Flüchtlingskrise 2015 (14): Ungarn – dumm und schändlich

asylDie bemerkenswerte Szene der ungarischen Kamerafrau, die nach syrischen Flüchtlingen tritt, kennt ihr.

Der Hetzsender hat diese Frau angeblich entlassen, aber ich nehme an, dass sie eher einen Karrieresprung machen wird, denn was sie gemacht hat, das sehen die meisten Ungarn wohl als eine durchaus angemessene Handlung an.

Ungarns Putin bzw. Ministerpräsident, Orban, nennt die syrischen Flüchtlinge Kriminelle, hält sie für eine reine Plage und erklärt öffentlich, dass die fiese Behandlung und das Verweigern jeder humanitären Hilfe genau das richtige Programm seien.

Das macht ihn in Ungarn populär.

Glaubt man den Umfragen, macht Viktor Orbán alles richtig. Den Umfragen in seinem eigenen Land, wohlgemerkt.

Knapp siebzig Prozent aller Ungarn unterstützen den scharfen Kurs des Premiers in der Migrationspolitik, die zum alles überwölbenden Thema geworden ist.

Das hat auch Auswirkungen auf die Zustimmung zu Orbáns Partei: Mehr als ein Jahr lang verlor Fidesz dramatisch an Sympathie in der Gesamtbevölkerung und bei der eigenen Klientel. Die rechtsextreme Jobbik gewann Nachwahlen zum Parlament, stellte plötzlich Bürgermeister um Bürgermeister und gerierte sich als neue Volkspartei. Selbst die Zweidrittelmehrheit von Fidesz ging verloren.

Aber Orbán ist zurück. Mithilfe einer Politik, mit der er den Ungarn wieder – oder mehr denn je – zeigt: Ich schütze euch. Vor Flüchtlingen, vor Muslimen, vor der Überfremdung, der Unterwanderung, vor Brüssels Inkompetenz und Deutschlands Fehlern.

Am Montag sagte der Premier vor Ungarns in Budapest versammelten Diplomaten laut der Zeitung Pester Lloyd: Je “stärker die Angriffe, desto resoluter” müsse das Land seinen Standpunkt vertreten. Mit “serviler Diplomatie” komme man nicht weiter. Neun Millionen Ungarn gegen eine, so Orbán, “verlogene Welt”. Das zieht.

Orbáns Politik spiegelt vielmehr auch einen Grundkonsens in der ungarischen Gesellschaft – weshalb die Fidesz-Politik das Land nicht spaltet, wie es in anderen europäischen Gesellschaften mutmaßlich der Fall wäre, sondern eint.

SZ

Glücklicherweise gibt es wenigstens eine Million Ungarn, die das alles anders sieht als Orban und die große Mehrheit. Das hilft, ein Pauschalurteil über die Ungarn zu vermeiden.

Aber soviel lässt sich sagen:

“UNGARN” VERHÄLT SICH DUMM:

Ungarn brauche keine Flüchtlinge und schon gar keine Muslime, heißt es in Budapest, um die Nation zu retten.

Zwar läuft die gut ausgebildete Jugend davon, und die Geburtenrate befindet sich im Sturzflug.

Retten sollen das Land aber im Zweifel “Auslandsungarn”, also Bürger Serbiens, Rumäniens, der Ukraine und der Slowakei, die ungarisches Blut haben und sich als Magyaren fühlen.

Migrationsträume auf ungarisch, samt Pässen und Wahlrecht.

Illusionen. Die Auslandsungarn werden in dieses verkommene, verkommende Land gehen wollen?

Diese syrischen Flüchtlinge sind überwiegend gut ausgebildete, ziemlich leistungsfähige Leute. Für Deutschland ein Schnäppchen.

Auch Ungarn bräuchte solche Leute. Kriegt sie aber nicht. Im Gegenteil.

Wer in Ungarn was taugt, der verlässt dieses deprimierende Land.

Sollen die Völkischen doch im eigenen Saft schmoren!

DAZU KOMMT, DASS ES EINE SCHANDE FÜR UNGARN IST:

Das Bild, das Ungarn in der internationalen Öffentlichkeit abgibt, ist katastrophal.

Natürlich nicht bei denen, die zum Beispiel auch in Deutschland rein völkisch verengt denken und nicht merken, wie angesichts der syrischen Flüchtlingskrise unsere deutsche Bereitschaft, viele, sehr viele aufzunehmen, zu beiderseitigem Gewinn ist.

Ja, auch wir suchen unseren Nutzen, wenn wir großzügig sind.

Es ist gut für unsere Reputation (und damit auch wirtschaftlich gut für die Exportnation),

es ist gut, wenn man in den Spiegel schaut (wer Gutes tut, fühlt sich besser),

es ist demographisch geboten (also gut für unsere Zukunft als Nation).

