Nachbar Allah (Fortsetzung)

islamDer Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration hat zwischen März und August 2015 insgesamt 5.396 Personen mit und ohne Migrationshintergrund befragt. (Erster Artikel dazu)

Über einige der Aussagen möchte ich hier nachdenken.

Ich beginne mit diesem Beispiel:

Was können wir aus folgender Information schließen – es geht um die Frage, ob der Islam ein Teil Deutschlands sei:

Bei den Befragten mit türkischem Migrationshintergrund liegen die zustimmenden Werte mit 71,4 Prozent am höchsten.

Kann man daraus schließen, dass immerhin 28% der Befragten mit türkischen Migrationshintergrund ziemlich entschieden gegen den Islam eingestellt sind und keineswegs wollen, dass er sich – wie die verschiedenen Varianten des Christentums oder wie der jüdische Glaube zum Beispiel – in Deutschland etabliert? 28% hartgesottene islamfeindliche Säkularisten, die nicht nur Distanz halten zu ihrer Herkunftsreligion, sondern auch wollen, dass sie staatlicherseits offen diskriminiert wird?

Man könnte hier zwei Abschwächungen vornehmen:

1. Es ist nicht so heftig, nicht so ernst gemeint. Bei einem ruhigen, sachlichen Gespräch wären viele von denen, die sich in der Umfrage so krass entschieden haben, kompromissbereit.

2. Vielleicht stecken auch Salafisten in diesen 28%? Aus rabiat religiöser Überzeugung heraus sagen sie, dass natürlich der Islam (so, wie sie ihn verstehen) kein Teil von einem so gottfeindlichenLand sein kann.

Das werden dann aber wohl nur wenige sein. Bleibt die für mich spannende Frage, wie viele von den Migranten “muslimischer” Herkunft zusätzlich zu den etwa 28% säkular oder liberal-religiös eingestellt sind. Viele von ihnen werden trotz ihrer Distanz zu den Islamverbänden der Meinung sein, dass der Islam inzwischen zu Deutschland gehört. Könnte der Anteil der nicht-traditionalen und nicht-islamistischen Muslime dann insgesamt bei 50% liegen?

Einmal angenommen, diese Einschätzung wäre richtig – es würde etwas Wichtiges draus folgen. Schmerzhaft für die gläubigen Muslime der Islamverbände, Grund zur Entspannung bei der Mehrheitsbevölkerung:

Offensichtlich geht die Glaubensintensität bei Einwanderern aus islamischen Ländern alles in allem eher zurück.

Sie mag sich bei einem Teil intensivieren – in unterschiedlichen Formen, in harmlosen, also kompatiblen Formen ebenso wie in destruktiven Formen.

Die negativen Beispiele fallen ins Auge – und werden rasch überschätzt. Dramatisch überschätzt.

Diejenigen, bei denen sich der Glaube eher abschwächt oder auflöst und diejenigen, bei denen der Glaube eine liberalere Form annimmt, fallen uns kaum auf.

Aber sie sind – möglicherweise – deutlich in der Mehrheit.

Es ist ein Gesichtspunkt, den man berücksichtigen müsste, wenn man aus dem Anteil der Muslime in Deutschland auf eine “Islamisierungsgefahr” schließt.

Die Integration, die Teilhabe ebenso wie die Anpassung, Assimilation – schreitet voran und macht auch aus muslimischen Einwanderern nach und nach Deutsche.

 

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