Bayern: In der Ausländerfeindlichkeit sind wir fast die schlimmsten.

bayernBayern vorn. 

Beim Antisemitismus ganz vorn: Da lässt Bayern mit 12,6% sogar noch Thüringen hinter sich (12,2%). Positiv schneiden hier  fast alle Ostländer ab. Der Durchschnitt für Deutschland liegt bei 8,4%.

Bei der Ausländerfeindlichkeit sieht die Reihung der Leipziger Studie so aus:

  1. Sachsen-Anhalt 42,2%
  2. Bayern 33,1%
  3. MeckPomm 32,8%
  4. Thüringen 30,9%
  5. Brandenburg 29,6%
  6. Sachsen 25%
  7. Schleswig-Holstein 24,7%
  8. Niedersachsen 23,7%
  9. Hessen 23,2%
  10. Berlin 21,6%
  11. NRW 20,2%
  12. Baden-Württemberg 16,9%
  13. Rheinland-Pfalz 15,1%

(Ohne Hamburg, Bremen und Saarland – da war das Sample für die Studie zu klein.)

Durchschnitt: 24,3%

Auf die gute Nachricht

Im Zwölfjahresvergleich lagen die Werte für Ausländerfeindlichkeit, rechtsextreme Einstellung und Antisemitismus in Gesamtdeutschland im Jahr 2014 auf einem historischen Niedrigwert.

folgt eine weitere schlechte:

Davon profitieren aber offenbar nur spezielle Gruppen wie Arbeitsmigranten. Denn wie zusätzliche Aussagen im Fragebogen und Vergleiche mit bisherigen Studien zu Abwertung von Muslimen, Sinti und Roma und Flüchtlingen ergeben haben, befindet sich das Ansehen dieser ausländischen Gruppen auf einem historischen Tiefpunkt. Mehr als die Hälfte der Befragten (55,4 Prozent) stimmte der Aussage zu: “Ich hätte Probleme damit, wenn sich Sinti und Roma in meiner Gegend aufhalten.” Und 43 Prozent fühlen sich durch “die vielen Muslime hier” manchmal “wie ein Fremder im eigenen Land”.

Besonders chauvinistisch sind wir Bayern auch noch:

Außerdem interessierten sich die Wissenschaftler für den Stellenwert, den die eigene Nationalität, also alles Deutsche, für die Befragten hat.

Die Kategorie “Chauvinismus” fand in Bayern mit 26,4 Prozent die höchste Zustimmung in Deutschland.

Die Aussagen, die zur Auswahl gestellt wurden, lauteten zum Beispiel: “Das oberste Ziel deutscher Politik sollte es sein, Deutschland die Macht und Geltung zu verschaffen, die ihm zusteht” oder: “Was unser Land heute braucht, ist ein hartes und energisches Durchsetzen deutscher Interessen gegenüber dem Ausland”.

Da bitte ich dann doch zu bedenken, dass München zwar in Bayern liegt, sogar die Hauptstadt ist – aber weder so antisemitisch noch so chauvinistische noch so ausländerfeindlich ist wie der Rest.

Bei uns in München ist sogar die (städtische) CSU überwiegend liberal, minderheitenfreundllich, schwulenfreundlich, flüchtlingsfreundlich.

Sebastian Beck kommentiert das für Bayern peinliche Ergebnis der “Extremismus-der-Mitte-Studie” aus Leipzig unter dem Titel:

Bayerische Lebenslüge

Bayern gibt sich gerne liberal – ein Selbstbetrug. Man muss nur einmal übers Land fahren, sich in ein Wirtshaus setzen und die Ohren aufsperren. Dann wird klar: Das größte Biotop für Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus ist die bürgerliche Mitte.

Und:

An den Einstellungen hat sich in all den Jahren wenig geändert, insofern sind die Ergebnisses der Leipziger Studie weder neu noch überraschend.

Sie belegt aber einmal mehr, dass es nicht nur die kahlrasierten Brandstifter sind, vor denen man Angst haben muss:

Das größte Biotop für Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus ist die bürgerliche Mitte.

Die Regel, dass Ausländerfeindlichkeit dort am höchsten ist, wo die wenigsten Ausländer leben, stimmt – fast. Nur Bayern macht hier eine Ausnahme.

(Nicht aber München, vermutlich. Meinem Eindruck nach. Oder sieht das hier jemand anders?)

Kommentare

  1. conring meint:

    @ Leo Brux
    “Und 43 Prozent fühlen sich durch “die vielen Muslime hier” manchmal “wie ein Fremder im eigenen Land”.”
    Was soll daran jetzt außländerfeindlich sein?
    In einem muslimischen Land dürfte man sich als durchschnittlicher Deutscher doch sicher auch als eher “Fremder” fühlen. Wenn man dortens nicht gleich, wie etwa in Katar, darauf hingewiesen wird, dass man sich gefälligst den dortigen Gebräuchen unterzuordenen hat.

