Die Woche in der Türkei (31): 27.07. – 02.08.2015

tuerkei

28.07.

Zwischenstand

1

Die Vermutung bestätigt sich: Es geht der Türkei eher um den Krieg gegen die Kurden (die PKK, eventuell auch gegen die YPG in Syrien); die Schläge gegen den IS bleiben sowohl im  Innern (ein paar Verhaftungen mit rasch folgender Freilassung) wie im Kampfgeschehen nach außen Nebensache.

Ich nehme an, dass man das mit dem IS auch so abgesprochen hat, damit der dies nicht falsch interpretiert und nun meint, die Türkei habe ihm tatsächlich den Krieg erklärt. Die Reaktion wäre dann ja, die Türkei mit Terroranschlägen zu überziehen und zum Beispiel dem Tourismus ein Ende zu setzen.

Man hat dem IS genug Zeit und Gelegenheit gegeben, sich in der Türkei auf solche Aktionen vorzubereiten.

2

Die USA betont, die Türkei habe natürlich das Recht, sich gegen eine terroristische Gruppe zu wehren.

Das sagt auch zum Beispiel Angela Merkel, aber wie der NATO-Generalsekretär betont sie: bitte verhältnismäßig, und ohne den Friedensprozesses aufzugeben.

Den aber hat Erdogan in aller Form für beendet erklärt.

Ich bin gespannt, wie sie die Amerikaner auf längere Sicht dazu stellen, dass ihr praktisch einzig verlässlicher Verbündeter on the ground systematisch geschwächt wird (- die Peschmerga von Irakisch-Kurdistan haben genug damit zu tun, die Angriffe des IS im Irak abzuwehren; sie können kaum viel leisten in Syrien und im NW des Irak, im Gebiet von PKK und YPG).

Für den IS ist es gewiss ein Erfolg, wenn die Türkei ihren stärksten Gegner schwächt.

Hoffen die USA, dass die Türkei am Ende ernsthaft gegen den IS vorgehen wird?

Sind sie so naiv?

Schauen wir mal!

Die Kurden der PKK sind heute in einer besseren Situation als noch vor drei Jahren. Sie werden gebraucht. Und sie kämpfen auf unserer Seite.

3

Deutschtürken, die ganz auf der nationaltürkischen anti-PKK-Front stehen, werden sich in Deutschland zunehmend einsam fühlen müssen.

Gibt es bei uns jemanden, der pro Erdogan und pro türkischen Krieg gegen die Kurden plädiert? (Ich meine, außer denjenigen Deutschtürken selber, die in die nationaltürkische Falle gehen …)

Die nationale Borniertheit rächt sich hier. Sie macht total einsam. Keiner versteht sie, diese Türken.

Die (türkisch geprägten) sunnitischen Islamverbände bemühen sich darum, möglichst wenig zu sagen, Stellungnahmen möglichst zu vermeiden. Sie wissen, es gibt in Deutschland niemanden, der mit ihnen weiter zusammenarbeiten könnte, wenn sie sich so positionieren, wie sie es eigentlich gern täten.

4

Vermutlich wird die Türkei die HDP verbieten und Erdogan damit bei der kommenden Neuwahl des Parlaments mit einer satten absoluten Mandatsmehrheit beglücken – der Weg wird frei sein für die Alleinherrschaft.

Wir dürfen annehmen, dass genau dieses Kalkül hinter Erdogans Eskalationspolitik steht.

Nachwievor also gehe ich davon aus, dass Erdogan nächstes Jahr Diktator der Türkei sein wird, Alleinherrscher, Sultan sozusagen.

Das wird zur Folge haben, dass wir in Deutschland nach und nach eine oder mehr Millionen türkische und kurdische Flüchtlinge aufnehmen werden.

Während mehr und mehr deutschtürkische Erdoganfans unser Land verlassen werden.

Das ist eine Prognose. Ich hoffe sehr, dass sie sich als falsch erweisen wird. Aber meine Leser wissen, dass ich zum Pessimismus neige.

28.07.

Deniz Yücel schreibt:

Wenn 31 Bürgerinnen und Bürger durch einen Terroranschlag ermordet werden, ist das ein hinreichender Grund, militärisch gegen die Urheber vorzugehen. Wer würde da widersprechen? Doch die Trauer und Anteilnahme, die man begleitend dazu erwarten würde, hat das AKP-Regime den Opfern des Anschlags von Suruç und ihren Angehörigen verweigert.

Nicht einmal eine symbolische Geste wie eine Staatstrauer, die man Anfang des Jahres noch zu Ehren des verstorbenen saudi-arabischen Königs verhängt hatte, waren ihm die Opfer wert. Und natürlich hat sich kein Repräsentant dieser Regierung, die einfach so tut, als habe keine Wahl stattgefunden, auf einer Beerdigung blicken lassen.

Damit nicht genug, ging die Polizei in der vergangenen Woche mehrfach mit Tränengas gegen die Freunde der Toten vor, während führende Politiker der AKP und die ihr nahestehende Medien sich in Schuldzuweisungen an die Opfer übten. Darum ist, so hart das klingen mag, folgende Schlussfolgerung zulässig: Der AKP sind 31 ermordete, meist junge linke Oppositionelle herzlich egal; sie sind nur nützlich, um die Türkei im Westen als Terroropfer erscheinen zu lassen und alle folgenden Maßnahmen zu rechtfertigen.

Ich würde hinzufügen: Diese Haltung spricht durchaus dafür, dass das Massaker von Suruc eine Koproduktion Türkei-IS war.

Deniz Yücel kommentiert die Reaktion der USA so:

Und die Erklärungen aus Washington deuten darauf hin, dass dies mit dem Wissen der USA geschieht.

Dabei waren es die Milizen der syrisch-kurdischen PYD und die mit ihr verbündete PKK, die die Jesiden aus den Sindschar-Bergen im Nordirak retteten, Kobani verteidigten und zuletzt den IS aus Tel Abiad vertrieben. Und sie hatten dem IS nicht allein militärische Schlagkraft entgegenzusetzen, sondern auch ein anderes Gesellschaftsmodell: säkular, demokratisch, die Gleichberechtigung der Frauen fördernd.

Es gibt nicht viele Kräfte in den syrischen Wirren, für die das zutrifft. Nun verrät der Westen sie zugunsten einer Regierung, die in den vergangenen Jahren nach innen wie nach außen oft genug unter Beweis gestellt hat, dass ihr eine ganz andere Gesellschaftsordnung vorschwebt. Abu Bakr al-Baghdadi ist ein blutrünstiger Operettenkalif. Der wahre Kalif aber heißt Erdogan.

Umgekehrt lässt die Türkei den IS fallen. Das Verhältnis war ohnehin ein eher instrumentelles – ein Mittel, um Assad zu stürzen und die syrischen Kurden im Zaum zu halten. Doch damit schadete man dem Ansehen in der westlichen Welt, während die Kurden an Prestige gewannen und der IS allmählich zu einer Bedrohung für die Türkei wurde.

