Amok oder Terroraktion in München?

muenchenIch bin grade nicht in München … Hier nur mal kurz eine erste Reaktion. Am Sonntagabend nehme ich Stellung.

Samstag, 9 Uhr.

1. Über den Mörder wissen wir noch nicht viel, ebenso wenig über seine Motivationen. Ein deutsch-iranischer 18Jähriger. Also wieder einmal ein junger Mann, Migrant, eventuell Muslim. 9 Tote.

2. War die Reaktion von amtlicher Seite – dieses Lahmlegen der ganzen Stadt – gerechtfertigt? Liegt es nun nicht nahe, dass Terroristen künftig ihre Aktionen so planen, dass nicht nur gemordet wird, sondern zusätzlich auch immer das ganze Gemeinwesen paralysiert wird?

3. Auffallend ist die Hysterisierung bei vielen Bürgern. (Sollte man bei Gefahr nicht lieber kühl bleiben und umsichtig abwägen?)

Die mörderisch-verrückten Aktionen von jungen muslimischen Männern häufen sich. Das Misstrauen kann damit nur wachsen. Die Annahme liegt nahe, dass es in nächster Zeit noch mehr, vielleicht sogar sehr viel häufiger solche selbstmörderischen Gewaltakte gegen uns geben wird. Terrorismus ist nicht so sehr dadurch gefährlich, dass hier und da Menschen umgebracht werden; die eigentliche Gefahr ist die selbstzerstörerische Überreaktion der Gesellschaft, die Opfer der Terrorattacken wird. Diese Überreaktion ist das eigentliche Ziel der Terroristen.

Was wäre sinnvollerweise zu tun?

Aber Vorsicht, im Moment wissen wir noch nicht, ob es mehr als ein individuell motivierter Amoklauf war.

Samstag, 17 Uhr:

Ich sitze wieder am Computer, übrigens in Prunn bei Riedenburg (hinter Kelheim, an der Altmühl). und lese in der SZ http://www.sueddeutsche.de/muenchen/mutmasslicher-taeter-von-muenchen-amok-im-kopf-1.3092044:

In seiner Wohnung fanden die Ermittler der Spezialeinheit GSG9 noch Zeitungsartikel über Amokläufe und Texte zu Polizeieinsätzen nach solchen Vorfällen. Eine Verbindung zur Tat von Anders Behring Breivik, der am Freitag vor genau fünf Jahren in Oslo 77 Menschen tötete, liege auf der Hand. David S. habe sich obsessiv mit Amokläufen beschäftigt, konkret seien Beiträge zu Winnenden und Breivik dabei gewesen. Das alles sagten Vertreter von Polizei und Staatsanwaltschaft bei einer Pressekonferenz am Samstag in München. Was die Polizei nicht fand: Hinweise auf den Islamischen Staat (IS), Hinweise auf einen terroristischen Akt.

S. wurde in München geboren und ist auch in München aufgewachsen, er besaß einen deutschen und einen iranischen Pass. Er wohnte in der Maxvorstadt zusammen mit seinen Eltern und seinem Bruder in einer Wohnung. Ein stiller und angenehmer Mensch sei er gewesen, nebenbei soll er Zeitungen ausgetragen haben. “Man hat sich gegrüßt, sonst ist er nicht aufgefallen”, sagte ein Anwohner. Die Familie war bei den Nachbarn beliebt, sie galt als bodenständig. …

David S. war aber wohl in psychologischer Behandlung. Er habe möglicherweise eine Erkrankung “aus dem depressiven Formenkreis” gehabt, formulierte es Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch vorsichtig. Das würde ins Gesamtbild passen, sagte er. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sprach von Hinweisen auf eine “nicht unerhebliche psychische Störung”. Herrmann deutete an, dass David S. wohl auch schulische Probleme hatte. Innenminister Thomas De Maizière sagte am Samstag Nachmittag, der Täter habe kein religiöses Leben geführt. Es gebe Hinweise, dass er gemobbt worden sei.

