Leitkultur – ein Versuch, den Begriff konstruktiv zu fassen (13)

multikulturAndreas Zielcke hat in der Süddeutschen Zeitung (29.9.2016, Seite 13) einen in die Tiefe gehenden Essay.

Hier nun Teil 2: drei Konsequenzen des inhaltsarmen Defensivbegriffs von nationaler Identität:

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Während die unbedrohte, selbstsichere Identität eher politischer Natur ist, versteht sich die bedrohte vor allem kulturell, sie versteht sich als hierarchisch überlegen, und sie versteht sich als geschlossenes System.

Gegenüber der unbedrohten Identität, die sich auf die patriotismusfähige Verfassung, auf die Errungenschaften der amerikanischen oder Französischen Revolution, auf die britische Parlamentssouveränität oder überhaupt auf demokratische Selbstbestimmung und offene Gesellschaft zurückführt, rückt bei der bedrohten Identität unweigerlich die „Leitkultur“ ins Zentrum.

Selbst wenn auch hier politische Institutionen mitgemeint sind wie die Prinzipien des Grundgesetzes, spiegelt die wie ein Schutzschild eingesetzte Leitkultur vor allem das Profil der „eindringenden“ Kultur wider.

So wird gegen den Islam und die „andersartige“ und vielfach „rückständige“ Kultur der türkischen, arabischen oder afrikanischen Einwanderer das Abwehrschild der deutschen, ungarischen, westlichen Kultur und der christlichen oder auch jüdisch-christlichen Religion erhoben.

Gefährdet ist nicht der politische Nationalstaat, sondern, wie es die AfD verkündet, der „Fortbestand der deutschen Nation als kulturelle Einheit“.

Freilich ist diese Verschiebung des öffentlichen Meinungsstreits von politischen zu kulturellen Themen keine europäische Besonderheit. In den USA ist es nicht anders, auch wenn dort die Problemfelder wegen der Einwanderer aus Lateinamerika und wegen der Rassenprobleme andere sind als in Europa.

Der gegenwärtige „Wahlkampf ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr von einer normalen Politikdebatte in einen Streit um nationale Identität und Werte, um Rassen- und Genderfragen umgeschlagen“, schreibt die New York Times.

Werden aber kulturelle Merkmale zur Basis der nationalen Identität erklärt, mutiert Kultur zum Kampf- und Selbstverteidigungsinstrument.

Zumindest in Europa vertrauen die nationalen Bewegungen nicht, was ja erstaunlich genug ist, auf die außerordentliche Verführungskraft der westlichen Kultur, die sie dank ihrer Modernität, ihres Reichtums und ihrer hegemonialen Bedeutung zweifellos besitzt.

Vielmehr begreift man sie plötzlich ähnlich begrenzt und regional als „abendländisch“ und  vergangenheitsorientiert wie ihr einwanderndes „orientalisches“ Gegenüber.

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Aber Kultur, die als Identitätsverteidigung instrumentalisiert wird, schrumpft nicht nur zum Kampfmittel, sondern dient auch dazu, die immigrierende Kultur zu delegitimieren. Das ist die zweite der genannten drei Folgen.

Im Gegensatz zu anderen ausländischen Kulturen wie etwa den angelsächsischen oder den romanischen, die als gleichberechtigt gelten, wird die orientalische hierarchisch abgewertet. Weil sie die nationale Identität bedroht und in Frage stellt, kann sie selbstverständlich nicht legitim sein.

Wenn Orbán verkündet, „wir wollen nicht anders werden“, heißt das, der Islam und die orientalische Kultur haben im Land nichts zu suchen.

Nationale Identität drängt zur Entmachtung des Fremden. Das Gebot der Unterwerfung, das man dem Koran und eben auch dem einwandernden Islam unterstellt (dem Islamismus gegenüber sicher zu Recht), kehrt man um und verlangt Unterordnung unter die christlich-abendländische Leitkultur.

