Ist das Boot voll? Nein! – sagt die Hälfte der Deutschen.

asyl“In unserem Land gibt es bereits viele Ausländer oder Menschen ausländischer Herkunft. Daher ist es nicht möglich, noch zusätzliche Einwanderer aufzunehmen.”

Im September 2015 meinte das ein Drittel der Deutschen, im Oktober waren es dann schon 44%, im März 2016 meldet die Umfrage 47%.

Das heißt – immerhin: Die Hälfte der Deutschen stimmt der Aussage nicht zu. Die Hälfte der Deutschen hält das deutsche Boot noch nicht für voll.

Ich bin angenehm überrascht. Ich sehe es vor dem Hintergrund meiner jahrzehntelangen Erfahrung mit diesem Thema. Im Jahr 1980 hätte sicherlich eine Zweidrittelmehrheit der Deutschen gesagt: Ja, das Boot ist voll. Und dies, obwohl damals der Migrantenanteil und die Einwanderungszahlen noch sehr viel geringer waren.

Die Deutschen haben sich verändert, sind sehr viel offener geworden. Der Anteil derer, der offen bzw. nicht hysterisch auf die Einwanderung reagiert, ist deutlich, geradezu dramatisch gewachsen.

Viele Deutsche haben diese Wandlung nicht mitgemacht; im Gegenteil, ihr Entsetzen hat sich gesteigert, zum einen, weil die Zahlen höher geworden sind, zum andern, weil sie merken, dass ein wachsender Anteil der Deutschen sowie der Eliten (vor allem die Wirtschaft mit ihrer Finanz-, Lobby- und Propagandamacht) heute anders auf die Einwanderung reagiert, als das früher noch der Fall war – als fast nur die Minderheit der Linken offen einwanderungsfreundlich eingestellt war. Dazu kommen die Ostdeutschen, die wenig Erfahrung mit Migranten gemacht haben und darum statistisch häufiger xenophob reagieren.

Sicher, im Moment – angesichts der starken Zunahme der Einwanderung in der Zeit von September 15 bis Februar 16 – ist der Prozentsatz derer, die das Boot für voll halten, wieder gestiegen. Ich halte das für verständlich und würde denen, die sich nun besorgt geben (ohne deshalb gleich zu hetzen!) keine Vorwürfe machen.

Möglicherweise gelingt es der Politik, die Flüchtlingszahlen in diesem Jahr auf eine besser handhabbare, für die Leute verträglichere Dimension zu beschränken.

Auch das wird seinen Preis haben: 1. Die Flüchtlingsnot wird steigen, die Folgen dieser Flüchtlingsnot werden wir noch zu spüren bekommen. 2. Die Maßnahmen zur Reduzierung der Flüchtlinge an den Grenzen werden sich als teuer, vermutlich als kontraproduktiv erweisen. 3. Diese Maßnahmen werden vermutlich gegen das internationale Recht generell und gegen das Asylrecht Deutschlands speziell verstoßen.

Über diese Nebenfolgen wird leider kaum diskutiert. Auch die Regierung geht nicht in die Offensive, spricht nicht von dem Preis der jetzt durchgeführten Flüchtlingsblockade.

“Unser Land hat die wirtschaftlichen und finanziellen Mittel, um Migranten aufzunehmen.”

Immerhin noch über 60% der Deutschen bejahen diese Aussage im März 2016. (Im September waren es noch knapp 70%. Der Prozentsatz ist also nur leicht gefallen.)

WER kann also sagen: Wir sind das Volk! -?

Anmerkungen:

In Frankreich und Italien liegt die Zustimmung zur Aussage, das Boot sei voll, bei weit über 60%. Dieser Meinung war man dort auch schon vor der Flüchtlingskrise ab September 2015.

66% der Deutschen meinen, es sollte wieder schärfere Kontrollen an den nationalen Grenzen der EU-Staaten geben.

72% sind weiter dafür, dass Deutschland denen, die vor Krieg und Elend flüchten, Aufnahme gewähren sollte.  (Das ist die erstaunlich hohe Zahl für März 2016. Im September waren es sogar 79%.)

79% fürchten, dass sich unter den Flüchtlingen, die wir ins Land lassen, auch potenzielle Dschihadisten befinden könnten.

 

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