Kambouris Notruf (1)

deutschland_im_blaulichtTania Kambouri hat einen Bestseller geschrieben, über den es sich zu reden und zu diskutieren lohnt.

Sie ist Polizistin in Bochum, schlägt sich dort beruflich mit der (überwiegend migrantischen) Unterschicht herum – und schildert ihre Erfahrungen besorgt, verärgert, warnend dem Leser – der, so hofft sie selbst, dies nicht xenophob oder hysterisch zur Hetze missbraucht. Sie ist selbst Migrantin, griechischer Herkunft.

Ich beginne dort, wo auch sie beginnt, und zitiere ihr erstes Fallbeispiel (S. 7-8). Wir sind in Bochum-Mitte, einem Problembezirk.

Ein Mann hatte den Notruf gewählt und um Hilfe gebeten. Er habe irgendwelche Personen auf einem Balkon wiedererkannt, es bleibt allerdings unklar, was genau sie gemacht haben sollten und was der Anrufer ihnen vorwarf. … Er erwartete uns bereits, als wir in die kleine Straße bogen und auf der gegenüberliegenden Straßenseite hielten. Als er uns sah, winkte er und wurde sofort laut: “Warum parkt ihr da drüben. Ich bin hier, kommt endlich her.”

Der Mann war zweifelsfrei sehr aufgebracht, und es dauerte nicht lange, bis meine Kollegin und ich feststellten, dass er nicht etwa wütend war, weil ihm Schlimmes widerfahren wäre, sondern weil die Polizei so unverschämt war, ihm zwei Frauen zu schicken. Er war, wie sich herausstellte, ein türkischer Mitbürger.

Ich sagte ihm, dass er etwas höflicher mit uns Polizisten sprechen solle, wenn er unsere Hilfe in Anspruch nehmen wolle. Seine Antwort: “Geht weg, ich brauche eure Hilfe nicht!” …

Der Mann wollte uns nicht sagen, warum er die Polizei gerufen hatte, er reagierte nicht auf unsere Fragen. … Kaum hatte ich der Leitstelle den Vorfall gemeldet, rief der Mann dort ein zweites Mal an und verlangte, dass männliche Polizisten zu ihm geschickt werden sollten. Die würden besser arbeiten.

Die Leitstelle entschied, die beiden Polizistinnen erneut hinzuschicken.

Wieder am Einsatzort fragte ich ihn also in ruhigem Ton, ob wir jetzt vernünftig miteinander reden könnten. Und was geschah? Er schrie uns an, was das jetzt schon wieder solle, er hätte Männer verlangt.

Wir zögerten keine Sekunde und fuhren davon. Einsatzende.

Kommentar Kambouri:

Ich setze voraus, dass der Fall sachlich hinreichend und korrekt dargestellt worden ist. (Er ist plausibel und ich sehe keinen Grund zum Zweifel.)

Hat Tania Kambouri recht? Hat sich die Polizei hier richtig verhalten?

Ja.

Und ich meine mit ihr, es ist wichtig, dies engagiert, mit Nachdruck festzustellen.

Der Mann hat ein “archaisches Weltbild“, so kommentiert sie im weiteren Verlauf ihrer Überlegungen. Er habe darum keinen Respekt vor der Polizei, wenn sie durch Frauen repräsentiert wird. Er hat insofern keinen Respekt vor dem Staat, in dem er lebt.

Der Fall, so schreibt Kambouri, sei natürlich nicht schlimm. Aber Alltag – und in seiner Häufung frustrierend für sie und die anderen Polizistinnen.

Sie stellt fest: Es sind überwiegend muslimische Bürger, Bürger türkischer, arabischer oder Roma-Herkunft, die offensichtlich auf Kriegsfuß mit der modernen deutschen Gesellschaft und ihrem Staat stehen. (Sie fügt auch ein Kapitel über kriminelle Spätaussiedler aus Osteuropa hinzu.)

Der Migrationshintergrund, so betont sie, sei hier von Bedeutung und müsse in die Analyse und Darstellung explizit einbezogen werden.

