Nachbar Allah

islam- für die meisten ist er eher kein Problem. Zumindest war das noch im Frühjahr 2015 so. Ob sich die Zahlen seither verändert haben?

Der Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration hat zwischen März und August 2015 insgesamt 5.396 Personen mit und ohne Migrationshintergrund befragt.

Betrachten wir einzelne Aussagen (ich zitiere aus der Pressemitteilung):

1

Zentraler Inhalt des Integrationsbarometers ist die Messung des Integrationsklimas. Dabei wird nach dem ‚Funktionieren‘ der Einwanderungsgesellschaft in den Bereichen Nachbarschaft, Arbeitsmarkt, soziale Beziehungen und Bildung gefragt.

Das Ergebnis: Das Integrationsklima in Deutschland wird von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund deutschlandweit weiterhin als weitgehend freundlich bewertet. Das Ergebnis entspricht der Schulnote „gut“.

„Das zeigt, dass der Integrationsprozess auf einer stabilen Grundlage steht“, sagte die SVR-Vorsitzende. Es zeige sich aber auch, dass die Wahrnehmung des Integrationsklimas umso optimistischer ausfällt, je besser die eigene ökonomische Situation beurteilt wird.

Deutlich werde zudem: „Häufige soziale Kontakte zwischen Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte wirken sich positiv auf die Einschätzung des Integrationsklimas aus – wer hingegen kaum mit Zuwanderern zu tun hat, ist skeptischer.“

2

Für das Integrationsbarometer wurde auch gefragt, welche Aspekte für die Zugehörigkeit zur Gesellschaft in Deutschland als entscheidend eingeschätzt werden.

Das Ergebnis ist überraschend: Die Zugehörigkeit zur Gesellschaft wird weit weniger als man annehmen könnte an exklusive Kriterien wie die Geburt in Deutschland, deutsche Vorfahren oder auch die Zugehörigkeit zur christlichen Glaubensgemeinschaft geknüpft (…), sondern eher an die deutsche Staatsangehörigkeit (…).

Das allerwichtigste Kriterium für die Zugehörigkeit zur Gesellschaft ist jedoch gruppenübergreifend ein fester Arbeitsplatz (…). Wahrgenommene Integration durch Leistung gilt offensichtlich auch für die zugewanderte Bevölkerung.

3

Der Zusammenhang von Religion und individueller Integration wird in der öffentlichen Debatte ‚doppelt überschätzt‘. Es liegen keine belastbaren wissenschaftlichen Belege dafür vor, dass individuelle Religiosität bzw. Religion grundsätzlich die Teilhabe an Bildung und am Arbeitsmarkt erschwert.

Zum anderen zeigt die empirische Forschung, dass Unterschiede im Integrationserfolg zwischen verschiedenen religiösen Gruppen nicht in erster Linie auf die Religionszugehörigkeit zurückzuführen sind.

Der zentrale Erklärungsfaktor für Erfolg oder Misserfolg im Bildungssystem – und darüber vermittelt auch am Arbeitsmarkt – ist und bleibt der soziale Hintergrund.

4

Während Staat und Religionsverfassungsrecht sich offen zeigen für die institutionelle Integration des Islam, belegen die Befragungsergebnisse des SVR-Integrationsbarometers 2016 zur Akzeptanz des Islam ein insgesamt ambivalentes Bild:

Auf Zustimmung stößt eine institutionelle Gleichstellung, beispielsweise beim islamischen Religionsunterricht. 65,0 Prozent der Befragten ohne Migrationshintergrund befürworten islamischen Religionsunterricht als wählbares Unterrichtsfach an Schulen.

Mehrheitlich akzeptiert wird auch ein Moscheebau in der Nachbarschaft.

Ein ambivalentes Bild zeigt sich jedoch bei der abstrakten Frage, ob der Islam ein Teil Deutschlands ist. Eine (knappe) Mehrheit der Befragten ohne Migrationshintergrund (53,1 %) verneint dies und stimmt der Aussage „gar nicht“ oder „eher nicht“ zu. Eine starke Minderheit von 46,9 Prozent der Befragten ohne Migrationshintergrund stimmt der Aussage hingegen „voll und ganz“ oder „eher“ zu.

Bei den Befragten mit türkischem Migrationshintergrund liegen die zustimmenden Werte mit 71,4 Prozent am höchsten. Dagegen sind nur 44,6 Prozent der (Spät-)Aussiedler der Ansicht, der Islam gehöre zu Deutschland. Zwischen den einzelnen Herkunftsgruppen zeigen sich also deutliche Differenzen in der Bewertung (s. Abb. 17).

Es steckt noch viel mehr drin in diesem Bericht. >>> Hier kann man ihn herunterladen. Er hat 220 Seiten.

Politisch festhalten kann man u. a. auch: Rechtspopulisten kümmern sich nicht um Fakten, die ihnen irgendwie nicht passen; kümmern sich nicht um solche Berichte und Analysen. Kümmern sich mit voller Absicht nicht um irgendwelche Integrationserfolge. Man beschränkt sich im wesentlichen darauf, negative Einzelbeispiele zu sammeln und unter der Hand hochzurechnen.

Die Mitte der Gesellschaft hingegen hat ebenso wenig wie der linke Flügel dieser Gesellschaft genug Kommuniktionsintelligenz, um mit den vom Sachverständigenrat vorgelegten Aussagen politisch wirksam zu werden.

Ich kann das allerdings auch nicht sonderlich gut. Trotz meiner Internet-Erfahrung. Ich finde es immer eher interessant, über wichtige bzw. auffallende Aussagen oder Erkenntnisse nachzudenken. Auch zu fragen, was denn diejenigen wirklich meinen, die sich in Umfragen auf die eine oder andere Weise äußern.

Das will ich mal in ein paar weiteren Artikeln tun.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*