Flüchtlingskrise 2015 (36): Transitzonen?

asylIm Flughafen gibt es sie – eine Art Zwischenwelt, man ist “da”, aber noch nicht über der Grenze … Es ist eine Art Grauzone.

Für ein paar wenige Stunden oder Tage.

Solche Transitzonen für zigtausende und für viele Tage, viele Wochen  an den Grenzen: das ist dann ein Lager, und da man nicht raus kann, ein Gefängnis.

Außerdem rechtlich problematisch.

Heiko Maas, Justizminister, SPD:

“Zehntausende Flüchtlinge an der Grenze in Haft zu nehmen, schafft mehr Probleme, als es löst”.

Eine entsprechende Forderung der Union sei daher “praktisch undurchführbar”.

Maas sagte, eine Landesgrenze sei “schlichtweg kein Flughafen”.

Wer Transitverfahren einfach von Flughäfen auf Landesgrenzen übertragen wolle, der schaffe “Massenlager im Niemandsland”.

Es handele sich dann nicht um Transitzonen, “sondern um Haftzonen”.

SZ

CSU und CDU wollen sie, fordern sie – der Koalitionspartner SPD lehnt sie ab.

Noch?

“Ich kann heute mitteilen, dass wir uns verständigt haben zwischen CDU und CSU, jetzt für Transitzonen einzutreten”, sagte Seehofer vor einer CSU-Vorstandssitzung in München.

Im Laufe dieser Woche werde man die Konzepte im Einzelnen ausarbeiten. Insofern sei dies ein weiterer Schritt bei der Umsetzung von Beschlüssen der bayerischen Staatsregierung. Auf die Frage, wie er die SPD-Zustimmung dafür gewinnen wolle, sagte Seehofer: “Das werden wir sehen. Wichtig ist, dass jetzt in einem wichtigen Punkt CDU und CSU übereinstimmen.”

SZ

Der Plan

Er würde für ca. 100.000 Flüchtlinge pro Monat gelten. Angenommen, die Durchschnittsdauer eines Aufenthalts dort betrüge nur 2 Wochen, so wären das Lager für permanent 50.000 Menschen. Nehmen wir an, es wären fünf Lager, so hätte jedes 10.000 Insassen.

Die müssen nicht nur versorgt, sondern auch bewacht werden. Am Ausbruch gehindert werden.

Und wie und wohin will man sie ausweisen, wenn man meinen sollte, man könne sie zu tausenden ablehnen? Nach Österreich wäre es logistisch kein Problem. Aber müsste man sie nicht allesamt nach Griechenland transportieren und dort abgeben? Per Bus oder Bahn oder Flugzeug? Und was passiert mit ihnen dann in Griechenland?

Transitzonen sollen es ermöglichen, Flüchtlinge mit geringer Bleibe-Perspektive an der Einreise zu hindern und zunächst für einige Tage an der Grenze festzuhalten, bis über ihren Antrag auf Asyl entschieden worden ist. Zu diesen Flüchtlingen gehören unter anderem Menschen aus sogenannten sicheren Herkunftsstaaten.

SZ

Kann man die syrischen Kriegsflüchtlinge einfach an der Grenze zurückweisen? Erst nach Österreich, von dort dann weiter über diverse Grenzen bis nach Griechenland?

Ist DAS der Plan? – Dass sich am Ende alle in Griechenland stauen, dort dahinvegetieren (da sie dort eher mit Prügeln als mit Lebensmitteln versorgt werden würden)? Dass den syrischen Kriegsflüchtlingen die Idee, nach Europa zu kommen, dadurch ausgetrieben werden soll, dass wir ihnen hier die Hölle bereiten? Eine Hölle, die heißer ist als die Hölle, die sie als Flüchtlinge in der Türkei oder im Libanon erleben?

Und das alles nur, weil hierzulande ein paar logistische Probleme entstehen und es vorerst ein paar Millarden Euro kostet, wenn wir sie aufnehmen und auf die Integration vorbereiten?

(Natürlich nicht deswegen. Die Flüchtlinge sind Muslime, und so viel Rassismus haben wir schon noch in unseren europäischen Gesellschaften, dass DIES der wahre Grund für die Empathieverweigerung und die Schadenskalkulation ist.)