Weil wir, sagt Alain Finkielkraut, Autor des Buches mit dem bezeichnenden Titel „L’identité malheureuse“ (Die unglückliche Identität), auf die Modernisierung und Aufklärung des gefährlichen Islam nicht warten können, müssen wir ihm die Berechtigung hierzulande absprechen.

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Und die dritte Folge ergibt sich hieraus, die Folge nämlich, dass bedrohte nationale Identität sich auch ideell abschließt.

Man denkt und fühlt in einem geschlossenen System. Furchterfülltes Identitätsbewusstsein will sicher sein, dass Neues fugenlos in das Vertraute passt. Wenn nicht, wird es als nicht zugehörig, als Störung, als Indiz für Kontrollverlust, als gefährliche Unterwanderung abgelehnt.

Wie schnell dieses Geschlossenheitsverlangen einen Zug zum Neurotischen bekommt, kann man an den Debatten um die – in Deutschland praktisch nicht existente – Burka sehen oder in Frankreich an der heftigen Reaktion auf den Burkini, der in den Augen der Identitätsschützer kein simples Kleidungsstück darstellt, sondern eine „islamistische Provokation“.

Es ist vor allem diese Sucht nach hermetischem kulturellen Denken, die das Risiko der Konflikteskalation so stark erhöht.

Horst Seehofer spricht im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise von „Existenzfrage“. Je homogener und einheitlicher man die bedrohte Kultur fasst, desto eher kann sich die Sorge vor „unverträglichen“ Fremdelementen hochschaukeln zur Furcht, zur Bedrohtheit, zur Hysterie, zur Panik, zur Paranoia und schließlich zur Aggression.

Nicht zuletzt um diese Steigerungsmechanik zu unterbrechen, gilt es, sich zurückzubesinnen auf die schlichte Ausgangsfrage:

Sind unsere politischen Institutionen, unsere Rechtsverhältnisse und unsere demokratische Substanz wirklich so schwach, so klein, so fragil, dass wir bei ihrer Verteidigung Maß und Offenheit verlieren müssen?

Sind sie so schwach?

Müssen wir “Anklam” werden? Oder “Ungarn”?

Überspitzt gefragt: Muss München ethnisch gesäubert werden?

Ich frage das die CSU!

(Für die Alternative GEGEN Deutschland steht das sowieso schon fest.)

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Kommentare

  1. Jakobiner meint:

    Zielcke übersieht aber bei seiner Überspitzung, dass die westliche, säkulare, demokratische Kultur, die Aufklärung und Demokratisierung durchmachte der orientalisch-islamischen durchaus überlegen ist.In den islamischen und orientalischen Staaten gibt es bis heute nur autoritäre Dikaturen, Bürgerkrieg, Kriege, Frauenunterdrückung, Aberglauben, religiösen Fanatismus,etc. Natürlich wird diese säkular-demokratische Ordnung und ihgre Werte durch die westlichen Nationalisten herausgefordert, aber ebenso auch durch den Islamismus. Es ist also ein Zweifrontenkrieg at its best.

  2. Inwiefern übersieht Zielcke das?

  3. Jakobiner meint:

    Dadurch, dass er sagt, es dürfe keine “Hierarchien” zwischen Kulturen geben, ohne diese näher zu bestimmen .Meiner Ansicht nach gibt es diese Hierarchie durchaus, aber umgekehrt sind Kulturen auch keine ewigen Zustände, sondern können sich wandeln oder aufklären. Aber soweit ist es eben nicht bei der orientalisch- muslimischen Kultur, während Hinduismus und Konfuzianismus diese Modernisierung schon hinter sich haben auf dem halben Weg.

  4. Jakobiner meint:

    Dazu als Lesetip noch auf meinem Blog das Interview mit Daniel Pipes, der die Änderbarkeit der Kultur immer optimistisch betrachtet, aber momentan im muslimischen Raum keine Ansätze sieht:

    http://www.global-review.info/2016/07/25/interveiw-with-daniel-pipes-the-battle-against-islamism-has-not-yet-started/

  5. Fantomas007 meint:

    Ich muss gestehen, dass ich Jakobiners Beiträge, seit dem er sich kurz hält, gerne lese, oder besser, überhaupt lese. Und ich merke inzwischen, dass einiges an Substanz dahinter ist.

