Die Logik des Zusammenhangs. Islam = Gewalt?

islam

AfD-Spitzenkandidat in Berlin ist Georg Pazderski, ein ehemaliger Bundeswehr-Offizier. Er belehrt uns:

“Wer mir sagt, da gibt es keinen Zusammenhang zwischen dem Islam und Terrorismus, der verschließt die Augen.”

Richtig. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Islam und Terrorismus. Etwa so:

“Wer mir sagt, da gibt es keinen Zusammenhang zwischen Mann-Sein und Gewaltverbrechen, der verschließt die Augen!”

Fast alle Gewaltverbrechen werden von Männern begangen. Ja, sicher, auch Frauen vergiften schon mal ihren Ehemann mit einem Pilzgericht, aber es ist doch eine recht seltene Ausnahme.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Gewaltverbrechen und der Männlichkeit, dem männlichen Geschlecht. Der Zusammenhang ist interessant. Den muss man studieren. Den muss man berücksichtigen.

Aber es geht Ihnen sicher wie mir: Die Feststellung eines solchen Zusammenhangs eignet sich nicht so recht dafür, jetzt auf Männer überhaupt loszugehen. Männer überhaupt zu  beschimpfen. Männer überhaupt als Problem zu sehen.

Die Verallgemeinerung geht daneben:

Die allermeisten Männer sind nicht verbrecherisch gewalttätig und werden nicht verbrecherisch gewalttätig.

Das Mann-Sein ist nicht per se gewaltträchtig. Mann = Gewalt: Das sagt vielleicht eine rabiat männerfeindliche Feministin, aber es dürfte selbst unter Frauen nicht die gängige Überzeugung sein. (Vor 1933 gab es mal einen Hit: “Die Männer sind alle Verbrecher! Ihr Herz ist ein finsteres Loch! …” Darauf reimt sich dann: “Aber lieb, aber lieb sind sie doch.)

Aus dem sowohl statistisch wie soziologisch-kulturell belegbaren Zusammenhang Mann-Gewaltverbrechen folgt kein sinnvoller Angriff auf das Mann-Sein überhaupt. Kein Grund für eine Ausgrenzung von Männern.

So ist das auch mit dem Islam.

Die allermeisten Muslime sind keine Dschihadisten und lehnen Dschihadismus rigoros ab.

Es gibt Möglichkeiten, den Islam so zu interpretieren, dass er dschihadistisch wird. Das ist ein Problem. (Auch des Christentums. Und fast jeder Ideologie. Auch der Marktideologie: Markt = Gewalt?) So, wie es ein Problem ist, dass in der Art und der Tradition der Männlichkeit Gewalttendenzen enthalten sind, die dafür sorgen, dass Männer weitaus mehr als Frauen gewaltkriminell handeln.

Man muss diese Möglichkeiten ins Auge fassen. Aber sich vor Pauschalisierung hüten.

Padzerskis Satz ist – für sich genommen und in einen sachlichen Kontext gesetzt – ein guter, sinnvoller Diskussionsgegenstand, auch ein Thema für eine wissenschaftliche Analyse.

Aber so, wie er von Padzerski gemeint wird und wie er von vielen Menschen verstanden wird, ist er auch potenziell massenmörderisch:

Den Muslimen wird – zwischen den Zeilen – der Krieg erklärt.

Aus den Muslimen werden – den Zeitumständen angepasst – die neuen “Juden” gemacht.

Der Antisemitismus ab ca. 1880 hat in Europa den Holocaust vorbereitet. Dieses extreme Ende war durchaus nicht das Ziel der Antisemiten – aber wenn man schon mal mit der Entmenschlichung und Dämonisierung von Menschen anfängt, kann man u. U. die Eskalation zum Äußersten nicht mehr aufhalten.

Wir KENNEN jetzt den Zusammenhang von Antisemitismus und Völkermord. Wir wissen aus historischer Erfahrung, wie die Hetze gegen Gruppen extrem mörderisch werden kann.

Wollen wir diesen Weg wieder gehen?

Etwas Analoges gilt natürlich auch für Religionen und ihre “heiligen” Texte. Auch da steckt die Möglichkeit einer mörderischen Entfaltung drin.

Insofern ist es schon auch richtig, genau zuzuschauen, wie die Gläubigen ihre Religion interpretieren.

Was wiederum auch für jede Ideologie, auch zum Beispiel für Sozialismus, Kapitalismus oder Nationalismus gilt. Alle drei tragen massenmörderisches Potenzial in sich. Es verhält sich aber wie mit dem oben gebotenen Männer-Beispiel. Vorsicht vor falscher Verallgemeinerung!