Sie dramatisiert die Sache dann:

Respektlosigkeit und Aggressivität nehmen nicht einfach nur zu, ich behaupte sogar, das archaische Recht des Stärkeren wird immer mehr zur Realität auf unseren Straßen. Es gibt Ecken in Bochum, in die fahren wir als Polizei bei manchen Einsätzen, insbesondere zu bestimmten Tageszeiten, nicht mehr mit einem einzelnen Wagen – vorausgesetzt, die Kapazitäten lassen es überhaupt zu. Oft begeben wir uns selbst in Gefahr, weil wir mit zu wenig Einsatzfahrzeugen eintreffen.

Kommentar des Bloggers:

1. Zunächst zur Dramatisierung.

Es gibt Ecken in Bochum … Es gibt, so schätze ich, solche Ecken inmehr als einem Dutzend Städten in Deutschland, die allesamt unter dem Anwachsen und der Verwahrlosung der Unterschicht leiden. Unter Budgetmangel, weil die Steuern zu niedrig sind. Unter neoliberaler Nachlässigkeit gegenüber den sozialen Folgen einer marktfundamentalistischen Politik.

Wie viele unserer muslimischen Bürger in Deutschland pflegen das geschilderte “archaischen Weltbild” in einer Weise, wie es in Kambouris erstem Fallbeispiel erzählt wird?

Es gibt derzeit ca. 5 Millionen Muslime in Deutschland, rechnet man mal alle ein, die ihrer Herkunft nach Muslime sind.

Wie viele davon würden die Reaktion des Mannes im Fallbeispiel für richtig oder verständlich finden? Und wie viele von denen, die es richtig oder verständlich finden, leben in “Ecken”, in denen sie es sich leisten können, auf ihrem “archaischen Weltbild” zu bestehen, wenn die Polizei mal feminin daherkommt?

Es sind, meiner Schätzung nach, vielleicht 200.000 oder 300.000. In ganz Deutschland.

Da sie sich in einigen “Ecken” konzentrieren, fallen sie sehr auf. Nicht zuletzt der Polizei. Aber es ist für Deutschland insgesamt eher ein Randproblem, für das man sich vor allem deshalb interessiert, weil es irgendwie “sexy” ist: weil es die xenophobe Hysterie im Lande anfacht.

2. Apropos “archaisches Weltbild“.

So archaisch ist es nicht. Ich bin Jahrgang 1950, aufgewachsen in einem durchaus patriarchalischen Deutschland. Vielleicht nicht so extrem patriarchalisch wie die Türkei oder Afghanistan, aber doch patriarchalisch genug, um mich als 10jährigen (also 1960) zu erleben, wie ich mich wundere, wenn Frauen am Steuer eines Autos sitzen. Ich erinnere mich, wie ich – wohl in naiv-kindlicher Übernahme des Vorurteils meines Vaters – das als irgendwie unpassend bewertet habe.

Als ich dann 14 war, hab ich mich über einen Lehrer am Gymnasium empört, der ungeniert vor der Klasse gefragt hat, wieso hier eigentlich Mädchen sitzen. Die gehörten nicht hierher. Lange Haare, kurzer Verstand … Das ging damals noch unbeanstandet durch, ich hatte das Gefühl, dass ich mit meinem (innerlichen, nicht geäußerten) Protest keine Chance bei den Erwachsenen hätte.

Also, so archaisch ist das Gefühl, dass Frauen sich gefälligst aus “Männerdomänen” herauszuhalten haben, nicht.

Die Zeiten haben sich allerdings geändert, und in dieser Hinsicht sehr zum besseren. Deutschland heute ist glücklicherweise nicht mehr das Deutschland der 50er und 60er Jahre.

Den Ausdruck “archaisches Weltbild” lasse ich durchgehen, auch wenn er historisch nicht passt. Die Moderne, die wir mit der Aufklärung (18. Jahrhundert) beginnen lassen können, war bis vor kurzem noch patriarchalisch. Es war kein Widerspruch. Man konnte modern und aufgeklärt sein – und zugleich ein Frauenverächter und Frauendiskriminierer.

