibt es vielleicht Stunk mit Schülern und Eltern die das “unzüchtige” Herumlaufen der Lehrerin nicht gutheißen, deswegen, Frau Lehrerin, um des Schulfriedens Willen, setzen sie doch das Kopftuch lieber wieder auf.

  7. @Leo:

    Tja, offensichtlich ist nicht jedem die Gnade zuteil geworden, den Unsinn einer Angelegenheit in der satirischen Verzerrung zu erkennen.

  8. Gegenstimmen, wobei ich die CSU-Leute aufgrund ihrer diesbezüglichen Beklopptheit nicht für voll nehme:

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article138399587/Buschkowsky-sieht-Kopftuch-Urteil-als-Katastrophe.html

  9. Korbinian,ob der Schulfrieden gefährdet ist muss nun im Einzelfall festgestellt werden. Es geht darum,dass es nicht mehr PAUSCHAL untersagt werden darf und das ist zu befürworten.

  10. David Carbone meint:

    Das Urteil im Volltext gibt es hier: http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2015/bvg15-014.html

    Interessant sind die beiden Minderheitsvoten.

  11. Ich freue mich, dass das Verbot weg endlich ist! Alles unterhalb von Vollverschleierung sollte an Kleidung erlaubt sein, nicht allerdings Indoktrination von Menschen in der Schule. Ein möglicher Schwachpunkt des Gesetzes ist der Passus mit der Störung des Schulfriedens, denn der lässt weiten Spielraum für Eingriffe in die modische Religionsfreiheit und wer sollte letztlich darüber befinden?

  12. @David Carbone:

    Die beiden Minderheitenvoten bestätigen eindeutig die Bedenken all jener, die völlig seriös und fernab der “Jubelperser” dieses unsägliche Urteil als das einschätzen, was es in Wirklichkeit ist: ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einer tiefen Spaltung der Gesellschaft. Das wird sich irgendwann bitter rächen!

  13. Sehr grundsätzliche Überlegungen zur generellen Betrachtung der Verschleierung der Vollständigkeit halber noch einmal hier. Vom Marxisten Hartmut Krauss:

    http://www.atheisten-info.at/downloads/Krauss2004.pdf

  14. Meine Güte… Was diese ignoranten Atheisten immer wieder wegen so nem Stück Stoff zu meckern haben…. *augenroll*
    Jetzt ist aber mal gut! Meine Oma hat auch niemand doof angemacht, nur weil sie ein Kopftuch getragen hat..

  15. @Silvia:

    Niemand meckert. Jeder soll sich so kleiden wie er mag. Er soll sich nur nicht beschweren, wenn das nicht allen gefällt und es zur Geschäftsschädigung beiträgt.

  16. @Silvia:

    Die Attacke auf die “ignoranten Atheisten” ist völlig unsinnig, wenn man weiss, dass unter den Verfassungsrichtern nicht ein einziger Atheist ist. Die sind alle brav religiös. Und trotzdem liegt uns Humanisten das Minderheitenvotum der beiden religiösen Abweichler schon aus logischen Gründen näher als das gesellschaftszerstörende der anderen Religiösen. Atheismus ist hier überhaupt nicht imSpiel. Das ist ein durchsichtiges Ablenkungsmanöver, das man nicht akzeptieren darf.

  17. Die unsinnige Entscheidung des BVerfG (die noch das EGMR bestehen muss) wird übrigens generell von Religiösen bekämpft und nicht etwa von Konfessionsfreien, die hier doch eher harmlos reagieren:

    http://www.huffingtonpost.de/gerolf-kurowski/antwort-kopftuchbeitrag-guel_b_6870498.html

    Der Anwurf gegen normale Menschen wirkt einfach nur noch lächerlich.

  18. Die naivität des Urteils wird allenthalben zu Recht gescholten, so auch hier:

    http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article138471498/Wuerden-Verfassungsrichter-auch-Nudisten-schuetzen.html

  19. Und auch von einem Ex-Verfassungsrichter:

    http://www.berliner-zeitung.de/politik/ex-verfassungsgerichts-praesident-von-nrw-michael-bertrams-kritisiert-karlsruher-kopftuch-urteil-scharf,10808018,30134284.html

    Leos Lobeshymnen erweisen sich als fadenscheinig. Und noch einmal: trotz seines wilden Wütens hat das alles mit “Atheismus” nicht das geringste zu tun.