Im Falle der Islamfeindschaft wird diese Verallgemeinerung praktisch-politisch umgesetzt. Das mörderische Ziel wird schon hörbar.

Das unterscheidet die Religionen einerseits, Sozialismus, Kapitalismus oder Nationalismus andererseits von Faschismus: Dieser verkörpert bereits den Willen zur Eliminierung des ausgesonderten anderen.

Kommentare

  1. In solchen Aussagen manifestiert sich eine gewisse Orientierungslosigkeit, die weite Teile unserer Gesellschaft in erschreckender Weise erfasst zu haben scheint. Da haben die AgD-Jungs und -Mädchen mit den einfachen, schlichten aber griffigen Antworten Hochkonjunktur…

  2. mal wieder auf den Punkt gebracht, Danke!

  3. Es gibt ja noch eine Parallele:

    Petrys Plan, alle Moslems auf eine aussereuropäische Insel zu verschaffen erinnert doch stark an die ursprünglichen Pläne, Juden nach Madagasker umzusiedeln.

    Das war nur wenige Jahre vor dem Holocaust.

  4. Fantomas007 meint:

    Frank wird sich nicht darüber freuen, weil er grundsätzlich dagegen ist und sämtliche Religionen am liebsten in die Tonne werfen würde. Der Staat soll sich ja bloß nicht einmischen.

    Und Leo wird die Religionsfreiheit bedroht sehen, aber eine pragmatische Lösung wäre, wenn der Staat darauf besteht, dass nur in Deutschland ausgebildete Imame Kinder unterrichten dürfen und sich dabei nach einem Lehrplan halten müssen.

    Das würde das Problem an der Wurzel packen. Wieso darf verdammt nochmal jeder hergelaufenen Möchtegern-Imam, der sein Wissen im Netz erworben hat, in irgendwelchen Hinterhofmoscheen Kinder unterrichten. Das ist in meinen Augen fahrlässig.

    Und wenn man den Terror loswerden will, sollte man Saudi-Arabien und Pakistan unter Druck setzen, damit sie die unzähligen Koranschulen von Grund auf unter ihre Kontrolle bringen und den Lehrplan grundlegend ändern. Das sind die Dschihad-Fabriken. Dort muss man ansetzen. Was nützt es, so und so viele Terroristen zu bombardieren, wenn ständig neuer Nachwuchs aus diesen Terrorschmieden kommt. Das ist die Ursache des Problems. Diese Schüler sind es, die alle anderen mit ihrer Religionsauslegung vergiften und den Terror befeuern.

  5. @Fantomas007:

    Kein Humanist will die Religionen “in die Tonne treten”. Schade, dass das immer wieder missverstanden wird. Wir kritisieren die Theologie (soweit sie inkonsistent ist), vor allem aber die Institutionen mit ihren teilweise recht selbstherrlichen Vertretern.

    Der so genannte “einfache Gläubige” ist niemals Ziel unserer Kritik. Er wird solange respektiert wie er auch uns respektiert.

    Dem Rest deines Kommentars kann ich nur zustimmen.

  6. OFF TOPIC:
    Soll die EU den Polen drohen?
    Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, im FAZ-Interview:
    „…Der Quoten-Beschluss (zur Verteilung der Flüchtlinge) ist auf der Grundlage einer Regel gefasst worden, mit qualifizierter Mehrheit. Auch die Haushalte der EU werden mit qualifizierter Mehrheit beschlossen. Das wird nie in Frage gestellt. Aber der Quoten-Beschluss schon! Einige Mitgliedstaaten, Ungarn und Polen zum Beispiel, akzeptieren ihn nicht und sagen „Wir sind überstimmt worden, damit ist das für uns nicht bindend“. Das ist ein grundsätzliches Infragestellen der Europa-Politik.. (und weiter)
…Übertragen auf Europa heißt das: Es kann nicht sein, dass einige wenige Länder die Last weitgehend allein tragen. Denn Deutschland trägt auch anderswo eine enorme Last, nämlich bei der finanziellen Unterstützung der Länder, die sich verweigern. Polen erhält netto jedes Jahr aus dem EU-Haushalt mehr als 17 Milliarden Euro. Die werden mitfinanziert von den hart arbeitenden Leuten in Deutschland. Deshalb muss man Polen und anderen Ländern sagen: Alles hängt mit allem zusammen! Auch deshalb müssen wir die Migrationsfrage europäisch lösen…“
    http://www.faz.net/aktuell/politik/denk-ich-an-deutschland-1/martin-schulz-im-interview-ueber-kritische-punkte-in-der-eu-14436669.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
    Martin Schulz fordert dies zwar nicht offen, was ich im Titel frage, stellt es aber unmissverständlich im Zusammenhang in den Raum. Wir sollen uns also selbst die Antwort geben, jeder für sich.
    Vielleicht sollte Deutschland wirklich über einen Parlamentsvorbehalt zum EU-Haushalt nachdenken, wenn wir ihn denn zu großen Teilen bezahlen? Solange der Bundestag dem EU-Haushalt nicht zustimmte, bekämen Polen, Ungarn & Co. keine EU-Milliarden.
    Das klingt wie „wie du mir, so ich dir“ und sollte keine deutsche Politik sein, denn sonst würden die Befürchtungen vieler EU-Mitgliedstaaten bezüglich einer deutschen Dominanz geradezu bestätigt. Nein, wenn wir schon auf dieser Ebene angelangt sind, dann stellt sich mir die Frage nach dem Sinn des Ganzen? Ich bin sicher, Polen und Ungarn kennen die EU-Spielregeln so gut wie die Deutschen. Mit öffentlicher Polemik á la Schulz kommen wir nicht weiter!
    PS:
    Wenn der Zweitgrößte EU-Nettozahler, das UK, in spätestens zwei Jahren seine Zahlungen an Polen via Brüssel einstellt, dann wird der deutsche Anteil enstprechend der dann neuen Umlage steigen und Deutschland wird den Polen anstatt 17 Milliarden € dann vielleicht 20 Milliarden € pro Jahr überweisen? Das wären dann knapp 55 Millionen € pro Tag!