Die syrischen Kriegsflüchtlinge stehen unter dem Schutz der Genfer Flüchtlingskonvention. Sie müssen in der EU aufgenommen und anständig behandelt werden.

Dass man die Verfahren beschleunigt, ist in Ordnung. Nur – man wird die syrischen Kriegsflüchtlinge eben dann doch nach Deutschland einreisen lassen müssen.

Also, inwiefern wäre das dann eine Lösung? Die Lösung, die uns diejenigen versprechen, die sagen: Wir müssen die Grenzen dicht machen?

Gab es denn überhaupt Abschiebungen aus dem Transitraum der Flughäfen heraus?

Ein weiterer Punkt: Wenn an den offiziellen Grenzübertrittspunkten ein langwieriges und vielleicht abweisendes Lager auf die Flüchtlinge warten – warum sollten sie dann nicht versuchen, über die grüne Grenze zu kommen?

Also wird man in Ergänzung zum Transitlager voraussichtlich auch eine Stacheldrahtgrenze oder eine “Mauer” bauen müssen. Die Transitzone ist also, wenn sie nicht nur zur Registrierung, sondern auch zur Zurückweisung der syrischen Kriegsflüchtlinge gebraucht wird, nur eine Vorstufe zur Grenzabriegelung.

Und das wäre dann wieder eine Erweiterung des Arbeitsfeldes für Schleuser.

Resümee: Es handelt sich bei dem Vorhaben der Union um Aktionismus. Um eine Scheinlösung, mit der man diejenigen, zu deren Aufhetzung man selber beiträgt, beschwichtigen möchte.

“Menschen, die um ihr Leben laufen, lassen sich durch Transitzonen, durch Zäune und Grenzen schlichtweg nicht aufhalten.” (Ralf Jäger, SPD)

Das ist das eine.

Menschen, die aus Ressentiment gegen die Flüchtlinge sind, lassen sich durch das Transitzonenverfahren nicht beschwichtigen. Sie wollen, dass ihre Menschenfeindlichkeit radikal umgesetzt wird.

Anmerkung:

Jan Bielicki hat in der SZ einen guten Kommentar dazu.

Kommentare

  1. Korbinian meint:

    Keine Lösung. Nirgends.
    Alles Rassisten. Der Winkler, der Stürmer, der Wehler.
    Hören Sie auf Jakob Augstein und Jürgen Todenhöfer. Die haben die Lösung. Allerdings nur zwischen den Zeilen.

  2. Schon der Name dieser Zonen ist mE reichlich anstössig.

    Ausserdem habe ich noch nicht kapiert, nach welchen Kriterien nun an der Lagerrampe selektiert werden soll. Steht auch nirgendwo!

    Lässt man sie nun rein, die armen Transen oder bleiben sie aussen vor?

  3. Dass jemand, der rassistisch denkt und argumentiert, das selber nicht merkt, verstehe ich.

    Aber es ist doch Rassismus (natürlich nicht in seiner biologischen Variante), oder? Deutsche würdest du jederzeit aufnehmen, Korbinian. Weil es Deutsche sind. Weil sie die richtige Kultur und Religion und Sprache haben. Für die bist du empathisch empfänglich. Für die anderen, die völkisch Fremden, eher weniger. Und du findest das auch normal. Siehst du – so geht das heute nicht mehr. Manche haben das noch nicht gemerkt. Können es nicht merken.

    Die Syrer sind meine Nachbarn ebenso wie die Kölner oder Dresdner. Da sind wir beide uns nicht einig, Korbinian. Für dich hört die Menschlichkeit an der nationalen, an der völkischen Grenze auf.

    Ich hab dich was gefragt!

    Mal ehrlich, Korbinian, findest du Hilfsbereitschaft romantisch, irrational?

    Wie wär’s mit einer Antwort?

    Irgendwie unangenehm, auf so eine Frage antworten zu müssen, wenn man der Hilfsbereitschaft eine rassistisch gedachte Grenze setzen möchte.