  20. Meine Oma und die Frauen ihrer Zeit haben in den 50er und 60er Jahren in Süddeutschland die ganze Woche Kopftuch getragen. Eine Verwandte unterrichtete als Nonne in vollem Ornat ihr ganzes Berufsleben lang als Studienrätin an Gymnasien, ganz in Schwarz, mit Haube und Kreuz auf der Brust… (Spitzname “der Pinguin”)

  21. Korbinian meint:

    Also wenn ich Lehrer wär würde ich aus Solidarität auch Kopftuch tragen, vielleicht wär das was für conring? Darf man jetzt übrigens auch dort aus privaten Gründen ein Kopftuch tragen oder muss man nachweisen dass man einer islamischen Religionsgemeinschaft angehört und tatsächlich noch eine Frau ist?

  22. Wenn eine Lehrerin der Religion FEMEN angehörte und sich mit freiem Oberkörper vor die Klasse setzt, mit einer zeitgemäßen Anti-Putin-Parole auf die Brüste geschmiert vielleicht, dann müsste sie doch eigentlich volle Rückendeckung unserer Politik haben, oder?

  23. Korbinian meint:

    @almabu

    Da gerift dann die Regelung mit der Schulfriedenstörung.

  24. Das würde wohl hauptsächlich den weiblichen Teil des Lehrkörpers stören?

  25. David Carbone meint:

    @Frank Berghaus:

    Die Argumentation der beiden Minderheitenvoten ist deutlich näher an der Realität des Schulalltags als das idealisiert-naive Merheitsvotum, wenn es dort heißt: »Aufgabe der Lehrpersonen ist es unter anderem, die Schüler zu erziehen und zu beurteilen. Dies bedingt ein weitaus stärkeres Ausgesetztsein gegenüber religiösen Bekundungen als es bei Begegnungen im gesellschaftlichen Alltag der Fall ist. Den Pädagogen kommt in der Schule im Umgang mit den Schülern zudem eine Vorbildfunktion zu.«
    Jeder der Kinder im Grundschulalter hat, wird bestätigen können wie Kinder ihre Lehrer wahrnehmen.

    Ich bin mir aber relativ sicher, dass das Urteil die Gerichte noch öfter beschäftigen wird, weil es das BVerfG vermieden hat Kriterien zu nennen, wann der Schulfrieden im Einzelfall derart gestört ist, dass Kopftücher verboten werden können. Im Moment ist noch völlig unklar unter welchen Voraussetzungen das der Fall sein soll, womit das BVerfG das pauschale Verbot des Kopftuchs de facto in sein Gegenteil verkehrt hat und das Kopftuch pauschal zugelassen hat.

    @ALAMBU: »Wenn eine Lehrerin der Religion FEMEN angehörte und sich mit freiem Oberkörper vor die Klasse setzt [...]«

    Sie werden lachen, aber es gibt in den USA tatsächlich Nudisten-Kirchen, die als Religionsgemeinschaften anerkannt sind.

  26. Der Begriff Kirche wird in den USA eben sehr weit ausgelegt.

  27. Ich werde mich in einem weiteren Artikeln mit der Kritik am Kopftuch-Urteil des BVerfG beschäftigen. Vielleicht am Mittwoch.

    Wesentlich finde ich den Hinweis, den KM gegeben hat: Man wird Fall für Fall betrachten müssen.

    Für den Fall, dass jemand Rabatz macht gegen eine Lehrerin, weil die mit Kopftuch vor der Klasse steht, beeinträchtigt allerdings nicht die Lehrerin, sondern der Rabatzmacher den Schulfrieden. Das nur mal vorweg.

  28. Bayern wird es schon schaffen, dass die Geschichte nicht so wie vom BVerfG gewollt zum Tragen kommen wird.

    Bei den Kreuzen (ob mit oder ohne angehängtem Maskottchen) haben die das ja auch sehr geschickt umgangen :-)

  29. Und schon taufrisch die Bestätigung meiner Vermutung:

    http://religion.orf.at/stories/2700238/

  30. David Carbone meint:

    »Für den Fall, dass jemand Rabatz macht gegen eine Lehrerin, weil die mit Kopftuch vor der Klasse steht, beeinträchtigt allerdings nicht die Lehrerin, sondern der Rabatzmacher den Schulfrieden. Das nur mal vorweg.«

    Kritik an Aussehen und/oder Auftreten von Lehrkräften zu üben ist keine Störung des Schulfriedens und kein Rabatz, sondern erstmal nur eine Meinungsäußerung eines Erziehungsbrechtigten, die ihm zusteht und die genau so viel wert ist wie die Aussage, die eine Lehrerin mit ihren Kopftuch vermittelt.