  7. In jeder solchen pauschal gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit steckt die mörderische Absicht, den unheimlichen Todfeind zu vernichten, physisch zu vernichten.

    Es geht nur im Moment, unter den gegebenen Umständen nicht. Aber wenn die Umstände herbeigeführt sind – etwa im Rahmen eines großen Krieges wie ab 1941 in Europa – dann geht es.

    1941 hatten die Antisemiten keine Hemmungen mehr, zum Äußersten zu gehen, und irgendwie war es ja konsequent. Wenn die Juden das waren, als was sie von diesen irrsinnigen Judenfeinden gewesen sind, was bleibt dann noch als die Ausrottung? Irrsinn erzeugt irrsinnige Taten.

    Die rabiaten fanatischen Islamfeinde von heute würden genauso in ihrer Tatbereitschaft bis zum Äußersten eskalieren. Das Koranverbot wäre ein erster Schritt, die Deportation ein zweiter, der Krieg gegen sie ein dritter, die Ausrottung das – für sie – logische Ende.

    Es gibt ja einige, die schon öffentlich in Ausrottungskategorien denken. Ayaan Hirsi Ali zum Beispiel, oder der früher als Blogger eifrig tätige “Madrasa of Time”. Petri geht (öffentlich) (noch) nicht so weit. Warum den vierten Schritt ankündigen, wenn man noch nicht einmal den ersten geschafft hat?

  8. Und Leo wird die Religionsfreiheit bedroht sehen, aber eine pragmatische Lösung wäre, wenn der Staat darauf besteht, dass nur in Deutschland ausgebildete Imame Kinder unterrichten dürfen und sich dabei nach einem Lehrplan halten müssen.

    Fantomas,
    die Religionsfreiheit wäre nicht bedroht, wenn man deinem – richtigen – Vorschlag folgen würde.

    Der Lehrplan müsste allerdings – das ergibt sich aus dem GG und seiner Auslegung durch das BVG – als bekenntnisorientierter Unterricht mit den Religionsgemeinschaften ausgehandelt werden. Da haben die dann durchaus ein Vetorecht gegenüber dem Staat. Der dann aber wiederum, wenn es ihm nötig erscheint, das Unterrichten untersagen kann. (Insofern hat auch der Staat ein Vetorecht.)

    Was tun gegen die Motivation zum Dschihad in den Staaten Mitteleuropas (D, F, Österreich, Dänemark, Niederlande, Belgien, u. a.)?

    Da wird uns schon noch mehr einfallen müssen als nur eine angemessene schulische Betreuung. Wir müssen uns fragen: Wie entsteht der totale Frust bei den jungen Muslimen hierzulande? Und können wir wirklich dagegen was tun?

    Ich glaube, dass unsere neoliberale, alles monetarisierende, die Schwächeren aussortierende Wirtschaftswelt einfach zu asozial ist, um diese Verwahrlosungstendenzen und die Neigung zur Rache, die daraus folgt, zu stoppen.

    Unsere Gesellschaft wird immer weniger solidarisch, immer individualistischer, immer egomanischer.