  4. Korbinian meint:

    Hmm, Leo mal ne Gegenfrage: Sind texanische Religionsfundis auch Deine Nachbarn? Oder die Wutbürger aus Heidenau? Denen müsstest Du ja mit der Herangehensweise auch helfen.

    Das Problem ist: Kannst Du Dich mit den Syrern und Afghanen und Sahelzonenbewohnern überhaupt unterhalten? Gibt es irgendwelche kulturellen Berührungspunkte. Wahrscheinlich würdest Du Dich im Durchschnitt mit den Kölnern und Dresdenern besser verstehen, weil es da einfach größere Schnittmengen gibt.

  5. Jakobiner meint:

    Irgendwas müssen sie ja tun, um die Grenzen vor ungegordnetem Zuwanderung zu schützen. Wenn ein Staat nicht mehr seine Grenzen schützen kann, liegt Staatsversagen vor, wird die Souveränität aufgehoben.
    Wenn man keinen Zaun will, keine Mauer, keine Bilder ala Ungarn sind Transitzonen eben kein Aktionismus, sondern ein gangbarer Ziwschenweg zwischen den Extremen Offene Grenzen für alle und Grenzen dicht. Ich würde doch erst einmal abwarten, wie sich das entwickelt. Wahrscheinlich werden SPD und Grüne auch noch zustimmen.Bisher hat sich jede der CSU-Ideen durchgesetzt, da sie eben scheinbar alternativlos sind.

  6. Korbinian,
    natürlich sind sie meine Nachbarn. Ich unterscheide da nicht zwischen sympathischen und nicht-sympathischen, wenn ich den Begriff Nachbarn verwende.
    Allerdings würde ich bezüglich der syrischen Flüchtlinge sagen, dass sie einigermaßen unschuldig in große Not geraten sind; was ich jetzt bei den Wutbürgern und Religionsfundis und noch einer ganzen Reihe weiterer Nachbarn so nicht sagen würde.

    Was die Berührungspunkte anlangt, Korbinian: Ich unterrichte seit 1982 Migranten aus aller Herren Länder in Deutsch. Die kommen OHNE Deutsch, und wenn sie meinen Kurs beendet haben, sprechen sie – die einen mehr, die anderen weniger – Deutsch.

    Ich verstehe mich mit einem syrischen Muslim alles in allem besser als mit dir; obwohl mich sicherlich nicht nur von dir, sondern auch vom syrischen Muslim eine tiefe Kluft trennt. Aber mir scheint, dass ich mit den meisten meiner Schüler ein näheres Verhältnis und größere Übereinstimmung habe als etwa mit Karlsen. Der ist mir fremder als so mancher Flüchtling aus Syrien.

    Bei dir könnte ich mir eher vorstellen, dass wir uns auf dem Oktoberfest im Augustinerzelt an einem Tisch gegenübersitzen und uns trotz der fundamentalen Unterschiede ganz gut verstehen. Karlsen hat so eine Festlichkeit ja schon kategorisch ausgeschlossen. Grad als ob er ein gläubiger Muslim wäre …

    Also zurück zu meiner Frage:

    Mal ehrlich, Korbinian, findest du Hilfsbereitschaft romantisch, irrational?

  7. Gerald Karlsen meint:

    Laut “Bild” kommen derzeit täglichbis zu 10.000 Flüchtlinge über die Grenze. Dann sind in einer Woche bereits 70.000 Personen und in einem Monat rund 280.000 Personen.

    Selbst wenn es durch Schönrechnerei “nur” 200.000 pro Monat sind – wie lange soll dieser Wahnsinn noch gut gehen? Wo sollen die alle wohnen? Wovon leben? Wer bezahlt das alles? (Okay, die letzte Antwort kennen wir schon – der deutsche Steuermichel natürlich).