Der Täter selbst sagte in einem Video, das ihn auf dem Parkplatz nahe dem Olympia-Einkaufszentrum in einer Auseinandersetzung mit einem Anwohner zeigt: “Ich bin Deutscher, ich bin hier geboren worden. Ich war in stationärer Behandlung.” Und: “Wegen euch bin ich gemobbt worden sieben Jahre lang. Und jetzt musste ich mir eine Waffe kaufen, um euch alle abzuknallen.” Die Polizei hält das Video für authentisch.

 Es gibt Hinweise darauf, dass es keine spontane Tat von David S. war, sondern dass er sie länger geplant hatte. Der Polizei zufolge “spricht vieles dafür”, dass der 18-Jährige mit einem ihren Erkenntnissen zufolge gehackten Facebook-Profil junge Menschen in den McDonald’s am Olympia-Einkaufszentrum locken wollte. “Kommt heute um 16 Uhr Meggi am OEZ”, stand in einem Facebook-Post einer “Selina Akim”, der auf Stunden vor der Tat datiert war. “Ich spendiere euch was wenn ihr wollt aber nicht zu teuer.” Die Nachricht erreichte vor allem junge Menschen und Schüler.

Weitere Infos, ob es eine intensivere Verbindung zu Breivik gab, ob er, wie ein Sicherheitsvertreter der Nachrichtenagentur dpa sagte, den Amoklauf von Winnenden verherrlicht habe oder ob er gewaltverherrlichende Computerspiele gespielt hat, gab es noch nicht.

Es sieht also nicht nach einem islamistischen Hintergrund aus.

David ist mir außerdem eher als christlicher und jüdischer und nicht als islamischer Name bekannt. (- Im Guardian lese ich, sein Name sei Ali Sonboly.)

Für diejenigen, die das Drama gleich mal rechtspopulistisch ausschlachten wollten, sind das keine guten Nachrichten.

Wir lernen: Mörderische Attacken können

  1. islamistisch (dschihadistisch) motiviert sein,
  2. rechtsextrem motiviert sein (Breivik, NSU, etc.)
  3. nicht politisch motiviert sein (wie im aktuellen Fall David, in Winnenden und in Erfurt vor einigen Jahren)

Könnten wir uns drauf einigen, beim nächsten Vorfall erst einmal durchzuatmen und ein wenig abzuwarten, in was für eine Kategorie die Sache fällt?

Die Fälle haben schon etwas gemeinsam. Immer sind es junge Männer.

Vielleicht lohnt es sich, DIESEN Aspekt mehr in den Vordergrund zu stellen. Was macht JUNGE MÄNNER so anfällig für mörderische Wahnsinnstaten?

Ob sie ihre Tat dann dschihadistisch, rechtsextrem oder privat verbrämen, ist schon auch interessant und einiges Nachdenken wert, aber vielleicht zweitrangig.

PS:

Ich befinde mich gerade in einem Winkel der Welt, den man als Heile Welt bezeichnen könnte. Hier an der Altmühl scheint es zuverlässig ruhig und gemütlich zuzugehen. Am Freitag bin ich rauf zur Burg Prunn (Bayerns authentischste Burg), heute bin ich rauf zur Rosenburg (die mit den Raubvögeln) … und wenn ich mir die Gewalt-Geschichte der Burgen vergegenwärtige, trägt das in meinem Gemüt zu noch mehr innerer Distanz zu den aktuellen Aufgeregtheiten bei.

Jetzt, nachdem ich gelesen habe, dass 8 von den 9 Toten im Olympia-Einkaufszentrum Jugendliche waren, beschäftigt mich mehr als der Mörder das Unglück dieser jungen Leute. Wer waren sie?

Kommentare

  1. Laut Medien hat der Täter in WhatsApp als Profilfoto ein Bild von Breivik verwendet. Prinzipiell war die Tat aber wohl unpolitisch.