3. Wie reagieren wir am besten auf “Ungleichzeitigkeit” von Kulturen?

Kambouri reagiert richtig darauf. Sie lässt sich das “archaische” Verhalten nicht gefallen. Sie stellt es an den Pranger.

Es ist auch ein Machtspiel. Kambouri zeigt das an einem anderen Beispiel sehr schön (Seite 33/34). Der Mann zeigt seine Macht, und er führt die Macht seiner Kultur vor und möchte sie gegen die herrschenden Regeln durchsetzen.

Haben wir ein Interesse daran, dass ihm das gelingt?

Einwanderer, die mit ihrem patriarchalischen Frauenverständnis nach Deutschland kommen, müssen wissen – und gegebenenfalls auch schmerzhaft darauf hingewiesen werden – dass wir hier Gleichberechtigung haben, und dass zum Beispiel Frauen denselben Respekt bei polizeilicher Amtsausübung genießen wie Männer.

Ich halte es für schädlich, wenn man in solchen Situation zu weich reagiert. Dem unsere Kultur missverstehenden Mann muss durch eine umissverständliche Reaktion klar gemacht werden, dass sein “archaisches” Verhalten hierzulande falsch ist.

Ob er es dann versteht? Vermutlich nicht. Ich komme darauf zurück.

Auf der anderen Seite verstehe ich das Problem auch aus der Perspektive des patriarchalisch geprägten Mannes. Er kommt mit seinem Weltbild nach Deutschland, ohne sich schon klar sein zu können, was der Gegensatz für ihn und für die Deutschen bedeutet.

Es ist jedermanns (und jederfrau) Recht, so zu sein, wie ihn (oder sie) die Kultur, in der man aufgewachsen ist, geprägt hat. Das verdient auch dann Respekt, wenn man von der einheimischen und anderen Kultur aus diese Prägungen für problematisch hält und das daraus folgende Verhalten für die eigene, einheimische Umwelt ablehnt.

Jetzt stoßen also in Bochum-Mitte zwei Kulturen zusammen, die sich beißen.

Wir bestehen selbstverständlich darauf, dass Bochum-Mitte nicht im Nahen Osten liegt, sondern in Deutschland. Dass also im Konfliktfall UNSERE Kultur überwiegt und den Verhaltensrahmen setzt.

Das heißt zum einen: Die Polizistinnen sind im Recht und müssen vom Einwanderer respektiert werden.

Das heißt zum anderen: Wir bestrafen mittels staatlicher Sanktion nur kriminelle Akte, nicht ein Fehlverhalten unterhalb der kriminellen Schwelle; wir üben keine Gesinnungsjustiz. Der Mann kann ungeahndet seinem frauenfeindlichen Weltbild gemäß leben. Auch das gehört zu UNSERER Kultur (auch wenn es die Xenophoben und Hysteriker unter uns nicht wahrhaben wollen.)

Er wird aber hoffentlich immer wieder zu spüren bekommen, dass er in Deutschland am falschen Ort ist, wenn er meint, sein Verhalten parallelgesellschaftlich aufrecht zu erhalten versucht. Die Gesellschaft muss und wird es ihn spüren lassen.

4. Eine muslimische Reaktion auf das Verhalten des Mannes

So, wie ich Muslime kennengelernt habe, würden sie fast alle das Verhalten des Mannes, also seine Reaktion auf das Erscheinen der Polizistinnen, strikt ablehnen und scharf kritisieren.

Auch ein gläubiger Muslim, auch ein patriarchalisch geprägter Einwanderer aus der Türkei oder dem Nahen Osten, besteht auf diesen zwei Grundsätzen:

- Wir haben uns hier den Verhältnissen anzupassen. Wenn die Polizei ein Frauenteam schickt, mag das für uns ungewöhnlich sein, es ist aber nun mal normal in Deutschland, also haben wir es zu akzeptieren und zu respektieren.

- So unfreundlich wie dieser Mann benimmt man sich nicht, und schon gar nicht gegenüber der Staatsgewalt.