    Und mal ganz ehrlich: 200.000 bis 300.000 Personen pro Monat sind in einem Jahr rund 2,4 bzw. 3,6 Millionen Flüchtlinge! Aber das böse Wort ÜBERFREMDUNG darf man ja nicht in den Mund nehmen, denn dann ist man ein gaaanz böser Nationalist oder gar Nazi…

  8. Gerald Karlsen meint:

    Ich als gesetzestreuer, steuerzahlender deutscher Bürger fordere die Politik auf, diesen Wahnsinn endlich zu stoppen! Diese “Transitzonen” wären immerhin ein Anfang. Noch besser wäre es natürlich, die Grenzen endlich komplett dicht zu machen. Genug ist genug!

  9. Gerald Karlsen, da haben Sie aber “bis zu” gekonnt überlesen

  10. Gerald Karlsen meint:

    KM, Sie haben “bis zu” wohl überlesen. Das steht in meinem Kommentar drin. Nette Ablenkung mal wieder… auf Sie ist Verlass! :D :D

    Selbst unter der Annahme, dass es “nur” 8000 Personen pro Tag sind: 8000 Personen * 30 Tage = 240.000 Flüchtlinge im Monat bzw. 2,8 Millionen im Jahr! Aber nein, es findet absolut keine Überfremdung statt…

  11. Gerald Karlsen, die Zahlen bis zu 10000 pro Tag sind erst seit Anfang September eingetreten. Deswegen ist die Hochrechnung auf das Jahre schon einmal kompletter Unsinn. Auf die letzten sechs, sieben Wochen können Sie hochrechnen, zusammen mit den Zahlen bis Anfang September steht man dann bei etwa 700000-800000.

  12. Und über ein Drittel aller Asylbewerber können Sie abziehen, weil das Europäer sind. Vor denen brauchen Sie keine Angst bezüglich Überfremdung haben.

  13. Gerald Karlsen meint:

    KM, ich gehe natürlich von der aktuellen Situation aus und rechne ab diesem Monat hoch. Bei etwa gleichbleibenden Zahlen kommen wir dann sehr wohl auf bis zu 2,8 Millionen oder mehr Flüchtlinge innerhalb der nächsten 12 Monate. Außer unsere Regierung ist so schlau, endlich die Notbremse zu ziehen.

  14. Karlsen,
    wieviele werden es in diesem Jahr werden?
    Insgesamt wird die Zahl der Flüchtlinge 2015 in Deutschland wohl unter einer Million liegen.

    Im Moment kommen noch ca. 10.000 pro Tag über die Grenze. (Was mich freut.)

    Jetzt, da es kalt wird, wird die Zahl allmählich sinken. Wieviele sind jetzt noch von Griechenland bis Österreich unterwegs? 100.000? Oder 200.000? Man müsste sie mal zählen und uns dann sagen, was quantitativ dieses Jahr vor dem vollen Wintereinbruch noch zu erwarten ist. Im März oder April 2016 wird die Zahl dann wieder steigen. Bis es alle syrischen Kriegsflüchtlinge, die die Ressourcen und die Motivation dazu haben, zu uns geschafft haben.

    Ich hoffe, dass möglichst alle syrischen Kriegsflüchtlinge, die das wollen, den Weg nach Europa und zur Not dann auch alle zu uns nach Deutschland finden werden. Das sind dann wohl insgesamt 2 Millionen. Eine überschaubare Zahl. Durchaus zu verkraften. Wir schaffen das.

    Es kommen natürlich auch andere. Dieses Jahr waren es wohl auch einige hunderttausend Flüchtlinge vom Balkan. Die mischen sich unter die syrischen Kriegsflüchtlinge. Das ist dann ein eigenes Problem.

    Ich spreche also zunächst einmal von den syrischen Kriegsflüchtlingen. Würde man sie regulär von den Nachbarn Syriens abholen und zu uns bringen, hätten wir das Problem der offenen Grenze, der Registrierungsprobleme, der etwas chaotischen Grenzverhältnisse nicht.

    Und wir könnten uns bei der Zurückweisung etwa der Balkanflüchtlinge (Roma, Kosovaren, Albaner) erst einmal darauf berufen, dass wir die Aufnahme der syrischen Kriegsflüchtlinge regeln müssen.

  15. Gerald Karlsen meint:

    Brux,

    die Zahlen liegt doch bereits JETZT schon über der 1 Million-Marke und wir haben noch Oktober!