    Das ist eine strukturelle Entwicklung, die man mittels schulischer Betreuung im einen oder anderen Fall mildern, aber in ihrer gesamten fatalen Wirkung nicht aufhalten kann.

    Ja, ich bin mir sicher, dass immer mehr junge Muslime in Deutschland Rache nehmen werden für die Frustrationen, die sie erleiden.

    In ein paar Jahren werden das nicht nur die salafistisch verführten Jugendlichen sein, sondern auch junge Erdo-Türken.

    Da scheitert die Integration total. (Es handelt sich um eine Minderheit. Aber die ist groß genug, um gefährlich zu werden. Sie lässt uns vergessen, dass in den meisten Fällen die Integration gelungen ist bzw. gelingen wird.)

    Auch die Gegenreaktion der Gesellschaft kann man vorhersehen. Es wird pogromartige Ausschreitungen gegen Muslime geben, und gegen Erdo-Türken. Der Staat wird u. U. sogar unter Bruch des Grundgesetzes Muslime deportieren.

    Fantomas, ich sage dir, das kommt. Es dauert wohl noch ein paar Jahre, und es braucht natürlich noch eine deutliche Eskalation – bis jetzt ist ja im Grunde in Deutschland noch nicht viel Schlimmes passiert. Aber es kommt. Je mehr Wirtschaftskrise, desto schneller und heftiger. Aber auch: Je mehr Anschläge gelingen, desto schneller. Jetzt schauen wir mal, ob es den Dschihadisten gelingt, auf dem Münchner Oktoberfest zuzuschlagen. Wir müssen annehmen, dass es Pläne dazu gibt. Die Sicherheitsmaßnahmen sind enorm – aber werden sie ausreichen?

    Nicht für mich, aber für die meisten Deutschen liegt es nahe, die Verunsicherung “den Muslimen” zuzuschreiben. Daraus folgt: Die Wut steigt. Sie steigt und steigt.

    Es gelingt den Dschihadisten, es gelingt dem bornierten Teil der Muslime (und die Erdo-Türken gehören jetzt mit dazu, auch wenn sie eigentlich noch nicht dazu gehören wollen), das Volk gegen den Islam aufzubringen. Sie wollen die Konfrontation. Genauso wie unsere Rechtsradikalen und Rechtspopulisten. Die Extremisten von beiden Seiten werden stärker und hoffen, unsere Welt in der Mitte zerstören zu können.

  9. Frank,
    du kannst den “einfachen Gläubigen” nicht respektieren, wenn du diejenigen, denen er folgt, nicht respektierst. Die “einfachen Gläubigen” haben nun mal auch ihre Autoritäten, die sie verehren, und wenn du diese Autoritäten (seien es Personen oder heilige Texte) attackierst, dann attackierst du damit auch die “einfachen Gläubigen”. Sie werden es auch genau so verstehen – verstehen müssen. Das heißt, eine Attacke auf den Koran ist eine Attacke auf die korangläubigen Muslime. Eine Attacke auf den Papst ist eine Attacke auf die (gläubigen, den Papst hochachtenden) Katholiken.

    Was du brauchst, ist die Kompetenz zu einem respektvollen Umgang mit den Theologen, mit den Theologien, mit den religiösen Organisationen.

    Einen respektvollen Umgang. Das heißt nicht, einen kritiklosen. Man kann als Atheist durchaus konstruktiv mit einem Theologen diskutieren. Nur – man muss sich dann als Atheist schon die Mühe machen, die Religion auf dem Niveau des Theologen zu verstehen. Man muss also studieren. Und erkennen, dass die Theologie keineswegs auf dem Niveau des Osterhasenglaubens steht. Und dass es sehr wohl plausible Überlegungen für einen Gottesglauben geben kann.

    Genau da hakt es. Bei der – aus meiner Sicht primitiven – Weigerung vieler Atheisten, die Gläubigen und ihren Glauben ernst zu nehmen.

  10. almabu,
    grundsätzlich meine ich, dass Deutschland viel zu wenig bezahlt. Dass Deutschland ein Vielfaches gewinnt – leider zum Teil auch auf Kosten der schwächeren Mitglieder der EU.

    Das aber ist in der Sache schwer zu erkennen, schwer zu verstehen. So müssen wir davon ausgehen, dass die große Mehrheit der Deutschen es nicht kapieren wird.

    Es ist EIN Grund dafür, warum die EU scheitern und sich am Ende wohl so zerstreiten wird, dass sie sich auflöst. Die Leute denken nirgendwo primär europäisch und europäisch gemeinwohlorientiert.