5. Warum kann das frauenfeindliche Verhalten trotzdem so penetrant werden?

Es ist die Kombination aus sozialer und kultureller Ghetto-Situation.

Dazu mehr in einem weiteren Artikel.

Kommentare

  1. Es gibt, so schätze ich, solche Ecken inmehr als einem Dutzend Städten in Deutschland, die allesamt unter dem Anwachsen und der Verwahrlosung der Unterschicht leiden. Unter Budgetmangel, weil die Steuern zu niedrig sind. Unter neoliberaler Nachlässigkeit gegenüber den sozialen Folgen einer marktfundamentalistischen Politik.

    Schade, dass du trotz vieler Hinweise immer wieder in dein altes, längst widerlegtes “Argumentationsschema” zurückfällst. Noch schlimmer: Du bist noch nie auf die Argumente eingegangen, die deine Obsession als unwahr erweisen.

    Zum Sachverhalt des Artikels: Ankommende sollten vom ersten Tag an lernen, dass Frauen in unserer Gesellschaft einen anderen Stellenwert haben als in den Gesellschaften, aus denen sie kommen. Wer die Hilfe einer Polizistin ablehnt, oder die Hilfe einer Ärztin (wie mehrfach geschehen), der sollte eben ohen Hilfe bleiben, bis er es gelernt hat, dass man mit Menschen nicht so umspringen darf.

    Gibt man an dieser Stelle auch nur ein einziges Mal nach, so verfestigt sich doch sofort die Meinung, dass man sich hier alles erlauben dürfe. Das kann und darf nicht Sinn und Zweck von “Integration” sein.

    Ein solches “kultursensibles” Vorgehen ist mE völlig unangebracht.

  2. Korbinian meint:

    Neben Belgien hat Deutschland die höchsten Steuersätze in Europa. Allerdings gibt es für Großkopferten immer noch zu viele Schlupflöcher.

  3. @Korbinian:

    Was soll denn das heissen “für die Grosskopferten” ? Das ist doch Schwachsinn!

    Ich bin nun wirklich kein “Grosskopferter” (wo beginnt das denn überhaupt? Eine Millionen ist doch bereits bei ziemlich geringem Immobilienbesitz erreicht), sondern ein ganz normaler Bürger, der jahrzehntelang die “Unterschicht” durchgefüttert hat. Aber wenn Besteuerung in Raub ausartet, muss man eben von den gegebenen Möglichkeiten Gebrauch machen. Ich helfe da lieber meinem kleinen Gastland – das hat es nötiger als die satten Deutschen.

  4. Korbinian meint:

    @ ne Million? Nee, ich rede schon von sehr viel höheren Kategorien. Aber der Hund liegt natürlich auch woanders begraben: Politiker und Behörden die Steuergelder versenken, völlig falsche Anreize des Sozialstaates die den Unterschichten und Zugewanderten das Kinderkriegen alimentieren und das Mantra der Linken dass man über die Probleme nicht sprechen darf weil man sonst rechten Hetzern in die Hände spielt. (Simone Peter dixit)

  5. Korbinian meint:
  6. @Korbinian:

    Ja natürlich kenne ich ihn (nicht persönlich natürlich). Ein interessanter und mutiger Mann, der seine Wut offen ausspricht und dabei um Längen besser ist als sein eitlen Kritiker – allen voran dieser unsägliche Kermani.

    Und – er hat in sehr vielem absolut Recht.

  7. Frank,
    ich weiß, dass du auf diesem Auge blind bist. Als einer, der sozial blind ist, kannst du natürlich deinen “Hinweis” tausend Mal wiederholen und dann darüber klagen, wie ich trotz dieser vielen Hinweise immer noch den sozialen Hintergrund des Verhaltens von Menschen der mehr oder weniger ausgegrenzten Unterschicht (seien sie Ethnodeutsche oder nicht) feststelle.

