Rassist Gauland, Nachbar Boateng

rechtsKein genehmer Nachbar. Nicht einmal, wenn dieser schwarze Nachbar ein waschechter Deutscher ist, Muttersprache Deutsch, in Deutschland geboren, deutscher Nationalspieler und allseits geschätzt, als Spieler wie als Mensch. (Zu allem Überfluss ist er auch noch bekennender Christ.)

Aber er ist eben schwarz. Schwarz gehört nicht zu Deutschland. Schwarz empfindet die Nachbarin als unangenehm, gefährlich, fremd.

Sie mag das nicht, und AfD-Häuptling Gauland hat dafür Verständnis. Irgendwie, so legt seine Äußerung nahe, irgendwie hat sie doch recht, diese Nachbarin.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hatte Parteivizesprecher Alexander Gauland mit einer Beleidigung des Nationalspielers Jérôme Boateng zitiert:

“Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.”

Der Innenverteidiger von Bayern München ist in Berlin geboren und aufgewachsen, sein Vater stammt aus Ghana, seine Mutter ist Deutsche.

ZEIT

Erst provozieren, dann sich weckducken oder verharmlosen. Was hab ich denn schon gesagt?!

Er habe deutlich machen wollen, “dass es viele Menschen gibt, die halt Fremde in ihrer Nachbarschaft nicht für ideal halten.”

Was er gesagt habe, sei doch keine Beleidigung von Boateng.

Ach nein?

Wieso ist Boateng ein Fremder? Anders fremd als einer, den die Nachbarin auch nicht persönlich kennt, der aber vielleicht die “richtige” Hautfarbe hat?

Es ist die Hautfarbe, die hier abgelehnt wird.

Das ist nackter Rassismus. Nicht Kulturrassismus (den vertritt Gauland auch), es ist biologischer Rassismus.

Einige in der AfD distanzieren sich von Gauland. Petry zum Beispiel. Andere finden Gaulands Rassismus ganz in Ordnung, Meuthen zum Beispiel.

Wir dürfen davon ausgehen, dass diejenigen, die AfD wählen werden, dies in Kenntnis des AfD-Rassismus tun. Wir dürfen auch annehmen, dass ihnen dieser Rassismus selber nahe liegt, auch dann, wenn sie sich selbst öffentlich nicht so äußern würden.

Ein Drittel der Deutschen dürfte Gaulands rassistische Anmerkung für zumindest akzeptabel halten. Ein “Deutscher” ist nun mal nicht schwarz.

“Der Sch0ß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch …” (= die Nazi-Bewegung).

Einige Reaktionen:

Fußball-Nationalspieler Sami Khedira sagte zu dem umstrittenen Zitat Gaulands: „Das ist unverschämt“. Der Mittelfeldprofi, der am Sonntag gegen die Slowakei als Kapitän der deutschen Mannschaft aufgelaufen war, sagte weiter:

„Wir als Nationalspieler leben das moderne Deutschland wie keine anderen.“

BILD

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Äußerung des AfD-Vizechefs Alexander Gauland im Zusammenhang mit dem Fußballnationalspieler Jérôme Boateng scharf verurteilt. „Der Satz, der da gefallen ist, ist ein niederträchtiger und ein trauriger Satz“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin auf die Frage eines Journalisten, wie Merkel den Bericht über Gauland in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ bewerte.

BILD

Gaulands Vorgehen ist niederträchtig, weil er sein völkisch grundiertes Ressentiment hinter einer Maske der Sorge versteckt, allzu menschliche Ängste vor dem Fremden aufnimmt und sie gleichzeitig schürt. Es erscheint mehr und mehr als frommer Wunsch, sich mit der AfD so auseinandersetzen zu können, wie es sich für Demokraten gehört.

Spätestens nach der wütenden Charakterisierung Deutschlands durch Parteichef Meuthen als „linksrotgrün verseucht und versifft“, nun nach der Entgleisung Gaulands und der immer größeren Nähe der AfD zu der von einem Kleinkriminellen geführten Pegida stellt sich die Frage, über was mit der AfD zu reden wäre und mit welchem Ziel. Gutnachbarschaftlich kann man sich das nicht mehr vorstellen.

FAZ

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner schrieb auf Twitter, sie wünsche sich lieber Boateng als Gauland in der Nachbarschaft.