    Abgesehen von den reinen Zahlen: Da Sie diesen Wahnsinn befürworten und wie Merkel nur einen nichtsagenden Spruch auf den Lippen haben (“Wir schaffen das”), brauchen wir über dieses Thema wohl nicht weiter diskutieren. Es lohnt nicht.

  16. Gerald Karlsen, bis Ende September haben etwa 300000 Personen Asyl beantragt. Nicht alle die kommen, bleiben auch in Deutschland sondern reisen weiter.

  17. Karlsen,
    sind das Zahlen für Einwanderer oder nur für Flüchtlinge?
    Die Zahl der Flüchtlinge (ohne die sonstigen Einwanderer) liegt noch unter einer Million, soweit ich sehe.

    Wie hoch liegt die Zahl der Asylanträge bisher für das Jahr 2015? – Ich hab es gelesen und die Zahl schon wieder vergessen – aber sie lag irgendwo um die halbe Million oder darunter.

    Für ganz Europa lag die Zahl der registrierten Flüchtlinge (die also Asyl beantragt haben) letzte Woche bei noch weit unter einer Million.

    Was soll “nichtssagend” sein an dem Spruch, dass wir es schaffen? Er sagt sehr viel. Ist das nichtssagend, wenn ich vor einer Herausforderung stehe, sie einschätze und dann zu dem Urteil kommen: Das schaffe ich?

    OB wir es schaffen, ist natürlich eine zu diskutierende Frage. Du sagst, nein, Angela Merkel und die andere Hälfte der Deutschen sagt ja. Wieso soll es sich nicht lohnen, darüber weiter zu diskutieren?
    Liegt es daran, dass es dir an Argumenten gegen diejenigen mangelt, die meinen, dass wir das schaffen?

  18. Herr Brux, für Deutschland lag die Zahl der Asylanträge bis September bei etwa 300000.

    https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Statistik/Asyl/statistik-anlage-teil-4-aktuelle-zahlen-zu-asyl.pdf

  19. Ich glaube dazu gelesen zu haben, dass noch ca. 100.000 nicht registiert werden konnten. Rechnet man sie dazu und die, die bis Mitte Oktober dazu gekommen sind, kommt man auf etwa eine halbe Million.

    Auf jeden Fall sind das nicht die Phantasiezahlen von Karlsen und anderen, die nicht unterscheiden möchten.
    Wie hoch lag im Jahr 2013 die Zahl der “Einwanderer” und “Auswanderer”?
    1,23 Millionen sind reingekommen, 0,8 Millionenn sind rausgegangen. Saldo: ca. 0,4 Millionen.
    2014 war der Saldo etwas höher:

    2014 sind nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamts (destatis) fast 1.465.000 Menschen nach Deutschland gezogen und etwa 914.000 von hier weggegangen. Das ergibt einen Wanderungsüberschuss von 551.000 Menschen und damit den höchsten Wert seit 1992.

    Mediendienst Integration

    Die knapp 1,5 Millionen Reinkommenden waren natürlich überwiegend keine Flüchtlinge. Mehr als die Hälfte kam aus den EU-Ländern. Etwa 65.000 kamen aus Syrien.

    Das wird dieses Jahr anders aussehen. Es werden dann wohl ca. 300.000 aus Syrien werden. (Bis Ende Juni, also im 1. Halbjahr, waren es erst knapp 33.000. Hoch gesprungen ist die Zahl erst ab Anfang September.) Dazu gibt es zwischen 100.000 und 200.000 vom Nicht-EU-Balkan. Dazu noch um die 200.000 sonstige (Afrika, Afghanistan, Irak vor allem). Was also Flüchtlinge anlangt, rechne ich mit deutlich weniger als einer Million am Jahresende. Sollten aber noch mehr als angenommen aus Syrien kommen, statt 300.000 sogar 400.000, sehe ich kein größeres Problem dabei. Die Zahl wird nächstes Jahr noch steigen.

    Kann gut sein, dass wir 2015 2 Millionen haben, die reinkommen, und 1 Million, die rausgehen. Saldo: plus 1 Million. Die meisten davon werden keine Flüchtlinge sein, der Anteil der Flüchtlinge an den Reinkommenden wird aber viel größer sein als in den vorhergehenden Jahren.

