Ein Syrer analysiert die Flüchtlingssituation in Deutschland

asylYahya Alaous ist Syrer, 42, Journalist, seit 2015 in Deutschland – als Flüchtling.

Er hat ein gutes Auge für seine Landsleute, die syrischen Kriegsflüchtlinge – und für uns, die Aufnehmenden.

Es ist der m. E. bisher beste Text zum Thema. Titel: Deutschland auf Bewährung.

Ich zitiere einen Teil daraus. Er ist am 27./28. 8. in der SZ erschienen (dort Seite 5), aber nicht online verfügbar. Leider.

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Es gibt sie, die Geschichten gelungener Integration, genauso wie es Flüchtlinge gibt, die zu Terroristenwerden oder Frauen sexuell belästigen. Bei einer Gruppe, die so heterogen ist wie die der Flüchtlinge, sollte das niemanden verwundern. Was uns aber zu denken geben sollte: dass die schlechten Nachrichten so laut sind, dass die guten kaum jemand hört.

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Ist die Integration Hunderttausender Neuankömmlinge in Deutschland gelungen? Ist sie gescheitert? Ein Jahr nach der sogenannten Flüchtlingskrise ist es zu früh, Bilanz zu ziehen. Jeder Asylbewerber hat andere Anlagen, andere Voraussetzungen, einen anderen Charakter. Die Flüchtlinge gibt es nicht, auch wenn viele das zu glauben scheinen. Im Grunde gibt es nur eines,was sie alle verbindet: Niemand will abgeschoben werden, und nur wenige wissen sicher, dass sie bleiben dürfen. Sie warten – und fühlen sich dabei wie Prüflinge in einem Test. Deutschland auf Bewährung.

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Die Bundesregierung ruft dieses Gefühl gezielt hervor. Sie sind jetzt hier, lautet ihre Botschaft an die Flüchtlinge, aber je nach Integrationsleistung können wir Sie auch wieder zurückschicken. Es ist eine Botschaft, die sich noch an zwei weitere Empfänger richtet: an die Flüchtlingsgegner, deren Argumente entkräftet werden sollen: „Ja, wir haben die Menschen hergeholt, aber wir beobachten sie genau.“ Und an jene, die noch planen, nach Deutschland zu kommen: „Das hier ist kein Paradies für Flüchtlinge. Denkt nicht mal daran herzukommen.“

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Was die Flüchtlinge angeht, hat diese Politik funktioniert. Viele haben Nachrichten an ihre Verwandten und Freunde geschrieben, in denen sie von der Reise nach Deutschland abraten. „Deutschland ist nichtmehr, wie es früher war.“ Ich habe Menschen getroffen, die es bereuen, hergekommen zu sein. Sie haben nicht damit gerechnet, lange Monate in schmutzigen, alten, überfüllten Unterkünften in entlegenen ländlichen Gegenden leben zu müssen, ohne Kontakte außerhalb der Heime. Am Flughafen habe ich Bekannte verabschiedet, die nach Syrien oder in den Irak zurückgegangen sind, sogar wenn ihnen bei der Ankunft die Verhaftung drohte. Auch kenne ich junge Syrer, die auf die Geldsendungen ihrer Familie aus der Heimat angewiesen sind. Andere wiederum erleben das Warten auf die Familienzusammenführung als die schlimmste Zeit ihres Lebens, vor allem dann, wenn die Angehörigen selbst noch auf ihre Interviewtermine bei den deutschen Botschaften in Amman, Beirut oder Istanbul warten.

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„Keine neuen Flüchtlinge“ ist die neue, unausgesprochene Politik der Regierung.

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Hat Deutschland den Schock über die Flüchtlingskrise überwunden? Das Chaos an den Grenzen ist eingedämmt, aber verschwunden ist es nicht. Es hat sich verlagert, in die Jobcenter, in die Heime und in die Sozialbehörden. Tausende NGOs haben Aktivitäten gestartet, besonders für Kinder und Frauen. Ohne dieses Engagement von etwa einem Zehntel der deutschen Bevölkerung wäre die Regierung wohl aufgeschmissen bei dem Versuch, es „zu schaffen“.

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Die Deutschen haben jetzt viel zu tun. Neue Gesetze werden erlassen, alte geändert. Flüchtlinge haben dabei immer Angst, dass diese Neuerungen Auswirkungen auf ihren Status haben, dass die deutsche Flüchtlingspolitik sich ändert, vielleicht für immer.

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Angst ist ein ständiger Begleiter der Flüchtlinge in Deutschland. Als balancierten sie auf einem Seil, von dem sie jederzeit herabstürzen können. Sie machen sich Gedanken darüber, was passieren kann, wenn die rechten Parteien, die ihre Anwesenheit grundsätzlich ablehnen, stärker werden. Sie haben Angst vor neuenTerrorattacken, davor, direkt oder indirekt zu Leidtragenden der Gewalt zu werden. Sie haben Angst vor der Integration, Angst, ihre Identität zu verlieren. Dazu kommen die in vielen Heimen schlechten Lebensbedingungen, die langsamen Behördenprozesse und das ewige Warten.