  31. Korbinian meint:

    na hauptsache Frau Ludin bringt nicht mal einen Wanderimam mit in die Klasse: http://www.welt.de/politik/ausland/article138498190/Wie-Saudi-Arabien-deutschen-Salafismus-finanziert.html

  32. http://blogs.faz.net/10vor8/2015/03/18/das-recht-auf-ihrer-seite-4136/
    aus einem Leserkommentar:

    Das Bedecken der Haare ist – auch für viele orthodoxe Jüdinnen, auch für christliche Ordensschwestern, im übrigen auch für manche religiösen Männer (Kippa) – zunächst einmal “nur” eine auf ihren eigenen Körper bezogene, persönliche Verpflichtung, für diejenigen, die sie eingegangen sind, unhintergehbar; ein religiöses Gebot, dessen Befolgung niemandem schadet.

    Die schulpolitischen Probleme, die es zweifelsohne gibt, haben doch ihre Ursachen gar nicht im Kopftuch und sie werden durch ein Kopftuchverbot auch nicht gelöst. Die Probleme werden auf die Frauen abgewälzt, die sich dafür rechtfertigen müssen, dass ihr Kopftuch als Symbol für was auch immer missverstanden und für Stellvertreterdiskussionen benutzt wird. Die Frauen für diese Probleme verantwortlich zu machen, ist eine Überforderung, die sie diskriminiert. Die Verantwortungen liegen doch ganz woanders.

    Wenn diese Lehrerinnen guten Unterricht machen, emanzipiert und gleichberechtigt auftreten und, religiös gesprochen, alle Menschenkinder in Gottes Liebe einschließen und dabei ihr Gesicht zeigen, sollten wir sie nicht nur dulden, sondern dankbar als Vorbilder begrüßen.

  33. ein Beitrag aus der IZ
    http://www.islamische-zeitung.de/index.cgi?id=18935
    Es erstaunt mich immer wieder, von jungen muslimischen Schülerinnen und Schüler zu hören, wie sie ständig von Lehrern herausgefordert werden, zu komplexen und schwierigen politischen Ereignissen Stellung zu beziehen. Das Tragische dabei ist, dass sich diese Lehrer keineswegs neutral gegenüber den Schülerinnen und Schülern bleiben. Sie verachten den Islam im Klassenzimmer und muslimische Schülerinnen und Schüler sind diesen Lehrern vor der gesamten Schulklasse hilflos ausgesetzt.
    - See more at: http://www.islamische-zeitung.de/index.cgi?id=18935#sthash.Y5kdCIUG.dpuf

  34. Solange das Kopftuch nicht um 180 Grad gedreht getragen wird, solange die Öffnung also vorne und somit das Gesicht frei ist, solange sollten wir es gut sein lassen mit der Empörung über diesen “Untergang des Abendlandes”…

  35. OFF TOPIC.. obwohl es auch um’s Kopftuch geht!

    Im Wahlkampf zu den Autonomie-Wahlen in Andalusien hat die Rechte VOX ein polemisches Video lanciert, dass über 120.000 mal angeklickt wurde. Eine fiktive Nachrichtensendung mit einer Live-Schalte nach Andalusien des Jahres 2018, also in fünf Jahren! Die Reporterin trägt dann natürlich Kopftuch und berichtet begeistert, dass die Präsidentin(!) Andalusiens in Gegenwart des spanischen Präsidenten Iglesias (Podemos!)
    in Anwesenheit von Abordnungen aus 20 islamischen Staaten die größten Sehenswürdigkeiten der Autonomie, die Mezquita von Córdoba und die Giralda von Sevilla mit dem heutigen Tag an die islamische Glaubensgemeinschaft zurück geben würde. Dann ist noch von möglichen 2 Mio Moslems als Zuzüglern die Rede, die auf die Erde ihrer Vorfahren zurück kämen.

    Hier wird brutal Angst gemacht, im letzten Moment vor den Wahlen, und so zur (erfolgreichen) Methode Netanyahu gegriffen.

  36. Korbinian meint:

    @Frank

    Da hat der Kissler ganz gut argumentiert: Es geht nicht wirklich um die Unterwerfung unter Gott sondern um die Einfügung in die “natürliche” Rangordnung. Die Unterwerfung unter den Mann und die Zähmung seines Geschlechtstriebs. Eigentlich ein klassisches Thema für alle FeministInnen.

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