    Halt Dich weiterhin kurz, mein Lieber! Leo hat tatsächlich recht. Weniger ist eben manchmal mehr. Niemand hat Lust, in einem Blog einen Roman durchzulesen und schon gar nicht, wenn ein Roman dem nächsten folgt.

  6. Während die unbedrohte, selbstsichere Identität eher politischer Natur ist, versteht sich die bedrohte vor allem kulturell, sie versteht sich als hierarchisch überlegen, und sie versteht sich als geschlossenes System.

    Schreibt Zielcke.

    Was genau versteht die “bedrohte Identität” als “hierarchisch überlegen”? – fragt Jakobiner.

    Gute Frage. Ich versuche mich an einer Antwort:

    Auch die unbedrohte, selbstsichere (kollektive) Identität behauptet sich. Aber anders. Ich muss dem Salafisten nicht sagen, dass unser Gesellschaftsmodell mit der Trennung von Religion und Staat, mit der Emanzipation der Frau, mit ihrem pluralistischen Ethos ÜBERLEGEN ist. Denn mir ist klar, dass er, der Salafist, das ja unmöglich so sehen kann – sonst wäre er keiner. Ich sag doch einem Säufer nicht, dass mein Standpunkt, Saufen sei ungesund, seinem Standpunkt, dass er halt saufen müsse, überlegen ist. Wieso soll ich jemand sagen, 10 sei mehr als 5, wenn der es genau umgekehrt sieht?

    Die bedrohte Identität ist sich ihrer hingegen nicht sicher. Sie muss den anderen, der sie durch Andersheit scheinbar bedroht, eliminieren. Das sind die Menschen, die – aus tiefer Unsicherheit heraus – auf andere moralisch oder sonst wie proskriptiv einreden und einreden, und man merkt, dass ihre Emphase und Hartnäckigkeit immer auch dem Zweck dient, sich selber überzeugen zu müssen.

    Jakobiner, zum Beispiel fasten, abnehmen, kluge Diät sind nützliche Vorschläge, auf jeden Fall dem Fressen, Saufen, dem Verschlingen von süßen Sachen überlegen. Aber muss ich das jemand, der frisst, säuft und sich dem Zucker hingibt, SAGEN? Stell ich mich hin und sag: Hey du, mein Standpunkt ist aber überlegen! Da gibt’s eine Hierarchie, und meine Diätkultur steht über deiner Fresskultur!

    Ich nehme mal an, etwa das ist es, was Zielcke in seiner Bemerkung ausdrücken wollte. Du hast aber schon recht gehabt damit, da einmal nachzufragen, was er denn damit meint.

    Ich seh das ja auch so: Unser kulturelles Selbstvertrauen als aufgeklärte, säkulare, liberale, pluralistische, demokratische, minderheitenschützende Kultur ist etwas, das wir auf jeden Fall zu verteidigen haben, wenn es in Frage gestellt wird – sei es von den Reaktionären und Panikmenschen, sei es von religiösen Fanatikern oder von traditionalistischen Einwanderern.

    Es könnte partiell auch noch etwas anderes sein. Migranten haben oft eine stärkere Familienbindung als die Einheimischen hier. Könnte man in einem solchen Fall die Sache nicht offen lassen, was da “besser” ist?

    Es gibt einige Kulturphänomene, auf die ein Offenhalten die beste Antwort ist.

    Die Menschen sind nun mal verschieden und neigen zu unterschiedlichen Präferenzen, und in aller Regel ist das gut so.

    Da braucht man nicht zu hierarchisieren. Etwa nach dem Motto: Leo besucht auf Urlaubsreisen gern Museen, und damit steht er höher als Mike, der sich lieber in die Sonne legt oder Tom, der sich bevorzugt sportlich betätigt. Es leuchtet mir nicht ein, dass meine Museumsbesuche in der kulturellen Hierarchie höher gewertet werden sollten. Ich meine doch: Bitte, bitte, die Menschen SOLLEN nicht gleich sein!