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Im Großen und Ganzen versuchen die Flüchtlinge, an ihrer Integration zu arbeiten. Sie verstehen, wie wichtig es ist, die deutsche Sprache zu lernen. Ein Gerücht – zum Beispiel, dass nur der bleiben darf, der Deutsch auf dem Level C1 beherrscht – würde reichen, und die Flüchtlinge stürmten am nächsten Tag die Kurse.

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Sind die Deutschen heute, ein Jahr nach den rührenden Willkommensszenen am Münchner Hauptbahnhof, weniger mitfühlend und weniger freundlich zu uns? Ich glaube nicht, dass die Aktivisten, die damals Essen und Decken in die Notaufnahmen brachten, jetzt auf der Straße Abschiebungen fordern. Aber ich befürchte, dass manche von ihnen einfach zu Hause bleiben.

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Niemand kann voraussagen,was in den nächsten Monaten und Jahren passieren wird. Die Flüchtlinge leiden unter dieser Ungewissheit. Sie haben Angst, dass die Tür, die von Frau Merkel geöffnet wurde, nur so lange offen bleibt, bis sie sich aus der Politik verabschiedet.

Das kann ich alles so

Kommentare

  1. Glatt rassistischer Kommentar dazu von einer “Ruth”:

    Irgendwie habe ich den Eindruck ,das was hier von diesen Versuchsintellektuellen Y. Alaous aufgeführt wird, sind Wünsche, Forderungen und Unterstellungen aus Alice Wunderland.
    Forderungen können diejenigen Stellen die durch ihre Steuerlichen Zwangsabgaben unter schwierigsten Bedingungen in der BRD ihr Leben bestreiten. Gäste stehlen ,vergewaltigen und begehen keine Verbrechen /Straftaten…….ergo keine Gäste, Wirtschaftsflüchtlinge aus allen Herren Länder bis auf wenige die man aus der Kriegsregion Syrien
    helfen muss. Allerdings sollte Fr. Merkel und andere westlichen Kriegsakteure sich mal um ihre Schuld /Gedanken bei /über die Flüchtlingsangelegenheit machen.
    Nochmal auf den Herrn zurück zu kommen und die Problemen die er hier erörtert……Zitat:( Schmutzige ,alte Unterkünfte, usw. ) Das ließt sich ja so als würden diese Menschen in ihren Ländern in Luxus schwelgen und wohnen, nein die scheißen in Löcher und spülen sich mit einer Büchse Wasser den Arsch ab. Der Wohnraum in ihrer Heimat derjenigen besteht oftmals aus primitiv gefertigten Mitteln ,aber hier auf die Kacke hauen. Wenn ich dann höre unerträgliches wohnen in Containern….merkwürdig das die dummen Deutschen Worker über Monate in solchen Behältnissen leben müssen auf den Baustellen in der BRD und das ohne angebrachten Klimaanlagen wie das bei diesen Herrschaften vollzogen worden ist. Das musste ich mal eben los werden als Monteur der in Nordafrika tätig war und so einiges gesehen hat.
    Die Araber neigen zum Stundenlangen labern ,aber kriegen nichts auf die Reihe aber auch Garnichts ….außer sich bei jeder Gelegenheit, sei es ein Pappkarton oder ähnliches unter die Knie zu schmeißen und gegen Mekka zu bölken , also zu nichts zu gebrauchen. Wer hier an Steuereinahmen durch diese Herrschaften denkt oder dachte oder propagierte will den Ottonormalbürger wieder mal verarschen. Also was heißt das für mich, max . 3 Jahre Aufenthalt in D. mit einer gewissen eingeschränkten Toleranzzeit, dieses gilt aber nur für Syrer . Alle anderen Gestalten return, ohne wenn und aber , Krieg ist überall wo der Westen (Nato) zündelt , der D. Arbeiter kann nicht der Ernährer dieser Welt sein ………

    Ich bringe das als Beispiel für die vielen posts, die ich nicht freischalte.

    Schon klar, dass Leute wie diese “Ruth”, die dermaßen menschenfeindlich und rassistisch über andere Gruppen schreiben, auch dazu bereit wären, die betroffene und verachtete Gruppe auszulöschen. Die Nazis waren auch erst einmal für die “Entfernung” der Juden aus Deutschland. Am Ende dann stand der Holocaust. Der Wille zum Völkermord kommt sozusagen mit der Entmenschlichung. Der rassistischen Diskriminierung. Schrittweise. Der Wille zum Massenmord ist in der Sprache, in der Einstellung schon angelegt und erkennbar.

    Ich nehme an, dass sich hinter dem Namen “Ruth” ein Mann versteckt. Es gibt schon auch Frauen, die so denken und schreiben, aber in der Regel sind es Männer. Alte Männer.

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