    Die ganze neoliberale Konstruktion der EU zeigt sich nun als katastrophaler Fehler. Aus dem aber nicht nur die Bürger nicht viel lernen, sondern auch die Verursacher des Fehlers, Big Money und seine Ideologen, die Marktgläubigen und naiven Fußtruppen.

    Europa muss also durch ein Tal der Tränen gehen, um zu lernen.

    Die Marktidioten und die Nationalidioten verhindern eine vorbeugende, die EU stabilisierende Politik.

    Beide kommen aus der Krise erst einmal gut raus:

    Die Nationalidioten bekommen ihr “Anklam” samt wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Katastrophe, grad so wie sie es sich wünschen – denn dann sind sie oben, dann sonnen sie sich an der Macht.

    Die Marktidioten haben bis zum Einbruch schon gigantische Vermögen erworben, mit denen sie individuell gut über die Krise hinwegkommen, und vielleicht gewinnen sie auch noch in der totalen Krise Geld und Macht – und eine feudale Stellung in der kaputten Gesellschaft.

    So haben diese beiden Verursacher der Auflösung der EU eigentlich wenig Grund, den Verfall zu stoppen.

    Nur die drei Viertel, die in der Mitte sind, die große Mehrheit also, nur sie verlieren eindeutig.

  11. Leo, ich habe nicht gesagt daß Deutschland zuviel in die EU einzahlt! Ich frage mich aber nach dem Sinn, wenn das Ergebnis massiver EU-Milliarden Zustände wie in Polen oder Ungarn kreiiert.
    Bei den grundsätzlichen gesellschaftlichen und ökonomischen Missständen wäre anzusetzen:
    Die EU ist primär nach Wirtschaftsinteressen ausgerichtet. Die EU-Zahlungen kommen aus Nationalstaaten in denen sich die Wirtschaft so weit als nur irgend wie möglich vom Steuerzahlen verabschiedet hat. “Der Steuerzahler” ist hauptsächlich der abhängig Beschäftigte. Man kann also sagen, daß mit dem Geld der abhängig Beschäftigten Gestaltungsvorstellungen der Wirtschaft realisiert werden in der EU. Auch in der EU gibt es unterschiedliche Steuersätze und Besteuerungsvorschriften, also Steuerparadiese wie z.B. Luxembourg, teils die Niederlande, teils das UK uns andere. Wirtschaft wird mit Subventionen und dem Versprechen von Niedriglöhnen und Steuern innerhalb der EU verlegt, z.B. eben nach Polen (z.B. VW) oder Rumänien. Nicht nur apple vermeidet Steuern, alle Multis versuchen dies und die Mittelständler inzwischen auch. Das sind die irren Spielregeln des neoliberalen Endkapitalismus. Wenn die EU jetzt im “Papier von Bratisláva” verspricht ganz, ganz viele Arbeitsplätze für Jugendliche zu schaffen, dann wird es Streit geben über das WO, WIE und mit WESSEN Geld. Eins nur ist sicher, es wird Steuergeld sein, hauptsächlich aufgebracht von den abhängig Beschäftigten der EU.

  12. almabu,
    da hast du natürlich recht: Wieso sollen wir für Ungarn und Polen zahlen, wenn die ein autoritäres, fremdenfeindliches, deutschlandfeindliches, europafeindliches System errichten?

    Genauso recht hast du, wenn du fragst, wieso wir mit unseren Steuergeldern ein System finanzieren sollen, das es Big Money erlaubt, Steuern fast ganz zu vermeiden – das also praktisch als Vampir Europa sein Blut aussaugt.

    Wenn die EU nicht in der Lage ist, Google, Amazon & Co voll und ganz steuerlich heranzuziehen zu all den Infrastruktur-, Bildungs- und Sozialleistungen, die wir Steuerzahler schultern, und zwar überall da, wo sie ihr Geld verdienen, dann kann und muss die EU als Ausbeutungskonstruktion abgelehnt werden. Dann MUSS die EU scheitern. In unserem Interesse.

  13. Die EU müsste verbindliche ethische Regeln haben und durchsetzen, als “alter Heide” fallen mir da spontan die Zehn Gebote ein. Das Gießkannenprinzip der Verteilung von EU-Geldern, auch an Nichtmitglieder wie die Ukraine und die Türkei, müsste beendet werden und Gelder grundsätzlich erst bei erbrachter Leistung fließen, bzw. bei Nichterbringung gestoppt werden. Laut Zahlen von statista.com kassierten die 4 Visegrád-Staaten Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei, “die gegen Flüchtlinge”, in 2015 zusammen 23,5 Milliarden Euro (ca. 2/3 aller EU-Hilfen!), wovon wiederum 13,75 Milliarden €, das sind über die Hälfte (58%) alleine an Polen gingen!