Da würde ich sagen: Abwarten. Das ist alles noch nicht raus. Aber vielleicht hat Yücel recht.

Ich spekuliere eher dahingehend, dass Erdogan sein Vorgehen mit dem IS abgesprochen hat. Siehe oben.

Deniz Yücel kritisiert auch die PKK:

Doch auch die PKK hat Mitschuld an dieser Eskalation. Vor zwei Wochen erklärte sie, dass sie gegen “strategische Bauprojekte” militärisch vorgehen werde; nach dem Anschlag von Suruç folgten Morde an drei Polizisten, mit denen sie auf ebenso niederträchtige wie törichte Weise sowohl dem Ansehen geschadet hat, das sie international mit dem Kampf gegen den IS gewonnen hatte. Sie brachte sich auch um Sympathien, die sich die kurdische Bewegung in Gestalt der HDP und ihres smarten Vorsitzenden Selahattin Demirtas im Westen der Türkei auch in bürgerlichen Milieus aufgebaut hatte.

Dass Demirtas die Morde an den Polizisten verurteilt hat und selber in die Kritik der PKK-Führung im Nordirak geriet, geht in der allgemeinen Wahrnehmung unter. Der Einzige, der die Autorität und den Weitblick besäße, dieses Treiben zu beenden, ist seit vier Monaten komplett isoliert: Abdullah Öcalan. Und nun ist es dazu wohl zu spät.

Die PKK hat diese Morde für Einzelaktionen von PKKlern als Revanche für Suruc erklärt, sich insofern (schwach) distanziert. Was wäre eine verhältnismäßige Reaktion darauf?

Deniz Yücel resümiert – und trifft den Punkt:

Aber selbst wenn Erdogan bloß politisches Kapital aus den Ereignissen zu schlagen versucht, ist es töricht zu glauben, man könne eine militärische Eskalation am Abend der Neuwahl einfach so beenden.

Die Türkei torkelt dem Chaos entgegen.

Und jene Kraft, die die AKP in die Schranken zu weisen schien, nämlich die Kurden, droht verloren zu gehen – in der Türkei wie in Syrien.

Kommentare

  1. Jakobiner meint:

    “Ich nehme an, dass man das mit dem IS auch so abgesprochen hat, damit der dies nicht falsch interpretiert und nun meint, die Türkei habe ihm tatsächlich den Krieg erklärt.”
    Naja, was nicht so ganz ins Bild passt, ist, dass Erdogan den USA Incirlik zur Verfügung gestellt hat. Die USA können dadurch viel effektiver mächtige Schläge gegen den IS führen und die türkische Luftwaffe muss ja auch den IS bis zu einem gewissen Masse mitbombadieren. Ob sich Erdogan mit dem IS so koordinieren und absprechen kann, sei auch mal dahingestellt.Auch neues Ziel der USA und der Türkei ist es eine Pufferzone von 60 km mal 30 Kilometer in Nordsyrien in Grenznähe als Brückenkopf zu bilden, in die neue syrische Kämpfer reinkommen, die weder PKK noch IS sind–wäre mal interessant aus welchen Gruppen die sich rekrutieren sollen.

  2. Korbinian meint:

    @Jakobiner Jeder Einsatz von Incirlik aus muss individuell genehmigt werden wenn ich das richtig verstanden hab.

  3. Korbinian meint:
  4. Jakobiner,
    es werden auf jeden Fall auch Dschihadisten sein.
    Die Öffnung von Incirlik ist ein nennenwerter Schritt, ich vermute auch, dass es die Luftschläge der NATO-Flugzeuge erleichtert. Aber auf der anderen Seite steht die Schwächung der PKK, und das gleicht den Nachteil für den IS mehr als aus.

    Ein Indiz für die Richtigkeit oder Falschheit meiner Hypothese wird sein: Begeht der IS in der Türkei Terroranschläge? Wenn er sich im Krieg mit der Türkei sieht, wird er das tun. Meinst du nicht auch? Wenn er keine Terroranschläge unternimmt, heißt das, dass er sich nicht im Krieg mit der Türkei sieht. Woraus wir dann schließen könnten, dass die jüngsten Maßnahmen der Türkei gegen den IS ein abgesprochenes Spiel sind.

  5. Korbinian,
    ich lese mit Genugtuung, wie sehr man sich unter den Türkeibeobachtern einig darüber ist, dass es Erdogan primär darum geht, die HDP auszuschalten, und dass er den Bürgerkriegszustand aus genau diesem Grund herbeiführt, um sich selbst den Weg zur Alleinherrschaft freizubomben.

    Er wird sich kurzfristig nicht verrechnet haben: Er kriegt seine Unterstützung, er kriegt seine Mehrheit für die Diktatur.
    Mittelfristig aber wird diese Rechnung nicht aufgehen, weder für Erdogan noch für die Türken.

  6. Muss jeder Einsatz von Incirlik aus einzeln genehmigt werden? – Ob das stimmt, würde mich auch interessieren. Und dann, ob und wie oft so ein Einsatz genehmigt oder ein Antrag darauf untersagt wird. Und wie die Prozedur geht.

  7. Jakobiner meint:

    Auch bleibt unklar, in welchem Masse Erdogan, Saudiarabien, Katar und andere Golfstaaten den IS unterstützen, ja, ob sie den IS überhaupt noch unterstützen, denn die Jamestown Foundation berichtet auch von anderen sunnitisch-fundamentalistischen Gruppierungen, die neuerdings von der Türkei, Saudiarabien und Katar unterstützt würden, die zwar gegen Assad, aber auch gegen den IS kämpfen würden, wenngleich sie auch wieder Al Kaida-Al Nusraelemente beinhalteten:

    The Rise of Jaysh al-Fateh in Northern Syria
    Publication: Terrorism Monitor Volume: 13 Issue: 12

    “Jaysh al-Fateh was formed in March 2015, and includes most Islamist rebel groups, with the prominent exception of the Islamic State. According to a Jabhat al-Nusra source, the alliance controls in between 12,000-15,000 fighters. [2] The coalition includes most importantly al-Qaeda’s Syrian front, Jabhat al-Nusra, which is led by Abu Muhammed al-Julani. Moreover, it also includes other Islamist rebel groups such as Jund al-Aqsa, Ahrar al-Sham, Liwa al-Haqq, Jaysh al-Sunna, Ajnad al-Sham and Faylaq al-Sham (Syrian Observatory for Human Rights, June 6). The coalition also has relations with other groups such as the Islamic Army, which it cooperated with against Assad in Jisr al-Shughur and against the Islamic State in north Aleppo. [3] Reportedly, Faylaq al-Sham is backed by Saudi Arabia, while Ahrar al-Sham reportedly receives support from Turkey (Zaman al-Wasl, May 15; al-Jazeera, April 5).
    Cooperation Between Allies
    According to some sources, the new success of the rebel coalition is the result of a new détente between Qatar, Turkey and Saudi Arabia, which aims to stop what they see as Iran’s expansion in the region, leading to a joint decision to collectively support Sunni rebels against the Syrian government (al-Jazeera, May 24). There are several indications that Turkey and Saudi Arabia at least support members of this new alliance against the Syrian government, and several meetings were held in Turkey. (,,,)Moreover, Turkey maintains a close relation with Ahrar al-Sham, and Turkish intelligence has most likely has been shipping weapons to Ahrar al-Sham (al-Jazeera, April 5; Al-Monitor, June 2).It is not only Western analysts who suggest that Jaysh al-Fateh is backed by regional groups; the Islamic State also accuses Turkey, Saudi Arabia and Qatar of funnelling aid to the rebel coalition to help them to both combat Assad in Idlib and Qalamoun and to attack the Islamic State in Qalamoun.”