    Ich empfehle: Holen wir die Syrer doch gleich vor Ort ab! Dann lässt sich der Wanderungsprozess ganz ohne Grenzverletzung und ohne die Leiden der Flüchtlinge auf dem langen, mühevollen und gefährlichen Weg bis zu unserer Grenze gestalten. Und ohne Zugeständnisse an den türkischen Möchtegernsultan Tayyip I. Die anderen Flüchtlinge, die an unsere Tür klopfen, kann man dann gesondert betrachten und eventuell darauf hinweisen, dass wir im Moment mit den syrischen Flüchtlingen genug zu tun haben und erst einmal schauen müssen, wie wir die gut unterbringen und integrieren.

    Nachtrag:
    Grade lese ich, dass im September 164.000 Flüchtlinge über die Grenze gekommen sind, davon 85.000 aus Syrien, 19.000 aus dem Irak, 18.000 aus Afghanistan. – 6.000 aus Albanien.
    Meine Vermutung, dass es bis Jahresende 300.000 aus Syrien werden könnten, möchte ich darum eher nach unten korrigieren.

    Noch ein Nachtrag:
    Zwischen 5. September und 15. Oktober wurden 409.000 Flüchtlinge registriert. (Davor waren es vergleichsweise wenige.)

  20. Gerald Karlsen meint:

    Ich empfehle: Holen wir die Syrer doch gleich vor Ort ab! Dann lässt sich der Wanderungsprozess ganz ohne Grenzverletzung und ohne die Leiden der Flüchtlinge auf dem langen, mühevollen und gefährlichen Weg bis zu unserer Grenze gestalten.

    Realpolitik ist nicht so Ihr Ding, oder?

    Die Signalwirkung weltweit wäre FATAL. Dann könnten wir unser Land auch gleich offiziell abschaffen und Sarrazin behielte recht.

  21. Realpolitik:
    Ich sage, dass wir alle syrischen Kriegsflüchtlinge, die wollen, zu uns nach Europa holen. Nach und nach. Das macht dann ca. 2 Millionen.
    Es würde uns erlauben, den anderen zu sagen: Sorry, im Moment kümmern wir uns um die syrischen Kriegsflüchtlinge. Auch noch um die irakischen und die afghanischen. Die andern werden wir überwiegend abweisen müssen. Das wäre dann aber auch verständlich. Natürlich muss Deutschland der Einwanderung von Flüchtlingen gewisse Grenzen setzen.

    Realpolitik:
    Meine Argumente für die Abholung sollten doch grade diejenigen berücksichtigen, die meinen, das Problem liege in der Chaotik und in der mangelnden Grenzsicherung.

  22. Gerald Karlsen meint:

    Das Problem liegt in den Kosten UND vor allem in der Signalwirkung! Dann würden andere Flüchtlinge auch fordern, “abgeholt” zu werden. Hinzu kommt, dass man bei einer so bequemen und sicheren “Fluchtoption” viele erst dazu animieren würde, überhaupt nach Deutschland zu wollen.

  23. Jakobiner meint:

    “Ich sage, dass wir alle syrischen Kriegsflüchtlinge, die wollen, zu uns nach Europa holen. Nach und nach. Das macht dann ca. 2 Millionen.”

    2 Millionen wären allerdings kein Problem. Aber es ist ja von 1-1,5 Millionen Kriegsflüchtlingen (also nicht EU-Migranten) jährlich die Rede, samt Familiennachzug dann bis zu 8 Millionen. Schon jetzt hat man Probleme bei der Unterbringung–vor allem im Winter. Also, ob das alles so relaxed und easy ist, wage ich mal zu bezweifeln. Umgekehrt: In der Türkei sind etwa 2 Millionen Kriegsflüchtlinge, im Libanon 1 Million, in Jordanien 600 000, im Nordirak 260 000. Wären also ca. 4 Millionen. Ich hatte ja schon einmal gesagt, wenn Europa nur 2% seiner EU-Bevölkerung von 505 Millionen als Flüchtlinge aufnehmen würde, wären das 10 Millionen–da wäre also eine Obergrenze und noch viel Platz darin.Nun will Europa aber nicht , der EU-Gipfel blieb wieder ohne Verteilungsschlüssel und Deutschland kann ja auch nicht alle aufnehmen und sollte schon seine Grenzen kontrollieren können. Und da ist der Hinweis auf die Signalwirkung eben auch nicht so abwegig.Also ob kritische Positionen alles nur Charaktermängel, fehlende Empathie und Geiz sind? Ich könnte umgekehrt auch von Verantwortungslosigkeit,mangelnden Konsequenzdenken, unverantwortlicher Schönrederei sprechen und auch iregndwelche Charaktermängel spekulativ anführen.