  2. Der Name “David” ist im Iran Iran nicht selten, vor allem in der Form Davoud. Er ist also nicht auf den jüdischen oder christlichen Kreis beschränkt. Auch im Arabischen kommt er als Daoud vor.

    Sein kompletter Name ist in der Tat Ali David Sonboly. Daran ist im Iran (im Farsi) nichts Ungewöhnliches.

  3. BTW: Mein Postzustellungsort/Bezirk in Tunis ist “2046 Sidi Daoud” :-)

  4. Korbinian meint:

    Wenn ich mich nicht täusche zählt David als einer der Propheten im Islam.

  5. Der Guardian wird da übrigens präziser, er wohl mehrere Jahre von hauptsächlich türkischen und arabischen Klassenkameraden gemobbt wurde, von denen er anscheinend mehrere zu dem Mc Donalds-Restaurant lockte (Gratis-Essen). Über diese Version liest man leider im Moment eher wenig in deutschen Medien, aber ich halte sie für durchaus möglich.
    https://www.theguardian.com/world/2016/jul/23/munich-shooting-teenage-gunman-researched-killing-sprees-no-isis-links

  6. Korbinian meint:

    Geht gut ab gerade im Süden. Jetzt kommen ja auch noch Reutlingen und Ansbach hinzu.

  7. Fantomas007 meint:

    “Es sieht also nicht nach einem islamistischen Hintergrund aus.”

    Nein, das Ganze sieht eher nach einem Amokläufer aus, der rassistisches Gedankengut gepflegt hat und beim Abgang so viele Türken und Araber mitnehmen wollte. Er sah sich als Arier und war stolz darauf, dass sein Geburtstag auf den von Adolf Hitler fiel.

    “Jetzt, nachdem ich gelesen habe, dass 8 von den 9 Toten im Olympia-Einkaufszentrum Jugendliche waren, beschäftigt mich mehr als der Mörder das Unglück dieser jungen Leute. Wer waren sie?”

    Sie sollen alle einen Migrantionshintergrund gehabt haben und jung gewesen sein.

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article157337461/Todesschuetze-von-Muenchen-soll-Rechtsextremist-gewesen-sein.html

    “Als Iraner und Deutscher habe er sich als “Arier” gesehen und sei darauf stolz gewesen. Türken und Araber habe er dagegen gehasst und ein “Höherwertigkeitsgefühl” empfunden.”

    “S. habe dabei unter anderem “Scheißtürken!” gerufen. Zudem habe er Wert darauf gelegt, als in Deutschland Geborener Deutscher zu sein.”

    http://www.n-tv.de/panorama/Amoklaeufer-hatte-rechtsextremes-Weltbild-article18286001.html

  8. US-Spezialkommandos wie Rotte Wildschweine aufgetreten?

    Eine Terrorzelle des IS soll in den Bergen von Hamrin, etwa 50km südöstlich von Kirkuk von einem tierischen Spezialkommando vernichtet worden sein, das sich wie eine wildgewordene Rotte Wildschweine aufgeführt haben soll!

    Die IS-Terroristen waren dabei einen Hinterhalt anzulegen, als sie von den „Wildschweinen“ angegriffen, überrannt und ausgeschaltet worden seien. Bilanz: 3 Tote und 5 Schwerverletzte!

    War dies nach TOMAHAWK Cruise Misiles und MOAB-Bomben die dritte saumäßige Geheimwaffe Trumps gegen den IS?

    Es muss für einen strengläubigen Muslim ein schrecklicher Tod sein, ausgerechnet von dreckigen, unreinen Wildschweinen zum Märtyrer gemacht und zu den 72 Jungfrauen geschickt zu werden?

  9. Das bringt mich auf eine neue Superwaffe gegen den IS: Schweineblut. Die USA könnten Schweineblutbomben herstellen und über Raqqa etc. abwerfen …

    Schlechte Idee. Das würde ALLE (oder wenigstens die meisten) Muslime beleidigen, nicht nur die in Raqqa.

  10. Korbinian meint:

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