    Während also der Nahostexperte Meyer von der Uni Mainz und andere Experten eine Unterstützung des IS durch Saudiarabien, Katar und die Türkei behauptet, geht die US-amerikanische Jamestown Foundation davon aus, dass eben jene Staaten eine alternative sunnitisch-fundamentalistische Front gegen Assad und den IS aufbauen. Also so klar sind die Verhältnisse nicht. Vielleicht haben sie anfangs auch alle möglichen Anti-Assadkräfte gefördert und nachdem sich nun der IS durchgesetzt hat, duldet man ihn zum einen, aber versucht eine andere sunnitisch-fundamentalistische Kraft als Gegengewicht oder aber vielleicht auch als zusätzliche Kraft gegen Assad aufzubauen–mit noch ungewissem Ausgang bei dieser Kriegsdynamik.Gut möglich aber, dass Erdogan plant, die Jaysh al-Fateh und die Ahrar al-Sham als dritte Kraft gegen Assad, den IS und die PKK/YPG aufzubauen und zu unterstützen, vielleicht auch mit syrischen Kämpfern aus der Türkei zu unterstützen. Interessant, dass die Türkei zudem eine No-Fly-Zone fordert, die USA aber dies ablehnen, da dies einen Konflikt mit Assad bedeuten könnte (da IS, PKK nicht über eine Luftwaffe verfügen, sondern nur das syrische Militär).

  8. Jakobiner meint:

    Zu Leo Brux:

    “Ein Indiz für die Richtigkeit oder Falschheit meiner Hypothese wird sein: Begeht der IS in der Türkei Terroranschläge?”

    Vielleicht wird die Stärke der IS-Sympathisanten in der Türkei auch übertrieben. Der IS selbst kann ja in Syrien und Irak gerade mal auf 30000-50000 Mann zurückgreifen. Entsprechend kleiner dürfte die
    Zahl der IS-Unterstützer in der Türkei sein. Vielleicht 2000- 5000.
    Kann man diese überschaubare Zahl nicht festnehmen und observieren?
    Ist der allmächtige MIT dazu nicht in der Lage?

  9. Jakobiner meint:

    Und es geht fröhlich weiter in Erdoganistan: Aufhebung der Immunität der HDP-Abgeordneten–vielleicht sollte man da auch von einem kalten Putsch sprechen.Werden die dann der PKK-Nähe beschuldigt und in einer neuen Art Ergenokon- Schauprozess abgeurteilt?

  10. Korbinian meint:

    @Jakobiner

    Anscheinend alles wie von Leo prognostiziert. Ich hoffe dann auch wenn sich Erdogan zum Diktatur aufschwingt dass seine ganzen Fans hier aus Deutschland die Biege machen.

  11. Jakobiner meint:

    Zu Leo:

    “Jakobiner,es werden auf jeden Fall auch Dschihadisten sein.”

    Zugegeben, die FSA ist ja sehr marginalisiert und ich weiß nicht, inwieweit sie aus den 1,8 Millionen syrischen Flüchtlingen neue Kämpfer rekrutieren kann. Gut möglich aber, dass Erdogan plant, die Jaysh al-Fateh und die Ahrar al-Sham als dritte Kraft gegen Assad, den IS und die PKK/YPG aufzubauen und zu unterstützen, vielleicht auch mit syrischen Kämpfern aus der Türkei zu unterstützen. Beide Gruppierungen sind ja auch Dschihahdisrten und Islamisten, aber eben nicht IS, wenngleich bei der einen Formation der syrische Al kaidaableger Al Nusra dabei ist. Ob die USA und die FSA das so mitmachen ihnen Gotteskrieger, die die Kurden ersetzen sollen als Gegengewicht gegen den IS und Assad anzubieten, bleibt noch unausgemacht und abzuwarten.Interessant, dass die Türkei zudem eine No-Fly-Zone fordert, die USA aber dies ablehnen, da dies einen Konflikt mit Assad bedeuten könnte (da IS, PKK nicht über eine Luftwaffe verfügen, sondern nur das syrische Militär). Erdogans langfristiges Ziel scheint also immer noch der Marsch auf Damaskus, wenngleich er auf seinem Weg dahin Kompromisse und taktische Zwischenschritte machen muss. Zumal muss er neben der Etablierung seiner Präsidialdikatur auch noch das Militär mit hörigen Leuten besetzen, vor allem Generalstabschef Özel ersetzen, der ala Oberst Beck im deutschen Generalstab vor einem tieferen Enagement der Türkei in Syrien warnt.Özel soll aber im Auguist pensioniert werden–mal sehen, wen Erdogan bis dahin als Ersatz ausspäht.

  12. Korbinian meint:

    @Leo

    Die türkische Regierung erteilte den USA die Erlaubnis zur Nutzung des strategisch günstig gelegenen Nato-Luftwaffenstützpunktes Incirlik in der Südtürkei für Angriffe auf den IS. Entsprechende Anfragen der US-Regierung hatte die türkische Staatsführung bislang abgelehnt. Der Einsatz von Kampfjets von türkischen Flugplätzen aus müsse aber von der Regierung in Ankara gesondert genehmigt werden, so das Außenministerium.

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-07/tuerkei-islamischer-staat-luftangriffe

  13. Jakobiner meint:

    “Ich hoffe dann auch wenn sich Erdogan zum Diktatur aufschwingt dass seine ganzen Fans hier aus Deutschland die Biege machen.”

    Ich bin auch mal gespannt, wie die PKK-Symps in Deutschland reagieren werden. Kommt es zu Auseinandersetzungen mit den Erdogantürken, gibt es da Schlägereien, Brandanschläge oder aber heftigere Aktionen? Bisher hat die PKk ja in Deutschland bisher nur Selbstverbrennungen, Autobahnbesetzungen und eine mehr oder weniger friedliche Besetzung eines Fernsehsenders gebracht. Und die ganzen deutschen Erdoganisten können ja gerne als neue ausländische Kämpfer für das neue neoosmaische Reich nach Syrien und zur Hamas in den Gaza gehen. Ich schätze nur einmal, dazu sind diese deutschen Wohlstandstürken zu feige und zu bequem.