  14. @Leo:

    Du hast natürlich völlig recht. Man sollte ab sofort keine Parteiprogramme und natürlich schon gar keine Parteiführer mehr kritisieren, weil sich die einfachen Parteimitglieder dadurch angegriffen fühlen könnten.

    So ein Mangel an Respekt aber auch – das war mir ja gar nicht bewusst.

  15. Frank.
    vielleicht solltest du Kritik unterscheiden von dem, was zum Beispiel manche Religionskritiker sich leisten: brutal verächtliche Polemik. Könnte ein Unterschied sein, den auch du berücksichten müsstest.

    Was mich am meisten stört bei den atheistischen Religionsfeinden: Sie studieren ihren Gegner nicht. Sie folgen einem ebenso naiven Religionsbild wie die meisten Gläubigen auch.

    Die moderne Theologie bietet schon einen ernsthaften Diskussionspartner für Atheisten, wie wir es sind, wenn es etwa um die Frage nach Gott geht. Es ist etwas peinlich, wenn dann ein unbedarfter Atheist im Brustton seiner absoluten Überzeugung auf einen klugen, gebildeten, nachdenklichen, tiefschürfenden Christen trifft – und nur billige Polemik absondern kann. À la Spaghetti-Monster und so.

    Also, macht eure Hausaufgaben und studiert den aktuellen Stand der Debatte um die Frage nach Gott!
    (Und bildet euch nicht ein, dass ja doch schon alles total klar sei. Diese Vorstellung ist in der Regel für sich schon ein Indiz, dass man es mit fanatisch Gläubigen zu tun hat, auch wenn sie sich als Atheisten bezeichnen.)

    Im übrigen, würde es Sinn machen, wenn ein gläubiger Christ so argumentieren würde:
    Also, diesen Teufel Dawkins finde ich ja absolut durchschaubar, er ist ein dummer, bösartiger und gefährlicher Verführer. Aber gegen seine Anhänger möchte ich nichts sagen. Die sind ja ganz ok, die sind ja mal bloß von dem Dawkins und dessen Atheisten-Mafia verführt worden. Wir müssen diese Anführer entlarven – dann werden ihre naiven Anhänger frei und dann werden sie sehen, dass WIR recht haben.
    Ich könnte mir vorstellen, dass du auf so eine Strategie nicht hereinfallen würdest, Frank.

  16. @Leo:

    Vielleicht solltest du dich einmal ausführlich mit dem Humanismus befassen. Dann kämst du nicht auf solch platte Ideen vom bösartig polemischen Atheisten. Die mag es geben, aber unter Humanisten sicher nicht.

    Und natürlich befassen sich Humanisten intensiv mit Theologie. Auch in meiner Gruppe von nunmehr 900 Mitgliedern sind mehrere Theologen, dazu ex-Muslime und einige Reform-Muslime wie zB Abdel-Hakim Ourghi.

    Du hast eine vollstândig verzerrte Vorstellung von Humanisten. das wird ja immer wieder deutlich.

  17. Bei der Bundeszentrale für politische Bildung gibt interessante Zahlen und Fakten zu Europa. Zu beachten wäre das Jahr der jeweiligen Betrachtung, das zwar nicht auf dem allerneuesten Stand zu sein scheint, dafür aber thematisch und graphisch sehr gut dargestellt wird.

    Eine der Folgen der neoliberalen Politik der letzten Jahre der EU-Nationalstaaten ist der Absturz der Unternehmenssteuern aus Wettbewerbsgründen seit 1996. Sie sind im Beispiel Deutschland in 20 Jahren von 59% auf 29% um 30% gefallen, ohne das der Staat zerbrochen wäre. Er hat sich das Geld nur wo anders geholt.

    Ja, wer bleibt denn dafür am Ende noch übrig? Genau! Zum Einen der, der sich nicht wehren kann, weil es ihm gleich im voraus abgezogen wird, der anonyme Steuerzahler und zum anderen durch Einsparungen bei unserer Drittweltartig verrottenden Infrastruktur, wo sich eine Kostenlawine aufbaut…
    Die dritte Tabelle zeigt wie verschiedene UN-Organisationen und die EU selbst Länder Europa zuordnen. Die Unterschiede liegen in der Maßlosigkeit der EU, die z.B. Länder wie die Türkei und Georgien (beide strategisch wichtig!), Aserbaidschan (Öl- und Gaslieferant!) Armenien, (Pipeline-Durchgangstaat) als zu Europa gehörig nennt, im Gegenteil zu den UN-Organisationen, die dies nicht tun und diese Gebiete Westasien zuschreiben. Die Ukraine und Russland gehören selbstverständlich auch zum Europa der EU. Da gibt es noch reichlich Konfliktstoff..
    ––––––––––
    http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/europa/70564/unternehmensbesteuerung
    http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/europa/70580/nettozahler-und-nettoempfaenger
    http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/europa/70675/die-staaten-und-gebiete-europas

