“Der Schlüssel zum NSU liegt in Heilbronn.”

rechtSo titelt telepolis ihren Artikel, Peter Ohlendorf zitierend. Der Journalist und Dokumentarfilmer sammelt Geld (crowd funding) für sein NSU-Rechercheprojekt mit dem Namen “Heilbronn-Komplex”.

Zwei Zeugen in Baden-Württemberg sind bequemerweise gestorben, beide ganz jung, beide recht überraschend. Der eine soll Selbstmord begangen haben, die andere ist einem Blutgerinnsel erlegen, nach einem eher harmlosen Motorradunfall.

Und wie immer bei NSU-Ermittlungen: Die Polizei macht kaum verständliche “Anfängerfehler”. Ermittelt weder kompetent noch hartnäckig. Ist immer schnell bei der Hand, den Fall als harmlos abzuschließen.

Ohlendorf:

Wir wissen nicht, ob der im Auto verbrannte Florian Heilig wirklich das wusste, wovon er immer redete, nämlich dass er wisse, wer der NSU sei. Er hat dann auch den NSS, eine zweite, ähnliche Organisation ins Gespräch gebracht. Das kann ich immer noch nicht gut genug beurteilen. Es ist jetzt unsere Aufgabe, da näher reinzugehen.

Aber dieser “Heilbronn-Komplex” liegt im Dunklen. Wir bearbeiten eine Spur, kommend aus Oberweißbach, dem Heimatort der Polizistin Michèle Kiesewetter, durch Thüringen, Ludwigsburg, Heilbronn, wo sie ermordet wurde, bis runter nach Schwäbisch Hall, wo der Ku-Klux-Klan zugange war. Deswegen sprechen wir vom “Heilbronn-Komplex”.

Unsere Arbeitshypothese ist: In Heilbronn liegt der Schlüssel zum NSU, zu Fragen wie: Wer war der NSU wirklich? In welche Bereiche hat er reingestrahlt, an die heute noch niemand denkt? In Heilbronn sind durch zahlreiche Zeugenaussagen Spuren offen gelegt worden, denen man nachgehen muss, denen aber die Ermittlungsbehörden nicht mit der Intensität nachgegangen sind, die von ihnen eigentlich zu erwarten ist. Angesichts dieser Spuren muss man sich fragen: War es wirklich die immer noch vom Generalbundesanwalt behauptete Zufallstat? Wir stellen das massivst in Frage. Wenn da, wie es Zeugen sagen, mehr Menschen am Tatort waren, muss man fragen, in welchem Kontext die operierten. Dem nachzugehen ist eine sehr mühsame Arbeit, die immer wieder Rückschläge erleidet.

Wir sind nicht mehr bereit, von Pannen zu reden. Es gibt zu viele Ermittlungsfälle, wo Menschen offensichtlich nicht zu Arbeiten in der Lage waren, die zum kleinen Einmaleins eines professionellen Ermittlers gehören. Ich nenne das eine Struktur des Nicht-Ermittelns. Der Thüringer Untersuchungsausschuss stellte sogar die Frage, ob es Sabotage durch Akteure in Ermittlungsbehörden gab. Ich glaube, dass es Einzelne in durchaus wichtigen Positionen gibt, die anderes im Kopf haben als eine demokratische Grundordnung. Diese Leute muss man zur Verantwortung ziehen. Es gab aber weder für die Sicherheitsbehörden als ganze, noch für einzelne Personen wirkliche Konsequenzen.

Die staatlichen Ermittler haben natürlich keinerlei Interesse, eventuelle Verwicklungen von Staatsorganen in die Mordserie und in die Verschleierungsaktionen danach offen zu legen.

Das gilt auch für unsere Parlamentarier, auch für die, die in den Untersuchungsausschüssen.

Auch die großen Medien recherchieren nicht wirklich. Es soll sowas geben wie eine Kooperation von NDR, WDR und SZ zu dieser Sache, aber Ohlendorf hat davon noch nichts gemerkt.

Es gilt die Maxime: Staatschutz, Staatsverteidigung geht vor Aufklärung.

Also ermittelt er selbst, zusammen mit einer kleinen Gruppe.

Wir haben zwei Halbtagsstellen, von der eine nicht langfristig abgesichert ist. Ich selbst arbeite “für umme” so viel wie möglich mit, bin aber auch noch viel mit “Blut muss fließen. Undercover unter Nazis” auf Filmtour. Ein nicht unwesentlicher Teil meiner Zeit geht immer noch dafür drauf, eine finanzielle Basis für dieses Projekt zu finden.

Mehr dazu findet man auf der Website filmfaktum. >>> Hier die Spendenseite.

Wenn Sie das Rechercheprojekt „Heilbronn-Komplex“ unterstützen möchten…

…dann zahlen Sie einen Betrag, möglichst ab 50 Euro, auf unser Konto bei der Sparkasse Freiburg ein:

Kontoinhaber: Peter Ohlendorf
Stichwort: „Heilbronn-Komplex“
IBAN: DE54 6805 0101 0013 3406 47
BIC: FRSPDE66XXX 

Falls die erforderliche Summe von 40.000 Euro nicht zustande kommt, werden Beträge ab 50 Euro zurück überwiesen. Einzahlungen unter 50 Euro fließen in andere Projekte von FilmFaktum.

Ich werde diese Woche noch 100 Euro überweisen.

Wie wär’s – könnte, sollte, müsste nicht der Staat dieses Projekt finanziell unterstützen? Auf die Ermittlungs”bemühungen” seiner eigenen Organe kann er ja nun nicht bauen. Der Täter wird sich nicht selbst entlarven wollen.