  24. Jakobiner meint:

    Also: Im nahen Osten sitzen etwa noch 4 Millionen Kriegsflüchtlinge, mit Griechenland und Italien vielleicht nochmals 1,5 Millionen. Also sind deine 2 Millionen viel zu tief angesetzt. Die prognostizierten 8 Millionen mit Familiennachzug wohl zu hoch, denn soviele Kriegsflüchtlinge gibt es ja auch wieder nicht, es sei denn Assad fällt und die 7 Millionen syrischen Binnenflüchtlinge mnachen sich auf den Weg nach ERuropa und respektive Deutschland.

  25. Jakobiner,
    ich denke vorerst und bis auf weiteres, dass meine Zahlen ungefähr der Realität entsprechen. Es sind nicht 1 – 1,5 Millionen Kriegsflüchtlinge dieses Jahr (Oktober bis Dezember 2015 eingeschlossen) nach Europa gekommen. Und das mit dem Familiennachzug ist ja wohl auch schräg. Aus den vier Millionen Kriegsflüchtlingen bei den Anrainern Syriens sind inzwischen vermutlich ca. 3,5 Millionen geworden – durch Abwanderung zu uns; und es werden wohl kaum 8 Millionen Menschen werden. So viele Kinder zeugen sie dann in der kurzen Zeit auch wieder nicht, dass sie sich in einem halben oder ganzen Jahr verdoppeln.

    Es könnten natürlich sehr viel mehr Flüchtlinge werden, wenn das Assadregime zusammenbricht, die Rachwelle rollt, der Bürgerkrieg der siegreichen Rebellengruppen tobt und am Ende der IS auch noch zuschlägt. Dann käme man wohl in die Region der 8 Millionen. Und die würde uns tatsächlich überfordern – politisch vor allem. (Wirtschaftlich könnten wir es schon stemmen, aber politisch nicht mehr.)

    Für dieses Jahr bleibt die Zahl der syrischen Kriegsflüchtlinge in Europa wohl noch deutlich unter einer Million.

  26. Gerald Karlsen meint:

    Ich könnte umgekehrt auch von Verantwortungslosigkeit,mangelnden Konsequenzdenken, unverantwortlicher Schönrederei sprechen und auch iregndwelche Charaktermängel spekulativ anführen.

    Bruxs Problem ist, dass ihn die Interessen seiner deutschen Mitbürger nicht oder allenfalls sekundär kümmern. So lange er sich als Über-Gutmensch präsentieren kann, ist alles in Butter. Entweder ist das eine Ego-Sache oder er leider unter einen Helfersyndrom.

  27. Karlsen,
    du willst nicht merken, dass die Differenz in einer unterschiedlichen Einschätzung dessen besteht, was das deutsche Interesse ist. Du sagst von vorne herein und gegen alle Logik und allen Argumentationsanstand, dass es diese andere Einschätzung des deutschen Interesses überhaupt gibt. DEINE Einschätzung wird absolut gesetzt.

    Ich habe hier immer wieder begründet, warum es auch in unserem Interesse ist, die syrischen Flüchtlinge reinzulassen und zu integrieren.

  28. Gerald Karlsen meint:

    Brux,

    wenn Sie mir glaubhaft und plausibel erklären können, WELCHE Vorteile Deutschland KONKRET davon hat, Millionen Flüchtlinge ins Land zu lassen, dann bitte – ich bin gespannt!

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