  7. Jakobiner meint:

    Interessant: Die CSU hat jetzt gemeinsam mit der sächsischen CDU ein Programmpapier zur “Leit- und Rahmenkultur”herausgegeben. Ich habe es noch nicht gelesen, aber mit der Berliner CDU-Zentrale dürfte das nicht abgesprochen sein und man hat von dieser auch noch keine Reaktion gehört, während SPD und Grüne erwartungsmäßig dagegen protestieren.Bei der Leitkultur sei auch Deutschlands Stellung in Europa und der Welt zu berücksichtigen, heißt es in dem Papier, um sich vor dem Nationalismus ala AfD abzugrenzen.

  8. Feuervogel meint:

    Alles Bullshit hier.

    Deutschlands Zukunft muss DEUTSCH sein!
    So einfach ist das.

  9. Jakobiner meint:

    Laut Münchner Merkur sieht die Leitkultur ala CSU/sächsische CDU derfolgt aus:

    “Zur Leitkultur gehören nicht nur Werte und Rechtsnormen der demokratischen Grundordnung. “Zu ihr gehören auch Übereinkünfte, die von der Regelung des Alltagslebens bis zur Ausgestaltung der Rolle Deutschlands in Europa und der Welt reichen.” Dazu zählten ein abendländisches Wertefundament, der Gebrauch der deutschen Sprache im öffentlichen Raum und “Stolz auf unsere Nation”.Die schwarz-rot-goldene Fahne und die Nationalhymne seien wichtige Symbole Deutschlands. Mit dem Papier wollen die Verfasser nach eigener Aussage auch den “wertehaltigen Patriotismus” nicht den “Falschen”überlassen. Dies seien Gruppierungen, die Patriotismus in Richtung Nationalismus missverstehen, sagte Johannes Singhammer, Vizepräsident des Deutschen Bundestages.”Wir wollen in einer Zeit des Umbruchs Orientierung geben, weil wir glauben, dass die Menschen das von uns erwarten.”Europas Krise könne überwunden werden auf den Schultern eines sich selbst sicheren Patriotismus ohne die Gefahr einer Renationalisierung. Patriotismus sei gleichzeitig eione Basis für die Integration von Zuwanderern(…) Ob es für Zuwanderer, die sich dieser Leitkultur nicht verschreiben möchten, Konsequenzen geben sollte, wollten die Verfasser nicht konkretisieren.” ( Münchner Merkur v.1. Oktober 2016. S.2).

    Der Leitkommentator Mike Schier meint dazu:

    “Problematisch wird es mit dem Begriff “Patriotismus”, der in dem Papier eine dominante Rolle spielt. Mit dem Stolz”auf uinsere Kultur und unsere Geschichte”dürften selbst viele Deutsche ihre Probleme haben, das Singen der Nationalhymne und schwarz-rot-goldene Fahnen waren bis nzur Fußball-WM 2006 beileibe keine Selbstverständlichkeit. Dies nun von Ausländern einzufordern, geht zu weit.”

  10. Ich hab mir das schon über den Bayernkurier gespeichert. Morgen oder übermorgen kommt mein Artikel dazu.

    Mein erster Eindruck:
    Eigentlich ist fast alles harmlos. Differenzen bestehen einmal bei einigen Formulierungen – vor allem aber bei dem, was fehlt bzw. unterbelichtet bleibt.

    Das ist eine beinahe kastrierte Leitkultur. Eine, die der wirklichen nicht ganz entspricht.

  11. Alles Bullshit hier.

    Deutschlands Zukunft muss DEUTSCH sein!
    So einfach ist das.

    Diesen Beitrag von einem der Blog-Stalker finde ich besonders instruktiv.

    Anklam ist DEUTSCH! National befreite Zone! Die Zukunft (wie sie sich die Alternative GEGEN Deutschland erträumt)!

    Leute wie dieser “Feuervogel” möchten Deutschland gern abschaffen.

    So, wie sich das vorbildlich deutsch-homogene Anklam allmählich abschafft.