    Anders als du argumentiere ich differenziert. Ich sehe beide Komponenten, die soziale und die kulturelle. Beide wirken hier zusammen. Aber dort, wo die soziale Komponente günstig ausfällt, kommt es auch kaum zu kulturell bedingtem Fehlverhalten. Dort gelingt die Anpassung in der Regel (natürlich auch nicht immer) schneller, gründlicher. Wie gesagt, Ausnahmen bestätigen diese Regel.

    DASS bei uns Frauen einen anderen Stellenwert haben als in Marokko oder Afghanistan oder Syrien, dass kriegen die Flüchtlinge schon gesagt. Nur, ist es damit getan, dass man sowas gesagt bekommt? Durch Mitteilung verlernt man nicht so leicht das, was einen geprägt hat. Sanktionen helfen dazu durchaus, und die bekommen die Delinquenten durchaus zu spüren. Eine dieser Sanktionen besteht darin, dass die betreffenden Männer sich damit aus der Gesellschaft ausschließen. Es bleibt ihnen nur ihr Ghetto. Und das ist zumeist eher eine elende und perspektivlose Angelegenheit.

    Ginge es nach mir, würde man sehr viel mehr in den Empfang und das kulturelle und berufliche Training der Flüchtlinge investieren. SEHR VIEL MEHR. Ich würde dafür sorgen, dass keiner allein gelassen wird. Ich würde es nicht hinnehmen, dass Flüchtlinge monatelang in Lagern halb verrückt werden vor Untätigkeit. Ich würde dafür sorgen, dass 10.000 arabisch sprechende Männer und Frauen zu ihren Tutoren gemacht werden, und dies spätestens ab dem dritten Tag ihrer Einreise in Deutschland. Tausende von Flüchtlingen könnten nach zwei oder drei Jahren in Deutschland zu Tutoren für die Neuankommenden ausgebildet werden. Man könnte auch auf tausende von Personen arabischer Herkunft zurückgreifen, die schon länger hier leben. Man könnte dieses Programm auch ergänzen durch deutsche Paten. Jeder Flüchtling sollte mindestens einen Paten bekommen. Es gibt in Deutschland genug Leute, die das gerne übernehmen würden, wenn es vernünftig organisiert würde.

    Nur, so viel ist die Unterschicht dem Staat, der Gesellschaft, der Ober- und Mittelschicht nicht wert. So generieren die oberen Schichten der Gesellschaft die Probleme, die sie dann heftig beklagen.

    Zu deiner Antwort an Korbinian, in der du schreibst:

    Ich bin nun wirklich kein “Grosskopferter” (wo beginnt das denn überhaupt? Eine Millionen ist doch bereits bei ziemlich geringem Immobilienbesitz erreicht), sondern ein ganz normaler Bürger, der jahrzehntelang die “Unterschicht” durchgefüttert hat. Aber wenn Besteuerung in Raub ausartet, muss man eben von den gegebenen Möglichkeiten Gebrauch machen.

    Da haben wir den Beleg, dass du antisozial eingestellt bist.
    Wir zahlen nicht zu viel Steuern, sondern zu wenig. Und nicht du hast die Unterschicht durchgefüttert, sondern die hat es dir gestattet, gut zu verdienen. Ohne die Leistungen der Unterschicht hättest du so gut wie nichts machen können und kaum etwas verdient. Du hättest natürlich dein Flugzeug auch selber putzen können, und du hättest den Koffertransport vom Flughafen ins Flugzeug und zurück auch selber mit eigener Muskelkraft bewerkstelligen können. Wieso sollte denn die Person, die das Flugzeug sauber macht, weniger verdienen als der Pilot? Beide leisten notwendige und nützliche Arbeit. Der Pilot hat dabei sicherlich die schönere, angenehmere. Und dass er eine längere Ausbildung gebraucht hat, ist für sich genommen ein Privileg und kein Grund, dass man deshalb mehr verdient.

    Wie dem auch sei, die relativ hohen Verdienste der oberen Mittelschicht und die Einkommen der Oberschicht verdanken sich bisher vorwiegend der Ausbeutung der unteren Mittelschicht und der Unterschicht und dazu jetzt schon zum Teil und in Zukunft noch mehr der Verfügung über roboterisierte Arbeit. Nicht aber den Fähigkeiten oder Tugenden derer, die das Geld kassieren.