  2. Cenki66 meint:

    Habe ich was übersehen oder warum ist rlp nicht dabei

  3. Stimmt, Rheinland-Pfalz fehlt.
    Hab woanders nachgeschaut – und Rheinland-Pfalz nachgetragen.

    @conring

    Merkst du die “gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit” nicht in dieser Haltung? Das fatale Aussondern einer Gruppe – ähnlich, wie wir es historisch im Antisemitismus gemacht haben?

  4. Korbinian meint:

    @cenki

    Tja, in RLP gibt es keine Ausländerfeindlichkeit. Das ist doch ein Grund zum Feiern, oder cenki?

  5. David Carbone meint:

    Obwohl man von Journalisten eigentlich erwarten sollte, dass sie sich um Objektivität bemühen, erwähnt die SZ nicht, dass die Mitte-Studien sehr umstritten sind und zum Teil als unseriös und unwissenschaftlich abgelehnt werden.
    Schaut man sich die Studien genauer an, fällt in der Tat schnell auf, dass einiges sehr fragwürdig ist: Die Methodik weist erhebliche Mängel auf, die Antwortmöglichkeiten sind bei den entscheidenden Fragen auf JA/Nein beschränkt, Abstufungen sind nicht möglich, inhaltlich sind die fest vorgegebenen Antworten tendenziös, hinzu kommen unscharfe Begriffsbestimmungen, etwa bei »Überfremdung«
    Bei der Interpretation ihrer Ergebnisse nutzen die Autoren, wie sie selbst zugeben, theoretische, also nicht verifizierte Grundannahmen. Unter anderem werden das Narzissmus-Konzept Sigmund Freuds und die Figur des »autoritären Vaters« von Erich Fromm als Erklärungsmodelle herangezogen.

    Spätestens wenn die Autoren von »Zwangsstrukturen der kapitalistischen Gesellschaft« schwadronieren und man zusätzlich bedenkt, dass bis 2012 die Friedrich-Ebert-Stiftung Auftraggeber der Mitte-Studien war, wird deutlich, wo die ideologische Stoßrichtung der Studie liegt: die bürgerliche Mitte, das alte Feindbild der Linken.
    Es spricht also einiges dafür die bisherigen Mitte-Studien als unseriös und nicht aussagekräftig abzulehnen.

  6. Es ist ja wunderbar, Capone, einen so unideologischen, sich um Objektivität bemühenden Kommentator wie dich hier zu haben.

    Könnte es nicht sein, dass du selber zu den “Extremisten der Mitte” gehörst? Klar, dass die das nicht auf sich sitzen lassen wollen.

    Natürlich sind die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten “tendenziös”.

    Wie bewerten Sie folgende Aussage: “David Carbones Beitrag argumentiert sachlich und objektiv.”
    O ja
    O nein

    Der Satz selber ist tendenziös. Man will ja messen, wie tendenziös jemand urteilt.

    Ich kann genauso umgekehrt liefern – genauso “tendenziös”:
    Wie bewerten Sie folgende Aussage: “David Carbones Beitrag argumentiert unsachlich und einseitig.”
    O ja
    O nein

    Die Studie gibt aber fünf Antwortmöglichkeiten:
    lehne völlig ab
    lehne überwiegend ab
    Stimme teils zu, teils nicht zu
    stimme überwiegend zu
    stimme voll und ganz zu

    Wenn wir Sachverhalte interpretieren, greifen wir auf Theorien zurück. Es gibt vermutlich keine “theoretisch verifizierte” Theorie im sozialwissenschaftlichen Bereich. Wir operieren – das haben wir bei Popper gelernt – eher mit dem Versuch der Falsifizierung; außerdem mit der Erwartung von Plausibilität.

    Sowohl das statistische Ergebnis als auch die Interpretation der Studie halte ich für hinreichend verlässlich und plausibel.

    http://research.uni-leipzig.de/kredo/Mitte_Leipzig_Internet.pdf

  7. David Carbone meint:

    Antwort wie bestellt geliefert. Kritik wird sofort mit persönlicher Diffamierung (»Capone«) und Extermismusverdacht bestraft. Die Ähnlichkeit zu den Kommentaren auf PI fällt mir dabei immer wieder auf.

    Als bekennender Sozialist pflegen Sie selbst ja regelmäßig auf diesem Blog das Feinbild von der Bürgerlichen Mitte als Hort rechtsextremen Gedankenguts. Sie übersehen allerdings, dass es fundierte sachliche Einwände gegen die Mitte-Studie gibt, sowohl was die Methodik als auch was die Interpretation anhand eines veralteten Erklärungsmodells der Psychoanalyse angeht. Die Studie gibt bei den einzelnen Dimensionen übrigens tatsächlich nur drei Antworten vor, keine fünf (siehe Seiten 33 ff.), die man mit guten Gründen als zu tendenziös ablehnen kann.

  8. David Carbone,
    es ist wohl besser, du tust es dir nicht weiter an, meine unsäglichen Äußerungen zu lesen und zu kommentieren. Es macht dich am Ende doch nur krank. Also, schone dich und widme deine Zeit und deine Objektivität fruchtbringenderen Gelegenheiten. Mein Blog ist es nicht wert, von dir besucht zu werden.

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