AfD und ZMD – worin sie sich ähneln, worin sie sich unterscheiden

rechtsZMD – das ist der Zentralrat er Muslime in Deutschland. Vorsitzender: Ayman Mazyek.

Kürzlich gab es einen gescheiterten Gesprächsversuch AfD-ZMD.

Sineb el Masrar meint: 

Die AfD und der Zentralrat der Muslime bekämpfen sich. Dabei haben sie viel gemeinsam.

Teils geb ich ihr recht, teils widerspreche ich ihr.

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Anfang Mai verglich Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralverbands, die AfD mit Hitlers NSDAP. Die Botschaft dahinter: Muslime seien hierzulande existenziell bedroht, so wie einst die Juden im “Dritten Reich”. Im Gegensatz zu den Juden damals verfügen die Muslime heute aber über sämtliche Bürgerrechte. Muslime in Deutschland haben alle Freiheiten, ihre Religion zu leben. Sie können sich beispielsweise kleiden, wie sie wollen, und so für jeden ihren Glauben auch sichtbar machen. Hierzulande gibt es kein Burkaverbot, und selbst am Arbeitsplatz oder an Universitäten ist Muslimen das rituelle Gebet möglich.

Was die Anspielung des ZMD-Generalsekretärs angeht: Ja, die AfD duldet Rassisten, Muslimfeinde und Antisemiten in ihren Reihen. Und auch nach ihrem jüngsten Bundesparteitag hat sie kein Konzept vorlegt, wie sie mit solchen Leuten und deren Gedankengut parteiintern umgehen will.

Hier unterläuft el Masrar ein instruktiver Fehler.

Die Juden hatten in der Zeit des Kaiserreichs oder der Weimarer Republik sämtliche Bürgerrechte, alle Freiheiten, ihre Religion zu leben. Trotzdem, wenn wir zurückschauen, erkennen wir die Gefahr, die der Antisemitismus für sie bedeutet hat, und wir erkennen die Diskriminierung, die die Juden trotz der formalen Freiheit und Gleichberechtigung erlebt haben.

Sineb el Masrar denkt nur an 33-45. Aber Mazyeks Vergleich zielt nicht einfach nur auf diese 12 Jahre, sondern auf die Zeit davor – auf das Entwicklungspotenzial des Antisemitismus für den Fall, dass er an die Macht kommt.

Mazyek hat also mit seinem Vergleich recht. Die Muslime in Deutschland sind durch die grassierende aggressive  Islamophobie – die mit dem Antisemitismus eng verwandt ist – existenziell bedroht. Wehe, die Islamophoben kommen an die Macht!

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Allerdings sollte gerade der Zentralrat der Muslime genau überlegen, was er an der AfD kritisiert. Denn im Umgang mit Extremisten im eigenen Lager agiert der Zentralrat ähnlich wie die AfD: Er leugnet, mit ihnen etwas zu tun zu haben, und lässt sie zugleich gewähren.

Tatsächlich gilt zum Beispiel das Islamische Zentrum München nicht nur als erste Vertretung der Muslimbruderschaft in Deutschland, sondern ist bis heute Mitglied im ZMD. Ihr ehemaliger Funktionär Ahmad von Denffer hat das Standardwerk Erlaubtes und Verbotenes im Islam des ägyptischen islamistischen Gelehrten Jussuf al-Karadawi ins Deutsche übersetzt. Damit ist Denffer maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich diese reaktionäre Auslegung hierzulande verbreiten konnte.

Bis vor drei Monaten sind die extremistischen Ansichten des Begründers der Muslimbruderschaft, Hassan al-Banna, auf der Plattform waymo.de zu finden gewesen. Diese Plattform ist ein Projekt des Zentralrats und der Medienagentur Yunay (deren Besitzer übrigens ZMD-Generalsekretär Aiman Mazyek ist). Ebenso ist auf der Plattform der salafistische Prediger Ibrahim Abou-Nagie zu Wort gekommen. Er ist der Kopf der Aktion “Lies!”, die den Koran flächendeckend in deutschen Fußgängerzonen verteilte. Einige Jugendliche folgten daraufhin dem Ruf des IS.

Da trifft el Masrar ins Schwarze.

Der ZMD (genauso wie DITIB) müssen sich von uns die Frage stellen lassen, wie sie selber es mit Demokratie, Pluralismus und Toleranz halten, und zwar nicht nur jetzt, wo sie als Minderheit natürlich dafür sind, weil sie andernfalls eliminiert würden.

Wie würden sie handeln, wenn SIE die Macht hätten?

Ich hielte es für unklug, ihnen zu trauen.

Die im ZMD und bei DITIB organisierten Muslime sind keine genuinen Demokraten. So wenig wie die AfDler und Pegidaner. Sobald sie die Macht haben, ändert sich ihr Spiel. Im Fall der AfD brauchen wir nur nach Ungarn zu schauen. Im Fall des ZMD genügt ein Blick auf die Welt der islamischen Staaten und auf die Türkei.

Der Unterschied, den el Masrar allerdings nicht anspricht, ist: Die AfD kann sich für ihr Weltbild auf ein Viertel der Deutschen stützen und kann – im Falle einer katastrophalen wirtschaftlichen Entwicklung – sogar eine Mehrheitsperspektive entwickeln. Wie die NSDAP nach der Wirtschaftskatastrophe von 1929. Die Muslime haben keine solchen Chancen, keine solchen Aussichten. Sie sind und bleiben eine machtlose und im Grunde ausgegrenzte und immer gefährdete Minderheit.

Wir können also Mazyeks ZMD gelassen zuschauen, wie sie in der Grauzone der Demokratei operieren. Im Falle der AfD müssen wir mit dem Schlimmsten rechnen.

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Eine weitere Parallele zeigt uns el Masrar auf; auch hier stimme ich zu:

Eine weitere Parallele zwischen dem Zentralrat und der AfD ist der Gestus der Bedrängten und Benachteiligten. Wann immer AfD-Funktionäre für rassistische Äußerungen kritisiert werden – sei es Beatrix von Storch mit dem Schießbefehl gegen Flüchtlinge oder Björn Höcke mit dem Tausendjährigen Reich –, schieben sie die Schuld der Presse zu. Sie habe die Äußerungen aus dem Zusammenhang gerissen. Ähnliches ist beim ZMD zu beobachten: Auch er kreidet das schlechte Image des Islams vor allem den Medien an.

Einerseits verfemen ZMD und AfD die Presse, andererseits suchen sie die mediale Bühne. Zuletzt ist das bei ihrem gemeinsamen Treffen deutlich geworden. Was als Gespräch verkauft wurde, war tatsächlich ein oberflächlicher Schlagabtausch. Der einzige Zweck dieses Spektakels war die anschließende Inszenierung als Opfer.

Mit dieser Masche werden beide Seiten so lange durchkommen, wie wir sie im Gefühligen gewähren lassen, anstatt von ihnen inhaltliche Erklärungen einzufordern.

Ob man nicht insgeheim auch bei der AfD solche Parallelen erkennt?

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