Der religionspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, sagte: Dass Boateng Deutscher, in Deutschland geboren und Christ sei und dennoch als Anlass für solche Äußerungen herhalten müsse, zeige, dass es bei der AfD nicht um irgendwelche Sorgen der Bürger gehe, sondern um das Schüren von Ängsten und Abwertung der “Anderen”.

ZEIT

Systematisch schüren sie Ängste, systematisch werten sie die “Anderen” ab.

Die Bewegung der Menschenfeinde rollt.

Aber sie bleibt nicht unwidersprochen.

Langsam merken die Leute, was für Unmenschen sich da in der AfD organisieren.

 

Kommentare

  1. … na hoffentlich merken die Leute, was da für eine Brut gedeiht (und leider auch gewählt wird).

  2. Ich denke, daß die CSU 2017 bundesweit zur Bundestagswahl antreten und kräftig am rechten Rand des Wählerspektrums “grasen” wird. Sie wird sich deutlich von Merkels Mitte-Links CDU abheben und das wird die AfD die Hälfte ihres heutigen Wählerpotentials kosten. Sie wird das vermutlich nicht mehr unter “Seeufer Horsti” sondern unter Söder tun..?

  3. Fantomas007 meint:

    @ almabu

    Ich kann mir das zwar nicht vorstellen, aber mir wäre es recht.

    Lieber die CSU als die die AFD.

    Gauland: Wenn der Mann das tatsächlich so gesagt hat, ist es in meinen Augen zunächst eine Feststellung. Er hat doch recht. Es gibt sehr viele Menschen, die so denken.

    Es kommt drauf an, ob Gauland genauso darüber denkt. Ich kenne den gesamten Kontext des Gesprächs nicht, um beurteilen zu können, wie er das nun wirklich gemeint hat. Man kann Gauland durchaus vorwerfen, dass er insgeheim genauso darüber denkt. Aber es ist auch möglich, dass er eben anders darüber denkt und nur eine Tatsache angesprochen hat, die er nicht teilt.

    Wenn ich mit einem Diskussionspartner in einen Gespräch verwickelt worden wäre, hätte auch ich diese Bemerkung machen können, als bloße Feststellung dessen, dass viele immer noch rassistisch denken und nicht, um anzudeuten, dass ich das genauso sehe.

    Ich denke, man sollte mehr Informationen haben, bevor man sich derart darüber empört. Ansonsten liefert man den Frustrierten und Ewiggestrigen wieder ordentlich Futter und die Bestätigung für den Vorwurf von der “Lügenpresse”.

  4. Hofer4Pres meint:

    Die Medien WOLLTEN Gauland bewusst falsch verstehen. Diverse Politiker und Prominente springen natürlich freudig drauf an… und eben auch Leo Brux!

    Gauland hat sich nicht über Boateng als Person geäußert, sondern einen Vergleich gebracht, dass viele Deutsche nicht gerne “einen Boateng” (als Sinnbild für Schwarze) als Nachbarn hätten. Nun, das mag man blöd finden, ist aber nunmal so. Nichts anderes hat Gauland gesagt. Es ging nie um Boateng selbst. Und das wissen die Meisten auch, aber die Äußerung ist natürlich sehr unglücklich und wird nun ausgeschlachtet.

  5. Hofer4Pres meint:

    Immerhin Fantomas007 hat es erfasst.

  6. Özil ist laut AfD übrigens Antipatriot, weil er in Mekka war.

  7. @Fantomas007:

    Ginge es nur darum genau sprachlich zu analysieren, was er gesagt hat, so könnte man dir recht geben. Doch es geht nicht nur darum, dass viele Idioten keinen Türken, Afrikaner oder Araber neben sich wohnen haben wollen, sondern vor allem darum, was Gauland NICHT gesagt hat.

    Hätte er angefügt, dass er ein solches Verhalten missbilligt – da er ja selber nach eigener Aussage kein Rassist sein will, so könnte man es als Zustandsbeschreibung durchgehen lassen.

    Aber so?

  8. Fantomas,
    da gehst du dem Gauland in die Falle.

    Der Kontext zeigt unmissverständlich: Gauland hält die rassistische Ablehnung des Schwarzen für etwas Normales und Akzeptables. Das möchte er mit seiner Bemerkung rüberbringen.

    Wir könnten auch sagen, dass es Leute gibt, die so denken wie die Personen, auf die sich Gauland bezieht. Wir würden aber den Kontext so wählen, dass wir dabei nicht missverstanden werden.