  14. Jakobiner meint:

    Zu Korbinian:

    Die USA haben aber schon die ersten Luftschläge gegen den IS von Incirlik geflogen, wurden also alle genehmigt. Dennoch bleibt abzuwarten, inwieweit Erdogan dies bewilligt oder nicht- da hast du schon recht. Aber ab einer gewissen Verweigerungshaltung würden die USA dies wohl auch publik machen.

  15. Jakobiner meint:

    Zu Leo und Korbinian:

    Man sollte aber, wenn man von einer Unterstützung des IS durch Erdogan ausgeht, meine obigen Kommentare lesen und auf sie eingehen, wie auch folgende Passage des ZEITartikels, den Korbinian zitierte, bedenken:

    “Die Soufan Group in New York schrieb, die Türkei habe den IS lange relativ unbehelligt gelassen, weil sie ihn als nützlichen Gegner des Regimes von Baschar al-Assad in Syrien angesehen habe. Aber der IS habe selten die Assad-Armee, sondern meist andere, von der Türkei unterstützte Rebellen bekämpft.
    Zudem sei es nicht zu der von der türkischen Regierung erhofften Schwächung der Kurden im Irak und in Syrien durch den IS gekommen: Die Kurden seien mit US-Unterstützung durch den Kampf mit der Terrormiliz vielmehr noch gestärkt worden. Schließlich sehe Ankara auch die eigene innere Sicherheit und damit die wirtschaftlich bedeutsame Tourismusbranche durch den IS gefährdet. ”

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-07/tuerkei-islamischer-staat-luftangriffe

  16. Jakobiner,
    sehe ich das anders?
    Nein.

    Die Türkei sieht ihre Tourismusbranche durch den IS bedroht. Das ist ein Grund dafür, warum man dem Konflikt mit dem IS ausweicht. Der IS ist zu stark für die Türkei. Man kuscht. Man lässt sich erpressen.

    Jetzt heißt es, die Türkei haben nun doch (mittels einiger Bömbchen und der Freigabe von Incirlik) gegen den IS den Kampf eröffnet. Das ist vermutlich falsch. Für den IS ist wird das mehr als kompensiert durch die Angriffe auf die PKK und die Behinderung der YPG, die drauf und dran war, die gesamte Nordgrenze einzunehmen. Jetzt verhindert die Türkei das – und möchte dieses Gebiet zwischen Dscharabulus und Kilis “türkeitreuen” Dschihadisten übergeben.

    Die Amerikaner täuschen sich, wenn sie meinen, die Türkei würde ernsthaft gegen den IS vorgehen. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass Erdogan mit dem Horrorkalifen ein Einvernehmen hat und auch die jüngste Wendung mit ihm abgesprochen ist.

  17. Cenki66 meint:
  18. Der Tagesspiegel verkauft Yasin Baş als einfachen “Leser”? Wollen sie es nicht erwähnen oder wissen sie nicht, was der liebe Herr Baş sonst so macht und schreibt?

  19. Korbinian meint:

    @OJ

    Die Kommentatoren unter dem Text scheinen den Braten gerochen zu haben, der Typ ist einer Erdogans europäischen Bütteln (Union Europäisch-Türkischer Demokröten). Wahrscheinlich ein Kumpel vom cenki. Der hat sich beim großen Meister in der Türkei gerade wieder seine Germanistanzulage abgeholt hat damit er hier weiter auf die Kacke hauen kann.

  20. Ich frage mich auch, mit wem in Deutschland Ahmet Adem eigentlich sprechen will.
    Wär doch schön, mal zu hören, wer da auf ihn eingehen könnte.
    Die, die links stehen, gewiss nicht.
    Die, die zur Mitte und zu rechts gehören, auch nicht.
    Also wer?

    Außerdem ist er ein Anhänger der Gewalt, nämlich der des türkischen Staates gegen die natürlichen Rechte, die eine autochthone Minderheit wie die Kurden für sich beanspruchen kann.

    Auf die geht er mit keinem Wort ein. Oder hab ich was überlesen?

    Gibt es irgend jemand in Deutschland (außer natürlich nationalistische Deutschtürken), die Erdogan nicht als Radikalen sehen? Die seine Kriegserklärung gegen PKK und HDP nicht als radikalen und gewalttätigen Akt sehen – und als strategischen Schritt, um die Alleinherrschaft zu erringen?

    Schreib ich, dass “die Türken” das Land, in dem sie geboren sind, verlassen sollen?
    Keineswegs.
    Dass sie bleiben und bleiben wollen, sagt mir: Sie finden Deutschland und die Deutschen besser als die Türkei und die Türken dort.
    Bei vielen sieht man das und hört man das deutlich genug.
    Ich hoffe, dass noch mehr die Konsequenz ziehen und sich für Deutschland auch insofern entscheiden, als sie ihren nationaltürkischen Wahn und ihre nationaltürkische Mythen allmählich aufgeben, seien sie nun atatürkisch oder akapistisch.

    Das kann man ruhig abwarten.
    Eine Gefahr geht von den im Türkenwahn Lebenden hierzulande nicht aus. (Schon eher in der Türkei selber.)

    Nun, ein Teil wird sich ein-igeln. Und dann wohl irgendwann auch zurückwandern. Das ist natürlich. Man braucht es nicht zu forcieren. Es geht ganz von selbst.

    Den türkischen Nationalwahn brauchen wir in Deutschland so wenig wie den deutschen Nationalwahn, und wenn Türken sich gern völkisch aufblasen wollen, dann erinnert uns das zwangsläufig an das deutschnationale völkische Aufblasen bei Pegida, AfD, PI und sonstigen Rechtspopulisten.

    (Der Unterschied ist allerdings, dass in Deutschland der deutsche Nationalwahn gefährlich ist, nicht der türkische, während in der Türkei der türkische Nationalwahn das Land im Griff hat und es bereits jetzt massiv schädigt.)

  21. conring meint:

    @ Leo Brux
    Die Türken müßten einfach mal realisieren, dass sie ein Minderheitenproblem haben. Dann müßten sie einfach mal versuchen dieses durch Gespräche zu lösen.
    Da wäre die HDP doch auch nicht vollkommen unkooperativ.
    Der IRA-Terror hat sich in Großbritannien auch verflüchtigt, als die die dortige Regierung angefangen hat mit Sinn Féin zu verhandeln.

  22. @Conring

    das habe ich aus dem Blogroll eine Bekannten gefunden. Keine Ahnung, wie ich das verlinken kann. Ich kopiere den Text mal hier rein. Meine Einschätzung ist nämlich auch, dass die HDP quasi als “guter Junge” herhalten sollte und das dann nicht mehr funktioniert hat.

    “Ich stimme dahingehend überein, dass die Strafanzeige bereits früher hätte gestellt werden müssen.

    Direkt nachdem 40 Menschen verstorben sind, als die HDP -in Persona Demirtaş- ihre Anhänger, wegen der Haltung der Türkei zu Ayn el-Arab (Kobane), zu Strassenprotesten aufgerufen hatte.