  18. Man merkt halt wenig von der Kompetenz oder vom Respekt.
    Dawkins zum Beispiel weiß weder, was Religion ist noch was es für verschiedene Formen von Religion gibt – noch hat er den nötigen Respekt vor seinem Gegner, der einen Dialog möglich machen würde. Dabei ist Dawkins doch ein brillanter Kopf, einer, der wirklich denken und forschen kann. Aber wenn’s um Religion geht, setzt es bei ihm aus. Und er schreibt ein eigentlich dummes Buch.

    Das ist wie bei Othello. Der ist ein großartiger Feldherr, also einer, der auch in Gefahrensituationen und in unübersichtlichen Situationen kühl rational zu bleiben versteht. Aber als es um Desdemona geht, sagt er sich nicht:

    “Ich hab eine Hypothese. Es könnte sein, dass Desdemona mir untreu ist. Leider könnte es sein, dass Jago die Wahrheit sagt. Der Verdacht ist da. Es könnte aber auch sein, dass er sich irrt oder mich täuscht. Ich weiß es nicht. Ich muss einen Weg suchen, meinen Verdacht zu prüfen. Ich hab genug Zeit dafür. Ich werde im Moment Desdemona noch nicht umbringen, so sehr es mich juckt, denn ich kann mir nicht sicher sein, dass sie mich betrügt. Sollte sich herausstellen, dass ich Unrecht mit meinem Verdacht habe, müsste ich mich bei Desdemona entschuldigen. Also, die Situation ist für mich dramatisch: Entweder ich muss sie umbringen – oder ich muss mich demütigen und mich entschuldigen. Beides tut weh. Weh tut nicht zuletzt auch die Unsicherheit. Ich sitze auf Kohlen! Aber so ist eben jetzt die Situation, und ich bin der Mann, der das aushält. Indem ich es tapfer aushalte, bleibe ich umsichtig und handlungsstark und vermeide es, falsch zu handeln – ich vermeide nach Möglichkeit die Niederlage.”

    Wir wissen, Shakespeares Othello verliert die Nerven. Was passiert da bei ihm? – Etwas, das bei uns allen eine Gefahr ist: dass wir, so stark, so vernünftig wir im Leben sein mögen, doch auch unsere Schwachstellen und schwachen Momente haben, in denen uns plötzlich und ohne, dass wir es wahrhaben wollen, unsere Vernunft verloren geht, oder in denen sie zumindest eingeschränkt bleibt.

    Frank, mein Othello-Vergleich spricht nicht gegen den Atheismus. Man kann der Religion auch so kritisch und umsichtig begegnen, wie ich das mit der Rede an sich selbst, die Othello leider nicht hält, angedeutet habe. Und dabei durchaus auch zu Ergebnissen kommen, die GEGEN die Religion sprechen. Aber diese KRITIK unterscheidet sich vom tragischen Wahnsinn aus Leidenschaft eines Othello. Und von der peinlich primitiven Religionskritik derer, die auf Religion reagieren wie auf Zahnschmerzen.

    Das gilt auch für Theologen, die sich zum Atheismus bekehrt haben. Sozusagen zum atheistischen Glauben.

    Lange Anmerkung für Fantomas:

    Du würdest vermutlich sagen, BEI MIR setze es Othello-mäßig aus, wenn es um die Kurden geht. Und ich – ich seh das natürlich grade umgekehrt.

    Kann ich jetzt annehmen, dass natürlich ICH recht habe und DU der “Othello” in dieser Sache bist?

    – Was würde mich nun berechtigen, dies anzunehmen? Dreierlei:
    Das umsichtige Faktenstudium.
    Der kühl-neugierige, also unabhängige Blick von außen sowohl auf das Pro wie das Contra.
    Die Fähigkeit und Bereitschaft, zu zweifeln und – je nach dem – zu beiden oder zu einem ganz anderen dritten Ergebnis zu kommen.

    Meine Annahme folgt aus meiner jahrzehntelangen Beobachtung von Türken. In nationalen Fragen steht für sie in der Regel die Ehre der Nation über der Wahrheit. Was gegen die nationale Ehre verstößt, KANN nicht wahr sein und IST nicht wahr. Wer für Türken ein guter Türke sein will oder sein muss, der tut gut daran, sich bedingungslos dem Ehrenstandpunkt zu unterwerfen: Aus der nationalen Ehre folgt, was wahr sein muss. Basta. Wer da als Türke nicht mitmacht, ist ein Verräter – und man muss mal sein Blut untersuchen, ob er denn überhaupt ein Türke ist.