    Für die Antisozialen wie dich, Frank, bedeutet letzteres dann wohl, dass ein Teil der Menschheit überflüssig wird und abgeschafft werden kann? Denn warum solltest du wollen, dass dieser nichtsmehrnutzige Teil der Menschheit von deinesgleichen durchgefüttert werden sollte.

    (Denn natürlich werden die Eliten über die Maschinen verfügen, die einen Großteil der früheren einfacheren Tätigkeiten übernehmen werden bzw. schon übernommen haben. Die, die nicht zu den Eliten gehören und die nicht die quantitativ reduzierten Dienstleistungen erledigen, die noch direkt von Menschenhand geleistet werden müssen, werden dann beschuldigt werden, nichts zu taugen, damit man sie mit gutem Gewissen für überflüssig, ausgrenzbar und endlich abschaffbar erklären kann. Es wird in Zukunft kein – arbeitendes, streikfähiges – Proletariat geben, das sich wehren könnte; nur einen immer stärker verwahrlosenden “Pöbel”, den du, wie ich von dir höre, nicht durchfüttern willst.)

    Da zeigt sich der (atheistische) Humanist! Voller Verachtung für die, die (aus seinem Blickwinkel heraus) nicht genug leisten! Voller Verachtung also für einen erheblichen Teil der Menschheit.

  8. Korbinian,
    Dänemark hat meines Wissens die höchsten Steuern; Deutschland liegt in der EU eher im Mittelfeld. Gemeint sind die wirklich gezahlten Steuern.

  9. K.Gerlach meint:

    “Eine dieser Sanktionen besteht darin, dass die betreffenden Männer sich damit aus der Gesellschaft ausschließen. Es bleibt ihnen nur ihr Ghetto.”

    Könnte ja sein, das es genau diesen betreffenden Männern gar nicht so unangenehm sein wird, sich dann in den entsprechenden ( bereits vorhandenen) Parallelgeselschaften wiederzufinden. Die dort bereits
    zu verortenden Männer fühlen sich dort ( da sie dort ihren Vorstellungen z.B. von Religion/Geschlechterbild offensichtlich weiter frönen können)
    doch wohl.

    Was das Steuerzahlen angeht:

    Ein nicht kleiner Teil der Bevölkerung in Deutschland zahlen faktisch überhaupt keine Steuern ( von Verbrauchssteuern mal abgesehen).

    Und

    “Etwa 50% der Steuerzahler zahlen 80% der Einkommensteuer, und das sind die mit den hohen Einkommen. Die 8% mit den höchsten Einkommen zahlen 50% der Einkommensteuer, von den rund 10.000 Einkommensmillionären zahlt jeder durchschnittlich rund 1 Mio Steuern im Jahr. ”

    http://jörg-friedrich.de/2015/02/26/wer-zahlt-die-steuern-in-deutschland/

    Bestätigen auch ( unverdächtige) Volkswirtschaftler.

    Mit Beschimpfungen ( auch hier wieder) kommt man da nicht weiter, und nähert sich auch nicht den Tatsachen.

  10. Die steuerliche Belastung für diejenigen, die wenig bzw. mittel verdienen, ist sehr viel höher als für die, die viel verdienen.

    Wenn einer zum Beispiel brutto 2.000 Euro im Monat verdiene und dafür, sagen wir, 400 Euro Steuern abführe, dann ist das sehr viel mehr als wenn jemand 20.000 Euro verdient und dafür, sagen wir, 8.000 Euro abführt. Dem Mittelreichen bleiben immerhin 12.000 Euro im Monat, also mehr als genug zum materiell üppigen Leben; dem anderen bleiben noch 1.600 Euro, was auch nicht schlecht ist, im Vergleich jedenfalls zu anderen Ländern und zu vielen anderen, aber es setzt doch ziemlich enge Grenzen, denn jetzt kommen noch Sozialversicherung und Rente weg … und die Miete ist in München teuer … Der Mittelreiche mit den 12.000 (nach Abzug der Steuern) behält nach Abzug von Krankenkasse und Rente im Monat noch leicht 10.000 Euro, zumal er im Eigenheim oder eigenen Appartement wohnt, der Normalbürger hingegen nach Abzug dieser Beiträge und der Miete liegt dann unter 500 Euro für den ganzen Rest (Essen, Kleidung, Reisen, Unterhaltung u. a.). Was für ein Verhältnis! 10.000 gegen 500 Euro im Monat.