    War Goethe ein Deutscher? – Ja.
    War Goethe deutsch-national? – Nein. Er fand das zum Kotzen. Er war Kosmopolit.

    Nebenbei bemerkt: “Feuervogel” weiß nicht, was “Bullshit” bedeutet. Es bedeutet nicht einfach, dass jemand “Scheiße” daherredet, sondern dass jemand etwas sagt ohne Rücksicht darauf, ob er es wirklich meint oder meinen kann.

    Ich zitiere Wikipedia:

    Das vulgäre Wort Bullshit (wörtlich: „Bullenscheiße“) bezeichnet in der englischen Umgangssprache eine bestimmte Art von Gerede, das im Gestus oft prätentiös, inhaltlich aber leer ist.

    Am treffendsten lässt der Ausdruck sich mit dem neudeutschen Wort Hohlsprech übersetzen, eingeschränkt auch mit Salbadern.

    Verwandten Wörtern wie Humbug, Unsinn, Blödsinn, Schwachsinn und Mumpitz fehlt im Deutschen die Konnotation des Anmaßenden.

    Auch der Ausdruck Geschwurbel weist in diese Richtung, hat aber eine zusätzliche Konnotation von Unverständlichkeit, die dem Begriff Bullshit nicht zu eigen ist.

    Man kann von einem rechtspopulistischen oder rechtsradikalen Standpunkt aus meine Äußerungen für falsch, für irreführend, für gefährlich halten.

    Aber dass erstens eine Überzeugung dahinter steht, zweitens die Argumentation konsistent ist und ordentlich pro und contra diskutiert werden kann, drittens die Texte voller überprüfbarer Inhalte sind, sollte auch einem entschiedenen Gegner meiner Position erkennbar sein.

    Was ich hier schreibe, ist jedenfalls nicht inhaltlich leer. Sonst würde auch “Feuervogel” sich gar nicht die Mühe einer Reaktion machen.

    Die Verwendung des Schimpfworts “Bullshit” gegen den Bloginhalt könnte also selber ein Anwendungsbeispiel für “Bullshit” sein:

    Wer Bullshit redet, tut dies in der Regel ohne Sorgfalt, ohne Achtsamkeit für Details, ohne gedankliche Disziplin, ohne Bemühung um Objektivität, ohne Rücksicht auf Standards; er folgt ungehindert seinen Impulsen und Launen.

    Und:

    Den Bullshitter interessiert es nicht, ob seine Aussagen wahr oder falsch sind; er versucht nicht einmal, eine sorgfältige Beschreibung der Realität zu geben.

    Und:

    Bullshit ist Bluff.

    Und:

    Eine Lüge ist so scharf fokussiert, die Anforderungen der Lüge sind so streng, dass der Lügner, wenn er erfolgreich sein will, sein Handwerk sehr präzise ausüben muss. Der Bullshitter dagegen hat großen Raum für Fantasie und Improvisation; verglichen mit dem Lügner ist er quasi ein Künstler.

    Bullshit ist ein großes Thema heute. Ein Teil der Bürger hat für sich persönlich das Konzept der Wahrheit gewissermaßen idiosynkrasiert: es sich also zur bequem persönlichen Verfügung zugestutzt. Wahr ist, was ICH für wahr halte. – Das Kriterium der kritischen Prüfung durch umsichtiges, kontrolliertes Einbeziehen empirischer Fakten sowie der immer etwas selbst-skeptischen Anhörung der Sichtweise anderer entfällt. ICH ICH ICH weiß, was richtig ist. Und ICH suche mir ein paar andere, die MIR recht geben, und das beweist MIR, dass ICH recht habe. = Gruppen-Autismus in Verbindung mit Egomanie.

    Ein klassischer Bullshitter ist Donald Trump. Er macht gar kein Hehl daraus, dass er in einer “postfaktischen” Wirklichkeit lebt. Real ist, was die Leute für real halten. Egal, wie weit das von dem weg ist, was wir traditionell als objektive oder objektivierbare Realität bezeichnen.

    Die Realität rächt sich grausam an denen, die sie solchermaßen zu ignorieren versuchen.

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