    Worum geht es der AfD? – Darum, ein Meinungsklima zu schaffen, in welchem man wieder diskriminieren kann; in welchem man klar ausgrenzen und am Ende auch deportieren kann.

    Es ist schon gut, dass dem Gauland seine Provokation nicht einfach durchgelassen wurde.

    Du solltest auch bedenken, dass wir hier in Deutschland sind – im Land des übelsten Rassismus der Geschichte. Wir haben Grund, hier sensibler zu reagieren, meinst du nicht?

    Ein Witz ist es, wenn man so tut, als ob Gauland mit “einem Boateng” nicht eben auch Boateng mitgemeint hat. EIN Boateng ist nun eben ein Schwarzer, und Boateng ist ein Schwarzer, und einen Schwarzen mag die Person, auf die sich Gauland wohlwollend bezieht, nicht als Nachbar haben.

    Es ging nicht primär um Boateng, aber ist er ein Schwarzer oder nicht? Hat Gauland Boateng als Schwarzen hergenommen oder nicht? Geht die Äußerung dazu, dass man eben kein Nachbar von einem Schwarzen sein möchte? Wohlgemerkt, pauschal von einem Schwarzen! Egal, ob der ein Deutscher ist und Deutsch als Muttersprache spricht oder nicht.

    Ein Witz, diese Tricks im Nachhinein. Darauf sollen wir reinfallen.

    Erst rassistisch provozieren, dann so tun als ob das ja gar nicht so gesagt worden sei …

  9. Fantomas007 meint:

    @ Leo

    “Der Kontext zeigt unmissverständlich”

    Welcher Kontext? Ich hab bisher nirgends gelesen, was zuvor oder nach den Zitaten gesagt wurde, auch nicht irgend eine Andeutung mit welcher Absicht er das gesagt hat oder worauf er tatsächlich hinaus wollte. Das Zitat alleine reicht für mich nicht aus, um solch eine Welle darum zu machen, obwohl ich die Wahrscheinlichkeit, dass Gauland genauso denkt, höher einschätze als die Wahrscheinlichkeit, dass er solch eine Ansicht verurteilt. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass sehr viele AFD-Mitglieder tatsächlich so denken.

    @ Frank

    “Doch es geht nicht nur darum, dass viele Idioten keinen Türken, Afrikaner oder Araber neben sich wohnen haben wollen, sondern vor allem darum, was Gauland NICHT gesagt hat.”

    Ich weiß bisher immer noch nicht, was er danach noch gesagt oder nicht gesagt haben will. Es gibt doch bisher nur das Zitat oder hab ich irgendwas verpasst? Gibt es ein Link, das mich erhellen könnte?

    Ich bin ja grundsätzlich dafür, der AFD das Leben so schwer wie möglich zu machen, aber alleine aufgrund eines Zitates, das für sich alleine genommen nur eine Feststellung ist, solch eine Welle zu machen und Gauland alles mögliche hinzuzudichten, was er eigentlich gemeint haben soll, ist für mich kontraproduktiv, weil man damit genau das Gegenteil von dem erreicht, was man eigentlich erreichen will. Jeder durchschnittlich Intelligente AFD-ler wird sich nur in seinen Vorurteilen der Presse gegenüber bestätigt sehen und die ganze Angelegenheit wird sie noch mehr zusammenschweißen.

    Es gibt bestimmt bessere Gelegenheiten der AFD eins auszuwischen.

    “Du solltest auch bedenken, dass wir hier in Deutschland sind – im Land des übelsten Rassismus der Geschichte. Wir haben Grund, hier sensibler zu reagieren, meinst du nicht?”

    Natürlich – und nicht nur in Deutschland. Aber nicht, in dem man etwas hinzudichtet oder erfindet. Wenn man jemandem etwas vorwirft, sollte das auch Hand und Fuß haben. Nur so kann man Menschen die Augen öffnen, die jemanden oder einer Partei auf den Leim gegangen sind. Es gibt heutzutage sehr viele Möglichkeiten sich außerhalb der Mainstream- Medien zu informieren. Und diese Medien oder Blogs werden es nicht schwer haben, die Absurdität dieser Vorwürfe zu entkräften, es sei denn, es gibt tatsächlich mehr als dieses eine Zitat, woraus man ableiten kann, dass Gauland diese Meinung teilt.

  10. Ich schreibe heute einen Ergänzungsartikel zu Gauland-Boateng. Da gehe ich auf deinen Einwand ein, fantomas.

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