Anmerkung: CORELLI

SZ-Info

18 Jahre lang war “Corelli” zugleich aktiver und engagierter und überzeugter Rechtsradikaler -  UND Spitzel des Verfassungsschutzes. Dafür hat er 300.000 Euro erhalten. Dreihundertausend. Euro. Das meiste ab 2002. Über 1.000 Euro pro Monat waren es dann.

(Mit wie vielen Millionen insgesamt hat man die rechtsradikale Szene staatlicherseits gesponsert? Könnte man sich vorstellen, dass der Staat ähnlich viel Geld zur Förderung des Dschihadismus und des Linksradikalismus investiert?)

“Corelli” kannte den NSU. Hat dem Verfassungsschutz eine CD zugespielt, in welcher der NSU genannt wurde. (Die der Verfassungsschutz dann nicht finden konnte. Andere haben sie beim Stöbern entdeckt. Wahrscheinlich ist sie dem Verfassungsschutz bei der internen Dokumentevernichtungsaktion entgangen. Sowas kann vorkommen.)

“Corelli” stand auf der Kontaktliste des NSU, die 1998 in der zur Bombenbauwerkstatt umfunktionierten Jenaer Garage gefunden – und die natürlich seinerzeit nicht ausgewertet wurde.

Er gehörte auch zu der Ku-Klux-Klan-Gruppe mit den beiden Polizisten aus Baden-Württemberg, von denen dann einer der Truppführer der ermordeten Michele Kiesewetter war.

(Zufall. Zufall. Zufall.)

Der Verfassungsschutz hat sich einige Male bemüht, die Polizei davon abzuhalten, auf den kriminell auffälligen Neonazi zuzugreifen.

Bequemerweise kann man diesen “Corelli” nicht weiter befragen – er ist 2014 rechtzeitig verstorben – 39 Jahre alt. “Zuckerschock”. Er hatte eine “unerkannte Diabetes”.

Die Infos, die er vermutlich an den Verfassungsschutz weiter gegeben hat, sind alle dem Reißwolf zum Opfer gefallen.

Kommentare

  1. Korbinian meint:

    @almabu

    Strategie der Spannung? Hmm… hmm… räusper.

  2. Ich bin grundsätzlich skeptisch gegenüber mangelnd kontrollierten Behörden, die sich durch konspiratives Handeln ihre eigene Existenzgrundlage und wachsende Etats sichern können! Die diversen VS’s haben alle mehr oder minder “Dreck am Stecken”!

  3. Das trifft den Nagel auf den Kopf.

    Der Verfassungsschutz Thüringen hat den Beweis geliefert. Er hat selbstständig eine rechtsradikale und gewalttätige Organisation gegründet und finanziert (und vor dem polizeilichen Zugriff geschützt): den Thüringer Heimatschutz, aus dem dann der NSU hervorgegangen ist.

    Was macht die Politik? Was machen die “Aufklärer”? – Sie ignorieren diesen Skandal. Sie schauen auch nicht darauf, wo der Verfassungsschutz sonst noch selber aktiv wurde, um den Rechtsradikalismus zu fördern.

  4. Auch interessant: ob die Polizei in Sachsen-Anhalt wohl Langeweile hat, wenn sie Daten über Politiker sammelt?
    http://taz.de/Dossiers-ueber-Demonstranten/!5209054/

  5. Silvia Öksüz meint:

    http://taz.de/Rechtsextremismus-in-Deutschland/!5211691/
    Das kann schon Angst machen…. Die breiten sich langsam aber sicher überall aus.

  6. Gerald Karlsen meint:

    Diese paar Neonazis sind doch ein Witz. Was wollen die schon ausrichten? Die NSU war ja eher eine “Eintagsfliege”, glaube nicht, dass so etwas sich wiederholt. Da bereiten mir die sogenannte Antifa mit ihren gewaltbereiten Chaoten und die Islamisten weitaus mehr Sorgen! Von diesen Gruppen geht eine weitaus größere Gefahr aus.

  7. Karlsen,
    das Aggressionspotenzial der Rechtsradikalen ist weitaus höher als das der Linksradikalen. Vor allem aber die Anschlussfähigkeit an die Mitte. Die Linksradikalen sind und bleiben isoliert und insofern politisch harmlos. Rechts hingegen gibt es immer die Gefahr, die wir historisch mit den Jahren 1929-1933 verbinden.

    Dafür bist du selbst ein gutes Beispiel. Du plädierst für eine rechtsradikale Politik! Du würdest einem rechtsradikalen Charismatiker, der die Mitte anzusprechen versteht, nachlaufen. Dein Problem ist: Vorerst gibt es eine solche Führerfigur noch nicht.

  8. Gerald Karlsen meint:

    Wo plädiere ich denn für eine rechtsradikale Politik? Das ist mir neu!
    Etwa, weil ich die Aufnahme weiterer Flüchtlinge ablehne?
    Oder weil ich für striktere Einwanderungsregeln eintrete?

    Na gut, in Ihren Kreisen ist man vermutlich bereits rechtsradikal, wenn man AFD wählt…

  9. Nun, seit 2010 gab es weit über 2000 Gewaltopfer bei rechtsextrem motivierten Gewalttaten. Dabei gibt es laut Verfassungsschutz nur etwa 10000 gewaltbereite Rechtsextreme in Deutschland. Ein Witz ist das somit überhaupt nicht.

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