    Das nennt sich dann Gerechtigkeit.

    Der, der 20.000 im Monat einnimmt, arbeitet kaum mehr oder effizienter als der, der 2.000 erhält.

    Man sieht, dass der, der die 20.000 im Monat verdient, viel zu wenig Steuern bezahlt im Vergleich zu dem, der 2.000 Euro verdient.

    Diejenigen, die fast keine oder keine Steuern bezahlen, sind diejenigen, die von dieser Gesellschaft am meisten benachteiligt, am härtesten diskriminiert werden.

    Was macht aber ein Gerlach – ganz der Marktfundamentalist und Antihumanist?

    Zu den Parallelgesellschaftlern in Deutschland:

    Solche gibt es von ganz verschiedener Art.
    Zu den Parallelgesellschaften gehören auch die Superreichen, zum Beispiel. Auch die Pegidaner von Dresden, u. a..

    Im Fall der Migranten: Es gehören vermutlich so um die 200.000 oder 300.000 (so schätze ich mal) Migranten zu solchen Parallelgesellschaften, in Berlin, in Bochum, in Duisburg, in Bremen, in einigen weiteren Großstädten Deutschlands. Denen geht es dort nicht gut, was immer man auch ärgerlich oder provozierend an ihnen wahrnimmt. Sie leben kulturell und sozial und materiell ein prekäres Leben in einer ihnen feindlichen Umwelt, prekär selbst dann, wenn der eine oder andere mit dem Mercedes herumkurvt oder sich in der Moschee religiös berauscht.

    Da haben es einige andere Parallelgesellschaftler in Deutschland besser, die Superreichen jedenfalls schon. Die Pegidaner sind natürlich auch arme Schweine. Du wirst es nicht glauben, Gerlach, aber vor allem hab ich Mitleid mit ihnen. Es ist ja wirklich das Elend, das sie auf die Straße treibt. Ein selbst verschuldetes Elend, gewiss, denn es entspringt ihrer Psyche, ihrer verwirrten Sicht der Welt, aber auch das ist ein Elend, das man ernst nehmen und bedauern muss.

  11. K.Gerlach meint:

    “Wieso sollte denn die Person, die das Flugzeug sauber macht, weniger verdienen als der Pilot? Beide leisten notwendige und nützliche Arbeit.”

    Entschuldigung, aber mit einer solchen Aussage verlassen Sie eigentlich völlig eine Gesprächgrundlage. Das ist die uralte Klassenkampf-Rhetorik
    eines Steinzeit-Kommunisten (noch nicht einmal Sozialisten, denn die – siehe SPD und Godesberger Programm – haben sich vor Jahrzehnten schon bewegt) die sich nun wirklich überlebt haben sollte.

  12. “Wieso sollte denn die Person, die das Flugzeug sauber macht, weniger verdienen als der Pilot? Beide leisten notwendige und nützliche Arbeit.”

    Dann sollten Sie doch einfach mal mit der Putzfrau am Steuerknüppel fliegen und sich die Frage hinterher nochmal selbst beantworten, wenn Sie es dann noch können!

  13. Da fliegt doch der Autopilot.

  14. K.Gerlach meint:

    Meistens. Aber in den entscheidenen Momenten eben nicht. Und ein AP muß auch von irgendjemandem programmiert werden. Und das ist fast so diffizil wie das Verstehen Ihrer häufigen hier ziemlich wahllos eingestreuten
    1-2 Zeiler.

  15. Meistens. Reinigungskräfte haben hingegen nie eine Automatisierung.

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