    Es ist ein Skandal, dass über die Unzulänglichkeiten dieser Unperson lange hinweggesehen und der türkischen Justiz die Hände gebunden waren, wegen des Friedensprozesses!

    Erdoğans Plan war eigentlich perfekt, für den erfolgreichen Abschluss des Friedensprozess, den er übrigens wirklich wollte und mutmaßlich immer noch will, denn ohne den Frieden funktioniert sein Plan für die politische Neuordnung des Mittleren Ostens nicht. Er hat sogar einen Selahattin D. (Vgl. Sultan Selahattin Eyyubi) aufgebaut, als Partner für den Friedensprozess und dieses Etwas protegiert, vor Verfolgung von Seiten der türkischen Justiz.

    Erdoğan war es, der diesem PKK-Handlanger die notwendige İntegrität verliehen und die HDP aus der Terrorismus-Ecke geholt hat und somit war es Erdoğan, dem die HDP die 13% zu verdanken hat.

    Okay, bis zum Wahlkampf hat Demirtaş mitgespielt und während des Wahlkampfs, sowie nach den Wahlen deutlich gemacht, dass er seine zugedachte Rolle nicht spielen wird.

    Eine AKP-HDP Koalition hätte die notwendige Mehrheit in der Nationalversammlung, um die für den Erfolg der Verhandlungen notwendigen Gesetzesreformen durchzusetzen und zu beschliessen!

    Wie bereits bei Esad deutlich geworden ist reagiert Erdoğan sehr Radikal, wenn er verarscht wird und so geschehen auch in der Causa Demirtaş.

    Hätte Selahattin seine Funktion als Partner der Aussöhnung ausgefüllt und die Verantwortung übernommen, sich für die gemeinsame Zukunft und den Frieden in den Grenzen der Türkei, einzusetzen und wäre eine Koalition mit der AKP eingegangen, würde er heute als Held von den AKPlern gefeiert werden.

    Jetzt wo Erdoğan seine schützenden Hände weggezogen hat, sieht das Ganze selbstverständlich ganz anders aus!

    Da Erdoğan jedoch nicht Dumm ist, sollte das Timing des Vorgehens der TSK besondere Beachtung finden. “

  23. conring meint:

    @ Cenki
    Ja, und?
    Demirtaş und seine Parie sind eben keine Kreaturen von Erdogans Gnaden. Auch wenn dieser es vielleicht anders geplant hat.
    Man kann jetzt natürlich sagen, die Türkei verhandelt nicht mit der PKK (kann man ja sogar nachvollziehen) und auch nicht mit der HDP. Mit wem auf kurdischer Seite will man dann überhaupt verhandeln?
    Die Briten haben in Nordirland letzendlich mit Gerry Adams verhandelt. Der Mann gehörte in den 1970er Jahren dem Army Council (Leitungsgremium der IRA) an.

  24. eben! die Türkei MUSS mit kurden verhandeln. dass das im nordirak mit barzani funktionier hat, sieht man ja.

  25. Jakobiner meint:

    “Ich stimme dahingehend überein, dass die Strafanzeige bereits früher hätte gestellt werden müssen.Direkt nachdem 40 Menschen verstorben sind, als die HDP -in Persona Demirtaş- ihre Anhänger, wegen der Haltung der Türkei zu Ayn el-Arab (Kobane), zu Strassenprotesten aufgerufen hatte.(…)Erdoğan war es, der diesem PKK-Handlanger die notwendige İntegrität verliehen und die HDP aus der Terrorismus-Ecke geholt hat und somit war es Erdoğan, dem die HDP die 13% zu verdanken hat.(…)Er hat sogar einen Selahattin D. (Vgl. Sultan Selahattin Eyyubi) aufgebaut, als Partner für den Friedensprozess”

    Cenkis Bekannten und scheinbar Cenki ist die HDP auch schon ein Dorn im Auge– “PKK-Handlanger”. Solch eine Einstellung kann man nur haben, wenn man überhaupt keinen Friedensprozess haben will, ja zumal auch noch Erdogan selbst der Kurdennähe, quasi auch als “PKK-Handlanger” verdächtigt wird.Strassenproteste und Demonstrationen scheinen auch verboten zu gehören. Und wer war denn an den vermeintlichen 40 Toten schuld? Das wird einfach der HDP in die Schuhe geschoben. Zu dem IS-Terror in Kobane auch kein Wort. Und dann wird Demirtas auch noch in die Ecke eines islamistischen Sultans gestellt. Das hat schon etwas Denunziatorisches.Wenn Großbritannien Gerry Adams und die Sinn Fei nicht trotz eigener IRA-Terror-Geschichte den parlamentarischen Weg geöffnet hätte, herrschte heute noch in Nordirland Bürgerkrieg. Den Kurden auch noch die HDP verbieten lassen zu wollen, bedeutet, dass man ihnen nur noch die Wahl offen lässt sich der PKK anzuschließen.

  26. Korbinian meint:

    Bornierten Nationalislamisten wird es herzlich egal sein was aus dem Friedensprozess wird. Wenn alles schiefgeht ist eh wieder der ungläubige Westen Schuld der mit den Kurden unter einer Decke steckt um das wahre Türkentum zu vernichten.

  27. Jakobiner meint:

    So neu ist dieses Bündnis zwischen Ankara und Barsani gegen PKK und PYD/YPG auch nicht–so ein Bericht des dtj von 2013:

    “Bündnis gegen Terror
    Ankara und Arbil gehen gegen PKK und PYD vor
    Der Besuch Barzanis in Diyarbakır und die Worte Erdoğans verdeutlichen, dass zwischen der Türkei und dem kurdischen Nordirak ein politisches Bündnis entstanden ist. Die Allianz richtet sich gegen die PKK und die PYD – und beunruhigt den Iran. (…)Politische und wirtschaftliche Stabilität durch Kooperation
    Die politische Allianz der Türkei mit Barzani basiert Bora Bayraktar zufolge, Akademiker an der İstanbul Kültür Universität und Experten für türkische Außen- und Nahostpolitik, auf drei Punkten: Barzani unterstütze einerseits den Friedensprozess in der Türkei und teile andererseits die Zurückhaltung Ankaras gegenüber einer einseitig erklärten Autonomie der syrischen Kurden. Darüber hinaus verstärkten die beiden Regierungen ihre Kooperation im Energiesektor und arbeiteten gemeinsam an Pipelineprojekten.
    Die Tatsache, dass Erdoğan als erster türkischer Regierungschef am Samstag das Wort Kurdistan benutzte und die kurdische Bevölkerung des Nordirak anerkennend in einem Ausruf das „Volk Kurdistans im Nordirak“ grüßte, unterstrich dem Bericht nach die Bereitschaft Ankaras, die Kooperation mit Barzani auch langfristig auszubauen.”

    http://dtj-online.de/tuerkei-nordirak-friedensprozess-erdogan-barzani-pkk-pyd-14919

  28. Jakobiner meint:

    Zu Cenki:

    “eben! die Türkei MUSS mit kurden verhandeln. dass das im nordirak mit barzani funktionier hat, sieht man ja.”