Die unter uns mit dem völkisch oder nationalistisch verengten Hirn werden das nicht kapieren.

Aber offensichtlich gibt es genug Deutsche, die weder so blöd noch so unmenschlich sind, um sich jetzt “ungarisch” zu verhalten.

Kommentare

  1. elCIVARO meint:

    Europa flüchtet vor sich selbst und vor seiner Verantwortung !

  2. Korbinian meint:

    @ElCIVARO Na vielleicht kommt dann in 500 Jahren ein Erlöser der Europa von seiner Kolonialschuld freispricht. @Leo Welches Land ist mittlerweile verkommener? Ungarn oder die Türkei?

  3. Gerald Karlsen meint:

    Friedrich (CSU) hat inzwischen auch erkannt, dass hier etwas schief läuft:

    Die Entscheidung, Flüchtlinge aus Ungarn unkontrolliert und unregistriert ins Land zu lassen, sei „eine beispiellose politische Fehlleistung“ der Bundesregierung und werde „verheerende Spätfolgen“ haben, sagte Unionsfraktionsvize Hans-Peter Friedrich (CSU) der „Passauer Neuen Presse“ (PNP).

    Dann kommt er auf die konkreten Gefahren zu sprechen:

    Es sei „völlig unverantwortlich, dass jetzt Zigtausende unkontrolliert und unregistriert ins Land strömen und man nur unzuverlässig genau abschätzen kann, wie viele davon ISIS-Kämpfer oder islamistische Schläfer“ seien.

    Weiter:

    Außerdem habe die Bundesregierung mit dieser Missachtung von EU-Regeln „nach Gutsherrenart“ den „Sog nach Europa erhöht“ und „nicht nur ihre Glaubwürdigkeit, sondern auch ihre Führungsfähigkeit in Europa geschwächt“.

    Genau so sieht es aus. Ich halte nicht viel von Friedrich, doch hier hat der Mann (leider) recht. Merkel hat einen Riesenfehler gemacht.

  4. Gerald Karlsen meint:
  5. Karlsen,
    du meinst also (mit Friedrich), Deutschland hätte die Grenzen einfach dicht machen sollen.
    Hätte die syrischen Flüchtlinge zu tausenden einfach krepieren lassen sollen.
    DAS wäre natürlich wirkungsvolle Abschreckung gewesen.

    Es war schlicht nicht möglich, zugleich einigermaßen human zu bleiben UND die Grenzen dicht zu halten.
    Darüber herrscht in Deutschland zwar kein Konsens, aber die meisten scheinen es doch so zu sehen.

    Es sei „völlig unverantwortlich, dass jetzt Zigtausende unkontrolliert und unregistriert ins Land strömen und man nur unzuverlässig genau abschätzen kann, wie viele davon ISIS-Kämpfer oder islamistische Schläfer“ seien.

    Da merkt man den Hetzer.

    Nicht, dass nicht unter den Flüchtlingen auch der eine oder andere Dschihadist sein könnte. Obwohl das eher unwahrscheinlich ist. Eher möglich, dass die Leiden auf dem Weg den einen oder anderen jungen Mann so traumatisiert haben, dass er religiös durchdreht. Auch das wird wohl selten vorkommen, aber ausschließen möchte ich es nicht.

    WENN die Dschihadisten einen Dschihadisten in Deutschland brauchen, um hier zum Beispiel beim demnächst startenden Oktoberfest zuzuschlagen, dann HABEN sie hierzulande genug manpower, genug potenzielle Selbstmordattentäter. Da brauchen sie keinen erst via Flüchtlingsroute einzuschleusen. WENN sie dennoch einen einschleusen wollen, dann geht das auch ganz ohne die Flüchtlingsverkleidung.

    Das sollte der Friedrich als ehemaliger Innenminister eigentlich wissen.

    Sind wir uns eigentlich nicht einig, dass die syrischen Flüchtlinge Kriegsflüchtlinge sind und darum einen Anspruch auf Asyl bei uns haben?

  6. Gerald Karlsen meint:

    Friedrich ist ein Hetzer, weil er auf eine durchaus realistische Gefahr hinweist? Sehr interessante Sichtweise. Erinnert mich etwas an die Sache mit dem Überbringer der schlechten Nachricht, der leider den Krokodilen zum Fraße vorgewurfen wurde.

    Zu Ihrer Frage: Wenn plötzlich Millionen Menschen potentiell Anspruch auf Asyl bei uns haben, sollte man sich fragen, ob man die gesetzliche Grundlage nicht dringend anpassen sollte, um Deutschland vor einer unkontrollierbaren Asylflut zu schützen.

  7. Korbinian meint:

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