    Nur blöd, dass die meisten Menschen auf der Welt, u. a. der Deutsche Leo Brux, keine Türken sind und darum mit der türkischen Ehre nichts am Hut haben.

    Woraus wiederum für Türken die Gültigkeit des Spruchs folgt: Der einzige Freund eines Türken ist der Türke. – Klar. Nur der Türke fühlt die türkische Ehre. Dem Rest der Menschheit ist sie zwangsläufig fremd. Sie haben ja nun mal nicht das Glück, von sich sagen zu können, dass sie Türke sind.

    Wiederum klar: Integration von Türken in Deutschland bedeutet auch, dass sie dieses Ehrenverhältnis zu ihrer Herkunftsnation aufgeben. – Nein, nicht die Liebe, nicht die Vertrautheit – man kann seine Eltern auch lieben, wenn man sich kritisch zu ihnen verhält. Aber dass der nationale Ehrenstandpunkt katastrophal kontraproduktiv werden kann, das müssen sie lernen.

    Die Ehrenfrage ist nun in Deutschland durch Erdogan und die rabiate Abkehr der Türkei vom Westen auch zu einer politischen Frage geworden. Und etwa die Hälfte (oder weniger als die Hälfte?) entscheidet sich für den Ehren-Wahnsinn. Also gegen Deutschland und die Deutschen.

    Zurück zu Frank:

    Die Religion eignet sich prächtig dazu, den Othello zu spielen. Aus vernünftigen Menschen Idioten der (religiösen) Leidenschaft zu machen. Da ist in der Tat eine Gefahr, die durch Religion noch größer wird, als sie es ohnehin schon ist.

    Aber es gibt auch genug religiöse Menschen und genug rationale Hürden in den religiösen Texten, die auf diese Gefahr reagieren und auf gewissermaßen religiöse Weise gegen den Othello-Wahnsinn Widerstand leisten können.

  19. “Und Leo wird die Religionsfreiheit bedroht sehen, aber eine pragmatische Lösung wäre, wenn der Staat darauf besteht, dass nur in Deutschland ausgebildete Imame Kinder unterrichten dürfen und sich dabei nach einem Lehrplan halten müssen.”
    Da Herr Brux hier nicht die Religionsfreiheit bedroht sieht, sehe ich sie mal bedroht. Der deutsche Staat hat einfach nicht das Recht irgendeiner Religionsgemeinschaft vorzuschreiben, wo und wie sie ihre Funktionärskaste rekrutiert. In den hiesigen christlichen Kirchen (katholische, orthodoxe etc., die EKD ist da eine Ausnahme) arbeiten auch zahlreiche nicht in Deutschland ausgebildete und sozialisiserte Amtsträger.
    Warum sollten für die hiesigen Spielarten des Islams andere Regeln gelten?
    Daneben ist der Anteil von genuin deutschen Führungspersönlichkeiten in der hiesigen Salafistenszene ziemlich hoch. Vogel et al. sprechen Deutsch.

  20. Cenki66 meint:

    Conring

    “Warum sollten für die hiesigen Spielarten des Islams andere Regeln gelten?
    Daneben ist der Anteil von genuin deutschen Führungspersönlichkeiten in der hiesigen Salafistenszene ziemlich hoch. Vogel et al. sprechen Deutsch.”

    So sieht es aus. Lange nicht so einen differenzierten Beitrag gelesen! Verfassungsrechtlich ist es nicht verwerflich, wenn der Imam in Ankara oder Marrakesch ausgebildet wurde. Von daher wird ein österreichisches Modell hier nicht funktionieren.

    Mal im Ernst: Welche Expertise hat denn Deutschland mit seinen Import-Wissenschaftlern a la Khorchide und Ourghi vorzuweisen?

    Ich weiss jetzt, dass zwar Leo an die Decke geht, wenn er das Wort DITIB oder Diyanet hört, aber noch lange bevor hier ein Politiker sich Gedanken über “in Deutschland ausgebildete Imame” gemacht hat, hat man das Problem erkannt.

    http://diyanetvakfi.org.tr/en-US/site/haberler/tdv-uluslararasi-ogrenci-programlari-basvurulari-basladi-1628

    Deutsch zu sprechen, heisst nicht automatisch ein guter Imam zu sein, dein Hinweis auf gewisse Persönlichkeiten ist da folgerichtig.

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