    Da du aber selbst die PKK ausrotten willst und die HDP als “PKK-Handlanger” verbieten lassen willst, wer bleibt denn dann noch zum Verhandeln auf kurdischer Seite übrig? Oder hat Korbinian recht, wenn er dich so charakterisiert:

    “Bornierten Nationalislamisten wird es herzlich egal sein was aus dem Friedensprozess wird. Wenn alles schiefgeht ist eh wieder der ungläubige Westen Schuld der mit den Kurden unter einer Decke steckt um das wahre Türkentum zu vernichten.”

  29. Cenki66 meint:

    jakobiner

    warum hälst du dich nur an dem wort pkk-Handlanger fest? auch ein demirtas hat meiner Meinung nach begriffen, dass es ohne frieden nicht geht. das sollten alle vernünftigen Menschen ohnehin tun. lange war jedoch die rhetorik von der hdp so, dass diese sich eben von der pkk nicht distanzieren (wollte). lange Zeit hat die hdp als Handlanger der pkk fungiert. dann ging es wiederum gut. auch ist nicht die rhetorik im letzten Jahr, die demirtas von sich gegeben hat und in dessen folge ca. 30 Menschen auf strassenschlachten gestorben sind, nicht zu vergessen. gibt sicherlich auch meinungen in der hdp, die nichts als frieden wollen. ausserdem ist die Meinung eines bekannten im blogroll nicht unbedingt meine Meinung. und typen, die eine “geh zurück!” rhetorik anwenden nehme ich nicht ernst. der islam lehnt nationalismus ab und danach lebe ich. ich finde nationalismus etwas hässliches. dass korbi mit solchen seitenhieben nur das Niveau hier runterzieht, ist ja nichts neues.

  30. Cenki66 meint:

    Der Text zeigt u.a. auch die Vermutung, dass Erdogan mit Kalkül handelt.
    Und ja, eigentlich wäre die hdp der ideale Partner für die akp, wenn beide tatsächlich frieden wollen. Schließlich hat sich die Regierung u.a. auch mit der PKK an einen Tisch gesetzt.

  31. Jakobiner meint:

    Die Frage wäre für den Fall von Friedensverhandlungen zwischen AKP und HDP, was denn das Ziel sein sollte: Autonomie und Demilitarisierung der PKK im Südosten der Türkei. Die PKK sollte man schon zugestehen sich gegen den IS in Syrien und im Nordirak zu verteidigen. Aber umgekehrt wird Nordiraks Barzani sich dann beschweren, wenn die PKK nur in der Türkei demilitarisiert wird und dann im Nordirak und Syrien sich zu seinen Ungunsten ausbreitet. Also vielleicht auch nicht so möglich. Dazu müsste man das mit der PKK verhandeln, denn nur diese kann ihre Waffen niederlegen.Momentan sieht es aber so aus, dass Erdogan sogar die HDP wegräumen will, um seine Präsidialdikatur und Alleinherrschaft durchzupauken. Ob er dann angesichts der dann völlig vergifteten, antikurdischen Atmosphäre in der Türkei nochmals eine 180-Grad-Wende hinlegen kann, ja ob er das überhaupt will, bleibt fraglich.

  32. Jakobiner meint:

    Erdogan ist gerade auf Chinabesuch. Mit Xi Jinping zusammen hat er erklrät, die Türkei und China wären vereint im Kampf gegen “den Terrorismus”. Interessant dabei, dass Erdogan mehr Rechte für die Uiguren in China fordert, die ja nach chinesischer Lesart Terroristen sind, sie aber den Kurden in der Türkei verweigern will.

  33. Jakobiner meint:

    Endlich mal ein konstruktives Beispiel im War on Terror, wie man seine Finanznöte lösen und den IS dabei schädigen kann:

    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/russinnen-ergaunern-geld-vom-islamischen-staat-13729985.html

  34. Korbinian meint:

    Das mag schon sein das Islamisten mit Nationalismus nicht viel anfangen können. Mittlerweile halte ich es da eher mit Deniz Yücel der Erdogan eher attestiert dass er ein Problem mit säkularen Lebensentwürfen (wie auch in HDP vertreten) hat und deswegen die Partei verschwinden lassen will. Wenn er könnte würde er auch die CHP verbieten aber das würde die ganze Atatürkei ad absurdum führen. Erdogan ist durch und durch Islamist, er hält sich für einen Sultan der eine Horde Idioten um sich braucht die vor ihm niederknien damit er sich die Taschen füllen kann.

  35. Jakobiner,

    ich würde die Situation bezüglich Irakisch-Kurdistan, PKK und Türkei so zu charakterisieren versuchen:
    Irakisch-Kurdistan ist in einer schwierigen geografisch-politischen Lage. Es muss, um seinen Weg zur Unabhängigkeit (nachhaltig!) gehen zu können, sowohl mit dem schiitischen Irak als auch mit dem Iran als auch mit der Türkei konstruktiv verfahren: friedliche, für alle Seiten nützliche Verhältnisse schaffen.
    Insofern sind die freundlichen Töne gegenüber der Türkei durchaus rational.

    Andererseits ist das Verhältnis zur PKK ambivalent. Die PKK ist politisch anders orientiert, dazu ein Rivale, den man gern aus Irakisch-Kurdistan vertreiben würde. Auf der anderen Seite sind es Kurden, und man braucht sie noch dazu im Krieg gegen den IS.

    Das ist eine Situation, in der es sich lohnt, den Worten keine Taten folgen zu lassen, bzw. Worte so zu verwenden, dass davon abgelenkt wird, dass man nichts tut.

    Irakisch-Kurdistan wird NICHTS tun gegen die PKK.

    Die Aktionen der Türkei richten sich nicht primär gegen die PKK, sondern gegen die HDP. Sie muss irgendwie ausgeschaltet werden, damit Erdogan bei der nächsten Wahl seinem Ziel näher kommt.

    Darum geht es auch Cenki und dem von ihm zitierten Freund.

    Ich nenne Cenki einen türkischen Nationalisten. Er bestreitet, es zu sein, aber seine Argumentation ist durch und durch türkisch-nationalistisch. Das gilt auch für Ahmet Adem.

    Beide gehen grundsätzlich nicht auf die unvermeidliche und selbstverständliche Forderung der Kurden ein, ein kurdisches Bildungssystem und eine Autonomie der kurdischen Gebiete innerhalb der Türkei zu bekommen.

    Sie wollen es bei ein paar eher symbolischen Zugeständnissen belassen und hoffen, dass der fortgesetzte Assimilationsdruck am Ende aus den türkischen Kurden reine Türken machen wird, bzw. dass das Kurdische dann nur noch ein bisschen Folklore sein wird. Zu einer Nation aus zwei verschiedenen Völkern wollen sie sich nicht bekennen.

