“FiBS verändert die Welt.” (1. Teil)

initiativgruppeFiBS ist 20 geworden.

Frauen in Beruf und Schule. Eines der Projekte der InitiativGruppe.

FiBS hat das diesen Mittwoch eindrucksvoll gefeiert.

Den großen Satz hat eine Mitarbeiterin von FiBS, Ana Lucia Suro Soto (sie stammt aus Mexiko) riskiert. Sie ist bei FiBS Persönlichkeitstrainerin.

Was macht FiBS “Weltveränderndes”?

FiBS verändert die Frauen.

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Die Ausgangslage:

Eingewanderte Frauen, Frauen mit “Migrationshintergrund”, haben ein doppeltes Problem – als Einwanderer UND als Frauen.

Als Einwanderer die auch für Männer üblichen: die fremde Sprache, die ungewohnte Kultur, den mit der Einwanderung verbundenen Kompetenzverlust, den für viele schmerzhaften Heimatverlust, die Diskriminierung.

Als Frauen: die frauenspezifischen Belastungen, die durch die traditionelle und oft als unausweichlich verstandene Rollenverteilung verfestigt werden.

Die Beschränkung auf das traditionelle Rollenmodell – der Mann verdient das Geld, die Frau bleibt (gefälligst) zu Hause und kümmert sich um Kinder und Haushalt – funktioniert im modernen Deutschland eher selten; die Frau braucht hierzulande in der Regel selbst Arbeit und eigenen Verdienst. Sie braucht die materiell und organisatorisch abgesicherte Form der Gleichstellung mit dem männlichen Geschlecht.

Nun muss sie das auch mit ihrer Familienrolle in Einklang bringen. Das endet zu oft in einer schwer erträglichen und manchmal auch gesundheitsgefährdenden Doppelbelastung. Oder in Resignation.

Migrantenfrauen sind weniger beteiligt an beruflicher Arbeit als “einheimische”. Migrantenfrauen tragen einen geringeren Beitrag zum Familieneinkommen bei als “einheimische”. Kaum halb so viel.

Wer diese Situation substanziell verbessert – wer es schafft, Frauen vermehrt in Beruf und Arbeit und Verdienst zu setzen und ihr damit verbundenes Selbstbewusstsein vermehrt – der verändert nicht nur diese oder jene Frau, diese oder jene Familie; der verändert die Gesellschaft. Die Welt.

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Was tun?

Moralisieren, wie die Xenophoben? Jammern über das Versagen der “Fremden”? Anklagen und Sanktionen wegen angeblicher “Integrationsverweigerung”?

Vor 20 Jahren hat das Frauenprojekt der InitiativGruppe das Problem erkannt und den ersten Schritt gemacht, es zu lösen.

Migrantenfrauen brauchen ein migrantenspezifisches Angebot, um ihre Chancen für berufliche Arbeit zu erhöhen. Es muss zweierlei berücksichtigen: die Sprachdefizite müssen kompensiert werden, und die kulturellen Besonderheiten müssen berücksichtigt werden.

Es genügt nicht, Frauen mit Migrationshintergrund nur das anzubieten, was einheimischen Frauen halbwegs reichen würde.

In diesen 20 Jahren hat FiBS nun durch Qualifizierungsmaßnahmen über 1.000 Frauen den Weg in den Beruf überhaupt oder in einen besseren Beruf geöffnet.

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Das macht FiBS:

Einmal durch eine intensive Beratung. (Pro Jahr nehmen etwa 500 Frauen dieses Angebot von FiBS wahr.) Dabei werden u. a. auch die schon vorhandenen Qualifikationen und Kompetenzen geprüft, Erfahrungen vermittelt, Hilfen bei der Bewerbung zur Verfügung gestellt. – Die gesamte Beratung ist kostenlos.

Dann durch das Nachholen des Mittelschulabschlusses. Ohne Zeugnis, ohne einen solchen Abschluss ist der Zugang zu einer guten beruflichen Tätigkeit in Deutschland aussichtslos. Die Zeugnisse der Heimat, so welche vorliegen, reichen dazu meistens nicht aus, werden von der Zeugnisanerkennungsstelle nicht anerkannt. Also bietet FiBS zwei Klassen an, eine vormittags, eine nachmittags, die zum Mittelschulabschluss führen. Die Teilnahme kostet die Teilnehmer nichts.

Ein beruflicher Orientierungskurs (Mosaik-Kurs) für Berufseinsteigerinnen. Man erweitert seine berufsbezogenen Deutsch- und Rechenkenntnisse, macht auch ein Kurzpraktikum; man kann das ergänzen durch eine Prüfungsvorbereitung für einen externen Mittelschulabschluss.

Für Frauen mit schon fortgeschrittenen Deutschkenntnissen (Niveau B2) gibt es einen speziellen Kurs (mit Praktikum) zur Vorbereitung auf das Berufsleben: Kompass.

Ein spezielles Angebot gibt es für Frauen, die Buchhaltungsfachkraft werden wollen – im Bereich der gesetzlichen und fachlichen Finanzbuchführung.

Man kann bei FiBS aber auch staatlich anerkannte Hauswirtschafterin werden.

Über 130 Frauen nehmen pro Jahr an solchen Kursen teil. Die allermeisten schaffen die dazugehörigen Prüfungen, bekommen die Zeugnisse und Zertifikate – und es gelingt ihnen, ihren Platz in der Arbeitswelt einzunehmen.

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Die politische Dimension dieser an sich unpolitischen praktischen Integrationsmaßnahmen

Ich schlage vor, Sie schauen sich das Angebot einmal auf der Website an. Klicken Sie sich durch! Das Beispiel FiBS lehrt uns etwas Politisches.

Wenn Angela Merkel mutig verkündet: “Wir schaffen das!”, dann hat das einen handfesten Hintergrund:

Es gibt in Deutschland inzwischen vielfältige praktische Erfahrung mit Integrationsmaßnahmen. FiBS ist dafür ein besonders geeignetes Beispiel.

Wir wissen, wie man es macht.

Wir wissen, dass es Erfolg hat (für die einzelnen Teilnehmer ebenso wie für das ganze Land), wenn man es richtig macht.

Wir müssten und könnten diese Ansätze stärker fördern, vermehren, ausweiten. Es wäre eine Investition, die sich auszahlen würde.

Haben Sie ein solches Beispiel wie FiBS im Kopf —

und dann hören Sie die Ahnungslosen vom Scheitern der Integration reden,

dann hören Sie Xenophobe Integration für unmöglich erklären,

dann hören Sie politische Opportunisten darauf bestehen, Integration müsse erzwungen werden -

also, haben Sie das Beispiel FiBS im Gedächtnis, dann wissen Sie, wie Sie dagegenhalten können.  Und warum Sie dagegenhalten müssen.

FiBS ist EIN Beweis unter tausenden, dass Integration gelingen kann.

FiBS zeigt, WIE Integration gelingen kann. Praktisch. Sichtbar. Messbar.

Erfolgreiche Integrationsmaßnahmen machen es möglich, dass Deutschland ein Einwanderungsland sein kann. – Auch insofern verändert FiBS die Welt.

Mehr dazu, wie FiBS die Welt verändert, kommt am Wochenende!

Kommentare

  1. Glückwunsch den MacherInnen von FiBS und weiter so!

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