    Das eben bezeichne ich als den türkisch-nationalistischen und völkischen Standpunkt. Cenki sollte zugeben, dass er in dieser Hinsicht ein Nationalist ist.

    Oder sich dem Standpunkt der zwei unterschiedlichen Völker in der Türkei samt politischer Konsequenzen anschließen.

    Wie wär’s, Cenki, und du erläuterst uns nochmal klar, wo du hier stehst?

    Und, Cenki, stört dich vielleicht auch, dass die Kurden von PKK, PYD und HDP eher säkularistisch orientiert sind?

  36. Korbinian meint:

    Und, Cenki, stört dich vielleicht auch, dass die Kurden von PKK, PYD und HDP eher säkularistisch orientiert sind?

    Ich würde sagen: Beides. Einerseits dass sie keine Türken sein wollen. Andererseits dass sie ein säkulares Lebensmodell verfolgen und sich nicht von Papa Erdogan unter die Bettdecke oder in das Rakiglas hineinregieren lassen wollen.

  37. Cenki66 meint:

    @leo

    ehm ich dachte zu den fehlern seit der republikgründung und dem kurdischen bildungssystem hätte ich mich schon geäussert??!!

    wie es mit der autonomie aussehen soll, kann ich dir nicht sagen, da ich keine idee diesbezüglich habe. wie auch schon da x-mal erwähnt: was soll mit den kurden, die verständlicherweise in den westen ausgewandert sind, geschehen? ich habe keine idee, lasse mich aber inspirieren.

    laut meinem glauben, lebe ich u.a. auch nach 109:6, so dass mir die lebarten von nicht-muslimen egal ist. vor mir haben diese sich nicht zu verantworten. die türkei braucht jeden bürger, ob das säkuläre sind, oder religiöse. lange zeit wurde die religion unterdrückt. wenn jetzt die ära erdogan das selbe mit anderem vorzeichen machen will, ist das genau so falsch.

    spielt du aber lieber weiter sandkasten, leo, in dem du deine mitdiskutanten denunzierst. tolle diskussionskultur hier. es wird hier so dargestellt, als ob ich hier gegen alles kurdische wäre. das kommt davon, wenn man nun mal die deutsche presse, die alles in schwarz und weiss malt, durchliest. was ist das für eine anmaßung deinerseits? bei der pkk wird stets auf angriffe auf die kurden gesprochen. nach dieser logik, wird auch die is nicht angegriffen, sondern muslime. als deutsche bergsteiger entführt wurden, berichtete die deutsche presse einstimmig von pkk-terroristen. plötzlich sind es wieder freiheitskämpfer. gute terroristen, böse terroristen. wenn man auf diesen umstand hinweist, ist man ja in deinen augen nationalist. so einfach ist deine welt.
    wenn wir dann schon dabei sind: wenn du die morde der “arbeiter”partei (für wen arbeiten die? wer ist der arbeitgeber?) nicht erwähnt, dann bist du ein türkeihasser. wir drehen uns im kreis.

    ein kurde ist nun mal ein kurde, wenn er nicht türke sein will, ist das vollkommen in ordnung. daher fand ich auch u.a. die abschaffung des eids für schulkinder vollkommen in ordnung. es muss aber weitergehen. keine ahnung warum hier ständig irgendwelche schuldzuweisungen gemacht wird. ich habe das gefühl, ich kann mir den mund fusselig reden, dir kann man nichts recht machen. eine gesunde diskussionskultur ist das jedoch nicht. wenn ich die autonomie ablehne, heisst das noch lange nicht, dass ich nationalist bin. da solltest du etwas weitsichtiger sein.

  38. Cenki66 meint:

    @jakobiner

    ich denke der vergleich uiguren und kurden (genau so, wie die vergleiche mit palästina etc.) hinken. jede region hat seine geografische und ethnische eigenheit. und erdogan zu attestieren, er würde sich nicht gegen die rechte der kurden einsetzen, ist einfach falsch. er war derjenige, der kopf und kragen riskiert hat und die friedensverhandlungen überhaupt ins gespräch gebracht hat. das sollte man ihm hoch anerkennen.

  39. Korbinian meint:

    @cenki Was sind denn für Dich Nicht-Muslime? Sind Dir die Lebensweisen von anderen Muslimen nicht egal? Was möchtest Du da wie beurteilen? Sind Muslime die homosexuell sind für Dich noch Muslime? Oder Muslime die auch mal kiffen (Sufis z.B.) oder Alkohol trinken (kenn ich einige, manche sind Aleviten, andere nicht).

  40. Jakobiner meint:

    Auch eine Verstädnisfrage: Bombadiert eigentlich Erdogan auch die PYG/YPG oder nur die PKK oder aber beide, da diese deckungsgleich für ihn sind. Sind PKK und PYG denn deckungsgleich?

  41. Cenki,

    was doch bei dir auffällt, ist, dass du zwar einige Zugeständnisse zu machen bereit bist, aber nicht erkennen willst, dass es einer systematischen Lösung bedarf – eines kurdischen Bildungssystems dort, wo die Kurden mehrheitlich leben, und ein volles kurdisches Bildungsangebot dort, wo sie in großer Zahl hingewandert ist, fakultativ. Und dass natürlich die Türken endlich mal anfangen müssen, Kurdisch zu lernen: Man muss das anbieten, empfehlen und die Situationen für die Motivation schaffen. Die Kurden sind das zweite Staatsvolk der Türkei.

    Ich finde es schon mal nicht schlecht, dass du von den radikalvölkischen Vorstellungen und Phantasien der MHP und der größeren Hälfte der Türken Abstand nimmst. Für türkische Verhältnisse ist insofern dein Standpunkt eher nicht nationalistisch. Aber für deutsche Verhältnisse ist er es immer noch. Und wir sind hier in Deutschland, nicht in der Türkei. Und Deutschland ist deine Heimat und die Gesellschaft, an deren Standards wir dich messen, wenn wir über Nationalismus und dergleichen sprechen.

    Müsstest du das nicht schon längst gemerkt haben, Cenki? Du kennst dich hierzulande recht gut aus. Ist dir nicht auch aufgefallen, dass wir hier auf der Linken (bis weit in die Mitte hinein) ziemlich minderheiten-sensibel sind? Und dass wir DESHALB manchmal recht engagiert die Deutschtürken verteidigen gegen deutschnational, deutsch-ethozentrische, deutsch-völkische Vorurteile und Attacken?

    Aber das heißt natürlich auch, dass wir mit jeglicher Kurdendiskriminierung ein Problem haben. Weniger als die VOLLE GLEICHSTELLUNG der Kurden bleibt hinter dem, was wir erwarten, zurück. Die Kurden sind in der Türkei kein Einwanderervolk, sondern autochthon. Sie sind nicht als “Gastarbeiter” in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts eingewandert, sondern sie waren schon da, als 1071 Alp Aslan in einer großen Schlacht Anatolien für die türkische Invasion geöffnet hat.

    Also, das Land der Kurden gehört den Kurden. Wenn die Türken wollen, dass dieses Land bei der Türkei bleibt, dann müssen sie die Kurden umwerben. Sie müssen ihnen das Bleiben schmackhaft machen. Sie müssen zeigen: Wenn ihr Teil der Türkei bleibt, geht es euch besser, als wenn ihr euch abspaltet. – Ich meine, die Türken hätten genug Potenzial, um hier erfolgreich werben zu können.

    Erdogan versucht mit den Kurden machtpolitisch zu spielen. Was war der Grund für die Einleitung des Friedensprozesses? Wir wissen es heute noch nicht. Aber die jüngste Wende lässt uns vermuten, dass sie ein strategisches Manöver war, in dem er versucht hat, seine Macht zu erweitern. Erst, indem er möglichst viele kurdische Stimmen gewinnt, dann, indem er (vielleicht) gehofft hat, mit dem Einverständnis der Kurdenpartei seine autoritäre Verfassung durchzukriegen (durch Zugeständnisse an die Kurden, die er danach leicht hätte wieder zurücknehmen können). Jetzt hält er es für opportun, das Kriegsbeil wieder auszugraben.

    Das kann er machen, weil die Mehrheit der Türken sowieso gegen die Kurden (ich meine jene Kurden, die sich als eigenes Volk sehen) ist. (Es gibt auch assimilierte Kurden, die längst und radikal Abschied von der kurdischen Familiengeschichte genommen haben.)

    Der Friedensprozess war von Erdogan immer so konzipiert, dass er ihn praktisch allein betreibt. So dass er ihn auch jederzeit abbrechen konnte.

    Letzter Punkt für jetzt: Ich komme immer wieder darauf zurück! Wann immer du dich über die PKK beschwerst, musst du dich fragen lassen: Wer verdammt noch mal hat dafür gesorgt, dass die PKK überhaupt entstanden ist? Wer hat Jahrzehntelang dafür gesorgt, dass Millionen Kurden gute Gründe gesehen haben, die PKK zu unterstützen?

    Das seid ihr, Cenki, ihr Türken! Ihr habt dafür gesorgt. Jeden Türken, den die PKK umgebracht hat, habt auch ihr auf dem Gewissen! Ihr habt von Atatürk bis in die letzte Zeit (und jetzt vielleicht wieder) die Kurden so terrorisiert, dass sich Widerstand in Form der PKK gebildet hat.

    Das ist genau so, wie ich uns Deutschen jede türkisch-deutsche Entgleisung vorwerfe. Wir Deutsche haben dafür gesorgt, dass es bei der Integration der türkischen Einwanderer gehakt hat. Ich verstehe jeden türkischen Jugendlichen, der meint, uns Deutsche hassen zu müssen. Nicht, dass ich das gut fände, nicht, dass ich das nicht kritisieren würde; aber ich kann mich nicht aus unserer deutschen Mitverantwortung herausstehlen. Das wäre Feigheit, und feige bin ich nun mal nicht. Ich bekenne mich zu unserer gemeinsamen deutschen Verantwortung gerade auch dann, wenn sie peinlich oder schmerzlich ist.

    Aus dieser Perspektive heraus attackiere ich nun aber auch die Türken in ihrem Umgang mit den Kurden.

  42. Jakobiner,
    soweit ich die Medienmeldungen dazu kenne, meine ich:
    Die Türkei bombardiert
    1. den IS nicht mehr (das waren nur ein paar Bömbchen ganz zu Anfang, um den Amis freundliche Töne zu entlocken)
    2. die syrische PYD/YPG nicht direkt, aber soweit man IS-Stellungen bombardiert hat, hat man wohl auch gleich ein paar Mal “daneben” getroffen und die dort nahen YPG-Stellungen gleich mit angegriffen. (Vielleicht ist das so. Die YPG behauptet es.) Insgesamt kann sich die türkische Armee es nicht erlauben, diesen engen Verbündeten der NATO direkt anzugreifen. Die NATO fliegt ständig Angriffe gegen den IS zur Unterstützung der YPG, ein Zusammenspiel, das man sich nicht von der Türkei kaputt machen lassen wird.
    3. Die Türkei fliegt nach wie vor Angriffe gegen die PKK-Stellungen in Nord-Irak. Man sieht, worum es geht. Nicht um den IS.
    4. Würden die Amis es erlauben, würde die Türkei auch die YPG attackieren und deren Gebiete dem IS ausliefern.
    5. Der vage Hinweis, man würde auch gegen syrische Flugzeuge vorgehen, wenn es durch ein türkisch gesponsortes dschihadistisches Kommando zur Übernahme der Landlücke zwischen Dscharabulus und Kilis käme und die syrische Luftwaffe würde dort auftauchen, gehört vermutlich zu den symbolischen Handlungen.
    6. Ob es klug ist, den Dschihadisten in Syrien ein Stück Land an der Grenze zur Türkei zu sichern, ist m. E. offen. Sind sich Al-Nusra und IS wirklich spinnefeind? Könnte es nicht sein, dass die Dschihadisten von Al-Nusra bald zum IS überlaufen? (Oder verdeckt mit ihm gemeinsame Sache machen?) Ideologische oder “religiöse” Unterschiede gibt es jedenfalls nicht.

  43. Cenki66 meint:

    @leo

    zu deinem ersten teil habe ich lediglich folgendes einzuwenden: wir diskutieren hier nicht über mich oder personen, auch wenn du und korbi hier das des öfteren tut. ich diskutiere über eine räumliche gegend. und dort weht nun mal ein anderer wind als in mitteleuropa. das ist aber schon immer der fehler der menschen, dass man versucht, eins zu eins überall versucht anwenden zu wollen. ICH rede von der geographie naher osten, du und auch korbi redet über cenki oder über die türken/kurden, nicht umsonst kommen dann so distanzierungsfragen (oder noch peinlicher, wen ich für einen moslem halte und wen nicht. antwort: 2:256).

    ansonsten hast du recht. ich kritisiere selbst die hochemotionale und emotionalisierte berichterstattung der türkischen medien, wenn es um’s thema gefallene soldaten geht. unterschwellig möchte man nämlich DIE kurden als böse darstellen.

    zum zweiten teil: deine vermutung KÖNNTE stimmen.

    zum dritten teil: nochmal: seit republikgründung hat die türkei schwerwiegende fehler in sachen minderheiten begangen. es handelte sich nichts anderes als um eine quasi diktatur. du wirfst aber zwei sachen zusammen. aus makro sicht magst du recht haben. aber jetzt in dem fall suruc, welcher nun mal ein schwarzer meilenstein ist, hätte ich in deiner analyse einfach erwartet, dass du die morde der pkk an den sicherheitskräften erwähnst. wahrscheinlich schaltest du aufgrund deines letzten satzes in deinem letzten kommentar auf stur, weil du es mit einem türken zu hast. ein sachlicher kommentar hätte aber was anderes dargeboten.

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